Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 31. März 2022…

Mi., 16. Mär · 07:20-07:40 · WDR
Planet Schule: Schalom und Hallo! – 7 Fragen zum jüdischen Leben: Jüdische Religion

In „3 mal 7 Fragen zum jüdischen Leben“ präsentiert Lars Umanski Insider-Wissen und vermittelt Einblicke in die jüdische Religion. Dabei verrät er, dass nicht einmal alle Jüdinnen und Juden Ahnung von der jüdische Religion haben.

Mi., 16. Mär · 22:45-23:30 · RBB
Die Erfindung eines Mörders – Der Fall Bruno Lüdke

Der Schauspieler Mario Adorf erinnert sich in dieser Dokumentation an seine erste große Hauptrolle. In Robert Siodmaks Kriminalfilm „Nachts, wenn der Teufel kam“ spielte er 1957 den vermeintlichen Massenmörder Bruno Lüdke. Dieser Figur liegt ein außergewöhnlicher Fall aus der NS-Zeit zugrunde. Bruno Lüdke wurde seinerzeit beschuldigt, 84 Frauen ermordet zu haben. Lange galt er als der größte deutsche Serienmörder, und seine Geschichte wurde ungeprüft in deutschen Nachkriegsmedien kolportiert. Jahrzehnte später beweisen die Kulturwissenschaftlerin Susanne Regener und die Historiker Axel Dossmann und Jens Dobler, dass Lüdke nicht einen einzigen dieser Morde begangen hat. Bruno Lüdke, geistig eingeschränkt, war nicht Täter, sondern wurde Opfer des rassistischen Weltbildes der NS-Kriminalpolizei. „Hätte ich in den 50er Jahren die wahre Geschichte Brunos gekannt, dann hätte ich diese Figur ganz anders gespielt“, so Mario Adorf, der sich in dieser Dokumentation noch einmal auf eine Spurensuche begibt. Die Filmemacher Dominik Wessely und Jens Becker erzählen in ihrer Dokumentation einen frühen Fall von Fake-News, die Geschichte hinter der Geschichte vom angeblich schlimmsten Serienmörder der deutschen Kriminalgeschichte.

Do., 17. Mär · 13:00-13:45 · arte
Stadt Land Kunst

(1): Isaac Bashevis Singer: Polen und der Zauberer von Lublin Rund 160 Kilometer südöstlich von Warschau liegt Lublin, das wegen seiner einflussreichen jüdischen Gemeinde lange Zeit als „polnisches Jerusalem“ bezeichnet wurde. Der jiddische Schriftsteller Isaac Bashevis Singer, der selbst aus Polen stammte, machte die Stadt zum Schauplatz seines Romans „Der Zauberer von Lublin“. Er erzählt die Geschichte eines Mannes, der immer wieder Grenzen überschreitet und Regeln bricht, und zeichnet das Bild eines Vorkriegspolens, das zukünftige Tragödien vorausahnen lässt.

Fr., 18. Mär · 09:30-10:00 · ARD-alpha
RESPEKT – Hass im Netz: Schutzlos gegen digitale Gewalt?

Bürgermeister*innen, die ihr Amt aufgeben, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen, die ihre Social Media Accounts löschen, ein Bundestagskandidat, der die Kandidatur zurückzieht – Drohungen und Angriffe im Netz haben sehr reale Konsequenzen. Manche Menschen werden aufgrund ihres Namens oder ihres Aussehens attackiert. Andere werden mundtot gemacht, weil sie sich politisch oder wissenschaftlich äußern oder gesellschaftlich engagieren. In beiden Fällen wird digitale Gewalt zu einer ernsten Bedrohung der demokratischen Gesellschaft. Wie wirken solche Abgriffe auf Betroffene? Bürgermeister*innen, die ihr Amt aufgeben, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen, die ihre Social Media Accounts löschen, ein Bundestagskandidat, der die Kandidatur zurückzieht – Drohungen und Angriffe im Netz haben sehr reale Konsequenzen. Manche Menschen werden aufgrund ihres Namens oder ihres Aussehens attackiert. Andere werden mundtot gemacht, weil sie sich politisch oder wissenschaftlich äußern oder gesellschaftlich engagieren. In beiden Fällen wird digitale Gewalt zu einer ernsten Bedrohung der demokratischen Gesellschaft. Wie wirken solche Abgriffe auf Betroffene? RESPEKT-Moderator Rainer-Maria Jilg trifft die Influencerin Jasmin Heider. Weil sie sich offensiv für veganes Leben und gegen gängige Geschlechts- und Schönheitsvorstellungen einsetzt, ist sie oft Ziel von Hasspostings bis hin zu Morddrohungen. Wie geht sie damit um? Bisher konnte sie die Täter noch nicht mal anzeigen – die Polizei sah keine reale Gefahr. Das müsste sich mit dem kürzlich in Kraft getretenen „Gesetz zur Bekämpfung gegen Hasskriminalitat und Rassismus“ jetzt ändern. Das Bundeskriminalamt richtet dafür gerade eine zentrale Meldestelle ein. Dort fragt Rainer Jilg, wie die im Gesetz vorgeschriebene Meldepflicht für Social Media Plattformen denn kontrolliert und umgesetzt werden soll. Der RESPEKT-Moderator versucht aber auch, ins Gespräch mit Hatern zu kommen, die Hassbotschaften verschicken. Warum tun sie das und haben sie keine Hemmschwelle mehr? „RESPEKT“ will dazu beitragen, Demokratie, Grund- und Menschenrechte nicht nur als abstrakte Begriffe zu verstehen, sondern als Werte des gemeinschaftlichen Lebens. Die Online-Videos und TV-Reportagen überprüfen Vorurteile und Klischees wie Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit, Homophobie oder Sexismus. Die Presenter Sabine Pusch, Rainer Maria Jilg und der aus Syrien stammende Schauspieler Ramo Ali treffen Menschen, die sich für Weltoffenheit und Toleranz einsetzen. Mit Ironie und in lockerem Ton zeigen sie, wie Grundwerte und Menschenrechte im Alltag gelebt werden können – und warum wir alle von einem solidarischen Miteinander profitieren. Umfragen mit Passanten ergänzen den Blick auf das jeweilige Thema. Eine „Zahlen und Fakten“-Rubrik hilft dabei, die unterschiedlichen Standpunkte zu beurteilen und sich eine fundierte Meinung zu bilden.

Fr., 18. Mär · 20:15-21:45 · 3sat
Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben

Seit 1940 muss Marcel Reich-Ranicki, geboren 1920, im Warschauer Getto leben. Bevor er 1942 in ein Konzentrationslager deportiert wird, gelingt ihm mit seiner Frau die Flucht. Nach dem Krieg wagen die beiden einen ungewöhnlichen Schritt: Sie gehen nach Deutschland. – Verfilmung der Autobiografie von Deutschlands einflussreichstem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (1920-2013). In Rückblenden erzählt der Film die frühe Lebensgeschichte des 1920 im polnischen Włocławek geborenen Marcel Reich-Ranicki. Nach seiner Schulzeit in Berlin bleibt ihm als Jude das Studium verwehrt. Im Herbst 1938, wenige Monate nach seinem Abitur, wird er nach Warschau deportiert, 1940 ins Getto umgesiedelt, wo er in größter Not auch die Liebe seines Lebens findet: Der Hochzeitstag mit Teophila, genannt „Tosia“, fällt zusammen mit dem Beginn der Räumung des Gettos. Marcels Eltern, sein Bruder und Tosias Mutter werden in die Vernichtungslager deportiert. Im Februar 1943 gelingt Marcel mit seiner Frau die Flucht aus dem Getto in den Warschauer Untergrund. In den 1950er-Jahren entschließen sich beide zu einem ungewöhnlichen Schritt: Sie gehen in die Bundesrepublik Deutschland zurück. Marcel Reich-Ranicki wird der deutsche „Kritiker-Papst“. Die Liebe zur deutschen Sprache und Literatur ist ihm trotz allem geblieben.

So., 20. Mär · 19:30-20:00 · ARD-alpha
RESPEKT – Alltagsrassismus – die unsichtbare Gewalt

Immer wieder berichten Menschen, dass sie regelmäßig rassistische Diskriminierung erfahren – durch Polizei und Justiz, durch Behörden, im Berufsleben, bei der Wohnungssuche. Die RESPEKT-Reportage fragt: Wie verbreitet ist Alltagsrassismus in Deutschland? Für viele Menschen in Deutschland scheint „normaler“ Alltag zu sein: Regelmäßig und anlasslos von der Polizei kontrolliert zu werden. An der Universität oder im Job aufgrund der Hautfarbe oder wegen des Aussehens und des Namens anders behandelt und benachteiligt zu werden. Bei der Wohnungssuche zu wissen, dass wegen des Namens auf die meisten Bewerbungen nicht einmal geantwortet wird. Was für die weiße Mehrheitsgesellschaft unvorstellbar ist, ist für viele Menschen in Deutschland Alltag: Rassismus und Diskriminierung in Form von Benachteiligung und Beleidigungen. Respekt-Moderatorin Christina Wolf trifft Menschen, die jeden Tag spüren müssen, dass sie „anders“ sind: Zum Beispiel eine Lehrerin in München, die immer wieder beim Joggen, auf dem Weg zur Arbeit oder wenn sie mit ihrem Hund spazieren geht, von der Polizei angehalten und kontrolliert wird – wegen ihrer Hautfarbe. Racial Profiling, also Polizeikontrollen ohne konkreten Anlass allein aufgrund des Aussehens der Betroffenen, ist in Deutschland nicht zulässig, aber für viele Menschen trauriger Alltag. Die Lehrerin beschwerte sich immer wieder bei den verantwortlichen Polizeidienststellen. Aber erst als ihr Fall im Bayerischen Landtag diskutiert wurde und es die entsprechende Medienöffentlichkeit gab, wurden die Kontrollen weniger. In Gesprächen mit dem Rechtsanwalt Blaise Francis Ndolumingo und mit Professor Tobias Singelnstein von der Universität Bochum wird deutlich: Rassismus in der Polizei und auch in der Justiz sind Alltag in Deutschland. Ein großes Problem ist das Fehlen von Daten, sagt Singelnstein. Niemand wisse, wie oft und wo Menschen rassistisch beleidigt, aus rassistischen Gründen angegriffen oder eben von der Polizei kontrolliert würden. Weder in den polizeilichen Kriminalstatistiken noch in anderen Statistiken wird Rassismus repräsentativ erhoben. Rassismus werde so „unsichtbar“ gemacht, kritisieren sowohl Rechtsanwalt Ndolumingo als auch Professor Singelnstein. Vielen, erzählen sie im Interview mit Moderatorin Christina Wolf, sei zudem gar nicht bewusst, dass sie rassistisch handeln würden. Denn Alltagsrassismus würden viele Menschen entweder gar nicht sehen und mitbekommen. Der Rassismus sei so „normal“, dass er nicht auffalle, so das Fazit.

So., 20. Mär · 23:00-23:55 · arte
Die Moldau – Smetanas Welterfolg

Kein anderes Werk Bedrich Smetanas ist enger mit seiner Biografie verbunden, keines politisch aufgeladener, keines wird weltweit öfter gespielt als „Die Moldau“. Die bekannteste Tondichtung aus Smetanas Zyklus „Mein Vaterland“ ist für die Tschechen bis heute das Symbol ihrer nationalen Identität. Weltweit gilt sie als Inbegriff tschechischer Kultur. Und mit ihr feiert sich die Nation bis heute. Zur Zeit der Befreiung von der Donaumonarchie im 19. Jahrhundert, während der Nazi-Okkupation, der Sowjetherrschaft und der Samtenen Revolution – „Die Moldau“ gab den Tschechen stets Hoffnung auf Freiheit und Selbstbestimmung. Seit 1946 wird sie jährlich zur Eröffnung des Musikfestivals „Prager Frühling“ gespielt. Doch woher stammt die weltbekannte Melodie? Wie verwandelte Smetana sie in einen Welterfolg? Was bedeutet sie den Tschechen und warum schöpfen sie aus dieser Musik immer wieder Hoffnung und Zuversicht? Eine Orchesterprobe mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung ihres Chefdirigenten Jakub Hrusa bildet den roten Faden des Films, der auf den Spuren des Flusses zu den Ursprüngen der Musik führt und zeigt, wie eng das Werk mit der tragischen Biografie Smetanas und dem Schicksal der tschechischen Nation verbunden ist.

So., 20. Mär · 23:50-00:35 · ARD-alpha
Auf ein Wort … mit Michel Friedman

In der TV-Sendung „Auf ein Wort“ diskutiert Michel Friedman mit renommierten Geisteswissenschaftlern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens über Grundsatzfragen unserer Zeit – eine Gedankenreise zur Erkundung der Dialektik scheinbar eindeutiger Begriffe. Ist der Mensch nur Körper? Wie viel Kultur steckt im Körper? Warum wollen wir immer unseren Körper umgestalten? Michel Friedman und Soziologin Paula-Irene Villa Braslavsky diskutieren über den Begriff „Körper“. Ist der Mensch nur Körper? Braucht der Körper Autonomie? Wie viel Kultur steckt im Körper? Ist der Kapitalismus körperlich spürbar? Warum wollen wir immer unseren Körper umgestalten? Michel Friedman und Soziologin Paula-Irene Villa Braslavsky diskutieren über den Begriff „Körper“. Paula-Irene Villa Braslavsky ist Soziologin. Sie ist Professorin für Soziologie und Gender Studies an der Ludwig Maximilians-Universität München. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Körpersoziologie, Gender Studies, Kultursoziologie und Elternschaft. Sie veröffentlichte u.a. die Bücher „Sexy Bodies. Eine soziologische Reise durch den Geschlechtskörper“ und „Unterscheiden und Herrschen. Ein Essay zu den ambivalenten Verflechtungen von Rassismus, Sexismus und Feminismus in der Gegenwart“ und forscht zum Körper als Statussymbol und Schauplatz kultureller Inszenierungen. Wie kommt das Böse in die Welt? Was ist Wahrheit? Kann der Mensch die Wahrheit erkennen? Ist Gott allmächtig? Fragen, die sich jedermann stellt. In Sendung „Auf ein Wort“ diskutiert Michel Friedman mit renommierten Geisteswissenschaftlern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens über Grundsatzfragen unserer Zeit. Der Moderator und Philosoph begibt sich mit seinen Gästen auf eine Gedankenreise, erkundet die Dialektik scheinbar eindeutiger Begriffe.

Mo., 21. Mär · 16:15-16:45 · ARD-alpha
Fannys Friday DOKU – Wie geht das? Die Große Verschwörung

In Zeiten eines schwer berechenbaren Virus sind immer mehr Menschen verunsichert und suchen Antworten auf ihre Fragen im Internet. Plötzlich haben Rechtextreme, Verschwörungserzähler und sogar Esoteriker etwas gemeinsam: die Skepsis gegenüber Corona. Sie marschieren Hand in Hand gegen die Maßnahmen der Regierung, protestieren gegen die Macht der Pharmakonzerne und zählen sich zu den Impfverweigerern. Sie alle fühlen sich als Opfer einer großen Verschwörung. Wie gefährlich sind Verschwörungsmythen in einer total vernetzen Welt? In dieser neuen Doku-Folge von „Wie geht das?“ erzählt Gerald, ein ehemaliger Verschwörungstheoretiker, „wie er von einem linken Grünwähler zu einem rechtsextremen Antisemiten wurde“, ohne es zu bemerken. Gemeinsam mit David Grimes, einem Spezialisten für Verschwörungstheorien, der Psychologin Ulrike Schiesser und dem Physiker Florian Aigner schaut die Dokumentation von Fred Lindner hinter die Kulissen von Verschwörungstheorien, wie sie entstehen und warum sie sich oft wie ein Lauffeuer verbreiten. Das Wissensmagazin gibt Antworten auf die großen und kleinen Fragen aus allen Bereichen des Lebens mit Reportagen, Selbstversuchen und Porträts. Moderatorin Fanny Stapf geht den Dingen auf den Grund, präsentiert Trends und spürt Phänomene auf.

Mo., 21. Mär · 23:35-00:20 · Das Erste (ARD)
Der lange Weg der Sinti und Roma

Jùlie Halilic ist stolz, wenn sie an ihren Großvater denkt. Wallani Georg erkämpfte gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern, dass der Massenmord an den Sinti und Roma 1982 als Völkermord anerkannt wurde. Begonnen hatte es mit einer Besetzung der KZ-Gedenkstätte Dachau. Elf Sinti traten dort 1980 in den Hungerstreik, weil die Verfolgung für Angehörige ihrer Minderheit mit der Befreiung nicht endete, weil der Rassismus gegen Sinti und Roma ungebrochen fortbestand. Sie texteten ein beliebtes Wanderlied um, um darauf aufmerksam zu machen: „Lustig ist das Zigeunerleben, Faria, Faria ho – Staat braucht uns keine Rechte (zu) geben, Faria, Faria ho“. Die Aktion in Dachau markierte den Beginn der Bürgerrechtsbewegung, eines langen Weges der Emanzipation. Die Auschwitz-Überlebende Zilli Schmidt kämpfte viele Jahre um Anerkennung ihrer Verfolgung aus rassischen Gründen. Die Musiker Manolito Steinbach und Romani Weiß wuchsen in den 1970er Jahren in West-Berlin auf. Sie erzählen davon, wie sie lange Zeit lieber unsichtbar bleiben wollten, wie diese Vorsicht erst nach und nach einem neuen Selbstbewusstsein wich. Gianni Jovanovic erlebte, dass die Verfolgung auch mit der Anerkennung des Völkermords nicht endete. Nachdem er 1982 einen Bombenanschlag in Darmstadt überlebt hatte, wurde wenig später das Haus seiner Verwandten in einer Nacht- und Nebelaktion von der Stadt abgerissen. Mit diesen persönlichen Lebenswegen zeichnet der Film emotional und eindrucksvoll die Geschichte von Deutschlands größter nationaler Minderheit nach und macht bisher unerzählte Perspektiven sichtbar. Individuelle Geschichten und bisher kaum gezeigtes Archivmaterial nehmen mit in eine Zeit, in der Sinti und Roma weiter diskriminiert wurden und in der sie sich schließlich zur Wehr setzten. Unter den historischen Aufnahmen aus den ARD-Archiven fand Filmautor Adrian Oeser viele Szenen, die deutlich machen, wie stark der Rassismus gegen Sinti und Roma nach 1945 fortdauerte – und auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer wieder befeuert wurde. Die Dokumentation „Der lange Weg der Sinti und Roma“ ist damit auch eine kritische Auseinandersetzung der ARD mit ihrer eigenen Geschichte. Der Film zeigt darüber hinaus, dass eine Aufarbeitung in vielen gesellschaftlichen Bereichen bis heute notwendig ist. Bis in die 1980er Jahre arbeiteten Landeskriminalämter und Forscher in ganz Deutschland mit den Akten der Rassenhygieniker aus der Nazizeit weiter, um Sinti und Roma systematisch zu erfassen. Erst die Bürgerrechtler konnten diese Aktenbestände in den 1980er Jahren freipressen. Beeindruckendes Archivmaterial zeigt, wie sie die Dokumente ihrer Verfolgung fast vierzig Jahre nach der Befreiung erstmals in den Händen halten. Zu realisieren, dass die systematische Stigmatisierung so lange andauerte, belastet den Bürgerrechtler Rudko Kawczynski bis heute. „Der lange Weg der Sinti und Roma“ ist ein Film über Geschichte, die nicht abgeschlossen ist, über eine Zeit, die bis heute fortwirkt. Ein Film übers Gestern fürs Heute.

Di., 22. Mär · 23:30-00:15 · SWR
Unsere Geschichte: Der Südwesten in Farbe -Amateurfilme von 1936 – 1944 (1/2)

SWR Autor Jan N. Lorenzen hat die Archive nach seltenen Filmaufnahmen durchsucht. Die Amateurfilme zeigen den Alltag der Menschen im Nationalsozialismus, was sie bewegte und was ihnen so wichtig war, dass sie es filmisch festhalten wollten – in Farbe. Das NS-Regime ist allgegenwärtig in den Aufnahmen der Amateurfilmer: mit NSDAP-Parteiabzeichen am Revers und Hakenkreuz-Fahnen. Der erste Teil der SWR Dokumentation fokussiert auf die Jahre ab 1936, als die ersten Farbfilme auf den Markt kamen, bis zum Kriegsbeginn 1939. Es sind Bilder von einem Land, das glaubt, glücklich zu sein – von Familien, die Ausflüge machen und Feste feiern. Doch der Nationalsozialismus ist immer präsent – ob am 1. Mai 1937 in Heidenheim, wo die Voith GmbH sich stolz mit einem Wagen und der Aufschrift „Unsere Arbeit dem Führer“ präsentiert, oder beim Fasching in Aalen, wo der US-Präsident lächerlich gemacht und die Juden „nach Palästina“ gewünscht werden. Es entsteht das bedrückende Bild einer Gesellschaft durchdrungen vom Nationalsozialismus. Im Juni 1939 wird im Schlosspark von Schwetzingen das Sommernachtsfest gefeiert. Nur wenige Wochen später herrscht ein vollkommen anderes Bild, diesmal festgehalten von Paul Stober, einem in Offenburg ansässigen Fotografen: Mobile Lautsprecherwagen verkünden den Kriegsbeginn. Auf der Straße verfolgen die Offenburger:innen die ersten Meldungen vom Frontverlauf. In ihren Augen glaubt man Unsicherheit und Ängstlichkeit zu erkennen. Was wird die Zukunft bringen?

Di., 22. Mär · 23:40-00:10 · NDR
Weltbilder: Vision Wüste – Wie Israel die Zukunft baut

Die moderne Metropole Tel Aviv mit ihren glitzernden Wolkenkratzern, Start-ups, ihrem Lifestyle stand eigentlich immer für die Zukunft Israels. Hunderttausende Pendler*innen drängen täglich in die Stadt, die aus allen Nähten platzt. Immobilienpreise explodieren, ganz ähnlich wie in deutschen Metropolregionen, nur noch schneller. An seiner Attraktivität droht Tel Aviv zu ersticken. Mehr Luft zum Atmen gibt es dagegen in der Wüste. „Schon Israels Staatsgründer David Ben-Gurion wusste: Die Zukunft Israels liegt im Süden, in der Negev- und der Arava-Wüste. Denn es war brachliegendes Land. Aber damit die Menschen die überfüllten Metropolen verlassen und hier Wurzeln schlagen, muss man ihnen echte Lebensqualität bieten, Arbeitsplätze, soziale Einrichtungen, alles was man für einen funktionierenden Wirtschaftskreislauf braucht“, sagt Eric Narrow vom Jewish National Fund. Die neuen Pioniere wollen die Vision der Staatsgründer wiederbeleben: Die entlegenen Regionen im Süden und Norden Israels so attraktiv machen, dass sich mindestens eine halbe Million Menschen binnen der nächsten 25 Jahre dort ansiedeln und so die Metropolregionen um Tel Aviv und Jerusalem entzerren. Die Reise in die Zukunft beginnt in der Arava-Wüste. Dort im Nirgendwo wandeln sich Landwirte zu Biotechnologie-Unternehmern. Yossi Ben etwa hat im Umfeld seiner malerischen Antilope-Range zusammen mit einem internationalen Forscherteam ein spezielles Kalziumcarbonat entwickelt, das Hoffnung auf Heilung für schwere Krankheiten weckt. Investoren haben bereits 25 Millionen Euro zu seiner Geschäftsidee beigesteuert. Im nahe gelegenen Tsukim hat Udi Segev seinen Lebenstraum verwirklicht. Der Anwalt hat mit seiner Familie das teure und laute Tel Aviv verlassen und sich am atemberaubenden Abhang eines Wüstenkraters eine Villa gekauft: „Dieser Ort ist heiß wie in der Hölle, aber schön wie das Paradies. Wenn ich auf der ganzen Welt einen Platz zum Leben wählen müsste, dann ist es dieser.“ Dank Internet kann er von hier aus arbeiten. Die 30-jährige Polly Gupailo nimmt das Filmteam mit ins Nachtleben der Wüstenstadt Beer Sheva. Mit ihren pink gefärbten Haaren steht die Webdesignerin für das neue Gesicht der einstigen ärmlichen Arbeiterstadt. Denn sie hat nach ihrer Ausbildung nicht die Koffer gepackt wie so viele andere junge qualifizierte Menschen. Polly ist fest entschlossen, hierzubleiben und den Aufbruch in Israels Zukunft in der Negev-Wüste mitzugestalten. Nicht weit von Pollys Büro steht ein Symbol für den Wandel. Die Brücke, die scheinbar alles miteinander verbindet. Auf der einen Seite die Ben-Gurion Universität, auf der anderen Seite der neue Hochtechnologiepark mit einer beachtlichen internationalen Cybertechszene, in der Nachbarschaft Wohngebiete und alles erreichbar mit der Bahn. Doch die Städteplaner wissen, dass sie alle Teile der Gesellschaft auf dem Weg in die Zukunft mitnehmen müssen. Dazu gehören auch die Beduinen in der Negev-Wüste. Viele leben in Armut, in traditionellen Clanstrukturen, einer Parallelgesellschaft. In der Beduinenstadt Rahat wurde deshalb ein Gründerzentrum errichtet. Dort bricht die 19-jährige Aisha Abu Jaber mit den Stereotypen einer traditionellen Stammesgesellschaft. Die Elektrotechnik Studierende hat eine App entwickelt, mit der man an allen Tankstellen im Land bezahlen kann: „Anfangs gab es Widerstand. Die Leute fanden es merkwürdig, dass eine Beduinenfrau in die Welt der Unternehmer wollte. Heute akzeptieren sie es schon mehr“, sagt Aisha Abu Jaber. Die Initiativen in der Region fruchten bereits. Beer Scheva wächst wieder. Aber die Gehälter sind noch deutlich niedriger als in Tel Aviv oder Jerusalem. Der Mangel an Fachkräften in den entlegenen Regionen ist nach wie vor groß. Die neuen Pioniere nehmen die Herausforderungen an und nehmen die Zuschauer*innen mit auf ihre Reise in Israels Zukunft.

Do., 24. Mär · 18:15-19:15 · ARD-alpha
Planet Wissen: Massenmord in Kliniken – Euthanasie im Dritten Reich

An dem Tag, an dem der Zweite Weltkrieg begann, ordnete Adolf Hitler auch die Ermordung von Kranken und Menschen mit Behinderung an. Mehr als 70.000 Patientinnen und Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten fielen der Euthanasie-Aktion T4 zum Opfer. Dazu kamen viele weitere tausend Menschen außerhalb von Einrichtungen. Die Opfer der Euthanasie-Verbrechen wurden lange Zeit totgeschwiegen. Inzwischen sind viele Namen und Schicksale bekannt – auch, weil sich Angehörige auf die Suche nach ihren ermordeten Vätern, Müttern, Onkel, Tanten und Großeltern gemacht haben. Der Historiker und Politologe Thomas Stöckle hat sich schon als Student mit den Euthanasie-Verbrechen befasst. Inzwischen hat er mehrere Bücher zum Thema geschrieben. Seit 2000 leitet er außerdem die Gedenkstätte Grafeneck auf der Schwäbischen Alb. Die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt war die größte Tötungsfabrik im T4-Programm der Nationalsozialisten. Sigrid Falkenstein hat großen Anteil daran, dass nach Jahrzehnten des Vergessens und Verschweigens ein zentraler Gedenk- und Informationsort in Berlin an die Opfer der Euthanasie-Verbrechen erinnert. Auslöser für ihr Engagement ist das Schicksal ihrer Tante Anna, deren Name sie 2003 per Zufall auf einer Liste von Euthanasie-Opfern entdeckte. Die 24-jährige Anna wurde in der Gaskammer in Grafeneck ermordet.

Do., 24. Mär · 21:45-22:15 · HR
Stark am Ball – Im Verein gegen Judenhass

Lian ist 13 und Torhüterin beim jüdischen Sportverein Makkabi und will mal Torhüterin der deutschen Nationalmannschaft werden. Sie haben zwar ihr Spiel gewonnen, aber freuen können sie sich nicht. Es gab wieder antisemitische Anfeindungen. Hassparolen und körperliche Gewalt erfahren die Sportlerinnen und Sportler von Makkabi immer wieder. Doch sie lassen sich nicht unterkriegen. Der Verein versteht sich als Brückenbauer zwischen den Religionen, ist bunt gemischt. Menschen unterschiedlicher Religionen, Nationalitäten und Hautfarbe trainieren gemeinsam – und freunden sich an, so wie Lian und Cem. Gegen Diskriminierung und Hetze setzt sich Luis Engelhardt ein. Der Projektleiter von „Zusammen1“ arbeitet mit Vereinen und Jugendgruppen zusammen. Sein Ziel, sie zu ermuntern, den Mund aufzumachen, wenn antisemitische Sprüche fallen, gemobbt oder beleidigt wird. Zivilcourage und klare Haltung – das ist nötiger denn je. Das merken nicht nur die Fußballer, sondern auch die Tennisspieler von Makkabi. Auch Hakan Tekin, der die jüdische Nationalmannschaft trainiert. Er ist Moslem und seit 20 Jahren bei Makkabi – das hat seinen Blick auf das Judentum verändert.

Fr., 25. Mär · 00:05-01:45 · arte
#Female Pleasure – Fünf Frauen, fünf Kulturen, eine Geschichte

Fünf mutige, kluge und selbstbestimmte Frauen stehen im Zentrum von Barbara Millers Dokumentarfilm „#Female Pleasure“. Sie brechen das Tabu des Schweigens und der Scham, das ihnen die Gesellschaft oder ihre religiösen Gemeinschaften mit ihren archaisch-patriarchalen Strukturen auferlegen. Mit einer unfassbaren positiven Energie und aller Kraft setzen sie sich für sexuelle Aufklärung und Selbstbestimmung aller Frauen ein, hinweg über jedwede gesellschaftliche sowie religiöse Normen und Schranken. Dafür zahlen sie einen hohen Preis – sie werden öffentlich diffamiert, verfolgt und bedroht, von ihrem ehemaligen Umfeld werden sie verstoßen und von Religionsführern und fanatischen Gläubigen sogar mit dem Tod bedroht. Barbara Miller („Forbidden Voices“) zeigt in ihrem Dokumentarfilm, wie universell die Mechanismen sind, die die Situation der Frau – egal in welcher Gesellschaftsform – bis heute bestimmen. Gleichzeitig demonstrieren die fünf Protagonistinnen, wie man mit Mut, Kraft und Lebensfreude jede Struktur verändern kann. Ein eindrucksvolles Plädoyer für das Recht auf Selbstbestimmung und gegen die Dämonisierung der weiblichen Lust durch Religion und gesellschaftliche Restriktionen. Deborah Feldman wuchs in einer ultraorthodoxen jüdischen Familie im New Yorker Viertel Williamsburg auf. Die erfolgreiche Miniserie „Unorthodox“ basiert auf ihrer Lebensgeschichte. Leyla Hussein wurde als Tochter einer strenggläubigen muslimischen Familie genital verstümmelt. Als Psychotherapeutin und Aktivistin setzt sie sich heute weltweit für eine lustvolle Sexualität und gegen Genitalverstümmelung ein. Die Japanerin Rokudenashiko ist Manga- und Aktionskünstlerin mit Vagina-Performences. Trotz Verhaftung und Anklage kämpft sie unermüdlich gegen die Verteufelung der weiblichen Lust und Sexualität in Japan. Eine ehemalige katholische Ordensschwester – studierte Theologin und Philosophin – engagiert sich für Reformen der katholischen Kirche. Vithika Yadav wuchs in einer traditionellen hinduistischen Familie im nordindischen Rajasthan auf. Die von ihr mitbegründete indische Sexualaufklärungsplattform „Love Matters“ hat Millionen von Nutzer und Follower.

Sa., 26. Mär · 01:25-02:15 · arte
Wir, Geiseln der SS (1/2) Fahrt ins Ungewisse

Am 26. April 1945 verlässt ein schicksalhafter Konvoi mit Gefangenen das KZ Dachau. Er transportiert die Sonder- und Sippen-Häftlinge der SS: 139 Menschen aus 17 Ländern Europas, von denen die Nazis glauben, sie seien „mehr wert als eine ganze Division“. Adelige, Kleriker, hohe Kader aus Militär und Politik – darunter auch die Familien der Hitler-Attentäter. Sie alle sind Faustpfand in einem Plan, der wie Wahnsinn klingt, doch Methode hat: In den Alpen will sich die SS im Angesicht der drohenden Niederlage mit ihrem vermeintlich besten Druckmittel verschanzen. Das Kalkül ist schlichte Erpressung: Entweder Immunität und günstige Friedensbedingungen, oder Widerstand bis zum Letzten in der sogenannten Alpenfestung – das wäre der „worst case“ für die Alliierten. Die elitäre Schicksalsgemeinschaft erlebt auf der Fahrt sechs Tage zwischen Tod und Freiheit, ständig die Gefahr eines grausamen Massakers vor Augen. Ohne Kontakt zum Hauptquartier hadern die leitenden SS-Offiziere mit ihren Plänen: Alle sofort erschießen oder doch Kontakt mit den Amerikanern aufnehmen und die Geiseln austauschen? Unsicherheit und Nervosität als idealer Nährboden für irrationale Entscheidungen – auf beiden Seiten. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, doch die Geiseln begreifen: Um zu überleben, müssen sie zusammenhalten. Fluchtversuche Einzelner werden verhindert, politische Gesinnungen oder gesellschaftliche Stände treten in den Hintergrund. Ein kühner Streich wendet das Blatt: Die Gefangenen senden einen Hilferuf – plötzlich stehen sich Soldaten der SS und der Wehrmacht waffenstarrend gegenüber.

Sa., 26. Mär · 02:15-03:10 · arte
Wir, Geiseln der SS (2/2) Auf Messers Schneide

Die Fahrt über den Brenner überstehen Geiseln und SS-Schergen unbeschadet. Am 28. April 1945 hält der Konvoi kurz vor dem kleinen Ort Niederdorf. Die SS-Sturmführer Stiller und Bader versuchen, Kontakt zu ihren Vorgesetzten aufzunehmen. Schließlich erzwingen die Häftlinge einen Aufenthalt in Niederdorf, indem sie eigenmächtig die Busse verlassen und sich unter das Volk mischen. Dadurch ist es für die SS unmöglich geworden, die Gefangenen gegebenenfalls unauffällig zu liquidieren. Der Transport macht vorerst in Niederdorf halt. Aber die SS- Bewacher sind nun ohne Kontakt zu ihrem Oberkommando – die Kommunikation mit Berlin oder anderen Dienststellen der SS ist zusammengebrochen. Das macht die SS-Bewacher unkalkulierbar und versetzt die Häftlinge in Angst und Schrecken. Die Initiative des Obersten Bogislaw von Bonin bringt die ersehnte Wende. Dem deutschen Wehrmachtsoffizier, der wegen Befehlsverweigerung inhaftiert wurde, gelingt es, einen Hilferuf an das Oberkommando der Heeresgruppe Italien in Bozen abzusetzen. Die Wehrmacht ist nun über die Situation der Häftlinge informiert und bereit einzuschreiten. So kommt es, dass sich eine herbeigeeilte Wehrmachtskompanie und die SS-Einheit mit gezückten Waffen gegenüberstehen. Unter dem Druck der Umstände ist Obersturmführer Stiller bereit, die Verantwortung über die Sonder- und Sippenhäftlinge an die Wehrmacht abzugeben. Die Gefangenen werden unter der Obhut der Wehrmacht ins nahe gelegene Hotel Pragser Wildsee gebracht. Am 4. Mai 1945 erreichen die Amerikaner das Hotel, doch das Schicksal der Angehörigen ist weiter ungewiss.

So., 27. Mär · 09:03-09:30 · ZDF
37°Leben – Ultraorthodox? Nein danke! – Jüdische Aussteiger*innen in Dresden

Das Leben in ultraorthodoxen Gemeinden ist hermetisch und streng geregelt. Viele junge Jüdinnen und Juden wollen aussteigen. Wie schaffen sie den Weg in die Freiheit? Als er sich die Haare rasiert, weil er anders aussehen möchte, wird David (33) aus seiner Gemeinde verbannt. Oriya (23) soll einen Mann heiraten, den sie nicht kennt. Das will sie nicht. Beide verlassen Israel und finden Zuflucht in Dresden bei Rabbi Akiva Weingarten. Zwei Millionen Jüdinnen und Juden leben in sogenannten ultraorthodoxen Gemeinden in Israel, Kalifornien oder auch New York. In ihrem Alltag müssen sie sich an zahlreiche Regeln halten. Handys sind verboten, Computer und Internet sowieso. Die Moderne ist nicht willkommen. Eine besondere Tradition gilt: Die jungen Gemeindemitglieder sollen Familien gründen und viele Kinder bekommen. Ehen werden deshalb früh arrangiert – ein Mann oder eine Frau haben kaum Einfluss auf die Wahl des Partners. Doch wie ergeht es den Menschen, die diese ultraorthodoxen Gemeinschaften verlassen? Wo und wie finden sie ein neues Leben? „37°Leben“ begleitet jüdische Aussteigerinnen und Aussteiger, die einen neuen Lebensweg in Dresden einschlagen. David ist in Me’a Sche’arim aufgewachsen, einem jüdischen Stadtviertel in Jerusalem, in dem fast ausschließlich Ultraorthodoxe leben. Immer stärker wächst in ihm der Drang, aus dem reglementierten Leben auszuscheren. Als er sein Äußeres verändert, wird er daraufhin aus der Gemeinde verbannt. Plötzlich steht er allein da und ist völlig verloren, in einer für ihn fremden Welt. Auch Oriya befolgt jahrelang die Regeln. Schon als junges Mädchen muss sie sich um ihre acht Geschwister kümmern. Das ist ihre Aufgabe als Frau. Aber jemanden zu heiraten, den sie nicht kennt? Das kann sie sich nicht vorstellen und steigt aus. Für Menschen wie David und Oriya hat Rabbi Akiva Weingarten (37) in Dresden die Besht Yeshiva gegründet, eine Art Schule und zugleich auch Wohngemeinschaft – ein Zufluchtsort für Aussteigerinnen und Aussteiger. Dort hilft er ihnen und unterstützt sie auf der Suche nach einer neuen jüdischen Identität – eine Hilfe, die er selbst vor einigen Jahren gut hätte gebrauchen können: Er selbst ist auch aus einer streng orthodoxen Community geflohen und musste seine Ehefrau und Kinder zurücklassen. In seiner Besht können die Aussteiger Deutsch lernen, sich austauschen und herausfinden, was jüdisches Leben überhaupt noch für sie bedeutet. Wie lässt sich ihr neues Leben mit dem jüdischen Glauben vereinbaren? Und – kann Dresden ihr neues Zuhause werden?
Foto oben: © ZDF und Labo M – Die ultraorthodoxe Aussteigerin Oriya (23) feiert in ihrer neuen Heimat Dresden den jüdischen Feiertag Schabbat und genießt ihre neuen Freiheiten.

So., 27. Mär · 16:15-17:05 · arte
Toyen: Die Malerin des Surrealismus

Toyen, eigentlich Marie Cerminova, wurde 1902 in Prag geboren. Mit 16 Jahren verließ sie das Elternhaus und schloss sich einer anarcho-kommunistischen Zelle an. Kurzzeitig studierte sie Malerei, fand den akademischen Unterricht jedoch öde und erlernte die Malkunst lieber autodidaktisch. In den 20er Jahren beteiligte sie sich zusammen mit ihrem Freund, dem Maler Jindrich Styrsky, an der linken Gruppierung tschechischer Avantgardekünstler Devetsil. 1925 ging sie mit Styrsky für vier Jahre nach Paris, wo beide ihren eigenen Stil schufen und ihn „Artifizialismus“ nannten. Als emanzipierte Frau identifizierte sich Toyen vollkommen mit dem Surrealismus der 30er Jahre. Während des Zweiten Weltkriegs versteckte sie in ihrer Prager Wohnung den jüdischen Dichter Jindrich Heisler. Mit ihm zusammen ließ sie sich 1947, kurz vor der Machtübernahme der Kommunisten in der Tschechoslowakei, endgültig in Paris nieder, da sie die Beschneidung ihrer persönlichen und künstlerischen Freiheit fürchtete. Obwohl sich Toyen in die Surrealistengruppe um André Breton einbrachte, wurden ihre Werke lange als marginal betrachtet und erst nach ihrem Tod im Jahr 1980 bei der Versteigerung ihres Nachlasses einem breiteren Publikum bekannt. Seitdem erzielen sie enorme Preise auf dem Kunstmarkt und werden international ausgestellt. Andrea Sedlackova geht in ihrem Dokumentarfilm den Geschichten nach, die sich hinter Toyens Gemälden verstecken. Wie nehmen Sammler heute diese fantasievollen Werke wahr? Was entdecken Galeristen und Kunsthistoriker darin? In den Interviews der Filmemacherin mit Zeitgenossen der Künstlerin erscheint Toyen als unkonventioneller Mensch, als kompromisslose und unter allen Umständen freie Künstlerin, als geheimnisvolle Rebellin mit grenzenloser Vorstellungskraft.

Mo., 28. Mär · 00:40-01:25 · ZDF
Kinder im Krieg – Was unsere Eltern erlebten

Sie haben niemals Schuld und leiden oft am meisten: Kinder im Krieg. 75 Jahre nach Kriegsende ist für viele Kinder von damals die Vergangenheit noch immer lebendig. Hunderttausende wurden ausgebombt, verloren ihr Zuhause, ihre Eltern. Andere, die vom NS-Regime verfolgt wurden, bangten täglich um ihr Leben. Die Dokumentation gibt mittels privatem und unbekanntem Filmmaterial Einblicke in die Welt der Kinder im Zweiten Weltkrieg. Zweieinhalb Millionen Kinder wurden in ländliche Gebiete verschickt, um sie aus den bombardierten Städten in Sicherheit zu bringen. Von ihren Familien getrennt, litten viele Kinder unter der sogenannten Kinderlandverschickung und wurden in Schullandheimen – weit weg vom Einfluss des Elternhauses – auf „Linie getrimmt“. Auch Ottheinrich Schertel verbrachte als Kind drei Jahre in einem solchen Heim – 500 Kilometer von seiner Heimat Hamburg. Sein Vater filmte die seltenen Besuche und vergrub die Filmrollen bei Kriegsende. Für „ZDF-History“ wird der einmalige Filmfund restauriert und neu digitalisiert. Andere hingegen, die das NS-Regime für „lebensunwert“ hielt, wurden in sogenannten Heilstätten grausam ermordet – auf Befehl Hitlers. Der Film erzählt die Geschichte von Adolf Jakob und Emma aus Laurenziberg bei Gau-Algesheim, die in der Heil- und Pflegeanstalt Eichberg im Rheingau ermordet wurden. Ihre Schwester Erika berichtet von dem Tag, den sie nie vergessen wird: als ein grauer Lkw vor ihrem Haus hielt und die behinderten Geschwister mitnahm. Der 16-jährige Heinz Petry aus Euskirchen gehörte bei Kriegsende zum „letzten Aufgebot“ des Naziregimes und wurde als „Spion“ hinter die Linie der Westfront geschleust. Bereits nach einem Tag griffen amerikanische Soldaten ihn auf. Das Urteil des Militärgerichts lautete: Tod durch Erschießen. Es sind die Geschichten unserer Eltern: was sie damals als Kinder im Krieg erlebten.

Di., 29. Mär · 23:30-00:15 · SWR
Unsere Geschichte: Forschung und Verbrechen – Die Reichsuniversität Straßburg

Straßburg gilt als eine von drei Reichsuniversitäten als Herzensprojekt von Hitler. Mitten im Krieg soll sie als geistiges Bollwerk die NS-Ideologie verbreiten. Berüchtigt wird die Universität vor allem wegen der Menschenexperimente, die Professoren der medizinischen Fakultät an KZ-Häftlingen durchführen. Der Dekan dieser Fakultät war Johannes Stein, der Großvater der Autorin Kirsten Esch. Als die Alliierten am 23. November 1944 Straßburg besetzen, kommt für die Reichsuniversität in Straßburg das Aus. Nur einige Professor:innen waren geblieben wie Johannes Stein, Dekan der Medizinischen Fakultät und Großvater von Autorin Kirsten Esch. Die Reichsuniversität war drei Jahre zuvor als nationalsozialistisches Prestigeprojekt eröffnet worden. Sie sollte die Pariser Sorbonne in den Schatten stellen. Die Fakultäten werden geleitet vom „Kronjuristen“ des Dritten Reichs Ernst Rudolf Huber oder dem Physiker und späteren Friedensforscher Carl Friedrich von Weizsäcker. Zeitzeuginnen sind Karin Esch, die Mutter der Autorin, und Elisabeth Raiser, Tochter von Carl Friedrich von Weizsäcker. Welche Rolle spielte der Großvater der Autorin als Dekan? War er im Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, wo Anatom August Hirt grausame Menschenversuche durchführte? Kirsten Esch setzt sich mit ihrer Familiengeschichte auseinander. Sie schildert auch die Beteiligung einer geistigen Elite des Dritten Reichs an grausamen Menschenverbrechen.

Mi., 30. Mär · 00:15-01:00 · Das Erste (ARD)
Ringen um Erinnerung – Der Wiederaufbau der Hamburger Synagoge

Was ist wichtiger: ein Mahnmal zur Erinnerung an den Holocaust oder ein Ort aktiven jüdischen Lebens? Das ist, überspitzt, die Frage, vor der die Jüdische Gemeinde in Hamburg und die Stadt Hamburg derzeit stehen. Denn die Gemeinde hat Großes vor: Sie will die Bornplatzsynagoge wieder aufbauen, jene riesige Synagoge aus dem Kaiserreich, die die Nationalsozialisten 1938 in der Reichspogromnacht zerstörten. Das Ziel: einen sichtbaren Ort schaffen, mitten in Hamburg, dort, wo vor der Auslöschung jüdischen Lebens ein ganzes Viertel von der Gemeinde und eben jener 40 Meter hohen Synagogenkuppel geprägt war. Hier war das Zentrum jüdischen Lebens in der Stadt, und hierhin will die Jüdische Gemeinde wieder zurückkehren. Vor anderthalb Jahren sammelte die Initiative „Wiederaufbau Bornplatzsynagoge“ mehr als 100.000 Unterschriften für dieses Projekt von Menschen in ganz Deutschland. Unterstützung kommt auch aus der Politik. Die Hamburgische Bürgerschaft stimmte den Plänen einstimmig zu und der Deutsche Bundestag bewilligte bereits 65 Millionen Euro für den Wiederaufbau. Doch es gibt auch scharfe Kritik, denn der Platz, auf dem die alte Synagoge stand, ist seit fast 40 Jahren auch ein Mahnmal. Im Boden liegt ein großes Mosaik, das das Deckengewölbe der zerstörten Synagoge nachzeichnet. Die Pläne sehen vor, dass dieses Mahnmal weichen muss oder zumindest zum Teil überbaut wird. Kritikerinnen und Kritiker sowie Historikerinnen und Historiker, oft selbst jüdisch, werfen deshalb der Jüdischen Gemeinde und der Hamburger Politik Geschichtsvergessenheit vor. Der Historiker Moshe Zimmermann, dessen Eltern aus Hamburg fliehen mussten, spricht gar von einer „Ohrfeige für die früheren jüdischen Mitbürger“. Eine Wunde müsse schmerzen, der leere Platz an die Gräuel der Nationalsozialisten erinnern. Die Jüdische Gemeinde ihrerseits sieht in dem Mahnmal eher einen Platzhalter – eben für die neue alte Synagoge. Ihr Gemeindevorstand, Philipp Stricharz, meint: „Wer aber jetzt sagt, das Bodenmosaik ist praktisch ein Heiligtum, das unantastbar ist, hat es völlig missverstanden.“ Natürlich wolle man an den Holocaust, an die Shoah, erinnern, doch dafür benötige man keinen leeren Platz, sondern Leben und Austausch. Und das soll im Neubau der Synagoge stattfinden. Ein Treffpunkt für die Hamburgerinnen und Hamburger, Juden und Nichtjuden, ein Platz des Kennenlernens und des Austauschs. Und auch Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin der Stadt, ist sich sicher: „Das heißt ja nicht, dass damit Geschichte oder die Schreckenstaten der Nazizeit in irgendeiner Weise relativiert oder verharmlost werden, sondern es entsteht dort wieder etwas, was schon mal dort war und zerstört wurde von den Nazis. Und das ist für mich von der Symbolik, aber auch dann vom faktischen Tun, der konsequente Schritt, um auch zu zeigen, wir sind hier und ihr kriegt uns nicht klein!“ Wie also Umgehen mit den großen Plänen? Was soll mit dem Mahnmal passieren? Kann, darf, muss es weichen, um jüdische Zukunft zu sichern? Und – wer ist zuständig für Mahnung und Erinnerung?

Mi., 30. Mär · 00:15-01:35 · SWR
Diplomatie

Im August 1944 lässt der gerade als Stadtkommandant eingesetzte General Dietrich von Choltitz gemäß dem Befehl Hitlers alles vorbereiten, um Paris zu zerstören, bevor die Allierten die Hauptstadt Frankreich zurückerobern. In der Nacht, bevor die Sprengungen beginnen, sucht der schwedische Generalkonsul Raoul Nordling den deutschen General in seiner Suite im Hotel Meurice auf und verstrickt ihn in ein Gespräch über Verantwortung und Gehorsam, über Ruhm oder Schande, die Choltitz erwarten – je nachdem, wie er handeln wird. Als Nordling verspricht, für die Sicherheit von Choltitz‘ von Sippenhaft bedrohter Familie zu sorgen, verweigert Choltitz den Befehl und rettet Paris. Vorlage für „Diplomatie“ ist ein gleichnamiges Theaterstück, das seit 2010 in Paris mit großem Erfolg gezeigt wird. Die Theaterschauspieler André Dussolier und Niels Arestrup spielen auch in Volker Schloendorffs kammerspielartiger Filmadaption von Cyril Gélys Drama die Antipoden Nordling und von Choltitz.

Mi., 30. Mär · 22:40-23:35 · arte
Mein Körper, mein Kunstwerk

Die Dokumentation „Mein Körper, mein Kunstwerk“ von Evelyn Schels begegnet vier Künstlerinnen, die auf radikale Weise mit ihrem Körper arbeiten und ihn zum Werkzeug ihrer Kunst machen. Marina Abramovic, in Serbien geboren, ist eine der bedeutendsten Performance-Künstlerinnen unserer Zeit. Die Tochter jugoslawischer Partisanen erlebte durch ihre Eltern und den Jugoslawienkrieg Gewalt, Schmerz und Trauer – Gefühle, die sie in ihrer Körperkunst eindringlich verarbeitet. Heute lebt Abramovic in New York, ebenso wie die Foto- und Videokünstlerin Shirin Neshat. Die gebürtige Iranerin verließ ihre Heimat als junges Mädchen nach der Machtübernahme Khomeinis. In ihrer Kunst befasst sie sich mit den Widersprüchen der islamischen Gesellschaft im Iran. Während die deutsche Fotokünstlerin Katharina Sieverding die faschistischen Strukturen in Deutschland von der Nazizeit bis hin zu Pegida aufspürt, versucht die israelische Videokünstlerin und Bildhauerin Sigalit Landau die Wunden des Kriegsalltags im Nahost-Konflikt zu heilen. Sie alle verarbeiten ihre biografischen Verletzungen und reflektieren dabei Revolution, Krieg, Flucht, Vertreibung sowie politische Ohnmacht. Die Dokumentation „Mein Körper, mein Kunstwerk“ von Evelyn Schels zeigt vier unterschiedliche politische Biografien, die eines verbindet: universelle Themen, die mittels weiblicher Körperkunst ausgedrückt werden. Verletzlich, radikal, provokativ.

Mi., 30. Mär · 23:00-23:45 · RBB
Stalin und die Deutschen

Kaum ein anderer Politiker des 20. Jahrhunderts hat so nachhaltigen Einfluss auf Deutschland ausgeübt wie Stalin. Heute ist weitgehend in Vergessenheit geraten, wie sehr er die Nachkriegsentwicklung im geteilten Deutschland geprägt hat und wie kultisch ihn viele verehrten. Der Film fragt nach der Bedeutung Stalins für die deutsche Nachkriegsgeschichte und den Mechanismen seiner Diktatur. Als Josef Stalin am 5. März 1953 stirbt, ist es für viele, als ob die Zeit stehen bleibt. Die kommunistische Welt trauert. „Das Herz des größten Menschen unserer Epoche, des Genossen J. W. Stalin, hat aufgehört zu schlagen“, titelt das Neue Deutschland. Die Schulen in der DDR bleiben tagelang geschlossen. Am Tag der Beisetzung Stalins findet in Ost-Berlin ein Staatsakt in der Staatsoper Unter den Linden statt, ab Mittag ziehen Zehntausende vor das Denkmal des Diktators in der nach ihm benannten Magistrale. Es herrscht Schmerz und Verzweiflung – nicht nur offiziell. Heute ist kaum mehr vorstellbar, wie sehr Stalin verehrt wurde. Aber auch, welche Machtfülle er hatte und in welchem Ausmaß er persönlich auf die Nachkriegsentwicklung Deutschlands einwirkte. Im Westen des geteilten Landes ist er, der „Dämon aus Moskau“, nach seinem Tod schnell Vergangenheit. Im Osten wird er weiter besungen – und beschwiegen: Seine Verbrechen in ihrem Ausmaß bleiben offiziell ein Tabuthema. Er hat die DDR ermöglicht, die dort Herrschenden waren ein Produkt des Stalinismus und Überlebende der Stalinschen Säuberungen. Ihr Repressionsapparat war „stalinistisch“. Der Stalin-Kult gründete in der DDR auf dem Sieg über Hitler. Stalin wurde verehrt und verklärt als größter Antifaschist aller Zeiten. Als seine Verbrechen in Moskau gegeißelt wurden, als sein Stern sank im ganzen Ostblock, da hielt die Nomenklatura in Ost-Berlin ihm die Treue. Ganz zaghaft wirkten die Distanzierungen, sie bezogen sich auf den Personenkult, die abgöttische Verehrung. Bis in die späten 80er Jahre war Stalin für die Herrschenden in Ost-Berlin eine prägende Gestalt, lag sein langer Schatten auf dem Land. Erst in der „friedlichen Revolution“ von 1989 lösten sich endgültig viele – auch in der SED – von ihm. Die Dokumentation zeigt die Bedeutung Stalins für die deutsche Nachkriegsgeschichte und die Mechanismen der stalinistischen Diktatur. Und sie untersucht, wie die Mechanismen der Angst funktionierten, mit der eine neue Diktatur in einem Teil Deutschlands errichtet werden konnte. Wie das „Stalin-Trauma“ diejenigen prägte, die aus der Sowjetunion zurückkamen. Und wie diese Prägung die DDR bis zuletzt überschattete.