Noch ein paar Bemerkungen zum Amerlinghaus und BDS

Das Wiener Veranstaltungszentrum Amerlinghaus sagte diese Woche einige Veranstaltungen ab, nachdem es dagegen Proteste gegeben hatte. Alle drei Veranstaltungen waren von BDS-Austria mitorganisiert worden…

Von Karl Pfeifer

Das Amerlinghaus betonte in seiner Stellungnahme zur Absage der Boykott-Israel-Veranstaltungen: „Mehrere Mitglieder unseres Vorstandes sind selbst Nachkommen von Opfern des Holocaust, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von den Schergen des NS-Regimes verfolgt wurden“. Auch die Boykottbewegung (BDS) gegen Israel argumentiert ähnlich, und hebt hervor, dass Juden und sogar Israelis sie unterstützen. Tatsächlich aber möchten die meisten dieser Boykottunterstützer nur dann als Juden wahrgenommen werden, wenn es gegen Israel geht.[1]

Einig sind sie sich mit ihrer linken Umgebung im großen propalästinensischen Eifer. „Sie äußern sich mit starker Emotionalität und klarer Einseitigkeit: mit großer Sensibilität für das Leiden der Palästinenser und einer gleichzeitigen Gleichgültigkeit für die Nöte und Ängste der Israelis… Hinzu kommt die vollständige Ausblendung der ständig wiederholten Drohungen von arabischer bzw. auch iranischer Seite bezüglich der Zerstörung des jüdischen Staates.“

Sicher ist einem Teil der Linken das revolutionäre Subjekt, das Proletariat verloren gegangen. In Österreich wählen die meisten Arbeiter die FPÖ. Und auf der Suche nach einem neuen revolutionären Subjekt fanden sie die muslimische Welt und insbesondere die Palästinenser. Diese Linke übersehen, dass es diametral entgegengesetzte Anschauungen zu wesentlichen und grundsätzlichen Themen wie Demokratie, Menschen- und individuellen sowie Frauenrechte gibt.

Doch es gibt einen Punkt, wo man sich begegnen kann, die Ablehnung Israels. Die Gegnerschaft zum jüdischen Staat und der Antiamerikanismus können gewisse Linke und Islamisten auf eine Plattform bringen.
Wieso kam es zu keinem antiindischen Boykott, nachdem es im indischen Bundesstaat Gujarat 2002 zu einem antimuslimischen Pogrom kam?

Damals berichtete der Spiegel: „An die 120 000 Fanatiker rotteten sich zusammen. Sie bildeten Rollkommandos, mancherorts formierten sich gleich ganze Tausendschaften. In den Städten, berichten Augenzeugen, seien viele besser gestellte Inder, die mit Autos vorfuhren, unter den Plünderern gewesen. In ländlichen Gebieten rumpelte der Mob auf Traktoren in die muslimische Nachbarschaft, meist in den heiligen Farben Orange und Gelb gekleidet und mit Benzinbomben, Holzprügeln oder Schwertern bewaffnet. Die Hindus erschlugen Männer und Jungen, sie vergewaltigten Frauen jeden Alters. Ihre geschändeten Opfer verbrannten sie bei lebendigem Leib. Mindestens 2000 Menschen starben laut britischen Quellen in Gujarat in den beiden vergangenen Monaten, rund 170 000 flohen. 100 000 retteten sich in eines von sieben Auffanglagern, etwa in das Camp Shah-e-Alam in Ahmedabad, wo derzeit auch Saira Bano lebt – als eine von 10 000 Insassen, die trauernd, wütend, ängstlich in die Zukunft blicken.“

Die andauernde politische Offensive gegen Israel haben bereits die arabischen Staaten und die Sowjetunion begonnen, die 1975 mit vielen anderen Staaten einen Beschluss der Vereinten Nationen herbeiführten, mit
dem die Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes, der Zionismus als Rassismus verurteilt wurde. Diese Kampagne wird heute gut finanziert und höchst professionell weitergeführt und beeinflusst die öffentliche
Meinung im Westen.

Doch dies allein erklärt nicht die obsessive Leidenschaft, die sich bei vielen Linken äußert. Hier entstand eine neue Form der Judenfeindschaft, der kollektive Jude Israel wird nicht akzeptiert, wie er ist, sondern nur
wie er sein sollte, nämlich als utopisch perfekte Gesellschaft. Und da dies nicht erreichbar ist, soll einzig und allein in der Welt der Staat Israel zerschlagen werden.

© Karl Pfeifer

[1] „327 jüdische Überlebende und Nachkommen von Überlebenden des Nazi-Genozids“ (darunter Hedy Epstein, die im österreichischen Parlament sprechen sollte) unterzeichneten unter dieser Karikatur ihre Erklärung gegen den Staat Israel. Diese Karikatur, die Nazis und Israelis gleichstellt, ist laut allen Definitionen antisemitisch.
karikatur