Zwischen Coventry und Leningrad

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Zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens werden Neonazis auch diesmal einen Fackelmarsch abhalten. Auf eine zusätzliche Großdemonstration scheint die Szene jedoch zu verzichten. Die Auseinander­setzung mit dem deutschen Opfermythos wird indessen vernachlässigt…

Von Michael Bergmann
Jungle World v. 26.01.2012

Die Generalprobe für den Großaufmarsch von Neonazis Mitte Februar in Dresden ist gelaufen. Vergangene Woche marschierten rund 1 300 Neonazis durch die Magdeburger Innenstadt, um der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg zu gedenken. Aus Sicht der Rechtsextremisten lief die Demonstration störungsfrei, obwohl etwa 10 000 Menschen gegen den Aufmarsch protestierten: Die Gegendemonstranten hatten eine Menschenkette um die Innenstadt gebildet, als symbolischen »demokratischen Schutzwall« gegen die Neonazis; Blockadeversuche scheiterten. In einer Reportage des MDR wurde resümiert: »Die Magdeburger haben aus einem schwierigen Anlass ein buntes Fest gemacht, weder Rechts- noch Linksextreme haben heute die Stadt dominiert.« In Dresden könnte es am Abend des 13. Feb­ruar ähnlich laufen – mit dem Unterschied, dass man dort mit doppelt so vielen Neonazis wie in Magdeburg rechnen muss. Wie in jedem Jahr wollen sie dort, anlässlich der Bombardierung Dresdens, mit Fackeln durch die Stadt marschieren.

Unklar ist weiterhin, was auf die Stadt am Samstag nach dem 13. Februar zukommt. An diesem Tag fanden zumindest in den Vorjahren die Aufmärsche der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) statt. Das Bündnis »Dresden Nazifrei«, das diese zuletzt erfolgreich blockiert hatte, ruft auch in diesem Jahr für den Samstag zu Massenblockaden auf. Nach Informationen des Dresdener »Antifa-Rechercheteams« (ART) findet jedoch diesmal kein ernstzunehmender Nazi-Aufmarsch am Samstag statt. »Die Nazis aus der freien Kameradschaftsszene wollen keine Demo an diesem Tag, und die JLO ist nicht in der Lage, so etwas allein zu organisieren«, sagte Simone Ritter vom ART im Gespräch mit der Jungle World. Außerdem sei die NPD, die in der Vergangenheit ebenfalls am Wochenende aufmarschierte, »zurzeit zurückhaltend«. Ritter zufolge »wird sie sich da anschließen, wo sie den geringsten Aufwand hat«. Dafür habe der traditionelle Fackelmarsch am 13. Februar innerhalb der Szene an Bedeutung gewonnen.

Auch Falk Kämpfer, Pressesprecher des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen, bestätigt, dass für den Samstag »bis auf einzelne Meinungsäußerungen von Rechtsextremisten im Internet noch keine öffentliche Mobilisierung zu verzeichnen« sei. Dies lasse ihn annehmen, dass eine Demonstration der Neonazis am Wochenende, falls sie überhaupt stattfindet, deutlich kleiner sein werde als der Fackelmarsch, den das »Aktionsbündnis gegen das Vergessen« organisiert, ein neonazistisches Bündnis, das seit 2007 von der freien Kameradschaftsszene getragen wird. Unter der offiziellen Bezeichnung »Gedenk- und Trauermarsch« fordert das Bündnis ein »würdevolles, authentisches Gedenken« an die Bombardierung der Stadt.

Sollten sich am 18. Februar dennoch Neonazis nach Dresden verirren, dürften sie auf starke Gegenwehr treffen. Dem Sprecher der Stadt, Kai Schulz, zufolge habe sich die Stadt mit Parteien, Verbänden, Kirchen und zivilgesellschaftlichen Gruppen auf »Protestaktionen in Hör- und Sichtweite der Nazi-Demonstration geeinigt«. »Dies ist ein weiterer großer Schritt der Bürgerschaft«, sagte er. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich stellte sich überraschend an die Spitze der Aktion. Verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppen, bei denen der CDU-Mann eher dafür bekannt ist, Aktivitäten von Neonazis in Sachsen zu verharmlosen oder zu ignorieren, reagierten skeptisch auf diese Nachricht: Man könne nicht glauben, dass Tillich einen Protest in »Hör- und Sichtweite« anführe, wenn die Gefahr bestünde, dass sich auch nur drei Nazis zu einer Demonstration formierten, ist dort zu hören – ein Zeichen, dass auch die Stadt keinen Aufmarsch am Samstag erwartet. »Dresden Nazifrei« hält dennoch an dem Aufruf zu Massenblockaden an diesem Tag fest, um Europas größten Aufmarsch von Neonazis, zu dem sich die Samstagsdemonstration entwickelt hatte, »endgültig Schachmatt zu setzen«. Sollten doch keine Neonazis aufmarschieren, so Bündnissprecher Paul Tschirner gegenüber der Jungle World, könne man immerhin feiern, dass die Dynamik ihrer Aufmärsche in Dresden gebrochen worden sei.

Zweifellos hat das linke Bündnis in den vergangenen Jahren viel geleistet. Doch der Jubel darüber, dass der Samstagsaufmarsch der Neonazis ein Ende gefunden habe, könnte verfrüht sein. In den letzten 14 Jahren kam es immer wieder vor, dass die Neonaziszene nur am eigentlichen Jahrestag der Bombardierung demonstrierte. Tschirner meint, »die NPD-JLO-Demonstrationen und der 13. Februar sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe«. Man rufe natürlich auch für diesen Tag dazu auf, die Neonazis zu stoppen, aber für eine bundesweite Mobilisierung reiche es nicht. Auf diese Weise könnten alle Beteiligten Erfolge vermelden: Die Neonazis werden am 13. Februar ihren Fackelmarsch mit mehreren Tausend Teilnehmern durchführen, das Bündnis »Dresden Nazifrei« kann am 18. Februar feiern, dass man die Nazis zurückgedrängt habe, und die Stadt Dresden wird verkünden können, dass die Dresdener Bürgerschaft den Aufmarsch am 18. Februar verhindert habe.

Ungeachtet aller Diskussionen um die Massenblockaden in Dresden und deren Erfolge rückte in den vergangenen Jahren die Auseinandersetzung mit dem Opfermythos, für den Dresden als Symbol steht, in den Hintergrund. Es scheint mittlerweile üblich geworden zu sein, Deutschen als Opfern des Krieges zu gedenken – wenn auch in Abgrenzung zu den Neonazis. So sagte die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth jüngst in Magdeburg, man dürfe nicht zulassen, dass die Nazis das »Leid«, das mit der Bombardierung verbunden gewesen sei, »missbrauchen«. Die Stadt Dresden wiederum hat die offizielle Trauerfeier, die alljährlich am 13. Februar auf dem Heidefriedhof stattfindet, umgestaltet, um sie besser vor einer »Vereinnahmung« zu schützen. Zukünftig sollen keine Kränze mehr an der Gedenkmauer niedergelegt werden, sondern weiße Rosen in einem Rondell aus Sandsteinsäulen.

Schulz erläuterte der Jungle World diesen Ge­denk­ort: »Stellvertretend für die Stätten des Krieges wurden 14 Orte ausgewählt.« Dabei stünden sieben Säulen für die Konzentrationslager von Auschwitz, Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Ravensbrück, Sachsenhausen und Theresienstadt; weitere vier symbolisierten die Zerstörung Coventrys, Leningrads, Rotterdams und Warschaus durch die deutsche Wehrmacht. Für die Massaker an der Zivilbevölkerung durch Wehrmacht und SS stünden wiederum Lidice und Oradur. Und schließlich: »Die Stele mit der Aufschrift Dresden erinnert an die Bombardierung Dresdens und die zivilen Opfer im Ergebnis des Kriegsverlauf«, so Schulz. Nach Meinung des antideutschen Bündnisses »Keine Versöhnung mit Deutschland!« steht das Konzept des Stelenkreises für genau das, was die Neonazis mit der Bezeichnung »Bombenholocaust« zum Ausdruck bringen wollen. Die Pressesprecherin des Bündnisses, Susen Blum, sagte im Gespräch mit der Jungle World: »Nazis und Bürger haben unterschiedliche Motive. Die einen wollen Rache und die anderen Versöhnung. Im entscheidenden Punkt sind sie sich allerdings einig: Mit ihrem Bezug auf die angeblich unschuldigen Bombenopfer wollen sie die Taten der Deutschen relativieren.« Das Bündnis fordert deshalb 67 Jahre nach der Bombardierung Dresdens, das Gedenken daran endlich abzuschaffen.

Dresden, Dienstag, 13. Februar 1945: Militärische Logik oder blanker Terror?

9 Kommentare

  1. Die meisten Kommentare hier führen, sicherlich ungewollt,  in Richtung Relativierung bzw. ins Leere.
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    Es geht aber mitnichten um die Berechtigung einer öffentlichen Erinnerung an eine Episode aus dem Tagebuch des II.Weltkrieges, wie sie sie im konkreten Fall die Stadt Dresden sowieso jedes Jahr veranstaltet seit den Zeiten des Kalten Krieges, damals unter dem Motto eines „angloamerikanischen Terrorbombardements“, es geht um die bestmögliche Verhinderung einer großen Neonazizusammenrottung.  
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    Wer das verkürzt in eine Betrachtung zu einer  angeblich unmenschlichen und angeblich unnötigen und angeblich fast wirkungslosen Taktik der Antihitlerkoalition zur Niederwerfung Deutschlands, hat ungenügende Geschichtskenntnisse. Die Frage ist längst geklärt:
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    Generaloberst Alfred Jodl, in: Richard Overy, Verhöre. Die NS-Elite in den Händen der Alliierten 1945, S:274 u.277f)  
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    Frage: In welchem Maße wurden die militärischen Operationen durch die Luftangriffe beeinträchtigt?
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    Antwort: (…) Während der Soldat vorher glaubte, dass er durch den Kampf an der Front seine Heimat, seine Frau und seine Kinder beschützte, wurde dieser Faktor völlig eliminiert und durch die Erkenntnis ersetzt: ‚Ich kann so viel durchhalten, wie ich will, aber meine Frau und meine Kinder gehen trotzdem vor die Hunde.‘
    Frage: Hat sich das auf seine Kampffähigkeit an der Front ausgewirkt?
    Antwort: Ganz gewiss, das ließ sich aus vielen Frontberichten erkennen. Zum Beispiel gab es da eine Division aus Hamburg. Plötzlich traf 1943 die Meldung von den schweren Angriffen ein und sorgte für große Unruhe.
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    Frage: Wie kam diese Sorge bei den Truppen zum Ausdruck?
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    Antwort: Durch einen nachlassenden Widerstandswillen. (…) Parallel dazu gab es Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Rüstungsarbeiter.“
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    Anmerkung. Hamburg war in der „Operation Gomorrha“ stärker betroffen als Dresden:
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    „Die Anzahl der Opfer der Operation Gomorrha ist nicht genau festzustellen. Bis zum 30. November 1943 waren 31.647 Tote geborgen worden, von denen 15.802 identifiziert werden konnten. Die Hamburger Luftschutzleitung schätzte zu dieser Zeit die Gesamtzahl der Opfer auf 35.000, heutige Beiträge der Geschichtswissenschaft nehmen eine Zahl von etwa 34.000 Toten und 125.000 Verletzten in Folge der Operation Gomorrha an.“ (Wikipedia)
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    Ein Neonazi-Spektakel in dem Ausmaß wie im sächsischen Dresden ist dort aber unbekannt. Warum wohl?

  2. Das Wort „Krieg“ spricht für sich – einforderbare, gar zu erwartende Regeln???: Fehlanzeige! WER??? wagt, zu entscheiden, WELCHE??? …sind

    VERBRECHEN???

    der II.

    „…auf globaler Ebene geführter Krieg sämtlicher Großmächte des 20. Jahrhunderts und stellt den bislang größten und verheerendsten Konflikt in der Menschheitsgeschichte dar…“

    „Am stärksten betroffen war die Sowjetunion mit etwa 26,8 Millionen getöteten Menschen…“

    „In der Gesamtzahl der Opfer des Zweiten Weltkrieges (Schätzungen zufolge ca. 55 Mio.) sind auch die vielen politisch oder rassistisch verfolgten Sowjetbürger, Serben, Juden, die Sinti und Roma, die Homosexuellen und die sogenannten „Asozialen“ sowie die „Wehrkraftzersetzer“ und die Geistlichen enthalten, die in den Vernichtungs- und Konzentrationslagern der Deutschen umkamen.“

    Die „Perversionsereignisse“ das 20.Jahrhundert sollten ALLEN deutlich gelehrt haben, wie und wo die Spirale der Gewalt und des Mordens hinführt!!!

    ATOMARE Рdie TOTALE Vernichtung und Ausl̦schung!!!

    „Ãœber 120 MILLIONEN Menschen verloren in den beiden WELTKRIEGEN des letzten Jahrhunderts Leben und Gesundheit. Hinter diesen Zahlen stehen Schicksale.

    „Trauer, Erinnerung, Mahnung

  3. Die Bombardierung Dresedens war kein Kriegsverbrechen. Natürlich hat sie auch unschuldige getroffen, aber das ist so, in jedem Krieg. Wer die Bombardierung deutscher (oder japanischer) Städte als Kriegsverbrechen bezeichnet und so in eine Reihe mit den Taten der Deutschen stellt, relativiert und verharmlost diese damit automatisch. Das ist Geschichtsrevisionismus.
    Die unschuldigen Kinder, die damals betroffen waren, können sich bei ihren Eltern und anderen Volksgenossen beschweren, da die sich auch jetzt noch weigerten zu kapitulieren, nicht aber bei den  Befreiern. Das wäre absurd.

    • Das ist Quatsch. und man kommt so auf eine ganz, ganz schiefe Ebene. Dann dürfen die „Guten“ alles, weil sie ja die „Bösen“ besiegen müssen. Nur das die „Guten“ dadurch den „Bösen“ ähnlich werden, vergisst man. Auf heutige Kriege übertragen. mit Ihrer Argumentation, me, rechtfertigt man Guantanamo, entschuldigen manche das, was in irakischen Gefängnissen passierte (Soldatin hält Gefangenen nackt an Hundeleine), mit dieser Argumentation darf ein Oberst Klein auch mal ein paar Kinder der Afghanis mit in die Luft jagen, wenn es um die Zerstörung eines geklauten Tanklasters geht.
      Nein…die Flächenbombardements (inkl. Hiroshima) der Westalliierten sowie die Massenvergewaltigungen der Roten Armee waren auch Kriegsverbrechen. Nicht die Einzigen, aber eben auch. 

    • Es ist Ihnen hoffentlich klar, C.Fried, dass die von Ihnen und anderen Deutschen so gerne und häufig ins (Aufrechnungs-)Spiel gebrachten „Massenvergewaltigungen der Roten Armee“ nichts anderes waren als die Antwort auf die Massenvergewaltigungen deutscher Landser an ukrainischen, weißrussischen, russischen, jüdischen und Roma-Frauen?
      Deutsche hört man höchst selten dieses nicht minder traurige und aus vordergründigen Ursachen gern verdrängte Kapitel ansprechen.
       
      Gleichfalls sollte Ihnen klar sein, dass es die „Massenvergewaltigungen der Roten Armee“ nicht gegeben hätte, wenn nicht der Flächenzwerg Deutschland in vollkommen wahnsinniger Selbstüberschätzung das Riesenland UdSSR völkerrechtswidrig und infam überfallen hätte.
      Wer eine Wirtshausschlägerei anstiftet, braucht sich nachher nicht zu beklagen,
      wenn er in der Gosse im Kot liegt.

  4. Für „lodernd totbringende“ Flächenbombardements von Städten - EGAL welche – gibt es keine „rationalen“ Begründungen. Die Gnadenlos-Spirale blinden Mordens scheint zu dieser Zeit nicht mehr aufhaltbar gewesen zu sein …gipfelte schlussendlich im Einsatz von Nuklearwaffen!!! Mahnende Erinnerung ist genau deshalb unverzichtbar! Den new „Nazi’s“??? (oder lächerlichen Abziehbildchen)sollte an solchen „denkwürdigen“ Tagen KEINE solch besondere Aufmerksamkeit zukommen – deren vermeintliche Vorstellungskraft reicht nicht wirklich aus, zu erfassen (wenn denn überhaupt möglich?), was die schrecklichen Geschehnisse in „Praxis“ bedeuteten! Flapsig in Szene gesetzte Proll-Aufmärsche zeugen jedenfalls nicht davon! Diese „Bürschlein“ würden tatsächlich dann wohl als allererste von ihrer „Führungs-Ideologie“ dessertieren, wenn’s „kumpelhaft und linientreu“ ans „kameradschaftliche“ STERBEN gehen würde!!! so what

    • @ rici,

      ich bin mir nicht sicher, dein Statement in Gänze verstanden zu haben.
      Aber den Sätzen „Für “lodernd totbringende” Flächenbombardements von Städten – EGAL welche – gibt es keine “rationalen” Begründungen. Die Gnadenlos-Spirale blinden Mordens scheint zu dieser Zeit nicht mehr aufhaltbar gewesen zu sein …gipfelte schlussendlich im Einsatz von Nuklearwaffen!!! Mahnende Erinnerung ist genau deshalb unverzichtbar!“ kann ich nur voll beipflichten <punkt> 

      Unabhängig von dem Thema Aufhaltbarkeit ist es in meinen Augen trotzdem wichtig, auf allen Seiten die verantwortung für die jeweilige „Gnadenlos-Spirale„  zu eruieren und entsprechende Untersuchungen zu sparten, inwieweit Kriegsverbrechen vorlagen/vorliegen .. niemand hat das Recht, kriegsverbrechen zu begehen, weil denn die „andere Seite“ Kriegsverbrechen begeht!!!

  5. Ich finde es nachvollziehbar und richtig, dass das Leid der deutschen Zivilbevölkerung lange nicht im Mittelpunkt der Aufarbeitung dieser finsteren Epoche stand, da es zunächst einmal andere waren, Juden und andere Minderheiten und die Bevölkerung der europäischen Nachbarn die unter der deutschen Aggrression unendlich viel Leid erführen. Es steht auch jetzt nicht im Mittelpunkt und das ist richtig so. Allerdings halte ich es auch für völlig verrückt, jeden Deutschen, jeden Dresdner für ’schuldig‘ zu erklären und damit ein Gedenken an traumatische Ereignisse für immer und ewig zu unterdrücken. Ein Gedenken neben anderen kann man mit dem kriegerischen Pathos, mit welchem die NeonNazis dies instrumentalisieren nicht vergleichen. Was können denn zum Beispiel Kinder und Jugendliche dafür, dass sie in diese Zeit hineingeboren wurden? Es ist schon richtig, dass auch das Leid der deutschen Zivilbevölkerung, welches ein Krieg verursachte, den natürlich Deutschland selbst, nicht aber jeder Deutsche individuell, vom Zaun geborchen hatte, nach so vielen Jahren aufgearbeitet werden darf. Das relativiert die deutsche Kriegsschuld mitnichten – es handelt sich dabei um zwei verschiedene Ebenen, die kolllektive und die individuelle, und gerade wenn man dem Faschismus entgegenwirken möchte, sollte man das eine vom anderen unterscheiden können. Aus Gründen der Pietät, die absolut angebracht sind, fand dies lange keinen Raum und auch jetzt nur in bescheidenem Maße – dies aber muss erlaubt sein.

  6. „Papa, Charlie hat gesagt… “

    .. erinnert sich eine von Euch an diese Radioserie? Also ich hab sie geliebt .. und EINE Sendung war für mich ein Schlüsselerlebnis meiner Kindheit. Es ging um Umweltschutz .. ging es um Umweltschutz? .. es ging darum, dass auf einer Strecke, einem Waldstück, einem Seeufer – so genau weis ich es nicht mehr – Abfall  gesammelt und beseitigt werden sollte. Das von „Charlies Freund“ war nun, dass auch die Kommunisten zur Säuberung des Waldsrücks, des Seeufers aufgerufen haben. „Charlies Freund“, seinem „Papa“ kommunizierte Lösung: wir sammeln den Müll – und wenn die Kommunisten kommen und auch Müll sammeln, schmeissen wir unsere Sammlung einfach wieder hin!

    Fazit: Wenn der politische Gegener – in Ansätzen – etwas richtiges tut, musst du unbedingt dagegen sein!

    Für mich war dagegen das Fazit: Es gibt Situationen, in denen der „politische Gegener“ Sachen sagt, Dinge tut, nicht nicht völlig falsch sind.

    Warum hier ..

    1) ja – die Bombadierung Dresdens war ein Kriegsverbrechen!

    2) nein – jede „Aufrechnung“ gegen Naziverbrechen  Deutschlands verbietes sich!

    3) Ein Bündnis, welches sich „Keine Versöhnung mit Deutschland!“ nennt, welches also generell gegen jede Versöhnung steht, dass es sogar gegen das Gegendenken von  mindestens 25.000 Toten der Bombadiezung Dresdens hetzt. Mindestens 25.000 Toten , von denen mehrere Tausend Kinder waren, die  kein Mensch, jedenfalls kein zivilisierter als Täter bezeichnen kann, denen der Opferstatus abzusprechen zumindest zynisch bis verbrecherisch ist, ein solches Bündnis swollkte sich seine Forderungen sonstwo hinstecken.

    Ein solches Bündnis zeigt ganz sicher nicht mehr Humanismus als das Naziregime. Insofern kann mensch die Naziorganisationen, die das Kriegsverbrechen an der Dresdener Bevölkerung zur Verharmlosung der NS-Verbrechen nutzen, nicht wirklich unterscheiden, von denen, die alliierte Kriegssverbrechen verharmlosen. Wer behauptet, der (kriegsverbrecherische) Mord an tausenden deutscher, christlicher, jüdischer, muslimischer, oder sonstwelcher Kindern ist ok, bringt sich selber direkt und unmittelkbar in eine Linie mit den Naziverbrechern.

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