Das Dreigespann des Terrors

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Das Weiße Haus Obamas hat Annäherungsgespräche zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde an die Spitze seiner Nahostpolitik gestellt, wobei es glaubt, erfolgreiche Verhandlungen würden zu einem positiven Dominoeffekt im Rest der Region führen…

Von Benji Davis, Yedioth Ahronot v. 03.05.10

Aber kein zukünftiges Abkommen zwischen Netanyahu und Abbas würde zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern führen oder den Konflikt zwischen dem Westen und islamistischen Extremisten beilegen. Selbst bei der Gründung eines palästinensischen Staates hätte das Dreigespann des Terrors – Iran und seine Terrorverbündeten Hamas und Hisbollah – die Macht, jeglichen Übergang zu einem ruhigen Zustand in der Levante zu verhindern.

Die Hamas hat wieder den Raketenbestand der Zeit vor der Operation Gegossenes Blei erreicht. Außerdem hat die Terrororganisation ihre Raketenschlagkraft verbessert – nur ein Knopfdruck, und Raketen könnten über Tel Aviv niedergehen.

Die Hisbollah im Libanon ist mit ihren 40 000 von den Ayatollahs finanzierten, auf Israel gerichteten Raketen und ihren Tausenden von den Ayatollahs trainierten Kämpfern bereit, jeden Augenblick in die nächste Auseinandersetzung mit ihren jüdischen Nachbarn einzutreten.

Und der Iran hat laut amerikanischer Geheimdienste genug Nukleartreibstoff produziert, um einen „rapiden Sprint“ hin zur Bombe zu vollziehen. In Anbetracht der kontinuierlichen Aufrufe der iranischen Führung zur Zerstörung Israels und der ihnen eigenen apokalyptischen Version des Islams (gemäß derer Chaos und Gewalt als Mechanismus der Herbeiführung einer messianischen Welt fungieren), sollte niemand an der Bereitschaft der Islamischen Republik zum Einsatz der Bombe zweifeln.

Aber kein Experte oder politischer Führer, selbst auf israelischer Seite, hat konsequent dargelegt, wie das Dreigespann des Terrors „Israel von der Landkarte wischen“ könnte ohne jemals den Knopf zu drücken – nämlich wie folgt:

Erstens – ein Ende des Friedensprozesses herbeiführen: Sollte ein arabischer Partner jemals Verhandlungen führen wollen, wäre er nicht in der Lage, dem jüdischen Staat irgendwelche Zugeständnisse zu machen oder Kompromisse anzubieten, ohne zuerst die Konsequenzen seines Handelns in Hinsicht auf die Islamische Republik abzuwägen. Ein atomar bewaffneter Iran könnte womöglich sowohl Jordanien als auch Ägypten dazu zwingen, ihre Friedensverträge mit Israel zu widerrufen, was die Kriegsgefahr in der Levante zu einem Höhepunkt treiben würde. Durch den Druck des Terrordreigespanns könnten sich Amman und Kairo sogar dazu gezwungen sehen, bei Ausbruch eines regionalen Krieges in Israel einzumarschieren.

Zweitens – Israels militärische Optionen einschränken: Der jüdische Staat würde nicht länger über das Abschreckungspotential verfügen, das er derzeit gegenüber seinen islamistischen Nachbarn im Libanon und in Gaza besitzt. Ein Iran mit atomarer Schlagkraft könnte Hamas und Hisbollah mit weiter reichenden und tödlicheren Raketen als ihre gegenwärtigen Katyushas und Kassams ausstatten, ohne einen israelischen Vergeltungsschlag befürchten zu müssen. Mit der iranischen Atombedrohung über seinem Kopf würde Israel wenig Verteidigungsmöglichkeiten gegen verstärktes Raketenfeuer an seiner nördlichen und südlichen Peripherie haben, und infolge dessen wären die Bewohner gezwungen, ins Zentrum des Landes zu fliehen.

Drittens – Israels Wirtschaft so schwächen, dass es kein Zurück mehr gibt: In einer Umfrage von 2007 gaben 27% der Israelis an, sie würden Israel verlassen, wenn der Iran atomares Know-how erhielte. Es wäre keine Überraschung, wenn ausländische Investoren und Israels Elite – Unternehmer, High-Tech-Funktionäre, Geschäftsleute, Intellektuelle, Ärzte, Anwälte und Akademiker – aus dem Land fliehen würden.

Und mit der Flucht eines Viertels der Landesbevölkerung in die Diaspora würde ein atomarer Iran das Ende des zionistischen Traums herbeiführen – indem Juden aus ihrem historischen Heimatland fliehen und Zuflucht im Ausland suchen.

Anstatt Herrn Netanyahu für die Baupolitik seiner Regierung zu verurteilen, würde sich ein dem Frieden im Nahen Osten verpflichtetes Weißes Haus darauf konzentrieren, Irans Finanzierung und Ausbildung von Terrororganisationen zu stoppen, die israelische und westliche Ziele ins Visier nehmen, durch eine „Koalition der Willigen“ lähmende Sanktionen über den Iran verhängen und die „Gemäßigten“ in Ramallah dazu drängen, die Anstachelung ihrer Jugend zum Judenhass zu beenden.

Die Obama-Administration muss begreifen, dass das Haupthindernis für den Frieden nicht Israel ist, sondern die existentielle Bedrohung, die von dem gefährlichen Trio Iran, Hisbollah und Hamas ausgeht. Und wenn dieses Dreigespann des Terrors atomar werden würde, könnte es sein Ziel einer Vernichtung des jüdischen Staates sogar erreichen, ohne jemals den Knopf zu drücken.

1 Kommentar

  1. Hut ab! Ein wirklich beeindruckender, pointierter Artikel, der gewisse Aspekte so beleuchtet, dass Sie sogar ein ‚Vollidiot‘ wie Ich sie verstehe.

    Bleibt nur die Frage, zu welchem geisteigen Erguss Broders es fuehren wird, sollte es tatsaechlich zu einer derartig gewaltigen Auswanderungswelle aus Israel kommen?

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