Die neuen Fernsehtipps

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Vom 1. bis 15. Juni 2022

Mi., 1. Jun · 14:15-16:25 · arte
Die Spaziergängerin von Sans-Souci

Max Baumstein, Präsident der humanitären Hilfsorganisation „Solidarité Internationale“, begeht in Paris ein spektakuläres Attentat: Bei einem Treffen mit dem Botschafter Paraguays wirft er diesem vor, 1933 unter dem Namen Ruppert von Leggaert Mitglied der Deutschen Botschaft in Paris gewesen zu sein und Beziehungen zu einer jungen Frau namens Elsa Wiener gehabt zu haben. Als der Diplomat das zögernd bejaht, zieht Baumstein eine Pistole und erschießt ihn. Danach stellt er sich der Polizei. In der Untersuchungshaft vertraut Baumstein seiner fassungslosen Frau Lina an, warum er den Botschafter getötet hat. Im anschließenden Prozess erfährt Lina Baumstein das ganze Ausmaß der furchtbaren Erlebnisse, die 1933 in der Kindheit ihres Mannes in Berlin begannen: Dort bekam der junge Max den Terror der an die Macht gekommenen Nazis grausam zu spüren, bevor sich das Ehepaar Wiener des misshandelten jüdischen Jungen annahm. Elsa Wiener suchte bald darauf mit Max Zuflucht in Paris. Bevor ihr Mann Michel seinen Verlag verkaufen konnte, um ihnen ins Exil zu folgen, wurde er jedoch von den Nazis ins KZ deportiert. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, musste seine Frau als Sängerin in einem Cabaret auftreten. Dort sah Ruppert von Leggaert sie und nutzte Elsas Angst um ihren Mann schamlos aus … Das alles erfährt Lina Baumstein während der Gerichtsverhandlung – und sie erfährt auch, dass sie das Ebenbild jener unglücklichen Elsa Wiener ist.

Do., 2. Jun · 14:15-16:20 · arte
Diplomatie

Paris, in der Nacht vom 24. auf den 25. August 1944: Die Alliierten stehen vor den Toren der Stadt. Kurz vor Tagesanbruch bereitet sich Stadtkommandant General von Choltitz in seinem Hauptquartier im Hotel Meurice darauf vor, Hitlers Befehl auszuführen und Paris dem Erdboden gleichzumachen. Alles ist bereits vorbereitet: Der Louvre, die Oper, Notre-Dame, der Eiffelturm und die Brücken über die Seine sind vermint. Doch plötzlich steht der schwedische Konsul Raoul Nordling vor Choltitz‘ Schreibtisch – er ist durch eine Geheimtür eingetreten. Nordling versucht den pflichtbewussten Choltitz, der noch nie einen Befehl verweigert hat, in seinem Vorhaben umzustimmen. Ein verbaler Schlagabtausch zwischen den beiden beginnt, in dem Nordling an die Vernunft und Moral des Generals appelliert. Nordling erinnert Choltitz an die Millionen von Menschenleben, die einer Bombardierung zum Opfer fallen würden. Choltitz ist sich der militärischen Sinnlosigkeit des Auftrags bewusst, jedoch ist er davon überzeugt, dass eine Verweigerung des Befehls zu einer unverzüglichen Verschleppung seiner Familie führen würde. So verspricht Nordling ihm, dass er sich um eine sichere Ausreise der Familie kümmern wird. Wird sich Choltitz umstimmen lassen? „Diplomatie” ist eine Adaption des gleichnamigen Bühnenstücks von Cyril Gély, der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat. Wenngleich es Kontakte zwischen den historischen Personen gegeben hat – die Auseinandersetzung von Choltitz und Nordling, so wie sie der Film erzählt, ist Fiktion.

Do., 2. Jun · 22:55-23:40 · 3sat
Die alte Neue Rechte

Wer sich heute demonstrativ rechts verortet, stellt die Werte einer offenen und liberalen Gesellschaft infrage. Woher kommen die Ideen der Neuen Rechten? Der Film von Autor und Regisseur Falko Korth hinterfragt Geschichte und Gegenwart der Neuen Rechten: Woher kommen sie, was denken und wohin wollen sie? Auf wen berufen sich ihre Akteure? Und was sind ihre Thesen? Die Dokumentation von Falko Korth zeichnet die Kontinuität völkisch-nationalistischer Denktraditionen in Deutschland und Frankreich nach und zeigt, dass die Neuen Rechten nicht aus dem Nichts heraus entstanden sind: Wichtiger Bezugspunkt sind die Schriften Armin Mohlers, der in den Nachkriegsjahren der Bundesrepublik mit seinem Werk zur „Konservativen Revolution“ zum meinungsstarken Vertreter rechtskonservativer Kreise aufstieg. Der radikale Ernst Jünger und mit ihm Männer wie der Jurist Carl Schmitt und der Philosoph Oswald Spengler sind heute dank Mohler Säulenheilige der Neuen Rechten. Armin Mohlers Ideen beeinflussen auch die französischen „Nouvelle Droite“ um Alain de Benoist. Er gründet 1968 mit Gleichgesinnten GRECE, eine neofaschistische Denkfabrik. Das Ziel: die „Kulturrevolution von rechts“. Die Neuen Rechten geben sich modern und intellektuell, doch hinter den Fassaden stecken altbekannte antidemokratische beziehungsweise rassistische Denkmuster.

Do., 2. Jun · 23:00-23:45 · HR
Tödlicher Hass – Der Mordfall Walter Lübcke

Der Schuss fiel aus nächster Nähe. Auf der Terrasse seines Wohnhauses wird der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke in der Nacht zum 2. Juni 2019 getötet. Vor Gericht wird demnächst die Tat verhandelt, aber es geht um mehr. Die Recherchen zu diesem Film zeigen, der Hauptverdächtige Stephan E. und sein mutmaßlicher Komplize Markus H. waren fest mit der rechtsextremen Szene verbunden. Die Dokumentation „ Tödlicher Hass – Der Mordfall Walter Lübcke“ leuchtet die Vorgeschichte der Tat und die Reaktionen darauf aus. Sie gibt Einblick in die Biografie des Hauptverdächtigen, stellt drängende Fragen: Warum war der mutmaßliche Täter vom Radar der Verfassungsschützer verschwunden, während er offensichtlich Teil der extrem radikalen Kasseler Neonaziszene war? Wie sehr steht der Mord am Politiker Walter Lübcke für eine Stimmung in der Gesellschaft, in der Hemmschwellen sinken und zunehmend rote Linien überschritten werden? Der Film spürt der Frage nach, wie der mutmaßliche Lübcke-Mörder, aber auch die Täter von Halle und Hanau sich ermutigt fühlen konnten von rechten Netzwerkern, die ihre Verschwörungstheorien von der Bedrohung der „weißen Rasse“ verbreiten und vor „Umvolkung“ warnen. Das Netz dient ihnen als Resonanzraum für Hass und Hetze. Den Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke brandmarkten Neonazis und Rechtspopulisten dort als „Volksverräter“. „Die Bedrohung von rechts ist nicht neu, sie hat sich allerdings verändert“, so beschreibt BKA-Präsident Münch die Sicht der Ermittler auf die Eskalation rechter, rassistischer Gewalttaten. Die rechte Szene finde heute Akzeptanz und Anknüpfungspunkte bis in die Mitte der Gesellschaft. Der Mord am Regierungspräsidenten Walter Lübcke wird vor Gericht verhandelt. Die ARD-Dokumentation richtet den Blick auch auf die Mitverantwortung jener, die nie vor Gericht stehen werden.

Fr., 3. Jun · 09:30-10:00 · ARD-alpha
RESPEKT – Demokratische Grundwerte für alle! Verrückte Normalität? Jung und jüdisch in Deutschland

Etwa 200.000 Menschen jüdischen Glaubens leben heute in Deutschland. Sie gehen zur Schule, zur Arbeit, spielen Fußball. Doch bei Jüdinnen und Juden denken viele nicht an diesen Alltag, sondern meist an den Holocaust. Warum? RESPEKT-Moderatorin Verena Hampl trifft junge jüdische Menschen, die ein lebendiges, vielfältiges Bild jüdischen Lebens in Deutschland vermitteln wollen. Jüdisches Leben: Dabei denkt RESPEKT-Moderatorin Verena Hampl vor allem an koscheres Essen, an den Schabbat, Synagogen – oder an die weitgehende Vernichtung jüdischen Lebens Holocaust. Bis sie loszieht und junge Jüdinnen und Juden in ihrem oft verrückt normalen Alltag im heutigen Deutschland erlebt. Dazu besucht die Moderatorin etwa ein Sport-Girls-Camp, wo sieKrav Maga ausprobiert – einen modernen Selbstverteidigungssport. Was bedeutet jüdisch sein für die jungen Frauen dort? Was für den Münchner Rabbiner Israel Diskin? Und was für die queere Anna Fuhrmann, die mit der Initiative Keshet dafür kämpft, dass sich jüdische Gemeinden für LGBTQI* öffnen. Oder für Asaf Erlich, der in Israel geboren ist. Dort hat er sich kaum um jüdische Religion und Identität gekümmert. Bis er zum Arbeiten nach Deutschland ging und gefragt wurde, warum er ausgerechnet im Ex-Nazi-Land leben will. Sehr gläubig ist er immer noch nicht, aber jüdische Identität und Geschichte haben hier viel mehr Bedeutung für ihn bekommen. Er persönlich hat zwar keine Angst, erlebt aber, wie wachsender Antisemitismus bei vielen hier geborenen Jüdinnen und Juden ein alltägliches Gefühl der Bedrohung erzeugt. Gegen diese verrückte Normalität von Ausgrenzung und Angst kämpft Anna Fuhrmann auch in dem Projekt Meet a Jew. „Hey du Jude“ ist auf vielen Schulhöfen ein gängiges Schimpfwort – dabei haben viele junge Menschen null Kontakt zu Menschen jüdischen Glaubens. Um das zu ändern und um junge Jüdinnen und Juden sichtbar zu machen, gehen Meet a Jew-Teams an Schulen, in Vereine oder an Unis. Dort erzählen sie von sich, ihrer Religion und ihrem Alltag. Das Ziel: Begegnungen schaffen, Klischees und Vorurteile bekämpfen.

Sa., 4. Jun · 21:00-21:45 · ARD-alpha
Der Mann hinter Porsche – Adolf Rosenberger

Es ist eine deutsch-jüdische Familiengeschichte, die Sandra Esslinger erstmals öffentlich macht. Auf Grundlage des Nachlasses ihres 1967 in Los Angeles verstorbenen Großonkels Alan Robert. Der ist im Jahr 1900 in Pforzheim als Adolf Rosenberger zur Welt gekommen. Sohn einer assimilierten jüdischen Familie, mit 17 Jahren Kampfflieger im Ersten Weltkrieg, danach Techniker, Geschäftsmann und Werksrennfahrer bei Mercedes-Benz. Rosenberger gründet 1930/31 mit Ferdinand Porsche und dessen Schwiegersohn Anton Piëch die Porsche GmbH in Stuttgart. Die Keimzelle der heutigen Weltmarke. Als Geschäftsführer zieht Rosenberger Aufträge aus der Automobilindustrie an Land, ist an der Konstruktion des später so erfolgreichen Auto-Union-Grand-Prix-Rennwagens beteiligt und hält als Mitgründer und Miteigentümer zehn Prozent der Firmenanteile. Bis 1933 die Nazis an die Macht kommen und der Jude Adolf Rosenberger zum Problem wird, weil Porsche mit dem NS-Staat große Geschäfte macht. 1935 wird Rosenberger in das Konzentrationslager Kislau verschleppt, es gelingt ihm zu emigrieren. In den USA startet er unter dem Namen Alan Robert noch einmal ein neues Leben. Doch die Sehnsucht nach seiner verlorenen Heimat bleibt. Nach 1945 möchte er wieder mit Porsche zusammenarbeiten. Doch weder ein Prozess gegen Porsche und Piëch noch die vermeintliche Aussöhnung mit Porsche-Sohn Ferry bringen Rosenberger zurück in das einst von ihm mitgegründete Unternehmen. Der „Fall Porsche“ bleibt eine offene Wunde. Auch bei Sandra Esslinger und den anderen Nachkommen von Adolf Rosenberger, dessen besondere Rolle in der Porsche Firmengeschichte bis heute nicht angemessen gewürdigt worden ist.

Mo., 6. Jun · 07:25-07:30 · MDR
Glaubwürdig: Wolfram Nagel

Karl Marx mit Dornenkrone. Gibt es nicht? Doch! Als Kunstwerk bei Wolfram Nagel zu Hause. Der 64-Jährige beschäftigt sich mit Dingen, die auf den ersten Blick nicht so recht zueinanderpassen. Die Vermischung von Religionen und philosophischen Ideen beflügelt seine Gedanken. Der Dresdner arbeitet als Kulturjournalist. Das Radio ist sein Metier. Doch mitunter greift er auch zum Stift und schreibt für die „Jüdische Allgemeine“ – die auflagenstärkste Zeitung des deutschen Judentums. Er selbst konvertierte vor zwölf Jahren zu dieser Religion. Viele seiner Beiträge sind politisch. Eindringlich warnt er vor antisemitischen Tendenzen und dem Rechtsruck in der Gesellschaft. Seine Vision ist, für Mitteldeutschland ein jüdisches Museum zu gründen. Schon lange recherchiert Wolfram Nagel zum Landjudentum. Ihm geht es um die Menschen, die in den kleinen Dörfern enteignet, gejagt und ermordet wurden. „Mein Interesse, dies aufzuarbeiten, hängt mit meiner eigenen Kindheit zusammen. Ich bin in einem kleinen Dorf in Thüringen groß geworden. Wir Jungs haben oft auf dem Friedhof gespielt. Es war ein jüdischer… Erst als ich längst erwachsen und weggezogen war, habe ich angefangen, mir darüber Gedanken zu machen.“

Di., 7. Jun · 02:15-03:00 · PHOENIX
Tauchen mit Eisbären

Der Fotograf Amos Nachoum aus Israel ist eine lebende Legende der Unterwasserfotografie. Nicht zuletzt, weil er auf schützende Käfige verzichtet und darauf beharrt, nur im direkten Gegenüber mit dem wilden Tier Fotos schießen zu können, die die Seele der Kreatur widerspiegeln, die eine Geschichte erzählen, die unverstellt und echt ist. So tauchte er im freien Gewässer mit Anakondas, Seeleoparden, Weißen Haien, Killerwalen und Krokodilen, ohne Netz und doppelten Boden. Nur eine Aufnahme ist ihm nie gelungen: die von Eisbären, die im Polarmeer tauchen. Bei einem ersten Versuch vor zehn Jahren geriet Amos Nachoum in Lebensgefahr.

Mi., 8. Jun · 20:15-23:15 · kabel eins
Schindlers Liste

Der Film erzählt von dem Geschäftsmann Oskar Schindler, der über tausend Juden vor dem Tod durch die Nazis rettete indem er sie in seinen Rüstungsfabriken beschäftigte. ‚Schindlers Liste‘ beruht auf einer wahren Geschichte, wurde in schwarz-weiß und an vielen originalen Schauplätzen gedreht und hat kontroverse Diskussion nach sich gezogen.

Mi., 8. Jun · 21:00-21:45 · NDR
Unsere Geschichte: Das Raubkunst-Puzzle – Suche nach Gerechtigkeit

Ein gigantischer Raubzug der Nationalsozialisten ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt: Der organisierte Kunstraub an jüdischen Familien, die aus Nazi-Deutschland zur Ausreise genötigt worden waren. Bis heute suchen Erben nach ihrem Eigentum, oft vergeblich. Dr. Kathrin Kleibl, norddeutsche Provenienzforscherin, widmet sich der Aufklärung dieses Verbrechens. NDR-Autorin Sophia Münder-Führing hat Kathrin Kleibl über ein Jahr mit der Kamera begleitet und eine spannende, zeitgeschichtliche Dokumentation für das NDR Fernsehen realisiert.

Do., 9. Jun · 00:30-02:05 · BR
Schalom – Kurzfilmnacht

Perspektivwechsel: In drei Kurzfilmen geht es darum, wie es ist, jüdisch zu sein in Deutschland. Der letzte, ebenfalls preisgekrönte Kurzfilm, erzählt davon, wie es ist, heute Palästinenser zu sein in Israel. • „Masel Tov Cocktail“, • „Kippa“ • „Ein kleiner Schnitt“ • „The Present“ • Ein kleiner Schnitt (D 2020) Buch: Mathis van den Berg Regie: Marleen Valien Produktion: eine Co-Produktion des Atelier Ludwigsburg/Paris, dem SWR und Arte Darstellende: Josephine Thiesen, Konrad Singer, Louis Hofmann, Stella Markert Preise: Manchester Film Festival 2021 – Best Student Award; Nominiert für GSA BAFTA Student Award in der Kategorie „Live Action“ Ein prächtiger Barock-Park in Europa: Der jüdische Finanzdirektor des Herzogs sieht sich von dessen Ehefrau genötigt, seinen hitzköpfigen jungen Dienstherrn zu einer Beschneidung zu bewegen. Er trifft das temperamentvolle herzogliche Paar bei einer Tasse Tee, bei der beide Männer bestrebt sind, eine Staatskrise zu verhindern und dabei ihre Haut zu retten. • Masel Tov Cocktail (D 2020) Buch: Arkadij Khaet, Merle Teresa Kirchhoff Regie: Arkadij Khaet, Mickey Paatzsch Produktion: eine Produktion der Filmakademie Baden-Württemberg in Koproduktion mit dem SWR und Arte Darstellende: Alexander Wertmann, Mateo Wansing Lorrio, Gwentsche Kollewijn, Liudmyla Vasylieva, Vladislav Grakovskiy, Moisej Bazijan, Petra Nadolny, Kaspar Eichel Preise u. a.: Civis Medienpreis in der Kategorie „Young C“ 2020; Grimme-Preis im Wettbewerb Kinder & Jugend 2021 Der Schüler Dimitri hat in einem Streit über seine jüdische Herkunft einen Mitschüler geschlagen. Nun soll er sich entschuldigen. Dies führt zu einer lakonischen Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus, dem er alltäglich ausgesetzt ist: eine preisgekrönte Bestandsaufnahme jüdischer Identität heute in Deutschland. • Kippa (D 2019) Buch/Regie: Lukas Nathrath Produktion: Hamburg Media School in Koproduktion mit dem NDR, gefördert durch MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein Darstellende: Riccardo Campione, Samy Abdel Fattah, Dominik Ganser, Zoran Pingel, Susann Uplegger, Frank Auerbach, Wiebke Wackermann, Gustav Peter Wöhler Preise u. a.: CIVIS-Europas Young Medienpreis 2019; Studio Hamburg Nachwuchspreis 2019 Nachdem seine Mitschüler erfahren haben, dass er jüdisch ist, wird Oskar drangsaliert und bedroht. Während der Schulleiter die Appelle seiner Eltern ignoriert, sucht Oskar eigene Wege, mit den Demütigungen umzugehen. Nach wahren Begebenheiten. • The Present (Palästina 2020) Buch: Farah Nabulsi & Hind Shoufani Regie: Farah Nabulsi Produktion: Philistine Films & Native Liberty Darstellende: Saleh Bakri und Maryam Kanj Preise u. a.: Oscar 2021: nominiert für „Best Live Action Short“; BAFTA 2021- WINNER Best British Short Film In 24 Minuten erzählt die Regisseurin Farah Nabulsi die Geschichte des Palästinensers Yusuf, der mit seiner Tochter losgeht, um seine Frau am Hochzeitstag mit einem Geschenk zu überraschen: Ein banaler Einkauf, der für Palästinenser zum Spießrutenlauf werden kann. Der palästinensische Kurzfilm „The Present“ war für einen Oskar nominiert und gewann den British Short Film Award.

Do., 9. Jun · 00:35-02:05 · RBB
Baseballschlägerjahre – Die Wendegeneration und rechte Gewalt

Prügel, Drohungen, Hetzjagden – in den Nachwendejahren bricht in Ostdeutschland Hass, Rassismus und Gewalt auf; besonders unter Jugendlichen. An vielen Orten gehören Straßen und Plätze der rechten Szene. Sechs Kurzfilme auf Spurensuche zwischen Umbruch und Gewalt in den 90er Jahren. Prügel, Drohungen, Hetzjagden – in den Nachwendejahren brachen in Ostdeutschland Hass, Rassismus und Gewalt auf, besonders unter Jugendlichen. An vielen Orten gehörten Straßen und Plätze der rechten Szene. Bomberjacken, Springerstiefel und Hitlergruß zeigten dem eingeschüchterten Rest, wo man stand. Wer politisch andere Ansichten vertrat oder eine andere Hautfarbe hatte, musste nicht selten um sein Leben fürchten. Der Journalist und Autor Christian Bangel, in Frankfurt/Oder geboren und aufgewachsen, nannte diese für ihn prägende Zeit die „Baseballschlägerjahre“. Als Bangel Ende 2019 auf Twitter mit dem Hashtag „Baseballschlägerjahre“ dazu aufrief, Erinnerungen zu teilen, traf er einen Nerv: Viele Menschen aus Ost und West meldeten sich zu Wort, um ihre Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen. Zu lange war über die „Baseballschlägerjahre“ geschwiegen worden. Eine Zeit, die bis heute nachwirkt. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) und ZEIT ONLINE haben sich zusammengetan, um die Auseinandersetzung mit dem Thema filmisch aufzubereiten und fortzusetzen. Insgesamt sind sechs 15-minütige Filme entstanden, die jene Jahre spiegeln und zugleich den Bogen in die Gegenwart schlagen.

Do., 9. Jun · 06:10-06:40 · arte
Dokumente, die die Welt bewegen: Die Nazis und der Kunstraub

Bis heute ist unklar, wie hoch die Zahl der geraubten Kunstwerke während des Zweiten Weltkrieges wirklich ist, und wahrscheinlich wird man es auch nie genau wissen. Klar ist aber, wie strukturiert und organisiert bei sogenannten Enteignungen vorgegangen wurde. Die Restitutionsexpertin Ruth Pleyer ist im Österreichischen Staatsarchiv zu Gast und zeichnet mit Hilfe von Generaldirektor Wolfgang Maderthaner einen ihrer emotionalsten und schwierigsten Fälle nach: George Jorischs langjährige Suche nach dem Klimt-Gemälde „Litzlberg am Attersee“, das bis 1939 im Hause seiner Großmutter hing. Die Serie „Dokumente, die die Welt bewegen“ gleicht einer einzigartigen Reise durch die Jahrhunderte und erzählt anhand persönlicher Geschichten von Herrschern und Beherrschten, wie sich Europa in all seiner kulturellen und politischen Vielfalt und Widersprüchlichkeit bis in die Gegenwart entwickelt hat.

Do., 9. Jun · 23:00-23:45 · HR
Schwarz und deutsch

„Ich bin in Deutschland geboren. Deutsch ist meine Muttersprache. Ich war in meinem Leben nur einmal auf dem afrikanischen Kontinent – als Pauschalurlauber“, sagt der Jenaer Student Konrad Erben (31). Dennoch unterstellen ihm viele, dass er kein Deutscher sei. Nur weil er Schwarz ist. Schwarz und deutsch sein – das geht für viele noch immer nicht zusammen. Doch Afrodeutsche leben bereits seit vielen Generationen in Deutschland, Hunderte kamen bereits im Kaiserreich aus den damaligen Kolonien. Als Darsteller der sogenannten „Völkerschauen“ oder, um eine Ausbildung zu machen. „Meine Familie lebt bereits in der 5. Generation in Deutschland“, sagt die Berlinerin Abenaa Adomako (59) stolz. Ihr Urgroßvater Mandenga Diek war der erste Afrikaner, der 1896 die deutsche Staatsbürgerschaft bekam. Er setzte sich als erfolgreicher Kaufmann mit dem „Afrikanischen Hilfsverein“ für die Rechte Schwarzer Bürger ein: der Beginn der Schwarzen Community in Deutschland. Einige Schwarze, auch Abenaas Großvater, überlebten in der NS-Zeit, weil sie für Propagandafilme missbraucht wurden. Sie spielten an der Seite von Hans Albers oder Heinz Rühmann in „Münchhausen“ oder „Quax in Afrika“. Doch viele wurden zwangssterilisiert und kamen in KZs oder Fremdenlager. Nach dem Zweiten Weltkrieg trafen in der BRD schwarze US-Soldaten auf deutsche Fräuleins, deren Kinder, die „Brown Babies“, wurden zur Adoption in die USA freigegeben oder im Alltag rassistisch ausgegrenzt. Erwin Kostedde (74), erster Schwarzer Fußball-Nationalspieler, erzählt in diesem Film davon. In den 1990er Jahren saß er monatelang wegen eines ihm vorgeworfenen Raubüberfalls in U-Haft – er wurde freigesprochen. Der Verdacht des „racial profiling“ besteht bis heute. Auch Abenaas Tochter Antonia (22) berichtet von ihrer Schulzeit: „Es gab viele traumatische Situationen, zum Beispiel den Gebrauch des N-Worts“, gegen den sie sich erfolgreich mit Mitschüler*innen gewehrt hat. In „Schwarz und deutsch“ erzählen Frauen und Männer aus vier Generationen ihre bewegenden, aufrüttelnden, stolzen Geschichten. Der Film verbindet sie zu einer Geschichte von Rassismus, Überleben und Selbstbehauptung.

Do., 9. Jun · 23:45-01:15 · HR
Schalom und Hallo – mit Susan Sideropoulos

In dieser 90-minütigen Dokumentation begibt sich Schauspielerin Susan Sideropoulos auf eine spannende und unterhaltsame Reise durch 1.700 Jahre deutsch-jüdische Geschichte und auf die Spuren ihrer eigenen Vorfahren. Immer mit Blick auf die Gegenwart erzählt sie vom Köln zu Römischer Zeit, von den mittelalterlichen SchUM-Städten Speyer, Worms und Mainz, vom Frankfurt der frühen Neuzeit sowie von Leipzig, Hamburg, München oder Berlin. Dabei stehen nicht nur historische Figuren und Ereignisse im Mittelpunkt, sondern vor allem ‚Menschen von heute‘ wie die Rabbinerin Jasmin Andriani, Folk-Musiker Daniel Kahn, Filmregisseur Peter Kahane, die Literaturwissenschaftlerin und Buchhändlerin Rachel Salamander, Autorin Linda Sabier oder Gastronomin Shani Leiderman. Ferner zählen der Publizist Josef Joffe, Historiker Julius Schoeps sowie Museumsdirektorin Miriam Wenzel zu den Interviewpartner:innen. Viele wissen heute zwar von der Schoah (dem Holocaust), haben gehört von den Pogromen der Kreuzritter und kennen die angespannte Lage zwischen Palästinensern und Israelis. Doch ansonsten ist weniger bekannt über Juden, ihren Alltag und ihre Rituale sowie die gemeinsame deutsch-jüdische Geschichte. Gerade in Zeiten eines wiederaufkeimenden Antisemitismus und diverser Verschwörungstheorien soll der Film zeigen, wie reich diese Geschichte trotz aller Verfolgungen und schrecklicher Ereignisse einst war, und wie wechselseitig sich Alltag, Kultur und Weltanschauung von Juden und Nichtjuden stets beeinflussten. So lernen wir jüdische Rituale und Traditionen kennen: Was bedeuten ‚koscher‘ und ‚Schabbat‘ heute? Was genau ist eine Mikwe? Welche Rolle spielt die Torah, und was lernt man in einer Talmudschule? Wir erfahren, dass es durchaus verschiedene religiöse Strömungen innerhalb des Judentums gibt, von liberal bis orthodox. Jjüdische Kultur hat zudem (auch außerhalb der Religion) nicht nur das heutige jüdische Leben, sondern deutschland- und weltweit Gesellschaften beeinflusst, in Sachen Sprache, Sport und Küche, Mode und Musik. Der jüdische Humor ist ohnehin legendär. Vergangenheit und Gegenwart werden dabei miteinander verwoben, die Chronologie der Ereignisse aufgebrochen, und historische Ereignisse und Menschen begegnen denen der Gegenwart. Denn auch im modernen Judentum hat die Tradition eine große Bedeutung. Durch diese Verknüpfung entsteht ein buntes und spannendes Bild von der Kontinuität jüdisch-deutscher Geschichte. Die Dokumentation reduziert das Bild von Juden nicht auf die Opferrolle (Pogrome, Ghettoisierung, Schoah), sondern stellt Verbundenheit in den Vordergrund – mitreißend und ohne die für dieses Thema sonst typische Schwere, denn es kommen interessante und sympathische Vertreter eines äußerst dynamischen und diversen deutschen Judentums zu Wort. Auch das Autorenteam bildet ein nichtjüdisch-jüdisches ‚Tandem‘: der renommierten Autorin und Regisseurin Nina Koshofer stand auch diesmal der erfahrene Journalist Allon Sander zur Seite.

Fr., 10. Jun · 20:15-22:00 · arte
Und morgen die ganze Welt

Luisa studiert Jura im ersten Semester und glaubt an Recht und Gesetz. Als Mädchen aus adligem Hause will sie endlich auf eigenen Beinen stehen und für ihre Ideale kämpfen. Durch Batte, ihre beste Freundin seit Schultagen, wird Luisa als neue Wohngenossin in der autonom geführten Kommune P81 aufgenommen. Von dort aus plant auch die örtliche Antifa ihre Aktionen gegen Rechtsradikale. Als Nächstes steht eine Wahlkampfveranstaltung der populistischen Liste 14 an. Der Protest soll friedlich ablaufen, wie Batte betont. Doch als die Ordner immer ruppiger gegen die Protestierenden vorgehen, eskaliert die Situation. Luisa gelingt es, das Handy von einem der Ordner zu ergattern, wodurch die Gruppe von einer baldigen Hetzjagd der Nazis erfährt. Gemeinsam mit dem charismatischen und gewaltbereiten Alfa und dessen bestem Freund Lenor organisiert Luisa die Aktion: Während des Aufmarschs wollen sie auf dem Parkplatz die Autos der Nazis demolieren. Alles läuft nach Plan. Aufgeputscht durch den Erfolg, drängt Alfa jedoch auf mehr. Er sucht die direkte Konfrontation mit dem rechten Gegner. Lenor wendet sich ab; Luisa, die sich zu Alfa hingezogen fühlt, macht wie die anderen mit. Doch die Aktion geht nach hinten los und Luisa wird schwer am Bein verletzt. Zurück im P81 geht Batte mit Alfa hart ins Gericht: Gewalt gegen Sachen ist akzeptabel, Gewalt gegen Menschen nicht. Noch stimmt Luisa Batte zu, aber tief in in ihrem Innern ist sie längst auf Alfas Seite. Doch wird sie mit ihm wirklich bis zum Äußerten gehen?

Fr., 10. Jun · 22:15-23:45 · Das Erste (ARD)
Schimanski: Das Geheimnis des Golem

Schimanskis finanzielle Situation gleicht wieder einmal einem Desaster. Ohne lange zu zögern, nimmt er deshalb den Auftrag eines ihm unbekannten Paul Rosenfeldt an, ihn als Bodyguard zu beschützen. Marie-Claires Warnungen schlägt er in den Wind, obwohl auch er Rosenfeldts Verhalten und dessen Geschichte für merkwürdig und wirr hält. Gefährlich wird es für den Ex-Ruhrpottkommissar, als kurze Zeit später sein Auftraggeber tot ist. Schimanski gerät unter Mordverdacht und muss ausgerechnet vor seinen ehemaligen Kollegen Hunger und Hänschen fliehen. Seine Flucht wird zu einer abenteuerlichen Reise in die Welt des jüdischen Lebens. Mit Hilfe der schönen Lea Kaminski, die ihm zu Marie-Claires Missfallen offenbar sehr gut gefällt, des weisen Rabbi Ginsburg und einer rätselhaften Zahlenkombination gelingt es Schimanski, die Zusammenhänge um Rosenfeldts Geheimnis zu klären. Doch zu spät erkennt auch ein Profi wie er, dass diese Zahlenkombination einen weiteren verschlüsselten Namen enthält, hinter dem sich ein bekannter Mann verbirgt, der nicht nur für Schimanski zu einer großen Gefahr wird.

Sa., 11. Jun · 00:10-01:40 · MDR
Meine Tochter Anne Frank

Der Name Anne Frank steht für Lebensmut und Zuversicht in hoffnungsloser Zeit. Aber auch für den frechen und schonungslosen Blick einer Heranwachsenden auf ihre Familie und ihre Umwelt. Millionen Menschen weltweit kennen ihr Tagebuch, sie schrieb es im Versteck vor den Nazis. Jetzt liegt mit diesem Doku-Drama die erste große deutsche Verfilmung der Lebensgeschichte des Frankfurter Mädchens vor. Der Film folgt Annes Schicksal von der glücklichen Kindheit über das Versteck im Hinterhaus in Amsterdam bis zu ihrem Tod im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Er stellt die Beziehung von Vater und Tochter in den Mittelpunkt. Otto Frank hat als Einziger den Verrat an den Hinterhausbewohnern überlebt. Heimgekehrt aus dem Vernichtungslager Auschwitz hält er das Tagebuch seiner toten Tochter in der Hand. Er lernt die geheimsten Gedanken und Sehnsüchte seiner Jüngsten kennen, ihre Träume von Liebe, Freiheit und Sexualität. Ihre Texte stürzen ihn in tiefe Trauer. Aber sie entfalten auch eine ungewöhnliche Kraft und schenken ihm unvermutet wieder Lebensmut. In Otto Franks Erinnerung ersteht mit Annes Hilfe das Leben der beiden versteckten Familien im Hinterhaus neu. Mit welcher Genauigkeit und scharfem Witz Anne ihre Mitbewohner und deren Beziehungen beschreibt, ist in eindrucksvolle Spielszenen übersetzt. Immer halten sie sich eng an die Vorlage des Tagebuchs. Otto Frank erfährt von der ersten großen Liebe seiner Tochter, aber auch von ihrer Verzweiflung, die Mutter nicht so lieben zu können wie den Vater. Er bekommt eine Ahnung davon, wie quälend es für sie gewesen sein muss, ihr Zimmer mit einem alternden Zahnarzt teilen zu müssen. Und dass sie mit dem Jungen Peter van Pels auf dem Dachboden heimlich mehr als nur Küsse tauschte. Interviews mit den wenigen noch lebenden Menschen, die Anne kannten, mit ihr zur Schule gingen oder ihr noch im Todeslager begegneten, holen die Spielhandlung immer wieder zurück in die Realität. Der Film schaut auf einen kleinen Ausschnitt der Welt mit den Augen von Anne Frank. Durch eindrucksvolle Leinwandprojektionen findet aber auch die Welt außerhalb des Verstecks bildlich Eingang in die Beschreibungen des Mädchens. In der Enge ihrer Kammer stürmen die Bilder der Zeit auf sie ein: der Einmarsch der Deutschen, die willkürlichen Verhaftungen auf der Straße, die Verschleppung der jüdischen Familien.

Sa., 11. Jun · 01:40-01:55 · MDR
Animationsfilmnacht im MDR: Compartments

Netta ist eine junge Frau aus Israel, die auswandern möchte – ausgerechnet nach Berlin. Ihr Vater, Sohn von Holocaust-Überlebenden, ist entsetzt. Hin-und hergerissen zwischen quälenden Erinnerungen und den Schatten der Vergangenheit, gefangen in kollektiven Erinnerungen, die sich über Jahre eingeprägt haben, müssen sich Netta und ihr Vater ihren Dämonen stellen, um ihre einst enge Beziehung zu retten. Was beide bewegt, bewahren sie in Erinnerungskästen auf.
Bild oben: © MDR/Daniella Koffler & Uli Seis

Sa., 11. Jun · 18:00-18:15 · MDR
Heute im Osten – Jung, jüdisch, ausgewandert

Patrycja (28) und Eryk (24) haben Polen und ihrer Heimatstadt Wrocław den Rücken gekehrt. Zunehmend hatten die beiden sich dort wegen des wachsenden Antisemitismus unwohl gefühlt. Auf der Suche nach ihrer jüdischen Identität beginnen sie ein neues Leben in Tel Aviv: mit ganz neuen Herausforderungen – neue Sprache, neues Land, neue Jobs. Aber das junge Paar ist voller Tatendrang und Zuversicht, den Neustart zu schaffen.

Sa., 11. Jun · 20:15-21:00 · ARD-alpha
Geheimmission Tel Aviv

Ausgerechnet während einer Serie von antisemitischen Terroranschlägen wollen die Bundesliga-Profis von Borussia Mönchengladbach im Februar 1970 zu einem Freundschaftsspiel gegen die israelische Nationalelf nach Tel Aviv fliegen – auf Initiative der Trainer Hennes Weisweiler und Eddy Schaffer. Der Film erinnert an das hoffnungsvolle Fußballspiel, bei dem die Männerfreundschaft der beiden Trainer einen einzigartigen Akt der Völkerverständigung ermöglichte. Die Zuschauer in Tel Aviv jubelten trotz fulminanter Niederlage der Israelis „Vivat Germania!“: “Hoch lebe Deutschland!“ – der Start für einen Stimmungswechsel auf diplomatischer Ebene. Private Super-8-Aufnahmen, das einzig existente Video-Dokument, zeigen diese unglaubliche Reise. Interviews etwa mit Günter Netzer, Hans-Jochen Vogel und Charlotte Knobloch lassen bundesdeutsche Geschichte und die Nachkriegs-Beziehungen zu Israel lebendig werden. Film von Dietrich Duppel aus der Reihe „Geschichte im Ersten“

Mo., 13. Jun · 00:05-01:38 · Das Erste (ARD)
Der Stadtneurotiker

Alvy Singer hat als intellektueller jüdischer Komiker großen Erfolg, sein Privatleben hingegen ist das reinste Chaos. Da seine letzte Beziehung zu Annie Hall gerade gescheitert ist, erinnert er sich zurück, um zu begreifen, warum er es sich mit den Frauen regelmäßig verscherzt. Am Anfang waren sie glücklich verliebt, doch Annie Hall machte sein Leben nicht leichter, denn sie ist zwar liebevoll, aber auch sehr naiv. Sie versuchte sich in New York als Sängerin zu etablieren, ohne wirklich von ihrem eigenen Talent überzeugt zu sein. Mit Alvys Hilfe erlangte sie größeres Selbstbewusstsein; er zeigte ihr unbekannte Seiten der Großstadt und ihrer Bewohner. Infolgedessen nahm Annies Karriere eine erfolgreiche Wendung; sie lernte neue Verehrer kennen und reiste nach ersten Erfolgen nach Los Angeles. Für die Beziehung der beiden blieb das Happy End jedoch aus. Alvy folgte ihr zwar an die Westküste, fühlte sich dort aber wie ein Fisch auf dem Trockenen. „Eine Beziehung ist wie ein Hai“, resümiert Alvy, „sie muss beweglich bleiben, um zu überleben. Ich glaube, wir haben hier einen toten Hai vor uns.“

Mo., 13. Jun · 22:50-23:35 · Das Erste (ARD)
The American Führer

Die Geschichte des faschistischen Hochstaplers Fritz Julius Kuhn ist so unbekannt wie erschreckend: Kuhn ist ein deutscher Auswanderer, der sich in den 1930er-Jahren in den USA als Hitlers Stellvertreter ausgibt. Er steht an der Spitze des Amerikadeutschen Bundes, einer faschistischen Vereinigung von deutschstämmigen Amerikanern. Die Anhänger dieses Vereines marschieren mit Hakenkreuzfahnen und in Nazi-Uniform im Stechschritt durch New York City, Chicago oder Los Angeles. Sie versammeln sich zu Tausenden in Stadien und singen das Horst-Wessel-Lied. Das FBI unterschätzt Kuhn und seine Bewegung. Hitler will ihn stoppen, schafft es aber nicht. Erst ein deutschstämmiger Journalist bringt Kuhn zu Fall. Sein Name: John C. Metcalfe. Unter seinem deutschen Namen Oberwinder schleicht er sich in den Amerikadeutschen Bund und recherchiert undercover. Als rechte Hand von Kuhn erlebt er, was dieser wirklich im Schilde führt: ein faschistisches, antisemitisches Amerika nach deutschem Vorbild. Im September 1937 lässt Metcalfe die Bombe platzen und veröffentlicht in der Chicago Daily Times seine Erlebnisse aus dem Innern des Amerikadeutschen Bundes. Die Artikelserie macht den Amerikanern klar: „It can happen here!“ Die USA sind vom Faschismus bedroht! Nun nimmt auch das FBI den Kampf gegen Fritz Kuhn auf. Es wird ein Katz-und-Maus-Spiel, denn Kuhn ist mit allen Wassern gewaschen. Am Ende stürzt er über einen Steuerbetrug. Kuhn wird 1939 zu einer Haftstrafe verurteilt. Damit ist auch das Schicksal des Amerikadeutschen Bundes besiegelt, ohne Führer löst er sich auf. Kuhn muss nach der Haft seine US-Staatsbürgerschaft abgeben. Während des Zweiten Weltkrieges lebt er in einem US-Internierungslager. Nach Kriegsende wird er im September 1945 nach Deutschland deportiert. Dort muss er sich vor einer Spruchkammer verantworten. Diese verurteilt ihn zu zwei Jahren Haft. Bei der Urteilsverkündung erklärt er grinsend, er werde nie wieder eine Organisation gründen. Im Dezember 1951 stirbt er verarmt und einsam in München. Erst Monate später meldet die New York Times seinen Tod in einer Randnotiz. Kuhns Propaganda-Arbeit und das gewaltige Presse-Echo sind ein Glücksfall für die Dokumentation „The American Führer“. Regisseurin Annette Baumeister verwendet in ihrer Dokumentation einen nahezu unbekannten Fundus an Filmen, Fotos und Aufzeichnungen. Mit eindrucksvollen Bildern zeigt sie, in welchem Ausmaß Fritz Kuhn und der faschistische Amerikadeutsche Bund in Amerika agierten. Erstmals berichtet Howard H. Metcalfe, Sohn des Undercover-Journalisten John C. Metcalfe, über die Erlebnisse seines Vaters im Bund. Ebenfalls zu Wort kommen die Historiker Bradley W. Hart, Arnie Bernstein, James Calaski und die Historikerin Cornelia Wilhelm.

Mo., 13. Jun · 23:10-00:40 · MDR
Monsieur Claude 2

In Sachen multikultureller Offenheit macht Claude Verneuil (Christian Clavier) und seiner Frau Marie (Chantal Lauby) so schnell keiner etwas vor: Ihre vier ebenso bezaubernden wie eigenwilligen Töchter haben Einwanderer aus vier verschiedenen Kulturkreisen geheiratet! Um die Angehörigen ihrer Schwiegersöhne kennenzulernen, unternimmt das wohlsituierte Ehepaar Verneuil eine kleine Weltreise. Von den Strapazen können sich Claude und Marie in ihrem geliebten Provinzstädtchen Chinon jedoch nur kurz erholen, denn ihre Töchter haben die nächste Überraschung parat: Alle vier beabsichtigen, ihren Männern zuliebe auszuwandern, die sich in Frankreich wegen ihrer Herkunft diskriminiert fühlen. Ségolène (Émilie Caen) und Chao (Frédéric Chau) zieht es nach China, Isabelle (Frédérique Bel) und Rachid (Medi Sadoun) nach Algerien und Odile (Julia Piaton) und David (Ary Abittan) nach Israel. Sogar Charles (Noom Diawara) und die hochschwangere Laure (Élodie Fontan) möchten nichts wie weg – allerdings nicht zur Elfenbeinkünste, sondern nach Indien, wo der unterbeschäftigte Schauspieler auf eine Bollywood-Karriere hofft. Dass sich ihre geliebte Großfamilie in alle Winde zerstreuen soll, nehmen Claude und Marie jedoch nicht kampflos hin. Um ihre Schwiegersöhne mit ihrem geliebten Frankreich zu versöhnen, ist ihnen jedes Mittel recht. Schon bald erkennen die vier verbitterten Herren ihre bislang ungeliebte Heimat nicht wieder.

Mo., 13. Jun · 23:15-01:25 · NDR
Sonny Boy – Eine Liebe in dunkler Zeit

Die selbstbewusste Rika, alleinerziehende Mutter von vier Kindern, nimmt Ende der 1920er-Jahre einen Untermieter in ihrer Wohnung auf: den 17 Jahre jüngeren Studenten Waldemar aus Surinam. Zum Entsetzen ihrer Verwandten und Nachbarn verlieben sich die beiden ineinander und bekommen ein Kind. Ihren Sohn nennen sie Sonny Boy – nach dem gleichnamigen Lied des Sängers Al Jolson. Als die Nationalsozialisten Holland besetzen, hilft das Paar verfolgten Juden. 1944 werden beide deswegen ins KZ deportiert.

Mo., 13. Jun · 23:35-00:20 · Das Erste (ARD)
Die Romika-Story

Segelschuhe, Gummistiefel oder Pantoffel – seit 100 Jahren stehen diese Schuhe für eine Erfolgsgeschichte: Romika, der Name hat bis heute eine große Strahlkraft. Doch es gibt ein dunkles Kapitel, das lange verschwiegen wurde. Denn Romika steht auch beispielhaft für die Ausplünderung zahlloser jüdischer Unternehmen während der Nazi-Herrschaft. Hinter dem großen Namen steckt die dramatische Geschichte des rheinischen Schuhpioniers Hans Rollmann. Mit zahlreichen Patenten gelang ihm in den 1920er Jahren der große Erfolg auf dem deutschen Schuhmarkt. Selbst nach der großen Wirtschaftskrise 1929/30 arbeiteten in den Fabriken in Köln und Trier noch mehr als tausend Menschen. Doch nach der Machtergreifung wurde Rollmanns jüdischer Glaube zur Bedrohung für ihn und sein Unternehmen. Rohstoff-Boykott und Exportverbote trieben Romika in den Ruin. Rollmann hatte keine Chance. 1936 übernahm dann ein neuer Geschäftsführer das lukrative Unternehmen: Hellmuth Lemm profitierte dabei von Großaufträgen der Wehrmacht. Und mit Hilfe ukrainischer Zwangsarbeiterinnen konnten die Lohnkosten gedrückt werden. Hans Rollmann dagegen rettete sich nach Brüssel. Doch als die Wehrmacht dann im Zweiten Weltkrieg auch in Belgien einfiel, flüchtete die Familie nach Calais. Von dort ging es nicht weiter, kein Schiff nahm sie auf. Hans Rollmann und seine Frau Marie sahen keinen Ausweg mehr und nahmen sich das Leben. Ihrer Schwiegertochter gelang mit ihrer zweijährigen Tochter die Flucht über Lissabon nach Amerika. Nach Kriegsende wollte man die Nazizeit möglichst schnell vergessen. Romika tragen: Wohlbehagen wurde zum Slogan gepflegter Häuslichkeit. Die zweite Generation der Lemms führte nun bei Romika die Geschäfte und zählte später zu den 400 reichsten deutschen Familien. 1986 wurde das 50-jährige Jubiläum groß gefeiert. Kein Wort allerdings von der eigentlichen Geschichte, die ja im Jahr 1921 begann. Heute gehört Romika zu Europas größtem Schuhkonzern Deichmann. Erst in den letzten Jahren kommt nach und nach die ganze Romika-Geschichte ans Licht. Es ist Hans Rollmanns Urenkel, der mehr wissen will über die Familien- und Firmengeschichte. Autorin Renate Werner hat die Initiative von Carl Liedermann aufgegriffen und ihn mehrmals auf seiner Spurensuche in Deutschland begleitet. Für diesen Film hat sie ein Treffen mit dem ehemaligen Geschäftsführer Björn Lemm vorbereitet und dazu mit Zeitzeugen an den Originalschauplätzen gedreht. Entstanden ist ein einzigartiges Dokument der Geschichte eines großen deutschen Unternehmens.

Mi., 15. Jun · 01:00-01:55 · arte
Feindbild Frau

Täglich werden Frauen von Männern sexistisch beleidigt und terrorisiert. Die ehemalige Kanzlerkandidatin der Grünen und jetzige Außenministerin Annalena Baerbock wurde während des Wahlkampfs beschimpft und mit Vergewaltigung und Mord bedroht. In Frankreich ist die Situation gegenüber Frauen in Führungspositionen nicht besser. Anfang Februar beschimpfte ein Abgeordneter der liberalen LRM Mathilde Panot von der linken France insoumise in der Nationalversammlung als „Fischweib“ und „Verrückte“. Beleidigungen und Bedrohungen wie diese bestimmen den Alltag vieler Frauen. Weltweit registrieren Expertinnen und Experten einen antifeministischen Backlash, der auf dem Sprung scheint, salonfähig zu werden. Besonders betroffen: Frauen in öffentlich sichtbaren Positionen – wie Politikerinnen, Schauspielerinnen, Fußballkommentatorinnen, Journalistinnen oder Unternehmerinnen –, die sich feministisch und antirassistisch äußern oder in ehemaligen Männerdomänen arbeiten. Sie werden bei Redebeiträgen im Parlament gezielt gestört, nach dem Kommentar eines Spiels mit Hassmails überschwemmt oder nach veröffentlichten Statements für Geflüchtete auf der Straße verfolgt. Besonders in der anonymen Welt der sozialen Medien versuchen immer mehr Männer, das Rad der Gleichberechtigung wieder zurückzudrehen. Online beleidigen und bedrohen sie Frauen und hetzen organisiert gegen diejenigen, die sich zu kontroversen Themen äußern. Auf ihren Internetseiten verbreiten sie frauenfeindliche Thesen und vernetzen sich weltweit. Die sogenannten Maskulinisten sind überzeugt, Frauen gegenüber überlegen zu sein und kämpfen gegen die Errungenschaften des Feminismus.

Mi., 15. Jun · 20:15-22:25 · kabel eins
Monsieur Claude und seine Töchter

Das konservative französische Ehepaar Claude und Marie muss erleben, dass ihre Töchter nicht wie gewünscht ebenso konservative katholische Franzosen ehelichen. Nachdem die ersten drei Töchter einen Juden, einen Muslim und einen Chinesen geheiratet haben, ruhen die Hoffnungen auf Nesthäkchen Laure. Doch ihr Auserwählter ist zwar katholisch, aber schwarz.