TV-Radar: haGalil Fernsehtipps

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So, 3. Jan · 05:15-06:45 · PHOENIX
Der Champagner-Spion

Der in den 30er Jahren aus Deutschland nach Israel geflüchtete Ze’ev Gur Arie wird 1962 – als deutscher Geschäftsmann getarnt – nach Ägypten eingeschleust, um dort ein gegen Israel gerichtetes Raketenprogramm auszuspionieren.  Gur Arie übernimmt seine neue Identität so vollständig, dass er – trotz Ehefrau und Sohn in Paris – eine zweite Ehe eingeht, die seine Tarnung perfektioniert. Die Dokumentation gewährt nicht nur einen Einblick in eine der dramatischsten Spionage-Operationen nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern zeigt auch den Preis, den die beteiligten Menschen dafür zahlen mussten.

In dem Film bricht sein Sohn Oded Guri (55) zu einer inneren und äußeren Reise in das Leben und die Persönlichkeit seines Vaters auf.  In den 50er- und 60er Jahren leben in Kairo auffallend viele Deutsche. Einige haben sich nach dem Krieg hierher abgesetzt, andere, vor allem Wissenschaftler, wurden von Präsident Nasser engagiert, um Raketen für Ägypten zu entwickeln. Der israelische Geheimdienst ist alarmiert und sucht nach einem geeigneten Agenten, um Näheres über das Raketenprogramm zu erfahren. Die Wahl fällt auf den deutschstämmigen Major der Kavallerie, Ze’ev Gur Arie, der als Kind in den 30er Jahren nach Israel geflüchtet war.  1962 bricht Gur Arie unter der neuen Identität Wolfgang Lotz – Ex-Nazi und Millionär – nach Kairo auf. Seine israelische Frau Rivka und sein zwölfjähriger Sohn Oded werden für die Dauer der Mission nach Paris umgesiedelt. In Kairo führt Lotz ein Luxusleben und freundet sich mit hochrangigen ägyptischen Offizieren und deutschen Wissenschaftlern an. Alle sechs Monate reist Lotz heimlich nach Paris. Dort erstattet er dem Mossad Bericht und verbringt ein paar Tage mit seiner Familie. Bei einem Zwischenstopp in München begegnet er der 29-jährigen Deutschen Waltraud Neumann. Sie verlieben sich und heiraten heimlich.

Damit bricht er nicht nur eine Regel des Mossad-Kodexes, sondern hintergeht auch seine Familie und seine neue Frau Waltraud, die erst später seine wahre Identität erfährt.  Ahnungslos folgt Waltraud Wolfgang Lotz nach Kairo – als perfekte Ergänzung seiner Legende. Längst spielt er nicht mehr Wolfgang Lotz, er ist es. Seinen mondänen Lebensstil als millionenschwerer deutscher Geschäftsmann aufzugeben, scheint undenkbar. Tatsächlich gelingt es ihm, unter Ausnutzung seiner neuen Frau sowie seiner deutschen und ägyptischen Freunde, die entscheidenden Informationen über das Raketenprogramm zu beschaffen. Er dringt sogar auf das Testgelände vor, wird festgenommen und wieder freigelassen. Seine Tarnung scheint perfekt. Aber dann fliegt er auf und wird endgültig verhaftet. Er gesteht die Spionage für Israel, aber kaltblütig hält er während der Verhöre an seiner Legende als deutscher Staatsbürger fest. Dies und die Tatsache, dass er nie beschnitten wurde, retten ihm das Leben.  Nach einigen Jahren im Gefängnis kehrt Lotz kurz nach Israel zurück, nicht aber zu seiner ersten Frau und seinem Sohn. Er zieht schließlich nach Deutschland und stirbt verarmt und einsam 1993 in München.

Mo, 4. Jan · 00:15-01:50 · BR
Sein oder Nichtsein

Europa 1939. Im von deutschen Truppen besetzten Warschau schließt sich eine Gruppe renommierter Shakespeare-Darsteller der Widerstandsbewegung an.  Der nach London geflüchtete polnische Leutnant Sobinski bringt versehentlich einen Nazi-Spion auf die Fährte der Truppe. Um einer Verhaftung zu entgehen, hecken die Schauspieler einen tollkühnen Plan aus, um den Spion, die deutsche Gestapo und schließlich sogar Adolf Hitler höchstpersönlich nach allen Regeln der (Schauspiel-)Kunst an der Nase herumzuführen …

Mo, 4. Jan · 22:15-00:30 · ZDF
Das schwarze Buch
Niederländisch-deutsch-belgisch-englischer Spielfilm v. 2006

Mit dem spannenden Widerstandsthriller „Das schwarze Buch“ startet das ZDF-Montagskino in das Jahr 2010. Der niederländische Erfolgsregisseur Paul Verhoeven schlägt hier ein weitgehend unbekanntes Kapitel aus der Zeit des holländischen Widerstandskampfes gegen die Nazi-Okkupation während des 2. Weltkriegs auf.

Basierend auf einer wahren Begebenheit wird die Geschichte der jüdischen Sängerin Rachel Stein erzählt, die sich nach der Ermordung ihrer Eltern holländischen Widerstandskämpfern anschließt und als Spionin auf die deutschen Besatzer angesetzt wird. Dabei verliebt sie sich in den hochrangigen SS-Offizier Müntze und gerät in schwere Loyalitätskonflikte… Der nieder-ländische Shootingstar Carice van Houten verkörpert die ebenso schöne wie mutige Widerstandskämpferin Rachel Stein. An ihrer Seite spielen in dieser internationalen Koproduktion Thom Hoffman, Sebastian Koch und Christian Berkel weitere Hauptrollen.

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September 1944. Rachel Stein (Carice van Houten), eine attraktive, junge Sängerin jüdischer Herkunft, ist vor den Nazis geflohen und hat bei einer holländischen Bauernfamilie Unterschlupf gefunden. Als der Hof durch eine deutsche Streubombe zerstört wird, versucht sie gemeinsam mit ihrer Familie per Boot in den bereits befreiten Süden der Niederlande zu gelangen. Doch die Fluchtaktion wird verraten, und Vater, Mutter und Bruder werden gemeinsam mit vielen anderen Leidensgenossen vor ihren Augen erschossen und ausgeraubt. Das Kommando führt der deutsche SS-Offizier Franken (Waldemar Kobus). Rachel überlebt als Einzige. Verzweifelt schließt sie sich dem niederländischen Widerstand an. Unter dem Namen Ellis de Vries soll sie sich an einen deutschen Offizier des Sicherheitsdienstes, Ludwig Müntze (Sebastian Koch), heranmachen. Ziel ist die Befreiung einiger Kampfgenossen, die im Keller des SS-Hauptquartiers gefangen gehalten werden. Und auf einen anderen alten Bekannten trifft Rachel/Ellis hier: den skrupellosen Franken, mit dem sie noch eine Rechnung offen hat.

Als Sekretärin von Franken und Geliebte von Müntze hat die schöne Spionin schon bald Zugang zu allen Bereichen des Gebäudes. Während der Feierlichkeiten zu Führers Geburtstag soll die Befreiungsaktion durchgeführt werden, aber der Plan schlägt blutig fehl. Offensichtlich gibt es einen Verräter in den Reihen der Widerstandskämpfer, und dank Frankens perfider Gerissenheit gerät Rachel/Ellis in Verdacht…

Thriller, Melodram, Abenteuerfilm – geschickt jongliert Regisseur Paul Verhoeven hier mit den Erzählgenres des Kinos, um eine beklemmende Episode aus der Zeit des 2. Weltkriegs zu schildern. Und dabei scheut der Macher so erfolgreicher Kinohits wie „Basic Instinct“, „Robocop“ oder „Total Recall“ vor den Mitteln der Kolportage nicht zurück, vermeidet aber erfolgreich jegliche platte Schwarz-Weiß-Malerei. Helden und Verräter, Menschlichkeit und Feigheit gibt es auf beiden Seiten der Kriegsgegner – keiner ist ohne Schuld. „Das schwarze Buch“ markiert nach zwanzig Jahren in Hollywood das europäische Comeback von Paul Verhoeven, der dieses Thema ursprünglich mit Autor Gerard Soeteman bereits vor dreißig Jahren in ihrem gemeinsamem Film „Soldiers / Der Soldat von Oranien“ aufgreifen wollte.

zwartboekdefilm.nl

Di, 5. Jan · 02:50-06:05 · MGM
Exodus

1947 versuchen Juden aus aller Welt, in Palästina eine neue Heimat zu finden. Per Schiff begeben sich 600 Heimatlose in das gelobte Land, werden jedoch von den Briten auf Zypern festgehalten. Ari Ben Kanaan (Paul Newman) will die Weiterfahrt des Schiffes „Exodus“ erzwingen. – Monumentales Meisterwerk, Oscar für die beste Filmmusik.

Mi, 6. Jan · 23:35-01:05 · MDR Sachsen
Der Kampf des Jahrhunderts

Der Boxkampf zwischen Joe Louis und Max Schmeling war fesselnd, „einhundertvierundzwanzig Sekunden Mord“, wie der Sportreporter einer Zeitung es formulierte. Das Duell wird bis heute als eines der „wichtigsten Sportereignisse der Geschichte“ bewertet.  Am 22. Juni 1938 drängten sich 90.000 Fans in das Yankee-Stadium, um das zu sehen, was Beobachter seither oft als „das wichtigste Sport-Ereignis der Geschichte“ bezeichnet haben. Millionen überall auf der Welt schalteten das Radio ein.  „Der Kampf des Jahrhunderts“, der erste Dokumentarfilm in Spielfilmlänge über die bedeutsame Begegnung, zeigt die Lebensläufe dieser außergewöhnlichen Männer und den Punkt, wo sich die Biographien kreuzen. Eindrucksvoll gibt der Film die Erwartungen wieder, die dieser historische Boxkampf weckte. Für Joe Louis stand nicht nur die Ehre der Vereinigten Staaten auf dem Spiel, sondern es ruhten die Hoffnungen des ganzen schwarzen Amerikas in seinen kraftvollen Fäusten. Der Druck auf Schmeling war nicht weniger groß. Der Kampf galt als ein Test für Hitlers Rassentheorien, und viele fragten sich besorgt, was mit ihm geschehen würde, sollte er den Kampf verlieren. Aber Druck war für die beiden Männer nichts Neues. Auf die eine oder andere Weise hatte jeder von ihnen sein Leben lang gekämpft: Louis, der Sohn von Pächtern aus Alabama, wurde zum ersten nationalen Helden in der amerikanischen Geschichte, mit dem sich sowohl Weiße als auch Schwarze identifizierten. Um aber ganz nach oben zu gelangen, musste er sein wahres kämpferisches Ich hinter der Maske des „guten Negers“ verbergen. Auch Schmeling lernte es, sich zu verstellen. Er, der einfache Junge aus Hamburg, wurde während der ausgelassenen Glanzzeit der Weimarer Republik zum kulturellen Aushängeschild. Als jedoch Hitler an die Macht kam, suchte er die Gunst des neuen Regimes. Während der 1930er-Jahre stand jeder Mensch vor der schwierigen Frage, Widerstand zu leisten oder sich anzupassen. Der Kampf des Jahrhunderts war mehr als der Kampf zweier Ausnahmeboxer. Es standen sich im Ring zwei Welten gegenüber. Auf der einen Seite der Held des schwarzen Amerikas. Auf der anderen der Vorzeigesportler der Nationalsozialisten.

Mi, 6. Jan · 23:40-01:35 · arte
Vom Kristall zum Rauch

ARTE zeigt das auf historischen Gesprächsprotokollen basierende Theaterstück von Jacques Attali in einer dokumentarischen Inszenierung von Daniel Mesguich. Eine Produktion des Pariser Théâtre du Rond-Point aus der Spielzeit 2008/2009.  Berlin, 12. November 1938: An einem Konferenztisch sitzen Göring, Goebbels, Himmler, Heydrich, Wörmann, Krosigk, Kehrl und Funk sowie Hilgard, Leiter der Reichsgruppe Versicherung. Sie beraten darüber, wie mit den aus der sogenannten Kristallnacht vom 9. November entstandenen Schäden umgegangen und wie die Isolation, wirtschaftliche Drangsalierung und Vertreibung der Juden fortgeführt werden solle.  Am 12. November 1938, drei Tage nach der Kristallnacht, treten hochrangige Vertreter des Naziregimes zusammen, um über die Beraubung und Enteignung der Juden zu beraten. Zunächst wird diskutiert, ob man für die in der Pogromnacht entstandenen Schäden an jüdischen Geschäften aufkommen muss und ob gegebenenfalls die Versicherungen eingeschaltet werden sollen.  Unter Görings Leitung steuert die scheinbar prosaische Diskussion immer klarer auf die physische Vernichtung der Juden zu. In der Banalisierung des Bösen durch scheinbare Sachzwänge liegt die unheimliche Kraft des Stückes.  Daniel Mesguichs Aufbereitung des Stückes ist weder eine Inszenierung noch ein Reenactment. Es ist vielmehr der Versuch, eine unglaubliche, aber dennoch reale Situation wiederzugeben. Die besondere Aufgabe der Darsteller besteht darin, die Worte wiedererstehen zu lassen, mit denen die Katastrophe ihren Anfang nahm. Erinnerungsarbeit vor unseren Augen – ein Prozess, dem man sich nicht entziehen kann.  Der französische Wirtschaftswissenschaftler Jacques Attali war Mitglied des französischen Staatsrates und von 1981 bis 1991 Sonderberater von François Mitterrand. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, Romane, Essays und Theaterstücke. Den Stoff des Theaterstücks liefert ein geheimes Sitzungsprotokoll. Zudem recherchierte Jacques Attali anhand von Goebbels‘ Memoiren sowie der Niederschriften der Nürnberger Prozesse.

Do, 7. Jan · 07:00-07:30 · SWR
Schätze der Welt – Erbe der Menschheit
Architektenträume: Le Havre, Tel Aviv

Le Havre: Seine radikale Architektur von Le Havre wurde heftig kritisiert: Auguste Perret.  * Tel Aviv: Das gebaute Bauhaus. Tel Aviv, das architektonische Symbol eines mutigen Neubeginns. Eine Stadt, die leuchtet. Sie leuchtet Weiss.

Fr, 8. Jan · 20:15-22:15 · RTL2
Gegen jede Regel

US-amerikanisches Drama von Boaz Yakin, das Anfang der 1970er Jahre in Alexandria, Virginia spielt und vor allem den damals sehr präsenten Rassismus gegenüber Afroamerikanern thematisiert. Herman Boone (Denzel Washington) wird als neuer Football-Trainer an der T.C. Williams High School engagiert und in der „gemischten“ Mannschaft kommt es zu allerlei Konflikten.

Sa, 9. Jan · 12:00-13:00 · arte
Jedem sein Palästina

Sabri, Rawad, Maysoun, Omar, Said – so heißen die jugendlichen Palästina-Flüchtlinge im Libanon. Das Lager von Baddawi, in dem sie geboren wurden, ist ihnen zu einer Heimat auf Zeit geworden.  Sabri, Rawad, Maysoun, Omar, Said und ihre Kameraden wurden als Palästina-Flüchtlinge im Libanon geboren. Das Lager von Baddawi ist nur eine Ersatzheimat, ihre Zukunft scheint in eine Sackgasse zu führen. 200 Kilometer von Palästina und seinen Konflikten entfernt, versuchen die jungen, lebenshungrigen Flüchtlinge die Verbindung zu ihrer Geschichte aufrechtzuerhalten und begeistern sich für Palästina, ohne dabei jedoch den Blick für den Rest der Welt zu verlieren, die sie auch für sich erobern wollen. Herbst 2004. Im Lager berichtet das Fernsehen immer noch und immer wieder über die aktuellen Ereignisse: Krieg im Irak, Einmarsch Israels in den Gazastreifen, Wahlen in Amerika. Während des Ramadan veranstalten einige der Jugendlichen ein Fernsehquiz. Es soll den Schülern Kenntnisse über ihr Herkunftsland vermitteln. Am 2. November begehen die Jugendlichen den Jahrestag der Balfour-Deklaration, in der sich der britischen Außenministers Lord Balfour 1917 für die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina aussprach. Sie marschieren in Uniform auf und skandieren patriotische Slogans. Am 11. November stirbt Arafat. Im Lager wird ein symbolisches Begräbnis veranstaltet. Im Trauerzug erkennt man Said und Maysoun. Das echte Begräbnis des Palästinenserführers überträgt der palästinensische Fernsehsender, der im Lager die ganze Zeit läuft. Verstört verfolgen die Flüchtlinge, wie ein Kapitel ihrer Geschichte zu Ende geht. Und wieder – weit von Palästina entfernt – fühlen sie sich ausgeschlossen. Zur gleichen Zeit, in einem Fotostudio: Die jungen Leute aus der dritten Generation der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon sind aufgefordert, sich wahlweise vor einer Ansicht von New York, Paris, Beirut oder Jerusalem zu äußern. In diesem künstlichen Raum, weit weg vom Lager, erzählt jeder etwas von sich. Die Bilder aus der weiten Welt inspirieren die jungen Leute, und ihre Gedanken gehen auf die Reise. Die Jugendlichen erzählen von ihren Liebeleien, vertrauen dem Zuschauer ihre Wünsche und Zweifel an. Obwohl jeder seine eigenen Träume hat, ist ihre Zukunft unlösbar mit dem Schicksal aller palästinensischen Flüchtlinge verbunden. Die Rückkehr scheint immer fraglicher. Einige äußern vorsichtig die Idee, allein zurückzukehren, als ob sie nicht mehr wirklich an eine kollektive Lösung glaubten. Jeder von ihnen hält an Palästina und an der Rückkehr dorthin fest und ist sich doch gleichzeitig bewusst, dass es sich dabei um eine notwendige Lebenslüge handelt. Zwar wissen alle schon, was sie später einmal werden wollen, doch ihre Zukunft ist unsicher. Und jenseits der verrücktesten Träume hängt die Zukunft dieser Jugendlichen vom Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge insgesamt ab. Sabri, Rawad, Maysoun, Omar, Said – so heißen die jugendlichen Palästina-Flüchtlinge im Libanon. Das Lager von Baddawi, in dem sie geboren wurden, ist ihnen zu einer Heimat auf Zeit geworden. Die Sogwirkung des über 200 Kilometer entfernt liegenden Palästina ist groß. Außerdem gilt es, den ohnehin nicht einfachen Alltag zwischen Ausbildung, Religion, Liebe und fremden und eigenen Erwartungen zu meistern. Nadine Naous und Léna Rouxel geben in ihrer Dokumentation einen Einblick in die Gedanken der Jugendlichen, die am Geschehen in Palästina Anteil nehmen, jedoch nie ganz dazugehören.

Sa, 9. Jan · 16:30-17:45 · arte
Shahida – Allahs Bräute

Was bringt Frauen dazu, Allah über alles zu stellen und in seinem Namen Anschläge zu verüben, die unzählige Opfer fordern?  21. März 2002: Es ist Muttertag. Kahira macht Frühstück für ihre vier kleinen Kinder, umarmt sie und schickt sie in die Schule. Wenig später machen sich Kahira, eine andere junge Frau und ein Mann auf den Weg nach Jerusalem. Als sie die Stadt erreichen, mischen sich die beiden Frauen unter die Menge, kaufen Blumen und beobachten die angrenzenden Straßen. Dann zerreißt eine ohrenbetäubende Explosion die Luft. Die Innenstadt versinkt im Chaos. Später in der Nacht wird Kahira von israelischen Soldaten festgenommen. Drei Menschen kamen bei der terroristischen Attacke ums Leben, 80 wurden verletzt. Kahira wird zu dreimal Lebenslänglich verurteilt. Das Hasharon-Gefängnis in Israel, Sicherheitstrakt für weibliche Gefangene, zumeist Palästinenserinnen. Alle waren in Selbstmordattentate verwickelt. Die Autorin und Regisseurin Natalie Assouline, eine israelische Jüdin, begibt sich zu den „Feindinnen ihres Volkes“, um zu verstehen, nicht zu verurteilen. Sie hat eine intensive Beziehung zu den gefangenen Frauen aufgebaut – eine davon ist Kahira. Assouline darf ohne Beschränkung durch die Gefängnisleitung drehen. Die meisten Täterinnen sind zwischen 25 und 30 Jahre alt, sie haben ihr ganzes Leben noch vor sich. Einige sind Mütter, haben Familien. Eine von ihnen ist schwanger. Es stellt sich die Frage: Warum setzten diese Frauen alles aufs Spiel? Was hat sie dazu gebracht, Allah über alles, auch über die eigenen Familien und ihre Kinder zu stellen, ihren Neugeborenen ein Leben im Gefängnis zuzumuten oder als Schwangere einen Anschlag auf eine Kinderkrippe zu verüben? Der Film spiegelt den Widerspruch und den inneren Konflikt, den man angesichts dieser Frauen empfindet. Man ist hin- und hergerissen zwischen Anteilnahme, manchmal Mitgefühl oder gar Verständnis bis hin zu völligem Unverständnis, zu Abscheu und Wut angesichts ihrer grausamen Taten und Morde. Was bringt Frauen dazu, Allah über alles zu stellen und in seinem Namen Anschläge zu verüben, die unzählige Opfer fordern? Die junge israelische Regisseurin Natalie Assouline dokumentiert über zwei Jahre hinweg in einem israelischen Hochsicherheitsgefängnis das Leben palästinensischer Frauen, die in Selbstmordattentate verwickelt waren. Sie stellt Fragen zum Unfassbaren, verurteilt aber nicht und macht so die vielen Grauschattierungen der Wirklichkeit sichtbar.

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