Der Völkermord an den Sinti und Roma auf Youtube

„Bilder sagen mehr als tausend Worte“ lautet ein altes Sprichwort und das lässt sich auch auf die Geschichte und Gegenwart der Deutschen und ihrer Sinti und Roma anwenden. Die Internetplattform Youtube hält eine ganze Reihe von Filmen und Bildersammlungen zum Völkermord an Sinti und Roma, aber auch zur Geschichte und zur aktuellen Situation der Gruppe in Deutschland, für die Mitmenschen bereit…

Von Robert Schlickewitz

Neben den Links, enthält dieser Beitrag auch Stichworte zum Inhalt und den Titel, unter dem der Film bzw. die Fotosammlung bei Youtube eingestellt wurde, sowie, in Klammern, das Jahr der jeweiligen Veröffentlichung auf Youtube.

„Sintikinder im Nazi-Staat“ (2011)

(Stichworte: Originaltitel: „Auf Wiedersehen im Himmel“, Mulfingen, Kinderheim St. Josefs-Pflege, Schicksale der dortigen Sintikinder, nachdem ihre Eltern verhaftet worden waren; eine Gedenktafel erinnert heute an das Schicksals der Kinder, Überlebende erinnern sich, Auschwitz, Adolf Eichmann, rassenbiologische Untersuchungen von Sintikindern, Eva Justin, Wissenschaftler als Mordgehilfen, Regelung der „Zigeunerfrage“, „Notkommunion“ für die Todgeweihten aus Mulfingen durch den Anstalts-Geistlichen, Mitschuld der Kirche, Deportation ins KZ Auschwitz, Verhältnisse im dortigen „Zigeunerlager“-Birkenau, kaum Überlebenschancen im Kinderblock, Menschenversuche des aus Bayern stammenden Lagerarztes Dr. Mengele, „Zwillingsforschung“, Vernichtung in der Gaskammer)

„Der NS-Völkermord an den Roma und Sinti – Sehr Gute Doku aus den 80ern“ (2012)

(Stichworte: Chronologie des Völkermordes an den Sinti und Roma, Zigeunerforscher im Nationalsozialismus, Regelung der „Zigeunerfrage“, Vernichtung; Interviews mit Überlebenden, die Auschwitz nach über vierzig Jahren wieder besuchen, Romani Rose über die minderheitsfeindlichen Vorarbeiten der Behörden der Weimarer Republik zum Porajmos und die Fortsetzung des Unrechts gegenüber den Sinti und Roma in der BRD, zynisch wirkende Passagen aus den Aufzeichnungen des Lagerkommandanten Höß zu den Sinti und Roma, „Zigeunerforscher“ Ritter und Justin und die Zusammenarbeit mit der deutschen Polizei, NS-Täter bleiben auch nach 1945 ungestraft, Überlebende kämpfen im Nachkriegsdeutschland vergeblich um Wiedergutmachung bzw. Anerkennung des ihnen angetanen Unrechts, groteske Urteile bzw. Rechtssprechungen rechtfertigen es von Unrechtsjustiz in der BRD zu sprechen, Nachkriegsantiziganismus in der BRD, Intoleranz gegenüber nichtsesshaften Roma, Interviews mit deutschen Bürgern, Bürgerinitiativen gegen Roma in der BRD, erneut Rückblenden und Erinnerungen an Auschwitz, Kranzniederlegungen in der Gedenkstätte Auschwitz, Musik der Überlebenden am Ort der Vernichtung, Realisation des Filmes: Rainer Holzemer, Jürgen Staiger und Hartmut Ühlein, Medienwerkstatt Franken 1985; tatsächliche Filmlänge nur 61 Minuten!)

„Philomena Franz bei Lanz (91 Jahre – Sinti-Frau – Holocaust Überlebende)“ (2014)

(Stichworte: „Philomena Franz bei Markus Lanz. 91 Jährige Holocaust Überlebende Sinteujka.“, Frau Franz entstammte einer angesehenen Musikerfamilie, Erfahrung mit Rassenforscherin, Diskriminierungen, Zwangsarbeit in der Munitionsfabrik, Deportation nach Auschwitz, Lagererinnerungen, KZ Ravensbrück, Flucht und nach acht Tagen Wiederverhaftung, kollektive Bestrafung der Mithäftlinge, Scheinhinrichtungen, KZ Oranienburg, Folter, Verhöre, Deutschland war trotz allem ihre Heimat und sie blieb im Lande der Täter, lebte nach dem Krieg vom Musikmachen, gründete Familie, Kampf um die Entschädigung, sie geht heute an Schulen und berichtet als Zeitzeugin, Friedhofsverwaltung in Köln verlangte plötzlich hohe Gebühren für die Gräber von KZ-Überlebenden, Angehörige können nicht bezahlen…)

„Kathrin Herold: Roma und Sinti als Opfer von Völkermord“ (2015)

(Stichworte: „Kathrin Herold: Roma und Sinti als Opfer von Völkermord – Erinnerungspolitik in (West)deutschland seit 1945. Quelle: TeVe Novine – 06.10.2012“, betrifft auch Österreich und das ehemalige Jugoslawien, inoffizielle Geschichtsschreibung, interessante Einblicke in staatliche Verwicklungen – Kontinuitäten des Rassismus vom NS-Staat bis in die bundesdeutsche Gegenwart, Abschiebungen von Roma-Asylbewerberen, die oft bereits lange Jahre in Deutschland lebten, nach Serbien, Druckausübung auf die serbische Regierung durch Berlin, Kriminalisierung der Roma heute – Parallelen zu Entwicklungen im NS-Staat, besondere Bedeutung der Gedenkkultur für Sinti und Roma, bis heute weitgehendes Verdrängen des Völkermordes an den Sinti und Roma in Deutschland, trotz der Denkmale/Mahnmale – die eher Symbol-, bzw. Alibicharakter haben, Weiterbestehen von massivem Antiziganismus, Stereotypen und Vorurteile wirken weiter – trotz aller Aufklärung, Bayern 1899 bis 1938 als Pionierland und Hort des behördlich organisierten Antiziganismus im Deutschen Reich, sehr späte Rehabilitierung und gesellschaftliche Anerkennung der Sinti und Roma in der BRD, Marksteine der Gedenkkultur ab Ende der 1970er Jahre im Kampf um die Bürgerrechte der Sinti und Roma, Proteste bzw. Hungerstreik der Sinti in der KZ-Gedenkstätte Dachau, ehemalige SS-Akten spielten in Bayern bis in die 1980er noch eine Rolle bei der Anerkennung von Wiedergutmachung für Sinti und Roma, KZ-Gedenkstätte Neuengamme ebenfalls mehrfach Ausgangsort von Protestaktionen gegen Unrecht gewesen – auch in Hamburg Zusammenhänge zwischen modernem Antiziganismus und der NS-Zeit, eine NS-Zigeunerforscherin, Ruth Kellermann, konnte auch noch nach 1945 in der Öffentlichkeit wirken, teilweise Erfolge der Roma-Organisationen durch Klagen und Proteste, bis 2003 war die KZ-Gedenkstätte Neuengamnme Teil einer Strafanstalt – erst danach reine Gedenkstätte, in den Hamburger Medien antiziganistische, Stereotypen fördernde, Bild- und Textberichterstattung zu den Protestaktionen der Sinti und Roma, die aktuelle Diskriminierung bzw. Benachteiligung der Gruppe war oft Anlass oder Gegenstand der Proteste und Demos)

“ ‚Wir haben doch nichts getan …‘ – Der Völkermord an den Sinti und Roma“ (2015)

(Stichworte: Zeitzeugen Hugo und Mano Höllenreiner, Besuch der Gedenkstätte Auschwitz, Erinnerungen Überlebender, Rückblick auf die Geschichte der Sinti in Deutschland vor und während des NS, Erinnerungen an das Leben der Sinti mit Fuhrgeschäften, die nur noch gelegentlich unterwegs waren, sonst sesshaft waren; kontinuierliche Verschlechterung der Lebensbedingungen der Sinti im NS, der Willkür der Mehrheitsbevölkerung ausgeliefert, „Zigeunerforschung“ unter R. Ritter, Zusammenarbeit von Rasseforschern und Polizeidienststellen, Zeitzeuge Josef Müller erinnert sich, Sinti – lebensunwürdig, „Runderlass zur Bekämpfung der Zigeunerplage“,  Zeitzeugin Lilli von Angeren erinnert sich, Sinti an der Front als Wehrmachtssoldaten bis 1941, ab 1942 droht allen Sinti die Deportation ins „Zigeunerlager“, Zeitzeugin Hildegard Franz erinnert sich, Einzelheiten über die Deportation und das „Zigeunerlager“, Eindrücke vom Leben im Lager, Experimente des Dr. Mengele, Morde durch Wachsoldaten, Selbstmordgedanken der Häftlinge angesichts der Aussichtslosigkeit, Sterilisation von Sintikindern, Odyssee der Häftlinge durch die Vernichtungslager, Todesmärsche, Erinnerungen an die Befreiung durch die Briten, Bilder der Befreiung, Film von Gabriele Trost)

„Rede Hugo Höllenreiner beim Zug der Erinnerung München am 28. 4. 2009“ (2015)

(Stichworte: „Hugo Höllenreiner überlebte das KZ in Auschwitz. Er litt unter den Experimenten des sogenannten „Todesengels“ Josef Mengele. In der Rede beim Zug der Erinnerung am 28.4.2009 erzählt er von seine(m) Erlebten. Hugo Höllenreiner starb am 10. Juni 2015.“)

„Hugo Höllenreiner – Geschichte erinnern / Produktion: Oliver Stey“ (2016)

(Stichworte: Gedenkveranstaltung im Gasteig 12. Juni 2016 / München; Ansprache – Alexander Diepold von der gemeinnützigen Madhouse GmbH/München, Rückblick auf das Leben des KZ-Überlebenden Hugo Höllenreiner, Aufstand der Sinti im KZ Auschwitz als Symbol dafür, dass Sinti nicht nur passiv geblieben sind,  Ansprache – Romani Rose, der Porajmos als Bestandteil der Identität von Sinti und Roma, besondere Rolle Bayerns: dort konnten Ex-Nazis, die nie zur Verantwortung gezogen worden waren, als Polizisten noch lange nach 1945 negativ auf das Leben von Sinti einwirken, Erinnerung an die publizistischen Vorarbeiten von Ludwig Eiber zu Sinti und Roma in Bayern, Hinweise auf den aktuellen Antiziganismus, Ansprache – Florian Roth, Stadtrat der GRÜNEN im Münchner Stadtrat und interkultureller Bildungsberater, Hinweis auf die späte Besinnung der ehemaligen „Hauptstadt der Bewegung“, München, an ihre schicksalhafte Rolle lange vor, während und nach dem NS, sowie die damit verbundene Gedenkkultur, Erinnerung an die Leistungen der Sinti und Roma für die Stadt München, Musik: Adrian Gaspar solo und mit seiner Band aus Wien, Umsetzung der Erinnerungen von Hugo Höllenreiner aus dem KZ Auschwitz in musikalischer Form, junge Sinti- und Roma-Interpreten, Würdigung von Roma-Aktivistinnen aus verschiedenen Ländern)

„Antiziganismus (Zigeunerfeindlichkeit) in Deutschland“ (2015)

(Stichworte: Gedenkkultur, Mano Höllenreiner, späte Anerkennung des Porajmos und des Unrechts an Sinti und Roma, Romani Rose, Antiziganismus in Bayern, neues Mahnmal für Sinti und Roma in Berlin, Sinti und Roma in der Tagespolitik, „Asylmissbrauch“, gegenwärtige Situation der Sinti und Roma in Deutschland, Familie Reinhardt, Vorurteile und Diskriminierung, Roma aus dem Balkan als Asylbewerber, Abschiebungen, Wohnprojekt für Roma in Berlin, Antiziganismus der Deutschen heute)

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