Lieberman und die Tschetschenen: Oh wie schön ist Panama!

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Den russischen Aufruf, die internationale Staatengemeinschaft solle die Hamas an den Verhandlungen zum Friedensprozess beteiligen, bezeichnete Israels Außenminister Avigdor Lieberman als Fehler. Man müsse in Moskau begreifen, dass die „Hamas wie die Tschetschenen“ sei…

Zuvor hatte das Außenministerium gegen den Besuch des russischen Präsidenten Medwedew beim Leiter der politischen Abteilung der Hamas, Haled Mashal, in Damaskus scharf protestiert.

Kommentatoren in Jerusalem sehen in den jüngsten Ereignissen auch eine Blamage des Außenministeriums. So berichtet haArez, das Treffen mit Mashal sei für Israel ganz überraschend gekommen. Und das obwohl Außenminister Lieberman noch am Wochenende mit seinem russischen Amtskollegen Lavrov telefoniert hat. Lieberman wollte im Vorfeld der Besuche Medwedews in der Türkei und in Syrien die Haltungen abstimmen. Lavrov habe Liebermann beruhigt und gesagt, es stünden keine außergewöhnlichen Programmpunkte an. Das Außenministerium sei also in eine große Verlegenheit geraten, habe doch der Außenminister intensiv auf die Beziehungen zu Russland gesetzt.

In Jedioth achronoth, der auflagenstärksten Tageszeitung Israels, vermutet man, dass diese Entwicklung noch weiter gehen wird, denn Russland nähert sich auch der Hisbollah an. Für manche sieht es so aus, als würde sich Moskau auf Kosten von Jerusalem in Richtung der Achse unter Teherans Führung bewegen. „Russland ergreift hier nicht etwa die pro-islamische Seite, es will vielmehr die Vermittlerrolle im Nahen Osten übernehmen“, erklärt Zvi Magen, ehemals Israels Botschafter in Moskau.

In der dem Likud nahestehnden Tageszeitung „Israel haJom“, die kostenlos auf den Strassen verteilt wird, sprach Dan Margalit davon, die Aufforderung mit Hamas zu sprechen, sei „Rückenwind für den Terror“.

In Ramallah gab man sich diplomatischer: Die Palästinenservertretung begrüße jeden Versuch der internationalen Gemeinschaft, die Hamas an politischen Prozessen zu beteiligten. Solange die Hamas jedoch die Eingliederung in die PLO-Institutionen verweigert, ist es unangebracht, sie an den politischen Prozessen mit Israel zu beteiligen.

Russland hat die israelische Kritik zurückgewiesen: „Die Hamas erfreut sich des Vertrauens und der Sympathie eines großen Teils der Palästinenser. Wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit der Bewegung. Es ist bekannt, dass auch die anderen Mitglieder des Quartetts in der einen oder anderen Form Kontakte zur Hamas unterhalten, sie geben dies aus unverständlichen Gründen jedoch nicht zu“, zitiert Israel haJom einen Sprecher des Moskauer Außenministeriums.

In haArez erschien ein Interview mit Avigdor Lieberman.

haArez: Herr Lieberman, was halten Sie vom Treffen Mashal-Medwedew?
AM Liebermann: „Das ist nichts Neues. Wir sind natürlich unzufrieden, um es milde auszudrücken, aber es ist nichts Neues. Er war auch schon in Moskau, und auch AM Lavrov traf mit ihm zusammen.“
F: Aber das war doch eine eindeutige Höherstufung. Immerhin handelte es sich um ein Treffen mit dem Präsidenten Russlands.
AM Liebermann: „Das ist richtig, und wir werten diese Maßnahme als äußerst negativ.“
F: Ägypten und Syrien drohen, die Barcelona Konferenz der mediterranen Staaten zu boykottieren, wenn Sie daran teilnehmen. Ist es nicht unangenehm, eine Persona non Grata zu sein?
A. „Im Gegenteil. Ich bin sehr stolz. Wenn Sie mich ignorieren würden, würde ich glauben, irgendetwas stimme nicht. Aber solange sie mich auf die Stufe von Staatspräsidenten stellen, weiß ich, dass ich ein wichtiger Faktor bin.“
F: Der Außenminister sollte doch der Diplomat Nummer 1 Israels sein. Glauben Sie, dass Sie die Außenbeziehungen Israels positiv oder negativ beeinflussen?
A.:„Natürlich positiv. Ich glaube, es gibt verschiedene Arten von Diplomatie. Meine Linie ist sehr vielseitig, und ich bin nie bereit, auf die Interessen Israels zu verzichten.“
F: In wiefern ist Ihre Diplomatie ‚anders’?
AM Liebermann: „Ich glaube, Israel muss aufhören, sich ständig zu entschuldigen und stattdessen erklären. Bis heute bestand unsere Außenpolitik einzig und allein daraus, dass wir ständig verzichten und die andere Seite alles bekommt. Dieses Kapitel der israelischen Außenpolitik ist abgeschlossen.“
F: Und Sie erklären die Politik des Staates Israel besser als andere?
AM Liebermann: „Selbstverständlich… Ich sah z.B. , dass man unseren Beitritt zur OECD befürwortet, trotz diverser Bemühungen, ihn zu torpedieren.
F: Und Sie meinen, dass sei Ihr Verdienst?
AM Liebermann: „Ich glaube, ich habe meinen Teil dazu beigetragen. Es ist nicht mein persönlicher Verdienst, aber wenn man sieht, dass Staaten in Südamerika und in Europa, von Panama bis Mazedonien, an unserer Seite stehen, was es bisher nie gegeben hat, dann habe ich durchaus meinen Teil dazu beigetragen.“

3 Kommentare

  1. Ich denke, dass all diese lieben deutschen Friedensstifter, die so gerne hier Israelbashing betreiben, ja mal versuchen könnten Frieden zwischen Russland und den tschetschenischen Aufständischen zu stiften. Doch das Schicksal der armen muslimischen Opfer in diesem Konflikt interessiert sie genausowenig, wie den Iran. Nur dass der Iran dabei das nationale Interesse wahrnimmt, während die deutschen Antisemiten Entzugserscheinungen hätten, wenn sie ihre Lieblingsbeschäftigung aufgeben würden.

  2. Interessanterweise stellte erst unlängst ein iranischer Intellektueller fest, dass der Iran wegen seiner nationalen Interessen nichts übrig hat für die Tschetschenen.
    Er meinte, die Unterstützung der Palästinenser und die Feindschaft gegen Israel sei nicht im nationalen Interesse des Irans.
    Quelle: http://www.thejudeosphere.com/?p=1257

  3. Ja, hatte der Führer nicht auch die Sympathien eines Großteils des deutschen Volkes auf seiner Seite?! Ich will da jetzt keine ominösen Traditionslinien vom Hitler-Stalin Pakt bis zu den Sympathien für die Hamas aufmachen, denn das wäre schlichter blödsinn. Vielmehr stelle ich mir in dem Moment die Frage wer welche Sympathie in Tschetschenien hat und was das für eine miserable Rechtfertigung ist und bleibt. Russland will nur eine Vermittlerrolle einnehmen, genau. Ganz nett und freundlich wendet es sich an die Nationalislamisten. Es positioniert sich, ganz der antiamerikanischen Stimme, die über die Stimme Russlands auch in Deutschland über Weltempfänger empfangbar ist, gegen Amerika als Alternative im Nahen Osten. Dafür ist es sich nicht zu schade die größten Idioten für sich zu begeistern.

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