Rechte(s) von A-Z

Folge 11: L bis Luther, Martin

Von Christian Niemeyer

Dieses Lexikon gibt Informationen in kompakter Form sowie weitergehende Literaturhinweise, basierend auf Forschungsliteratur sowie allgemein zugänglichen Nachschlagewerke, zumeist in Printversionen. Internetquellen, etwas das Belltower-Lexikon sowie Wikipedia, wurden konsultiert. Ersteres ist aber zu unspezifisch und im Übrigen schlecht aufgebaut und unvollständig. Letzteres ist zu spezifisch, mitunter unzuverlässig. Das Handbuch Rechtsradikalismus (2002) von Thomas Grumke & Bernd Wagner setzte in beiden Hinsichten neue Maßstäbe. Es hat nur einen Nachteil: es ist zu alt, im Vergleich zum im Folgenden dargebotenen Material (Redaktionsschluss: Juli 2021), das ab jetzt auf hagalil.com in mehreren Folgen erscheinen wird und dem Online-Anhang meines Schwarzbuch Neue / Alte Rechte (2021) entnommen wurde. Am Ende eines jedes Eintrags finden sich in eckigen Klammern in Fettdruck die Seitenzahlen, auf denen die jeweilige Person oder Sache in der Printversion erwähnt wird. Damit gewinnt dieses Lexikon den Charakter eines Sach- und Personenregisters im Blick auf jene Printversion. Literaturhinweise finden sich in jenem kostenlos auf der Homepage des Verlags Beltz Juventa (Weinheim) als Download verfügbaren Online-Material.

 

Lagarde, Paul de (1827-1891), aus Berlin. L. (eigentl. Paul Boetticher), ev. Theologe, seit 1869 Professor der Orientalistik in Göttingen, war eine der „zentralen Vordenker der Nationalsozialismus“ (Sieg 2007: 326) sowie eine der wichtigsten Leitfiguren des Antisemitismus sowie der völkischen Kreise der Jugendbewegung. Aus beiden Aspekten erklärt sich die Fragwürdigkeit der häufig verfochtenen These eines Triumvirats, bestehend aus L., Langbehn sowie Nietzsche sowie L.s Relevanz für die Neue Rechte. (s. Essay Nr. 8) [195, 235 f., 267, 272, 278, 286-298, 301, 307, 309 f., 352, 364, 462, 568]

 

Langbehn, Julius (1851-1907), aus Hadersleben. Autor des anfangs verbreitet Nietzsche zugeschriebenen, anonym erschienenen Bestsellers Rembrandt als Erzieher (1890) und mitunter auch unter dem (auch von ihm selbst verwendeten) Namen ‚Der Rembrandtdeutsche‘ gelistet, gilt bis in die Gegenwart hinein als der „einflussreichste Prophet für die Anfangszeit der Jugendbewegung.“ (Mogge 2009: 113) Zumal in der Pädagogik genießt L. nach wie vor ein erhebliches Ansehen, basierend auf mitunter allerdings höchst fragwürdiger Materialgrundlage und nur unzulänglicher Text- und Zusammenhangskenntnis. Aus beiden Aspekten erklärt sich die Fragwürdigkeit der häufig verfochtenen These eines Triumvirats, bestehend aus L., Lagarde sowie Nietzsche, ebenso wie die allerdings nur am Rande notierte Relevanz L.s für die Neue Rechte. (s. Essay Nr. 9) [235 f., 286, 294 f., 300-311, 568, 573, 653, 717]

 

Lange, Friedrich (1852-1917), aus Goslar. Journalist, Rassenantisemit, von Paul de Lagarde herkommend, mit großem Einfluss auf Jugendbewegte. [570 f.]

 

Langemarck. Ort eines von alt- wie neu-rechten Ideologen sowie vom Nationalsozialismus zum Mythos überhöhten deutschen Sturmangriffs in Belgien unweit Ypern vom November 1914 mit der Folge zahlloser gefallener Kriegsfreiwilliger aus der Jugendbewegung. [293, 318, 365-370, 401, 416, 477]

 

Lanz, Hubert (1896-1982), aus Entringen b. Tübingen. General der Gebirgstruppe der Wehrmacht, Befehlshaber, zusammen mit Alexander Löhr, des Massakers auf Kelafonia im September 1943, wo 5170 entwaffnete Italiener erschossen wurden. Wenig später wiederholte sich das Ganze auf der Nachbarinsel Korfu, wo von 280 kapitulierenden ital. Offizieren 28 sofort und der Rest am nächsten Tag erschossen und danach im Meer versenkt wurde. Nach der Ermordung eines dt. Offiziers durch eine gr. Widerstandsgruppe ließ L., am 3. Oktober 1943 das Dorf Lingiades beschießen und nachfolgend 82 Bewohner töten, darunter 34 Kinder bis elf Jahren. Am 8. Mai 1945 kam L. in amerikanischer Gefangenschaft. 1947 zu zwölf Jahren verurteilt, kam er 1951 aus Landsberg frei. Nachfolgend FDP (vgl. Eberle/Uhl 2005: 584 f.), 1969 Beschwerde beim Spiegel, der über das Massaker auf Kelafonia berichtet hatte und damit das Gedenken an den Soldaten schände. [405]

 

Laun, Andreas (*1942), aus Wien. Weihbischof in Salzburg m. extrem konservativen Ansichten (s. Essay Nr. 17), neuerdings Neigung zum Rechtspopulismus und, im Zusammenhang Corona, zu Verschwörungstheorien, mit einer pos. Ausnahme: L. charakterisierte den NS-Flüchtlingshelfer Alois Hudal als „braunes Schaf“ der Kirche, sehr zur Empörung des österreichischen Neonazis Fred Duswald. (s. 13.3.5) [201, 450 f., 515-517]

 

Lausegger, Gerhard (1915-1966), aus Klagenfurt. 1934 Burschenschaft Suevia Innsbruck, 1938 NSDAP, im gleichen Jahr Pogromnacht am 9. November in Innsbruck, L. führte mit einen SS-Kommandotrupp den Auftrag durch, Richard Berger, der Präs. der israelitischen Kulturgemeinde, zu ermorden. 1942 Untersturmführer der Waffen-SS. 1945 engl. Gefangenschaft, dort 1946 von Bergers Sohn entdeckt, 1947 gelang ihm die Flucht, mit Hilfe der Rattenlinie Alois Hudals nach Argentinien, dort als „Nicolo Gracea“ bei einem Unfall gestorben. Denkmal seiner Burschenschaft auf dem Westfriedhof in Innsbruck. (s. 13.3.5) [453, 455]

 

Lebensborn e.V. Von SS getragener Verein zwecks Förderung rein arischer Geburten in Lebensborn-Heimen. Nebenbei lief die Verschleppung bzw. – etwa bei Massakern – Selektion arischer Kinder. [602, 604, 626]

 

Lehnert, Erik (*1975), aus Berlin. Ziehsohn Rudolf Bahros, Philosoph, Promotion über Karl Jaspers bei Volker Gerhardt und Gerd Irrlitz an der Humboldt-Universität (2006). In der Festschrift Was ist Leben? (2009) zum 65. Geburtstag Gerhardts legte L. unter dem Titel In der Festung – Leben im Verborgenen? unter Bezug vor allem auf Carl Schmitt in kaum verklausulierter Form sein Ideal des Lebens vor, in Kurzfassung: dass „man den inneren Vorbehalt behält und nach außen eben Zustimmung heuchelt.“ (L. 2009: 166) So wie in diesem Band: L. war „Lektor in einem Wissenschaftsverlag“ (Springmann / Trautsch 2009: 289), lesen wir im „Autorenverzeichnis“ – nicht aber, dass es sich bei diesem ‚Wissenschaftsverlag‘ um Götz Kubitscheks Verlag Antaios handelte. Immerhin: Dass L. seit 2008 Geschäftsführer des IfS war, wird in jenem Band zugestanden. Aktuell ist L. sehr aktiv auf Sezession, auch, zusammen mit Kubitschek, auf Kanal Schnellroda. Er ist wiss. Leiter des IfS und Mitherausgeber (zusammen mit Karlheinz Weißmann) des Staatspolitischen Handbuchs. Darin 2017 ein Beitrag, in welchem L., als Teil einer Art NS-Geschichtsschreibung reloaded (s. Essay Nr. 13) und orientiert offenbar an seinem 2009er Grundsatz, also stark verklausuliert, gegen die US-Siegerjustiz nach 1945 polemisiert und sich mit den Argumenten des Hilfsverbandes HIAG  der Waffen-SS solidarisiert, in bedenklicher Nähe zu Fred Duswald und dessen Verächtlichmachung Simon Wiesenthals bei gleichzeitiger Alois-Hudal-Apologie. L., der 2020 von Erika Steinbach, um Verfassungsschutzbedenken Rechnung zu tragen, aus der Desiderius-Erasmus-Stiftung gekickt wurde, arbeitet des Weiteren als wiss. Mitarbeiter des AfD-Abgeordneten Harald Weyel, insbesondere zu Fragen der Rechtfertigung des deutschen Kolonialismus im Stil Bruce Gilleys. (s. Essay Nr. 10) [28, 32-34, 48, 144, 152, 158, 179, 313-317, 343, 351, 387, 395-400, 405-407, 410-412, 416, 418 f., 422-439, 443-448, 450-457, 457, 648 f., 658-660]

 

Lengsfeld, Vera (*1952), aus Sondershausen. DDR-Bürgerrechtlerin, legendär, weil sie vom Gatten bespitzelt wurde. Von 1990 bis 2005 MdB, erst für Bündnis 90/Die Grünen, dann für die CDU. Mitglied der Werteunion. Offene Sympathien für die AfD, leugnet den Klimawandel und die von Corona ausgehenden Gefahren, schreckt vor Fake News nicht zurück, etwa über Claudia Roth oder angeblich von Flüchtlingen begangene Vergewaltigungen. (s. Prolog Nr. 7) Aggressive Merkel-Kritikerin. [59 f., 100, 154]

 

Leopold Stocker Verlag. Österr. Verlag aus Graz mit ARES-Verlag als Ableger, 1917 von Leopold Stocker gegr., nach dessen Tod (1950) im Familienbesitz, 1995 vom Enkel Wolfgang Dvorak-Stocker weitergeführt. [438, 449 f.]

 

Lessing, Theodor (1872-1933), aus Hannover. Philosoph, Schriftsteller aus assimilierten jüd. Elternhaus. Im Exil in Marienbad am 30. August 1933 Schüsse von Rechtsradikalen durchs offene Fenster, erlag wenig später seinen schweren Verletzungen. (s. Essay N. 13) [418 f.]

 

Lettow-Vorbeck, Paul von (1870-1964), aus Saarlouis. Dt. Offizier, 1904-06 Deutsch-Südwestafrika, 1914-18 Kommandeur in Deutsch-Ostafrika, Entlassung wg. Beteiligung am Kapp-Putsch (Kuß 2010: 496; Grill 2019), Idol des HJ-Erziehers Helmut Stellrecht, auch im neu-rechten Geschichtsrevisionismus à la Erik Lehnert von Bedeutung. (s. Essay Nr. 10) [314, 323, 342 f., 398]

 

Leuchter, Frederick Arthur (*1943), aus Malden/US. Holocaustleugner, der in seinem dilettantistischen Leuchter-Report (1988), basierend auf selbstgesammelten Proben vor Ort, nachweisen wollte, dass in Auschwitz keine Vergasungen stattgefunden haben können. Äußerungen dieser Art fallen nach mehreren Strafprozessen unter Volksverhetzung. In Gestalt von Ernst Nolte, aber auch Thor von Waldstein (vorm. NPD, inzwischen Autor bei Antaios), fand L. gleichwohl gleichgesinnten Verteidiger. [371 f.]

 

Lewin, Shlomo (1911-1980), aus Jerusalem. Verleger und Rabbiner. In Posen als Sohn eines Rabbiners aufgewachsen, in Breslau zur Schule gegangen, Studium dort und in Köln, Religionslehrer in Homburg u. Waldmohr, 1933 Heirat m. Lilly Hirsch, verschollen nach L.s Flucht aus NS-Schutzhaft 1936 ins Elsass, Studium in Paris, 1938 ins Brit. Mandatsgebiet Palästina, im Krieg British Army in Palästina, kämpfte bis 1948 für die Gründung des Staates Israel, 1960 Rückkehr nach Deutschland, Verlagsgründung, 1964 Umzug nach Erlangen, Beziehung mit der Oberbürgermeister-Witwe Frida Poeschke, 1975 Gründung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Franken, im August 1977 Rede gegen einen von der Wehrsportgruppe Hoffmann um den Neo-Nazi Karl-Heinz Hoffmann organisierten „Ausschwitz-Kongress“ in Nürnberg. Aus Rache dafür wurden L. und seine Lebensgefährtin am 19. Dezember 1980 von Hoffmanns engstem Mitarbeiter und Mitbewohner Uwe Behrendt mit einer Maschinenpistole geradezu hingerichtet. (vgl. Steinke 2020: 7 ff.; Chaussy 32020) Der Täter setzte sich Richtung Libanon ab und verübte dort später Suizid. Die Polizei hingegen ermittelte, wie Jahre später im Fall NSU, im Umfeld des Hauptopfers und ging allen möglichen Nebelkerzen nach – ganz den Mustern eines Staatsversagens folgend, auch Tiefer Staat genannt. [160, 162, 448]

 

Lichtmesz, Martin (1976), aus Wien. Eigentl. Martin Semlitsch, war Filmschüler in Berlin, seit 2007 Autor bei Sezession, Übersetzer von Jean Raspail bei Antaios 2015, wieder in Österreich lebend, der dortigen Identitären Bewegung nahestehend (vgl. Breuer et al. 2015: 115 f.), befreundet mit Caroline Sommerfeld. [30, 32, 40 f., 51 f., 64, 83, 136-138, 142, 145 f., 148, 156, 164, 169, 175, 263, 400, 428, 449, 540, 574 f., 587, 648, 656, 658 f.]

 

Lietz, Hermann (1868-1919), aus Dumgenevitz/Kreis Rügen. Gab mit seinem Buch Emlohstobba (1897) ein wichtiges Initial zur Landerziehungsheimbewegung, mit welcher er sich als wichtiger Schüler Paul de Lagardes, auch dessen Antisemitismus betreffend, erwies, was im Dritten Reich durchaus anerkannt wurde, nicht allerdings von der pädagogischen Historiographie nach 1945. (s. Essay Nr. 7) [261, 294 f., 357, 438, 459]

 

Linge, Heinz (1913-1980), aus Bremen. Maurer, NSDAP u. SS 1932, ab 1935 Kammerdiener Hitlers, zuletzt SS-Obersturmbannführer, im Mai 1945 bei Flucht aus dem Führerbunker in sowj. Gefangenschaft, NKWD-Verhöre zus. m. Otto Günsche mit dem Ergebnis der Akte Nr. 462a. 1950 wird L. zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, 1955 aus sowj. Kriegsgefangenschaft entlassen, im Film Der Untergang (2004) m. tragender Rolle. (vgl. Klee 2007: 369)

 

Lisson, Frank (*1970), aus Lübeck. Nietzschebiograph, der sich danach als neu-rechter Ideologe betätigte. [229, 258, 390-393, 400, 438, 664]

 

Litwinenko, Alexander (1962-2006). Russ. Agent, Überläufer zum MI6 2003, Putin-Kritiker mit Anschuldigungen 2006, Putin sei pädophil, erklärte kurz vor seinem Tod im Exil in London infolge einer durch Polonium verursachten Strahlenkrankheit, der Kreml habe ihn vergiftet. (s. Prolog Nr. 10; Unger 2010) [90]

 

Löhr, Alexander (1885-1947), aus Turnu Severin, Rumänien. Österr. General der Flieger, befahl die Bombardierung Warschaus am 25.9.1939 und Belgrads (o. Kriegserklärung) am 6.4.1941, war planerisch mitbeteiligt am Unternehmen Merkur, Beteiligung an Massakern auf dem Balkan im Oktober 1941, als Chef der Heeresgruppe E bis Kriegsende zuständig für Griechenland beteiligt an Judendeportationen von Rhodos und Korfu (s. Essay Nr. 13.3.2), im Dezember 1943 beteiligt an ‚Sühnemaßnahmen im Raum von Kalavrita, in Jugoslawien als Kriegsverbrecher abgeurteilt und am 26. Februar 1947 erschossen. Eine Gedenktafel zu ihm im Entrée in der Hofburgkapelle wurde 1992 unter dem Protest der FPÖ entfernt. (vgl. Ganglmair 1998; Klee 2003: 377; Eberle / Uhl 2005: 588 f.) [405 f.]

 

Lokteff, Lana (*1979), aus Oregon/US. Antifeministische russisch-amerikanische Alt-Right-Aktivistin, die der IB nahesteht und den Red Pill Women (vgl. Ebner 2019: 70) und Auschwitz ebenso leugnet wie den Genozid an den Indianern, dies mittels gekonnter Auftritte als dozierendes Postergirl in selbstproduzierten Aufklärungsfilmchen über neu-rechte Ideologien auf YouTube. Im Oktober 2019 wurde ihr Kanal mit 300.000 Followern wg. Hassredenverstößen gesperrt, des Gleichen kurz danach ein Back-up-Kanal.

 

Lombard, Andreas (*1963), aus Hamburg, eigentl. Andreas Krause Landt. Journalist, Chefredakteur von Cato. [174, 315, 540]

 

Lübcke, Walter (1953-2019), aus Bad Wildungen. CDU-Regierungspräsident, wurde am 1. Juni 2019 aus Rache für eine flüchtlingsfreundliche Äußerung auf der Veranda seines Hauses Opfer eines rechtsterroristischen Fememordes. Als Täter gilt der Rechtsextreme Stephan Ernst, der allerdings seinerseits als Mittäter Markus Hartmann benannte. Die Tat, der eine Vielzahl von Morddrohungen vorangingen und der auf gravierendes Behördenversagen hinweist, löste weltweit Entsetzen aus. (vgl. Steinhagen 2021) [89, 90, 99, 150, 155, 160, 162, 180, 396, 413, 419, 433, 448]

 

Lügenpresse. In der NS-Zeit durch Goebbels prominent gewordene Vokabel zwecks Kennzeichnung des unlauteren, über Fake News organisierten Journalismus. In neuerer Zeit, auch unter dem Einfluss von Donald Trump, durch Autoren insbesondere des rechtspopulistischen Kopp Verlages, etwa Udo Ulfkotte, in Umlauf gebrachte pejorative Vokabel zur Kennzeichnung insbesondere des Journalismus der Printmedien sowie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens. Mit einigem Erfolg, wenn man Umfrageergebnisse bedenkt, die, im Mai 2016, 55 % der Befragten urteilen ließen, in den Medien würde „häufig absichtlich die Unwahrheit gesagt.“ (Raden 2016: 162) Ziel der mit dem Vorwurf „L.“ operierenden Kampagne ist der Aufbau eines „Journalismus für alle“ im Nicht-Printbereich, auf den, aller Erfahrung nach, das Kennzeichen „L.“ weit besser zutrifft als für die kritisierten etablierten Medien. Insofern haben wir es bei dieser Vokabel mit kaum mehr als mit einer Nebelkerze zwecks Kaschierung der eigenen Absichten zu tun. [55, 64, 69 f., 72, 74 f., 80, 98, 120, 159, 250 f., 264, 395, 513, 659, 666, 668, 674, 721 f., 742, 785]

 

Lüth, Christian (*1976), bezeichnete sich wahrheitswidrig und wohl als Ausweis einer perversen Variante von Renommiersucht als Enkel eines bekannten U-Boot-Kapitäns und überzeugten Nationalsozialisten. Vorm. Pressesprecher der AfD, als solcher im September 2020 fristlos entlassen wg. Äußerungen über die Vergasungen von Flüchtlingen. (s. Prolog Nr. 10) Zuvor, im August, hatte er seinen Austritt aus der AfD erklärt. Im gleichen Monat Einstellung eines Strafverfahrens wg. Körperverletzung gegen Geldauflage (davon 500 € an die von ihm geschlagene Radfahrerin). 2021 Gerüchte um eine von Alexander Gauland angeregte Parteinahme L.s für Alice Weidel, denen Gauland entgegentrat, ebenso L. mit der Angabe, er habe auf Eigeninitiative gehandelt. [85, 93-95, 438]

 

Luksch, Franz Xaver (1872-1952). Alldeutsch orientierter Pathologe, eingebunden in das Programm der NS-Euthanasie, wie, indirekt über ihn, auch Karl Thums. (vgl. Niemeyer 2013: 45 f., s. Essay Nr. 22.3) [616]

 

Luther, Martin (1483-1546), aus Eilsleben. Reformator, den die NPD im Bundestagswahlkampf 2017, als eine Art „Ur-Wutbürger“ vereinbarte, mit Geltungsgründen, die, auch mittels eines Nietzsche-/Luther-Vergleichs, etwa in puncto Antisemitismus, zu diskutieren sind. (s. Essay Nr. 18) [209, 278, 323, 519-537, 732 f.]

 

[Zum Autor: Christian Niemeyer, Prof. (i.R.) für Sozialpädagogik an der TU Dresden. Zum Text: Dieses Lexikon wurde, wie die noch ausstehenden Folgen, wurde dem Online-Material (S. 21-106) meines Schwarzbuch Neue / Alte Rechte. Glossen, Essays, Lexikon (= Bildung nach Auschwitz 1). Mit Online-Materialien. Weinheim Basel 2021 entnommen. Der Wiederabdruck erfolgt mit freundlicher Erlaubnis des Verlages Beltz Juventa.]

Bild: V.l. Paul de Lagarde; Andrea Laun, (c) Thaler Tamas / CC BY-SA 4.0; Lana Lokteff, (c) Virtue of the West w/ Tara McCarthy / CC BY 3.0