Gerechtigkeit für Juden aus arabischen Ländern

Mit einer Mehrheit der Stimmen hat die Knesset ein Gesetz verabschiedet, das als Teil des Friedensprozesses eine Entschädigung für die Juden aus arabischen Ländern anstrebt. Das neu erlassene Gesetz soll die Rechte jener Juden sichern, die gezwungen wurden, ihr Eigentum und Vermögen in arabischen Ländern zurückzulassen; die meisten von ihnen kamen ohne einen Pfennig nach Israel…

Von Zvi Gabay, Israel haJom v. 23.02.10

Das von der israelischen Regierung unterstützte Gesetz folgt auf einen Beschluss des US-Repräsentantenhauses vom 1. April 2008 und stellt eine vernünftige Entwicklung dar, die breiter Unterstützung wert ist. Erstmals seit der Gründung des Staates wird den Rechten der Juden aus arabischen Ländern juristische Anerkennung in Israel zuteil. Bislang haben israelische Regierungen die Angelegenheit ignoriert, obwohl die Frage der arabischen Flüchtlinge und ihrer Rechte im Zentrum der öffentlichen Debatte in Israel und auf der Welt stehen, unter dem Schlüsselbegriff „Recht auf Rückkehr“.

Es ist Zeit, diese Situation zu korrigieren.

Als der Staat Israel gegründet wurde, fanden zwei menschliche Tragödien statt: Die eine war die Entwurzelung der jüdischen Gemeinden, die seit Jahrtausenden in arabischen Ländern existierten; und die andere war die von den arabischen Palästinensern wegen Israels Unabhängigkeitskrieg 1948 erlittene „Nakba“, die Tausende zu Flüchtlingen in arabischen Ländern werden ließ. Wenngleich die menschlichen und physischen Dimensionen der Katastrophe, die den Juden widerfuhr, größer waren als die der „Nakba“ (die Zahl der aus ihrer Häusern vertriebenen und mittellos zurückgelassenen Juden belief sich auf 856 000, verglichen mit der Zahl der palästinensischen Araber, die sich, selbst der UNRWA zufolge, auf 650 000 belief), hat sie keinen Namen und erhält keine signifikante öffentliche oder mediale Aufmerksamkeit. Der Grund dafür ist, dass die Juden aus arabischen Ländern und ihre anfängliche Not in Durchgangslagerzelten aus dem Blick gerieten, nachdem sie sich in Israel eingerichtet hatten. Im Gegensatz dazu sorgten die arabischen Länder dafür, das Elend der Flüchtlinge zu erhalten und ihnen nicht zu gestatten, in die Gesellschaft eingegliedert zu werden und die Staatsbürgerschaft zu bekommen, aufgrund der Ideologie, dass eine Wiedereingliederung der Flüchtlinge Israel helfen würde.

Das Desaster der Juden aus arabischen Ländern fand sinnlos statt, im Gegensatz zur „Nakba“. Die Juden, die in diesen Ländern lebten, bekämpften sie nicht, während die Palästinenser Israel bekämpften. Die Juden waren ein Sündenbock im Kampf zwischen den und innerhalb der arabischen Staaten. Entgegen der Behauptung, dass es die Gründung des Staates war, die den Juden Schaden zufügte, hat die Verfolgung von Juden in arabischen Ländern in Wahrheit schon stattgefunden, bevor der Staat Israel gegründet wurde. Das manifestierte sich in Form von Diskriminierungen in Wirtschaft, Erziehung und im öffentlichen Leben.

So gab es grausame Pogrome gegen die Juden. Während eines solchen Pogroms (bekannt unter dem Namen „Farhud“), das sich an den Shavuot-Feiertagen des Jahres 1941 ereignete, wurden 135 getötet und Hunderte verletzt. In Libyen wurden im November 1947 133 Männer, Frauen und Kinder abgeschlachtet und 400 verwundet. Im jemenitischen Aden wurden im selben Monat 100 getötet und Unmengen mehr verletzt. Nach der Gründung des Staates Israel wurden über Nacht Massen von Juden aus Ägypten vertrieben. Diese und andere Pogrome, die tatsächlich in jedem arabischen Staat stattfanden, führten letztlich zu illegalen Massenhinrichtungen von Juden. Die Juden ließen ihr Land und ihren Besitz zurück sowie das Eigentum ihrer uralten jüdischen Gemeinden: Schulen, Synagogen, Krankenhäuser, Prophetengräber und mehr. Die arabischen Regierungen übernahmen all das Eigentum und benutzten es für ihre Bedürfnisse.

Aus unklaren Gründen setzte Israel die Katastrophe der arabischen Juden nicht auf seine nationale Agenda und die seiner internationalen Öffentlichkeitsarbeit, weswegen die Bahn frei war für arabische und antizionistische Propagandisten, die die Palästinenser als die Einzigen darstellten, die im arabisch-israelischen Konflikt gelitten hätten. Die Welt hat eine Menge über das Fehlverhalten und das Unrecht gehört, das den Palästinensern angetan wurde, aber beinahe nichts über das Unrecht, das den Juden widerfuhr, die in den arabischen Ländern lebten. Tatsächlich war das, was in den arabischen Ländern geschah, eine ethnische Säuberung gegenüber den Juden.

Da die Idee von „zwei Staaten für zwei Völker“, die die palästinensische Forderung nach dem „Recht auf Rückkehr“ beinhaltet, nun akzeptiert ist, muss Israel mit dem Thema seiner eigenen Flüchtlinge aus arabischen Ländern dagegenhalten. Jede politische Einigung sollte all die Vorkommnisse im Nahen Osten der vergangenen 60 Jahre in Rechnung stellen. Daher ist die Verabschiedung des Gesetzes, das die Rechte der Juden aus arabischen Ländern anerkennt, durch die Knesset ein erster Schritt in die richtige Richtung im Namen der Gerechtigkeit.

Je größer die Anerkennung in der Welt und unter den Arabern, dass sie nicht die Einzigen waren, die unter dem Nahostkonflikt gelitten haben, desto wahrer wird die Basis der Gespräche für regionale Koexistenz sein. Ansätze dieser Anerkennung finden sich bereits in dem Vorschlag des früheren US-Präsidenten Bill Clinton aus dem Jahr 2000, der die Einrichtung eines internationalen Fonds zur Entschädigung jüdischer und palästinensischer Flüchtlinge beinhaltete. Der Vorschlag genießt die Unterstützung des Repräsentantenhauses und wird sie wohl auch von anderer internationaler Seite finden. In den letzten Jahren hat sich ein Umkehrprozess innerhalb der arabischen Welt vollzogen, vor allem bei Intellektuellen, die fühlen, dass im Nahen Osten den Juden in den arabischen Ländern eine Katastrophe widerfahren ist und es nicht nur die „Nakba“ der palästinensischen Araber gegeben hat. Dieser Prozess ist entscheidend dafür, einen wahren und gerechten Dialog im Nahen Osten voranzubringen.

Zvi Gabai ist Orientalist und früherer Botschafter.

9 Kommentare zu “Gerechtigkeit für Juden aus arabischen Ländern

  1. Zitat v. ben Akiva (כ“ח באייר ה’תש“ע Mai 12th, 2010) Wieder ein Geschischtleugner und die Realitätverweigerer am Werk. Diesmal unter dem Pseudonym “justice” getarnt. Justice” Was für eine Anmassung! Oh Herr! Schmeißt ihm auch ein Stück vom Hirn! Zitat Ende

    Deutlich besser wäre Ihre Argumentation, wenn Sie sich mit meinem Beitrag inhaltlich auseinandergesetzt hätten.
    Hier ist mir nämlich ein Fehler unterlaufen,um dessen Entschuldigung ich hiermit bitte und hiermit korrigiere.
    Direkt vertrieben wurden 1967 „nur“ 350.000 Palästinenser, womit sich die Gesamtzahl der direkt Vertriebenen (ohne Abkömmlinge) auf 1,1 Mio beläuft (750.000 1948 und 350.000 1967)

    Vielen Dank für die Gelegenheit zur Korrektur.

  2. Koshiro,

    „Wenn die arabischen Länder auch nur einen Funken Verstand hätten, würden sie das sofort aufgreifen und allen damals geflohenen oder vertriebenen Juden und ihren Familien das Recht auf Rückkehr samt gleichberechtigter Staatsbürgerschaft und freier Religionsausübung anbieten.“

    Ja! Aber leider zeigen Arabische Länder, allen voran die Palästinenser immer wieder, wie wenig politisches Geschick sie haben. Immer wieder frage ich mich, warum das wohl so ist.

    Dann habe ich neulich mal mit Persern Schach gespielt. Nicht, dass ich nun glaube, was herausgefunden zu haben, aber es herrschte eine völlig andere Auffassung von Höflichkeit und man erwog jeden Zug nicht nur auf Opportunität sondern auch auf seine Aesthetik. Das führte zu ganz ungewöhnlichen Spielen. Westliche Politik ist sehr flach und machiavellisch, wenig höflich etc. vielleicht kommen die Leute damit nicht klar?

  3. Wieder ein Geschischtleugner und die Realitätverweigerer am Werk. Diesmal unter dem Pseudonym „justice“ getarnt. Justice“ Was für eine Anmassung! Oh Herr! Schmeißt ihm auch ein Stück vom Hirn!

  4. Jaja, nicht die Unterdrückung und Ermordung der Juden ist das Verbrechen, sondern die Tatsache, daß sie mit dem Statt eine Zuflucht vor der Drangsalierung durch ihre „Herrenmenschen“ haben… scheint Einigen, die den „guten alten Zeiten“ nachtrauern, echt ein Dorn im Auge zu sein. Gut so.

  5. Der Beitrag verschweigt, dass der Emmigration von Juden aus arabischen Ländern explizitierte Anwerbekampagnen Israels vorausgegangen sind. Die Einwanderung orientalischer Juden nach Israel ist für Israel demographisch notwendig gewesen. Nicht die unbestreitbaren Ausschreitungen, sondern die gezielte Anwerbung und Förderungen sind der Grund für die massenweise Einwanderung orientalischer Juden nach Israel-ähnlich übrigens später bei Juden aus den GUS-Staaten.

    Wenn der Autor nun zum Einen geförderte und geregelte Auswanderung mit Vertreibung gleichsetzt und gleichzeitig die Vertreibung der Palästinenser relativiert (und auch noch die Vertreibung von über 1 Mio Palästinensern 1967 unterschlägt), diskreditiert er sich desweiteren auch dadurch, dass er die NAKBA offensichtlich als sinnvoll und von den arabischen Einwohnern selbst verschuldet hinstellt.

    Auch unabhängig von d erRichtikeit bzw. Unrichtigkeit der Charakterisierung der Emmigration von orientalischen Juden alsVertreibung wäre eine Verflechtung dieser Causa mit der Palästinafrage schon deshalb unzulässig und als pures Ablenkungsmanöver zu entlarven, weil die Palästinenser hierfür keine Verantwortung tragen.

    Wenn Israel hier nun Entschädigungen fordert- geschmacklos ohnehin, da eine Entschädigung für die Palästinenser in Israel gar nicht zur Debatte steht-möge man sich bitte an die arabischen Staaten wenden, die hierfür verantwortlich gemacht werden.

  6. „Das Desaster der Juden aus arabischen Ländern fand sinnlos statt, im Gegensatz zur „Nakba“.“

    „Wenngleich die menschlichen und physischen Dimensionen der Katastrophe, die den Juden widerfuhr, größer waren als die der „Nakba“ (die Zahl der aus ihrer Häusern vertriebenen und mittellos zurückgelassenen Juden belief sich auf 856 000, verglichen mit der Zahl der palästinensischen Araber, die sich, selbst der UNRWA zufolge, auf 650 000 belief),(…)“

    Der Artikel ist stellenweise leider unsachlich und parteiisch. Beides waren schreckliche Verbrechen, die viel Leid und Blut gefordert haben; aber ganz abgesehen davon, dass die Palästinenser quantitativ betrachtet insgesamt wohl eine größere Opferzahl vorzuweisen haben, ist es bei der Größenordnung kein Argument, dass die einen „nur“ zweihunderttausend weniger Opfer hatten.
    Ein palästinenisches Leben sollte genauso viel wert sein wie ein israelisches, nicht mehr und nicht weniger.

  7. Wenn die arabischen Länder auch nur einen Funken Verstand hätten, würden sie das sofort aufgreifen und allen damals geflohenen oder vertriebenen Juden und ihren Familien das Recht auf Rückkehr samt gleichberechtigter Staatsbürgerschaft und freier Religionsausübung anbieten.

    Angesichts der offensichtlichen demographischen Konsequenzen eines solchen Vorgehens wird die israelische Rechte das Thema sofort fallenlassen wie eine heiße Kartoffel, und die arabischen Staaten können demonstrieren, daß sie positiv zur Lösung aller Probleme beitragen.

    Ich fürchte nur, dazu sind sie zu verbohrt.

  8. Gib es dafür irgendwelche Verweise: „In den letzten Jahren hat sich ein Umkehrprozess innerhalb der arabischen Welt vollzogen, vor allem bei Intellektuellen, die fühlen, dass im Nahen Osten den Juden in den arabischen Ländern eine Katastrophe widerfahren ist und es nicht nur die „Nakba“ der palästinensischen Araber gegeben hat.“?

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