Auf einen Sliwowitz

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Zum 80. Geburtstag von Peter Finkelgruen

Von Nadine Englhart

 

Lieber Peter,

ich wünsch Dir alles Gute zum Geburtstag! In unserem Keller wartet ein Sliwowitz auf Deinen Besuch.

Wir sind heute zehn Jahre von dem bittersüßen Moment entfernt, als sie vor Deinem Haus ein Bäumchen pflanzten und einen Gedenkstein für Deinen Großvater Martin Finkelgrün enthüllten.

In meiner kleinen Rede an diesem Tag zog ich Dich ein bisschen auf, weil Du doch immer ums Karree gekurvt bist, um einen Parkplatz zu finden:

„Du wirst also wie ein Rohrspatz fluchen, wenn Du abends mit Deinem Sternenpanzer zum dritten Mal ums Karree fährst, weil Du keinen Parkplatz mehr findest und wenn Du doch mal hier zu parken kommst, werden Dir die Vögel auf das frischgewaschene Auto kacken und Du, Aug‘ in Aug‘ mit dem Baum, ’Danke, Opa‘ knurren.“

Baumpflanzung mit Gedenkschild an Peter Finkelgruens 70. Geburtstag, 
© www.suelz-koeln.de

Wir kennen uns schon so verdammt lang, waren jahrelang ein Team und hatten bis dahin schon Writers in Prison-Veranstaltungen zu China, Russland, Belarus und der Türkei mitorganisiert, Buchpräsentationen für die Anthologien und die eine oder andere Lesung mit den Mitgliedern.

Dein Sternenpanzer war häufig im Einsatz, wenn Du auf Parkplatzsuche ums Karree gekurvt bist, oder wenn wir zu zweit oder zu dritt nach Solingen, Berlin, Luxemburg oder Amsterdam fuhren, eigentlich immer in Sachen PEN.

2009 sammelten wir Hans Keilson, der uns noch nie zuvor gesehen hatte, in Hilversum auf, und ich unterhielt mich mit ihm in der Hotelhalle über Gott, die Welt und Göring (ausgerechnet!).

„Wie ist Göring eigentlich ums Leben gekommen? Diese Frage müsste mich erstaunen, angesichts des Mannes, der sie gestellt hat. Doch Dr. Hans Keilson, der mir im Hotelfoyer gegenübersitzt, wird mir als der Mann mit den vollen Rucksäcken in Erinnerung bleiben; mit diesem Bild erklärt er seine gelegentlichen Gedächtnislücken.“

Ein andermal, aber auch noch 2009, waren wir mit dem Sternenpanzer in Berlin und türmten über eine niedrige Mauer im hinteren Bereich des Dorotheenstädtischen Friedhofs zurück in die Mitte, weil sie vorne längst zugesperrt hatten.

„Man erwägt kurz, Hochhuth und Dehm, die nebenan bei Brechts im Hof wahrscheinlich immer noch über Gott, die Welt und den Mossad schwadronieren, auf den Biergartentisch zu hüpfen, kommt jedoch schnell davon ab.“

Unsere kleinen PEN-Abenteuer, die Auseinandersetzungen mit diesem unmöglichen Verleger und Dein Hungerstreik im Kampf gegen das Entschädigungsamt waren ein Fliegenschiss gegen all das, was Du in all den Jahrzehnten davor alleine, aber auch zusammen mit Gertrud erlebt hast, in Shanghai, in Prag, in Köln, aber auch in Israel.

Ich vermisse Dich. Ich vermisse Gertrud. Und Said. Und den PEN, die Faxe von Günter Kunert und all die kleinen Dramen, die uns damals wie riesige Dramen vorkamen. Den Sternenpanzer fährst Du leider schon lange nicht mehr, wir haben uns jetzt zwei Jahre lang nicht mehr gesehen und die Jahre kommen mir vor, als hätte ein schwarzes Loch sie geschluckt.

Die Welt ist ein Arschloch, doch Du bist noch darin, das macht sie mir erträglicher. Das immerhin.

Aber ich erinnere mich, dass ich älteren jüdischen Schriftstellern zu ihren Geburtstagen eigentlich immer ein niedliches Tierbild aus eigener Urheberschaft spendiert habe.

Hier also das Peter Finkelgruen-Geburtstagselefäntchen.

Wir sehen uns bald.
Versprochen.

Wir gehen mal wieder in den Zoo.
Versprochen.

Der Sliwowitz wartet auf Dich.
Versprochen.

Alles Liebe,
Nadine