Rechte(s) von A-Z

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Folge 20: W / Z bis Zschäpe, Beate

Von Christian Niemeyer

Dieses Lexikon gibt Informationen in kompakter Form sowie weitergehende Literaturhinweise, basierend auf Forschungsliteratur sowie allgemein zugänglichen Nachschlagewerke, zumeist in Printversionen. Internetquellen, etwas das Belltower-Lexikon sowie Wikipedia, wurden konsultiert. Ersteres ist aber zu unspezifisch und im Übrigen schlecht aufgebaut und unvollständig. Letzteres ist zu spezifisch, mitunter unzuverlässig. Das Handbuch Rechtsradikalismus (2002) von Thomas Grumke & Bernd Wagner setzte in beiden Hinsichten neue Maßstäbe. Es hat nur einen Nachteil: es ist zu alt, im Vergleich zum im Folgenden dargebotenen Material (Redaktionsschluss: Juli 2021), das ab jetzt auf hagalil.com in mehreren Folgen erscheinen wird und dem Online-Anhang meines Schwarzbuch Neue / Alte Rechte (2021) entnommen wurde. Am Ende eines jedes Eintrags finden sich in eckigen Klammern in Fettdruck die Seitenzahlen, auf denen die jeweilige Person oder Sache in der Printversion erwähnt wird. Damit gewinnt dieses Lexikon den Charakter eines Sach- und Personenregisters im Blick auf jene Printversion. Literaturhinweise finden sich in jenem kostenlos auf der Homepage des Verlags Beltz Juventa (Weinheim) als Download verfügbaren Online-Material. 

 

Wächter, Otto (1901-1949), aus Wien, 1918 bis 1919, infolge des Adelsaufhebungsgesetzes, Freiherr von Wächter. 1919-1922 Freikorps Deutsche Wehr, Jurist. 1924 Dr. jur., 1923 SA Wien, 1923 DNSAP, 1930 NSDAP, Gauamtsleiter Wien u. Hauptschulungsleiter NSDAP-Österreich 1931, 1934 führende Rolle beim Juliputsch und der Ermordung von Bundeskanzler Dollfuß, Flucht nach Deutschland und Aberkennung der österr. Staatsbürgerschaft, Übernahme der deutschen, 1935 SS. Ende 1936 Umzug seiner Frau Charlotte plus (zwei) Kindern nach Berlin. Nov. 1939 Gouverneur des Distrikts Krakau m. führender Rolle seiner Frau beim Raub von Kunstwerken, Zusammenarbeit m. dem in Nürnberg hingerichteten Hauptkriegsverbrecher Hans Frank bei der Judenverfolgung. 1942 Gouverneur des Distrikts Galizien. Okt. 1942 SS-Oberabschnitt Ost. Erschütternd die Aussage Simon Wiesenthals: „I saw him early in 1942, in the ghetto of Lwòw [= Lemberg]. He was personally in charge on August 15 1942, when 4,000 elderly people were rounded up in the ghetoo and sent to the railway station. My mother was among them.“ (Wiesenthal 1967: 236) 1944 war W. Militärverwaltungschef Italien, 1945 untergetaucht, am 28. September 1946 Fahndungsaufruf poln. Behörden wg. „Massenmord“ (Erschießungen und Exekutionen) an „mehr als 100 000 polnischen Bürgern“ (zit. n. Sands 2020: 226) allein in seiner Zeit in Galizien. W. hielt sich vier Jahre in den Alpen versteckt, fand schließlich über die Rattenlinie hin nach Rom zu Alois Hudals. Starb am 13. Juli 1949 in dessen Armen in Rom, wie Hudal behauptete: als Folge einer „Vergiftung, die er selbst auf den amerikanischen Spionagedienst zurückführte.“ (Hudal 22018: 298) Zu dieser These passt, dass W. unmittelbar zuvor wohl mit dem gleichfalls von Hudal betreuten und, wie dieser, auf der Gehaltsliste des US-Geheimdienstes stehenden Nazi Karl Hass zusammengetroffen war; dagegen sprechen die von Philippe Sands subtil ermittelten Fakten, insbesondere die todesursächlich relevanten. (vgl. Sands 2020: 427; vgl. auch Sachslehner 2019: 224 ff.), die im Übrigen auch keinen Platz mehr lassen für Simon Wiesenthals (1967: 236) Annahme, habe Hilfe durch ODESSA erfahren. (s. Essay Nr. 13.3.5) [453, 455]

 

Wachler, Ernst (1871-1945), aus Breslau. Journalist, Schriftsteller und Dramaturg, der sich 1897 bei Wilhelm Dilthey promoviert hatte und noch während seiner Studienzeit, nicht zuletzt unter dem Einfluss seines akademischen Lehrers Heinrich v. Treitschke, Grundzüge seiner germanozentrischen Weltanschauung skizzierte und, unter Berufung auf Julius Langbehn, ein nationales Kulturprogramm forderte, in dessen Linie W. in der Folge eine gewisse Bedeutung gewann als einer der zentralen Führer der völkischen Heimatkunstbewegung, Unterabteilung Landschafts- und Naturtheaterbewegung (vgl. Puschner 1996). [303]

 

Wagener, Otto (1888-1971), aus Durlach. 1923 SA, NSDAP-Reichsleitung 1929, 1934 n. Röhm-Putsch interniert, Generalmajor der Wehrmacht, 1948 wg. Erschießung von ital. Kriegsgefangenen auf Rhodos in Italien zu 15 Jahren Haft verurteilt. W. betrieb als selbsternannter ‚König von Rhodos‘ mit Durchhalteparolen noch am 20. April 1945 ein eigenes KZ Kalithea mit Folterungen und Hungertoten, allein im März/April 1945 wurden 1.300 Todesurteile vollstreckt, selbst für Bagatellen. W. wurde im Mai 1951 nach Intervention v. Alois Hudal, auch bei Konrad Adenauer, freigelassen. (vgl. Klee 1991: 36 ff., 2003: 648; Sachslehner 2019: 201 f.) [405, 455]

 

Wagner, Richard (1813-1883), aus Leipzig. Musiker u. Kulturschriftsteller mit dominierend völkisch-antisemitischer Grundorientierung (Bayreuther Blätter), als Komponist bedeutend vor allem durch seine bei den Bayreuther Festspielen aufgeführte Ring-Tetralogie und der darin dominierenden, Hitler inspirierenden Figur des Siegfried. Sie sei, so lesen wir in neu-rechter Lesart im vom IfS protegierten Staatspolitischen Handbuch aus der Feder von Martin Grundweg noch im Jahre 2014 im Nachgang und unter Verweis auf Siegfried Gerlichs Studie Richard Wagner. Die Frage nach dem Deutschen (2013), zu Unrecht der Deutschthümelei verdächtigt worden. Was W. vielmehr „vorschwebte, war keine politische Weltherrschaft Deutschlands, sondern ein Weltreich des deutschen Geistes“ (SH 4: 23), in seiner Kunst lebe „ein Stück deutschen Geistes unzerstörbar weiter.“ (SH 4: 24) Insoweit, so die Folgerung, obliege zumal der Jugend aktuell unverändert der Auftrag, W. in Gestalt des Deutungsversuchs Hermann Nohls als Teil der „Deutschen Bewegung“ lesbar zu machen, ausgestattet mit dem Auftrag „einer umfassenden politischen, kulturellen und religiösen Erneuerung Deutschlands.“ (SH: 23) Dieser durchweg bagatellisierende und desinformierende Eintrag unterschlägt ganz nebenbei einen wichtigen Punkt: W. war Antisemit, und zwar in einer Weise, die den allmählich sich aufbauenden Gegensatz zu Nietzsche zu erklären vermag (s. Essay Nr. 19), ebenso wie des Letzteren Unvereinbarkeit mit Theodor Fritsch als auch mit fast allen weiteren Aspekten der neu-rechten Ideologie. (s. Essay Nr. 7) Insoweit ist Richard Lonsbachs feinsinnige Bemerkung nichts hinzuzufügen: „Nicht in der Freundschaft dieser beiden großen Repräsentanten ihres Jahrhunderts, im Bruch dieser Freundschaft liegt das Entscheidende.“ (Lonsbach 1939: 43) Hinzugesetzt sei noch: Über den insoweit tatsächlich weitestgehend rhetorischen Antisemitismus des frühen Nietzsche urteilen zu wollen, ohne diese Zusammenhänge zu be­denken, heißt also, nicht über Nietzsche zu reden, sondern über das, was W. aus ihm machte bzw. zu machen drohte. (vgl. Niemeyer 2011: 75 ff.) [109, 121, 141, 144, 154, 159, 165, 200, 206 f., 213-220, 236, 240, 246, 249, 258-260, 269, 278, 287, 292, 309, 353, 393, 408, 462, 527f., 538, 541-561, 573, 602, 635, 640, 653, 748, 754]

 

Waldeck und Pyrmont, Josias Erbprinz zu (1896-1967), aus Bad Arolsen. 1929 NSDAP/SS, Adjutant von Himmler (ab September 1933). Höherer SS- und Polizeiführer Fulda-Werra. Als im Buchenwald-Prozess 1947 zu lebenslänglich verurteilter Kriegsverbrecher in Landsberg einsitzend, 1948 auf 20 Jahre Haft verkürzt, im Dezember 1950 aus gesundheitl. Gründen entlassen. (vgl. Klee 2003: 653) [434, 502]

 

Waldheim, Kurt (1918-2007), aus St. Andrä vor dem Hagenthale/A. Diplomat, parteilos, in der NS-Zeit Offizier der Wehrmacht, Außenminister (1968-1970), UNO-Generalpräsident (1972-1981), Bundespräsident (1986-1992), geriet schon 1971, im Zusammenhang des von ihm angestrebten Generalsekretariats, in Verdacht einer jüdischen Organisation, aber Simon Wiesenthal, darob angefragt, wehrte ab und unterließ es, W.s Wehrmachtsakte anzufragen, sein Zögern in dieser Frage war auffällig und vermehrte das Heer der Wiesenthal-Kritiker auch um solche aus jüdischem Lager und brachte ihn wohl um den Friedensnobelpreis (zusammen mit Elie Wiesel). (vgl. Segev 2010: 450 ff.) So kam es erst Jahre später, 1986, infolge der Ermittlungen des Wiesenthal-Kritikers Eli Rosenbaums zur sog. Waldheim-Affäre, in deren Verlauf W. infolge von Journalistenrecherche vorgeworfen wurde, u.a. als Mitarbeiter Alexander Löhrs, an Kriegsverbrechen im Balkan beteiligt gewesen zu sein. (vgl. Ganglmair 1998: 394) W. geriet in internationale Isolation, zumal nachdem eine Historikerkommission 1987 ihm keine „Beteiligung an Kriegsverbrechen“, wohl aber genaue Kenntnis davon gehabt haben und sie durch seine „Feindlageberichte“ erleichtert zu haben; im Übrigen habe er versucht, „seine militärische Vergangenheit in Vergessenheit geraten zu lassen, und, sobald das nicht mehr möglich war, zu verharmlosen.“ (Gehler 1997: 395 ff.) Kein Argument für Neonazis sowie die Neue Rechte, der die Waldheim-Affäre als „Hetzjagd“ gilt und – so Thorsten Hinz, erkennbar Björn Höcke als auch Alexander Gauland vorwegnehmend – als Teil der „Bemühungen, eine internationale Erinnerungspolitik beziehungsweise Zivilregion zu installieren, in deren Mittelpunkt der Holocaust stand.“ (Hinz 2012: 331 f.) [406]

 

Waldschmidt, Dirk (*1965), aus Bonn. Rechtsanwalt, stellvertr. Vorsitzender NPD Hessen (2006-2008), Szeneanwalt, vorübergehend auch von Stephan Ernst, dem geständigen Mörder Walter Lübckes, im März 2021 festgenommen wg. Geldwäscheverdacht, womit der Freispruch des von Ernst als Mittäter beschuldigten Markus Hartmann im schlechten Licht dasteht, da Ernst W. als denjenigen benannt hatte, der ihm Geld zugesagt habe für eine Entlastung seines Mittäters. Dem widersprach W. im Prozess, darauf verweisend, dass es Gefangenenhilfe in der rechten Szene allenfalls „rudimentär“ gebe. (vgl. Grunert 2020) [99, 155]

 

Waldstein, Thor von (*1959), aus Mannheim. Rechtsanwalt, Schüler von Bernhard Wilms, war von 1979-1982 Vorsitzender des Nationaldemokratischen Hochschulbundes (NHB) und 1984 NPD-Kandidat bei den Europawahlen. Aktuell wird er bei Antaios als Ersatz für Karlheinz Weißmann aufgebaut, mit brisanten Details jenseits der offiziellen Vorstellung. So verbirgt sich, wie Richard Gebhardt (2020: 33) herausgearbeitet hat, hinter der Bemerkung, W. sei als Verteidiger tätig in Sachen von „Strafverfahren betr. die Unterdrückung der Meinungsfreiheit von Andersdenkenden“ der Umstand, dass zu W.s Mandanten der Holocaustleugner Fred Leuchter gehört. „Fallt tot um“, würde Benjamin Ferencz zu dieser Art Missbrauch der Vokabel „Andersdenkende“ wahrscheinlich urteilen. (s. Prolog Nr. 21) [254, 371, 452]

 

Wallasch, Alexander (*1964), aus Braunschweig. Schriftsteller, vorm. wie Stefan Schubert, Türsteher, neuerdings Hinwendung zum Rechtspopulismus, etwa mit Interviews mit Götz Kubitschek, 2021 in Sezession 100, neuerdings mit eigenem AfD-nahen Blog (www.alexander-wallasch.de).

 

Der Wanderer zwischen beiden Welten (1916). Weltkriegsmelodram von Walter Flex, mit staatstragendem Motto (Gneisenau: „Auf Poesie ist die Sicherheit der Throne gegründet.“) in die Welt entsandte und mit einer Auflage von (bis Kriegsende) 250.000 Exemplaren extrem erfolgreiches (vgl. Koch 2005: 178), noch von Jürgen Reulecke (2011) mit erstaunlich freundlichen Worten bedachtes „Kultbuch“ (Hacker/Herrmann 1989: 23) der (völkischen) Jugendbewegung mit dem Thema „Heldentod im Geiste Nietzsches“ (Herfurth 1989: 95). Hat aber mit Nietzsche so gut wie nichts zu tun (vgl. Niemeyer 2015: 150 f.), eher schon mit dem – pünktlich zu Beginn des Ersten Weltkriegs in Umlauf gebrachten – Zerrbild der Schwester, sich gruppierend um die Chiffre ‚Kriegsphilosoph‘ (vgl. Niemeyer 2019: 311 ff.). Dass Flex mit derlei sowie mit der Konzeption seines Helden, Freundes und Wandervogels Ernst Wurche als tragische Siegfried-Figur zur Kultfigur wurde, und dies gezielt in der NS-Zeit, als man ihn, der der Jugendbewegung „nie angehört hatte“ (Ulbricht 1989: 111), im Nachhinein als einen ihrer „Führer“ (Nadler 1938-41, Bd. 4: 390) verklärte, will man gerne glauben. Aber dies spricht ja eher gegen denn für den von Flex verfochtenen Jugendmythos mit seiner bellizistischen Pointe. [226, 504]

 

Weber, Friedrich (1892-1955), aus Frankfurt/M. Tierarzt, zunächst Wandervogel, dann Mitglied der Münchener Studentengilde ‚Greif‘, Bundesleiter aller deutscher Hochschulgilden (ab April 1934), Leiter des völkischen Kampfbundes Wehrbund ‚Oberland‘, der im August 1922 in engere Verbindung zum Jungdeutschen Bund trat. (vgl. Ki III: 326) Zusammen u.a. mit Heinrich Himmler, Kleo Pleyer, August Georg Kenstler und Theodor Oberländer Teilnehmer am Hitlerputsch, in Landsberg Hitlers Zellengenosse, um schließlich, nach zwischenzeitlichem Zerwürfnis, von Hitler zum ‚Reichstierärzteführer‘ ernannt zu werden. (vgl. Laqueur 1962: 94; Klee 2003: 657) [605, 607, 609]

 

Wegner, Nils (*1987), aus der Nähe von Bremen. Neu-rechter Ideologe, Studium Uni Gießen (B.A.) u. Uni Hamburg (M.A.), Autor bei Sezession, Neue Ordnung, Junge Freiheit etc., Lektor (2015 bis 2018) bei Antaios, seit Frühjahr 2020 bei Radix Journal, skandalöse Beiträge zum Geschichtsrevisionismus, insbesondere 2017 zu Rudolf Berthold. (s. Essay Nr. 13.3.3) [22, 32, 152, 179, 222, 362, 395 f., 400, 407-411, 414-416, 418-420, 426, 432, 456, 618, 658, 660]

 

Weidel, Alice (*1979), aus Gütersloh. AfD seit 2013, AfD-Bundesvorstand seit 2015, Neoliberale Gegnerin der durch Angela Merkel zu verantwortenden „Asylkatastrophe“, die sie im Oktober 2016 dahingehend beschrieb, deutsche Steuerzahler würden einen „Millionenheer von ungebildeten Migranten aus dem Nahen Osten und Afrika eine Rundumsorglos-Vollversorgung finanzieren.“ (zit. n. Schwarzbuch AfD 2017: 100) Noch im April 2016 distanzierte sie sich von Björn Höckes „völkischem Gerede“ und forderte Anfang 2017 nach dessen Dresdner Rede dessen Rauswurf. (ebd.: 101) Sie sei also, so Martin Lichtmesz & Caroline Sommerfeld, „allem Ermessen nach nicht gerade besonders ‚rechts‘ oder ‚konservativ‘“, wurde aber gleichwohl von einem NDR-Moderator ungestraft als „Nazischlampe“ bezeichnet. (vgl. Lichtmesz/Sommerfeld 32019: 38) Inzwischen, mit ihrer Warnung vor „messertragenden Muslimmädchen“, ist W. ganz nahe bei Höckes Warnung vor dem „nordafrikanischen Ausbreitungstyp“, also beim Flügel, angekommen, wie auch ihr Prostest, zusammen mit Alexander Gauland, gegen Jörg Meuthen wg. dessen Unterstützung eines Parteiausschlusses für Andreas Kalbitz im Frühsommer 2020 zeigte. [87, 112, 120, 128, 251 f., 672, 688, 692, 717, 769-771]

 

Weil, Ekkehard (*1948 o. 1949), aus Berlin. Dt. Neonazi und Rechtsterrorist aus dem Umfeld der Heimattreuen Jugend, 1970 Mordanschlag auf einen Wachsoldaten des Sowj. Ehrenmals in Berlin-Tiergarten, 1977 Bombenanschlag auf ein SEW-Büro, 1979 während Hafturlaub Flucht nach Österreich, 1982 mehrere Sprengstoffanschläge auf Menschen jüd. Glaubens, darunter Simon Wiesenthal, 1998 untergetaucht, weiterer Anschläge verdächtig, etwa auf das Grab von Heinz Galinski 1998 oder die Wehrmachtsausstellung 1999. (vgl. Maegerle/Röpke/Speith 2013: 38 f.) [424]

 

Weißmann, Karlheinz (*1959), aus Northeim. Während des Studiums Mitglied der Deutschen Gildenschaft, Redakteur der rechten Zeitschrift Phönix, Historiker, Gymnasiallehrer, Anhänger von Armin Mohler und Fortführer von dessen Handbuch der Konservativen Revolution, 2000 Mitbegründer des IfS, 2014 Rückzug, Mitherausgeber (zusammen mit Erik Lehnert) des neu-rechten Staatspolitischen Handbuchs, Kolumnist bei der Jungen Freiheit. (vgl. Breuer et al. 2015: 118) [25, 34, 62, 86, 109, 119, 131, 140, 143, 152, 164, 170-174, 214, 223-235, 238, 249, 251, 254-257, 266, 269-271, 277, 282, 285-287, 296-300, 319, 327, 349, 374, 380, 396, 399, 417, 423, 433, 445 f., 475, 483 f., 487, 503, 506, 519, 540, 565 f., 568, 570, 573, 576 f., 580, 595, 611, 613 f., 617-619, 623, 629, 631, 646, 648, 743]

 

Weixler, Franz-Peter (1899-1971), aus München. 1933 NSDAP u. SA. 1934 Ausschluss aus pol. Gründen. Widerstand. 1934 verhaftet. Amnestie. 1937 verliert aus pol. Gründen Job bei Bank, 1937 bis 1939 freib. Fotograf u. Autor, Kriegsberichterstatter, 1941 Kreta, Massaker Kondomari dokumentiert. Zeuge der Anklage in Nürnberg 1945. (s. Essay Nr. 13) [403 f.]

 

Wendt, Alexander (*1966), aus Leipzig. Journalist beim Focus (1995-2019), seit November 2017 Onlinemagazin Publico, seit 2020 bei Tichys Einblick, enge Zusammenarbeit mit Michael Klonovsky, etwa in Chemnitz 2018. (s. Prolog Nr. 11) [48, 100, 648]

 

Wendt, André (*1971), aus Großenhain. Berufssoldat, AfD-MdL Sachsen (seit 2014), 2. Vizepräsident des Landtags (seit Oktober 2019), legendär durch seine Anfrage von 2017 zur Sterilisation von jugendlichen Flüchtlingen. (Kölner Stadtanzeiger v. 15.02.2017, 13: 45)

 

Wendt, Rainer (*1956), aus Duisburg. W. (CDU), Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, dem schon Udo Ulfkotte ein heroisierendes Porträt zudachte und Wissen darüber zusprach, „dass es in Deutschland Problembezirke aus Gründen der politischen Korrektheit einfach nicht geben darf.“ (Ulfkotte 62013: 147) Wg. Ungereimtheiten bei der Abrechnung von Dienstreisen Gegenstand polizeilicher Ermittlungen, hält W. als Anhänger von Hans-Georg Maaßen Überlegungen aus der Parteispitze, diesen auszuschließen, für einen Fehler, des Gleichen die Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge 2015. Die Medien hält W. für ideologisch verblendet bezogen auf die Polizeiarbeit (SP Nr. 35/24.8.2019: 27), eigene Verblendung dabei selbstredend in Abzug gebracht. So war es W., der sich durch die Leipziger Meldung über einen Mordanschlag auf einen nur durch Notoperation zu rettenden Polizisten zur Jahreswende 2019/20 in Connewitz erinnert fühlt „an die Ausbildung linksterroristischer Strukturen in den Siebzigerjahren“, ähnlich wie Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), „der bei den rechten Ausschreitungen 2018 in Chemnitz keinen Mob und keine Hetzjagd erkennen konnte.“ Beide argumentierten in diesem Fall gezielt voreilig im Blick auf die noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen und den Umstand, dass „die Polizei Teile ihrer dramatischen Darstellung der Nacht wieder zurücknehmen muss[te]. Der verletzte Polizist wurde doch nicht notoperiert, er wurde am Ohr genäht.“ (SP Nr. 3/11.1.2020: 48)

 

Werte-Union. Die W. gilt als rechter Flügel (auch im wortwörtlichen Sinne, also in Analogie zum „Flügel“ der AfD gesprochen) der CDU mit ca. 3.000 Mitgliedern, vor allem in Ost-Deutschland. Ziel: Der AfD Wähler abjagen und „eine Alternative anbieten, konservativ, national, aber halbwegs anständig, ohne Rassismus, ohne die Nazizeiten zu verharmlosen.“ Dazu heißt es im Konservativen Manifest der W.: „Als dicht besiedeltes Industrieland ist Deutschland ungeeignet zur Aufnahme von Asylbewerbern und Flüchtlingen.“ Und in einem Traktat über den Zustand der Union ist, gleichfalls auf der Website der W., zu lesen: „Kein Feuer brennt mehr für Vaterland und Recht und Freiheit, sondern es (ver-)brennen die Grundlagen unserer Kultur.“ Leitfigur der W. ist Hans-Georg Maaßen, Anhänger sind Rainer Wendt, Alexander Mitsch sowie Sylvia Pantel. (SP Nr. 35/24.8.2019: 26 f.) Neuer Vorsitzender (seit 2021) ist Max Otte, was Maaßen zum wahltaktisch zu erklärenden Manöver veranlasste, seine Mitgliedschaft ruhen zu lassen.

 

Weyel, Harald (*1959), aus Herborn. Kind eines farbigen US-Soldaten (Besatzungskind), Betriebswirtschaftsprofessor (FH Köln). AfD-Mitglied seit 2013, AfD-MdB seit 2017 mit Mitarbeiter Erik Lehnert. Was Fragen aufwirft im Zusammenhang der durch W., vor allem aber durch Bruce Gilley geprägten Kolonialismus-Strategie Lehnerts resp. der AfD. (s. Essay Nr. 10) [315, 395, 398]

 

Whiting, Charles (1926-2007), aus York/UK. Schriftsteller und Militärhistoriker, Verf. von mehr als 350 überaus erfolgreichen (Sach-)Büchern, unter zahlreichen Pseudonymen aktiv. W. führte Interviews mit SS-Führern wie Otto Skorzeny, ab 1968 auch mit Joachim Peiper, der ihn immer wieder mit bagatellisierenden oder erfundenen Geschichten sowie mit pejorativen Urteilen über seine Verfolger – etwa Simon Wiesenthal – für sich einzunehmen suchte, mit Erfolg, wie seine Bücher Massacre at Malmedy (1971) sowie sein unter dem Pseudonym Leo Kessler erschienenes Buch SS Peiper (1977) zeigen. (vgl. Westemeier 2014: 272, 595, 628, 653) (s. Essay Nr. 13.3.5) [428]

 

Wieman, Mathias (1902-1969), aus Osnabrück. Schauspieler, beispielsweise Ich klage an [1941], ein Propaganda-Film pro NS-Euthanasie. (vgl. Wulf 1964: 370) [656]

 

Wiesenthal, Simon (1908-2005), aus Buczacz/Galizien. Österr. Architekt, Publizist, Holocaust-Überlebender, auch, teils abwertend, ‚Nazijäger‘ genannt, gründete Dokumentationszentren in Linz und Wien, zum Ärger Österreichs, das sich kaum um Aufklärung bemühte. W. war maßgeblich an der Jagd auf Adolf Eichmann beteiligt, machte denjenigen ausfindig, der Anne Frank verhaftet hatte, fand Franz Stangl, Franz Murer und Josef Schwammberger, half bei der Auslieferung Klaus Barbies, war Anhänger der ODESSA-Hypothese, die Frederick Forsythe in Die Akte Odessa (1972) mit W. in einer Nebenrolle und gruppiert um W.s Suche nach Eduard Roschmann literarisch ausgestaltete. War im Visier des Neonazis Ekkehard Weil, der 1982 auf ihn und seine Frau einen Sprengstoffanschlag verübte. (vgl. Segev 2010) [375, 424, 428, 439-441, 451, 453 f.]

 

Wilhelm, Theodor (1906-2005), aus Neckartenzlingen/Württ. Jurist und Erziehungswissenschaftler, ab 1936 Schriftleiter der Internationalen Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (= IZE) sowie (ab 1938) Dozent an der Hochschule f. Lehrerbildung in Oldenburg, außerdem Mitglied von SA (1934) und NSDAP (1937). Ungeachtet seiner Tätigkeit in der NS-Zeit war W. von 1951 bis 1959 Professor für Pädagogik an der PH Flensburg, ab 1959 Ordinarius für Pädagogik an der Universität Kiel (Emeritierung 1972) (vgl. Harten/Neirich/Schwerendt 2006: 492), mit kritischer Haltung gegenüber der Studentenbewegung (s. Essay Nr. 15/5) und unkritischer gegenüber der Jugendbewegung, was seine Teilhabe an der Kampagne Werner Kindts gegen Harry Pross erklärt, ebenso wie seine Unfähigkeit, sich seiner eigenen Vergangenheit und seinem Antisemitismus zu stellen. Im neu-rechten Diskurs spielt W. keine Rolle, die IZE wird, mit deren Herausgeber Alfred Baeumler als „Überläufer von der KR [= Konservative Revolution] zum Nationalsozialismus“ (M/W: 536), lediglich gelistet. [151, 163, 262, 355, 469, 472 f., 475, 480-482, 487, 489 f., 588]

 

Wintzek, Bernhard (1943-2018), aus Trachenberg/Pl. (Privatschul-)Lehrer, Mitbegründer der Aktion Widerstand sowie der rechtsextremistischen, später rechtskonservativen Zeitschrift Mut, NPD-Bundestagskandidat 1972. (vgl. Müller 1989: 14 f.)

 

Wirth, Christian (*1963), aus Neunkirchen. AfD-MdB aus dem Saarland, seit 2020 Landesvorsitzender, vorm. Burschenschaftler mit aggressiver Rhetorik in einem Antisemitismusskandal bei der Burschenschaft Normannia Heidelberg, schlug 2020 vor, durch die Pandemie freigewordene Ressourcen der Luftfahrtbranche für die Rückführung von 250.000 ausreisepflichtigen Migranten zu nutzen. [93]

 

Wissmann, Herrmann von (1853-1890) aus Frankfurt/O. 1890 geadelt wg. seiner Verdienste als Afrikaforscher und Kolonialoffizier, in der NS-Zeit hofiert (vgl. Heuer 1940), mit brutalen Methoden bei der Unterdrückung von Aufständen, 1895/96 Gouverneur von Deutsch-Ostafrika. Mysteriöse Erkrankung (Syphilis?) und rätselhafter Tod (angeblich Jagdunfall), zahlreiche, zumal in der NS-Zeit nach W. benannte Straßen wurden inzwischen umbenannt. (s. Essay Nr. 10) [328 f.]

 

Wohlleben, Ralf (*1975), aus Jena. Fachinformatiker, NPD 1999, stellvertretender Vors. NPD 2002, erwarb 2002 zusammen u.a. mit André Kapke Kauf eines Lokals in Alt-Lobeda („Braunes Haus“), 2010 und 2012 nach einer Veranstaltung mit Karl-Heinz Hoffmann nach Waffen durchsucht, 2012 Austritt NPD, 2013 wurde eine Klage gegen einen NPD-Aussteiger wg. dessen Vorwurf, W. habe ihn unter Dritten bedroht, abgewiesen. 2012 Anklage gegen W. wg. des Vorwurfs, dem NSU-Mordtrio 2000 die Tatwaffe besorgt zu haben, deswegen wg. Beihilfe zu Mord zehn Jahre Freiheitsstrafe, die Untersuchungshaft wurde angerechnet, so dass er im Juli 2018 freikam. (vgl. Schultz 2018: 420) Seitdem lebt W. mit seiner Familie in einer Szene von Rechtsextremen als Ikone der Neonaziszene. (s. Essay Nr. 13.3.5) [448 f.]

 

Wolf, Hans (1896-1977). SS-Mitglied (vgl. Niemeyer 2010: 229), vormals (1918) der Bundesleitung des völkischen Jungdeutschen Bundes angehörend (vgl. Ki II: 997), Mitbegründer des Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung sowie Leiter des Archivs der Burg Ludwigstein (1954-1976), einer der einflussreichsten Bedenkenträger aus der Betroffenengeneration. [151, 255, 495 f., 620, 627]

 

Wolff, Karl (1900-1984), aus Darmstadt. Freikorps Hessen, ab 1920 Banklehre, 1925 Anzeigenbüro in München, 1931 NSDAP und SS, 1934/35 Erster Adjutant Himmlers, 1939 Verbindungsoffizier der SS bei Hitler, „Schlüsselfigur für die Endlösung der Judenfrage“ (Westemeier 2014: 103), 1942 SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS, dankt am 13.8.1942 der Reichsbahn, „daß nun schon seit 14 Tagen täglich ein Zug mit je 5000 Angehörigen des auserwählten Volkes nach Treblinka fährt“ (zit. n. Klee 2003: 686), 1943 Höherer SS- und Polizeiführer in Italien, nach 1945 von den Amerikanern wg. Kollaboration zunächst verschont (vgl. Steinacher 2008: 190; s. Essay Nr. 13), 1949 nach einem Entnazifizierungsverfahren entlassen, nach Eichmann-Prozess 1964 zu 15 Jahren Haft verurteilt, 1969 Haftverschonung. (vgl. Eberle/Uhl 2005: 641 f.) [435]

 

Wurm, Theophil Heinrich (1868-1953), aus Basel. 1927 Prälat in Heilbronn, 1929 Kirchenpräsident (1933 umbenannt in Landesbischof) der württembergischen Landeskirche, 1934 Gottesdienst pro Bekennende Kirche, 1937 Erklärung gegen Alfred Rosenberg, 1938 Glockenläuten pro Anschluss Österreichs, 1939 dasselbe wg. Scheitern des Attentats von Georg Eiser, im Juli 1940 Protest gegen Euthanasie, im Juli 1943 des Gleichen wg. Judenverfolgung, 1944 Schreib- und Redeverbot. Im Oktober 1945 Unterzeichner des Stuttgarter Schuldbekenntnisses, 1951 Gründungsvorstand der „Stillen Hilfe“ zusammen mit Prinzessin von Isenburg. (s. Essay Nr. 13.3.5) [431 f., 435]

 

Wurster, Gotthold (1890-1942), aus Heidenheim (Württ.), Lehrer, überzeugter Nazi, forschte zum NS-Dichter Ludwig Finckh, steht im Zentrum der kritischen Abrechnung seiner Tochter Magarete Hansmann. (s. Prolog Nr. 15) [144]

 

Zentrum für Politische Schönheit. Von Philipp Ruch begründetes linkes Aktionskunstbündnis. Prominenz im Kampf gegen rechts gewann vor allem die am 22. November 2017 enthüllten 24 Stelen einer dem Holocaust-Mahnmal in Berlin nachgebildeten Installation in Sichtweite von Björn Höckes Haus, was zu Anzeigen und Morddrohungen gegen Ruch und andere führte. Als skandalös wurden vor allem die 16-monatigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Gera unter Martin Zschächner gegen die Künstler wg. des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung empfunden, zumal dies im Nachgang zu einer entsprechenden Diagnose Höckes geschah. (vgl. Ruch 2019) [93]

 

Ziemssen, Dietrich (1911-1978), aus Heilbronn. Ex-Generalstabsoffizier der 1. SS-Panzer-Division Leibstandarte SS Adolf Hitler, nach 1945 HIAG, Initiator eines Hilfskreises für Herbert Kappler. (s. Essay N. 13.3.5)

 

Ziesel, Kurt (1911-2001), aus Innsbruck/A. Journalist, 1930 NS-Studentenbund, 1931 NSDAP, Volontär beim Völkischen Beobachter, 1941 Kriegsberichter, nach 1945 Autor bei Nation Europa und National-Zeitung. 1960 GfP. (vgl. Dudek/Jaschke 1984, Bd. I: 47; Klee 2007: 617)

 

Zilliken, Josef (1872-1942), aus Mayen. Priesterweihe 1898, Pfarrer, zuletzt (ab 1922) in Prüm, dort auch Dechant. Bistum Trier. Dreimonatige Gefängnisstrafe (zur Bewährung) wg. Beleidigung von Alfred Rosenberg in der Silvesterpredigt 1934, Gesuch um Versetzung nach Wassenach (ab Dezember 1937), um die Prümer Gemeinde vor NS-Verfolgung zu schützen, dort weiteres Aufbegehren mit Gestapo-Verhören u. Strafbefehlen. Am 27. Mai 1940 zusammen mit seinem gleichsinnigen Konfrater Johannes Schulz von Hermann Göring aus Ärger über Respektlosigkeit – sie hatten ihn ignoriert, als er die Terrasse des Gasthauses Waldfrieden bei Maria Laach betrat – ins KZ Buchenwald, später KZ Sachsenhausen sowie KZ Dachau, Pfarrerblock, verbracht, wo sie ständig mit erhobenem Arm an einer Figur, die Göring symbolisieren sollte, vorbeigehen und auf eine Schiefertafel schreiben mussten: ‚Jeder Deutsche ist verpflichtet, den Reichsmarschall zu grüßen.‘ Z., der noch als 70-jähriger Zwangsarbeit verrichten musste, ließ sich auf die Krankenstation bringen; von dort kam am 3. Oktober 1942 die Nachricht von seinem Tod mit der (Deck-)Diagnose: ‚Herz-Kreislauf-Versagen in Verbindung mit einer Lungentuberkulose‘. Z.s Urne wurde im November 1942 in seiner Heimatgemeinde bestattet, zuvor, im Oktober, wurde ein von 60 Geistlichen besuchtes Requiem unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gefeiert. Die katholische Kirche hat Z. in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen, (vgl. Ost 2005; Eberle/Uhl 2005: 643), so dass Bischof Alois Hudals Schweigen von Z. (und Schulz sowie anderen der insgesamt im Dritten Reich inhaftierten 2.579 katholischen Geistlichen) als kalkuliertes gelten darf, ganz zu schweigen von jenem Fred Duswalds. (s. Essay Nr. 13.3.5)

 

Zöberlein, Hans (1895-1964), aus Nürnberg. Architekt, NS-Schriftsteller, eine Art Nachfolger Artur Dinters, vom Freikorps Epp (1919) sowie Julius Streichers Deutsch-Sozialer Arbeiterpartei herkommend. 1921 NSDAP (Nr. 869), SA, Teilnehmer am Hitlerputsch. Bestseller Der Befehl des Gewissens (1937) mit rassenantisemitischer Mär, 1948 wg. Ermordung kapitulierender Penzberger Bürger (am 28. April 1945) zum Tode verurteilt, 1949 in lebenslänglich umgewandelt, 1958 krankheitsbedingt entlassen. (vgl. Loewy 1966: 328 f.; Klee 2007: 619 f.; Niemeyer 2013: 154 f.) [368, 379]

 

Zschächner, Martin (*1982). AfD-naher Staatsanwalt aus Gera mit fragwürdigen Ermittlungsansätzen, etwa im Fall des Zentrums für Politische Schönheit. Nach mehreren Dienstaufsichtsbeschwerden und Berichten über seine politische Vergangenheit erfolgte im April 2019 die Entbindung von seinem bisherigen Sachgebiet (politische Strafsachen). [92 f.]

 

Zschäpe, Beate (*1975), aus Jena, als Beate Apel geboren. Teil des rechtsterroristischen NSU-Mörderordens um Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. 2018 als Mittäterin bei der Ermordung von zehn Menschen und wg. anderer Taten zu lebenslänglich mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. (vgl. Jüttner 2013: 66 ff.) [113, 750]

 

[Zum Autor: Christian Niemeyer, Prof. (i.R.) für Sozialpädagogik an der TU Dresden. Zum Text: Dieses Lexikon wurde, wie die noch ausstehenden Folgen, wurde dem Online-Material (S. 21-106) meines Schwarzbuch Neue / Alte Rechte. Glossen, Essays, Lexikon (= Bildung nach Auschwitz 1). Mit Online-Materialien. Weinheim Basel 2021 entnommen. Der Wiederabdruck erfolgt mit freundlicher Erlaubnis des Verlages Beltz Juventa.]

Bild: V.l. Otto Wächter / Richard Wagner / Christian Wirth, (c) Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0