Schattenstunde

Ehe oder Karriere? Zusammenhalt oder Deportation? Eine Entscheidung, die während des Nationalsozialismus tausende Deutsche treffen mussten, die in Mischehen lebten. Schattenstunde erzählt in leisen Tönen, einem intimen Kammerspiel gleich, von solch einer Entscheidung.

Der Film erzählt basiert auf den Tagebuchaufzeichnungen von Jochen Klepper, einem heute nur noch wenig bekannten Theologen, Journalisten und Schriftsteller. 1903 in Schlesien geboren war Klepper, der ursprünglich Pfarrer werden wollte, Ende der 1920er Jahre zunächst in Breslau, später in Berlin als Journalist und Autor tätig. 1931 heiratete Klepper die jüdische Witwe Johanna Stein, die zwei Töchter mit in die Ehe brachte. 1938 ließ sich Johanna Klepper taufen und das Paar heiratete erneut kirchlich. 

Im November 1940 wurde Klepper einberufen, jedoch ein Jahr später wegen seiner „nichtarischen Ehe“ als „wehrunwürdig“ entlassen. Die ältere Tochter hatte noch vor Kriegsausbruch nach Schweden emigrieren können. Die Versuche, auch für die jüngere Tochter eine Genehmigung zur Ausreise zu erhalten, schlugen fehl. Auch wenn Klepper nicht bereit war, seine Familie zu verlassen, musste er davon ausgehen, dass die Ehe zwangsgeschieden und seine Frau und Tochter deportiert werden würden.

Die Familie fasste den Entschluss, sich gemeinsam das Leben zu nehmen und begann in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1942 gemeinsam Suizid.

Benjamin Martins, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb, hat einen ganz besonderen Film geschaffen, der die Zuschauer in die sich enger zuziehende Welt der Familie Klepper mitnimmt. In schlichten, aber drastischen Bildern wird die Entscheidung für den Suizid diskutiert –  und umgesetzt. Ergreifend und ehrlich.

 

Der Film ist ab Donnerstag in den Kinos zu sehen. Unbedingt sehenswert.

D 2021, 79 Minuten, Fsk: 12
Drehbuch & Regie: Benjamin Martins
Produktion: Floriana Maddalena Maiello & Benjamin Martins
Mit: Christoph Kaiser, Beate Krist, Sarah Palarczyk, Dirk Waanders, Klaus Rodewald und Boris Becker

Fotos: (c) HERBSTHUND FILME