Böll – Grass nahegelegt

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Zwei deutsche Literaturnobelpreisträger, zwei unverwechselbare Charaktere, zwei Individuen, die trotz manch gemeinsamer Ideale und Ziele in ihrer Beurteilung Israels und dessen Politik unterschiedlicher nicht hätten sein können: Heinrich Böll und Günter Grass…

Von Robert Schlickewitz

Beide kannten sich, beide engagierten sich zeitweise als Wahlkämpfer für die deutschen Sozialdemokraten und beide besuchten sie den Staat Israel – unabhängig voneinander. Auf weitere Gemeinsamkeiten soll hier nicht näher eingegangen werden, denn aus aktuellem Anlass interessieren mehr die Gegensätzlichkeiten.

Das politische Gedicht Grassens „Was gesagt werden muss“ hat national wie international für heftige Kontroversen und für keineswegs ausschließlich fruchtbare Diskussionen gesorgt. Es hat ferner zu diplomatischen Verwicklungen geführt und alte Gräben innerhalb Deutschlands ebenso wie zwischen Deutschen und Israelis neu aufgerissen.

Wie war so etwas möglich?

Günter Grass wird kurz reflektiert, seine Feder gewetzt und losgelegt haben. Er schrieb sich seinen deutschen Frust über Israel von der Seele, ganz genau so wie fast fünf Jahrhunderte vor ihm Luther sich seinen deutschen Frust angesichts der so bekehrungsunwilligen Juden von der Seele geschrieben hat.

Beiden deutschen Dickköpfen wollte nicht in den Sinn, warum „diese verstockten Juden“ sich nicht ihren, im ersten Falle scheinbar so ‚gottgefälligen‘, im zweiten Falle (ebenso) scheinbar ‚einzig richtigen‘ Argumenten beugen wollten. Beider Deutscher Fehler war es, dass sie sich selbst zum Maßstab aller Dinge gemacht hatten oder, mit anderen Worten, dass sie so typisch deutsch vorgegangen waren – mit jenem altbekannten, berüchtigten, erhobenen Zeigefinger.

Glücklicherweise hat unser Deutschland jedoch nicht nur Luther und Grass, sondern auch einen Heinrich Böll hervorgebracht und der war deutlich anders als die beiden Vorgenannten.

Zehn Jahre älter als sein in der Kritik stehender Kollege von der schreibenden Zunft, kam Böll gleichfalls aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, nur meldete er sich nicht wie Grass freiwillig zu den Waffen – er wurde vielmehr bereits im Sommer 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Sechs lange Jahre stand er als Soldat an verschiedenen Fronten, wurde mehrfach verwundet und verlor bei einem Luftangriff seine Mutter. Ab 1947 veröffentlichte er zunächst Kurzgeschichten, Hörspiele, Erzählungen, dann 1951 seinen ersten Roman „Wo warst Du, Adam?“, in dem er u.a. auf das Los von KZ-Häftlingen einging. Seine spätere Laufbahn wies ihn als Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft, des katholischen Konformismus‘ und antidemokratischer Entwicklungen in der BRD sowie als Anwalt von politisch Verfolgten, von Minderheiten und von Andersdenkenden aus.

1978 erschien ein Essay von Böll mit dem schlichten Titel „Shalom“. Darin hielt der Nobelpreisträger des Jahres 1972 einige Dinge fest, die auch heute, vierunddreißig Jahre später, nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben und die besonders Zeitgenossen wie Günter Grass zur Lektüre dringend anempfohlen seien.

Böll war, so seine einleitenden Worte in „Shalom“, bis dahin dreimal in Israel gewesen, 1969, 1972 und 1974:

„… ich habe mich nur stunden-, manchmal minutenlang, kaum einmal  tageweise unbetroffen gefühlt. Ich beneide die Deutschen, die unbetroffen sein können. Ich konnte es nur selten sein, das muß vorausgesetzt sein, wenn ich hier ein paar Eindrücke wiederzugeben versuche. Es ist nicht die Frage meiner Schuld (manchmal beneide ich die eindeutig Schuldigen) oder Unschuld, es ist nicht die Frage der Kollektiv- oder Einzelschuld, es ist das Bewußtsein, nicht nur Zeitgenosse der „Endlösung“, sondern deutscher Zeitgenosse gewesen zu sein, Zeitgenosse dieser mit unfaßbarer Gründlichkeit vorbereiteten Ausrottung, wie ich sie bisher am eindringlichsten in H. G. Adlers großer Studie Der verwaltete Mensch dargestellt fand.“

Böll fährt fort, israelische Freunde wie Emanuel Ben Gorion, Ernst Simon, Werner Krafft und andere hätten versucht ihn „als Einzelperson freizusprechen“ – jedoch sei der Freispruch nicht zu ihm durchgedrungen.

„…es ist nicht das Problem von Anklage, Untersuchung, Freispruch, für ‚schuldig‘ oder ‚nicht schuldig‘ befunden zu werden, es ist eben nicht nur ein moralisches Problem, nicht einmal nur ein menschliches, es ist nicht einmal das Problem der Zeugenschaft, sondern der Zeitgenossenschaft, und vielleicht sind viele Deutsche, zu sehr darauf bedacht, sich freizusprechen oder freigesprochen zu werden, sich bis heute nicht klar darüber, welcher Zeit Genossen sie waren, Zeitgenossenschaft ist nicht Schuld, und so gibt es keine Absolution, es gibt kein Bekenntnis. Aufgefordert, anläßlich eines internationalen Kongresses in Yad Va Shem, der Gedenkstätte für die ermordeten europäischen Juden, eine Rede zu halten, konnte ich kein Wort herausbringen. Ich war zu sehr betroffen, und mir schien, Sprache sei sinnlos geworden.“

Na, Herr Grass, können Sie das nachvollziehen? Falls nein, lesen Sie es noch einmal und lassen Sie es auf sich einwirken. Wir folgen Böll:

„Nicht nur, was in Yad Va Shem dokumentiert ist, bringt deutsche Geschichte nach Israel, auch die Probleme des Staates Israel hängen mit dieser Geschichte zusammen. Israel, so schien mir, ist ein Land, in das man freiwillig gehen soll, in dem man arbeiten, siedeln, mitarbeiten muß. Zu viele europäische Juden mußten, um ihr nacktes Leben zu retten, nach Israel gehen, sie sind Vertriebene, und ich denke, ich fürchte, ihnen ist das Arabische, das Palästinensische fremd, sie sind Fremde geblieben, und manche Probleme Israels haben wahrscheinlich in dieser Fremdheit ihre Ursache. Die Ruhe und die Sicherheit, die Israel braucht, mit sich selbst, in sich selbst, um sich herum, kann es sich selbst nicht garantieren. Wer garantiert beides? Es gibt israelische Kritik an Israels Politik genug. Es gibt so wenig arabische Kritik an und in den arabischen Staaten an deren Politik gegenüber Israel.“

Alles klar, Herr Grass? – Böll:

„Es fällt mir schwer, über Israel zu schreiben. Seine Geschichte, seine Entstehung, seine Probleme sind bekannt, die Lösungen umstritten, in Israel und außerhalb. Ich fühle mich weder berechtigt noch mit den notwendigen Kenntnissen der Zusammenhänge ausgestattet, um Lösungen – gar mit erhobenem Zeigefinger – vorzuschlagen. Es bleibt vorausgesetzt: meine Betroffenheit, meine Befangenheit.“

Sie, Herr Grass, haben doch auch keine Lösungen anzubieten, oder? Was kann da Ihr erhobener Zeigefinger noch bewirken? Wenn Sie ehrlich sind, doch nur Ablehnung und Zurückweisung, oder?

Böll ist in der Lage die Grenzen seiner Möglichkeiten als Schriftsteller zu erkennen:

„In den wenigen Stunden der Unbetroffenheit und Unbefangenheit dachte ich, während ich durchs Land fuhr oder gefahren wurde: Vielleicht wäre ich kein schlechter Jude gewesen (oder geworden), gewiß aber wäre ich nicht geworden, was ein amtierender Staatsmann oder Politiker sich unter einem ‚guten Israeli‘ vorstellt, ganz sicher keiner von der demonstrativen Sorte – eine Eigenschaft – das haben Künstler und Schriftsteller international gemeinsam -, die es unter unseresgleichen kaum gibt. Ich habe einen Film über Dostojewski geschrieben, den ich – immer noch – für eine große Hommage an den russischen Geist und die russische Literatur halte: in der Sowjetunion hat er offiziell tiefe Gekränktheit bewirkt; ich habe einen Film über Irland gemacht, der – wie mir schien und immer noch scheint – ziemlich nah an Schmeichelei grenzte. In Irland gab es wüste Beschimpfungen, und als ich mal wieder dort war, sagte mir eine Nachbarin: ‚Haben Sie nicht Angst, daß Sie gesteinigt werden?‘ In einem Film über Israel (den ich nie machen werde, ich werde nie mehr einen Film über irgendein Land machen) müßte ich auch die (gelegentlich: fürchterlichen) häßlichen Tankstellen filmen; die man manchmal am Wüstenrand findet; nicht – wie mir schien – zufällig und notwendigerweise häßlich, sondern fast demonstrativ, aus einer Pionier-Mentalität heraus, von alten Ölbüchsen und Kanistern umsäumt, die obligatorische Imbißstube unter leeren Flaschen, Büchsen, Papptellern fast begraben, ganz im Gegensatz zu den wohlgeordneten Kibbuzim. Und in den Kibbuzim, als Gast, bei Gesprächen, in Diskussionen, tief in Betroffenheit und Befangenheit, die Schwierigkeit, mich vom Stigma des guten Deutschen zu befreien. Die Last des guten Deutschen möchte ich nicht tragen: das wäre zu schwer für mich, zu leicht für alle Nichtdeutschen, die vielleicht die Schuld loswerden möchten, Genosse der Zeit und Überlebender zu sein…“

Ist es denn so schwer, Herr Grass, der Sie doch auch jener Generation angehören, diese Betroffenheit und Befangenheit gleichfalls zu empfinden? Dann daraus die Grenzen Ihrer eigenen Möglichkeiten zu erkennen? Sich schließlich demgemäß zu verhalten?

Böll weiter:

„… es gibt keine Flucht vor dem Stigma des guten Deutschen, das das Stigma vom bösen Deutschen voraussetzt. Unter Autoren ist das anders, fällt das nicht schwer, sich vorzustellen, was aus einem geworden wäre, was mit einem geschehen wäre, wäre der eine jüdisch, der andere nichtjüdisch gewesen, den Städter in den Bauern (und umgekehrt) zu versetzen, und ich denke dabei an einen, der weinte, weil er nicht in der Hitlerjugend mitmarschieren konnte, erinnere mich an den Jungen, der ich war, der wahrscheinlich krank geworden wäre, hätte er mit der Hitlerjugend marschieren müssen. Dieses literarische Spiel ist mit etwas Phantasie leicht gespielt, es entspannt ein wenig (nicht lange!), es ist ein Spiel, nostalgisch verbrämt, hilft nicht, nützt nicht, weil einer ja weiß: es war nicht so, es ist nicht so gewesen – und, vor allem: es ist anders gekommen. Man kann das spielen, um den einen oder anderen besser zu verstehen, den einen in des anderen Lage versetzen: es bleibt ein schlechter Geschmack, weil verstehen einfach ein dummes Wort ist und ich nicht vertrieben bin, nicht aus meiner Heimat. Nicht aus einem Land Israel in einen Staat Israel, der sich allein nicht schützen kann; der da in den Sinai hinein – und um ihn herum – so viele Straßen baut, die nicht den Auftrag ‚Bauet dem Herren eine Straße durch die Wüste‘ erfüllen.

Die Zweifel mancher israelischer Autoren, Denker, Mahner sind stärker als meine, der ich mich eben nur versetze, nicht wirklich damit befaßt bin, und es wäre ein Wunder, würde wirklich eine Wende bedeuten, wenn arabische Kollegen so viel Zweifel an Politik und Propaganda ihrer Staaten äußern würden wie israelische Autoren an ihrem.“

Mit seinem Schlusswort, in dem er auf die „endlosen“ Gespräche mit seinen israelischen Freunden Jenny und Ezra zu sprechen kommt, „bei denen wir auch gemeinsam das Warum und Wieso nicht ergründeten“, weist Böll den Weg zum Ziel – miteinander zu reden. In diesem Sinne kann er sein Essay auch überzeugend und ohne Peinlichkeit mit dem Wort „Shalom“ ausklingen lassen. –

Sie, Herr Grass, haben hingegen mit Ihrem Gedicht die Türe hinter sich zugeschlagen, haben dafür gesorgt, dass man Sie als glaubwürdigen Mittler nicht, nicht mal mehr als Gesprächspartner  akzeptieren wird. Gespräche mit Ihnen wird in Israel so schnell niemand mehr führen wollen.

Gehen Sie daher, Herr Grass, in sich, bereuen Sie öffentlich und entschuldigen Sie sich in aller Form. Machen Sie Frieden mit sich und der Welt, ehe es zu spät ist. „Shalom“, Herr Grass, Shalom.

Quelle:

Shalom. Ein Essay. Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt vom 5.3.1978 und vom 12.3.1978. Zugleich Vorwort zu Hilla und Max Jacoby. „Shalom“. Hamburg 1978. Zugleich Heinrich Böll. Essayistische Schriften und Reden III. 1973-1978. Werke 9. (Hg.) Bernd Balzer. Köln. S. 508-517.

19 Kommentare

  1. @Schlicke..

    “Es gibt israelische Kritik an Israels Politik genug. Es gibt so wenig arabische Kritik an und in den arabischen Staaten an deren Politik gegenüber Israel.“
     
    Heinrich Böll


    Ja Schlicke, aber das war 1978.

     
    Viele, die damals voller Sympathie für Israel waren oder sich aus eben diesen Gründen Kritik verkniffen, sind heute zu einer solchen Haltung, aus Gründen, die Sie wie andere verbissen zu ignorieren sich entschlossen haben, nicht mehr bereit.
     
    Niemand dachte damals, dass die Geschichte so weiter gehen würde. Die Denke war eine völlig andere und man dachte, dass früher oder später ein palsätinensischer Staat entstehen würde. Siedler gab es damals nur eine Hand voll auch wenn es schon Kritik und Unbehagen an der Besatzung gab.

     
    Dass Grass Gedicht zumindest zwiespältig aufgefasst wird, kann ich nachvollziehen. Wenn er von der ‚Auslöschung des iranischen Volks‘ spricht – geht mir das im auch zu weit, auch wenn es durchaus angebracht ist, auf die Gefahr der drohenden Eskalation für Israelis und Iraner hinzuweisen. Dass Israel weder die ‚Auslöschung des iranischen Volkes‘ plant, noch diese tatsächlich so gänzlich zu befürchten wäre, das sehe ich auch so. Insofern geht mir dieser Satz auch eindeutig zu weit. Es ist aber absolut nicht gesagt, dass ein solcher Angriff so still und schnell über die Bühne ginge, wie es seinerzeit in Syrien der Fall war – die Situation im Iran ist eine ganz andere und das sagen auch israelische Geheimdienste und z.Bsp. der Schriftsteller David Grossmann, die auch auf Grund der drohenden Eskalation vor einem Angriff warnen.


    In Anbetracht Grass‘ Oeuvres und seiner Verdienste finde ich es aber schon sehr dumm dreist, WER sich und WIE man sich, auf welch dünner Basis man sich doch zu solchen Urteilen berechtigt glaubt und in dem Zusammenhang wird dann sogar schon leichtfertig aller möglicher  unqualifizierter Blödsinn behauptet, wie Kaniu, der meinte Böll hätte nie über Juden geschrieben (ein Schriftsteller der urteilt, sollte es doch zumindest besser wissen):
     
    Bei Heinrich Böll gibt es nicht den mir als widerwärtig erscheinenden Revanchismus, nicht den kalten Zynismus und das Fehlen der Empathie, wie sie bei einem Günter Grass zur Natur zu gehören scheinen.


    Dazu zitiere ich noch mal Fritz Stern, der zwar, wie mir scheint sehr viel berechtigtere und differenziertere Kritik anbringt, aber Grass eben tatsächlich sehr viel gerechter wird, wenn er z.Bsp. daran erinnert:


    Dass er für die Form der Debatte selbst viel Verantwortung hat, ist klar. Aber der Antisemitismus-Vorwurf stört mich.

    In der „Blechtrommel“ gibt es doch den Herrn Sigismund Markus, der ein Geschäft für Spielsachen hat, wenn ich mich recht erinnere, und der Selbstmord begeht – das ist so glänzend, mit so viel Einfühlungsvermögen geschrieben und so eindrucksvoll wie kaum eine andere Geschichte aus jener Zeit.



    Das kann kein Antisemit geschrieben haben….


    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/fritz-stern-zum-fall-grass-eine-provokation-mit-bedrueckendem-ergebnis-11716774.html
     
    Und wissen Sie Schlicke, die Sache mit dem Bundestverdienstkreuz ist mir persönlich völlig wurst, es ist die Ansicht Uri Gellermanns, der damit fraglos ein Statement zu Grass moralischer Integrität im Angesicht der gegenwärtigen Anfeindungen geben wollte, dessen andere sehr aufschlussreiche Darstellung von Bölls Werk und Wirken, Sie natürlich konsequent überspringen müssen, um an Ihrer dummdreisten, einseitigen Darstellung festzuhalten – sie angestaubter Lexika-Zwerg.
     
    Mit der 1959 veröffentlichten Blechtrommel, in der er erstmals historisch reale Ereignisse mit seiner surreal-grotesken Bildersprache konfrontiert, hat Grass seinen Stil gefunden. Als einer der ersten deutschsprachigen Schriftsteller stellte er sich den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs, entschied sich bewusst für die gegenständliche Beschreibung des historischen Kontexts, anstatt gemäß dem damals herrschenden Trend ins rein Formale auszuweichen. So schaffte er gleich mit seinem ersten Roman den Durchbruch. Erstmals nach dem Krieg wird ein deutscher Schriftsteller wieder international wahrgenommen und gefeiert.
     
    Böll und Grass gründeten übrigens im Jahr 76 gemeinsam eine Zeitschrift L76.
     
    Zehn Jahre trennen die beiden Nobelpreisträger, den Rheinländer Böll, geboren 1917, und den Kaschuben Grass, Jahrgang 1927. Bei der Gruppe 47 (deren Preis sie beide gewinnen) treffen sie sich erstmals, ein freundschaftliches, aber nicht nahes Verhältnis entsteht. Der Ältere dient dem Jüngeren als Orientierung, im Schreiben gehen sie getrennte Wege, im politischen Engagement machen sie oft gemeinsame Sache: beteiligen sich an der Gründung des Schriftstellerverbandes 1970, lehnen 1979 gemeinsam die Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz ab, protestieren 1983 in Mutlangen gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen. »Sprach leise, nie überdeutlich, / oft abweichend daneben. Wiederholte sich«, schreibt Günter Grass 1985 in seinem Gedicht zum Tod Heinrich Bölls. Doch bei allen Differenzen im Stil – bis heute wird Grass nicht müde, Lanzen für den großen Unbequemen Böll zu brechen. Das Nachrufgedicht endet so: »Trat hinter sich, hinterließ / und fehlt seitdem, / wird vermißt und gesucht,/ steckbrieflich, / weil wir ohne …«
    http://www.zeit.de/2009/22/D-Beerdigung-Heinrich-Boell/seite-2

    •  
      Die Zweifel mancher israelischer Autoren, Denker, Mahner sind stärker als meine, der ich mich eben nur versetze, nicht wirklich damit befaßt bin, und es wäre ein Wunder, würde wirklich eine Wende bedeuten, wenn arabische Kollegen so viel Zweifel an Politik und Propaganda ihrer Staaten äußern würden wie israelische Autoren an ihrem.“
       
      Heinrich Böll
       

    • Ach Jane –
      .
      dass du es selten gebacken kriegst, mehr oder weniger schwierige Worte wie etwa „Palästinenser“ oder „Goethe“  richtig zu schreiben – oder was meinst du weiter oben mit „Goehtes Mephisto“ – , mag mensch dir ja noch durchgehen lassen als vielen geläufige Blindheit gegenüber eigenem Geschreibsel, 
      ,
      aber dass du der Ansicht zu sein scheinst, in die Schuhe von „mfb“ zu schlüpfen sei  kluges Tun, wenn du ihn nachäffend Namen von Postern verstümmelst wie bei dem von Robert Schlickewitz (könntest ja, akzeptabel, auf „R.S.“ verkürzen, wenn er dir zu lang vorkommt) und ihn, der dir im Gegensatz zu anderen nicht unsachlich und beleidigend kommt,  glaubst  auf die primitive Tour unmündiger Kinder  anmotzen zu müssen, legt den Schluss auf einen ziemlich merkwürdigen Charakter nahe. 
      .
      Hätte ich dir wirklich nicht zugetraut. Schade. Um es auszubügeln: wie wärs mit ner netten Entschuldigung? 
      .
      efem

  2. Und den Mullahs und Vergewaltigern des Iran, weil’s „nebenbei“ Thema ist, wünsche ich die Auferstehung von Kurosch, daß sie den Freiheitswillen der aufrechten Iraner nicht weiter vergewaltigen können, daß ihr Schwert der Schande an dem Licht zerbrechen möge, welches sie so schändlich seit Jahrhunderten in finsteren Kerkern gefangen halten.
    Möge ihnen vergolten werden, was sie an Leid den Menschen zufügten, daß sie nicht mehr sein mögen!


    Der Freiheitswille der Iraner wurde 1953 vergewaltigt, als die demokratisch gewählte Regierung Mossadegh durch den CIA und den englischen Geheimdienst gewaltsam gestürzt wurde und dem Iran das ebenfalls gewalttätige und diktatorische Shah-Regime aufgezwungen wurde und zwar um die iranischen Ölpfründe auch weiterhin vornehmlich zum Wohle von UK und USA und nicht zum Wohle des iranischen Volkes abzuschöpfen – Ursache für den von ausländischen Geheimdiensten forcierten Putsch, waren die Pläne der Verstaatlichung der iranischen Ölwirtschaft. Weiterhin – 1980 war keineswegs klar, dss die Mullahs im Iran die Macht auch behalten werden, der von den USA gestützte Krieg des Irak gegen den Iran, hat dann erst die Macht der Mullahs zementiert. 
     
    Ohne diese Interventionen des Westens hätte es wohl auch kein Mullah-Regime gegeben, es wäre der Welt aber vor allem auch den Iranern erspart geblieben.
     
    Weiterhin:
    Sie verurteilen zu Recht die scheußliche Polemik iranischer Führer. Doch ist bei der Eskalation von Drohungen und Gegendrohungen, also bei Anbahnung von kriegerischen Handlungen es nicht fast schon ‚normal’, dass der Ton auch in Hinblick auf die jeweils eigene Bevölkerung jedes Maß übersteigt und Aussagen mit Lügen glaubhaft gemacht werden? Entsetzlich zu lesen, dass der heutige israelische Außenminister Avigdor Lieberman 2003 vorschlug, „alle Palästinenser in Busse zu packen und im Toten Meere zu ertränken“.2 Der Mann ist heute noch im Amt. Doch würden wir solche Aussagen niemals zur Grundlage politischer Analyse machen…..

    ➜ http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/007314.html#ixzz1s5jHE1wI


    Zudem kann es niemals eine konstruktive Entwicklung geben, wenn man mehr oder weniger nur den konfrontativen Kurs wählt. So erreicht man mit der Logik eines A.Mor stets das Gegenteil dessen, was man angeblich anstrebt.
     
    Früher oder später kommt es immer wieder zur Eskalation und zu einer angeblich unerwünschten Zuspitzung der Verhältnisse, zu einer Stärkung des Extremismus etc.
     
    Man könnte auch in Umkehrung von Goehtes Mephisto sagen. Sie sind ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft. (okay, das ist ein bischen überspitzt, aber im Prinzip steckt was wahres drin)
     
    @A.Mor. – dann lesen Sie doch mal, was aufgeklärte und aufrechte Iraner von dieser Logik halten, und was sie in der Vergangenheit schon als konkrete Auswirkung dieser Logik erlebt haben:
     
    Interview: Der aus dem Iran stammende Regimekritiker Bahman Nirumand


    ….Es gibt bestimmte Gruppen im Iran, die einen Militärschlag geradezu herbeisehnen, weil sie die Rettung des Regimes darin sehen. Schon einmal, 1980, hat der Angriff Saddam Husseins auf den Iran das Regime gefestigt. Ayatollah Ruhollah Khomeini nannte den Angriff später ein „Geschenk des Himmels“: Denn 1980 war noch nicht klar, wohin die Revolution steuert….Es gab damals viele oppositionelle Gruppen, die eine Islamisierung der Gesellschaft nicht wollten und sich dagegen zur Wehr setzten. Ich selbst habe damals im Iran die Nationaldemokratische Front (eine linke, laizistische Partei, Anm.)mitbegründet. Zur Gründungsversammlung am Grab des ehemaligen Premiers Mohammad Mossadegh (auf den sich die Vertreter dieser Partei beriefen, Anm.) kamen eine Million Menschen. Nach dem Angriff des Irak auf den Iran hat sich dann das Volk hinter das Regime gestellt, Millionen sind an die Front gegangen. Das Schlimmste war: die Islamisten und Khomeini konnten ihre Ideologie propagieren und die Opposition ausschalten. Jeder Kritiker wurde als Kollaborateur mit dem Ausland bezeichnet und sofort an die Wand gestellt. Wenn der Iran morgen angegriffen würde, dann wäre mit einer sehr ähnlichen Situation zu rechnen….


    http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/737944/Israel-koennte-den-Iran-einfach-wegpusten

  3.  
    Carmela, Sie stellen sich mit Günter Grass auf eine Stufe? Das ist Ihr Niveau?
    Wenn man Ihr Schreiben ignorieren würde, so mag es nur für Sie eine Verletzung ihrer Eitelkeit sein. Vielleicht kümmert es Sie auch nicht, aber das ist schließlich Ihre Sache.
     
    Einen Günter Grass zu ignorieren, der in deutschen Schulen als Vorderer der deutschen Lyrik „anbefohlen“ ist, das wäre sträfliche Vernachlässigung.
    Es wäre im Grunde so, als würde man in Grassens Schuhen wandeln, sich die Lüge zur Wahrheit erklären, um die Wahrheit einfach zu verleugnen.
     
    Haben Sie kein Verständnis dafür, daß es uns kümmert, was ein Günter Grass in einer umsatzstarken deutschen Zeitung (u.a.) veröffentlichen läßt?
    Glauben Sie, daß die Worte eines der bekanntesten Deutschen weltweit sich einfach ignorieren lassen?
    Sehen Sie nicht den Spott der Judenhasser?
    Ist es Ihnen gleichgültig, wenn Günter Grass die Juden als „Volksvertilger“ darstellt, als „Endlöser“, als Gefahr für die Welt, wie es seine Lehrer schon (ua) im „Stürmer“ taten?
     
    Sie mögen sagen, daß es Judenhasser sowieso gibt, was sollte man schon tun?
    Günter Grass aber ist eine Galionsfigur, sein Wort hat Gewicht, ob es weise ist oder nicht.
    Wenn Sie das verleugnen wollen, warum beteiligen Sie sich überhaupt an Diskussion?
    Oder wollen Sie hier nur „ablassen“?
     
    Carmela, Sie glauben an „die jüdische Weltverschwörung“?
     
    „Wo Publizität ist, dort steckt die Regierung Netanjahus.“, so schreiben Sie.
    Sie meinen nicht „jüdische“ sondern „netanjahuische Weltverschwörung“?
    Und Sie drücken damit also aus, daß Robert Schlickewitz oder Uri Degania, oder Yoram Kaniuk oder die Antisemitismusforscherin Monika Schwarz-Friese, oder gar ich (und -zum Glück!- viele mehr) mit meinem Kommentar Teil dieser Verschwörung seien, daß wir bei Netanjahu in Brot und Lohn stünden?
     
    Fragen Sie lieber Ihre gute Fee, bevor Sie so leichtfertig solchen absurden Ideen aufsitzen.
    Aber, nicht daß Sie mich mißverstehen, ich sympathisiere durchaus mit Benjamin Netanjahu, den von der Bevölkerung des Staates Israel mehrheitlich gewählten Ministerpräsidenten.
     
    Und den Mullahs und Vergewaltigern des Iran, weil’s „nebenbei“ Thema ist, wünsche ich die Auferstehung von Kurosch, daß sie den Freiheitswillen der aufrechten Iraner nicht weiter vergewaltigen können, daß ihr Schwert der Schande an dem Licht zerbrechen möge, welches sie so schändlich seit Jahrhunderten in finsteren Kerkern gefangen halten.
    Möge ihnen vergolten werden, was sie an Leid den Menschen zufügten, daß sie nicht mehr sein mögen!
     
    Während hier Leute holzschnittartig bemüht sind, so wie auch Günter Grass, den Iran und Israel als Gegner aufzustellen, präsentiere ich Ihnen eine Melodie jüdischen Ursprungs, die heute die italienischen Widerstandskämpfer gegen den italienisch-deutschen Faschismus symbolisiert.
    Hier also symbolisiert es den iranischen Widerstand gegen die Islamfaschisten, Iraner und Juden sind befreundete Völker seit mindestens rund 2600 Jahren, Bella Ciao!
     
     
     
     

    • Das was Sie mir unterstellen, ist Ihre Sichtweise.

      Irgendwann ist dieses Thema auch verdaut und kein Hahn kräht danach.

       Man kann von einem Dichter, der seine Vergangenheit nicht bewältigt hat, auch nicht sehr viel verlangen. 

      Zu dem glaube ich an keine jüdische Verschwörung, ich glaube an einen jüdischen Zusammenhalt.

      Ich muss Sie leider enttäuschen.

      Ich glaube aber dass es eine Sekte gibt, die immer mehr Einfluss ausübt.

      Ob da Juden drinnen stecken oder nicht, das muss jeder für sich beantworten, aber mit dem Judentum hat das überhaupt nichts zu tun. So wie die Freimaurer nichts mit Juden zu tun haben, obwohl einige drin stecken.

       

    •  
      Carmela
      (prologue. Habe Ihnen noch etwas Musik ausgesucht, von einer Namensvetterin, hoffe, Sie mögen es. כל טוב )

      „Das was Sie mir unterstellen, ist Ihre Sichtweise.“
      Nein, eigentlich nur ein Gedankenspiel und ein klitzekleinwenig Provokation, um auf Ihre Äußerungen zu reagieren und diese etwas auf die Probe zu stellen.
      Zugegeben, anhand von dem, was ich sehe. 😯

      „…ich glaube an einen jüdischen Zusammenhalt.
      Ich muss Sie leider enttäuschen.“
      Zumindest mit solchen Aussagen nicht. 😉
       
      Obwohl, „müssen“ Sie? Es ist nicht so, daß ich danach lechze „enttäuscht“ zu werden.
      🙄 Danke, jedenfalls, für Ihre Antwort!
       
      Hmmm, welche „Sekte“ meinen Sie denn nun?
      Hat das einen konkreten Namen? Doch nicht „die Netanjahuäer“?
       
      Eigentlich kann ich Ihnen nichteinmal sagen, ob ich für oder gegen Sie „stimme“, weil Ihre Aussagen nuneinmal so „schwammig“ sind.
       
      Allerdings, „habt ihr nichts besseres zu tun?“ ist auch nicht gerade ein Zeugnis von Selbstrespekt?
      Wollen Sie damit ausdrücken, daß Ihnen das Thema kein Amusement verschafft, oder wollen Sie uns implizierend vorschreiben, was uns zu kümmern hat und was nicht?
      Aber Sie gehören nicht zur „Sekte Gedankenpolizei“, zB.?
       
      Ansonsten würde ich mir –zur Förderung einer Diskussion- wünschen, daß Sie einfach etwas konkreter werden, anstatt nur irgendwelche „Blasen“ mit einem doch eher negativen Beigeschmack hier abzulassen. Sagen wir, zum gegenseitigen Respekt?
       
      (PS/
      ich habe in letzter Zeit nicht sehr aufmerksam hier auf ‚hagalil‘ lesen können, daher kann -und möchte- ich mir zu Ihren sonstigen Aussagen, die vielleicht schon im Raume stehen, keine [Vor]Meinung bilden. )
       
       
       
       

    • Man kann jede Aussage ins Gegenteil verdrehen, wenn man es gewöhnt ist angeschleimt zu werden. So schwammig sind meine Aussagen auch nicht.

      Sie können gerne die nächsten 50 Jahre Grass niedermachen, weil er nun mal alt geworden ist.

      Es wird trotzdem keine Staatsaffäre. 

        Hmmm, welche „Sekte“ meinen Sie denn nun?Hat das einen konkreten Namen? Doch nicht „die Netanjahuäer“? 

      Machen Sie sich nur lustig! Es kommen ganz andere Zeiten. Da waren die Nazis noch in den Kinderschuhen. Da Sie ja so klug sind, dann braucht man auch keine Aussagen zu machen.

       

  4.  
    Ein wunderbarer, ein sehr gelungener Artikel. Danke Robert!
     
    Was mir wohltuend auffällt bei dieser Bezugnahme auf Heinrich Böll: dieser Mann steht wirklich für ein anderes Deutschland, als das es die hiesigen Massenmedien und nun eben nocheinmal Günter Grass präsentieren.
     
    Bei Heinrich Böll gibt es nicht den mir als widerwärtig erscheinenden Revanchismus, nicht den kalten Zynismus und das Fehlen der Empathie, wie sie bei einem Günter Grass zur Natur zu gehören scheinen.
     
    Also angebracht und verständlich diese Frage:
    „Na, Herr Grass, können Sie das nachvollziehen?“
     
    Zum tieferen Verständnis dazu möge man einfach nochmal das Interview mit Yoram Kaniuk lesen, wie Uri Degania es hier empfiehlt (Beachtung bitte auch dem weiteren Hinweis von Uri in den Kommentaren).
    Auch der Lese-Hinweis von Karl Pfeifer ist dahingehend zu empfehlen.
    Es geht dabei um die Feststellung solcher „’Zeitzeugen‘ eines Günter Grass“, daß bei jenem anscheinend keine Empathie zu diesem Thema zu finden ist.
     
    Was nutzte es, sich in die Psychologie eines solchen Menschen hineinzudenken?
     
    Nur, ein „böser Gedanke“ kommt mir dazu.
    War es nicht gerade die zynische und kalte Selbstgerechtigkeit bei SS-Leuten und ihrem Handeln, die neben so vielem anderen einen „eigenen schattigen Umriß“ im „Spiegel der Geschichte“ hat?
    Und ist es nicht sehr auffällig, solche Empathielosigkeit, ja zynischen Triumph auch, zB, bei „islamfaschistischen“ Mördern vorzufinden?
     
    Man könnte versucht sein solche Leute von „finst’rer Macht“ besessen zu sehen!
    Nur, es sind Menschen, selbstbestimmte Menschen, wohlgemerkt. Sie folgen dem, was sie selbst für sich entscheiden. Nicht „die anderen“ sind verantwortlich für ihr Handeln und Wesen, nur sie selbst.
     
    Zum Thema: ‚Günter Grass und Antisemitismus‘, in aller Sachlichkeit, sei nochmals auf das Interview im ‚Deutschlandradio Kultur‘ verwiesen mit der Forscherin Monika Schwarz-Friese.
     
    Welcher Unterschied, betrachtet man Heinrich Bölls Reflexionen!
    „Nicht nur, was in Yad Va Shem dokumentiert ist, bringt deutsche Geschichte nach Israel,…“
     
    Richtig, das ist „deutsche Geschichte“, die nach Israel kam, die sich der „jüdischen Geschichte“ gewaltsam aufdrängte im Trachten, diese zugleich auszulöschen!
    Allzuoft wird leichtfertig -auch von unserer Seite- von „jüdischer Geschichte“ gesprochen, aber das ist nicht in Ordnung.
    Juden hatten an diesem Teil der Geschichte keine Täterschaft, diese Geschichte haben andere geformt, Juden wurden ’nicht gefragt‘, wurden zu Statisten, ja zu Unmenschen degradiert.
     
    Das -in der Tat!- ist deutsche Geschichte!
     
    Heinrich Böll, ein Deutscher, der mit der Deutschen Wehrmacht in den Krieg der Nazis zog.
    Und doch, es freut mich, so betrüblich das Thema, daß er dahingehend gesunde Orientierung bewahrte, trotz auch seiner Schwierigkeiten diesem Teil der deutschen Geschichte, seinen eigenen Anteil daran, angemessen zu reflektieren.
    Es zeugt von Edelmut, daß er damit nicht hinterm Berg hält.
     
    „…zu leicht für alle Nichtdeutschen, die vielleicht die Schuld loswerden möchten, Genosse der Zeit und Ãœberlebender zu sein…“
     
    Auch hier zeigt Heinrich Böll, was ein Günter Grass so zynisch vermissen läßt, ein Mitfühlen und ein Verstehen -Empathie eben!- für die Menschen nach dem Krieg, die das Ziel brutalster Grausamkeit durch die Nazis wurden…
    Wahrlich und leider ist das nicht selbstverständlich.
     
    Günter Grass mag den „Israelkritikern“ dieser Seiten hier zum Vorbild sein, nennen wir’s „Selbstgerechtigkeit bis zur Vergasung“!
     
    Hoffentlich drücke ich damit auf die Wunde von Leuten, die sich nichteinmal bemühen um ein Verstehen der Befindlichkeiten von den Überlebenden, oder eben den nachfolgenden Generationen jener!
    Die sich allein gefallen in ihrer Selbstverleugnung und Geschichtsklitterung, sei es noch so falsch, die noch der Geschichtsklitterung ganz anderer folgen, nur um sich selbst nicht im Spiegel betrachten zu müssen! Es scheint ihnen nur daran gelegen zu sein, jegliches Verantwortungsgefühl in einem heuchlerischen Ton zu ertränken, von Mitleid keine Spur! Mit großer Geste wird ein schöner Mantel übergeworfen, der am Ende nicht genügt, um die Fäulnis an deutscher Geschichte zu verbergen.
     
    Heinrich Böll aber mag jenen Deutschen ein Vorbild sein, die sich nicht dem Diktat der Mißgunst und des Revanchismus „ewiger Menschenfeinde“ unterordnen wollen, die sich auch als Deutsche den historischen Wahrheiten stellen, und sachlich -trotz aller Befindlichkeiten!- sich damit auseinandersetzen, selbst wenn sie abstammen sollten von den Mördern.
     
    „Sippenhaft“, das haben die Nazis durchgesetzt, grausam und unbarmherzig.
    Wir, Juden und Nichtjuden der nachfolgenden Generationen in Deutschland, können nicht den Spuren der Nazis und Menschenfeinde folgen, wenn wir um wahrhafte Verständigung und Versöhnung bemüht sind, so wie auch Heinrich Böll sich darum bemühte.
     
    Robert Schlickewitz hat recht!
    Günter Grass und dessen Zustimmer haben „diese Tür zum Gespräch“ hinter sich geschlossen, mit einem Knall, jedoch nicht aus Zorn, sondern aus wohlüberlegten Revanchismus sowie als Bekenntnis zum Bezug ihrer Stellung: gegen die Juden!
     
    Ihre Mißgunst ist ihr credo.
     
     
     
     

    •  
      Nu, Robert, mindestens Teil der Antwort ist’s, die Nazis haben die Juden aus Deutschland verjagt und ermordet, aber die Yekkes konnten zu einem großen Teil -so scheint’s- nicht ihre deutsche Prägung ablegen. Keine Schande das, nur ist’s verbunden mit unsagbarer Traurigkeit.
       
      Günter Grass repräsentiert jenen Teil der Deutschen, die die Deutschen einst selektierten in die dem Nazi genehmen Deutschen oder eben dem Nazi unangenehmen Deutschen.
      Sicher, sie nannten es anders. Grass weiß solches, als Deutscher…
       
      Danke für Deinen Hinweis auf den Film.
       
       

  5. Wo Publizität ist, dort steckt die Regierung Netanjahus.

    Wegen einem Gedicht das hier so aufschaukelt, ist wirklich keine Art von Niveau.

    Habt Ihr nichts besseres zu tun? 

  6. Schlicke nahegelegt:
     
    Die Juden waren bis zur “Blechtrommel” für mich, den jungen Deutschen, geheimnisvolle Menschen, die sehr geschäftstüchtig waren wie man hörte. Aber es musste noch etwas anderes, etwas Düsteres an ihnen geben. Aber man kannte ja keinen von ihnen….


    …Nicht nur vom Judenmord erfuhr ich zum ersten Mal durch Grass. Auch von der umkämpften polnischen Post in Danzig, die, angegriffen von der deutschen SS-Heimwehr, von einer Handvoll Polen verteidigt wurde. Wie mein Geschichtsunterricht kein Auschwitz kannte, war ihm auch der deutsche Ãœberfall auf Polen nicht geläufig.


    Dass wir mitten unter den Nazi-Mitläufern lebten, dass es gewöhnliche Leute waren, die gestern noch in fremden Ländern gehaust hatten, das war bei Grass ebenso zu lesen wie von der Euthanasie oder von den Ostarbeitern. Alles Themen, die von der öffentlichen Debatte der Bundesrepublik viel später erst aufgegriffen wurden.


    Wenn ich meinen Vater nach dem Krieg fragte, wurde mir von
    den ersten Apfelsinen seines Lebens erzählt,…Davon, dass er zeitweise nicht weit von einem Konzentrationslager stationiert war, keine Silbe. Erst der Grass´sche Roman hat mich dann für die Fragen präpariert, die meine Generation später den Eltern stellen sollte.
     
    In der “Blechtrommel” spült das Kriegsende den Herrn Fajngold aus Treblinka nach Danzig und lässt ihn dort über seine Arbeit als Desinfektor erzählen, der Lysol hatte spritzen müssen, über die, “die noch nicht geduscht hatten” und “die Liegenden, die schon geduscht hatten” im Vernichtungslager, in dem die Brausen den Tod brachten. Mit der zynischen Sprache der “Blechtrommel”, die den Ton der Herrenmenschen zitierte, wurde mir und vielen anderen der industrielle Mord an den Juden erfahrbar.


    Der kleine Oskar, der Gnom, hatte den Blick von ganz unten: Unter die Röcke der Frauen ebenso wie auf die kleinen Leute der Nazi-Zeit. Es ist das scheinbar Private, von dem Grass in der “Blechtrommel” erzählt und es macht das Grauen bis heute öffentlich, wenn eine der Roman-Figuren über die Euthanasie, also die mögliche Ermordung des verkrüppelten Oskar nachdenkt, um ihn zum Mord freizugeben: “Aber siehst ja, is nich jeworden, wird überall nur rumjestoßen und weiß nich zu leben und weiß nich zu sterben”.


    Der vorgebliche Gnadentod für die Krüppel, die Endlösung für die Juden, Zwillinge in den Augen eines Autors, der seinen Lesern das richtige Sehen beibrachte. Das erste große Buch des Schriftstellers führte zu jener Erschütterung, die das Leben in der satten, selbstzufriedenen Republik, dem dumpfen, versiegelten Land, verändern sollte. Zu Veränderungen, die bis heute spürbar sind….
     
    Günter Grass hat kein Bundesverdienstkreuz für seine immense literarische, politische und aufklärerische Leistung bekommen. Statt dessen ein Einreiseverbot nach Israel. Unter den aktuellen Bedingungen ist das auch eine Auszeichnung
     
    von Uri Gellermann
    http://www.readers-edition.de/2012/04/10/die-blechtrommel-die-spate-rezension-eines-buches-von-gunter-grass/

    • Es gibt israelische Kritik an Israels Politik genug. Es gibt so wenig arabische Kritik an und in den arabischen Staaten an deren Politik gegenüber Israel.“
       
      Heinrich Böll

    • „Günter Grass hat kein Bundesverdienstkreuz für seine immense literarische, politische und aufklärerische Leistung bekommen.“ – sagt Uri Gellermann




      Hat er tatsächlich nicht, auch Siegfried Lenz nicht und auch Heinrich Böll nicht.
      Nu, und warum nicht?
      Weil sie, alle drei, es 1979 abgelehnt haben, im vornherein.

  7. Und wo bitte ist der Vergleich – Schlickewitz haben Sie Grass große Romane gelesen, wenn Sie glauben Grass alleine aus diesem Prosa-Gedicht heraus beurteilen zu können? Ohne dies ist ein ‚Vergleich‘ doch völlig substanzlos. Setzen Sie auf sowas wie ‚Eifersucht‘?? Glauben Sie, dass Böll sowas gut geheißen hätte, mal nur so nebenbei bemerkt. Böll ist ein großer deutscher Autor und Grass ist es auch. Alles was Sie tun, ist doch Böll als strahlendes Vorbild hinzustellen um dann immerzu zu unterstelllen – sowas könne Grass nicht verstehen – aber das ist nur Ihre Unterstellung – mehr ist es nicht.
     
    Zudem wissen wir nicht was Heinrich Böll heute zu der niemals enden wollenden Besatzung und der stets expansiven Politik Israels heute sagen würde. Grass Haltung gegenüber Israel hat ja auch einen Wandel erfahren – er war schließlich seinerzeit der erste deutsche Schriftsteller der auf Grund seines Engangements offiziell nach Israel eingeladen wurde.
     
    Ein anderer großer Schriftsteller, Salman Rushdie, der sich selbst auf Grund eines Romans und der daraufhin vom Ahyatolla Kohmeine ausgesprochenen Fatwa seit zig Jahren versteckt hält, hat sich in die Debatte eingeschaltet und ist wohl eher kompetent.
     
    Der britisch-indische Autor Salman Rushdie schaltet sich in die Debatte um Günter Grass ein und erinnert an dessen Verdienste. Man dürfe nicht vergessen, dass Grass die wichtigsten literarischen Antworten auf den Nationalsozialismus verfasst habe: „Die Blechtrommel“, „Katz und Maus“ und „Hundejahre“. Niemand könne ernsthaft glauben, dass Grass ein Antisemit sei, schrieb Rushdie über den Kurznachrichtendienst Twitter. Vielmehr gehe es um ein schlechtes Gedicht und die schlechte Reaktion Israels darauf.
    http://www.dradio.de/kulturnachrichten/201204101100/2
     
    Grass sprach und schrieb nicht nur – er handelte auch:
     
    Probleme mit der Geschäftsstelle: Adressenänderungen, Neuzugänge wurden uns nicht laufend berichtet etc. So wurde die Arbeit erschwert. Unterbrochen wurde das sich anbahnende etwas müde Vereinsleben durch den Ausbruch des „Sechstagekrieges“ am 05. Juni 1967. Wir in Europa hatten über mehrere Tage hinweg keinerlei Nachricht über das Geschehen. War Israel schon überrollt? Seine Armeen vernichtet? Der Pressereferent vom Dienst in der Senatskanzlei sprach Sylten an, ob er etwas zur Realisierung der an ihn von Günther Grass herangetragenen Idee einer großen Geldsammlung zugunsten von Israel tun könne. Ganz unabhängig davon, welches Schicksal die Juden in Israel zur Zeit durchmachen, anschließend werde mit Sicherheit Geld benötigt. Sylten griff diese Idee auf, traf sich anschließend gleich mit Grass in dessen Wohnung und beide flogen am nächsten Tag nach Bonn, zu der schon seit längerer Zeit anberaumten Präsidiumssitzung. In dieser Sitzung wurde die Idee aufgegriffen und der Aufruf „Hilfe für Israel“ von Grass und der DIG wurde ein großer Erfolg: Die Städte und Gemeinden und alle irgendwie mit Israel sympathisierenden Vereine griffen die nun von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft getragene und organisierte Idee auf: wenigstens etwas, was man tun konnte in einer sonst ohnmächtigen Situation. Die Sammlung wurde ein großer Erfolg – und als schöner Nebenerfolg machte sie den Namen unserer Gesellschaft im ganzen Land bekannt
     
    http://www.deutsch-israelische-gesellschaft.de/dig_information/der_schwierige_begin.htm
     
    Zudem, wie kann man nur behaupten Grass Prosa-Gedicht, diese Mahnung an die Öffentlichkeit, könne nur aus Antisemitismus gespeist sein, wenn jener Mann, der bis vor Kurzem noch Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes war, Meir Dagan, die Ansicht teilt, dass ein Angriff auf den Iran, so wärtlich ‚eine Idiotie‘ wäre, dass der Iran sehr wohl kalkulierbar ist und keine unmittelbare Bedrohung darstellt und dass ein Angriff unkalkulierbare, große, zu große Risiken nach sich ziehen würden. Dass die Anlagen im Iran zahlreich und verstreut sind, ein Gau nicht auszuschließen wäre und die militärische Antwort des Iran auch für Israel katastrophal ausfallen könnte.
     
    Ja, Meir Dagan, der bis Januar 2011 Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes war und damit maßgeblich jener Behörder vorstand, die es wohl wissen muss, ist in Israel auf Grund seiner öffentlich vorgetragenen Warnungen mittlerweile fast genauso unerwünscht, wie Grass, was ihn nicht daran hindert sich weiterhin mahnend an die Öffentlichkeit zu wenden – nur so laut wie Grass wurde bislang noch niemand gehört, nicht Grossmann, nicht Dagan etc.


    Außerdem mahnt Grass auch Deutschland, dass sich lt. Grass mit seinen U-Boot-Lieferungen eben möglicherweise aufs Neue schuldig macht, blinden Auges ein HarakiriUnternehmen zu unterstützen, welches möglicherweise Ausmaßé annehmen könnte, die bislang niemand überschauen kann – Meir Dagan – Ex-Mossad-Chef des Auslandsgeheimdienstes, sieht es nicht anders und deshalb, so munkelt er, ist er wohl gegangen worden und durch Leute ersetzt worden, die Netanyahu willfähriger sind.

  8. Danke, das ergänzt, das führt in angemessener, passender Weise meine eigene, vor zwei Tagen auf haGalil veröffentlichten Darstellungen – Günter Grass mochte keine Rosen – fort. Ich möchte betonen, dass wir unsere Beuräge vollständig unabhängig voneinander geschrieben haben, ohne Kenntnis davon, dass der andere zum gleichen Thema schreibt. Nun, Sie hoffen immer noch auf eine Einsichtsfähigkeit, auf eine Bereitschaft zur Kommunikation beim deutschen Nationaldichter Grass. Ich habe da keinerlei Hoffnung…

    • Den Bölltext hatte ich bereits vor einiger Zeit vorbereitet, in einem anderen Zusammenhang, dann las ich Ihren Artikel und fand, er passe in die gegenwärtige Diskussion. – Nein, Herr Degania, dazu kenne ich Grass ebensogut wie Sie, er vermag nicht über seinen Schatten zu springen. Er ist nicht die Art Mensch, die Fehler zugibt. Dennoch appeliere ich an seinen Verstand und an das Bedürfnis vieler Menschen kurz vor ihrem absehbaren Ende mit sich und ihrer Welt Frieden schließen zu wollen.
       
      Es ging Böll nicht darum, Kritik an Israel gänzlich zu unterdrücken oder zu verbieten, er lässt die Kritik israelischer Intellektueller sehr wohl gelten. Er wollte lediglich aus seiner Sicht klarstellen, warum er, als Deutscher und als Zeitgenosse, sich zu Kritik nicht in der Lage sah. Darauf kam es ihm an. Selbst wenn er noch leben würde (und bei klarem Verstand wäre), käme es ihm nicht in den Sinn seine eigenen Worte von 1978 hinfällig werden zu lassen, denn Zeitgenosse wäre er immer noch, auch noch im Jahre 2012. 

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