Lern- und Gedenkort Jawne in Fortbestand bedroht

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Eine typisch deutsche Geschichte. Durch ehrenamtliche Arbeit und Spenden finanziert hat sich in Köln der Lern- und Gedenkort Jawne etabliert und bietet regelmäßig Veranstaltungen, Ausstellungen, wertvolle Bildngsarbeit. Ab 2010 sieht es allerdings schwierig aus und der Ort ist in seinem Fortbestand akut bedroht. Die Allianz Versicherung, der die Räumlichkeiten gehören, die bisher kostenlos zur Verfügung gestellt werden, hat sich das nun anders überlegt und möchte in Zukunft 1400 Euro monatlich kassieren. Diese Summe kann der ehrenamtlich arbeitende Arbeitskreis nicht aufbringen…

Zahlreiche Appelle an die Allianz, den Gedenkort am historishen Ort zu erhalten – an diesem Ort zerstörten die Deutschen im Nationalsozialismus das jüdische Gymnasium, dass dort von 1919 – 1942 stand – sind bisher ohne Erfolg geblieben. Ein vorgeschlagener Kompromiss von 50 % Erlass im Jahr 2010 und 25 % im darauffolgenden, hilft der Initiative nicht weiter.

Gerade eben, im Dezember 2009, hat der Lern- und Gedenkort Jawne den Bilz-Preis 2009 der Kölner Bilz-Stiftung erhalten. Damit werden gemeinnützige Initiativen ausgezeichnet, die sich
der Völkerverständigung widmen, sich für politisch, rassistisch oder religiös Verfolgte einsetzen, oder sich gegen die Diskriminierung von Minderheiten wehren. Die Laudatio (die wir weiter unten dokumentieren) hielt Abraham Lehrer, Direktoriumsmitglied des Zentralrats der Juden und Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde Köln.

Fritz Bilz, der die Bilz-Stiftung ins Leben gerufen hat, betonte in seiner Rede, dass die „Verleihung des Bilz-Preises an diesen Arbeitskreis (..) eine Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit, aber auch eine öffentliche Unterstützung im Kampf für eine dauerhafte Sicherung und Erhaltung der Gedenkstätte an diesem Ort und in den Räumen“ sein soll. Die Allianz sei nicht aus ihrer Verantwortung entlassen, aus der bisherigen Nutzung eine dauerhafte kostenfreie werden zu lassen, „eine Verantwortung, der sich die Allianz aufgrund ihrer Verstrickung in das NS System nicht einfach durch eine nur bis Ende 2010 befristete kostenlose Überlassung der Räume entledigen kann.“

Wie weit die Allianz in der NS-Zeit von der Ausplünderung jüdischen Besitzes profitiert hat, zeigte Fritz Bilz anhand von drei Punkten auf: Am Verhalten der Allianz nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938, an der Versicherung von Nazieinrichtungen und am Verhalten der Allianz nach 1945 bzgl. der Versicherungspolicen von Juden. Abschließend appellierte er an die Allianz, den Gedenkort „auf Dauer vertraglich und für die Betreiber kostenfrei als Gedenkort zu erhalten und sicherzustellen, dass auch in Zukunft diese Gedenkstätte durch jährliche Verhandlungen über Mietkosten nicht in Frage gestellt wird. (…) Das ist die Allianz aufgrund ihrer Verstrickungen aber auch in Erinnerung an die Jawne den Überlebenden schuldig.“

Für Unterstützung mit dem Lern- und Gedenkort Jawne dabei, die Kündigung durch die Allianz abzuwenden:
Nehmen Sie direkt Kontakt mit der Allianz auf. Schreiben Sie an Michael Diekmann, den Chef der Allianz SE (Königinstraße 28, 80802 München; michael.diekmann(at)allianz.com)

Arbeitskreis Lern- und Gedenkort Jawne
Erich-Klibansky-Platz
Albertusstr. 26
50667 Köln
Öffnungszeiten: Dienstags und donnerstags 11.30-14.00 Uhr, sonntags 12.00-16.00 Uhr

–> www.jawne.de
–> Bilz-Stiftung
–> Grußwort der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Stadtverband Köln, zur Jawne Ausstellungseröffnung „Die Kinder auf dem Schulhof nebenan“

Laudatio für den Bilz Preis 2009 an den AK Lern- und Gedenkort JAWNE im Verein EL-DE-Haus Köln e.V. von Abraham Lehrer
Köln, 09.12.2009

„Dem AK Lern- und Gedenkort JAWNE im Verein EL-DE-Haus Köln e.V. gratuliere ich recht herzlich. Er ist ein würdiger Preisträger und darf stolz sein, sich in eine Reihe zu stellen mit ausgezeichneten Vorgängern.

Die Geschichte der JAWNE und die Erinnerung an sie wird Mitte der 80-iger Jahre des letzten Jahrhunderts in Köln durch zwei Menschen bekannt gemacht: Irene und Dieter Corbach. Frau Corbach trifft auf Henry Gruen, der ihr von seinem Vater, dem letzten Kantor in der Synagogen-Gemeinde Ehrenfeld, erzählt. Sie erfährt von ihm, dass die Handelsschule in der Lützowstraße, die sie besucht hat, bis zur Shoa eine jüdische Grundschule war. Das Ehepaar Corbach beginnt die jüdische Geschichte Kölns vor 1933 zu recherchieren und stößt dabei auf die höhere Schule JAWNE. Sie erreichen bereits in den ersten Jahren ihrer Spurensuche wesentliche Erfolge: Gedenksteine und Gedenkplaketten werden auf ihre Initiative hin innerhalb und außerhalb Kölns angebracht. 1990 erreichen sie einen ersten wesentlichen Höhepunkt. Im Rathaus zu Köln wird eine von Ihnen konzipierte Ausstellung über die Geschichte der JAWNE und ihres letzten Direktors Dr. Erich Klibansky gezeigt. In vielen Schriften und Büchern dokumentieren sie ihre äußerst erfolgreichen Forschungsarbeiten. Aber auch bei der Zusammenführung von Jugendfreunden, die Deutschland verlassen konnten, oder Überlebenden der Shoa sind sie behilflich und entwickeln zu diesen Personen innige Freundschaften. Sie erreichen durch stetiges Engagement, dass der ehemalige Schulhof der JAWNE in Klibansky Platz benannt wird und auf ihm ein Mahnmal, der Löwenbrunnen installiert wird. Er trägt die 1100 Namen der verschleppten und ermordeten jüdischen Kinder Kölns und wurde vom ehemaligen JAWNE-Schüler Hermann Gurfinkel gestaltet.

Nach dem Tod von Ehemann Dieter führt Irene Corbach das Unternehmen JAWNE weiter. Im Jahr 2003 findet die Ausstellung eine neue Heimat in diesen Räumen der Allianz und wird auf Vorschlag von Juden in Israel, den U.S.A, England und Deutschland mit dem „Obermayer German Jewish History Award“ ausgezeichnet. Kurz vor ihrem Tod bittet Irene Corbach Tochter Almuth und Freundin Hannelore Göttling-Jakoby, eine ehemalige JAWNE-Schülerin, das Lebenswerk der Corbachs weiter zu führen, um die Erinnerung an die JAWNE wach zu halten und sie an kommende Generationen weiter zu geben. Tochter Almuth versammelt Interessierte bzw. Gleichgesinnte und gemeinsam wird zu Ende des Jahres 2005 der AK Lern- und Gedenkort JAWNE gegründet.

Wir verstehen nun allzu gut, welch wesentliche, ja besser fundamentale Rolle das Ehepaar Corbach für die Entstehung unseres Preisträgers hatte. Aber die Gründungsmütter und Gründungsväter haben nicht nur eine Form für ihr Anliegen gewählt, sondern mit der Namensgebung einen wunderbaren Gedanken festgeschrieben. Es handelt sich nicht nur um einen Gedenkort, ein Mahnmal an die Shoa, sondern es soll ein Platz des Lernens sein, Lernen der eigenen Geschichte und vor allem Lernen aus der eigenen Geschichte. Diese beiden Ansätze zu verbinden und zu verschmelzen war von Anfang an das erklärte Ziel des neuen AK. Die ersten Mitglieder – zehn an der Zahl – machten und machen ehrenamtlich eine hervorragende und überzeugende Arbeit, so dass die Gruppe auf heute 15 Personen anwuchs, die sich allesamt aktiv an und in den Projekten der Arbeitsgruppe beteiligen.

Verehrte Anwesende, der Bilz Preis 2009 wird heute an einen Arbeitskreis verliehen. In meinen Augen eine ungewöhnliche Situation. Personen oder Organisationen sind in der Regel Träger von Auszeichnungen. Ein AK ist ein formloser Zusammenschluss von Menschen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Die Vereinigung hat diese Rechtsform, nämlich keine juristische Rechtsform für ihre Arbeit gewählt. Bei beiden großen christlichen Kirchen existieren Arbeitskreise oder Arbeitsgemeinschaften für den christlich – jüdischen Dialog. In diesen kommen Christen und Juden zusammen, um die Verständigung zwischen den Konfessionen zu erweitern und die Gemeinsamkeiten der Religionen hervorzuheben. Dies ist die Absicht der beteiligten Akteure. Sie könnten dies auch im Rahmen eines nicht eingetragenen Vereins machen. Aber diese Form war zu Beginn unseres AK als zu aufwendig oder nicht notwendig empfunden worden. Dies belegt, dass solche Formalien den Mitgliedern des AK zweitrangig waren. Erst später, als es für die weitere Arbeit wesentlich wurde, trat man dem Verein EL-DE-Haus bei.

Das Erinnern an die JAWNE, an ihre traurige Funktion während der Shoa, jüdische Kinder und Jugendliche nicht nur aus dem Großraum Köln, sondern auch aus weiter entfernten Regionen zusammen zu ziehen und zu sammeln, sie für die Deportation vorzubereiten und der von den NAZIs gewünschten Endlösung zu zuführen. Ich darf Ihnen, verehrte Anwesende, exemplarisch hierfür einen Teil des Schicksals meiner Schwiegermutter Inge Kahn, geb. Hein schildern. Sie kommt im September 1939 aus Cochem nach Köln, wohnt gemeinsam mit Waisenkindern, aber vor allem mit Kindern, deren Eltern bereits deportiert wurden, im Abraham Frank Haus auf der Aachenerstraße und besucht die Schule in der Löwengasse. Sie soll die 5. Klasse besuchen, muss jedoch einiges nachlernen, um den Stand der Klasse zu erreichen. Zum Zeitpunkt ihrer Einschulung durfte sie keine Schule mehr besuchen. Später kommt sie auch in die Lützowstraße oder in das Haus der Loge in der Cäcilienstraße. Sie kannte das selige Fräulein Therese Wallach und die selige Frau Fränkel, von den Kindern despektierlich der Gorilla genannt. Ihr Klassenlehrer war eine Zeit lang der Onkel von dem uns allen bekannten Ernst Simons, s.A., der den Spitznamen Schimmela trug. Als einzige Schule existiert zum Schluss nur noch die JAWNE in der St. Apern Straße, in der die noch lebenden Schüler etwa bis Pessach oder Ostern 1942 unterrichtet werden. Sie landet letztlich in Theresienstadt und erfährt das Wunder des Überlebens.

Solche und ähnliche Schicksale gab es reichlich. Der AK hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Geschichten von jungen jüdischen Menschen aus Köln darzustellen. Die Mitglieder haben diese Anforderung vorbildlich umgesetzt. Die Dauerausstellung ist der beste Beweis hierfür. Die erste Dauerausstellung ist von Dieter Corbach gestaltet worden und hat ihre Besucher beeindruckt. Sie wurde zwischenzeitlich von den Aktiven des AK den heutigen Anforderungen angepasst bzw. neu gestaltet. Auch die wechselnden Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen haben immer den Bezug zur JAWNE und ihrer Geschichte. Es zeichnet die Arbeitsgruppe aus, dass sie den Besuchern nicht nur den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 anbietet, sondern auch die Zeit vor 1933 präsentiert. Einen Eindruck von jüdischem Leben in Köln zu gewinnen kann und darf sich nicht nur an der Periode der NAZIs orientieren, sondern es muss auch die Blüte vorher offenbart werden. Wer die gute und die schlechte Ära kennt, kann die Geschichte des Nationalsozialismus erst richtig einordnen. Allen Gästen in diesen Räumen wird dies deutlich und bewusst. Dies ist vor allem bei den zahlreichen Schulklassen enorm wichtig, aber auch effizient. Schülern wird das Schicksal von Schülern vor Augen geführt. Dies ist beeindruckend und bleibt nachhaltig in den Köpfen der jungen Menschen erhalten.

Ein großes Mahnmal in Berlin, Gedenkplaketten an Häusern oder Stolpersteine auf unseren Bürgersteigen sind gute und sinnvolle Instrumente dem Vergessen entgegen zu wirken. Aber sie sind kein Vergleich zu dem Aufzeigen einzelner Schicksale von Menschen, die in meiner Stadt, in meinem Viertel oder meiner Nachbarschaft gewohnt haben. Die vom AK gewählte Form des Erinnerns ist ein wesentlicher Teil des Kampfes gegen das Vergessen und gegen den Gedanken „es ist genug“. Wenn wir wirklich erreichen wollen, dass die Maxime „nie wieder“ auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten Bestand hat, müssen wir nach geeigneten und wahrscheinlich neuen Methoden suchen. Der AK Lern- und Gedenkort JAWNE wendet mit Sicherheit ein brauchbares Verfahren an.

Das BVG hat vor drei Wochen ein Urteil gefällt, dass im Hinblick auf die sogenannten Unbelehrbaren, aber auch auf die Verführung junger Menschen durch die Rechte große Bedeutung hat. Es geht um die Aufmärsche am Todestag von Rudolf Heß in der Stadt Wunsiedel. Die ausgesprochenen Verbote wurden als rechtmäßig eingestuft. Es hat die Einschränkung der Meinungsfreiheit gestattet, der Toleranz werden in dieser Hinsicht engere Grenzen gesetzt. Für mich hat es unsere Staatsraison „nie wieder“ bestätigt und klar gemacht, dass die Geschichte Deutschlands auch heute eine hohe Bedeutung besitzt. Die Anhänger und Verherrlicher der NAZI-Zeit können nicht das Grundgesetz in Anspruch nehmen, um ihre Ziele zu verfolgen. Dies ist ein Meilenstein in der Rechtsprechung des BVG. Das Urteil wird uns allen helfen, sich den braunen Machenschaften leichter entgegen zu stellen und sich effektiver zur Wehr zu setzen. Der AK macht dies mit seinen Mitteln bereits seit seiner Existenz

Seit einigen Monaten muss der AK sich mit der völlig unnötigen Problematik eines neuen Mietvertrages für diese Räume auseinandersetzen. G’tt sei Dank hat die Öffentlichkeit auf das Ansinnen der Allianz reagiert und eine breite Unterstützung für den JAWNE-Kreis aufgebaut. Die Allianz ist ein Weltkonzern, ein „global player“, der es nicht nötig hat, diese hervorragende Arbeit aufs Spiel zu setzen. Daher hat die SGK sich mit einem Schreiben an die Allianz gewandt und eine Umkehr des Mietangebotes gefordert. Eine Antwort hierauf ist bereits angekündigt. Es ist mir völlig schleierhaft, was die Beweggründe der Allianz sind. Hängt der Erfolg bzw. Gewinn der Allianz von den Einnahmen aus diesem Mietobjekt ab? Kann aus der Weiterführung des alten Mietvertrages nicht so Nutzen gezogen werden, wie aus der Fußball-Arena in München? Die Allianz hat ihre Geschichte und Rolle im dritten Reich aufarbeiten lassen. Es existieren zahlreiche Schriften und Arbeiten von Historikern, die das Handeln und die Beteiligung des Unternehmens offenbaren. Die neue Allianz nach 1945 hat sich zu all dem bekannt, es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ist bereit die Verantwortung hierfür zu tragen, so wird immer wieder von ihr betont. Dies ist ein Bekenntnis der Allianz. Wo bleibt die Tat, die diesem Bekenntnis folgen muss? Ein direkter Bezug von der Allianz zur JAWNE ist mir nicht bekannt. Aber dennoch passt dieses Handeln der Allianz nicht zu dem Bekenntnis. Fünf fast sechs Jahre lang hat der Konzern kein Problem gesehen, die Miete alleine zu tragen. Nun wird die Beteiligung aller gesellschaftlich relevanten Gruppen eingefordert. Warum? Bisher habe ich immer angeführt, dass die Allianz zwischen 1933 und 1945 braune Flecken hatte, aber die neue Allianz sich ihrer Verantwortung bewusst ist. Die Mietübernahme kommt nicht einer einzelnen Person zu Gute, also keine Wiedergutmachung im klassischen Sinne, sondern der Bildungsarbeit in der Stadt Köln. Diese Tat hat die neue Haltung der Allianz dokumentiert. Es hat sie ausgezeichnet, dass sie eben nicht nur das große Mahnmal in Berlin oder eine vergleichbare Einrichtung unterstützt hat, sondern auch das kleine Museum für die JAWNE in Köln. Ich appelliere an die Verantwortlichen der Allianz, ihr Angebot – ein weiteres Jahr Mietfreiheit – auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Sie werden damit dieser Einrichtung, dieser Stadt und auch dem Allianz-Konzern einen großen Dienst erweisen. Publizität hat der AK Lern- und Gedenkort JAWNE durch diese Geschichte bereits zur Genüge erhalten!

Anerkennung erfuhr unser Preisträger im Jahr 2008 durch den „Preis für ein ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen Engagements“ durch das „Bündnis für Demokratie und Toleranz“. In diesem Jahr verlieh die „Bundesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung“ den „Preis für Kooperation zwischen Kultur und Schule“. Einem Entsprechen meiner Forderung nach Mietfreiheit würde ich als weiteren Preis für den AK JAWNE verbuchen. Es wäre eine Anerkennung der Arbeit oder die Verleihung einer finanziellen Medaille – verliehen durch die Allianz!

Heute kommt eine weitere Ehrung hinzu. Von der Bilz-Stiftung. Meine Damen und Herren, ich kannte bis vor wenigen Wochen den Namen der Stiftung durch Presseberichte über Verleihungen aus den Vorjahren. Aber den Hintergrund und das Entstehen der Stiftung waren mir vollkommen unbekannt. Diese Geschichte allein hätte einen Preis verdient. Lassen sie mich bitte die Entstehung mit wenigen Sätzen skizzieren. Die Eltern von Fritz Bilz gehörten der Arbeiterbewegung an und Vater Bilz saß wegen zu offensichtlicher Unterstützung dieser mehrere Monate in Gestapohaft. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Kölner ÖTV. Nach dem Tod beider Elternteile erbt Fritz Bilz überraschend einen großen Geldbetrag, den seine Frau und er in eine Stiftung, die Bilz-Stiftung geben. Diese fördert die Völkerverständigung, Projekte gegen Diskriminierung und die Unterstützung von rassisch oder politisch Verfolgten. Sehr geehrte Frau Bilz und sehr geehrter Herr Bilz, diese ihre Einstellung hat meine Hochachtung. Die Preisträger, die sie erkoren haben, und die Projekte, die sie ermöglicht haben, sind „vom Feinsten“.

Zurück zu unserem heutigen Preisträger. Die JAWNE-Gedenkstätte ist ein Treffpunkt für die wenigen überlebenden JAWNE-Schülerinnen und JAWNE-Schüler. Heute ist ihre Bedeutung für die Nachfahren der Verstorbenen zunehmend wichtig. Sie fungiert als Anlaufstation für diesen Personenkreis. Die Freundschaften, die Irene und Dieter Corbach zu den Überlebenden der Shoa weltweit aufgebaut und entwickelt haben, bestehen heute zwischen deren Nachkommen und den Mitgliedern des AK. Die Beziehungen reichen auf alle Kontinente. Auch diesen Teil des Engagements der AK-Mitglieder dürfen wir nicht außer Acht lassen. Für das Bild Deutschlands und Kölns im Ausland ist das Verhalten und Handeln des AK wichtig. Er ist ein vorbildlicher Botschafter und Werbeträger für unsere Stadt.

Mir ist bewusst, dass ich oft – vielleicht zu oft vom AK spreche, aber sich Menschen aus Fleisch und Blut dahinter befinden. Wir werden sie jetzt hier alle gemeinsam auftreten sehen, wenn sie den Preis der Bilz-Stiftung in Empfang nehmen werden.

Ich darf Frau und Herrn Bilz, sowie alle Mitglieder des AK Lern- und Gedenkort JAWNE im Verein EL-DE-Haus Köln e.V. zur Verlesung der Verleihformel und zur Übergabe des Preises nach vorne bitten.“

6 Kommentare

  1. stimmt friedhelm aber wenn du diese dazu aufforderst oder bittest kommt der unangeneme teil köln´s hervor : DER KLÜNGEL! und der kölsche klüngel ist bekanntlich wie eine mafia.sozusagen op Kölsch : Mir han damit nix zo donn!    

  2. Mal andere in Köln ansässige Versicherungen sowie Banken, die ebenso schuldig sind wie die Allianz,  um dauerhafte Miet-Spenden an die Allianz bitten, oder sie dazu auffordern!

  3. es wäre eine schande für köln wenn so etwas passiert.die allianz soll sich mal nicht so anstellen und menschlich sein.die jawne war vor dem krieg in köln eines der vielen lebendigen orte jüdischen lebens und diese bürger der stadt waren wie alle anderen auch „kölsche mädche,kölsche junge“die ihre stadt und auch den dom liebten und meist auch alle kölsch kallten(sprachen),fasteloovend fierten(karneval feiererten und das kölsche leben lebten.jedem und gerade der allianz sei zu empfehlen das buch: dabei habe ich köln doch so geliebt! es ist sehr interresant und hilfreich überlebende kölner juden zu hören die doch so sehr an ihre stadt gehangen haben und e immer noch tun.jeder dieser menschen singt sich doch noch gerne den willi ostermann evergreen:ich mööt zo foos noh kölle jonn!
    jedenfalls die allianz soll sich dessen bewusst sein was die dann falsch machen würde.ein stück kölle würde verloore jonn und das um des lieben geldes wegen.wie pervers ist das denn.   

  4. Abraham Lehrer sei für seine wunderbare Laudatio gedankt, die „der Sache“ – dem Erhalt des Lernortes Jawne mehr als gerecht wird. Es würde der Allianz gut anstehen, sich weiterhin der historischen Verantwortung ihres Unternehmens zu stellen. Historische Bildung entsteht vor Ort, bevorzugt an den historischen Orten, wo früher ein lebendiges jüdisches Leben in Köln vorzufinden war. Abraham Lehrer hat hierfür die treffenden Worte gefunden. Mercy!

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