Sehnsuchtsort Sinai

Eine israelische Kulturgeschichte der ägyptischen Halbinsel…

Nach dem Sechstagekrieg baute der jüdische Staat auf der Halbinsel zwischen Asien und Afrika eine Exklave auf. An den Küsten des Mittelmeeres, dem Golf von Suez und dem Golf von Akaba, aber auch im lebensfeindlichen Hinterland entstanden zwischen 1967 und 1982 zwei Städte und mehr als ein Dutzend Dörfer. Dort, wo einst schon Theodor Herzl nach seinem »Altneuland« suchen ließ, sollte eine neue Generation die arbeiterzionistischen Gründerzeitideale verwirklichen. Junge Männer und Frauen sollten als Arbeiter, Bauern und Soldaten die biblische Wüste zum Blühen bringen und über sie wachen. Tatsächlich entwickelten sich die Kommunen jedoch zu Alternativorten, in denen säkulare Israelis ein unkonventionelles Gegenleben kultivierten.

Dominik Peters porträtiert die Sinai-Halbinsel, die aufgrund ihrer geografischen Lage nie Teil des israelisch-palästinensischen Konfliktes gewesen und damit singulär in der Geschichte des Zionismus ist, auf der Basis zahlreicher unveröffentlichter Archivdokumente sowie erstübersetzter Gedichte, Lieder, Reisefeuilletons und Prosaschriften.

Peters geht der Frage nach, wer genau auf dem Sinai siedelte, und warum. Die Analyse zeigt, dass es im Gegensatz zum Westjordanland und Gaza fast ausschließlich säkulare Israelis waren, die sich im Sinai angesiedelt haben. Die Geschichte dieser Besiedelung zeigt er als Spiegel der Geschichte des Staates Israel bis in die Gegenwart. Ein spannendes Porträt der israelischen Kultur(en), nicht nur auf der Sinai-Halbinsel!

Dominik Peters, Sehnsuchtsort Sinai. Eine israelische Kulturgeschichte der ägyptischen Halbinsel, Wallstein Verlag 2018, 368 S., Euro 38,00, Bestellen?

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