Umfrage in Israel: Yes, We Can!

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Netanjahu schafft es immer noch nicht, die Worte „palästinensischer Staat“ in den Mund zu nehmen, doch die Öffentlichkeit in Israel hat es schon verinnerlicht: Wir haben keine Wahl. Eine Umfrage der Shabbatbeilage „Mussaf“ zeigt, dass die meisten Israelis der Ansicht sind, dass der PM den amerikanischen Forderungen nachkommen sollte. Aber Netanjahu muss nicht nur wegen Obama beunruhigt sein: Nur 34% sind mit seiner Amtsführung in der Krise mit den USA zufrieden…

Von Sima Kadmon, Jedioth Achronoth v. 05.06.2009

Eine aktuelle Umfrage von Dr. Minna Zemach / Dahaf Institut anlässlich der Rede von US-Präsident Obama in Kairo. 56% der Israelis: Man muss den Forderungen von Obama Folge leisten. 55% sind der Meinung, dass Israel der Gründung eines palästinensischen Staates zustimmen muss. Doch 53% meinen, dass Obamas Politik nicht gut für Israel ist.

Aus der Umfrage:

Ja, Herr Präsident
Soll Netanjahu den Forderungen von Obama nachkommen, oder sie zurückweisen, auch um den Preis von Sanktionen?
Nachkommen – 56%
Nicht nachkommen – 40%

Gut, sollen sie einen Staat gründen
Soll Israel der Gründung eines palästinensischen Staates im Rahmen eines Friedensabkommens zustimmen?
Zustimmen – 55%
Nicht zustimmen – 41%

Obama ist schlecht für die Juden
Ist Obamas Politik gut für Israel?
Gut – 26%
Nicht gut – 53%

Halb zufrieden
Welche Note geben Sie Netanjahu für seine Amtsführung seit er zum Ministerpräsidenten gewählt wurde?
Gut – 47%
Nicht gut – 45%

Netanjahu in der Krise
Sind Sie mit der Amtsführung von Netanjahu während der Krise gegenüber der USA zufrieden?
Zufrieden – 34%
Unzufrieden – 47%

Bibi wird nicht teilen
Wird Netanjahu letztendlich der Gründung eines palästinensischen Staates zustimmen?
Wird zustimmen – 44%
Wird nicht zustimmen – 50%

Obama ist gut für die Palästinenser
Auf wen nimmt Obama mehr Rücksicht: Die Sicherheitsbedürfnisse Israels oder den palästinensischen Willen, einen Staat zu gründen?
Dem Willen der Palästinenser – 51%
Israels Bedürfnissen – 22%

Die Schuld der Leader
Wer ist schuld an der Krise mit den USA?
Netanjahu – 16%
Obama – 28%
Beide – 50%

Enttäuscht von Obama
Sind Sie enttäuscht von der Politik Obamas gegenüber Israel?
Enttäuscht – 51%
Nicht enttäuscht – 41%

Den Bau einfrieren
Soll man den Bau in den Siedlungen einfrieren?
Einfrieren – 52%
Nicht einfrieren – 43%

Die Außenposten räumen
Muss man die illegalen Außenposten räumen?
Räumen – 70%
Nicht räumen – 25%

Rücksicht auf die Geburtenrate nehmen
Muss man auf die Geburtenrate in den Siedlungen Rücksicht nehmen und Bau für die Bedürfnisse des natürlichen Bevölkerungswachstums ermöglichen?
Ermöglichen – 54%
Nicht ermöglichen – 42%

Liebermann, bleiben Sie
Wenn ein Baustopp in den Siedlungen vereinbart wird, soll Israel Beitenu dann in der Regierung bleiben?
Bleiben – 60% der Israel Beitenu Wähler – 41% der gesamten Probandengruppe
Ausscheiden – 23% der Israel Beitenu Wähler – 36% der gesamten Gruppe

Livni, schließen Sie sich an
Wenn ein Baustopp in den Siedlungen vereinbart wird, soll sich Kadima dann der Regierung anschließen?
Anschließen – 52% der Kadima Wähler – 41% der gesamten Probandengruppe
In der Opposition bleiben – 41% der Kadima Wähler – 36% der gesamten Gruppe

Ich werde mich den Gegnern nicht anschließen
Wenn die Räumung von Siedlungen beschlossen wird, würden Sie sich Widerstands-Aktivitäten anschließen?
Werde mich nicht anschließen – 85%
Werde mich anschließen – 12%

Die Ergebnisse der Umfrage stützen sich auf die Antworten von 501 Befragten, die ein Bild der israelischen Bevölkerung wiedergeben. Maximale Fehlerquote: 4,4%.

Medienspiegel der Deutschen Botschaft Tel Aviv

5 Kommentare

  1. (Staatlich verordnete Tabus gibt’s in Israel btw auch. In welchem hebräischen Schulbuch liest man denn etwas über die palästinensische Sicht der Geschichte, Stichwort Nakba?)

    Daß – wenn auch in kleinen Schritten – doch etwas vorwärtsgehen könnte, zeigt ein gemeinsames Schulbuchprojekt zur israelisch -palästinensischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, an dem Dan Bar-On und Sami Adwan beteiligt waren bzw. sind: „Learning each other’s historical narrative“. Hier geht es zwar (noch) nicht um eine gemeinsame Geschichtsschreibung, aber zu wichtigen historischen Daten werden die palästinensische und israelische Sicht einander gegenübergestellt…

    Dazu auch der Artikel von Arnfrid Schenk: „Die Geschichte der anderen“ in der aktuellen Ausgabe der ZEIT (vom 10.6., S.65) bzw. ZEIT online:
    http://www.zeit.de/2009/25/C-Schulbuch

  2. Nun, die Türkei ist keine perfekte Demokratie, klare Sache. Auf der anderen Seite übt sie nicht die Herrschaft über mehrere Millionen einheimische Menschen aus, denen sie das Wahlrecht vorenthält (welches die Kurden in der Türkei beispielsweise haben.) Alles eine Sache der Gewichtung, aber meiner unbescheidenen Meinung nach ist die Türkei allein aufgrund dieser Tatsache mehr Demokratie als Israel.
    (Staatlich verordnete Tabus gibt’s in Israel btw auch. In welchem hebräischen Schulbuch liest man denn etwas über die palästinensische Sicht der Geschichte, Stichwort Nakba?)
    Ich würde jetzt sagen, antike Standards der Demokratie erfüllt Israel noch, aber die Palästinenser mit Metöken gleichzusetzen, scheint mir dann doch etwas gewagt.

  3. Merhaba arkadas. Eskiden beri bulusamazik. Chopped liver soll wohl zerhackte Leber heißen. Nicht nur die babylonische Sprachverwirrung bestätigt das. Einerseits wird die Türkei zum Nahen Osten gezählt (warum auch immer), andererseits wollen sie in der europäischen Champions League mitspielen. Man brüstet sich mit „Demokratie“, mit mißliebigen Journalisten und Kritikern geht man aber kurz vor die Tür. Die eigene blutige Geschichte rund um den Genozid an Armeniern ist ein staatlich verordnetes Tabu, wogegen Polygamie, Inzest und Ehrenmorde in breiten Teilen der Gesellschaft zum Alltag gehören. So sympathisch der sympathische junge Türke mir auch ist, ich kann ihm nur zustimmen:  „Yes, you are.“

  4. „Einzige Demokratie im Nahen Osten“? Darf ich mal die Worte eines sympathischen jungen Juden, der zur Zeit auf Youtube zu sehen ist, einem sympathischen jungen Türken in den Mund legen: „What are we, chopped liver?“

  5. Yes, we can – against Israel, too.  Obama scheint der einzigen Demokratie im Nahen Osten
    die Flügel stutzen zu wollen. Der Wink mit dem Zaunpfahl an Netanjahus Pläne die iranischen Atomanlagen zu bombardieren war nicht zu übersehen. Mit der Forderung nach der Gründung eines palästinensischen Staates geht Obama den Muslimen honigsüß um die Bärte. Fragt sich nur, was der Preis ist, zu dem Obama Israel an die Araber verkauft?

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