Ein antizionistisches Familientreffen

Im Kölner Bürgerzentrum Alte Feuerwache wurde Evelyn Hecht-Galinski ausgezeichnet…

Von Silke Müller

Es war eine illustre Ansammlung ins Alter gekommener antizionistischen Kämpfer und erklärter Verschwörungstheoretiker, darunter auch einiger Palästinenser. Ausgezeichnet wurde Evelyn Hecht-Galinski von der 2005 in Köln gegründeten sogenannten „Neuen Rheinischen Zeitung“, einem Onlinemagazin, das in seiner Mischung aus veritablem Antisemitismus, verstaubtem Antikapitalismus und Verschwörungstheorien Seinesgleichen sucht. Verliehen wurde ihr der hauseigene „Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik“. Allein die grenzenlos anmaßende Namenswahl ist ein Indiz für den wahnhaften Grundcharakter dieser Veranstaltung. Trotz einer massiven internen Mobilisierung hatten sich nur 55 Menschen aus verschiedenen Städten eingefunden, hierunter auch der erst jüngst wegen seiner Kündigung im Kölner Agnesviertel gefeierte „Kalle“ Gerigk sowie ein Vertreter der Sozialistischen Selbsthilfe Mülheim (SSM). Der Großteil der Teilnehmer war im Pensionsalter, der Anteil ehemaliger DKP-Mitglieder war beachtlich hoch. Das Preisgeld betrug beachtliche 196 Euro – welches Hecht-Galinski sogleich dem anwesenden Kölner Dauerdemonstranten Walter Herrmann mit seiner sogenannten „Kölner Klagemauer“ vermachte. Im Zentrum Kölns, auf der Domplatte, betreibt Herrmann seit 20 Jahren, mit städtischer Duldung, eine Pappwand-Installation, auf der Israel fortdauernd als ein landraubender und Palästinenser willkürlich ermordender Terrorstaat bezeichnet wird.[01] Hecht-Galinski gehört zu seinen engsten Unterstützern. Der generell eher verwirrt auftretende Herrmann wurde als Kölner Prominenz vorgestellt.

Die Laudatio hielt der ehemalige RBB Moderator Ken Jebsen.[02] Dieser wurde von den Einladern als „deutsch-iranischer Fernseh- und Radiomoderator“ vorgestellt. So wirklichkeitsfern wie diese Titulierung blieb auch die 2 ½-stündige Veranstaltung.  Jebsen, der sich gerne über die israelische „Endlösung“ an den Palästinensern auslässt, brachte zwei professionelle Fernsehkameras mit. Die Mischung zwischen gröbstem Antizionismus, Ausfällen gegen das demokratische Israel, antisemitischen Erklärungsmustern und antiamerikanischen Verschwörungstheorien, durchgehend vorgetragen mit grobschlächtigstem Vokabular, durchzog alle Vorträge. Man fühlte sich sichtlich wohl im Bürgerzentrum Alte Feuerwache, war unter sich.

Moderiert und geprägt wurde die Veranstaltung durch die beiden Kölner Repräsentanten der sogenannten „Arbeiterfotografie“, Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, die auf ihrer strikt antizionistischen Website sogar Jürgen Möllemann und Jörg Haider zu Opfern zionistischer Attentate erklären. Sie waren 2012 auch Teilnehmer des von Elsässer sowie dem Muslim-Markt Betreiber Yavuz Özoguz organisierten „Staatsbesuches“ beim iranischen Präsidenten Ahmadinedschad.[03] Beide sind auch regelmäßige Autoren der nrhz und Unterstützer der „Kölner Klagemauer“. Für das „Kulturprogramm“ zuständig war der Palästinenser Anis Hamadeh, ein Mainzer Kleinkünstler, der regelmäßig bei antizionistischen Veranstaltungen auftritt und in einschlägigen Magazinen Dauerpräsenz zeigt.

Der Kölner nrhz-Mitbegründer und Lehrbeauftragte an der Kölner Universität, Werner Rügemer, zwei Jahrzehnte lang, bis zum Ende der DDR, Mitarbeiter eines in Köln ansässigen kommunistischen Verlages, hielt eine anklagende Kampfrede, in der er sich über die „pauschale Anerkennung der Existenz des Staates Israel“ als „Deutsche Staatsräson“ ausließ. 2009 hatte er mit einem nrhz-Beitrag Aufsehen erregt, in dem er „einen Besuch in der Kölner Synagoge“ beschrieb. Dieses erstmalige Kennenlernen einer Synagoge setzte in dem ehemaligen (?) Stalinisten massivste antisemitische Affekte frei. Sein – bis heute im Netz stehender – Beitrag war mit antisemitischem Vokabular angefüllt.[04] Den besonderen Zorn dieses „Korruptionsexperten“ erzeugte hierbei der Bankier Oppenheim. Hatte Rügemer danach den Vorwurf des Antisemitismus von Freunden in Abrede stellen lassen – sich selbst öffentlich zu äußern, dazu fehlte ihm offenkundig der Mut – so belegt seine Rede  über die „deutsche Staatsräson“ und die Fragwürdigkeit einer Anerkennung des Existenzrechtes Israels die Berechtigung dieser Zuschreibung. Rügemer hielt Israel fortgesetzt schwerste Kriegsverbrechen, eine Unterstützung zahlreicher Diktaturen und eine Beschneidung aller demokratischen Rechte vor. Er sprach von dem „angeblich einzigen demokratischen Staat in Nahost“ und bezeichnete Israel als ein „Versuchslabor für Überwachungs- und Tötungstechnologie“. Seine stalinistischen Kinderschuhe und seine primitiven antizionistischen Ressentiments ist der 1941 Geborene erkennbar nie losgeworden. Ob solcher kruder Antisemitismus mit der Funktion eines Lehrbeauftragten an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Kölner Universität vereinbar ist erscheint als zumindest fragwürdig. Israel sei ein „Vasallenstaat“ vor allem der Amerikaner, der sich dennoch gelegentlich gegen den „Willen seiner Herren“ selbständig äußere. Hecht-Galinski bedankte sich anschließend bewegt für diese „großartige Rede“.

Veranstaltungsort war das Bürgerzentrum Alte Feuerwache. Vor drei Jahren hatte es in Köln scharfe Proteste daran gegeben, dass Herrmann seine antisemitische „Klagemauer“ in den Räumlichkeiten der Alten Feuerwache lagern kann – bis heute. Bemerkenswert der Umstand, dass ein Vorstandsmitglied der Alten Feuerwache bei der Preisverleihung offiziell als prominenter Gast und Gastgeber vorgestellt wurde. Weiterhin wurde der Betreiber des Cafes der Alten Feuerwache, Mehmet Arat, von den Einladern offiziell als Gast präsentiert , der den ganzen Abend dabeigeblieben sei. Arat bedankte sich für diese Begrüßung. Das Kölner Bündnis gegen Antisemitismus (BgA) fordert in einem an alle Fraktionen des Kölner Stadtrates  versandten offenen Brief wegen der „zahlreichen offensichtlich antisemitischen Aktivitäten“ in diesem Bürgerzentrum „den Einhalt der Stadt- und Landesmittel“ zur Förderung des Zentrums.

Folgende Gegendarstellung erreichte die Redaktion:

Gegendarstellung Ken Jebsen

  1. http://www.hagalil.com/2010/12/19/koeln-2/ []
  2. http://www.publikative.org/2012/04/12/querfront-gegen-die-endlosung/ []
  3. www.hagalil.com/2012/04/30/solidarischereise/ []
  4.  www.hagalil.com/archiv/2010/01/04/ruegemer-2/ ; http://www.hagalil.com/2005/05/kapitalismus.htm []

Ein Kommentar zu “Ein antizionistisches Familientreffen

  1. Liebe Silke Müller,

    nicht nur aufgrund der der obigen eigenen Erkenntnis:

    „Es war eine illustre Ansammlung ins Alter gekommener antizionistischen Kämpfer und erklärter Verschwörungstheoretiker, darunter auch einiger Palästinenser. “

    hatten sich tatsächlich nur 55 Menschen eingefunden. Faktisch eine recht kleine Familienfeier.

    So what! Man wird Diese weder überzeugen noch deren anscheinend nicht vorhandenen Einfluss ändern.

    Bei jeder popligen Nazi, Pro irgendetwas, AfD und Islamisten Feier sind, meiner Meinung nach, deutlich mehr jüngere, besser vernetzte und nicht nur antizionistische sondern antisemitische Beteiligte.
    Die sich nicht integrierbar fühlenden Jugendlichen gehen teilweise kämpfen und verweigern sich diesem Staat.

    Man mag durch Z.B. die Beteiligung der Tochter erregt sein, Dauertrommelfeuer in eine Richtung erschwert jedoch, wiederum nur meiner Meinung nach, die Blickrichtung.

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