Kopfüber hinein

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Seit es Atomwaffen gibt wurden sie gegen Menschen genau zweimal eingesetzt: Am 6. und am 9. August 1945 beim Angriff auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Dadurch erreichten die Amerikaner die endgültige Kapitulation Japans. Es gibt einige, die sagen, die zweite Bombe sei nicht erforderlich gewesen, doch sie sollte als Warnung für die Zukunft gelten: Dies ist keine Waffe, mit der man herumspielt…

Kommentar von Yoel Marcus, Ha’aretz, 09.03.2010
Übersetzung von Daniela Marcus

Seitdem gewann diese tödliche Waffe an Macht und verbreitete sich überall auf der Welt. Und doch wurde keine einzige Atombombe gezündet, und keine einzige Rakete mit atomarem Sprengstoff wurde abgefeuert. Selbst während der heißesten Phase des kalten Krieges, als die beiden Supermächte die alleinigen Besitzer von Atomwaffen waren, wurde diese Linie nie überschritten. Man näherte sich ihr auch nicht. Das einzige Mal, als die Welt den Atem anhielt, war im Oktober 1962. Damals ließ Nikita Chruschtschow unerwartet Mittelstreckenraketen auf Kuba stationieren und bedrohte somit das Landesinnere von Amerika. Präsident John F. Kennedy reagierte mit einer offenen Kriegsdrohung, woraufhin die Sowjetunion einlenkte und die Waffen entfernte.

Die zweite und dritte Episode waren beide an Israels Politik, den arabischen Staaten den Besitz von Atomwaffen zu verweigern, geknüpft. Vor 29 Jahren bombardierte Israel den Atomreaktor, den der Irak baute, und brachte damit Saddam Hussein von seinem Vorhaben ab, sein Atomprogramm wieder aufzunehmen. Im Jahr 2007 zerstörte Israel nicht nur den Atomreaktor, den Syrien baute, sondern anscheinend auch Baschar Assads Wunsch, es noch einmal zu versuchen.

Die Existenz gegenseitiger Zerstörungsbeteuerungen verhinderte nicht den Ausbruch von Kriegen. Doch bis jetzt wurde wenigstens nicht die Weltuntergangswaffe eingesetzt. Atomstaaten, die wie Indien und Pakistan, nebeneinander existieren, haben nie davon geträumt, ihre Atomwaffen einzusetzen, wobei dies keine Garantie für die Zukunft ist.

Das Thema ist nicht die Fähigkeit, atomares Potential zu entwickeln, sondern eher, wer diese Fähigkeit besitzt und zu welchem Zweck er sie nutzt. Wenn solche Waffen in einem Land existieren, das von Ayatollahs regiert wird, die verkündet haben, ihr Ziel sei es, Israel –alias die zionistische Einheit– zu vernichten, dann müssen diese Drohungen vollkommen ernst genommen werden. Iran ist das einzige Land, das zur UNO gehört und dennoch öffentlich seine Absicht erklärt, den jüdischen Staat zu zerstören. Wir stehen einem Wahnsinnigen gegenüber – Mahmoud Ahmadinejad, der wiederholt öffentlich erklärt hat, dass es die Schoah nie gegeben habe, und der nun „entdeckt“ hat, dass die Angriffe vom 11. September auf die Zwillingstürme von den Amerikanern selbst ausgeführt wurden, um einen Vorwand für den Krieg gegen den Terror zu haben. Der Iran ist ein Land, dessen Führer danach trachten, alle moderaten Staaten des Nahen und Mittleren Ostens in ein lückenloses Gebiet des Scharia-Extremismus zu verwandeln.

Neben dem Streben nach Atomwaffen baut der Iran riesige Mengen an konventionellen Waffen für Land und See. Er hat auch ein Arsenal von Langstreckenraketen, die nicht nur Europa sondern sogar Amerika bedrohen. Es wird vermutet, der erste Schritt eines atomaren Iran auf dem Weg, die Hegemonie im gesamten persischen Golf zu erlangen, wird die Übernahme des Irak sein.
Die Herrscher von Saudi-Arabien und Jordanien haben genauso viele Gründe zur Sorge wie Israel. Und Irans Stellvertreter Hisbollah, die mit iranischen Waffen ausgerüstet ist, droht nicht nur Israel. Sie treibt sich bereits im Hinterhof des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak herum.

Es stimmt, dass Atomstaaten, die sich Feind sind, dennoch Seite an Seite nebeneinander leben ohne ihre Atomwaffen zu benutzen. Doch unter dem riesigen Schatten des Wahnsinns, der die iranische Bedrohung charakterisiert, ist ein Schlag gegen den Iran von Ahmadinejad und den Ayatollahs unvermeidlich, ob dieser Schlag nun durch internationale Sanktionen oder eine amerikanische Militäroperation, die vom UNO-Sicherheitsrat genehmigt ist, ausgeführt wird.

Es sind nicht nur die Länder der Region, sondern alle vernünftigen Staaten der Erde, die sich über das, was im Iran vor sich geht, Sorgen machen sollten. Und das trifft umso mehr auf Israel zu, das als erstes Ziel genant wurde, das vom Angesicht der Erde verschwinden soll.

Unsere amerikanischen Freunde, darunter der Vizepräsident Joe Biden, der momentan Israel besucht, haben uns immer wieder davor gewarnt, nicht kopfüber in eine Militäroperation zu stürzen, bevor die Möglichkeiten der Sanktionen nicht vollständig ausgeschöpft sind. Israel muss der Welt, angeführt von den USA, in der Tat die Chance zum Handeln geben.

Doch es ist allgemein bekannt, dass die Iraner gerissen genug sind, um den Weg der Sanktionen zu umgehen. Deshalb müssen wir unsere Augen offen halten und die Art und Geschwindigkeit, mit der die Vereinigten Staaten und die „aufgeklärte Welt“ vorgehen, eingehend prüfen und die militärische Option nicht ad acta legen.

Wenn es sich um eine erklärte existenzielle Bedrohung handelt, dann haben wir die Pflicht uns kopfüber hineinzustürzen.

21 Kommentare

  1. „Ahmadinedschads Rede in der er gesagt haben soll, Israel von der Landkarte tilgen zu wollte, kann in meinen Augen nicht so gemeint gewesen sein.“

    Das wurde nun schon mehrfach wiederlegt, man muss es aber auch zur Kenntnis nehmen:

    „In einem Artikel im Feuilleton dieser Zeitung vom 15. März 2008 verwies Katajun Amirpur darauf, dass die Äußerung, Israel müsse von der Landkarte getilgt werden, vom iranischen Präsidenten Ahmadinedschad so nie gemacht worden sei.

    Vielmehr habe er gemeint, das dortige Besatzerregime müsse Geschichte werden. Dankenswerterweise lieferte Amirpur gleich den persischen Originalsatz mit, der da lautet: „In rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad.“ Der Hauptfehler liege in der Ãœbersetzung des Verbs „mahv shodan“.

    Vielmehr habe er gemeint, das dortige Besatzerregime müsse Geschichte werden. Dankenswerterweise lieferte Amirpur gleich den persischen Originalsatz mit, der da lautet: „In rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad.“ Der Hauptfehler liege in der Ãœbersetzung des Verbs „mahv shodan“.

    In der Tat handelt es sich um ein intransitives Verb, und zwar als Pendant zum transitiven „mahv kardan“, was soviel wie „ausrotten, vernichten, tilgen“ bedeutet. Doch kann „mahv shodan“ auch als Passiv verstanden werden. Konsultiert man ein Wörterbuch Persisch-Deutsch, findet sich als erste Ãœbersetzung von „mahv shodan“ „vernichtet werden“.

    Es ist also wohl eher Haarspalterei, auf gewisse Ãœbersetzungsungenauigkeiten zu verweisen. An Sinn und Zielsetzung des Satzes ändert es wenig.“

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/450/437195/text/

  2. „Das soll natürlich, liebe Hysteriker, die israelische Regierung nicht mit den Taliban gleichstellen, sondern nur verdeutlichen, daß der Wunsch nach der Beseitigung eines herrschenden politischen Systems nicht mit dem Wunsch nach Vernichtung eines Landes gleichzusetzen ist.“

    Dann erzählen Sie uns doch einmal, was denn vernichtet werden soll??? Der Gnom aus dem Iran labert ständig von einem zionistischen Regime, was er vernichten will (an sich schon ein Witz von einem Regime zu sprechen). Im Klartext heißt das, er will den Zionismus vernichten und das Israel darauf beruht, ist die logische Schlußfolgerung, er will Israel vernichten. Denn Israel existiert nur, weil es den Zionismus gibt.

  3. „Die Dummen werden täglich mehr und stündlich lauter.“

    da sprechen sie ein wahres wort, herr Panayotis. was sie Fischinger und koshiro von sich geben, ist nur der gipfel der dumm- und verlogenheit. wäre ein hitler 1940 gestorben, man würde heute auch sagen, er wollte die juden nicht vernichten, wie man heute noch von Ahmadinedschad behauptet, er wolle israel nicht vernichten. dass es bei euch scheinbar erst so weit kommen muss, spricht für eure beschränktheit der möglichkeit eines neues vernichtungskrieges, als wäre das eine neuerscheinung. israel hat keine chance erst einmal abzuwarten, was Ahmadinedschad machen wird, wenn er die a-bombe hat. das lehrt uns juden die geschichte der antisemiten, gerade auch eurer deutschen vorfahren.
    ein diktatorischer typus wie Ahmadinedschaddas muss kein neuer hitler sein, es gab vor ihm genügend antisemiten, die juden lieber tot als lebendig sehen.

    @Olaf

    eine gute analyse. danke dafür, dass sie zeigen, dass es hier noch menschen gibt, die die fähigkeit des denkens besitzen.

  4. @Reinhard Stroh
    Sorry wegen der späten Antwort (wir hatten Wasserrohrbruch). Gegen einen EU-Beitritt Israels hab ich nichts. Mehr oder weniger wird Israel wie ein EU-Mitglied behandelt. Es ist aber Sache der Israelis ob sie es wollen oder nicht.

    NATO: Auch hier gilt oben genanntes. Doch scheint mir ein NATO-Beitritt dringlicher, leichter und schneller erreichbar als die ganze Rechtsakte EU-Beitritt.

    Israel in die NATO, was spricht dafür? Einiges:

    1. Im Verteidigungsfall Israels sitzen die Europäer mit im Boot. Ohne die NATO-Stützpunkte in Europa kann Israel bei einem größeren Konflikt nicht verteidigt werden. Also kann Israel auch Büdnispartner sein und seine Solidarität mit der NATO einbringen.

    2. Ein potentieller Angreifer kann bisher wie folgt kalkulieren: Israel – kleines Land am Mittelmeer. Sein Bündnispartner USA – weit entfernt. Dem wäre dann nicht mehr so.

    3. Verbesserte Außenwirkung. Israel wäre Teil eines Verteidigungsbündnisses und nicht mehr, wie im Ansehen der arabischen Welt, der „militärische Vasall der USA“.

    4. Israel kann und muss sich auf die Bündnispartner verlassen. Dies gilt dann auch bei Raketenbeschuss aus Gaza oder dem Südlibanon.

    5. Israel kann den Grundwehrdienst zeitlich reduzieren und auch beim Verteidigungshaushalt sparen.

    6. Die Verteidigung Israels wäre auf mehrere Schultern verteilt. Die Gefahr, dass Israel von der Landkarte verschwinden könnte, ist nicht gegeben. Die Angst vor einem nächsten Krieg schwindet und somit auch das Angstgefühl vor seinen Nachbarn. Der Kopf wäre frei für neue Ideen, Träume, Utopien.

    7. Die europäischen Regierungen müssen ihre außenpolitischen Ziele klarer definieren und auch manch einem ihrer lieben islamischen Freunde diese Politik vermitteln. Sie sind jetzt direkt für die Sicherheit Israels mitverantwortlich.

    8. Die Amerikaner können sich stärker und freier der Verbesserung ihrer Beziehungen zu den arabischen Ländern widmen. Das bringt auch einen Zugewinn an Sicherheit in Nahost.

    9. Den arabischen Staaten kann man dies als Zugewinn ihrer Sicherheit verkaufen. Eine Entscheidung über Krieg und Frieden wäre dann eine Bündnisentscheidung und nicht eine alleinige Entscheidung Israels.

    10. Auch die Menschen in Europa müssen sich stärker mit der Nahostproblematik befassen, müssen Israel als Partner begreifen lernen und auch lernen für diesen einzustehen.

    Nochmals: Es ist Sache Israels dem Bündnis beizutreten. Manch Sturm- und Drangpolitiker möge bedenken, die NATO ist ein Verteidigungsbündnis und soll es auch bleiben. Ein Mindestmaß an Disziplin wird von jedem Mitglied gefordert. Bei vielen Europäern wird auch noch Überzeugungsarbeit in dieser Sache notwendig sein.

    Viele Grüße

    Olaf

  5. TEHRAN, Iran – Iran’s hard-line President Mahmoud Ahmadinejad on Saturday called the official version of the Sept. 11 attacks a „big lie“ used by the U.S. as an excuse for the war on terror, state media reported.

    http://www.jihadwatch.org/2010/03/thug-in-chief-september-11-was-a-big-lie-and-a-pretext-for-the-war-on-terror-and-a-prelude-to-invadi.html

    http://www.jihadwatch.org/2010/03/thug-in-chief-september-11-was-a-big-lie-and-a-pretext-for-the-war-on-terror-and-a-prelude-to-invadi.html

  6. Es ist herrlich wie ausgerechnet Deutsche Ahmadinedschad Agitationen schön reden. Vielleicht sind manche ja erst wirklich zufrieden, wenn Israel seitens Iran ausgelöscht wird. Was habt ihr eigentlich gelernt? Niente!

  7. Also diese andauernden Hitler-Vergleiche dienen nur dazu, Hitler an den Tisch der Menschlichen zurückzuholen. Denn wenn es soviele Hitler seither gegeben hat, die sicher alle zwar ungewöhnlich, sicher auch unangenehm, sind und waren, dann kann ja auch DER Hitler nicht soo ausserhalb alles Denkbaren gestanden haben.

    Es leiert auch ziemlich aus, das Hitler Antisemitismus Warngeschrei. Hilfe, Hilfe, wir schreben das Jahr 1934, nein es ist noch viel schlimmer, es ist 1939, APPEASEMENT, APPEASEMENT, oh wir haben schon 1942, Hurra wir kapitulieren. Ich komme mir manchmal vor wie in einer Irrenanstalt. Aber sicher Herr Einstein, ich bin ganz ihrer Meinung. Und das 2010.

    Obwohl, so langsam mache ich mir auch Sorgen. Die Dummen werden täglich mehr und stündlich lauter.

  8. Wenn ich vor Jahren sagte, daß das Taliban-Regime vernichtet werden muß, dann meinte ich damit auch nicht, daß Afghanistan als Staat aufhören muß zu existieren und erst recht nicht, daß seine Bevölkerung vertrieben oder ausgelöscht werden soll.

    Das soll natürlich, liebe Hysteriker, die israelische Regierung nicht mit den Taliban gleichstellen, sondern nur verdeutlichen, daß der Wunsch nach der Beseitigung eines herrschenden politischen Systems nicht mit dem Wunsch nach Vernichtung eines Landes gleichzusetzen ist.

    Ahmadinedschad ist kaum jemand, bei dem mir als erstes Worte wie „sympathisch“ oder „vernünftig“ in den Sinn kämen. Aber ein neuer Hitler ist er genau so wenig wie Saddam Hussein (der letzte „neue Hitler“ in der Gegend) es war.

  9. @ Reinhard:
    salam bedeutet exakt das selbe wie schalom. Daher würde ich den Friedensbegriff nicht gerne unterschieden haben.
    Sonst: „Goldenes Geschenk“, UN-Resolution 242, Grüne Linie: „… dann braucht man sich keine Sorgen mehr zu machen um Raketenreichweiten.“ Das glaube ich fest.

  10. Noch einmal:

    „In der Tat handelt es sich um ein intransitives Verb, und zwar als Pendant zum transitiven “mahv kardan”, was soviel wie “ausrotten, vernichten, tilgen” bedeutet. Doch kann “mahv shodan” auch als Passiv verstanden werden. Konsultiert man ein Wörterbuch Persisch-Deutsch, findet sich als erste Ãœbersetzung von “mahv shodan” “vernichtet werden”.

    Es ist also wohl eher Haarspalterei, auf gewisse Übersetzungsungenauigkeiten zu verweisen. An Sinn und Zielsetzung des Satzes ändert es wenig.”

    Wer nach den wiederholten Äußerungen Ahmadinedschads immer noch meint, er meine es ganz anders, dem ich nicht zu helfen. Vom Schönreden wurde noch nie etwas besser.

  11. @Olaf: Ob ein NATO-Beitritt hilfreich ist, weiß ich nicht. Aber, wie wär’s mit einem EU-Beitritt (Die Türkei strebt ihn ja auch an). Immerhinn ist Israel Stammgast beim Eurovisions Song-Contest.

    @Martin: Unabhängig von Ãœbersetzungsproblemen sollten wir uns bewusst sein, dass der islamische Begriff „Friede“ eine Aussage über politische Herrschaft ist: Wo der Islam herrscht, ist Friede. Alles andere ist nur eine Art Waffenstillstand. Den Begriff „Friede“ als „gewaltfreie Ko-Existenz“ ist unserer, aber nicht deren. Vielleicht erklärt sich dadurch auch die Absurdität, dass trotz z.B. der Räumung des Gaza-Streifens von dort Israel immer noch mit Raketen beschossen wird. „Land gegen Frieden“ hat also nichts gebracht. Wieso wird dieses Thema nicht beleuchtet und stattdessen die Posse mit der Kritik der Siedlungspolitik weitergespielt? Warum nicht „Kein Raketenbeschuss“ gegen „Frieden“?
    Haben die so genannten „Palästinenser“ den Staat Israel eigentlich schon völkerrechtlich verbindlich (auch in arabischer Sprache!) anerkannt?
    Ich fürchte, dass das Ziel der Ausradierung Israels weniger vom Tisch ist, als wir annehmen. Weder bei Achmadinetschad noch bei irgendeinem anderen Vertreter der arabischen Liga. Nicht von ungefähr gibt es eine unheilige Allianz europäischer Nazis (schon damals in den 1930-er Jahren) und islamischen Fundamentalisten. Und das Ziel ist heute wie damals das selbe. Bitte aufwachen!

  12. @Martin
    Wenn man anfängt zu glauben wird es selten einfacher. Weder der Mahdi-Kult noch das Persisch-Deutsch Lexikon kann darüber hinwegtäuschen, dass sich Ahmadinetschad immerhin im Einklang mit den UN befindet, wenn er ein „illegales Besatzerregime“ in Jerusalem anspricht.

    Glauben macht es nicht einfacher – der Bezug auf Jerusalem ist, wie auch von Ihnen dargelegt, reine Interpretation.
    Und bezüglich UN? Möchten Sie darauf jetzt hören, dass sich Israel (und andere) im Einklang mit den UN befinden, wenn sie weiterhin bestehende Bewaffnung der Hisbollah für illegal halten?
    Die UN progagieren wohl kaum die Vernichtung Israels und gegen Israel gerichtete Atomwaffen sind vielleicht auch nicht gerade im Interesse seiner arabischen Bewohner, der Palästinenser, Libanesen, weiterer Nachbarn – wieweit auch immer die Strahlung reicht.

    Die Ästhetik bei der Politik Ahmadinedschads habe ich noch nicht entdeckt.
    In dem Sinne – Merci chubasti.

  13. Wenn man anfängt zu glauben wird es selten einfacher. Weder der Mahdi-Kult noch das Persisch-Deutsch Lexikon kann darüber hinwegtäuschen, dass sich Ahmadinetschad immerhin im Einklang mit den UN befindet, wenn er ein „illegales Besatzerregime“ in Jerusalem anspricht. Natürlich sind Schlagzeilen wie: „Israel vernichten“ wohlfeiler sowohl für Zeitungen, als auch für Scharfmacher in Israel und USA. Ich wäre gerne noch ein wenig bei meinen Überlegungen, insbesondere beim zweiten Teil geblieben:

    Ich denke Ahmadinedschad spielt Schach mit dem Westen, und zwar persisch, nämlich höflich und mit einer großen ästhetischen Komponente. Leider spielt der Westen schlecht und womöglich unästhetisch, auf jeden Fall furchtbar unhöflich.
    Schwierig zu fordern, aber vielleicht kann der Iran irgendwann von allen Beteiligten neu bewertet werden, er hätte meines Erachtens, und dabei befinde ich mich in der ausgezeichneten Gesellschaft Peter Scholl-Latours, das Zeug zur regionalen Ordnungsmacht, bis hinein sowohl nach Pakistan, Irak und Afghanistan als auch ins Westjordanland und ganz besonders bis nach Gaza.

  14. @ Martin
    Politisch gewollt, oder aus unzureichender Englischkenntnis, welche im Iran durchweg häufig anzutreffen ist, liegt der Fehler beim Iranischen Rundfunk.

    „Politisch gewollt“ drückt ja schon aus, das das übersetzt wurde, was gesagt werden sollte…
    „wegen unzureichender Englischkenntnisse“ die ja nicht nur im Iran anzutreffen sind – aber meinen Sie wirklich, es ließe sich im Iran oder auch nur in Teheran kein Ãœbersetzer auftreiben, der eine Ansprache des Präsidenten richtig übersetzen kann?

    Mich hat bei den Hinweisen auf die angeblich falsche Ãœbersetzung immer stutzig gemacht, dass dieser Hinweis nur aus einer Quelle kommt, obwohl es mit Sicherheit weitere persische Sprachwissenschaftler oder zumindest Personen mit entsprechender Kenntnis beider Sprachen gibt.

  15. Ahmadinejad’s neue Tiraden gegen Israel: Alles richtig übersetzt? Ein Schlüsselsatz aus der Rede Ahmadinejads während seines Besuchs in Damaskus handelt wieder einmal von der Auslöschung Israels. Bei der Jerusalem Post liest sich das so:

    He said that “if the Zionist regime wants to repeat its past mistakes, this will constitute its demise and annihilation.”

    In der Formulierung von YNET lautet der Satz ähnlich:

    “If the Zionists want to repeat their mistake again, they must be uprooted from the source”

    Letztere ist die bessere Ãœbersetzung, aber beide treffen den Sinn. Im Original[1] lautet der inkriminierte Satz:

    http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2010/9143/goettliches-versprechen/

  16. „Ahmadinedschads Rede in der er gesagt haben soll, Israel von der Landkarte tilgen zu wollte, kann in meinen Augen nicht so gemeint gewesen sein.“

    Das wurde nun schon mehrfach wiederlegt, man muss es aber auch zur Kenntnis nehmen:

    „In einem Artikel im Feuilleton dieser Zeitung vom 15. März 2008 verwies Katajun Amirpur darauf, dass die Äußerung, Israel müsse von der Landkarte getilgt werden, vom iranischen Präsidenten Ahmadinedschad so nie gemacht worden sei.

    Vielmehr habe er gemeint, das dortige Besatzerregime müsse Geschichte werden. Dankenswerterweise lieferte Amirpur gleich den persischen Originalsatz mit, der da lautet: „In rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad.“ Der Hauptfehler liege in der Ãœbersetzung des Verbs „mahv shodan“.

    Vielmehr habe er gemeint, das dortige Besatzerregime müsse Geschichte werden. Dankenswerterweise lieferte Amirpur gleich den persischen Originalsatz mit, der da lautet: „In rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad.“ Der Hauptfehler liege in der Ãœbersetzung des Verbs „mahv shodan“.

    In der Tat handelt es sich um ein intransitives Verb, und zwar als Pendant zum transitiven „mahv kardan“, was soviel wie „ausrotten, vernichten, tilgen“ bedeutet. Doch kann „mahv shodan“ auch als Passiv verstanden werden. Konsultiert man ein Wörterbuch Persisch-Deutsch, findet sich als erste Ãœbersetzung von „mahv shodan“ „vernichtet werden“.

    Es ist also wohl eher Haarspalterei, auf gewisse Ãœbersetzungsungenauigkeiten zu verweisen. An Sinn und Zielsetzung des Satzes ändert es wenig.“

    Leider wird der Link wieder einmal nicht akzeptiert.

    Süddeutsche: Umstrittene Aussage Ahmadinedschads Agitator des letzten Kampfes

    26.03.2008

    Kann man sicher googeln. Ich finde es aber nicht sehr hilfreich, seine ständig wiederholten Aussagen, er will Israel vernichten mit angeblichen Übersetzungsfehlern zu relativieren.

  17. „Ahmadinedschads Rede in der er gesagt haben soll, Israel von der Landkarte tilgen zu wollte, kann in meinen Augen nicht so gemeint gewesen sein.“

    Das wurde nun schon mehrfach wiederlegt, man muss es aber auch zur Kenntnis nehmen:

    „In einem Artikel im Feuilleton dieser Zeitung vom 15. März 2008 verwies Katajun Amirpur darauf, dass die Äußerung, Israel müsse von der Landkarte getilgt werden, vom iranischen Präsidenten Ahmadinedschad so nie gemacht worden sei.

    Vielmehr habe er gemeint, das dortige Besatzerregime müsse Geschichte werden. Dankenswerterweise lieferte Amirpur gleich den persischen Originalsatz mit, der da lautet: „In rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad.“ Der Hauptfehler liege in der Ãœbersetzung des Verbs „mahv shodan“.

    Vielmehr habe er gemeint, das dortige Besatzerregime müsse Geschichte werden. Dankenswerterweise lieferte Amirpur gleich den persischen Originalsatz mit, der da lautet: „In rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad.“ Der Hauptfehler liege in der Ãœbersetzung des Verbs „mahv shodan“.

    In der Tat handelt es sich um ein intransitives Verb, und zwar als Pendant zum transitiven „mahv kardan“, was soviel wie „ausrotten, vernichten, tilgen“ bedeutet. Doch kann „mahv shodan“ auch als Passiv verstanden werden. Konsultiert man ein Wörterbuch Persisch-Deutsch, findet sich als erste Ãœbersetzung von „mahv shodan“ „vernichtet werden“.

    Es ist also wohl eher Haarspalterei, auf gewisse Ãœbersetzungsungenauigkeiten zu verweisen. An Sinn und Zielsetzung des Satzes ändert es wenig.“

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/450/437195/text/

    Ahmadinejad’s neue Tiraden gegen Israel: Alles richtig übersetzt? Ein Schlüsselsatz aus der Rede Ahmadinejads während seines Besuchs in Damaskus handelt wieder einmal von der Auslöschung Israels. Bei der Jerusalem Post liest sich das so:

    He said that “if the Zionist regime wants to repeat its past mistakes, this will constitute its demise and annihilation.”

    In der Formulierung von YNET lautet der Satz ähnlich:

    “If the Zionists want to repeat their mistake again, they must be uprooted from the source”

    Letztere ist die bessere Ãœbersetzung, aber beide treffen den Sinn. Im Original[1] lautet der inkriminierte Satz:

    http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2010/9143/goettliches-versprechen/

  18. Ahmadinedschads Rede in der er gesagt haben soll, Israel von der Landkarte tilgen zu wollte, kann in meinen Augen nicht so gemeint gewesen sein. Ich kann das natürlich nicht beurteilen, aber ich habe den genauen Wortlaut gefunden, zumindest den Satz: „In rezhim-e eshghalgar bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad.“ – Das bedeutet laut Katajun Amirpur von der Süddeutschen Zeitung: „Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte [wörtlich: Zeiten] verschwinden.“ Oder, weniger blumig ausgedrückt: „Das Besatzerregime muss Geschichte werden.“ Das sei meines Erachtens keine Aufforderung zum Vernichtungskrieg gegen Israel, sondern die Aufforderung, die Besatzung Jerusalems zu beenden. – Was war mit diesem Satz passiert? Am 26. 10. 2005 ausgesprochen, zugegeben auf einer Konferenz unter dem Motto „Die Welt ohne Zionismus“, an sich schon eine Zumutung für den westlichen Rest der Welt, lieferten die großen westlichen Nachrichtenagenturen Ãœbersetzungen dieser Passage.
    AFP: „Israel von der Landkarte radieren“,
    AP, Reutters: „Israel von der Landkarte tilgen“,
    DPA: „Israel ausrotten“ etc..
    Warum? In Wikipedia ist dazu Folgendes erläutert: …. die Ãœbersetzung Ahmadinedschads „von der Landkarte gefegt“ [wiped off the map], wurde von einer Sprachwissenschaftlerin als ungenaue Ãœbersetzung kritisiert, obwohl die Ãœbersetzung vom staatlichen iranischen Rundfunk stammte. Die von ihr korrigierte Ãœbersetzung lautet „das Regime, das Jerusalem besetzt hält, muss Geschichte werden“. Politisch gewollt, oder aus unzureichender Englischkenntnis, welche im Iran durchweg häufig anzutreffen ist, liegt der Fehler beim Iranischen Rundfunk.
    Die Holocaustleugnungen Ahmadinedschads datieren meiner Kenntnis nach ausschließlich zwischen 2005 und 2006, das ist lange genug, und dokumentieren einerseits seinen mangelnden Respekt vor der UNO, aber auch andererseits seine Lernfähigkeit.
    Ich denke Ahmadinedschad spielt Schach mit dem Westen, und zwar persisch, nämlich höflich und mit einer großen ästhetischen Komponente. Leider spielt der Westen schlecht und womöglich unästhetisch, auf jeden Fall furchtbar unhöflich.
    Schwierig zu fordern, aber vielleicht kann der Iran irgendwann von allen Beteiligten neu bewertet werden, er hätte meines Erachtens, und dabei befinde ich mich in der ausgezeichneten Gesellschaft Peter Scholl-Latours, das Zeug zur regionalen Ordnungsmacht, bis hinein sowohl nach Pakistan, Irak und Afghanistan als auch ins Westjordanland und ganz besonders bis nach Gaza.

  19. Bei aller Sorge in Israel über eine mögliche atomare Bewaffnung des Irans wünscht die USA und auch die westliche Staatengemeinschaft momentan keinen militärischen Alleingang Israels. Die ausgesprochene Schutzgarantie der USA für Israel war eindeutig.

    Bitte sehen sie dies nicht als Kränkung von Selbstwertgefühl an. Der Westen ist mit Afghanistan und Irak mehr als beschäftigt. Ein militärischer Schlag gegen den Iran bedeutet unter Umständen eine Front mehr oder gleich einen Flächenbrand. Dies kann auch nicht im Sinne der Sicherheit Israels sein.

    Ahmadinejad wünscht sich nichts mehr als einen gezielten militärischen Schlag gegen sein Land. Soetwas schweißt die Nation zusammen und stabilisiert das Regime. Wir wünschen uns aber das Gegenteil. Es ist also eine Frage des Timings und des Umgangs mit dem Iran um zu einem Systemwechsel zu gelangen.

    Allerdings ist die existenzielle Bedrohung dann gegeben, wenn der Iran seine Bombe testet. Dann ist ein Schlag unvermeidlich.

    Israel sollte sich Gedanken über einen NATO-Beitritt machen!

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