Hannover: Überfall auf jüdische Tanzgruppe

1
54

Nach den Vorfällen um die Flottille vor der Küste Gazas am 31. Mai 2010 und der Verschlechterung des politischen Verhältnisses zwischen der Türkei und Israel haben wir einen rasanten Anstieg an antisemitischer Hasspropaganda und Morddrohungen gegen Juden im Internet feststellen müssen. Auszüge zu unserer Recherche finden Sie gesondert im Anhang. Dazu ermittelt bereits der Staatsschutz…

Pressemitteilung

Aktuell haben wir von einem erschütternden Vorfall am 19. Juni in Hannover erfahren. Auf einem Stadtteilfest wurde eine jüdische Tanzgruppe von Jugendlichen mit Steinen beworfen und einer von ihnen soll mit einem Megafon gerufen haben, weg mit den Juden. Etwa 30 Jugendliche, von einer Augenzeugin als ‚überwiegend mit arabischem, aber auch mit türkischem Migrationshintergrund‘ wahrgenommen, bewarfen die Tänzer der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover mit Steinen, bis sie die Bühne verließen. Eine Frau wurde am Bein verletzt. Trotzdem wurde die Veranstaltung fortgesetzt, ohne die jüdischen Tänzer. Die Polizei wurde nicht benachrichtigt.

Einige Zuschauer äußerten ihren Verdacht, die Aktion sei vorbereitet gewesen, da die Jugendlichen bereits Steine oder Kiesel in der Tasche gehabt hatten, als die Tanzgruppe die Bühne betrat.
Wir finden es erschreckend und skandalös, dass diese Tat von Jugendlichen im geschätzten Alter zwischen 10 und 14 Jahren verübt wurde. Hier muss davon ausgegangen werden, dass die Umgebung dieser Jugendlichen antisemitisches Gedankengut zulässt oder gar unterstützt. Gerade, weil es sich um einen problematischen Bezirk handelte, in dem dieses Fest stattfand, muss sich die Veranstaltungsleitung der Frage stellen, wie so etwas auf einem interkulturellen Fest passieren konnte, wieso die Störer nicht gebändigt wurden, wieso das Fest trotzdem weiterging und nicht stattdessen dieser Vorfall Thema wurde und wieso nicht die Polizei eingeschaltet wurde.

An dieser Stelle sind Politik und Zivilgesellschaft gefragt, bundesweit in diesem Umfeld umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung von Antisemitismus zu verstärken. Besonders wichtige Partner sind dabei türkische und arabische Organisationen. Es geht nicht um dumpfen Alarmismus, sondern darum, dass eine öffentliche Debatte entsteht.

Jüdische Gemeinde zu Berlin und Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus, Berlin, 23.06.2010

1 Kommentar

  1. KUNDGEBUNG GEGEN ANTISEMITISMUS
    Samstag, 11. Juli 2010
    11:30 Uhr
    Sahlkampmarkt in Hannover

    Am 19.06.2010 ereignete sich bei einem Stadtteilfest auf dem Sahlkampmarkt ein Angriff auf eine jüdische Tanzgruppe. Diese durch den Veranstalter als „Israelische Tänze“ angekündigte Gruppe wurde von mehreren Jugendlichen mit antisemitischen Parolen beschimpft und mit Steinen beworfen. Es handelt sich bei den Angreifern mehrheitlich um arabischstämmige Kinder und Jugendliche.
    Dass Antisemitismus gerade unter muslimischen Jugendlichen weit verbreitet ist, kann anhand mehrerer Studien, unter anderem vom „Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen“, empirisch belegt werden. Trotz unterschiedlicher Deutung der Vorfälle, die noch nicht gänzlich geklärt sind, muss darüber gesprochen und informiert werden, inwiefern Antisemitismus in Verbindung mit einer Überidentifikation mit dem Nahost-Konflikt steht, wie weit der Hass auf Israel verbreitet ist, und welche Möglichkeiten es gibt, jenen Ressentiments entgegenzuwirken.
    Es darf nicht sein, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland und auch anderswo für die Politik Israels zur Verantwortung gezogen werden, ebenso wie es nicht sein darf, dass Israel moralisch geopfert werden muss, damit der Antisemitismus thematisiert werden darf. Antizionismus und Antisemitismus sind zwei Seiten einer Medaille und haben mit einer seriösen Kritik an der Politik Israels im Einzelnen nichts gemein.
    Wir würden uns über Ihre Teilnahme an der Kundgebung freuen und hoffen, gemeinsam ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen zu können.
    Mit einladenden Grüßen,
    Arbeitskreis gegen Antisemitismus Hannover
     
    Alle weiteren Infos auf der Blogsport-Seite!

Kommentarfunktion ist geschlossen.