Die neuen Fernsehtipps

Vom 1. bis 15. November 2022

Di., 1. Nov · 23:30-00:00 · NDR
Weltbilder: Hass, Liebe, Heimat – Glückssuche auf Jüdisch

Patrycja (28) und Eryk (24) haben Polen und ihrer Heimatstadt Wroclaw (Breslau) den Rücken gekehrt. Zunehmend hatten die beiden sich dort wegen des wachsenden Antisemitismus unwohl gefühlt. Auf der Suche nach ihrer jüdischen Identität beginnen sie ein neues Leben in Tel Aviv: mit ganz neuen Herausforderungen; neue Sprache, neues Land, neue Jobs. Aber das junge Paar ist voller Tatendrang und Zuversicht, den Neustart zu schaffen. Dabei hilft ihnen auch ein enges Netzwerk aus anderen osteuropäischen Einwanderern. Jan (34) ist einer von ihren Freunden. Schon vor zehn Jahren kam er von Wroclaw nach Tel Aviv und besitzt mittlerweile die israelische Staatsangehörigkeit. Jan arbeitet als Fremdenführer in ganz Israel. Wie sieht er das Land seiner Träume nach der anfänglichen Euphorie? Über 4.000 Kilometer westlich von Israel steht Eyal (25) auf der Bühne eines kleinen, dunklen Comedyclubs. Der israelische Exsoldat hat das Gelobte Land aus Frust über den Dauerkonflikt mit Palästina verlassen und versucht nun in Berlin sein Glück als Stand-up-Comedian. Beliebtestes Thema für seine Witze: Deutsche, Juden, Nazis und der Holocaust. „Lachen ist eine Form der Therapie“, sagt der junge Israeli. Aber das allein sichert ihm nicht seinen Lebensunterhalt. Eyal jobbt im Falafel-Restaurant von Bashar (48), einem arabischen Israeli, der in Israel als Anwalt für Menschenrechte sehr erfolgreich war, bis er in Deutschland etwas Neues anfangen wollte. Der Araber und der Jude, in der Fremde finden sie ihre Gemeinsamkeiten. Die Liebe zu Falafel und Hummus ist eine davon.

Mi., 2. Nov · 08:55-09:50 · arte
Alices Buch – Wie die Nazis das Kochbuch meiner Großmutter raubten

Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte von Alice Urbach, die unter Hitlers Regime die Rechte an ihrem Kochbuch verlor. In den 30er Jahren war sie eine erfolgreiche Konditorin in Wien und Bestseller-Autorin mit einer eigenen Kochschule. Nach dem deutschen Anschluss Österreichs emigrierte sie nach England – wo sie sich in den Kriegsjahren um jüdische Flüchtlingskinder kümmerte. Als sie Ende der 40er Jahre nach Wien zurückkehrt, entdeckt sie, dass ihr Buch „So kocht man in Wien!“ unter dem Namen Rudolf Roesch veröffentlicht wird. Der Verleger weigert sich, ihr die Rechte zurückzugeben. Für einen Neuanfang zieht sie schließlich nach San Francisco und eröffnet eine Wiener Konditoreischule. Ihr Traum, ihr Kochbuch unter ihrem eigenen Namen auf Englisch zu veröffentlichen, blieb bis zu ihrem Tod unerfüllt. Jetzt, 80 Jahre später, macht sich die Historikerin Karina Urbach – Alices Enkelin – auf, die Geschichte hinter dem gestohlenen Kochbuch aufzudecken und für eine Neuauflage des Buchs zu kämpfen. Ihre Recherchen führen sie von Cambridge über Wien und München bis in den britischen Lake District. In Archiven findet sie Dokumente, die längst verloren geglaubt waren. Ihre Arbeit verschafft Karina Urbach endlich Aufmerksamkeit bei dem Verlag ihrer Großmutter. Erschütternd und unglaublich bewegend erzählt Alices Buch die Geschichte einer Frau, die mit ihrer Leidenschaft für das Kochen die Schrecken des Zweiten Weltkriegs überlebte. Erzählt wird der Film aus subjektiv-erlebender Sicht – Stück für Stück setzt die Protagonistin das Puzzle der Vergangenheit zusammen.

Mi., 2. Nov · 23:00-23:45 · RBB
Der lange Weg der Sinti und Roma

Jùlie Halilic ist stolz, wenn sie an ihren Großvater denkt. Wallani Georg erkämpfte gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern, dass der Massenmord an den Sinti und Roma 1982 als Völkermord anerkannt wurde. Begonnen hatte es mit einer Besetzung der KZ-Gedenkstätte Dachau. Elf Sinti traten dort 1980 in den Hungerstreik, weil die Verfolgung für Angehörige ihrer Minderheit mit der Befreiung nicht endete, weil der Rassismus gegen Sinti und Roma ungebrochen fortbestand. Sie texteten ein beliebtes Wanderlied um, um darauf aufmerksam zu machen: „Lustig ist das Zigeunerleben, Faria, Faria ho – Staat braucht uns keine Rechte (zu) geben, Faria, Faria ho“. Die Aktion in Dachau markierte den Beginn der Bürgerrechtsbewegung, eines langen Weges der Emanzipation. Die Auschwitz-Überlebende Zilli Schmidt kämpfte viele Jahre um Anerkennung ihrer Verfolgung aus rassischen Gründen. Die Musiker Manolito Steinbach und Romani Weiß wuchsen in den 1970er Jahren in West-Berlin auf. Sie erzählen davon, wie sie lange Zeit lieber unsichtbar bleiben wollten, wie diese Vorsicht erst nach und nach einem neuen Selbstbewusstsein wich. Gianni Jovanovic erlebte, dass die Verfolgung auch mit der Anerkennung des Völkermords nicht endete. Nachdem er 1982 einen Bombenanschlag in Darmstadt überlebt hatte, wurde wenig später das Haus seiner Verwandten in einer Nacht- und Nebelaktion von der Stadt abgerissen. Mit diesen persönlichen Lebenswegen zeichnet der Film emotional und eindrucksvoll die Geschichte von Deutschlands größter nationaler Minderheit nach und macht bisher unerzählte Perspektiven sichtbar. Individuelle Geschichten und bisher kaum gezeigtes Archivmaterial nehmen mit in eine Zeit, in der Sinti und Roma weiter diskriminiert wurden und in der sie sich schließlich zur Wehr setzten. Unter den historischen Aufnahmen aus den ARD-Archiven fand Filmautor Adrian Oeser viele Szenen, die deutlich machen, wie stark der Rassismus gegen Sinti und Roma nach 1945 fortdauerte – und auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer wieder befeuert wurde.

Mi., 2. Nov · 23:20-23:50 · Das Erste (ARD)
Wo ist Familie Blach? Eine unbequeme Suche

Als die Stralsunderin Friederike Fechner gemeinsam mit ihrem Mann 2012 ein historisches Giebelhaus kauft, ahnt sie nicht, worauf sie sich einlassen wird: Die Frage: „Wer hat einmal in diesen alten Mauern gelebt?“ wird zu einer jahrelangen Suche. Fast zu einer Sucht – und vor allem: einem Wahrnehmen von Verdrängtem. Dabei gerät Friederike Fechner immer tiefer in den Sog deutscher Geschichte. Beschämend, aufwühlend, tränenreich. Und am Ende der weltweiten Suche steht ein kleines Happy End. Wenn Mauern erzählen könnten, dann wären manche Geschichten kaum auszuhalten. Nicht oft kommen sie so zufällig wieder zum Vorschein wie in der Heilgeiststraße 89, einem barocken Giebelhaus in der Stralsunder Altstadt, das Friederike Fechner 2012 mit ihrem Mann kaufte. Die Stralsunder Cellistin beginnt nachzufragen: Wer hat einmal in diesem alten Haus gelebt? Sie macht sich auf die Suche und gerät in einen Sog. Erste Spuren im Stadtarchiv lassen ihr keine Ruhe mehr: Blach, Julius Blach, Lederwarenhändler, jüdisch. Sein Sohn Friedrich Blach, letzter Besitzer des Hauses bis kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Und dessen vier Schwestern, die in Konzentrationslagern umgebracht wurden. Die Geschichte führt ins dunkelste Kapitel deutscher Vergangenheit. Beschämend, aufwühlend, tränenreich. Friederike Fechner setzt mühsam ein Puzzle wieder zusammen, das bisher lieber vergessen worden war. Was ist passiert? Gibt es Nachfahren der Blachs? Sie findet welche, auf der ganzen Welt verstreut. In Amsterdam, in New York, in Boston. Fast keiner weiß voneinander. Zu schmerzhaft ist die Erinnerung an die deutschen Wurzeln. Und nur wenige haben sich bisher getraut, direkt an den vernarbten Wunden zu kratzen. Die Musikerin treibt ein ähnliches Motiv. Auch in ihrer Familie wurde nicht geredet – nicht über das, was im Krieg mit den Juden geschah, nicht über Schuld, nicht über Verantwortung. Nicht mit dem Großvater, der im Krieg General gewesen war, nicht mit ihren Eltern. Aber jetzt trifft Friederike Fechner auf ihre Generation. Es ist die Enkelgeneration, die anfängt, sich auszutauschen, zu reflektieren, Schmerz zuzulassen. Während ihrer atemberaubenden akribischen Recherche trifft Friederike in Amsterdam auf Peter, der als Kind Bergen-Belsen überlebt hat. In New York auf Casey, der an der Columbia University Professor für Amerikanische Geschichte ist. Auf Kate, Drehbuchautorin, und Christina aus Boston, die sich gut an ihren Großvater Friedrich, geboren in Stralsund, erinnert. Schließlich lädt Friederike alle zu einem Treffen nach Stralsund in ihr Haus ein. Wird es zustande kommen? An einem Ort, an dem Familie Blach einst von den Nachbarn verraten wurde?

Do., 3. Nov · 00:00-01:55 · BR
Hannas schlafende Hunde

Offiziell ist der Krieg vorbei, doch in den Köpfen mancher Leute tobt er noch immer. In dieser Zeit wächst die neunjährige Hanna auf, die für ihr Leben gern singt. Doch ihre Eltern sind streng. Sie soll sich lieber in katholischer Demut üben und keine Aufmerksamkeit erregen. Erzählt wird die authentische Geschichte des halbjüdischen Mädchens, das Ende der 1960er-Jahre in der österreichischen Provinzstadt Wels aufwächst. In den Hauptrollen sind Hannelore Elsner und Franziska Weisz zu sehen. Erzählt wird die authentische Geschichte des jüdischen Mädchens Hanna, das – von den Eltern als braves katholisches Kind getarnt – Ende der 1960er-Jahre in der österreichischen Provinzstadt Wels aufwächst. In den Köpfen der meisten Menschen dort ist die Nazi-Ideologie noch immer tief verankert. Die oberste Maxime, eingetrichtert von der jüdischen Mutter, heißt deshalb: Stillhalten und auf keinen Fall auffallen. Doch Hanna ahnt, dass irgendetwas vor ihr und ihrem Bruder verheimlicht wird. Bis sie vom Pfarrer erfährt, dass sie eigentlich Jüdin ist. Ihr Geheimnis teilt sie mit der erblindeten Großmutter, die noch sehr genau weiß, welche der im Krieg so linientreuen Nazis sich nun als besonders fromme Katholiken ausgeben. Die „schlafenden Hunde“ der Vergangenheit will niemand in der kleinen Stadt wecken. Doch das heranwachsende Mädchen will seine Identität nicht länger verstecken, mehr noch: Sie will stolz darauf sein. Der Film „Hannas schlafende Hunde“ basiert auf dem autobiografischen Roman der österreichischen Autorin Elisabeth Escher, die darin ihre Kindheit als Jüdin Ende der 1960er-Jahre schildert. Sie beschreibt aus der Perspektive eines Kindes, wie wenig es die österreichische Bevölkerung bis dato geschafft hatte mit ihrer jüngsten Vergangenheit umzugehen, wie sehr die Juden immer noch unter Repressalien zu leiden hatten, auch 20 Jahre nach dem Holocaust. Auch 70 Jahre nach dem Ende der Nazi-Schreckensherrschaft ist dieser Aspekt immer noch aktuell. Den Beweis lieferte vor Kurzem Frankreich, als eine 85-jährige Holocaust-Überlebende ermordet wurde – aus antisemitischer Motivation heraus.

Do., 3. Nov · 23:45-02:00 · RBB
Nirgendwo in Afrika

Ab 1938 darf Walter Redlich (Merab Ninidze) seinen Beruf nicht mehr ausüben. Der jüdische Anwalt flieht nach Kenia, wohin seine ebenfalls jüdische Frau Jettel (Juliane Köhler) ihm nur widerstrebend folgt. Jettel fühlt sich in erster Linie als deutsche Staatsangehörige und dann erst ihrer Religion zugehörig. Dass man sie in ihrer Heimat verfolgen wird, kann sie sich nicht vorstellen – die Reise nach Afrika ist in ihren Augen ein Kurztrip. Statt des erbetenen Eisschranks packt sie lieber ihr Porzellanservice und ein neues Abendkleid ein. Mit dem bescheidenen Dasein im Busch, wo ihr Mann als Verwalter einer maroden Farm arbeitet, kann sie sich nicht anfreunden. Dagegen blüht ihre introvertierte Tochter Regina (Karoline Eckertz) in der Fremde erst richtig auf. Sie verfällt dem Zauber Afrikas, lernt die Sprache und findet im einheimischen Koch Owuor (Sidede Onyulo) einen Freund, der sie in die Geheimnisse seiner Kultur einführt. Mit Ausbruch des Kriegs treffen schockierende Nachrichten aus Deutschland ein. Jettel, die sich von Walter immer mehr entfernt hat, wird bewusst, dass das Leben im Exil ein Geschenk ist. Allmählich findet das Paar wieder zueinander. Nach Kriegsende wird Walter ein Posten als Richter in Frankfurt angeboten. Zwölf bewegte Jahre sind inzwischen vergangen, in denen Jettel und Regina Kenia schätzen gelernt haben. Die beiden wissen nicht so recht, ob sie in das Land zurückkehren wollen, in dem die Mörder ihrer Eltern noch leben. Caroline Link führt den Zuschauer ins Herz des afrikanischen Kontinents. Ihre eindrucksvolle Verfilmung des autobiografischen Weltbestsellers von Stefanie Zweig zeichnet ein realistisches Bild vom Leben jüdischer Flüchtlinge im Exil – ohne Postkarten-Idyllen à la Jenseits von Afrika“. Merab Ninidze und Juliane Köhler spielen ein Paar auf der schwierigen Suche nach sich selbst. Nicht zuletzt dank Gernot Rolls beeindruckenden Landschaftspanoramen wurde „Nirgendwo in Afrika“ mit einem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.

Fr., 4. Nov · 01:20-02:40 · arte
Die Schwalben von Kabul

Zunaira und ihr Mann Mohsen leben in Kabul. Afghanistan ist unter der Kontrolle der Taliban und wird mit Gewalt und Terror regiert. Vor der Machtübernahme lehrte Mohsen und Zunaira verdiente ihren Lebensunterhalt als Künstlerin. Auf einen Konflikt mit den Taliban – das Paar wurde lachend auf der Straße erwischt – folgt eine Auseinandersetzung zwischen den Ehepartnern. Zunaira stößt ihren Mann, der zu Boden fällt und sich den Kopf an einem Stein schlägt. Er ist auf der Stelle tot. Die tieftraurige und verzweifelte Zunaira wird inhaftiert und zum Tode verurteilt. Es wird eine große öffentliche Hinrichtung geben und sie ist die einzige Frau auf dem „Programm“, daher soll sie streng bewacht werden. Atiq, Wächter des Frauengefängnisses, der zwar mit den Taliban kooperiert, gleichwohl aber deren Methoden und Ideologie nicht unterstützt, sympathisiert mit Zunaira. Er versteht, dass es sich bei Mohsens Tod um einen Unfall handelte, und will ihr helfen. Doch als er ihr die Zelle aufsperrt und sie zur Flucht aufruft, lehnt Zunaira ab. Schließlich kommt der Tag der Hinrichtung. Atiq hat einen Plan … Ein bewegender Animationsfilm, der die grausame Gewaltherrschaft der Taliban in Afghanistan darstellt und ein trauriges Bild einer Gesellschaft zeichnet. Vor allem das Alltagsleben der Frauen erschüttert zutiefst. Trotz allem hinterlässt der Film ein Gefühl von Hoffnung.

Sa., 5. Nov · 01:50-02:15 · MDR
Kippa

Oskar wird auf einmal brutal drangsaliert und bedroht, nachdem seine Mitschüler*innen erfahren haben, dass er jüdisch ist. Während der Schulleiter die Appelle von Oskars Eltern ignoriert, sucht Oskar eigene Wege, mit den Demütigungen umzugehen. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit. Wenzel Michalski, Direktor von „Human Rights Watch“ in Deutschland, machte 2017 die Geschichte seines Sohnes öffentlich: Monatelang hatte der damals 14-Jährige antisemitische Beleidigungen, Mobbing und körperliche Gewalt an einer Berliner Gemeinschaftsschule erlebt. Regisseur Lukas Nathrath interviewte Wenzel Michalski für eine Reportage zum Thema Antisemitismus in Deutschland und entwickelte daraufhin das Drehbuch für den Kurzspielfilm. „Kippa“ hat zahlreiche Preise gewonnen, unter anderem den Studio Hamburg Nachwuchspreis 2019 und CIVIS Medienpreis 2019.

Sa., 5. Nov · 06:05-06:35 · arte
Verschollene Filmschätze: 1944. Landung in der Normandie

England, 1944. Anfang Juni gehen 270.000 Soldaten an Bord. Sie stammen hauptsächlich aus den USA, Großbritannien und Kanada. Hunderte Schiffe warten auf General Eisenhowers Einsatzbefehl für den sogenannten D-Day, um nach Überquerung des Ärmelkanals den Kampf um die Küsten der Normandie aufzunehmen. Die Landung der Alliierten ist der bedeutendste Luft- und Seeangriff der Weltgeschichte. Er trägt den Decknamen Overlord. Wegen der schlechten Wetterverhältnisse wird der Einsatzbeginn vom 5. auf den 6. Juni verschoben. Insgesamt werden über drei Millionen Soldaten entsandt, um Frankreich und seine Nachbarn von der Nazityrannei zu befreien. Am D-Day begleiten nur wenige Kameraleute und Fotografen die Alliierten. Später jedoch werden es über 200 sein. Noch nie wurden so viele Berichterstatter für einen Militäreinsatz angeheuert. Unter ihnen ist der große Filmregisseur John Ford. Für wen arbeitete er? Die Bilder des D-Day wurden unter sehr gefährlichen Verhältnissen aufgenommen – doch was ist mit ihnen geschehen?

Sa., 5. Nov · 20:15-21:00 · ARD-alpha
Im Land der Täter (1/2) Leben in der Wohlfühldiktatur

Es waren keine professionellen Wochenschaukameramänner, die die Bilder vom Alltag im Dritten Reich festhielten, es waren Hobbyfilmer, die das normale Leben, jenseits der offiziellen NS-Propaganda, mit ihren kleinen Kameras abbildeten: auf 8- oder 16mm-Film und oft sogar in Farbe! Mehr als 70 Jahre lagen die Aufnahmen unentdeckt auf Dachböden oder ungenutzt in den Archiven. Jetzt hat der Filmemacher Jan N. Lorenzen aus mehr als 100 Stunden ausschließlich farbigen Amateuraufnahmen einen Film destilliert, der einen beispiellosen Einblick in das Alltagsleben der Menschen während der NS-Zeit gibt: Familienfeiern, Ausflüge mit Freunden: alles wirkt in Farbe greifbarer, authentischer, näher, als wäre es gestern erst passiert. Harmlos wirken die Bilder nur auf den ersten Blick. Immer wieder offenbaren die Aufnahmen vielmehr, wie tief der Nationalsozialismus in die deutsche Gesellschaft eindrang, wie sichtbar für alle das Regime jüdische Mitbürger aussonderte und politische Gegner ausschaltete, wie freudig, wie bereitwillig viele Deutsche jubelten, mitmachten und selber zu Tätern wurden. Teil 1: Leben in der Wohlfühldiktatur Es sind verstörende Bilder, die sich in den Aufnahmen der Hobbyfilmer finden: Eine Braut lacht glücklich in die Kamera. Ihr Ehemann trägt statt eines Hochzeitsanzuges die schwarze Uniform der SS. Ein junger Mann kommt nach erfolgreich absolvierter Grundausbildung nach Hause. Stolz und zärtlich streicht seine Mutter über die neue Uniform mit der Hakenkreuzbinde. Eine Familie versammelt sich am Morgen zum Appell unter der Hakenkreuzfahne. Auch ein offensichtlich behinderter, junger Mann steht dabei. Wird er dem Euthanasieprogramm der Nazis zum Opfer fallen? Die Menschen wirken fröhlich, sie lachen. Noch ahnen sie nicht die selbstverschuldete Katastrophe: Noch hat der Krieg nicht begonnen, doch die Remilitarisierung schafft Arbeitsplätze. Der „Anschluss“ Österreichs löst Euphorie aus. Mit Urlaubsreisen auch für Arbeiter und kleine Angestellte gewinnt das nationalsozialistische Regime die Sympathie der Massen. Deutschland scheint in diesen Jahren eine Diktatur zum Wohlfühlen, zumindest dann, wenn man nicht selbst Opfer des NS-Regimes wird, sondern beispielsweise als arischer Deutscher von der Verfolgung der jüdischen Mitmenschen profitiert.

Sa., 5. Nov · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Im Land der Täter (2/2) Front und Heimatfront

Ein Wehrmachtsoffizier filmt privat, scheinbar ungerührt, die abgemagerten Gestalten in einem Gefangenenlager für sowjetische Soldaten bei Dresden und notiert in seinem Tagebuch: „Der Gestank war bestialisch.“ Im südlichen Polen wird ein anderer Wehrmachtsoffizier mit seiner Kamera Zeuge, wie jüdische Männer zum Arbeitseinsatz abkommandiert werden. Eine Gruppe von Filmamateuren durchstreift 1943 Dachau. Geführt wird die Gruppe von einem SS-Offizier des nahegelegenen Konzentrationslagers. Passt er auf, dass die Filmamateure dem Lager nicht zu nahekommen, nur Unverfängliches filmen? Es sind Bilder von erstaunlicher Offenheit, Bilder, die in keiner nationalsozialistischen Wochenschau gezeigt worden wären. Das Material überzeugt nicht zuletzt auch durch die enorme Bandbreite der Alltagsbilder, durch die Parallelität der Ereignisse, die in den Bildern zum Ausdruck kommt: Während deutsche Truppen an der sowjetischen Grenze auf den Befehl zum Angriff warten, unternimmt in Potsdam ein Ehepaar einen sorglosen Ausflug. Während sich in Berlin ein Familienvater in einem spaßigen Film über die Bombenangriffe lustig macht, liegen Köln und kurz darauf Hamburg bereits in Schutt und Asche. Deutschland ist in den Kriegsjahren ein Land, das zeigen die privaten Aufnahmen, in dem der Krieg auch dort, wo nicht gekämpft wird, immer präsent ist.

So., 6. Nov · 00:00-00:45 · PHOENIX
ZDF-History: Ein deutscher Held – Fredy Hirsch und die Kinder des Holocaust

Tausenden Kindern wird er zum Hoffnungsträger, Hunderten zum Lebensretter: der jüdische Deutsche Fredy Hirsch. „ZDF-History“ blickt auf eines der letzten Rätsel des Holocaust. Als Pfadfinder kümmert sich Fredy Hirsch schon früh um jene, die den Repressalien der Nazis am hilflosesten gegenüberstehen: jüdische Kinder und Jugendliche. Zunächst in Düsseldorf, später in Prag, dann im Ghetto Theresienstadt und am Ende in Auschwitz. Dort trifft am 7. September 1943 ein Transport aus Theresienstadt ein, der bis heute Rätsel aufgibt. Denn erstmals lassen die Nazis alle Deportierten am Leben, unter ihnen auch Fredy Hirsch. Männer, Frauen und Kinder – alle bleiben zusammen und werden in einem neu errichteten Abschnitt der Mordfabrik untergebracht: dem sogenannten Familienlager. Ob es möglicherweise eingerichtet wurde, um Vertreter des Roten Kreuzes zu täuschen, ist bis heute unklar. Fredy Hirsch gelingt es, der SS einen eigenen Block für die Kinder abzutrotzen. Nur wenige Meter von den Gaskammern entfernt entsteht eine unbegreifliche Gegenwelt, in der er Grauen, Schmutz und Elend von seinen Schützlingen fernhalten will. Doch im März 1944 geht das Gerücht um, dass alle, die mit Fredy Hirschs Transport nach Auschwitz kamen, vergast werden sollen, auch die Kinder. Die todgeweihten Familien denken an Widerstand und bestimmen Fredy Hirsch zu ihrem Anführer. Doch bevor es zum Aufstand kommen kann, stirbt er. War es Selbstmord oder Mord? Neue Dokumente und Zeitzeugenaussagen erhellen ein bislang ungeklärtes Kapitel des Holocaust.

So., 6. Nov · 02:55-03:50 · arte
Die Rothschild-Saga – Aufstieg – Reichtum – Verfolgung

1938: Die Nazis haben gerade Österreich an das Deutsche Reich „angeschlossen“ – sprich okkupiert. Das Leben von Juden und Jüdinnen ist jetzt auch in Österreich in höchster Gefahr. Miriam Rothschild ist alarmiert. Sie wird einmal eine weltberühmte Insektenforscherin werden. Aber jetzt geht es darum, einen Cousin aus Österreich herauszuholen. Denn der Wiener Teil der weitverzweigten Familie wird zum Ziel antisemitischer Propaganda. Alle Rothschilds können Österreich verlassen, nur Louis Nathaniel nicht. Die Nazis werden ihn ein Jahr lang festhalten – bis sie ihm sein gesamtes Vermögen abgepresst haben. Parallel dazu wird die Geschichte der Rothschilds erzählt. Sie beginnt im Frankfurter Ghetto, das Mayer Amschel Rothschild 1756 als zwölfjährige Waise verlässt. Er erlernt einen der wenigen Berufe, die jüdischen Personen damals erlaubt sind: Münzhandel und Bankgeschäfte. Nach seinem Tod setzen seine fünf Söhne Amschels Erfolgsgeschichte in London, Paris, Wien, Neapel und Frankfurt fort. Freiheit gegen Geld – was Louis Nathaniel widerfährt, galt schon mehr als ein Jahrhundert zuvor in der Frankfurter Judengasse. 1811 überweist Mayer Amschel Rothschild eine erhebliche Summe an das Großherzogtum Frankfurt. Im Gegenzug erhält die jüdische Gemeinde ein „Emanzipationsedikt“. Es gewährt Jüdinnen und Juden die Bürgerrechte. Nun sind sie frei und dürfen auch außerhalb der bedrückenden, demütigenden Atmosphäre des Ghettos leben. Damit beginnt der Aufstieg der Familie zu Reichtum und Macht, was sie auch heute noch zur Zielscheibe antisemitischer Verschwörungstheorien und Hetzkampagnen macht.

So., 6. Nov · 20:15-21:00 · ARD-alpha
Zeuge der Zeit: Josef Salomonovic – Meine gestohlene Kindheit

„Ich glaube, es ist notwendig, über unpopuläre Sachen zu sprechen. Besonders jetzt.“, sagt Josef Salomonovic zu Beginn des Interviews. Es kostet ihn Kraft, über seine Erlebnisse durch die NS-Verfolgung zu sprechen. Aber er gibt dieses Interview dennoch, denn er möchte, dass die Welt davon erfährt. „Ich habe alle acht Konzentrationslager und Ghettos, wo ich war, besucht. Ich kann sie auswendig nennen und habe an meine „Nicht-Kindheit“ gedacht. Meine Kindheit wurde mir gestohlen. Das tut weh.“ Der Holocaust-Überlebende Josef Salomonovic, 1938 in Mährisch-Ostrau in der ehemaligen Tschechoslowakei in eine jüdische Familie geboren, wird im Alter von drei Jahren gemeinsam mit seinen Eltern Dora und Erich und seinem größeren Bruder Michael von den Nationalsozialisten zunächst ins Ghetto Litzmannstadt/Lodz verschleppt. Im Ghetto werden Josefs Eltern und sein Bruder zur Zwangsarbeit in den Deutschen Munitionswerken verpflichtet. Der kleine Josef bleibt drei Jahre lang tagtäglich in einer Baracke zurück, leidet unter Hunger, Durst und Einsamkeit, bis seine Familie spät abends erschöpft nach Hause kommt. Immerzu bangt die Familie ums blanke Überleben und noch mehr um das Überleben des kleinen Josef: „Sie nannten uns Parasiten. Und einer von diesen Parasiten war ich, weil ich als kleines Kind nicht arbeiten konnte. Daher haben sie die Kranken, die Alten und Kinder etappenweise nach Auschwitz gebracht.“ Immer wieder hat Familie Salomonovic Glück im Unglück. Doch dann wird das Ghetto geräumt und es folgt im Juni 1944 die Deportation ins Vernichtungslager Auschwitz und nach kurzer Zeit ins Konzentrationslager Stutthof. Dort wird Vater Erich vor den Augen Michaels ermordet. Während des Todesmarsches durch Böhmen können Dora Salomonovic, Michael und der schwerkranke Josef fliehen. Auf der Flucht sieht Josef zum ersten Mal in seinem Leben Ziegen, Hühner und eine Kuh. Wegen der jahrelangen Mangelernährung wachsen ihm erst nach der Befreiung im Alter von sieben Jahren Zähne. Josef Salomonovic hat den Holocaust überlebt. In diesem intensiven Interviewfilm berichtet er vom schier Unbegreiflichen; davon, was Menschen anderen Menschen antun können. Mit seinem Zeugnis möchte er dazu beitragen, dass so etwas nie mehr geschieht.

So., 6. Nov · 20:15-22:40 · arte
Der Pianist

Der bekannte junge Pianist Wladyslaw Szpilman lebt mit seiner Familie in Warschau. Die Schikanen der Deutschen gegen die jüdische Bevölkerung nehmen dramatisch zu, und so wird auch seine Familie enteignet und muss ins Ghetto ziehen. Als das Ghetto geräumt wird, entgeht er in letzter Minute und ohne sein Zutun dem Abtransport in ein Vernichtungslager. Polnische Widerstandskämpfer verstecken ihn in einer leerstehenden Wohnung. Als die Gruppe der Gestapo in die Hände fällt, ist er auf sich allein gestellt. Ständig unter Lebensgefahr auf der Suche nach Nahrung und Wasser, kämpft er ums Überleben. Von seinem Versteck aus wird er Zeuge der blutigen Niederschlagung des Ghetto-Aufstands. In seiner Verzweiflung sucht er eine konspirative Adresse auf, die ihm für den Notfall gegeben wurde, und trifft auf eine ehemalige Bekannte, die hochschwanger mit ihrem Mann die Stadt verlassen wird. Er bleibt allein, nur ab und zu bringt ihm jemand etwas zu essen oder zu trinken. Während des Warschauer Aufstands im Herbst 1944 entgeht er in letzter Minute dem Tod, indem er aus einem brennenden Haus auf die Straße springt. Vom reinen Überlebenswillen getrieben, macht er sich in den leerstehenden Ruinen der Häuser auf die Suche nach etwas Essbarem und steht plötzlich einem deutschen Offizier gegenüber … Polanskis Holocaust-Drama ist vielfach prämiert worden und wird von ihm selbst als sein persönlichster Film bezeichnet.

So., 6. Nov · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Zeuge der Zeit: Claus Günther

Seine Vorbilder hießen Hitler, Göring und Goebbels. Seine Schulbücher waren bebildert mit Helden in Naziuniformen. Seine Überzeugung war es, einer überlegenen „arischen Herrenrasse“ anzugehören – denn das erzählten die Wissenschaftler jener Zeit. Claus Günther war damals Kind. Er kannte nichts anderes. Aber nach Kriegsende erfährt er, welche zerstörerische Wirkung die Nazi-Ideologie hatte. Weshalb haben so viele Menschen mitgemacht? Wie konnte die Menschenverachtung des diktatorischen NS-Systems zum Ideal werden? Der Bericht von Claus Günther bringt manches Licht ins Dunkel. Bei Kriegsende ist Claus Günther 14 Jahre alt. Die Jahre zuvor aber waren wie ein verführerisches Abenteuer. Er gehörte zu einer Masse. Er fühlte sich stark. Zum Beispiel, als er Adolf Hitler mit eigenen Augen bei der Schiffseinweihung des KdF-Kreuzfahrtschiffes „Wilhelm Gustloff“ an den Hamburger Landungsbrücken sah und inmitten einer wogenden und jubelnden Menschenmasse stand. Sein Vater trug in SA-Uniform die Fahne, als während der Novemberpogrome 1938 die Harburger Synagoge zerstört wurde. Nach Kriegsende erfährt Claus Günther, dass seine eigenen jüdischen Nachbarn im Konzentrationslager ermordet wurden. Bis heute schämt er sich dafür, als 10-Jähriger jene Nachbarn antisemitisch beschimpft zu haben. Seit vielen Jahren ist Claus Günther gerade durch diese Erkenntnisse ein Kämpfer für Demokratie und mahnt, stets wachsam zu beobachten, was im eigenen Umfeld geschieht: „Das Schlimme ist: Es waren sogenannte normale Menschen: Der Friseur, der da die Synagoge mit zerstört hat. Das ist es also, was eine Diktatur mit Menschen machen kann.“

Mo., 7. Nov · 01:35-03:10 · HR
Die Oslo-Tagebücher

Der Film dokumentiert zum ersten Mal, was wirklich bei den geheimen israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen in Norwegen 1992/93 geschah. Die Dokumentation erzählt exklusiv aus der Sicht der wichtigsten Akteure, wie es zum Friedensabkommen von Oslo kam, und fragt nach den Ursachen für das Scheitern der anschließenden Verhandlungen. Ein packender Politthriller, für den die ergreifenden persönlichen Aufzeichnungen der damals Beteiligten genutzt werden konnten. Zudem ist noch nie gezeigtes Archivmaterial zu sehen. Am 10. Dezember 1994 erhielten Israels Ministerpräsident Rabin, sein Außenminister Peres und PLO-Chef Arafat in Oslo den Friedensnobelpreis für ihre Bemühungen im Friedensprozess. In Oslo hatte man sich in geheimen israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen angenähert. Frieden schien möglich. Der Dokumentarfilm von Mor Loushy und Daniel Sivan erzählt die wahre Geschichte jener Akteure, die damals versuchten, Frieden zu schaffen. Im September 1993 gaben sich Israels Ministerpräsident Yitzchak Rabin und Jassir Arafat, Chef der palästinensischen Befreiungsbewegung, auf dem Rasen des Weißen Hauses die Hände. Eine historische Geste der Versöhnung: Zwei erbitterte Feinde präsentierten sich als Partner. Im Vertrag von Oslo hatten sie sich verpflichtet, gemeinsam eine Lösung des Konflikts zu finden. Unter strikter Geheimhaltung war er in Norwegen ausgehandelt worden. Von einer Gruppe mutiger Unterhändler, zwei israelischen Professoren und drei PLO-Mitgliedern. Die ehemals erbitterten Feinde einte die Überzeugung, dass das Blutvergießen auf beiden Seiten endlich gestoppt werden müsse. Die internationale Koproduktion „Die Oslo Tagebücher“ dokumentiert zum ersten Mal, was wirklich bei den geheimen israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen in Norwegen 1992/93 geschah. Der Dokumentarfilm erzählt exklusiv aus der Sicht der wichtigsten Akteure, wie es zu diesem Friedensabkommen kam, und fragt, warum sich die Hoffnungen von Oslo nicht erfüllten. Für den packenden Politthriller konnten die Autoren Mor Loushy und Daniel Sivan die ergreifenden persönlichen Aufzeichnungen der damals Beteiligten nutzen. Wie in ihrem vorigen, preisgekrönten Film „Censored Voices“ arbeiten sie mit noch nie gezeigtem Archivmaterial.

Mo., 7. Nov · 23:10-00:40 · MDR
Der Junge im gestreiften Pyjama

Bruno ist acht Jahre alt, sein Vater ein deutscher Offizier. Als dieser als Aufseher eines Vernichtungslagers aufs Land versetzt wird, muss ihm die gesamte Familie folgen. Am Zaun des Arbeitslagers lernt Bruno den gleichaltrigen Shmuel kennen. Bald entsteht zwischen den ungleichen Jungen eine gefährliche Freundschaft. Der achtjährige Bruno (Asa Butterfield) muss Anfang der 1940er Jahre mit seiner Familie von Berlin aufs Land ziehen, weil sein Vater Ralf (David Thewlis), ein deutscher Offizier, befördert wird. Bruno trennt sich nur ungern von seinen Freunden, aber seine Schwester Gretel (Amber Beattie) glaubt, dass man in der neuen Heimat auch neue Freunde finden kann. Das neue Haus entpuppt sich als düsteres, schwer bewachtes Gebäude, in dem sich Bruno schrecklich einsam fühlt. Eines Tages gelingt es ihm, unbemerkt in den Wald hinter dem Grundstück zu gelangen. Schon vom Fenster aus hatte ein nahegelegenes Gelände seine Aufmerksamkeit geweckt, auf dem komische Bauernhöfe stehen und die Menschen auch tagsüber in Schlafanzügen herumlaufen. Durch den Stacheldrahtzaun hindurch freundet sich Bruno mit dem kleinen Shmuel (Jack Scanlon) an – ohne zu ahnen, dass das Gelände auf der anderen Seite des Zauns ein Vernichtungslager ist und sein Vater der Lagerkommandant. Als Brunos Mutter Elsa (Vera Farmiga) mitbekommt, dass ihr Mann dort die Ermordung und Vergasung von Juden verantwortet, ist sie schockiert und setzt durch, mit ihren Kindern zu Verwandten nach Heidelberg ziehen zu dürfen. Bruno möchte eigentlich nicht schon wieder einen Freund verlieren, doch er hat keine Wahl. Vor der Abreise stiehlt er sich noch einmal zum Zaun, um sich von Shmuel zu verabschieden. Dieser ist bedrückt, weil sein Vater verschwunden ist. Da bietet Bruno Shmuel an, ihm beim Suchen zu helfen und gräbt sich einen Tunnel ins Lager. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von John Boyle erzählt Regisseur Mark Herman aus kindlicher Perspektive vom Holocaust. Er montiert authentische Bilder und erdachte Dialoge und Szenerien zu einem aufwühlenden, ergreifenden, aber nie rührseligen Film.

Di., 8. Nov · 00:05-01:35 · ZDF
Displaced – verschoben, verdrängt, vertrieben

Mit den Augen der dritten Generation nach der Schoah blickt die Filmemacherin Sharon Ryba-Kahn auf sich selbst, auf ihre Familie und ihr deutsches Umfeld. Der Blick in ihre Familiengeschichte führt Sharon dazu, sich mit ihrem eigenen Leben auseinanderzusetzen und die Frage nach dem Umgang mit der Vergangenheit an ihr nichtjüdisches Umfeld zu stellen. Die Suche zeigt langsam die Kluft zwischen beiden Welten. Sharon Ryba-Kahn artikuliert in diesem Film das, was sie lange nur gedacht und gefühlt hat. Gleichzeitig bezieht sie ihre deutschen nichtjüdischen Freunde in die Gespräche mit ein und stellt fest, dass der Wunsch danach, die Vergangenheit ruhen zu lassen, vor allem das Privileg der Tätergesellschaft ist.

Di., 8. Nov · 00:40-02:30 · MDR
Korczak

Janusz Korczak, ein idealistischer Kinderarzt und Schriftsteller, leitet ein Heim für jüdische Waisenkinder. Nach dem deutschen Überfall auf Polen zwingen die Nazis den Pädagogen, sein Kinderheim ins Warschauer Ghetto zu verlegen. Mit unermüdlichem Elan trotzt er dort den entsetzlichen Lebensbedingungen, beschafft Nahrungsmittel und versucht, die Kinder zu beschützen. Auch als die Deutschen das Ghetto räumen, lässt Korczak die ihm anvertrauten Kinder nicht im Stich. Polen, 1936: Mit Hingabe moderiert Janusz Korczak seine beliebten Warschauer Radiosendungen. Im Anschluss muss er jedoch erfahren, dass es seine letzte Sendung war – als Jude gilt er den Behörden als nicht mehr tragbar. Der international profilierte Mediziner und Schriftsteller konzentriert sich nun ganz auf die Leitung des von ihm gegründeten Heims für jüdische Kinder. Nachdem die Deutschen Polen überfallen, wird er gezwungen, mit seinen 200 Heimkindern in das Ghetto zu ziehen. Dort verschlechtert sich die Lage der jüdischen Gefangenen tagtäglich. Korczak setzt alles daran, den Kindern in der unerträglichen Situation zu helfen. Um ihnen das alltägliche Sterben auf den Straßen begreiflich zu machen, inszeniert er mit ihnen ein Theaterstück über den Tod. Unermüdlich durchstreift er das Ghetto auf der Suche nach Lebensmitteln für die Kinder. Immer wieder gerät der Arzt dabei in Gefahr, da er sich standhaft weigert, den „Judenstern“ zu tragen. Mehrmals versuchen einflussreiche Freunde, ihm mit gefälschten Papieren zur Flucht zu verhelfen, doch Korczak lehnt ab. 1942 stirbt er mit seinen Kindern im Vernichtungslager Treblinka.

Di., 8. Nov · 23:30-00:15 · SWR
Die Versteigerer – Die Profiteure des Holocaust

Der Versteigerer Hans Klemm in Leipzig hat jeden Verkauf ehemals jüdischen Eigentums zwischen 1933 und 1944 akribisch dokumentiert. Unzählige Listen mit den Habseligkeiten ausgereister und deportierter Juden: Möbel, Bettwäsche, Kleidung, Musikinstrumente und Spielzeug. Jeder Gegenstand wurde geschätzt und dann versteigert – im Auftrag der Geheimen Staatspolizei oder der Oberfinanzdirektion, die das Geld zugunsten der Reichskasse einzogen. Doch auch der Versteigerer selbst erzielte gewaltige Gewinne. Zehn Prozent des Versteigerungserlöses standen ihm zu. Die Gewinne von Hans Klemm stiegen in der NS-Zeit von etwa 10.000 auf über 100.000 Reichsmark pro Jahr. Hans Klemm war aber kein Einzelfall. Filmemacher Jan N. Lorenzen und Michael Schönherr zeigen, wie sich überall in Deutschland Behörden und Bürger am Besitz der deportierten und ermordeten Juden bereicherten. Die Dokumentation geht der Frage nach: Wer hat davon profitiert? Und wo finden sich Gegenstände aus jüdischem Besitz heute?

Mi., 9. Nov · 22:45-23:30 · WDR
Die Romika-Story

Segelschuhe, Gummistiefel oder Pantoffel – seit 100 stehen diese Schuhe für eine Erfolgsgeschichte: Romika, der Name hat bis heute eine große Strahlkraft. Doch es gibt ein dunkles Kapitel, das lange verschwiegen wurde. Denn Romika steht auch beispielhaft für die Ausplünderung zahlloser jüdischer Unternehmen während der Nazi-Herrschaft. Hinter dem großen Namen steckt die dramatische Geschichte des rheinischen Schuhpioniers Hans Rollmann. Mit zahlreichen Patenten gelang ihm in den 1920er Jahren der große Erfolg auf dem deutschen Schuhmarkt. Selbst nach der großen Wirtschaftskrise 1929/30 arbeiteten in den Fabriken in Köln und Trier noch mehr als tausend Menschen. Doch nach der Machtergreifung wurde Rollmanns jüdischer Glaube zur Bedrohung für ihn und sein Unternehmen. Rohstoff-Boykott und Exportverbote trieben Romika in den Ruin. Rollmann hatte keine Chance. 1936 übernahm dann ein neuer Geschäftsführer das lukrative Unternehmen: Hellmuth Lemm profitierte dabei von Großaufträgen der Wehrmacht. Und mit Hilfe ukrainischer Zwangsarbeiterinnen konnten die Lohnkosten gedrückt werden. Hans Rollmann dagegen rettete sich nach Brüssel. Doch als die Wehrmacht dann im Zweiten Weltkrieg auch in Belgien einfiel, flüchtete die Familie nach Calais. Von dort ging es nicht weiter, kein Schiff nahm sie auf. Hans Rollmann und seine Frau Marie sahen keinen Ausweg mehr und nahmen sich das Leben. Ihrer Schwiegertochter gelang mit ihrer zweijährigen Tochter die Flucht über Lissabon nach Amerika. Nach Kriegsende wollte man die Nazizeit möglichst schnell vergessen. Romika tragen: Wohlbehagen wurde zum Slogan gepflegter Häuslichkeit. Die zweite Generation der Lemms führte nun bei Romika die Geschäfte und zählte später zu den 400 reichsten deutschen Familien. 1986 wurde das 50-jährige Jubiläum groß gefeiert. Kein Wort allerdings von der eigentlichen Geschichte, die ja im Jahr 1921 begann. Heute gehört Romika zu Europas größtem Schuhkonzern Deichmann. Erst in den letzten Jahren kommt nach und nach die ganze Romika-Geschichte ans Licht. Es ist Hans Rollmanns Urenkel, der mehr wissen will über die Familien- und Firmengeschichte. Autorin Renate Werner hat die Initiative von Carl Liedermann aufgegriffen und ihn mehrmals auf seiner Spurensuche in Deutschland begleitet. Für diesen Film hat sie ein Treffen mit dem ehemaligen Geschäftsführer Björn Lemm vorbereitet und dazu mit Zeitzeugen an den Originalschauplätzen gedreht. Entstanden ist ein einzigartiges Dokument der Geschichte eines großen deutschen Unternehmens.

Mi., 9. Nov · 23:30-00:15 · WDR
NS-Geheimkommando 1005

Genauso akribisch wie sie ihre Massenmorde geplant und durchgeführt hatten, gingen die nationalsozialistischen Machthaber dabei vor, die Spuren ihrer Verbrechen zu beseitigen. Hatten sie beim Vormarsch in den Osten zunächst die Opfer ihrer Hinrichtungen einfach in Massengräbern verscharrt, so fürchteten sie nach der Wende des Krieges und der Gegenoffensive der Roten Armee, dass ihre Gräueltaten entdeckt würden. Wie systematisch die Bürokraten der Massenmorde daran gingen, ihre Spuren zu verwischen und wie grausam und unmenschlich sie dabei vorgingen, ist bis heute ein weitgehend unbekanntes Kapitel Kriegsgeschichte. Viele Angehörige der seinerzeit getöteten Juden, Sinti, Roma, Partisanen oder einfachen Zivilisten warten bis heute auf eine Nachricht über den Verbleib ihrer Verwandten, hoffen noch immer zumindest auf eine würdige Gedenkstätte. Der Film begleitet einerseits die französische Organisation Yahad-In Unum bei ihren Recherchen in der Ukraine und folgt andererseits dem Enkel eines der Täter bei den Nachforschungen über seinen Großvater, einen ehemaligen Angehörigen der SS; beide sind im Raum Lemberg unterwegs. Die Rechercheure von Yahad-In Unum versuchen, Schauplätze von Massenerschießungen und noch lebende Augenzeugen zu finden, dabei entstehen auch Porträts der Mitarbeiter um den Gründer und Inspirator, den französischen Pater Patrick Desbois. Der Hamburger Vertriebsleiter Rüdiger Schallock folgt den Spuren seines Großvaters, dessen Taten bis heute als dunkler Schatten auf der Familie lastet. Der Film zeichnet auch die Geschichte eines der Hauptverantwortlichen nach, der sich vom biederen Architekten im Bergischen Land zum Massenmörder und perfiden Logistiker der nationalsozialistischen Todesmaschinerie entwickelte. Bislang im Fernsehen nicht gezeigte historische Aufnahmen sowie aktuelle Szenen von der 80-Jahr-Gedenkfeier des Massakers von Babyn Yar bilden den Rahmen der Dokumentation.

Do., 10. Nov · 00:15-00:45 · WDR
Pappnase und Davidstern – Der jüdische Karnevalsverein Kölsche Kippa Köpp

„Soweit wir wissen, sind wir immer noch der einzige aktive jüdische Karnevalsverein weltweit“, sagt Volker Scholz-Goldenberg von den Kölschen Kippa Köpp. Die Vereinsgründung des ersten jüdischen Karnevalsvereins in Köln nach Kriegsende hat 2017 einen Presserummel ausgelöst: Karneval und Judentum zusammen zu denken, fällt selbst in Köln nicht leicht – denn die Schatten der NS-Zeit sind immer noch gegenwärtig. Gerade deshalb verspürten die Kippa Köpp Aaron Knappstein und Volker Scholz-Goldenberg den dringenden Wunsch, sich mit den jüdischen Karnevals-Clubs vor 1933 auseinanderzusetzen. Gerade der „Kleine Kölner Klub“, der allererste jüdische Karnevalsverein von 1927 ist eine Legende. Dessen bestens in den offiziellen Karneval integrierte Mitglieder wurden nach Hitlers Machtergreifung vertrieben oder ermordet. 2019 beginnen Aaron und Volker mit einer Spurensuche, und nach intensiver Recherche machen sie tatsächlich Nachfahren jüdischer Karnevalisten ausfindig. Die Familien leben heute in Israel und den USA. Karneval kennen sie nur von Fotos. Nach einiger Überzeugungsarbeit gelingt es den Kippa Köpp, die Nachfahren zu einem Besuch nach Köln zu bewegen – zum Karneval! Den jecken Frohsinn erleben sie mit der Sessionseröffnung am 11.11., aber auch, nur zwei Tage zuvor, sind sie beim Gedenken an die Novemberpogrome und die Zerstörung der Synagogen dabei. In Köln geht die Spurensuche weiter, denn die Nachfahren wollen die Wohn- und Geschäftshäuser ihrer Groß- und Urgroßeltern finden. Und so wird für sie ganz plötzlich die eigene Familiengeschichte lebendig – ein Spannungsraum zwischen Trauer, Schmerz und ausgelassener Freude.

Do., 10. Nov · 00:45-01:30 · WDR
Ich bin Jüdin – die junge Generation

Was bedeutet es heute, als junge Frau in Deutschland jüdisch zu sein? Wie schwer wiegt die Tradition des Judentums und welche Rolle spielt der Glaube? „Menschen hautnah“ begleitet die Bloggerin Linda, die angehende Grundschullehrerin Rina und Helene, die sich gerade zur Rabbinerin ausbilden lässt.

Fr., 11. Nov · 09:30-10:00 · ARD-alpha
RESPEKT – Demokratische Grundwerte für alle! Holocaust – Erinnern ohne Zeitzeugen

„RESPEKT“ will dazu beitragen, Demokratie, Grund- und Menschenrechte nicht nur als abstrakte Begriffe zu verstehen, sondern als Werte des gemeinschaftlichen Lebens. Die Online-Videos und TV-Reportagen überprüfen Vorurteile und Klischees wie Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit, Homophobie oder Sexismus. Die Presenter Sabine Pusch, Rainer Maria Jilg und der aus Syrien stammende Schauspieler Ramo Ali treffen Menschen, die sich für Weltoffenheit und Toleranz einsetzen. Mit Ironie und in lockerem Ton zeigen sie, wie Grundwerte und Menschenrechte im Alltag gelebt werden können – und warum wir alle von einem solidarischen Miteinander profitieren. Umfragen mit Passanten ergänzen den Blick auf das jeweilige Thema. Eine „Zahlen und Fakten“-Rubrik hilft dabei, die unterschiedlichen Standpunkte zu beurteilen und sich eine fundierte Meinung zu bilden. Als „Holocaust“ wird der Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden bezeichnet. Wie viele jüdische Menschen Opfer des Holocaust wurden, lässt sich nur schätzen: zwischen 5,6 und 6,3 Millionen. Damit so etwas nie wieder passiert, darf die systematische und organisierte Ermordung von Menschen niemals in Vergessenheit geraten. Doch wie kann die Erinnerung bewahrt werden? Vor allem, wenn die letzten Zeitzeug*innen nicht mehr da sind, um ihre Stimme mahnend zu erheben? Dieser Frage geht RESPEKT-Moderatorin Verena Hampl nach. Dazu ist sie in die Oberpfalz in das ehemalige Konzentrationslager Flossenbürg gefahren. Mit dem Leiter der KZ-Gedenkstätte, Jörg Skriebeleit, und Jugendlichen der evangelischen Jugend Weiden spricht sie darüber, wie mit neuen Wegen in der Museumspädagogik das Erinnern an einem historischen Ort auch künftig möglich sein kann. Wie können diese neuen, digitalen Wege des Erinnerns aussehen? Diese Frage stellt Verena Hampl auch Vertreter*innen von Yad Vashem. Yad Vashem in Jerusalem ist die größte Holocaust-Gedenkstätte der Welt und wird jährlich von zwei Millionen Menschen besucht. Einen neuen Weg des Erinnerns sind der israelische Hightech-Millionär Mati Kochavi und seine Tochter Maya gegangen mit einem Instagram-Projekt 1944 wurde im deutschen Vernichtungslager Ausschwitz auch die 13-jährige Ungarin Eva Heymann ermordet. Nach ihrem Original-Tagebuch ist im letzten Jahr die Web-Serie „Eva Stories“ entstanden. Verena Hampl konnte dazu Macher*innen sprechen. Weitere Gesprächspartner*innen von Verena Hampl sind der KZ-Überlebende Ernst Grube sowie die Autorin Lena Gorelik.

Sa., 12. Nov · 10:45-11:30 · PHOENIX
ZDF-History: Die Kinder von Windermere

In der Dokumentation zum Film „Die Kinder von Windermere“, über Jugendliche, die bei Kriegsende aus KZs der NS-Zeit nach England gebracht wurden, erzählen Überlebende ihre Geschichte. „Wir kamen aus der Hölle in den Himmel“, erinnert sich Sam Laskier. Er war einer der 300 jungen Juden verschiedenster Nationalitäten, die sich nach der Befreiung der Konzentrationslager durch die Alliierten im englischen Windermere erholen sollten. In der idyllischen englischen Landschaft rund um den See von Windermere fanden die Kinder eine erste neue Heimat. Mit psychologischer Unterstützung sollten sie lernen, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Einige der letzten noch Lebenden des Kindertransportes berichten in sehr persönlichen Statements von ihren Erfahrungen. Wie andere, die sein Schicksal teilten, schildert Arek Hersh in der Dokumentation, was der Neuanfang für ihn bedeutete: „Ich begann wieder, mich als ein menschliches Wesen zu fühlen.“ Der therapeutische Umgang mit den traumatisierten Kindern beeinflusste die Entwicklung der Kinderpsychologie weltweit. Auch deshalb ging das „Windermere-Projekt“ in die Geschichte ein.

Sa., 12. Nov · 20:15-21:55 · ARD-alpha
Die Unsichtbaren

Unglaublich, aber wahr: aus Angst um ihr Leben begeben sich einige junge Juden während des Zweiten Weltkriegs in Berlin in die Illegalität, und es gelingt ihnen, in der Anonymität der Großstadt quasi unsichtbar zu werden. Denn sie wollen auch weiterhin am Leben teilnehmen. Oft ist es pures Glück und ihre jugendliche Unbekümmertheit, die sie vor dem gefürchteten Zugriff der Gestapo bewahrt. Nur wenige Vertraute wissen von ihrer wahren Identität.

So., 13. Nov · 16:15-17:10 · arte
Marc Chagall – Glaube, Liebe, Krieg

Marc Chagall (1887-1985) zählt zu den berühmtesten Künstlern der Moderne. Seine Bilder verbinden Traum und Wirklichkeit, Tradition und Moderne und sind von großer Poesie. Als Jude in der Stadt Witebsk in Weißrussland geboren, lässt er sich in seiner Wahlheimat Frankreich früh vom Licht und den Farben inspirieren. Viele Motive schöpft er aus der jüdischen Kultur, ihren Menschen, Bauten und Traditionen. Doch es gibt auch eine andere Seite: Bereits in Russland erlebt Chagall Pogrome, durchlebt zwei Weltkriege und den Holocaust. Schon früh identifiziert er sich mit der mythischen Figur des wurzellosen, wandernden Juden, der in seinen Arbeiten oft als fliegende Figur erscheint. Sein Werk spiegelt die politischen Ereignisse seiner Zeit wie kaum ein anderes. Auf Hitlers Machtergreifung 1933 und den Völkermord an den Juden reagiert er mit Gemälden, die er später als „Vorahnungen der herannahenden Katastrophe“ bezeichnet, darunter die zentralen Werke „Der Engelssturz“ (1923/1933/1947) und „Die weiße Kreuzigung“ (1938). Die Beschäftigung mit der Bibel ist für Chagall ein Lebensthema. Dabei schließen sich Judentum und Christentum für ihn nicht aus, sondern verbinden sich immer wieder miteinander, sei es in Motiven oder in seiner Glasmalerei für Kirchen. Chagall wollte ein universeller Künstler sein. Anlässlich der Ausstellung „Marc Chagall. Welt in Aufruhr“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt (4. November 2022 bis 19. Februar 2023) stellt die Dokumentation Chagalls Werke der 1930er und 1940er Jahre vor, die seinen Blick auf die Themen Glauben und Identität, Liebe und Krieg, Hoffnung und Exil zeigen.

So., 13. Nov · 17:40-18:25 · arte
Das West-Eastern Divan Orchestra in Ramallah

Am 21. August 2005 blickt die Welt auf Ramallah: 80 junge arabische, spanische und jüdische Musiker reisen in die palästinensische Hauptstadt, um das Konzert ihres Lebens zu spielen. Es ist ein Musikereignis unter Extrembedingungen: Seit Jahrzehnten beherrschen gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen israelischen Soldaten und Palästinensern das Leben im Westjordanland. In Israel wird das Unternehmen im Vorfeld kritisch gesehen, Barenboim öffentlich angefeindet. Wenige Tage vor dem Konzert bietet Spanien Visa für das ganze Orchester an, um eine denkbare Absage zu verhindern und Sicherheit zu garantieren. Mit diesem Auftritt setzt das sechs Jahre zuvor gegründete „West-Eastern Divan Orchestra“ ein nachhaltiges Zeichen – nicht zuletzt auch durch die Auswahl des Programms: Steht Beethovens „Schicksalssymphonie“ für eine Vision von der Versöhnung der Menschen, unterstreicht Mozarts „Sinfonia concertante“ eindrücklich, dass ein friedliches Miteinander durch Musik möglich ist – stammen doch die Solisten am Fagott, Horn, an der Oboe und Klarinette aus Israel, Syrien und Ägypten. Diese Sternstunde zeigt nicht nur die legendäre Konzertaufzeichnung. In dokumentarischen Passagen wie in neu gefilmten Gesprächen erinnern sich Daniel Barenboim, Mariam C. Said und ausgewählte Musikerinnen und Musiker an diesen denkwürdigen Abend. Prominente Freunde des Orchesters wie der Schauspieler Christoph Waltz, der Cellist Yo-Yo Ma oder die Sängerin Waltraud Meier spüren der Frage nach, was Musik in einem solchen Kontext leisten kann.

So., 13. Nov · 23:45-00:40 · arte
Jenseits der Musik – Die Barenboim-Said-Musikakademie

1999 gründeten Daniel Barenboim und der Literaturwissenschaftler Edward Said das West-Eastern Divan Orchestra, in dem junge Musiker aus dem Nahen Osten gemeinsam musizieren. Seitdem ist es nicht nur zu einem weltweit gefeierten Spitzenorchester geworden, sondern auch zu einem wichtigen Symbol für das friedliche Miteinander verschiedener Kulturen. Mit der Eröffnung der Barenboim-Said Akademie in Berlin hat der Geist des Orchesters – rund 15 Jahre nach dem Tod Edward Saids –seine feste Heimat gefunden. Für Daniel Barenboim ist die Akademie ein Herzensprojekt. Selbst wenn verschiedene Kulturen und politische Ansichten aufeinanderprallen, schaffe Musik doch Verständigung, so Barenboim. Der Filmemacher David Bernet wirft in seiner Dokumentation einen Blick hinter die Kulissen und zeigt eine Hochschule, die höchste Ansprüche an die Kunst wie an die Lernenden und Lehrenden stellt und die dem Humanismus und der Aufklärung verpflichtet ist.
Bild oben: © Ican Films/Flare Film – Mit der neu gegründeten Barenboim-Said Musikakademie in Berlin wollte Daniel Barenboim einen geschützten Raum für junge Musiker aus dem Nahen Osten schaffen, einen Ort der Begegnung, fernab von Krieg und Krisenalltag.

Mo., 14. Nov · 22:00-22:45 · BR
Lebenslinien: Mein deutsches Familiengeheimnis

Gisela Heidenreich weiß lange nicht, welch schweres Erbe auf ihr lastet. Sie wächst Mitte der 1940er-Jahre in Bad Tölz auf, als Halbwaise, so erzählt man ihr. Ihr Vater sei als Soldat in Russland gewesen und gelte als vermisst. Es ist nicht die einzige Lüge, die dem Mädchen aufgetischt wird. Mit vier Jahren erfährt Gisela, dass ihre Mutter in Wahrheit ihre Tante ist. Denn ihre leibliche Mutter hat Gisela in einem Lebensborn-Heim in Norwegen zur Welt gebracht und sie dann bei ihrer Schwester in Oberbayern untergebracht. Als der Onkel aus dem Krieg heimkommt, schickt er sie zu ihrer echten Mutter. Sie muss Abschied nehmen von der vertrauten Familie und den Brüdern, die jetzt plötzlich nur noch Vettern sind. Als 1947 Giselas Mutter von amerikanischen Soldaten verhaftet wird und monatelang erneut verschwindet, bricht ihre Welt ein weiteres Mal zusammen. Erst viel später erfährt sie, dass die Mutter eine der Hauptzeuginnen bei den Nürnberger Prozessen ist. Was hatte die Mutter mit den Nazis zu tun? Und was war der Grund für ihre Geburt in Oslo? Je älter Gisela wird, desto mehr versucht sie, hinter das Geheimnis ihrer Herkunft zu kommen. Als bereits erwachsene Frau will sie mit ihrer Vergangenheit und der ihrer Mutter Frieden schließen. Doch als sie denkt, sie kommt zur Ruhe, passiert eine Katastrophe: Ihr Sohn Johannes ertrinkt mit 17 Jahren bei einem Bootsausflug auf dem Ammersee und Gisela wird erneut der Boden unter den Füßen weggezogen.

Mo., 14. Nov · 23:50-00:25 · 3sat
Mo Asumang und die Gedanken der Rechten

Mo Asumang begibt sich diesmal auf ein Terrain, das ihr aus früheren Filmen vertraut ist: In Wien trifft sie sich mit Martin Sellner, Sprecher der rechten Identitären Bewegung in Österreich. In Kamp-Lintfort am Rand des Ruhrgebiets begegnet sie einem stadtbekannten Rechtsradikalen, über dessen Garten die Reichskriegsflagge weht. Und in Potsdam verwickelt sie eine Landtagsabgeordnete der AfD in ein Gespräch über ihre Positionen. Querdenker und Rassisten, Frauen- und Schwulenfeinde, radikale Linke und Christen – unsere Gesellschaft driftet auseinander. Mo Asumang, Filmemacherin und Buchautorin, stellt sich der Auseinandersetzung mit den Vertretern extremer Positionen und versucht zu verstehen, was ihre Motivation ist. Die sechsteilige Reihe führt sie an die äußersten Enden des gesellschaftlichen Spektrums. Bei all diesen Begegnungen geht es Mo Asumang einerseits darum, klare Kante gegenüber radikalen Ansichten zu zeigen. Andererseits bemüht sie sich jedoch, zu verstehen, was die Menschen bewegt, die sich in dieser Weise positionieren – und was sie antreibt. Auf diese Weise versucht sie, den Dialog in unserer Gesellschaft zu fördern. Einen Dialog, der heute dringend notwendiger erscheint denn je.

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