„Die Deutschen sind so neurotisch wie ich“

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Im Dezember erschien das Buch »Allein unter Deutschen« von Tuvia Tenenbom, in dem der Autor seine Erfahrungen während eines sechsmonatigen Aufenthalts im Jahr 2010 in Deutschland beschreibt. Seit zwei Monaten befindet sich das Buch auf der Bestsellerliste des Spiegel. Tenenbom ist Leiter und Gründer des Jewish Theater of New York und Journalist. Er kommt aus einer jüdischen deutsch-polnischen Familie, der Großteil der Familie wurde von den Nazis ermordet. Derzeit ist er auf Lesereise in Deutschland…

Interview: Sebastian Loschert
Jungle World v. 21. Februar 2013

Sie schreiben am Ende Ihres Buches, Sie seien ziemlich erleichtert gewesen, Deutschland wieder den Rücken zu kehren. Wie schwer fiel es Ihnen, nach Deutschland zu reisen?

Ich schrieb damals schon für die Zeit und kannte Deutschland auch von Theateraufführungen ein wenig. Die Menschen, die ich hier vor 2010 kennengelernt habe, waren nett und gebildet, sie luden uns zu gutem Essen ein und alles war gut. Wenn jemand in New York sagte, die Deutschen seien Antisemiten, erwiderte ich: Was zum Teufel redest du da? Die Deutschen sind wirklich hübsch und nett.

Dann machte man mir das Angebot, ein paar Monate nach Deutschland zu kommen und ein Buch zu schreiben. Ich sagte: Klar, warum nicht? Aber das, was ich hier herausfand, war vollkommen anders als das, was ich erwartet hatte. Ich dachte, dass ich nicht mehr als drei Seiten über Juden schreiben würde. Als ich die ersten Male antisemitisches Zeug hörte, habe ich es nicht einmal aufgeschrieben. Erst als es sich ständig wiederholte, wurde mir klar: Das ist ein großes Problem in diesem Land. Was mir die Leute erzählten, war erschreckend.

Gleichzeitig gibt es hier gute Leute. Bevor Hitler an die Macht kam, hatten Juden und Deutsche ja auch eine sehr gute Beziehung. Die Zusammenarbeit der beiden Kulturen war sehr produktiv und fruchtbar gewesen. Und ich hoffe, dass der Tag kommen wird, an dem sich diese Art der Zusammenarbeit erneuern wird.

Das heutige jüdische Leben in Deutschland kommt in Ihrem Buch nicht besonders gut weg.

Jüdisches Leben in Deutschland heute ist ein trauriger Witz. Vor dem Krieg waren die deutschen Juden die Krone des Judentums. Die jüdische Reformbewegung begann hier. Heute ist das deutsche Judentum ein trauriges Abbild seiner selbst. Es existiert eigentlich gar nicht wirklich, weil die meisten der hier lebenden Juden aus Russland kommen. Es ist eine Maskerade. Die Synagoge in Köln hat mehrere Millionen Euro gekostet. Ich habe dort einen einzigen Juden aus der dortigen Gemeinde getroffen. Dann gehe ich nach München. 70 Millionen Euro hat die Synagoge dort gekostet, aber fast ohne Juden. Für die Deutschen ist es toll: Wir haben jüdische Zentren, Rabbiner und Judaismus hier! Wir heißen die Juden willkommen, schaut euch die Zentren an, die wunderbaren Synagogen! Aber es ist ein Museum für die Toten, leblos.

Wenn sich ein Jude traut, Jakob Augstein zu kritisieren, oder wenn eine amerikanische Organisation Augstein auf eine Liste setzt, sagen die Führer der hiesigen Juden, es sei nicht weise, Journalisten zu kritisieren. Was auch immer man von Jakob Augstein halten mag – aber was soll nicht weise daran sein, Journalisten zu kritisieren? Und wenn ein nichtjüdischer Deutscher etwas Schlechtes über Israel sagen will oder Argumente braucht, um nicht mehr über den Holocaust reden zu müssen, findet er immer einen Juden, der die dreckige Arbeit für ihn macht.

Aber ist es nicht so, dass immer mehr Juden, zum Beispiel aus Israel, gerne nach Deutschland kommen?

Ich habe nie gesagt, dass die Juden schlauer seien als irgendjemand sonst. Die NPD schreibt das vielleicht, ich habe das nicht gesagt. (lacht)

In Ihrem Buch fragen sie danach, was »typisch deutsch« sei. Mit Verallgemeinerungen haben Sie offenbar keine Probleme.

Das kommt darauf an, wie man die Verallgemeinerung macht. Wenn ich sechs Monate durch Deutschland reise und mir acht von zehn Menschen erzählen, dass die Juden für die Finanzkrise verantwortlich sind und sich alle untereinander kennen, sich unterstützen oder lieben; wenn keiner aufhören kann, an die Palästinenser zu denken – aber nur an die im Gaza-Streifen, nicht an die Palästinenser zum Beispiel in Jordanien, die unter unmenschlichen Bedingungen leben. Dann frage ich mich: Was passiert da?

Und das wiederholt sich ständig. Da bringen die israelischen Gewalttaten einen jungen Studenten in München um den Schlaf, während er die Gewalttaten der Russen gegen die Tschetschenen, die ein kleines bisschen näher geschehen, nicht sieht. Es gibt das riesige Unglück der Kurden und mein Gegenüber weiß nicht einmal, wovon ich rede. Da sehe ich ein Muster. Diese Art der Verallgemeinerung ist richtig. Das Gleiche machen wissenschaftliche Umfragen. Ich glaube an Tatsachen, wir müssen die Fakten ständig überprüfen. Und wenn sich gewisse Dinge ständig wiederholen, können wir etwas verallgemeinern. Ich habe die Nase voll von »intellektuellen« Deutschen, die mir sagen: »Hör’ auf zu verallgemeinern, wie es alle Amerikaner tun« und die Absurdität dieser Aussage nicht einmal begreifen.

Einige Kritiken in deutschen Medien fielen sehr harsch aus. Kam Ihnen das nicht wie eine Bestätigung der Thesen im Buch vor?

Ja, es gab sehr harsche Kritiken. Und bei manchen dachte ich mir: Was zum Teufel erzählen die da? Steht das im Buch? Die Rezension im Deutschlandfunk etwa war ein Beispiel für sehr unprofessionellen Journalismus. Der Journalist zitiert in seinem Beitrag Volkhard Knigge, den Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, und lässt ihn erklären, was angeblich im Buch steht. Und anstatt mich nach einer Reaktion zu fragen, befragt er eine weitere Person, die ich im Buch kritisiert habe, nach ihrer Meinung. Als ob er nicht wüsste, was die ihm erzählen würde.

Dann gab es einen Beitrag im WDR, dort wurde ich »peinlich bis dumm« genannt. Man kann das machen, aber dann sollte man wenigstens erwähnen, dass der WDR in meinem Buch angegriffen wird, weil er die antiisraelische Kölner Klagemauer schamlos über Jahre hinweg unterstützt hat. Und die Buchkette Thalia wollte das Buch nicht einmal ausliefern. Ich musste mit ihrer Presseabteilung telefonieren, es gab Medienberichte und jetzt verkaufen sie es doch wieder. Solche Sachen sind doch verrückt. Dabei geht es vielen wohl darum, die Ehre Deutschlands zu verteidigen.

Es wurde Ihnen teilweise Effekthascherei mit dem Vorwurf des Antisemitismus vorgeworfen. Und dass dieser Vorwurf durch inflationären Gebrauch an Gewicht verliere.

Das Gleiche hat natürlich Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismusforschung in einem Fernsehbeitrag gesagt. Sie sagte, dass ich die Definition von Antisemitismus ausdehnen würde und so weiter. Wann ist jemand ein Antisemit? Wenn du denkst, dass die Juden von Natur aus anders sind oder 70 Prozent des Geldes in der Welt kontrollieren, bist du ein Antisemit. Du magst es nicht wissen, aber du bist einer. Wenn du denkst, dass die Juden Barack Obama oder den amerikanischen Kongress kontrollieren, bist du ein Antisemit. Wenn die einzige Person, die du in der Welt kritisierst, der israelische Ministerpräsident ist und das einzige Problem für dich der israelisch-palästinensische Konflikt, dann bist du blind, taub, naiv und ein Idiot. Außerdem ein Antisemit.

Es kommt bei Umfragen auch darauf an, wie man die Fragen stellt. Man weiß, zwischen zehn und 20 Prozent der Deutschen sind antisemitisch. Aber wie erfährt man vom latenten Antisemitismus? Wenn du zu den Leuten gehst, sagen sie dir erst wunderschöne Dinge und nach ein paar Bier erzählen sie dir aus heiterem Himmel von den furchtbaren Juden. Das findet man nicht in den Umfragen. Das findest du, wenn du dich zu ihnen an den Tisch setzt.

Sechs Monate Deutschland – würden Sie sich das noch einmal antun?

Ich bin immer noch hier, ich lese und diskutiere. Ich sage nicht: Ihr seid Idioten und ich gebe euch auf. Es ist wichtig, Leuten eine Chance zu geben, und wenn die Leute mit mir reden wollen, mache ich das. Ich kann die Deutschen oft gut leiden. Sie sind so neurotisch wie ich und ich fühle mich sehr wohl hier. Aber gleichzeitig frage ich mich: Wie lange kann man die gleiche Geschichte über die Juden hören, wie lange kann man an so einem Ort leben? Sie sprechen ja über mich. Aber vielleicht wird die Liebe am Ende gewinnen. So war das bei Leuten in Polen, die sehr antisemitisch waren. Danach saßen wir am Tisch und sie sagten: Weißt du, ich habe noch nie einen Juden getroffen, aber ich fange an, sie zu mögen. Wenn wir das schaffen könnten, das wäre gut.

Tuvia Tenenbom, Allein unter Deutschen. Eine Entdeckungsreise, Suhrkamp taschenbuch 2012, 431 S., Euro 16,99, Bestellen?

79 Kommentare

  1. Man sollte aber das Buch auch nicht überbewerten. Von der Kritik wurde es mit „Borat“ verglichen, (und wer würde das ernsthaft politisch diskutieren). Mir ist spontan Broders „Die Irren von Zion“ eingefallen, (wobei Broder anders als Tenenbom nicht rassistisch verallgemeinert in diesem Buch). Einige Szenen sind lächerlich und unglaubwürdig. Auf einer Führung in einem Museum soll behauptet worden sein, Siemens habe das Telefon erfunden, es gibt wohl keinen Deutschen, der dieser Meinung ist- wieso auch, da die Deutschen mit Reis tatsächlich einen Telefonerfinder aufzubieten haben (Einen von drei, die sich um diese Ehre streiten). Peinlich auch seine Verteidigung von Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland, den er immer „diesen Adolf“ nennt, und den er als Opfer einer Medienhatz sieht (wg. Love-Parade Katastrophe).

  2. Ich muss mich präzisieren:“ als der wechselhafte Ausgang von Wahlen in Israel noch irgendeinen Einfluss auf die Politik dieses Staates hatte“. Man hat den Stein der Erleichterung förmlich rumsen hören, der Graumann, Kramer, Broder und Co. vom Herzen fiel, als Netanjahu wieder an der Macht blieb und sich nichts aber auch wieder nichts ändern wird. Der Gedanke, erst seit Rabins Beseitigung den Rechten in Israel zuzujubeln und jeden zum Antisemiten zu machen, der nicht mitjubeln will, um dann bei einem möglichen Systemwechsel eine 180 Grad Wende zu vollführen, um dann den liberalen und linken Kräften unterwürfig zu sein, würde den allergrößten und abgebrühtesten Heuchler überfordern.
    Außerdem habe ich „inkl. das Umkippen der Grabsteine“ geschrieben. Keinesfalls habe ich mich auf diese Straftaten, bei denen keine Menschen einen körperlichen Schaden erleiden mussten, beschränken wollen und es auch nicht getan.
    Lassen wir uns aber zum Thema: Israels Rechte und jüdisches Leben in der Diaspora zurückkehren.
    Die Sowjetunion ist Geschichte und die Linksterroristen von damals sind es auch. „Glücklicherweise“ setzte sich der Terror gegen Israel und den Westen aus der islamistischen Ecke fort und damit öffnete sich ein weiteres Betätigungsfeld.
    Die Feinde von links wurden ersetzt durch die Feinde aus dem muslimischen Kulturkreis. Meinen Sie allen Ernstes, man könne es übersehen, wie sehr der Ausländerhass in der deutschen und europäischen Bevölkerung hier ausgenutzt und angefacht werden soll? Mir wird übel, wenn ich Herrn Graumanns Lippenbekenntnissse höre, dass es in Deutschland keinen Platz für eine derartige Xenophobie geben darf, während gleichzeitig ein Giordano von einem „inflationären Moscheenbau“ faselt.
    Waren Sie einmal bei „Youtube“ und haben nach Kanälen gesucht von Nutzern, die sich mit der „Jewish Defense League“, der „Jewish Task Force“ oder gleich der Kahane-Bewegung identifizieren? Der Hass auf Araber und Türken, die angebliche Sorge um die „Islamisierung Europas“ ( auch Giordano spricht wortwörtich davon) findet mit dem Segen der jüdischen Rechten statt. Das ist der Persilschein für alle, die nur aus Furcht vor der Nähe zum Hakenkreuz (bisher) die Finger von solchen Bewegungen, Parteien und anderen Gruppierungen ließen.
    „Türken ‚raus“ schreit es sich dann bestimmt leichter.
    Ach ja, von jüdischer Allmacht habe ich nicht gesprochen- das hätten sie nur gern.
    So nach dem Motto: Erst setzen wir ihr eine lange Nase auf, und dann verbrennen wir sie als Hese.

  3. @ E.C. : „Was soll dieses Verdrehen? Als es in Israel noch Wahlen mit wechselhaftem Ausgang gab, wäre es vermessen gewesen, sich von hier aus untrennbar mit einer politischen Strömung dort zu verschmelzen. Sie schreiben ja selbst, dass es genug Angriffe und Ãœbergriffe hier gab, die gegen das jüdische Leben inkl. der Friedhöfe-( sie wissen schon, das Grabsteineumkippen) gerichtet waren.“ Hübsch verharmlost und verdreht in nur drei Sätzen.

    Erstens gibt es Wahlen in Israel mit wechselhaftem Ausgang, zweitens ging es um Israel und keine Strömungen, drittens war das „Grabsteinumkippen“ nicht der begeisterte Ansturm von deutschen Linken und Rechten in die PLO Ausbildungscamps und die Durchführung des dort Gelernten. Es mag sein das die Junge Freiheit dies Anders sieht, Ihr durch die Allmacht der Juden geprägtes Bild sollte Sie aber auf die Seite der Ãœbermächtigen in Ihrer Welt führen, dann geht es Ihnen auch persönlich sicherlich besser.

    • Ich habe es gerade in den online -Nachrichten bei Yahoo gelesen: Zynisch bis schadenfroh geifert Danny Ayalon- nicht mit Danny Danon zu verwechseln, das ist der von „Worldlikud“- darüber, dass die Ära Barack (als Verteidigungsminister) vorbei ist. Die Konsequenz: Vermehrter Siedlungsbau.
      Ja, so ändert sich ein demokratisches Land: die Wähler mögen nach links oder zurück zur Mitte driften, die Politik macht was die fanatischen Außenseiter wollen.
      Hoffentlich hat man wenigstens bei der EU soviel Rest von Rückgrat, die Beziehungen mit dieser Regierung auf ein frostiges Mindestmaß zu reduzieren, mag Graumann dann auch noch so traurig dreinblicken und Broder polemisieren.

    • Tut mir leid- das war ein Irrtum. Es handelt sich nun doch um Danny Danon, der „endlich“ zum Zuge kommt. Seinem Hass auf Barak hat er schon bei früherer Gelegenheit rücksichtslosen Ausdruck verliehen. Es wird also alles noch viel schlimmer werden als zuvor.
      Notabene: Danon ist Vorsitzender einer Organisation mit dem Namen „Worldlikud“. Sollte das nun doch nach Weltjudentum klingen, so ist das nun wirklich nicht meine Schuld.
      Worldlikud hat auch eine Charta, in der unter anderem davon die Rede ist, die Araber aus dem Westjordanland nach Jordanien zu verfrachten (O-Ton: „Relocation“), wobei Israel so gnädig sein sollte, die dadurch anfallenden Kosten mit den Jordaniern zu teilen.
      Wer gerne geradegebrochenes Englisch hört, dem bietet sich bei „Youtube“ genug Gelegenheit diesen Rechtsaberauchganzrechtsaußen Israels direkt zu erleben.

    • „Hoffentlich hat man wenigstens bei der EU soviel Rest von Rückgrat, “

      hat sich jemals irgendeine deutsche regierung oder ein
      europaeisches parlament danach gerichtet, was ein „E.C.“
      moechte?

      ich vermute fast dieses mal wird es wieder so sein

      J

  4. ..womit er letztlich die deutsche Politik für unglaubwürdig erklärt.
    Und das ist Absicht.
    Welcher deutsche Außenminister kann sich dann noch an die Seite Israels stellen oder (umgekehrt?) für eine gerechte Friedensordnung in Nahost einsetzen, wenn dermaßen gegen das deutsche Volk in seiner Gänze Stimmung gemacht wird?
    Dröhnendes Schweigen des Zentralrats begleitet die Debatte über Tenenbom. Broder grinst sich einen und Friedman kann vor Lachen nicht mehr schlafen. Wolffsohn verkriecht sich in seinem akademischen Elfenbeinturm und damit hat es sich.

  5. Ãœber Prominente und die deutsche Elite schreibt Tenenbom sehr schwammig, aber in Ton freundlich. Hier ist er sehr vorsichtig und erlaubt sich kein abschliessendes Urteil. Er weiss genau, dass seine Leser ihm nicht jeden Unsinn über Leute wie Helmut Schmidt oder Helge Schneider durchgehen lassen werden. Tenenbom verzichtet immer auf ein Urteil, wo dieses nachprüfbar ist. Das nenne ich feige. Ãœber den Deutschen an sich, also jemand den ausser Rassisten überhaupt niemand kennt ist, sein Urteil aber eindeutig negativ. Das ist ressentimentgeladen. Tenenbom geht den umgekehrten weg wie z-B. Augstein, Dieser kritisiert die israelische Regierung und bekannte Politiker ohne sich überhauipt ein Urteil über „die Israelis“ oder „die Juden“ zu erlauben. Tenenbom wiederum kriecht den Mächtigen und Prominenten in den Arsch um dann auf „die Deutschen“ einzuprügeln.

  6. @pmn
    Das Vorurteil von den selbstverliebten Deutschen, die dauernd wissen wollen, dass man sie mag oder auch nicht, ist vor allem in den USA beliebt und verbreitet.
    Vergessen wir nicht die engen Beziehungen Tenenboms zu den islamophoben Zirkeln in den USA. Seine Freundin Rosenbaum vom Gatestone Institute, verantwortlich für die Einladung Geert Wilders nach New York, richtete auch den Empfang im Adlon aus, auf dem Tenenbom vor so erlauchten Personen wie Broder und Clemens Heni die deutsche Ausgabe seines Buches vorstellte.
    Der Hass auf die EU zieht sich wie ein roter Faden durch die Artikel auf der Website dieser „Sugar Mum of Anti-Islamic Hate“.
    So schreibt Tenenbom über Polen, es sei überaus antisemitisch und die Züge seien unbequem geworden, für beides gibt er der EU die Schuld. Das mag komisch finden wer will- ich nicht.
    Ach ja, wie wäre es eigentlich, wenn es in Deutschland Busse und Bahnen nur für Türken gäbe, weil es den Deutschen nicht zugemutet werden kann, mit Musels zusammen in einem Wagen zu sitzen?

    • „Das Vorurteil von den selbstverliebten Deutschen, die dauernd wissen wollen, dass man sie mag oder auch nicht, ist vor allem in den USA beliebt und verbreitet.“

      „So schreibt Tenenbom über Polen, es sei überaus antisemitisch und die Züge seien unbequem geworden, “

      naja.. polen scheint sie doch auch nur zu interessieren,
      weil ihnen antisemitismus vorgeworfen wird genaus so wie
      deutschland.

      J

  7. Das Buch fand ich nicht besonders überzeugend, und ich ärgere mich es gekauft und gelesen zu haben. Tenenbom interviewt ein paar Prominente, die kommen alle ziemlich gut weg und dann spricht er mit dem „deutschen Volk“. hier trifft er schon im voraus eine Negativauswahl und deren Aussagen verallgemeinert er dann. Feige und ressentimentgeladen klingt das ganze. Allerdings ist es auch ziemlich geschickt. Sein Buch ist ja vor allem für ein deutsches Publikum geschrieben. Wer soll sich sonst dafür interessieren. Ich frage mich, würde ich ein Buch kaufen, indem sich spanische Nonames über Israel äussern. Die Deutschen beschreibt Tenenbom als selbstverliebt und geradezu bessessen davon, was andere über sie denken. Dann wird ein solches Buch natürlich ein Selbstläufer.

  8. Es tut mir natürlich in meinem tiefstem Innern leid, dass ich mich in meinem Tonfall zu sehr von den Leuten habe prägen lassen, denen man in anderen Onlinemedien begegnet:
    Yahoo, Youtube, Web, Gmx, Talkshows mit Broder, etc.
    Notabene: War man höflich zu Herrn Grosser, Frau Hecht-Galinski, Frau Langer, Frau Butler?
    Wie war das mit der „geltungssüchtigen Hausfrau“? Hat da nicht jemand die Behauptung aufgestellt, Norbert Blüm sänge am liebsten „Wenn’s Judenblut vom Messer spritzt“?
    Wer eine Talkshow mit Broder oder Friedman oder beiden ertragen hat, muss ein Mahatma Gandhi sein, um seine Kinderstube nicht zu vergessen.
    Tja, und dann kommt da ein Berufsprovokateur aus New York und macht alles noch viel schlimmer.

  9. Gibt es irgendeinen Bereich des öffentlichen Lebens in Deutschland, in den sich die Israellobby nicht einmischt und mit Dreck schmeißt?
    Notgedrungen wird man dann entweder zum Weggucker oder man zahlt mit gleicher Münze zurück.
    Ob Sie es nun glauben oder nicht, es war die Beschäftigung mit den „neuen Rechten“ außerhalb der Stiefelnazis, die mich auf die moralische und rhetorische Unterstützung von Broder und Co. aufmerksam machte.
    Und der Graumann guckt weg oder macht mit- das hatte Charly Knobloch auch schon getan. Galinski, Spiegel oder Bubis drehen sich in ihren Gräben um.

    • „Gibt es irgendeinen Bereich des öffentlichen Lebens in Deutschland, in den sich die Israellobby nicht einmischt und mit Dreck schmeißt?
      Notgedrungen wird man dann entweder zum Weggucker oder man zahlt mit gleicher Münze zurück.“

      Wer es nicht schafft, sein Anliegen in gemäßigter Form darzulegen, sollte noch mal die Schulbank drücken. –

      Jedenfalls – so gehts nicht. Das Gleiche hätte sich beispielsweise sagen lassen, wenn man denn schon so denkt, mit: „Mir scheint, israelische Interessen werden in sehr viele Bereiche von Israelfans eingebracht. Das halte ich für unnötig.“ Oder so ähnlich.

  10. „Die Meinungsfreiheit, die man als Jude IN Israel genießt, wird denjenigen Juden, die in der DIASPORA leben, ausgerechnet von anderen Juden, den Freunden der israelischen Regierung, verwehrt.“

    gibt es eigentlich irgendein thema fuer das sich sich nicht
    als experte anbieten?

    J

  11. Also noch einmal in aller Kürze und Klarheit: Die Meinungsfreiheit, die man als Jude IN Israel genießt, wird denjenigen Juden, die in der DIASPORA leben, ausgerechnet von anderen Juden, den Freunden der israelischen Regierung, verwehrt.
    Ich bin überzeugt davon, dass solche Gestalten wie Herr Broder in Israel nicht auf so feige Staatsanwält und Richter stieße, wie sie ihm hier in seinen zahlreichen Beleidigungsprozessen begegnet sind und die ihm jede Unverschämtheit durchgehen ließen.

  12. Was soll dieses Verdrehen? Als es in Israel noch Wahlen mit wechselhaftem Ausgang gab, wäre es vermessen gewesen, sich von hier aus untrennbar mit einer politischen Strömung dort zu verschmelzen. Sie schreiben ja selbst, dass es genug Angriffe und Übergriffe hier gab, die gegen das jüdische Leben inkl. der Friedhöfe-( sie wissen schon, das Grabsteineumkippen) gerichtet waren. Gut, Galinski hat damals schon die Doktrin aufgestellt, eine Welt, die ein Ausschwitz geduldet habe, dürfe sich nicht über Israel ereifern, aber im Wesentlichen ging es nicht um die Nahostproblematik, wenn man über NS-Prozesse diskutierte oder um Entschädigungen oder um missglückte Bundestagsreden. Es ging fast ausschließlich um Belange der hier lebenden Menschen oder von hier geflohenen Überlebenden.
    Leider bin ich nicht Mengele an der Rampe und kann deshalb nicht mit dem Daumen zeigen : gutes Kriegsopfer nach links, böses Kriegsopfer nach rechts.
    Als ich einmal in England in einer tiefgehenden Unterhaltung gefragt wurde, was das Erbe der NS-Zeit für die heute lebenden Deutschen sei, äußerte ich mich entsprechend, dass ich weiß, mit meinen Steuern werden NS-Opfer in aller Welt unterstützt und gleichzeitig Versehrtenrenten gezahlt, die nicht danach sortiert sind, ob jemand als 16jähriger Flakhelfer noch in den letzten Kriegstagen ein Bein verlor oder als tiefgläubiger Nazi der ersten Stunde schon 1939.
    Und damit muss ich leben.
    Was ist der ungefährlichste Ort in einem Sturm? Das Auge- da ist Windstille.
    Natürlich weiß ich, dass in Israel bei einer Weimarer Parteienvielfalt und 27 Ministern gegenüber 120 Abgeordneten heftig und frei diskutiert und gestritten wird.
    Aber hier darf man sich nicht ablehnend zu Likud und Co. stellen. Dann kommt nämlich die Antisemitismuskeule. Man denke nur an den guten Dr. Verleger, der alle seine Ämter verlor, wegen eines offenen Briefes, in dem er sich ablehnend zum Libanon Feldzug 2006 äußerte.
    Das ist reiner Stalinismus.
    Man denke nur an die ewige Drohung, als „jüdischer Selbsthasser“ verunglimpft und verteufelt zu werden, wenn man in den USA oder in einem europäischen Land eine negative Position zur Politik Israels einnimmt. Unser aller Freund Broder macht diese Handlungsweise seit Jahren zu seinem Lebensinhalt, sofern er nicht gerade mal wieder zum Krieg in unseren Städten gegen Muslime oder zum Atomschlag gegen den Iran aufruft- natürlich als Verteidigung der westlichen Grundwerte, in deren Namen beanntlich im Westjordanland Olivenhaine brennen.

  13. @ Sebastian vom 4. März

    „Meine Generation war damit beschäftigt, vornehmlich gegen Amerika zu hetzen“.

    Meine Generation hat sich emanzipiert, indem sie z.B. Distanz nahm zu Amerikas Vietnamkrieg, zu amerikanischen Rassengesetzen, zu Johnson und Richard Nixon + so weiter.

    • @fairness,
      And genau diese Emanzipation findet in Sachen Nahostkonflikt jetzt auch statt. Als unsere Generation- also die Geburtsjahre 1955 – 1965 – aufwuchs, war der Nahostkonflikt ein Stellvertreterkrieg Ost gegen West. Da die SU die Araber mit Waffen und Terrorideologie unterstützte, hat es erstens keine Diskussion über den Krieg von 1967 oder 1973 gegeben und auch keine Kenntnisnahme von Israels Interpretation des osmanischen Landrechts, den Siedlungen,der Entnahme von Grundwasser.
      Und wenn uns der damalige Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Berlin, Heinz Galinski, auf den Nerv ging, weil er überall Nazis sah, dann haben wir es ihm natürlich nicht nachgetragen, denn als Überlebender der NS-Zeit durfte er das. Er gehörte zum Erbe der NS-Zeit dazu wie die Kriegsversehrten, denen man im Bus einen Sitzplatz anzubieten hatte.
      Eine Verbindung zwischen der Nahostproblematik und dem jüdischen Leben in Deutschland gab es nicht.
      Im ZDF geiferte Löwenthal gegen alle, die er zu Kommunisten erklärte, aber nicht ein einziges Mal schlug er mit der Antisemitismuskeule zu.
      Respekt brachte man Hans Rosenthal entgegen, wenn er Sendungen wie „Noten, die verboten waren“ moderierte. Er trat damit bestimmt auf, aber mit sachlichem Taktgefühl, ohne Keulenhiebe gegen Unschuldige und ohne gespielte Weinerlichkeit.
      Im Kino lachte man über „Eis am Stil“ und linke Esoteriker im Schlabberlook fuhren nach Israel, um in einem Kibbuz ein paar bereichernde Wochen zu erleben.
      Begin, Shamir, Netanjahu und Sharon haben sehr viel dazu beigetragen, um diesen Normalisierungsprozess zu erwürgen, in ihrem endlosen Bemühen, Sympathie für ihre Politik zu erzwingen. Das ist deren Sache und die der Israelis, die sie gewählt haben.
      Aber wenn heute Giordano, Friedman, Grauman, Broder nichts weiter mehr sind als PR-Leute des Likudblocks, dann ist das nur noch jämmerlich.

    • @ E.C.:

      und dann mach ich mir die Welt, wie sie mir gefällt.

      „Eine Verbindung zwischen der Nahostproblematik und dem jüdischen Leben in Deutschland gab es nicht“
      Aber nein, es wurden keine Holocaustüberlebenden 1970 in München verbrannt. Aber nein, es wurden keine Juden bei Flugzeugentführungen durch „unsere deutsche Generation“ selektiert. Aber nein, es gab keine Anschläge auf jüdische Einrichtungen in Deutschland.

      „Er gehörte zum Erbe der NS-Zeit dazu wie die Kriegsversehrten, denen man im Bus einen Sitzplatz anzubieten hatte.“ Genauso war es, wie der damals übliche Schulhofvergleich: Mein Opa ist auch im KZ umgekommen, besoffen vom Wachturm gefallen. Halt ein bißchen Lokalkolorit in der guten alten Zeit.

      „Ich müsste mich dann ja ins Lager derer begeben, die als einzige vor Israel bestehen können: Die Leute um Wilders, Stadtkewitz, Stefan Herre, Clemens Heni, Ulfkotte…
      Und mit denen will ich nichts zu tun haben.“

      Wer Israel als monolithischen Block wahrnehmen will, kann dies natürlich. Wer glaubt, Menschen, die den demokratischen Staat Israel anerkennen, mit Rechtspopulisten in einen Topf zu werfen und die nicht vorhandene entweder oder Frage zu stellen, kann dies natürlich.

      „Aber wenn heute Giordano, Friedman, Grauman, Broder nichts weiter mehr sind als PR-Leute des Likudblocks, dann ist das nur noch jämmerlich.“

      Sie sind nicht allein:

      HomeInfotischFragen und AntwortenAusländerIst die NPD eine ‚antisemitische’ Partei?
      IST DIE NPD EINE ‚ANTISEMITISCHE’ PARTEI?
      Unsere Antwort:

      „Was ist unter Antisemitismus zu verstehen? Die Kritik an jüdischen Interessenverbänden? Selbstverständlich nehmen wir uns das Recht heraus, die Großmäuligkeit und die ewigen Finanzforderungen des Zentralrats der Juden in Deutschland zu kritisieren. Juden unterliegen keinem Kritikverbot. Wir lassen uns von der Holocaust-Industrie, ein Wort des Juden Norman Finkelstein, 60 Jahre nach Kriegsende moralisch nicht erpressen, politisch nicht bevormunden und finanziell nicht auspressen.“ link vergessen

      Nur so, zu Ihren lustigen Gedanken in Ihrer Welt.

  14. @Jakobo
    Ja und nein.
    Froh bin ich in diesem Zusammenhang natürlich darüber, dass es kein Exklusivrecht für uns Deutsche auf Antisemitismus mehr gibt. Ein paar Klicks durchs Internet und man „weiß“, dass es in Brüssel nur so von Antisemiten wimmelt, dass Eurabia kommt, die Islamisierung nur noch eine Frage der Zeit ist, dass Malmö ein Ort ist, in dem man als Jude um sein Leben fürchten muss, Oslo natürlich auch, dass es in Großbritannien mit der Loyalität gegenüber Israel trübe aussieht, dass die BBC seit Jahren antisemitisch ist, dass Arte und überhaupt die gesamte Medienlandschaft Europas von pseudeo-intellektuellen Linken durchsetzt ist, und , und, und.
    Natürlich ist es verletzend, als Antisemit verunglimpft zu werden, aber vor dem Hintergrund dieser riesigen Hetzkampagne, die die israelischen Falken und ihre erzkonservativen Freunde in den USA sich ausgedacht haben, um geifernd und keifend über alle herzufallen, die nicht ihrer Ansicht sein mögen, ist es mir eine große Ehre, von Ihnen zu den Antisemiten gezählt zu werden. Denn was bliebe als Alternative? Ich müsste mich dann ja ins Lager derer begeben, die als einzige vor Israel bestehen können: Die Leute um Wilders, Stadtkewitz, Stefan Herre, Clemens Heni, Ulfkotte…
    Und mit denen will ich nichts zu tun haben.

    • „@Jakobo
      Ja und nein.“

      ich kann ihnen gerne ein persoenliches zertifikat ausstellen.
      damit duerfen sie ueberall offiziell antisemit sein und niemand
      darf was sagen. das ist nicht auf ein einzelnes land begrenzt.

      J

    • @ jakobo

      „ich kann ihnen gerne ein persoenliches zertifikat ausstellen.“

      Auch haben wollen! Sowas hat mir gefehlt, nachdem hier schon mal festgestellt wurde, dass ich ein eingefleischter (natürlich trefe) Antisemit bin.

      Zitat:

      „Ja, wenn Juden sich als nützliche Idioten den Antisemiten hingeben wie den Hartmuts, den Archibalds oder Efems, das ist wirklich beängstigend “

      Aus: http://forum.hagalil.com/board-a/messages/8/24563.html

      Unteres Drittel.

      Oder, an mich gerichtet:

      „Hast du nichts besseres zu tun Antisemit?“

      Aus: http://forum.hagalil.com/board-a/messages/249/20760.html

      Erste Zeile.

      Sende es bitte an haGalil, mit der Bitte, es an mich weiterzuleiten.

      Damit ich nicht evtl. am Ben-Gurion-Flughafen zurückgeschickt werde, sondern es vorlegen und dann ins Land kann.

    • Oops. Merke es erst jetzt, dass ich auch im obigen Beitrag vom 11.03.d.J., 13:13 Uhr (mit der Dreizehn ist nicht zu spaßen!:-) zum Anonymous geworden bin. Deutlich: der direkt an Jakobo gerichtete Beitrag von wegen von ihm ausgestellter Immunitätszertifikate für Rassisten, speziell für zum antisemitischen Gelichter Zugehörige, ist von mir.

  15. Eine kleine Anmerkung: Max Blumenfelds Artikel rief natürlich reflexartig die üblichen Anschuldigungen hervor, es handele sich dabei um Antisemitismus- bedauerlicherweise auch noch aus den eigenen jüdischen Reihen. Worin hat sein Frevel bestanden? Es ist natürlich antisemitisch, wenn man über reiche Juden mit politischem Einfluss schreibt.
    Da kann man nur Christian Morgenstern zitieren: Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.
    Es gibt also nicht nur Antismiten oder anitisemitische Vorurteile, es gibt auch antisemitische Tatsachen.

    • „Es ist natürlich antisemitisch, wenn man über reiche Juden mit politischem Einfluss schreibt.“

      sie als deutscher haben natuerlich genau so das recht
      antisemitisch zu sein wie jeder andere mensch auf der welt.

      jetzt zufrieden?

      J

    • @Jakobo
      Gehen Sie doch bitte auf den hier erschienen Artikel Ulrich W. Sahms zu „jüdischen Reaktionen“ auf die Wahl des neuen Papstes.
      Dort werden Sie eine Formulierung finden, die, wenn jemand wie ich sie gebrauchen sollte, auch sofort jenen Reflex auslöst, der aus jedem Menschen einen abgrundtief schlechten und unheilbaren Antismiten macht: Herr Sahm benutzt nämlich im Zusammenhang mit der Anti Defamation League ADL die Begriffskombination „einflusreich- jüdisch – amerikanisch“. Wieso darf der das?
      Und ich hätte zu gerne gewusst, worin dieser „Einfluss“ der ADL denn nun besteht, wenn gleichzeitig ausgeschlossen werden muss, dass es von Seiten der nicht einmal 2% Juden verglichen mit der gesamten US-Bevölkerung überhaupt irgendeinen Einfluss geben kann.

  16. @Chajm
    Sie können sich den ach so originellen Scherz mit den beiden großen „s“ in Ihrer Erwiderung auf mein Posting in aller Ruhe auf ein weiches Blatt Papier schreiben und es zur Körperpflege verwenden.
    Wenn Sie es für so abwegig halten, dass der Weg von der Israellobby zur islamophoben Rechtsszene , Verzeihnung RechtSSzene, kurz sein soll, so nehmen Sie doch bitte Stellung zu Tenenboms guter Freundin Nina Rosenbaum.
    Die Erbin des Versandhauses Sears and Roebuck finanziert seit Jahren jede auch noch so abstruse Gruppierung am rechten Rand der amerikanischen Gesellschaft, Juden, Israellobby und die unsäglichen extremistischen Evangelikalen „Christen“. Allein Daniel Pipes konnte über 3 Millionen Dollar an Spenden für seinen antiislamischen Kreuzzug verbuchen.
    Frau Rosenbaum ist die Kraft hinter dem Gatestone-Institute, dass , äh daSS, sich auf seiner Website als unparteiisch präsentiert, man nennt das wohl Chuszpe.

    Sie steckt hinter der Einladung an Europas Oberarier ohne Antisemitismus- Geert Wilders.
    In seinem Artikel „The Sugar Mama of anti-Muslim Hate“ spricht Max Blumenfeld davon, dass, äh daSS, das rechtsextreme Spektrum, die Islomaphoben und die ältere Generation des jüdischen Establishments in den USA inzwischen nahtlos miteinander verschweisst, äh verschweiSSt, worden wären, um den Preis, dass, also daSS, sich die Jüngeren davon entfremdet abwendeten.
    Wer mag unter diesen Umständen noch daran glauben, „I Sleep in Hitler’s Bedroom“ sei ein Zufallsprodukt, die Verarbeitung von Reiseeindrücken, die Tenenbom ungewollt gemacht hätte.
    Das ganze Geschreibsel ist eine Auftragsarbeit aus dieser politischen Ecke. Da mag der Theatermann Tenenbom noch so oft den intellektuellen Natanjahugegner mimen.

  17. @efem
    Ok, das was Du an WolfgangRZ schreibst, hat Hand und Fuß. Aber was sind dann die Konsequenzen? Dann müsste man von deutscher Seite aus sagen: „Da es einem Juden nicht zugemutet werden kann, mit Deutschen in räumlicher Nähe zu verharren, bitten wir Sie hiermit in ihrem eigenen Interesse, dieses furchtbare Land zu verlassen“.
    Eine solche Reaktion würde auch gut zu der Haltung jener Israelis passen, die sich daran stören, dass Juden außerhalb Israels ( mit Ausnahme der hilfreichen USA) leben wollen.
    Auch Herr Tenenbom scheint die aus Israel nach Deutschland einwandernden Juden nicht wahrnehmen zu wollen.
    „Wir“ könnten uns dann ohne die ewigen Schikanen eines Graumann, Friedmann oder Broder hier wesentlich wohler fühlen in unserer abgrundtiefen Schlechtigkeit und würden dann noch die Bewunderung der angeblich auch nur tiefantisemischen übrigen EU-Staaten genießen und an unserem „Eurabia“ basteln.
    Dann wäre auch die Frage, ob wir von dem Thema „Juden“ besessen seien, ausdiskutiert, weil „aus den Augen aus dem Sinn“ kein Grund bestünde, sich dieses Themas zu stellen.
    Wollen Sie das?
    Auch mir ist manchmal nicht wohl bei diesen Themen. Schauen Sie; als Ende der 80er Jahre herauskam, dass Galinskis Vorgänger im Amt des Vorsitzenden des Zentralrats, Werner Nachmann, die Zinsen, die bei den Summen der Entschädigungszahlungen angefallen waren, offenkundig in die eigene Tasche gesteckt hatte oder als herauskam, dass hochrangige Mitglieder der Jewish Claims Conference mehr als 40 Millionen Dollar unterschlagen hatten, wäre dies jeweils ein gefundenes Fressen für Antisemiten gewesen. Und was passierte in der deutschen Öffentlichkeit? Nichts.
    Wenn man sich darüber ereifert hätte, nach dem Motto, wir wollen unser Geld zurück, dann wäre es zwar naiv gewesen- denn das Geld gehörte „uns“ nicht, sondern stand in voller Höhe NS-Opfern zu, aber wenigstens eine offen-herzliche Empörung.
    Stattdessen blieb alles ruhig. Dafür kann es nur wenige Erklärungen geben.
    1. Man bekam es gar nicht mit, weil es in den Medien eher nebenrangig behandelt wurde.
    2. Man bekam es mit, es war einem aber innerlich unmöglich, über diese Gauner etwas Böses zu denken.
    3. Man bekam es mit, hatte aber Angst davor, als Antisemit verunglimpft zu werden.
    4. Man bekam es mit und dachte nur noch zynisch, sollen sich die „Krummnasen“ doch gegenseitig bescheißen, was geht mich das an.
    Möglichkeit Nr. 4 wäre eindeutig Antisemitismus. Ich bin davon überzeugt, dass es die ersten drei Motive waren für dieses dröhnende Schweigen.
    Wovor ich mich fürchte, ist, dass die Summe der Gemeinheiten, die „uns“ von israelischen Falken und ihren publizistischen Helfershelfern angetan werden, noch zunehmen werden. Und wenn dann wieder einmal ein derartiger Skandal passieren sollte, dann haben wir ein Antisemitismusproblem, das noch übler sein wird als das von 1918ff.
    Denken Sie einmal darüber nach- und kommen nun bitte nicht mit der alten Keule „Aha, am Antisemitismus sollen wieder einmal die Juden selbst schuld sein“, denn es sind dann nur zwei Worte, die nicht stimmig sind: „wieder mal“.

  18. In Deutschland ist der Begriff Jude extrem aufgeladen von Schuldgefühlen und Scham. Man will sich am liebsten davon befreien aber es geht nicht so einfach.Dafür werden dann selbstverständlich auch die Juden verantwortlich gemacht.Daher wird kritisch nach Israel geschaut, wie diese z.B.mit den Palestinensern umgehen. Gottseidank findet man da etwas und schon fühlt sich der Deutsche besser und sagt sich, dass die Juden (nicht Israelies!!) auch nicht besser seien.Jetzt kommt so allmählich heraus, dass Franzosen, Polen, Niederländer, Russen also alle Europäer jüdische Mitbürger verraten und umgebracht haben.Viele Kommentare von jüdischen Mitbürgern reagieren auf kritik allergisch und werten das sehr schnell als antisemitisch.Alle diese Reaktionen sind allzumenschlich und verständlich.Wir lösen den Konflikt nur auf auf, wenn wir diesen Teil der Geschichte zusammen mit all den Greueltaten wie Hexenverbrennungen, 30 jähriger Krieg etc.. akzeptieren und begreifen, dass es nicht nur Opfer des Shoas sondern in jeder Epoche der Geschichte gegeben hat.Aufgeladene Begriffe wie Jude, Deutscher, Zionismus, Antisemitismus müssen entladen werden und nicht verdrängt.

    • Vierzig Jahre lang bemühten sich Ãœberlebende der Judenverfolgung und der allergrößte Teil der deutschen Öffentlichkeit parallel um zwei Dinge: Juristische und moralische Aufarbeitung der NS-Hinterlassenschaft und Normalisierung der Beziehungen.
      Diese Epoche scheint mir vorbei zu sein. Spätestens seit Shamir, Netanjahu und Sharon das Ruder in Israel übernommen hatten, hat der Rechtsdrall in Israel auch jüdische Organisationen in den USA und Europa voll erfasst und zu einer starken Unterwanderung durch jene Falken geführt, denen an einem konfliktfreien Zusammenleben nichts gelegen ist.
      Dazu kommt noch die Rückkoppelung, dass vor allem in den USA Falken aus dem neokonservativen Lager- Vater und Sohn Netanjahu, Alan Dershowitz, Daniel Pipes,Caroline Glick..,mit einer ungeheuren Propagandabreitseite alles in Grund und Boden ballern, was auch nur ansatzweise „links“ oder „liberal“ aussieht.
      In Europa bekommen diese werten Herrschaften Unterstützung durch jene „Pakis-out“ „Türken-raus“ und antisarabischen Stimmungsmacher, die gewissermaßen als Nazis ohne Antisemitismus auftreten können. Man gehe nur einmal auf die hinreichend bekannte Seite „PI-news“.
      Diese Leute bekommen ihre Unterstützung von jüdischer Setie, während parallel dazu Juden, die dieses ekelerregende Spiel nicht mitmachen wollen, als „Selbsthasser“ und „Selbstverleugner“ verunglimpft werden.
      Lieber Wolfang, das hat Methode. Deshalb sind Analysen, in denen man von „allergischen Reaktionen auf Kritik“ spricht, nicht stimmig. Die Reaktion liegt bei diesen Leuten bereits in der Schublade und wird wie eine rote Karte beim Fussball automatisch hervorgezogen, um den „bösen Spieler“ abzustrafen.

    • @ WolfgangRZ

      Denkfehler.

      Du relativierst. Das macht Sinn, wenn man Ähnliches vergleicht und zueinander in Beziehung setzt.

      Es gibt aber nichts zu relativieren angesichts des Ausmaßes, das, O-Ton Adolf Hitler: „die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ angenommen hatte nach der Wannseekonferenz.

      Wäre es, und das ist nicht zynisch, „nur“ bei der zunächst Drangsalierung, dann Vertreibung (die aber wieder gestoppt wurde, um die Leute umbringen zu können) der jüdischen Menschen aus Deutschland samt den dabei geschehenen Morden geblieben, könnte vielleicht, vielleicht noch so eben in etwa argumentiert werden, wie du es machst.

      Denn die Vertreibung hat Vorbilder: auch andere Länder zwangen (viel früher allerdings) ihre Jüdinnen und Juden, alle, rigoros dazu, in die Fremde zu gehen (Spanien, England). In Spanien durften jedoch die bleiben, die sich taufen ließen: „Marranen“.

      Mit der einsetzenden Vernichtung aller Jüdinnen und Juden überall im NS-Herrschaftsbereich, deren man habhaft werden konnte, begann ein Jahre dauerndes, wie hinlänglich bekannt von staatswegen angeordnetes, bürokratisch geregeltes fabrikmäßiges Abschlachten einer „Rasse“, für das sich kein Beispiel, in keiner „Epoche der Geschichte“ findet. Da gibt es also absolut wirklich nichts zu relativieren. Denk mal nach.

  19. efem, Du hast auf das breite Spektrum linker Bewegungen hingewiesen. Da geb ich Dir natürlich vollkommen recht. Ich darf nochmal an die Jusos Berlin erinnern: http://jusos-cw.de/2012/03/resolution-israel/

    Oder solche großartigen linken Gruppen wie diese hier: http://www.3d.antideutsch.com/?page_id=19

    Die 68er haben viele anständige Persönlichkeiten hervor gebracht. Rainer Trampert, Götz Aly, Wolfgang Kraushaar, und wohl auch unser ehemaliger Außenminister J.Fischer, der zu seiner Amtszeit, soweit ich mich erinnere, ein ehrliches Bemühen im Nahen Osten zeigte.

    Erinnert sei auch an linke Politiker älterer Generation. Der unvergessene Kniefall von Willi Brandt am 7. Dezember 1970 vor dem Mahnmal der Opfer des Warschauer Gettos.

    An die Worte Jean Amerys sei hier auch nochmal erinnert: http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr248.htm

    Es kann aber nicht sein, dass hinter einem Deckmantel linker Seriosität, jede antisemitische Sauerei erlaubt sein soll. Was ist mit solchen Leuten los, die heute IN DEUTSCHLAND „kauft nicht bei Juden-Aktionen“ lancieren, wie unsere Bremer Friedensfreunde. Was ist mit der H.B. Stiftung los, die -kauft nicht bei Juden Aktionen- als „klassische Formen des gewaltfreien Widerstands“ in DEUTSCHER SPRACHE rechtfertigt, siehe Seite 25 des antisemitischen Pamphletes „Palästina und die Palästinenser-60 Jahre nach der Nakba“, das von Unwahrheiten, Halbwahrheiten und zielgerichteter Desinformation nur so strotzt? Da zieht sich doch der Judenhass der Naziväter über den antisemitischen Teil der 68er bis heute durch. Natürlich waren die 68er nicht zu 100% Antisemiten. Manche Protagonisten der 68er, die ihrerseits den antisemitischen Teil der 68er vertraten, wollen davon aber nichts mehr wissen. Nicht umsonst hat sich in der allgemeinen Deutschlandbesoffenheit ab 1989 die sog. Antideutsche Bewegung gebildet, die sich dann in der weiteren Entwicklung von dem Antisemitismus der klassischen Linken, weil sie es einfach nicht mehr ertragen konnten, angewidert abgewendet haben. Die klassische Linke hasst die Antideutschen dafür wie die Pest. Verräter sind sie halt.

    Ab Seite 152 beschreib Aly in „Unser Kampf 1968“, wie den deutschen Ermittlungsbehörden und Staatsanwälten bei der Aufdeckung der NS-Verbrechen nicht der Verfolgungswille fehlte, aber der gesellschaftliche Beistand, das öffentliche Echo gerade unter den jungen Deutschen aus blieb. Aly führte ein Gespräch mit dem damaligen Ermittler Dietrich Kuhlbrodt in Hamburg an. Es gab ein „Euthanasie“ – Verfahren gegen den damaligen Hamburger Staatssekretär Kurt Struve, das nach wenigen Tagen wegen angeblicher dauerhafter Verhandlungsunfähigkeit abgebrochen wurde. Aly berichtet wie Kuhlbrodt ihm einen Aktensatz gab, an dem er fünf Jahre gearbeitet hatte, mit dem Kommentar: „Sie sind der erste der danach fragt“.

    Aly schreibt: „Als der deutsche Bundestag im Sommer 1969 die Verjährungsfrist für Mord und Völkermord von 20 auf 30 Jahre verlängerte, damit die NS-Verbrechen weiter verfolgt werden können, fand das in keiner der Zeitungen der „antifaschistischen“ Neuen Linken irgendeinen Niederschlag. Historiker können sich die Augen nach solchen Texten ausgucken, sie werden nichts finden. Das Kursbuch und die theoretische Zeitschrift des SDS, die „neue kitik“ mieden solche Themen wie der Teufel das Weihwasser. Je mehr die westdeutsche Jugend revoltierte, desto mehr einte sie die stillschweigende Übereinkunft: Davon wollen wir nichts wissen.“

    Zitat Ende

    Ich erinnere mich, wie Teile der Wehrmachtsgeneration vom „verlorenen Krieg“ schwadronierten und dabei durchaus mit Respekt über die russischen Soldaten sprachen (viele von denen wussten insgeheim, dass sie als Angreifer im Unrecht waren, sie wussten natürlich von Auschwitz, hatten das aber verdrängt). Der Hass richtete sich hauptsächlich gegen die USA, gegen die Amerikaner, bei denen alles größer, besser, schöner, freier und lebenswerter war als unter dem brüllenden und verkommenen Nazipack, dem sie zum großen Teil zugehörten. Die Amerikaner, haben unseren Großvätern mit ihrer großartigen Kultur klar gemacht, wie sie Ihre Jugend in den Dreck geworfen haben, weil sie dem braunen Narrenpack hinterhergelaufen sind. H.M.Broder hat es auf den Punkt gebracht, indem er sinngemäß formulierte, dass der schwäbische Philologe ein Problem damit hatte, sich von dem Kaugummi kauenden Afro-Amerikanischen GI die Demokratie erklären zu lassen. Das wurde als Kränkung, statt als Befreiung empfunden und hat damit, leider mehr Hass als Einsicht produziert. Neben den Juden wurde „der Amerikaner“ zum neuen Feindbild. Das ist dann wie Gift ins kollektive Gedächtnis eines großen Teils der 68er eingeflossen.

    Ich erinnere nochmal an die Worte von Theodor W. Adorno:
    „Du müsstest nur einmal in die manisch erstarrten Augen derer sehen, die, womöglich unter Berufung auf uns selbst, ihre Wut gegen uns kehren.“……………………………und es sei erschütternd, „mit welcher Inbrunst die ahnungslosen Jünglinge und Jungfrauen […..] ihre proarabischen Sprüche herunterleiern.“

    Zitat Ende.

    Die Vorstellung übrigens, dass die USA erst 1944 mit dem D-Day in den Krieg eingetreten sind ist naiv. Einer der Hauptleistungen der USA war, die Sowjetunion über den Persischen Korridor mit Rüstung zu versorgen. Während der Schlacht um Stalingrad übernahmen die USA von den Briten das „Persian Gulf Command“. Allein in 1942 lieferten die USA über den Iran 144.000 LKW, 11.200 Flugzeuge, 20.000 Panzer, 44.000 Gewehre an die Rote Armee. Jeden Tag kamen 2000 Transporte über den Iran in der SU an. Lebensmittel, Kleidung Medikamente wurden geliefert. Ab Mai 1943 wuchsen die Lieferungen der USA an die SU auf 100.000 Tonnen monatlich. Von 41 bis 45 lieferte die USA etwa 4,1 Millionen Tonnen Kriegsmaterial an die UDSSR.

    Ohne die USA wäre der Krieg verloren gegangen.

    • „efem, Du hast auf das breite Spektrum linker Bewegungen hingewiesen. Da geb ich Dir natürlich vollkommen recht. Ich darf nochmal an die Jusos Berlin erinnern:“

      naja… das ist relativ.. sagen wir es so, ein linker oder eine
      linke grupierung die fuer israel ist, wird sich zunaechst einmal
      dafuer rechtfertigen muessen.

      J

    • PS.:
      „Es kann aber nicht sein, dass hinter einem Deckmantel linker Seriosität, jede antisemitische Sauerei erlaubt sein soll.“

      Jaeckchen wuerde es wohl besser treffen….

      J

  20. Ein Zusatz: Im SPIEGEL wird auch aus einem meiner dezent formulierten Posting über die sich hier entleerenden und Erleichterung suchenden ZwangskrankInnen und AntisemitInnen abgekupfert. Zitat:
    „In seinem Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ zitiert Daniel Goldhagen ein früheres BDM-Mädel: „Wenn ich verkündete, dass alles Unglück der Völker von den Juden herrühre oder dass der jüdische Geist zersetzend und das jüdische Blut verunreinigend wirke, war ich nicht genötigt (…) an den alten Herrn Lewy oder Rosel Cohn zu denken, sondern ich dachte an das Gespenst ‚Der Jude‘.“

  21. Der Spiegel über Tenenbom::
    „… Die Tatsache, als Jude oder jüdisch bezeichnet zu werden, hätte ihn wohl kaum gestört. Es sei die exakte Formulierung: „Der Jude Tenenbom“. Die Religionszugehörigkeit als Etikett. Anstelle des Vornamens.

    (…) Wer auf die deutsche Geschichte der Jahre 1933 bis 1945 blickt, wird feststellen, dass sich hier Parallelen finden lassen, vor deren Hintergrund Teneboms Empörung zumindest nachvollziehbar wirkt. In dem weltberühmten autobiografischen Buch „LTI“, in dem er sich mit der Sprache des Dritten Reichs auseinandersetzt, berichtet Victor Klemperer stellvertretend für Millionen jüdische Opfer des NS-Systems: „Wenn von mir amtlich die Rede ist, heißt es immer ‚der Jude Klemperer‘; wenn ich mich auf der Gestapo zu melden habe, setzt es Püffe, wenn ich nicht ‚zackig‘ genug melde: ‚Hier ist der Jude Klemperer.“
    Der Historiker Saul Friedländer zitiert in seinem Standardwerk „Die Jahre der Verfolgung“ Joseph Goebbels: Als es um die Ermordung des deutschen Botschaftssekretärs vom Rath 1938 in Paris geht, nennt der Reichsminister für Propaganda im „Völkischen Beoachter“ den Attentäter „der Jude Grünspan.“ Und von einem stigmatisierenden Etikett ist es nur ein kleiner Schritt weiter zum Hass.

    Im „Spiegel“ – der ja nur noch selten Niveau aufzuweisen hat – wird hierzu angemerkt:
    „Saul Friedländer, der sich in der Regel sehr zurückhaltend äußert, hat eine recht klare Meinung zu den Wendungen „der Jude Tenebom“ und „jüdischer Hysteriker“. „Diese Formulierungen gelten allgemein als antisemitisch“, sagte der Friedenspreis-Träger SPIEGEL ONLINE. Tenenbom selbst meint: „Hier zeigt sich, wie tief Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft verwurzelt ist: Derart tief, dass man nicht einmal wahrnimmt, dass etwas antisemitisch ist.““
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/tuvia-tenenbom-antisemitismusvorwuerfe-gegen-sueddeutsche-und-rowohlt-a-858018.html

  22. Ende letzten Jahres erschien ein Interview Tenenboms im „Stern“, in dem Tenenbom – wie nicht anders zu erwarten- die Behauptung aufstellte, wenn die Regierung Israels von deutscher Seite her kritisiert werde, was selbstverständlich erlaubt wäre, so sei der wahre Grund dafür Antisemitismus. Diese Frechheit wurde noch gesteigert durch Tenenboms Aussage, dass er selber Netanjahu für eine Katastrophe für Israel halte. Was darf man davon halten? So triumphiert der Herr über den rechtlosen Sklaven. Nun, wenn er meint, sich so Sympathien machen zu können, soll er doch. Aber es geht ihm ja darum, sich möglichst viele Feinde zu machen, damit dieses elende Antisemitismusgejammer am Ende doch noch stimmig wird.
    Dann stolperte ich über ein Video bei „Youtube“, das anlässlich eines Empfangs Tenenboms im Berliner Hotel Adlon aufgenommen wurde. Die Zusatzinformationen zu dem Filmchen lassen erkennen, dass der Ausrichter des Empfanges das „Gatestone Institute“ gewesen sei. Neugierig geworden, was das denn für ein Verein sei, suchte ich im Netz weiter und stieß auf eben diesen erzkonservativen Thinktank, auf dessen Website mehrere Artikel Tenenboms zu finden sind- unter anderem eine hasserfüllte Abrechnung mit „J-Street“. Da haben wir sie also, die Antwort auf die Frage, ob es denn erlaubt sei, Israels Politik zu kritisieren. Nein lautet sie- dennn dann ist man nicht nur als Deutscher Antisemit, und als Jude ist man dann nicht einmal mehr „jüdischer Selbsthasser“, sondern „jüdischer Selbstverleugner“. Ich weiß nicht, was überwog, die Freude darüber, Tenenbom als einen elenden Heuchler enttarnt zu haben oder doch noch die Empörung über soviel Unmoral.
    Bliebe nur noch anzumerken, dass es mich nicht weiter verwunderte, bei „Gatestone“ Artikel der wahnsinnigen „Bat Ye’or“ lesen zu können, in denen sie ihr krudes „Eurabia“ Gewäsch zum besten gibt oder zu erfahren, mit welch großer Herzlichkeit der niederländische Rechtsextremist Wilders von diesen Leuten in den USA empfangen wurde.
    Ob Broder, ob Tenenbom, ob Daniel Pipes, ob Bat Ye’or. ob Daniel Greenfield, alles eine verschworene Gemeinschaft selbstverliebter Agitatoren, denen man nur noch mit Abscheu gegenüber treten kann.

    • „So triumphiert der Herr über den rechtlosen Sklaven. “

      Sie meinen die deutscheln seien rechtlose Sklaven???

      J

    • @E.C.

      Fazit Ihres Geplärres:

      Herr Tenenbom, oder wie man in Ihren, den Kreisen der Streicher-Jünger zu sagen pflegt, „der Jude Tenenbom“ hat mit seinem Artikel voll auf die Zwölf getroffen! 🙂

      Es tut immer wieder gut zu erfahren, wie ein so harmloser Reisebericht wie der „des Juden Tenenbom“ das Gschwerl von rechts und links zum Hyperventilieren bringt!

      CHAPEAU!!! 🙂

    • Ich möchte mich in aller Bescheidenheit auf den Buchumschlag der amerikanischen Originalausgabe von „I Sleep in Hitler’s Bedroom“ beziehen. Dort steht nämlich wortwörtlich „An American Jew visists Germany“ als Untertitel. Mit anderen Worten, Tenenbom selbst benutzt die Formulierung für sich selbst, die über ihn verwendet ein Ausbruch übelsten Antisemitismus sei.
      Das ist Heuchelei, oder ist Tenenbom dannn auch ein „Streicherjünger“?
      Er ist mit der Absicht nach Deutschland gekommen, dieses Buch mit genau dieser Diktion zu schreiben. An einer unvoreingenommenen Analyse der hiesigen Verhältnisse ist ihm nie gelegen gewesen. Er vermag es offenbar sogar, die von ihm bemängelte Qualität des deutschen Judentums heute als moralische Schuld der Deutschen anzuprangern. Dabei fällt sein Blick keinesfalls auf die zugegeben kleine Zahl der deutschen Juden, die als Kinder und Enkel der Verfolgten von 1933-45 hier blieben oder zurückkehrten, und die die Tradition eines aufgeklärten und assimilierten jüdischen Teils des deutschen Bürgertums fortsetzen, ob sie nun Michael Degen heißen oder Ida Ehre oder Vater und Sohn Reuter, sondern er schaut mit einer kaum verdeckten Ablehnung auf die russischen Emigranten, die in Berlin hängenblieben statt nach Israel weiterzureisen.
      Allein der obige Artikel steckt voller Verdrehungen und Verzerrungen.
      Dem Zentralrat vorzuwerfen, er traue sich nicht, deutsche Journalisten zu kritisieren, ist von vorn bis hinten gelogen.
      Ein Großteil der „Arbeit“, die der Zentralrat macht, besteht aus infamen Angriffen gegen alle und jeden, die sich erdreisten, nicht auf der Seite der israelischen Regierung zu stehen. Diese Politik des Zentralrats ist vergleichsweise neu- so etwas gab es zwar in Ansätzen auch zu Zeiten Heinz Gallinskis, Paul Spiegels und Ignaz Bubis‘, aber so richtig zur Außenstelle der israelischen Botschaft mutierte der Zentralrat erst mit dem Rechtsruck in Israel und der Beseitigung Rabins ab Mitte der 1990er Jahre.
      Denken Sie doch bitte an den Eklat vor vier Jahren beim Holocaust Gedenktag Ende Januar. Da der Gedenktag terminlich mit dem nur alle vier Jahre stattfindenden Treffen des „World Jewish Congress“ (äh, darf ich das so zitieren, oder bin ich dann auch wieder Streicherjünger, weil ich so etwas ähnliches wie „Weltjudentum“ geschrieben habe?) zusammenfiel, dessen Vizepräsidentin Zentralratsvorsitzende Charlotte Knobloch war, bestand ein Problem. Einfach nach Jerusalem fliegen hätte bedeutet, dieser Veranstaltung im Bundestag nicht die Bedeutung zuzumessen, die ihr gebührt. Nicht nach Jerusalem zu fliegen war unmöglich. Statt nun eine Lösung für dieses Problem zu finden und sich von Salomon Korn vertreten zu lassen, wird der Kettenhund Kramer (Generalsekretär des Zentralrates) auf den Bundestagspräsidenten gehetzt mit dem Vorwurf, dass man die Veranstaltung leider boykottiern müsse, weil der Zentralrat und seine Vertreter bei den Feiern in den Jahren davor nicht genügend beteiligt worden wären.
      Meinen Sie, dass so etwas gut ankommt?
      Da schreibt ein Ralph Giardano jahrelang von nichts anderem, als davon, dass die Deutschen sich ihrer historischen Verantwortung nicht stellten, und am Ende seines Lebens kommt er zur Einsicht, dass sie zu sehr unter dem Nazischatten stünden, denn nun seien sie so übertolerant geworden, dass sie nicht einmal etwas gegen Moscheen hätten.
      Ins gleiche Horn tutet unser aller Freund Broder, wenn er ein Buch mit dem Titel „Kritik der reinen Toleranz“ verfasst, aus dem er u. a. auch in der Neonazi-Hochburg Chemnitz las. Ãœber das Lob aus dem Munde einer NPD-Stadträtin musste er sich dann natürlich ereifern. Es hilft nichts- der Weg von der Israellobby zu Rechtsextremisten aus der Islamophobenszene ist sehr kurz.

    • „Es hilft nichts- der Weg von der Israellobby zu Rechtsextremisten aus der Islamophobenszene ist sehr kurz.“

      so viel text um zu diesem punkt zu kommen?

      aber gut, sie koennten sich jetzt natuerlich um die
      rechtsextremisten kuemmern… aber es sieht so aus als
      wuerden sie sich lieber mit der „israel lobby“ beschaeftigen.

      J

    • @E.C.
      Sie hätten Sich den ganzen wortreichen Schmonzes ersparen können, wenn Sie Ihre Tapete auf diesen SchluSSatz komprimiert hätten:

      „Es hilft nichts- der Weg von der Israellobby zu Rechtsextremisten aus der Islamophobenszene ist sehr kurz.“

      Damit haben Sie guter alter Streicher-Manier den Bogen von anständigen Menschen (deren soll es ja auch in Deutschland noch einige geben), die den Staat Israel unterstützen, zu den Rechtsextremen und dann gleich noch zu den Islamhassern geschlagen!
      CHAPEAU!!!

      Julius wäre stolz auf Sie!

  23. PS.:
    „Und mit den heutigen Antiimps wie auch etwas mit den Antideutschen, beides Randgruppen in der Linken, auf Kriegsfuß steht, weshalb die sich kaum dorthin verirren, Letztere allerdings schon mal.“

    koennen wir uns vielleicht darauf einigen, dass im augenblick
    die halbe welt gegen israel als imperialistischer
    apartheitsstaat wettert, bis auf die linke?

    das waer doch mal was.

    J

  24. @efem: Danke, wußte, Du kannst das viel schöner als ich.

    @jim: “ und der linksextremen bzw. linksradikalen Einstellung“ … oder und einer dogmatischen. Es gab durchaus Leute die Gomulka und co. auch hier unterstützten. Ca. 30000 Juden verloren Heimat und Arbeitsplatz, viele nicht erstmalig, jetzt weil ein Sieg Israels gegen sowjetunterstützte Truppen nur durch die überall vorhandene „fünfte zionistische Kolonne“ erklärbar war. Dies hat, wie von Dir erwähnt, mit dem humanistischen Grundgedanken der Mehrzahl der 68 gerade nichts zu tun.

    • Keine Ahnung, ente, wie Du jetzt darauf kommst, diese, im Grunde stalinistisch totalitären Perversionen sind ja allgemein bekannt, hab darauf an anderer Stelle ja auch schon mal Bezug genommen, hier gehts mMn um die gegenwärtige Problematik. Bestes Beispiel die Partei „Die Linke“, Petra Pau mal ausgenommen, hatten wir hier aber alles schon.

      Mir gings einzig und allein darum darauf hinzuweisen, dass – nun ja, steht ja eh schon da.

  25. „mit welcher Inbrunst die ahnungslosen Jünglinge und Jungfrauen […..] ihre proarabischen Sprüche herunterleiern.“ „daran hat sich ja bis heute nicht viel geaendert.“

    Ist doch logisch, wenn man auf eine entsprechende Demo geht. Wer, etwa, auf eine Anti-Braunkohledemo geht, braucht sich nicht zu wundern, da keine Sprüche pro fossile Energieträger zu hören.

    Tut euch mal um auf der bekanntesten linken Plattform in Deutschland, auf dem deutschen Indymedia – http://de.indymedia.org -, in dem jede/r veröffentlichen kann, was sie/er möchte, was also ein gutes Spiegelbild so gut wie aller links Orientierten, allerdings nicht unbedingt der Intellektuellen unter ihnen, im Lande ist, und sucht da nach dergleichen, eurer Meinung nach ja Gang und Gäbe. Das wird euch schwer werden, denn davon gibt es sehr wenig. Auch wegen der (freiwilligen) Moderation, die sowas meist rausschmeißt, was aber nicht heißt, dass sie das oft zu tun hätte. Schön ist dabei, dass es gegen diese Moderationspraxis keine bzw. ganz wenig Widersprüche gibt. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass quasi die gesamte deutsche Indymedia-„Gemeinde“, wie gesagt ein Spiegelbild der meist jungen Linken in Deutschland, von solcher Hetzerei, zu gut deutsch Antisemitismus/Antizionismus/Antiisraelismus nichts hält. Und mit den heutigen Antiimps wie auch etwas mit den Antideutschen, beides Randgruppen in der Linken, auf Kriegsfuß steht, weshalb die sich kaum dorthin verirren, Letztere allerdings schon mal.

    Davon ab möchte ich die Gelegenheit nutzen, an Ossip K. Flechtheim, der die 68er stark beeinflusste, zu erinnern. Er starb heute vor fünf Jahren.

    Noch ein Datum im Zusammenhang: in drei Tagen würde Rudi Dutschke, der eine bedeutende Rolle bei den Theoriediskussionen der 68er spielte, 73 Jahre alt.

    • „Was im Umkehrschluss bedeutet, dass quasi die gesamte deutsche Indymedia-”Gemeinde”, wie gesagt ein Spiegelbild der meist jungen Linken in Deutschland, von solcher Hetzerei, zu gut deutsch Antisemitismus/Antizionismus/Antiisraelismus nichts hält“
      __________________________________________________________

      Schön wäre dies…

    • “Was im Umkehrschluss bedeutet, dass quasi die gesamte deutsche Indymedia-”Gemeinde”,

      das mit dem umkehrschluss hab ich noch nie wirklch verstanden.

      „Wer, etwa, auf eine Anti-Braunkohledemo geht, braucht sich nicht zu wundern, da keine Sprüche pro fossile Energieträger zu hören. “

      das klingt logisch, und wer auf eine kochrezepte seite geht
      wird wenig antisemitische sprueche hoeren.. ausser bei
      gefillte fish rezepten vielleicht. aber was sagt das in
      bezug auf antisemitismus aus?

      J

    • @ ente

      Stell dein Licht bitte nicht unter den Scheffel. Leider schreibst du hier nicht viel.

      @ Udo

      Wenn dir meine Argumentation, die grundsätzlich nichts anderes bezweckt als auf Grund von Nachprüfbarem „die alte Angst“ zu nehmen, nicht schlüssig erscheint, dann sag das doch bitte deutlicher. Einfaches Abschmettern bringt keinen Gewinn 😉

      @ Jakobo

      Lass dir mal einen Bart wachsen (falls du nicht einen hast, dann funktioniert dies Beispiel nicht): plötzlich siehst du überall Männer mit Bärten.

      Von wegen Umkehrschluss: ich denke, ich habe das Wort nicht falsch verwendet, obwohl ich kein Jurist bin. Wikipedia bringt ein simples Beispiel: ‚Steht auf dem Schild also „Hunde ohne Maulkorb haben keinen Zutritt“, so sind im Umkehrschluss Hunde mit Maulkorb gestattet.‘ Heißt im Zusammenhang: gäbe es die genannten, dabei klaue ich bei Jim, jedoch in anderem Zusammenhang, „Perversionen“ bei den in Indymedia Schreibenden, würde die Moderation bombardiert mit Protesten gegen ihre „Zensurpraxis“. – Wenn du oft dahin gehst, auf das deutsche Indymedia, siehst du dort gelegentlich eine Veröffentlichung einer Gruppe, die sich palestina rossa nennt. Zielrichtung klar. Setzst du einen Link darauf und versuchst den Beitrag nach ein paar Stunden eneut aufzurufen, ist er für gewöhnlich futsch. Unsichtbar. Statt dessen steht da in etwa: „Dieser Beitrag wurde auf Grund der Moderationskriterien ‚versteckt‘. Wenn du ihn nochmal sehen möchtest, schreib an die Moderation unter folgender Adresse …“

      Noch was: guck mal, falls du es aushältst, wer, in Wien, auf diesem Videoclip von 2012, den mir ein Freund unter dem Betreff: „Antisemitische Hetzkundgebung in Wien“ schickte (https://www.youtube.com/watch?v=voATml26IxE ) zu sehen ist. Besonders „überzeugend“ ist das Ende: ein Vorbeter schreit ‚Takbir‘, und ein Chor antwortet, wie sichs gehört, mit ‚Allahu akbar‘. Das ist nicht die österreichische Linke, selbst wenn der Titel des Videos in youtube das suggerieren möchte. Wo ist sie? Vielleicht gucken welche von ihr zu bei dem Theater.

      @ Jim

      Um im von mir schon verwendeten Bild zu bleiben: du wirfst Linksradikal und Linksextrem in einen Topf. Ist das O.K.? Nö. Sagen sogar die Schlapphüte. Die Diskussion darüber hatten wir hier bereits.

    • Sei mir nicht boese, efem, aber mehr als die ersten 30sec
      werde ich mir von dem video nicth anschauen ist auch nicth
      noetig..

      nur weil du dich von „antizionisten“ distanzieren willst,
      heist das nicht, dass es die linken wiederspiegelt.

      J

  26. Sebastian, zum selbstbild der linken gehoert, dass antismitismus zur essenz von den rechten gehoert, aber bei der linken “wenn ueberhaupt” nur als “antizionismus” als begleiterscheinung vom antiimperialismus auftritt. Und dieses selbstbild wirst du nicht, zumindest nicht von heute auf morgen aendern.

    Lieber Jacobo, hier, denke ich, sollte doch ein wenig differenziert sein: zwischen, im Gegensatz zu rechten oder auch sogenannt neoliberalen Ansichten, einer linken, also einer gerechteren sozialen Ordnung, dem Humanismus verbunden Weltsicht, und der linksextremen bzw. linksradikalen Einstellung – unterschieden werden. Wobei im zweiteren Falle Ideologie immer zwanghaft und mit den entsprechenden Affekten, Auswirkungen und Folgen zur individellen und kollektiven Identität wird.

    Weiter oben schreibst Du: „Warum ist ein explicit detusches judentum so wichtig?
    reicht es nicht aus jude zu sein?“

    Schau mal hier: Diskussion über jüdische Identität: Sehr heimisch und unglaublich fremd

    Wie fühlen sich Juden in Europa und Israel? Und gibt es überhaupt die typisch jüdische Identität? In Hamburg diskutierten Michel Friedman, ein Rabbiner und zwei Autorinnen über ihr Verhältnis zu Religion und kultureller Tradition – unaufgeregt, nachdenklich und kurzweilig.

    • „Weiter oben schreibst Du: “Warum ist ein explicit detusches judentum so wichtig?
      reicht es nicht aus jude zu sein?”

      Schau mal hier: Diskussion über jüdische Identität: Sehr heimisch und unglaublich fremd

      Wie fühlen sich Juden in Europa und Israel? Und gibt es überhaupt die typisch jüdische Identität? In Hamburg diskutierten Michel Friedman, ein Rabbiner und zwei Autorinnen über ihr Verhältnis zu Religion und kultureller Tradition – unaufgeregt, nachdenklich und kurzweilig.“

      das klingt schon interessanter fuer mich als die probleme
      von den linken.. guck ich mir an und komme wieder, danke
      erstmal.

      J

    • naja, Jim.., so viel steht da aber nicht drinnen…

      was da drinn steht ist ja logisch und nichts neues, aber es
      steht nicht viel zu der anfang frage drinnen.

      J

    • PS.: vor allem auch der titel um „juedische identitet“ wenn du
      mich fragst das ist ein absoluter rueckschritt diese diskussion
      um juedische identitaet, baut nur auf ich-bezogene eitelkeiten
      auf und viel mehr steckt nicht dahinter.

      vor ein paar jahren noch hat man witze ueber jiddischkeit
      gemacht. kennst du sicher auch noch. wir beschaeftigen uns
      immer weniger mit torah und mitzwes also worueber reden?
      klar, jiddischkeit.

      aber ob du lust hast oder jiddischkeit baut wenigstens noch
      waerme, familie vor allem auch auf zdaka auf. die sache mit
      der jewish identity hat von dem schon ueberhaupt nciths mehr.
      es geht nicht mehr um familie, nicht mehr um wohltaetigeit und
      um nichts in der richtung.. nur noch ich mach ich mag ich mag
      nicht ich bin so aber nicht so….

      es gibt aber auch umgekehrt viele die tshuva machen. und was
      ich da sehr interessant finde ist der moment. weil in den
      letzten jahren nach und nach eine generation geht, die eben
      jiddishkeit representiert hat und damit fuer die familien
      zusammengehalten hat. ich meine jetzt nicht wegen schrecklichen
      dingen die viele von ihnen erlebt haben, sondern die
      jiddishkeit die sie in ihren familien und darueber hinaus
      fuer uns juden representiert haben. diese leere versuchen viele
      mit tshuva zu fuellen, das ist zumindest meine interpretation.
      und du wirst das bei sehr vielen juden finden in
      unterschiedlichsten laendern mit unterschiedlichsten alltags
      problemen. und da ist der bei juden zwischen generationen
      groesser, als der unterschied bei juden aus unterschiedlichen
      laendern, um auf die anfag frage wieder zu kommen.

      also.. wozu brauche ich ein explicit deutsches judentum?
      eitelkeit? schmerz von der shoah, der ja immer noch da ist?
      keine ahnung…

      J

    • Okay, Jakobo, da steht ja wirklich nicht viel drinn, wollts Dir nur zeigen und kann aber, naturgemäß, selbst nicht viel, eigentlich nichts dazu sagen.

      Wegen der Linken aber, möcht ich doch kurz anmerken, dass ich persönlich zB Dich, auf Grund Deiner Art Dich hier zu präsentieren, auch eher, na sagen wir mal, als links-liberalen Intellektuellen empfinde, … 😉

    • „Wegen der Linken aber, möcht ich doch kurz anmerken, dass ich persönlich zB Dich, auf Grund Deiner Art Dich hier zu präsentieren, auch eher, na sagen wir mal, als links-liberalen Intellektuellen empfinde“

      wegen mir kannst du das, oder auch als rechten oder was auch
      immer 😉

      J

  27. efem ich bitte Dich,
    Du zählst die vielen Bewegungen auf, die es damals in anderen Ländern gegeben hat. Aber haben die genauso besessen gegen Israel gehetzt? In Deutschland 1968 waren von den Juden nur Friedhöfe und abgefackelte Synagogen übrig geblieben. Die Gedenktafeln für die Ermordeten mussten noch errichtet werden. Was hatten große Teile der 68er für ein Interesse, wenn die sich um die etwa zur gleichen Zeit stattfindenden Auschwitz Prozessen eine feuchten Kehricht kümmerten, aber wie die Verrückten gegen Israel wetterten, in einem Land, in dem vom Judentum nichts übrig geblieben war.

    Den Antisemitismus der 68er kann man nicht auf „ein paar selbstverliebten Idioten, die zufälligerweise im etwa gleichen Alter waren“, reduzieren, wobei deine Formulierung „selbstverliebte Idioten“ sehr treffend ist. Natürlich waren nicht alle 68er Antisemiten, aber es war leider eine ziemlich große Horde „selbstverliebter Idioten“.
    Ich erinnere daran was Götz Aly in seinem Buch „Unser Kampf 1968“ auf Seite 167 schreibt:

    Zitat.

    „Im Juni 1969 berichtete Theodor W. Adorno in „äußerster Depression“ seinem Freund Herbert Marcuse, wie „man in Frankfurt den israelischen Botschafter niedergebrüllt hat“, und fügte für den Protestmentor Marcuse an: „Du müsstest nur einmal in die manisch erstarrten Augen derer sehen, die, womöglich unter Berufung auf uns selbst, ihre Wut gegen uns kehren.“……………………………und es sei erschütternd, „mit welcher Inbrunst die ahnungslosen Jünglinge und Jungfrauen […..] ihre proarabischen Sprüche herunterleiern.“

    Zitat Ende

    Aly schreibt auf Seite 148: Sie (die 68er) projizierten das zentrale Problem ihres Landes auf Washington. Sie vernebelten Auschwitz hinter dem Massaker von My Lai, das 503 Männer, Frauen, Kinder und Greise das Leben gekostet hatte, und brüllten: „LBJ – how many kids did you kill today?“ Ihr Interesse an den Einzelheiten der Naziherrschaft erlosch schlagartig.“

    Zitat Ende

    Aly beschreibt weiter, sehr anschaulich, wie hinter diesem Getöse die großen Auschwitz Prozesse in der deutschen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurden, weil niemand davon etwas wissen wollte. Weder die alten Nazis noch deren Kinder.
    Auch wenn`s nicht einfach ist, du solltest das Buch von Aly lesen.

    • „Den Antisemitismus der 68er kann man nicht auf „ein paar selbstverliebten Idioten, die zufälligerweise im etwa gleichen Alter waren“, reduzieren, wobei deine Formulierung „selbstverliebte Idioten“ sehr treffend ist.“

      Sebastian, zum selbstbild der linken gehoert, dass antismitismus
      zur essenz von den rechten gehoert, aber bei der linken „wenn
      ueberhaupt“ nur als „antizionismus“ als begleiterscheinung vom
      antiimperialismus auftritt. Und dieses selbstbild wirst du nicht,
      zumindest nicht von heute auf morgen aendern.

      Genauso wie es zu dem selbstbild von den linken jetzt eher in
      deutschland gehoert, das die rechte nationalistisch ist, aber
      sie selbst natuerlich nur zum beispiel gegen die usa sind,
      wegen dem antiimperialismus. das ein verlohrener krieg zum
      beispiel unterschwellig mitspiellen koennte, so eine ueberlegung wirst du lange suchen. und auch daran wirst du
      nichts aendern koennen.

      J

    • „„mit welcher Inbrunst die ahnungslosen Jünglinge und Jungfrauen […..] ihre proarabischen Sprüche herunterleiern.““

      daran hat sich ja bis heute nicht viel geaendert.

      J

    • Die 68er, und wie es jetzt auch noch zusätzlich anklingt, die Linken, sind, wie der deutsche Michel es gerne hätte, keine homogene Masse noch gar ein Club, der geschlossen irgendwelchen leitenden Figuren folgt. Wer das so sieht, weiß nichts von der oder negiert einfach die Diversität.

      Wer „damals“ an einer Hochschule war, wurde mehr noch als heute jeden Tag mit Flugis unterschiedlichster Gruppen geradezu bombardiert, wohl auch deswegen, weil Kopieren von Schriftmaterialien zu jener Zeit immer billiger wurde 🙂 . Es „ging hoch her“, was gelegentlich zu Handgreiflichkeiten führte.

      Da war in allererster Linie die Frankfurter Schule (Kritsche Theorie), die großen Einfluss auf die Meinungsbildung hatte:

      „Die Erfahrung des Nationalsozialismus und der Shoah waren für die theoretischen und empirischen Arbeiten der Kritischen Theorie prägend.“ (Wikipedia)

      Sie wurde kritisiert, durchaus fundiert. Das schlug sich ebenfalls in Flugis nieder, deren VerfasserInnen sich u.a. auf Leute stützten wie Ralf Dahrendorf, Henryk Grossmann, Georg Lukács, Karl R. Popper, Günter Rohrmoser u.v.a.

      Dann gab es da den CDU/CSU-Ableger RCDS, der nicht viel Gegenliebe fand, weil er konservative Positionen bediente und, oh Graus, die Springerpresse las.

      Dann waren da die Rätekommunisten.

      Die Anarchisten.

      Die Graswurzelbewegung.

      Und noch einige, z.B. die Mao-Fans.

      Unpolitische und religiöse bzw. antireligöse Gruppen auch.

      Und so weiter.

      Ach so, Ich vergaß die Antiimps.

      Alles 68er…

      btw., von wegen Nichtkenntnisnahme der drei Hauptauschwitzprozesse: mit Recht wird denjenigen, die den II.Weltkrieg erlebt hatten, vorgeworfen, dass ihre Behauptung „wir haben von nichts gewusst“ nicht der Wahrheit entspricht. Wieso den z.T. selben Leuten unterstellt, ja über sie gesagt wird, sie hätten die Prozesse nicht wahrgenommen, erschließt sich mir nicht.

    • „Die 68er, und wie es jetzt auch noch zusätzlich anklingt, die Linken, sind, wie der deutsche Michel es gerne hätte, keine homogene Masse noch gar ein Club, der geschlossen irgendwelchen leitenden Figuren folgt. Wer das so sieht, weiß nichts von der oder negiert einfach die Diversität.“

      sorry aber du kannst von anderen ncith erwarten wem auch immer
      hinterher zu rennen um diese diversitaet zu suchen. die meisten
      werden besseres zu tun haben.

      ich bezweifle uebrigens aus erfahrung dass es in der linken
      eine relevante grupierung gibt, die nicth gegen israel ist.
      das waer in deren theroie so als wuerden sie ihren geliebten
      antiimperialsims aufgeben. das hatten wir abr schon.

      J

  28. @Uri:
    Vielen Dank für Deinen wirklich sehr interessanten Hinweis. Bin gespannt auf die Studie!!

  29. @ Sebastian:
    „Es hat nach Auschwitz auf der ganzen Welt keine politische Bewegung gegeben, die außerhalb des Nahen Ostens Terror gegen Juden so fanatisch unterstützt hat und selbst dabei aktiv wurde, wie die deutsche 68er Bewegung.“

    und

    „was sich dort von einst kleinen aber lebendigen jüdischen Gemeinden findet, die Friedhöfe, eine Gedenktafel wo vor 1938 die Synagoge stand und ein Gedenkstein, der die Namen der Ermordeten trägt. “

    ich denke das ist sehr richtig was sie schreiben und leider
    eine traurige realitaet.

    aber leider scheinen sich viele juden in deutschland damit
    zufrieden zu geben. ein museum hier, ein gedenkstein dort,
    ein wenig israel verteidigen, ein wenig was gegen
    antisemitismus machen und die woche im juedischen leben ist
    vergangen und viele meinen dass das juedische leben genau
    darin besteht. das problem dabei ist, dass die juedische
    vergangenheit in deutschland genau diese einstellung
    unterstuetzt. weil der antisemitismus ja eine realitaet ist
    und nicht erfundenes. ich glaube das das die spezielle
    herausforderung
    fuer juedisches leben in deutschland ist, sich trotz allem
    eben nicth mit einem museum und gedenksteinen zufrieden zu
    geben sondern dass zum beispiel die synagoge ein wichter teil
    von juedischem leben wird.

    und dann gibt es natuerlich auch allgemeine dinge.. die
    deutschen sind oft traege und haben wenig eigeninitaitive
    weil in deutschland einfach alles schon organisiert und
    geregelt ist. es ist ja auch logisch irgendwie und auch
    berechtigt. wenn du x% von deinem lohn fuer die gemeinde
    zahlst, dann willst du leistung sehen anstatt leistung zu
    brigen (zB in form von initiativen usw.)

    J

    • Sag mal, wenn du schon denkst, Sebastian hätte Recht in seinem ersten von dir zitierten Satz: das Beispiel Kielce widerlegt das also nicht? Die Judenverfolgungen, Stichwort stalinistische Schauprozesse in der SU, ebensowenig? Die Drangsalierung, eine Art von Verfolgung, von jüdischen Menschen im fast gesamten Ostblock, die Pogrome da auch nicht?

      „1946 und 1947 waren überlebende Juden, die in ihre Heimatdörfer zurückkehren wollten, in Polen, der Ukraine und Russland neuen Pogromen ausgesetzt. Etwa 290.000 Ostjuden flohen daher nach Deutschland …“ (Wikipedia)

      In welcher Welt lebt ihr?

      Doch wohl in dieser:

      „Lewis“ (ein britsch-amerikanischer Historiker) „argues that the international public response and the United Nations‘ handling of the 1948 refugee situation convinced the Arab world that discrimination against Jews was acceptable.“ (aus Wikipedia)

      Wovon spricht er? Von „international“ und „United Nations“.

    • Efem:
      ehrlich gesagt ich glaube fuer ein paar sachen fehlt dir
      ein wenig das verstaendniss….

      aber die punkte die du anfuehrst sind natuerlich richtig.

      J

    • @Jakobo,

      Deine Analyse trifft genau zu. Ich erinnere mich an Diskussionen in meiner Schulzeit (im Gemeinschaftskunde-Unterricht, so hieß der politische Unterricht damals). Meine Generation war damit beschäftigt, vornehmlich gegen Amerika zu hetzen. Für mich waren Amerika und die Alliierten diejenigen, die uns von den Nazis befreit hatten. H.M.Broder hat es auf den Punkt gebracht, indem er sagte: „Die Deutschen werden es den Amerikanern niemals verzeihen, das sie Deutschland von den Nazis befreit haben.“ Alle waren entsetzt über das was geschehen war, aber auch beleidigt Nachkomme der Täter – Community zu sein. Dabei gab man sich als Antifaschistisch um sich von den Verbrechen zu distanzieren. Der Antiamerikanismus und der Antizionismus dienten dabei, um den Blich auf Auschwitz zu vernebeln. Die vorangegangene Generation, die 68er hat es ja vorgemacht. Die haben gegen die Alten rebelliert, aber es nie geschafft, die verfaulten braunen Wurzeln tatsächlich abzuschlagen.

    • @ Sebastian

      Du zitierst Broder. Soweit ich orientiert bin, hat die UDSSR Auschwitz befreit. Broder, wobei du ihm folgst, unterschlägt in dem Satz nonchalant, außer bei „Amerika“, das bekanntlich von Alaska bis Feuerland geht und in Lateinamerika teilweise neutral blieb, die gesamte übrige Antihitlerkoalition wie z.B. das Commenwealth samt Großbritannien und Nordirland selbst, aber „vergisst“ auch die Sowjetunion, die die Hauptmacht der deutschen und anderer mit Hitler verbündeter Truppen gegen sich hatte und ohne deren Kampf (wenn Hitler sie nicht angegriffen hätte) der Krieg u.U. für die Achsenmächte positiv ausgegangen wäre oder, auch möglich, zu einem Patt geführt hätte. Hätte Broder historisch richtig sprechen wollen, hätte er sagen müssen: „die Deutschen“ (was schon eine unzulässig-flapsige Pauschalierung ist) „werden der Antihitlerkoalition …“ Klingt nicht so gut und macht den Sprecher lächerlich.

      Aber der Verdienst der Antihitlerkoalition ist kein Freibrief, für alle Zukunft, weder für die USA noch sonstwen, etwa Frankreich (Stichwort Algerien) noch für die vergangene UDSSR, ihre Doktrinen mit Gewalt und Blut durchzusetzen. Wie es die UDSSR z.B. in Prag – 1968!, was die 68er durchaus wahrnahmen und den untergegangenen Prager Frühling betrauerten – praktizierte. Wie es die USA z.B. nach dem von ihnen gefakten Zwischenfall von Tonkin machten. Und anderswo. Ãœbrigens, das sei erwähnt, weil diese Plattform es schon mehrfach behandelte, ließ Israel sich 1956 verleiten, für die Interessen Frankreichs und des UK sich in deren Vormarsch gegen Nasser einzubinden. Vorgeschichte:

      „Als die USA … 1956 mit der Verweigerung einer Anleihe für die Errichtung des Assuan-Staudamms“ die Annäherung Nassers an den Ostblock „beantworteten, verstaatlichte Nasser den Suezkanal. Dieser Beschluß stellte eine direkte Herausforderung von Großbritannien und Frankreich dar, den Hauptteilhabern der Suezkanal-Gesellschaft.

      Neben der Blockade der Straße von Tiran am Ausgang des Golfes von Akaba zum Roten Meer, stellte die Sperrung des Suezkanals für israelische und nach Israel fahrende Schiffe, nach internationalem Recht eine Kriegserklärung an Israel dar, welches dadurch von allen asiatischen und afrikanischen Handelspartnern abgeschnitten war.“ (haGalil)

      Was man sagen kann, aber so ausschließlich nicht ganz richtig ist, denn der allerdings viel längere Weg um das Kap der Guten Hoffnung war davon nicht betroffen. Außerdem gab es schon damals, so habe ich wenigstens gehört, Flugzeuge. Auch für Fracht.

      Das Abenteuer endete zwar mit einem Sieg, aber wohin führte es alsbald? „Ein gleichzeitiges Ultimatum des amerikanischen Präsidenten Eisenhower und des sowjetischen Ministerpräsidenten Bulganin zwang Israel, sich in mehreren Etappen bis März 1957 aus den eroberten Gebieten zurückzuziehen.“ (haGalil)

      Und natürlich zu der Nichtunterstützung des fast zeitgleichen Aufstands in Ungarn, dessen Kämpfer und Politiker (Ungarn hatte sich für neutral erklärt) den Westen in ergreifenden Aufrufen anriefen, ihnen zu helfen. Was dem wegen dem Vorgenannten schlechterdings nicht möglich war.

      Das alles und aber noch mehr, sonstwo auf der Welt, hat natürlich im Kopf zu haben, wer gegen Kriege mit Ausnahme eines wie gegen die Achsenmächte geführten ist, d.h. zu reiner Verteidigung bzw. zur Hilfe für die sich Verteidigenden. Es gilt zu differenzieren, wie und warum. Ob sich beispielsweise eine „biased“ Anti-USA oder/und Anti-Israel Manie daraus ableitet. Jedenfalls ist es nicht per se unzulässig, sich gegen Kriege zu engagieren und das auch zu vertreten. Auch in der Schule. Wie es hier schon so oft aus der Torah zitiert wurde: „Suche den Frieden und jage ihm nach!“

  30. Tuvia Tenenbom sagt:

    „Heute ist das deutsche Judentum ein trauriges Abbild seiner selbst. Es existiert eigentlich gar nicht wirklich….“

    Zitat Ende

    Wenn man durch meinen Geburtsort einen Spaziergang macht, genauso wie durch den Ort in dem ich heute lebe, sind das einzige, was sich dort von einst kleinen aber lebendigen jüdischen Gemeinden findet, die Friedhöfe, eine Gedenktafel wo vor 1938 die Synagoge stand und ein Gedenkstein, der die Namen der Ermordeten trägt.

    Vom jüdischen Leben ist hier nach der Nazibarbarei nichts und Niemand übrig geblieben.

    Als ich heute das neue Buch von Wolfgang Kraushaar: “Wann endlich beginnt bei Euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel?“ durch gesehen hatte, wurde mir eines schlagartig bewusst:
    Es hat nach Auschwitz auf der ganzen Welt keine politische Bewegung gegeben, die außerhalb des Nahen Ostens Terror gegen Juden so fanatisch unterstützt hat und selbst dabei aktiv wurde, wie die deutsche 68er Bewegung.

    • „Es hat nach Auschwitz auf der ganzen Welt keine politische Bewegung gegeben, die außerhalb des Nahen Ostens Terror gegen Juden so fanatisch unterstützt hat und selbst dabei aktiv wurde, wie die deutsche 68er Bewegung.“

      Schön wärs, Beispiel:

      http://test.hagalil.com/2006/08/kielce.htm

      Die 68er in einen Topf zu werfen mit ein paar selbstverliebten Idioten, die zufälligerweise im etwa gleichen Alter waren wie der Rest, der sich für wirklich anderes einsetzte als „Terror gegen Juden“, ist eine nicht haltbare Pauschalisierung.

      Kraushaar lehnt solche Rundumschläge ab:

      “ … weigert sich Kraushaar, wie er in Reaktion auf die Debatte formuliert, «den Fall vom 9. November 1969 als pars pro toto für linken Antisemitismus in der 68er-Bewegung insgesamt zu nehmen». Er tut dies mit guten Gründen. Wäre es anders und liesse sich der Antisemitismus im Zentrum ihrer Antriebe lokalisieren, wären die ohnehin in Verruf geratenen Achtundsechziger endgültig erledigt.“ aus: http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/articleD8IKF-1.179471

      Im Ãœbrigen waren „die 68er“ kein auf Deutschland beschränktes Phänomen. Wikipedia listet einiges dazu auf:

      – Außerparlamentarische Opposition in Deutschland
      – Deutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre
      – Mai 1968 in Frankreich
      – März-Unruhen 1968 in Polen
      – Prager Frühling
      – Lotta continua in Italien
      – Black Power-Bewegung nach der Ermordung Martin Luther Kings
      Free Speech Movement, amerikanische Studentenbewegung in Kalifornien
      – Globuskrawalle in der Schweiz
      – Massaker von Tlatelolco an der mexikanischen Studentenbewegung
      – Zengakuren in Japan
      – Hippie-Bewegung (international)
      – Die Volksbefreiungsarmee der Türkei von Deniz GezmiÅŸ
      – Arena 1976, die Wiener Aktionisten und das WUK 1981 in Österreich, ersterer als Nachfolgerin der Arena 1970 im Rahmen der Wiener Festwochen, da „1968“ in Österreich im Wesentlichen nur eine Jahreszahl war und keine wirkliche Bewegung darstellte.
      Neue Linke/Nuova Sinistra in Südtirol

    • „Die 68er in einen Topf zu werfen mit ein paar selbstverliebten Idioten, die zufälligerweise im etwa gleichen Alter waren wie der Rest, der sich für wirklich anderes einsetzte als “Terror gegen Juden”, ist eine nicht haltbare Pauschalisierung. “

      Auch fuer die 68er in deutschland, die nicht direkt mit den
      arabern zusammengearbeitet hat war antizionismus als teil von
      antiimperialismus ein sehr wichtiger bestandteil von ihrer
      ideologie. die haben genauso gegen israel geehtzt.

      „die zufälligerweise im etwa gleichen Alter ware“

      naja irgendein bindendes glied muessen die wohl gehabt haben,
      meinst du nciht? so ganz zufall kann es nicht sein 😉

      J

    • @ Jakobo

      Antizionismus ein Teil von Antiimperialismus?

      Antiimperialismus richtet sich gegen die Eroberung, Besetzung und Ausbeutung fremder Länder durch militärisch überlegene Staaten – zum einen. Zum anderen gegen den international agierenden Kapitalismus bzw. überhaupt gegen das inzwischen weltweite kapitalistisch bestimmte Wirtschaftssystem. Das sind also zwei nicht unbedingt zusammenhängende Theorien.

      Auch Antizionismus ist ein verschieden zu betrachtender Begriff. Der Antizionismus im Judentum ist fast so alt wie der Zionismus und durchaus auch religiös begründet.

      Der Antizionismus, wie ihn außerhalb des Judentums Stehende als einen in reality ihren Antisemitismus kaschierenden Kampfbegriff verwenden, ist rel. neu und weitestgehend kongruent mit Antiisraelismus. Den wiederum gibt es erst seit der Zeit um die Staatsgründung Israels, in genau den genannten Verknüpfungen.

      Propagiert wurde und wird er in Deutschland von fast manisch sektiererischen Gruppen, die eine Zeitlang sehr medienwirksame Aktionen durchführten – in der „alten BRD“ – aber doch nicht bestimmend waren bei den deutschen 68ern, die mit ihnen kaum etwas zu tun haben wollten, wenn sich auch Schnittstellen ergaben, beispielsweise im Fall Benno Ohnesorg.

      Wer wie du unzulässig simplifizierend behauptet „Auch fuer die 68er in deutschland, die nicht direkt mit den arabern zusammengearbeitet hat war antizionismus als teil von
      antiimperialismus …“, verengt die vielfältigen Anliegen der 68er in polemischer Manier, setzt einen Schwerpunkt, der keiner war und keiner ist (noch leben die 68er 🙂 und wirft, wie schon gesagt, alles in einen Topf. Seriös?

    • „Auch Antizionismus ist ein verschieden zu betrachtender Begriff. Der Antizionismus im Judentum ist fast so alt wie der Zionismus und durchaus auch religiös begründet.“

      Efem, bitte siehe oben.. wie gesagt fuer manches fehlt dir
      glaube ich das verstaendniss…

      „(noch leben die 68er 🙂 und wirft, wie schon gesagt, alles in einen Topf. Seriös?“

      oi gewalt.. muss ich dir jetzt erklaeren was eine
      verallgemeinerung ist? mag sein dass es ein zwei leute gab oder
      gibt die anders denken, aber mehr wirst du nicht finden. und
      fuer die 1-2 tut es mir wirklich sehr leid, aber ncith weil sie von mir „ungerechter weise“ in den selben topf geschmissen wurden..

      und jemanden der fuer israel steht wird bei deinen 68ern oder
      der linken allgemein ein sehr schweres leben haben, weshalb die
      meisten sich lieber davon abwenden. auch das fuehrt zu dem
      ergebniss das ich oben bereits genannt hab.

      irgendwie ist bei dir das WIR gefuehl entweder in
      grossbuchstaben oder aber gar ncith vorhanden, aber das ist nicht meine sache.

      J

    • „wegen dem antiimperialismus. dass ein verlorener krieg zum
      beispiel unterschwellig mitspielen koennte“

      Quark. Gerade das Wissen um zwei Weltkriege, von Deutschland angefangen (bzw. beim zweiten unwidersprochen, beim ersten wird darüber gestritten), wobei es beim zweiten so imperialistisch wie nur denkbar zuging, beeinflusst das Denken sehr direkt und nicht „unterschwellig“. Bei allen politisch Interessierten.

      Du bist äußerst freigiebig in Pauschalisierungen: “ jemanden der fuer israel steht wird bei deinen 68ern oder der linken allgemein ein sehr schweres leben haben“

      Wo hast du das her? Das ist nicht beweisbar. Verwechselst du etwa die programmgesteuerte Partei „Die Linke“ mit der von ihr nicht erreichbaren, schon immer sehr heterogenen Linken?

    • Jakobo, noch was:

      Dr. Bruno Kirschner, Rabbiner, schreibt für das ‚Jüdisches Lexikon‘ von 1927 viel zu Antizionismus.

      So dies:

      „Man kann einen Antizionismus innerhalb des Judentums und außerhalb des Judentums unterscheiden.“

    • „Du bist äußerst freigiebig in Pauschalisierungen: “

      ja ich weis diesen vorwurf habe ich schon mal gehoert als ich
      ganz dreist behauptet habe dass juedische maenner beschnitten
      werden. und natuerlich konnte ich das nicht beweisen *lach*
      wo ich das her hab bleibt natuerlich mein konspiratives
      geheimniss 😉

      J

  31. „Vor dem Krieg waren die deutschen Juden die Krone des Judentums. Die jüdische Reformbewegung begann hier. Heute ist das deutsche Judentum ein trauriges Abbild seiner selbst. Es existiert eigentlich gar nicht wirklich, weil die meisten der hier lebenden Juden aus Russland kommen.“

    Warum ist ein explicit detusches judentum so wichtig? reicht
    es nicht aus jude zu sein?

    J

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