Ball der Rechtsextremen findet in der Hofburg statt

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Der Ball der Rechtsextremen wird wie angekündigt am Holocaust-Tag in der Wiener Hofburg stattfinden. Das politische Establishment schweigt. Ab 2013 soll es dann keine Bälle der Rechtsextremen mehr geben. Zuerst antisemitische Ausfälle der Finanzministerin, dann Horst Wessel Lied im ORF…

Und die Grünen Europas haben es richtig thematisiert der Tage: Man muss die europäische Dimension des Rechtsextremismus in den Blick nehmen, denn es gibt eine länderübergreifende Kooperation. Und da steht Österreich kraft der FPÖ ganz weit vorne. Es würde nicht überraschen, wenn es Verbindungen des Rechtsterrorismus nach Österreich geben würde.

Aber in Österreich ist vieles kaum mehr erklärbar: Im Abendprogramm wird dieses Jahr das Horst-Wessel-Lied gespielt und eine Finanzministerin verbreitet antisemitische Verschwörungstheorien, wie auf Glocalist berichtet.

Unter diesen Rahmenbedingungen muss man SOS-Mitmensch zustimmen, wenn die NGO schreibt: Mehr als 40 Jahre hat es gedauert bis der Widerstand aus der Zivilgesellschaft und Teilen der Politik so stark wurde, dass das Kongresszentrum Hofburg handeln musste. Durch den öffentlichen, aber auch durch zunehmenden inneren Druck, ist es für die Hofburg untragbar geworden, weiterhin die Tore für rechtsextreme Vereinigungen zu öffnen. Für SOS Mitmensch ist das ein Etappensieg mit hohem Symbolwert.

Aber mehr ist es auch nicht, was nicht SOS-Mitmensch anzukreiden ist. Mehr gibt die Zivilgesellschaft in Österreich nicht her, leider.

Es ist in diesem Zusammenhang bezeichnend, dass sich bisher kein Regierungsmitglied zum bevorstehenden Ende des Burschenschafter-Balls in der im Eigentum der Republik Österreich stehenden Hofburg geäußert hat. Es ist auch bezeichnend, dass die Regierung kürzlich einen Rückzieher bei der Verschärfung des Verhetzungsparagrafen gemacht hat. Und es ist bezeichnend, dass von offiziellen Stellen nach wie vor die Gefährlichkeit des Rechtsextremismus heruntergespielt wird.

„In einem demokratischen Österreich darf Rechtsextremismus nichts Salonfähiges sein. Ein von rechtsextremen Organisationen veranstalteter Ball in der Hofburg ist ebenso untragbar wie ein Mitglied einer rechtsextremen Burschenschaft als Nationalratspräsident. Die Zivilgesellschaft hat gemeinsam mit progressiven Teilen der Politik im Kampf gegen Rechtsextremismus Stärke bewiesen. Jetzt ist es an der Zeit, dass sich auch die Regierung gegen rechte Hetzer und für positive gesellschaftliche Visionen stark macht.“, so Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch.

Es steht zu hoffen, dass dieser Ball nicht am 27. Januar in der Wiener Hofburg stattfinden wird.

Erschienen bei: Der Glocalist, 02.12.2011

20 Kommentare

  1. Das ist inzwischen kein Bazillus mehr, das ist eine Seuche. Und die machen Witze über Leute, die zu dem ganzen entgegen stehen. Die steigen da drüber wie wenn das nix wäre. In Kärnten haben die regelrecht einen saftigen Boden. Viele in der Bevölkerung identifizieren sich dort mit dem Gedankengut und wählen solche Leute. Haider hatte da viele Freunde. Ganze Gemeinden. Man erkennt sie an der Einstellung gegen Slowenen oder gegen Moslems. „Ein Türke kauft bei uns kein Grundstück, dafür werden wir schon sorgen!“ 

  2. Wird Zeit dass dem rechte Bodensatz der österreichischen Gesellschaft jegliche Öffentlichkeit entzogen wird. Ist ja unglaublich wie dreist sich dieser Bazillus ausbreitet.

  3. @ Burschafts Liebling: Wenn Sie mir kurz die völkischen Corps erklären könnten!

    Es mag durchaus möglich sein, daß es aus irgendeiner Volksgruppe oder irgendeinem Land keinen Corpstudenten geben mag. Der völkische Charakter erschließt sich mir jedoch nicht einmal mühsam.
     

  4. Fakt ist, dass keiner der Burschenschaftsverbände sich vom rechtsextremen Terror distanziert hat und mutmaßlich zwei Burschenschaften (Normannia und Thormania) mit der NSU Verbindungen gehabt haben. Grundsätzlich soltte man mal alle Burschenschaften einer eingehenden Prüfung unterziehen.

  5. Der WKR-Ball wird von den völkischen Verbindungen, federführend von den schlagenden Burschenschaften der DB organisiert. Die österreichischen Bünde in der Deutschen Burschenschaft sind durchgängig in der vom Hamburger Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) organisiert. Einen Hintergrundartikel zur BG findet mensch unter anderem <a href=“http://aida-archiv.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2409:kommers-der-extrem-rechten-qburschenschaftlichen-gemeinschaftq-in-muenchen&catid=43:weitere-rechte-aktivitn&Itemid=151″>hier beim aida-archiv München</a>.
    Gerade das österreichische „Waffenstudententum“ glänzt auch nach 1945 durch blanken Antisemitismus. Im Gegensatz zu Deutschland kann man hier auch auf keine (teilweise) demokratische Tradition im jungen 19. Jahrhundert blicken. Denn in Österreich steigen Burschenschaften geschichtlich fast gleichzeitig mit dem Waidhofener Prinzip ein, das Juden für ehrlos und damit nicht satisfaktionsfähig erklärt. Diese Waidhofener Beschlüsse dürften auch heute noch nicht vollständig vom Waffenstudententum in Österreich überwunden sein.
    Die völkischen Corps (Weinheimer wie Kösener Senioren Convent), die sich in Deutschland von den Burschenschaften abgrenzen und in Österreich Seit an Seit mit ihnen marschieren, sprechen im Übrigen mit gespaltener Zunge.

  6. Ich habe nur eine Frage an jene Gutmenschen die meinen der WKR Ball sei nun Geschichte:
    Glaubt Ihr nicht dass es neben der Hofburg andere Veranstaltungsorte geben wird ?
    Die Bühne wird sich (wahrscheinlich) ändern aber der Ball bleibt natürlich bestehen!
    Die aktuelle Diskussion ist eine ausgezeichnete weiterführende Vermarktung und Bewerbung des Balls.
    Abschließend sei gesagt, die Selbstinszenierung der meisten Personen hier ist einfach überflüssig. …ob nun rechts oder links, schwarz oder weiß…der einen Seite würde ohne der anderen Seite der Gegensatz fehlen.
    Eine gewisse Kontroversität ist immer förderlich, nur diese aktuelle dargebrachte Argumentation hat Kinderspielplatzniveau

  7. Wenn zumindest Einigkeit darüber bestehen würde, daß mit derartigen, mit vollem Schaum mit dem Mund geschriebene Texten, niemandem gedient ist, wäre schon viel gewonnen. Wem Verbindungen grundsätzlich „überholt“ und „unzeitgemäß“ erscheinen, der soll sie einfach ignorieren, Mit bloßen Klischees kommt man dagegen nicht weiter.  
    Und wenn es einzelne Extremisten gibt, dann sollte man sie konkret benennen, nicht aber durch bloße Stereotypisierungen Differenzen bewußt verwischen und alle miteinander in einen Topf werfen. Bloßes Schwarz-Weiß-Denken – über dieses Stadium sollten wir eigentlich längst hinaus sein. 

  8. „gewisse völkische Linie“

    So kann man auch sagen.

    Beispiel Danubia:

    http://test.hagalil.com/2004/07/hohmann.htm

    Auszug:

    Das Haus der Burschenschaft Danubia

    In der Möhlstr. 21 versteckte sich im Jahr 2001 ein Mitglied der „Kameradschaft- Süd“, nachdem es aus Anlass des Geburtstages des Naziterroristen Martin Wiese zu einem Mordversuch an einem griechischen Mitbürger kam.

    Wenn nicht gerade rechte kahlköpfige Schläger in dem Haus untertauchen, gibt sich im Danubia Haus alles, was in rechten Kreisen Rang und Namen hat, die Klinke in die Hand. Die Palette reicht von Horst Mahler über den Querfrontstrategen Bernd Rabehl bis zu General a.D. Günzel und Herrn Kubitschek. Besonders pikant ist, dass das Haus der Burschenschaft Danubia die ehemalige Villa Kaufmann war. Die jüdische Familie Kaufmann wurde von den Nazis im Jahr 1941 in den Tod getrieben.


    Erstaunlich, dass man in Corps-Kreisen, diesen antiquitierten Überbleibseln der Befreiungskriege, in Wirklichkeit längst nichts anderes mehr, als Hilfestellung leistende Vereine für das  Besetzen von Jobs in der Wirtschaft,  keine Schwierigkeiten zu haben scheint, mit derartigen übel beleumdeten Verbindungen zusammen aufzutreten.

    Als ob Tucholsky nie gelebt hätte. Er schrieb vor 83 Jahren seine hellsichtige Kritik am Corps-Unwesen : Briefe an einen Fuchsmajor

    http://www.textlog.de/tucholsky-briefe-fuchsmajor.html

    Zitat:

    „Diese Studenten sind Vorbild für alle jungen Leute, die keinen sehnlicheren Wunsch haben, als an möglichst universitätsähnlichen Gebilden zu studieren und es denen da gleichzutun, mit hochgeröteten Köpfen den Korpsier zu markieren und einer im tiefsten Grunde feigen Roheit durch das Gruppenventil Luft zu schaffen. Der Abort als Vorbild der Nation.

    Und der da soll im Jahre 1940 Arbeiter richten dürfen? Ein solches Biergehirn, in dem auch nicht ein Gedanke über den sauren Muff seiner Kneipe reicht, entscheidet über Leben und Tod? Über Jahre von Gefängnis und Zuchthaus? Das will Provinzen verwalten? Ein solch minderwertiges Gewächs vertritt Deutschland im Ausland? verhandelt mit fremden Staaten? wird gefragt, wenns ernst wird? hat zu bestimmen, wenns ernst wird?

    Das ist der Boden, auf dem die Blüten des deutschen Richterstandes gedeihen, welche Blumenlese! Man wundert sich bei Gerichtsverhandlungen und bei der Lektüre von Urteilsbegründungen oft, woher nur diese abgestandenen Vorurteile, die unhonorige Art der Verhandlungsführung, die überholten Anschauungen einer kleinbürgerlichen Beamtenschaft stammen mögen. Hier, auf den Universitäten, ist der Boden, in dem eine Wurzel dieser Produkte steckt. Niemand reißt sie aus.

    Denn diese setzen sich durch. Die herrschen. Die kommen dran. Ich kann beim besten Willen nicht sehen, wo die aufhebende Wirkung der vielgerühmten Jugendbewegung ist, die Ignorieren für Kampf hält; wo das Gegengewicht steckt, wo die andre Hälfte der Nation bleibt, jenes andre Deutschland, das es ja immerhin auch noch gibt. Wenns zum Klappen kommt, ist es nicht vorhanden. Ungleichmäßig sind bei uns Gehirn und Wille verteilt: der eine hat den Kopf, und der andre den Stiernacken.“ 

    • stiernackig, Tucholsky sehr gerne lesend und zitierend, halte ich mein Corpstudentendasein für kein antiquiertes Unwesen, sehe aber durchaus in- und externe Schwierigkeiten mit Verallgemeinerungen, die ich auch bei vielen anderen Gruppierungen wahrnehme.

  9. Moment: 1. Linksextremismus und Rechtsextremismus sind nicht gleichzusetzen. 2. Der Ball toleriert die Teilnahme rechtsextremer Burschenschaften 3. Am Holocaust-Gedentag einen Ball machen?! 4. Rechte Gesinnung hat eine Blutspur durch Deutschland gezogen 5. Die genannten Burschenschaften sind eineindeutig rechtsextrem; schreibt corpsstudent ja selbst „völkisch“ – ganz die nazi-diktion

  10. @ corpsstudent: Toleranzprinzip:

    Corps sind unpolitisch und unkonfessionell strukturiert und stellen an ihre Mitglieder keine politischen, religiösen oder sonstwie die Geisteshaltung betreffenden Forderungen, im Gegenteil: Toleranz wird durch die Konstitutionen der Corps ausdrücklich gefordert und zwar im Sinne einer Nichtausgrenzung Andersdenkender, insbesondere da dem Corps eine politische oder religiöse Ausrichtung fremd ist. Die diesbezügliche persönliche Autonomie des einzelnen Corpsmitglieds ist in keiner Weise beschränkt. Eine politische oder religiöse Beeinflussung oder gar Ausrichtung des Corps hat zu unterbleiben.

    Fragen Sie Ihren Fuxmajor! 

    mit corpsstudentischen, toleranten und gutmenschlichen Grüßen , deren vermutete Angriffe sich nur auf Ihre Äußerungen als „corpsstudent“ beziehen. Persönlich können Sie natürlich denken was Sie wollen! So wie ich, der der sich fragt, ob der Zuckerbäckerball eventuell ähnlich verdächtige Gestalten in die Hofburg bringt, oder ob es vielleicht an einem Teil der Veranstalter, mit denen ich persönlich nichts gemein habe, liegen könnte. Z! 

  11.  
    Oder wie tanzt man bitte “rechtsextrem”?
     
    Deutschnational und waffentragend regressiv. Nicht bös sein, Schwabe, aber, …
     
    Kein Wunder, dass Ihr endlich aus der Wiener Hofburg rausfliegt.
     
     
     
     

  12. Fast die Hälfte der Ballbesucher werden aus Deutschland kommen und interessieren sich einen Sch.. für österreichische Politikerbefindlichkeiten. Es ist zwar durchaus zu beklagen, wenn genannte in Österreich situierte Verbindungen sich eindeutig politisch positionieren, das lässt jedoch nicht dem Umkehrschluss zu, dass dies für auch nur einen signifikanten Anteil an der gesamten Korporationslandschaft gilt. Im Gegenteil ist es eigtl. Grundbestandteil des Wesens einer Korporation, dass ihre Mitglieder zu akademischen Auseinandersetzungen angehalten werden. Das beinhaltet auch eigene politische Standpunkte. Wären diese gleich, wäre das ziemlich langweilig. Ein weiterer Anhaltspunkt für den uninformierten Antifanten könnte bspw. die basisdemokratische Grundstruktur eines jeden Bundes sein. Etwas, was die Grünen trotz jahrzehntelangen Versuchens nicht hinbekommen haben. Es wird keinerlei Belege für eine politische Ausrichtung dieser Veranstaltung geben, schlicht weil weder die beteiligten Bünde eine politsche Ausrichtung haben und auch die Veranstaltung selbst keine Möglichkeit für eine solche bietet. Oder wie tanzt man bitte „rechtsextrem“?
     

  13. @ smartman

    Nur weil man ein paar Spinner (und dazu zähle ich auch die Olympia) in der Wiener Korporationsszene hat, bedeutet das noch lange nicht, dass ALLE dieser Ansicht sind (genau so wenig wie alle Mitglieder der Olympia Spinner sind).
    Ich frage mich, ob man auf Grund der Argumentationslinien von „SOS Mitmensch“ oder dieser Webseite nicht gleich alle Parteien verbieten sollte. Immerhin gibt es rechts-, als auch linksaußen radikale, verfassungs- und demokratiefeindliche Parteien. Genau so, wie man den Studentverbindungen nur auf die Extremen geschaut wird, macht das doch keiner im Parteiensystem.

  14. @smartman; Es mag durchaus sein, dass jene namentlich genannten Verbindungen eine gewisse völkische Linie vertreten aber woher nehmen sie bitte die Information dass der „verbleibende Rest“ als rechts-konservativ zu betrachten ist? Dies ist absoluter Schwachsinn.

     Die ach so „toleranten und linkslinken“ Gutmenschen unterscheiden doch ohnehin nicht zwischen den unterschiedlichen Fraktionen der Waffenstudenten. Für diese Herren geht es doch nur um die Randale und nicht um den Protest, leider beugt man sich heutzutage solchen Spinnern.

    Was nicht passt, wird passend gemacht - und dann ausgegrenzt; dass ist die Politik der linkslinken Vertretung. Wer nicht links ist, Häuser besetzt und Steine wirft ist natürlich ein Deutschnationaler!

  15. @schultz sorry, aber die danubia, die teutonia und die olympia sind eindeutig rechtsextrem. die meisten anderen zumindest völkisch und schlagende verbindungen und der kleine verbleibende rest kann man dann als rechts-konservativ bezeichnen. 

  16. Es kommt schon einer gezielten Diffamierung gleich, den traditionellen Ball der Korporationen in der Hofburg an Veranstaltung von Rechtsextremen zu bezeichnen. Was nichts links ist, erscheint aus der Perspektive von „SOS Mitmensch“ wohl automatisch als rechtsaußen. Aber es paßt natürlich auch wie die Faust aufs Auge zu der Hysteriewelle der letzten Tage und Wochen.  

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