Der Champagner-Spion

Am Mittwoch, 7. März 2012, 20.00 Uhr wird in der Filmpalette Köln der israelische Film „Der Champagner-Spion“ gezeigt…

Es gibt Geschichten, wahre Geschichten aus dem wirklichen Leben, neben denen verblasst jegliche Fiktion. Der Champagner-Spion / Meragel Hashampaniya von Nadav Schirman erzählt genau solch eine Story, die man mit atemlosem Staunen verfolgt: Der in den dreißiger Jahren aus Deutschland nach Israel geflüchtete Ze’ev Gur Arie, Major in der israelischen Kavallerie, erhält 1962 eine Legende als deutscher Geschäftsmann, Millionär und Ex-Nazi mit dem Namen Wolfgang Lotz. Blond, blauäugig und in der deutschen Sprache bestens bewandert vermutet niemand hinter dem angeblichen Pferdezüchter einen israelischen Spion. Sein Ziel ist das Nachbarland Ägypten, wo unter Präsident Nasser auffallend viele Deutsche, darunter viele Ex-Nazis leben. Die Vermutung des Mossad: Die Deutschen sind an einem ägyptischen Raketenprogramm beteiligt, das die Existenz des Staates Israel bedroht. Lotz alias Gur Arie soll Kontakt mit den Deutschen aufnehmen und Details des Raketenbaus in Erfahrung bringen. Privat löst die gefährliche Operation ein wahres Desaster aus: Gur Aries israelische Ehefrau Rivka und der gemeinsame zwölfjährige Sohn Oded werden nach Paris geschickt, wohin der Spion gelegentlich reist, um sein Familienleben notdürftig aufrecht zu erhalten. Doch die Diskrepanz zwischen dem glamourösen, vom Mossad alimentierten Alias-Leben in Ägypten und dem wahren Leben als unterbezahlter Staatsdiener in Israel und Paris wird immer größer. Als Gur Arie schließlich noch der jungen Deutschen Waltraud Neumann begegnet und sich in sie verliebt, heiraten die beiden heimlich, nun ist die Tarnung endgültig perfekt. Die neue Ehefrau weiß nichts von den Machenschaften ihres Gatten und ahnt auch nichts davon, dass dessen Familie nichts ahnend in Paris auf Nachricht wartet.

Dem vorgeblichen Pferdezüchter mit der erfundenen SS-Vergangenheit gelingt es sogar, auf das streng geheime Testgelände vorzudringen und wichtige Informationen zu sammeln, 1965 aber wird er als Spion enttarnt und mitsamt seiner Gattin Waltraud vor ein ägyptisches Gericht gestellt. Da er aber weiterhin an seiner Legende festhält und dank der schlichten Tatsache, dass der Spion nicht beschnitten ist, kommt er mit dem Leben davon und wird zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach der Haft kehrt Ze’ev Gur Arie für kurze Zeit nach Israel zurück, doch die Verbindung zu seiner ersten, seiner eigentlichen Familie ist endgültig zerrissen, er lässt sich später in München nieder, wo er 1993 in Armut stirbt.

Nadav Schirmans Aufsehen erregender Dokumentarfilm Der Champagner-Spion / Meragel Hashampaniya, der auf zahlreichen Festivals gefeiert und der für den Preis der Isarelischen Film Akademie 2007 als bester Dokumentarfilm nominiert wurde, ist ein Film,der zutiefst bewegt und unter die Haut geht. Erstmals sprechen hier Führungsoffiziere des Mossad über ihre Arbeit und über den Fall Ze’ev Gur Arie, so dass die ganze Tragik des Agentenlebens jenseits aller Glorifizierungen offen zu Tage tritt. Gemeinsam mit Gur Aries Sohn Oded gelingt es dem Regisseur Nadav Schirman, ein spannendes Stück Zeitgeschichte lebendig und enorm berührend aufzuarbeiten, und es wäre mehr als wünschenswert, wenn dieser Film den Weg in die deutschen Kinos finden würde. Das Zeug dazu hat Der Champagner-Spion / Meragel Hashampaniya allemal.

Karten an der Kasse, empfehlenswert ist es Karten unter der Tel. 0221 – 12 21 12 zu bestellen. http://www.filmpalette-koeln.de/
Nachher treffen wir uns im „Extrablatt“ (ehem. „Cafe Spitz“)