Nachtrag zum Papstbesuch: So wurde hier geschrieben

Benedikt XVI kehrte am Freitag in den Vatikan zurück, aber sein Gefolge ist noch immer über den Empfang entrüstet, den die Medien und die öffentliche Meinung in Israel dem Oberhaupt der Katholischen Kirche bereitet haben. Lange Wochen wurde im Vatikan schwer gearbeitet, um den Erfolg dieser komplizierten Reise zu garantieren…

In Jedioth achronoth zieht Menachem Gantz eine Bilanz zum Papstbesuch in der letzten Woche

Eine solche Reise, so lautete die Überzeugung des Papst-Gefolges, birgt immer eine Botschaft der Hoffnung, des Friedens und der Versöhnung. Die Schlagzeilen, die Berichte und die Kommentare, die in Israel über den Besuch veröffentlicht wurden, waren jedoch weit von alledem entfernt.

Benedikt und sein Gefolge wussten zwar, dass das Echo der Affäre des Holocaustleugnenden Bischofs noch in den Herzen vieler Israelis nachhallt, sie hatten es sich jedoch sicherlich nicht vorgestellt, dass sie sich mit einer solchen Welle amateurhafter, tendenziöser und ungenauer Veröffentlichungen auseinandersetzen müssen.

Es stimmt schon, man hätte von einer derart gut geölten Maschine wie der des Vatikans schon erwarten können, dass sie für Yad Vashem eine eindeutige Papstrede liefert. Die Rede, die Benedikt bei seiner Ankunft am Ben-Gurion Flughafen gehalten hat, war entschlossener und bezog sich ausdrücklich auf Antisemitismus, den Holocaust und die Erinnerung an die sechs Millionen Opfer.

Viele der Journalisten, die über die Zeremonie in Yad Vashem berichteten, ignorierten jedoch die Rede, die der Papst zuvor am Flughafen gehalten hatte. Und die Kommentare, die den Besuch analysieren und die Semantik des Vatikans kennen sollten, wiederholten ständig dieselben Fehler. So hieß es z.B. immer wieder, Benedikt habe Pius XII … heilig gesprochen. Hingegen hat er den Prozess der Heiligsprechung, der sich bereits in fortgeschrittenem Stadium befand, eingefroren.

Die Angriffe gegen den Papst fielen nicht nur durch Stil und Inhalt auf, sondern oft sogar durch Unwissenheit, die dann zu Polemik wurde. Der Papst wurde zur Ordnung gerufen, da er „Holocaustleugnung ignorierte, wie auch die Beteiligung der Kirche am Holocaust.“ Wer seine Geschichtsstudien noch nicht abgeschlossen hat, könnte den Eindruck erhalten, als sei die Katholische Kirche einer der Vollstrecker des Naziregimes gewesen.

Ein kurzer Vergleich zwischen den Schlagzeilen in Israel und denen in Rom könnte den Leser völlig verwirren. Manchmal hatte es den Anschein, als handle es sich um zwei verschiedene Päpste, die verschiedene Orte besuchen. Bei seiner Landung in Israel hoben die italienischen Medien den Aufruf des Papstes hervor, die Zwei-Staaten- Lösung anzuerkennen. In Israel wurde dies völlig ignoriert. Am Tag, an dem die Schlagzeilen hier lauteten „Er bat nicht um Verzeihung“, erschien in Italien der Aufmacher: „Der Papst: ‚Niemand darf den Holocaust leugnen’.“ Also genau das Gegenteil.

Die internationalen Medien berichten über Israel vor allem im Zusammenhang mit Anschlägen und Kriegen. Diesmal richteten sich die Augen von Milliarden Menschen auf uns, und wie immer ist es uns nicht gelungen, Sympathien zu erwecken. Gerade die Palästinenser wussten den Besuch für ihre Ziele zu nutzen, obwohl man im Vatikan so sehr über den Besuch Benedikts in der PA besorgt war. Aufnahmen vom Papst vor der Trennmauer machen sich besser als Schlagzeilen, die den Papst beschimpfen. Wir haben Millionen in den Besuch investiert, waren überzeugt, dass er den Pilgertourismus vorantreiben wird, aber wir haben bei dem Dialog mit der Religion versagt, deren Führer, und das sollte man nicht vergessen, ein spiritueller Führer ist, der einen schweren Preis dafür bezahlt, wenn er Extremisten verurteilt.

Zweifelsohne haben die Beziehungen Israels zum Vatikan, die sowieso gespannt sind, wegen der vielen Missverständnisse einen weiteren und überflüssigen Schlag erhalten.