Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 30. September 2021…

Do., 16. Sep · 22:55-00:20 · 3sat
Pariah

Die 17-jährige Alike lebt mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester in Fort Greene in Brooklyn. Sie hat eine poetische Ader – und im Stillen zu ihrer Identität als Lesbe gefunden. Doch immer wenn Alikes Homosexualität angesprochen wird, steht die vorbelastete Ehe ihrer Eltern kurz vor dem Zusammenbruch. Alike ist sich nicht sicher, wie viel sie ihrer Familie anvertrauen kann, und kämpft sich mit Humor und Hartnäckigkeit durch ihre Jugend. Manchmal mit Erfolg, manchmal nicht, aber immer mit dem Blick nach vorn.

Fr., 17. Sep · 09:30-10:00 · ARD-alpha
RESPEKT – LGBTQI* – (k)ein Problem mit sexueller Vielfalt?

LGBTQI*: Die Abkürzung bezeichnet Menschen, für die das althergebrachte Mann-Frau-Schema nicht passt. Sie sind lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, queer, intersexuell… – und in der Gesellschaft selbstverständlich akzeptiert, oder? Leider nicht! Sie erfahren Diskriminierung, Hass und Gewalt. RESPEKT erkundet, wie es Menschen geht, deren sexuelle Orientierung nicht den Vorstellungen der Mehrheit entspricht und wie sie sich wehren können. Regenbogenflaggen, schwule Politiker, lesbische Moderatorinnen. Frauen, die mal Männer waren. Seit 2017 dürfen homosexuelle Paare auch in Deutschland heiraten. Sexuelle Vielfalt gehört zur alltäglichen Normalität. Aber werden Menschen, die von den althergebrachten Mann-Frau-Vorstellungen abweichen, in unserer Gesellschaft wirklich akzeptiert? Warum erleben LGBTQI* Diskriminierung und Gewalt, wenn angeblich niemand mehr ein Problem mit Schwulen, Lesben, Bi- oder Trans-Personen hat? RESPEKT-Moderatorin Christina Wolf will wissen, wie offen Deutschland tatsächlich für queeres Leben ist und wie es LGBTQI* hier geht. Zum Beispiel Elli, die in der Oberpfalz als Schornsteinfegerin arbeitet. Außer dem Chef darf niemand wissen, dass Elli nicht-binär ist und privat als Frau lebt. Die Moderatorin besucht Elli auf dem Land und erfährt, dass es für queere Menschen abseits der Metropolen noch sehr schwierig ist. Und wie sich Elli Freiräume erkämpft. Aber auch in der vermeintlich völlig freien Großstadtwelt verstecken sich LGBTQI* – manche ein halbes Leben lang. So wie Patricia Schüttler, die als Patrick aufgewachsen ist und Sandra geheiratet hat. Sie erklärt Christina Wolf, was Geschlechtsidentität für sie bedeutet und warum sie mit fast 40 Jahren ihr Coming-out gewagt hat. Sandra und Patricia sind weiterhin zusammen und erzählen, wie sich ihre Ehe seit Patricias Geschlechtsangleichung verändert hat. LGBTQI* erleben Ablehnung und Vorurteile in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Freizeit und sehr oft auch von den eigenen Eltern. Doch es gibt auch einfache Mittel dagegen: Kontakt und Gespräche. Sagt Lukas Garhammer, der mit Workshops an Schulen geht und dort erlebt, wie wenig Schüler*innen aber auch Lehrkräfte von queeren Menschen wissen. Zum Beispiel, dass 5-10% der Bevölkerung LGBTQI* sind. Aufklärungsarbeit leistet auch Phillip Pietsch, im Gleichstellungsreferat der Uni München. Von ihm erfährt Moderatorin Christina Wolf, dass auch die Hochschulen beim Umgang mit sexueller Vielfalt noch Lernbedarf haben und wie wichtig es wäre, das Thema auch in der Lehrer*innen-Ausbildung zu platzieren.

Fr., 17. Sep · 12:10-12:40 · 3sat
Fromme Fremde – ultraorthodoxe Juden und Sexualität

Ultraorthodoxe Juden leben streng nach den Regeln der Thora. Mädchen und Jungen wachsen getrennt auf, das Berühren einer Person des anderen Geschlechts ist – außerhalb der Familie – verboten. Doch sobald der Bund fürs Leben geschlossen worden ist, wird aus dem sexuellen Tabu plötzlich eine religiöse Pflicht. „NZZ Format“ begleitet zwei junge Ehepaare bei ihrem Spagat zwischen religiöser Pflicht und körperlichen Bedürfnissen. Orthodoxe jüdische Ehepartner sind nämlich dazu angehalten, nach der biblischen Anweisung „Seid fruchtbar und mehret euch“ zu leben. Doch weil junge Männer und Frauen meist erst kurz vor der Hochzeitsnacht aufgeklärt werden, ist der Weg zu einem entspannten Verhältnis mit Körper und Sexualität oft ein weiter. Der jüdische Sexualtherapeut David Ribner hat den ersten Sexualratgeber für ultraorthodoxe Juden herausgegeben. Der behutsame Versuch einer Reform, denn auch in den Reihen der gottesfürchtigen „Haredis“ mehren sich die Zweifler, und die Zahl der Aussteiger nimmt zu.

Fr., 17. Sep · 23:50-00:20 · ARD-alpha
Freitagnacht Jews mit Daniel Donskoy

Dinner und Diskurs mit Daniel Donskoy – heute bei „Freitagnacht Jews“ zu Gast: die Schauspielerin Susan Sideropoulos und die Autorin Mirna Funk. Auf den Tisch kommen „Latkes“ und viele Fragen zum Jüdischsein. Immer freitags, am jüdischen Feiertag Schabbat, hat Daniel Donskoy Gäste. Beim gemeinsamen Essen sprechen sie über ihr jüdisches Leben und Erleben. Kontrovers, provokant, aber mit Sinn für Humor: In „Freitagnacht Jews“ spricht der Schauspieler mit seinen Gästen über das Jüdischsein und über Integration. Die Erfahrungen damit sind unterschiedlich. Aber am Ende steht vor allem eines: Verständnis füreinander zu entwickeln und eine neue Perspektive auf das Wort „Jude“ zu werfen.

Sa., 18. Sep · 01:15-02:00 · ZDF
ZDF-History: Hitlers Helfer auf der Couch – Der Psychologe von Nürnberg

Wie tickten die Nazis? Dieser Frage geht der US-Psychologe Gustave M. Gilbert während des Nürnberger Prozesses nach. In intensiven Gesprächen studiert er die Psyche der Haupttäter. Gilbert kommt den NS-Größen in ihren Zellen nahe wie sonst niemand, obwohl er, wie alle Juden, einst zu ihren Todfeinden zählte. Die Aufzeichnungen seiner Dialoge ergeben ein einzigartiges Psychogramm jener Männer, die Europa und die Welt in den Abgrund stürzten. Gilberts Tagebücher geben auch einen verstörenden und bisher kaum bekannten Einblick in die Welt der Helfer Hitlers und zeigen sie immer wieder in ihrer menschlichen Erbärmlichkeit, Feigheit und Verlogenheit. Dezidiert beschreibt der Psychologe, wie die Angehörigen der NS-Führungsriege nach dem Verlust ihrer Macht und unter Anklage nun gegeneinander arbeiten und intrigieren. So kann Hermann Göring, lange Zeit der zweite Mann im NS-Staat, gegenüber Gilbert seine Abneigung für Joachim von Ribbentrop („dumm und eitel wie ein Pfau“) nicht verbergen. Der Gerichtspsychologe entlarvt immer wieder die Rechtfertigungsversuche der mächtigsten damals lebenden Funktionsträger des untergegangenen Regimes. Nun, vor Gericht, scheitern sie mit der dreisten Lüge, an führender Stelle von den Verbrechen der eigenen Schergen nichts gewusst haben zu wollen.

Sa., 18. Sep · 05:55-06:55 · arte
Barbra Streisand – Geburt einer Diva

Sie ist die Königin der Musikindustrie, des Broadways und des New Hollywood: Barbra Streisand. Die letzte große „American Songbook“-Diva hat viele Künstlerinnen nach ihr wie Madonna, Beyoncé oder Lady Gaga geprägt. Als perfektionistisches Multitalent steht sie in der Tradition der singenden, tanzenden und schauspielenden Hollywoodstars. Barbara Joan Streisand kommt am 24. April 1942 in New York zur Welt. Ihr Vater, ein jüdischer Lehrer, stirbt 15 Monate nach ihrer Geburt. Nachdem sie versucht hat, als Sängerin in New Yorker Nachtclubs Fuß zu fassen, bekommt sie mit 19 ihre erste Rolle im Broadway-Musical „I Can Get It for You Wholesale“. Mit 21 veröffentlicht sie ihr erstes Studioalbum – „The Barbra Streisand Album“. Auch im Filmgeschäft kann sie beispiellose Erfolge feiern: Filmmusicals wie „Hello, Dolly!“, Screwball-Komödien wie „Is’ was, Doc?“ und Dramen wie „So wie wir waren“ werden dank ihr zu großen Publikumserfolgen. Mit eigenen Regiearbeiten wie „Yentl“ und „Der Herr der Gezeiten“ etabliert sich Streisand als Regisseurin auch hinter der Kamera. Mit ihrer Mezzosopran-Stimme und ihrem Aussehen, das nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, schreibt sie ein ganz eigenes Kapitel in der Unterhaltungsgeschichte. Streisand verkörpert eine neue Art von Attraktivität und vor allem ein neues Bild des weiblichen Stars: frei, unangepasst und stark. Damit ebnet sie den Weg für die Künstlerinnen der Girl-Power-Bewegung. Barbra Streisand gehört heute längst zu den etablierten Größen des amerikanischen Showbiz: Als sie ein junges Mädchen war, meinten ihre Mutter und ihr Stiefvater, sie sei nicht hübsch genug für die Bühne. Doch sie ließ sich nicht beirren und setzte sich auch später in einer Männerdomäne durch. Ihre Großmutter nannte sie wegen ihres Dickkopfs schon als Kind „farbrent“, was auf Jiddisch so viel wie „brennend“ bedeutet. Die Bilanz sind mehr als 60 Alben, 20 Filme als Schauspielerin, drei Spielfilme als Regisseurin und unzählige Shows in der ganzen Welt. Die Dokumentation verfolgt ihren Lebensweg bis zum Höhepunkt ihrer Karriere in den 80er Jahren, als Barbra Streisand zum ersten weiblichen Megastar wird. Er beleuchtet den Werdegang einer Ikone, die sich bis heute für die Rechte von Frauen und Homosexuellen einsetzt.

Sa., 18. Sep · 18:45-18:50 · MDR
Glaubwürdig: Svetlana Lavochkina

„Geschichten, die das Leben schreibt – das ist für mich das Verrückteste und Spannendste überhaupt. So etwas kann man sich oft gar nicht ausdenken“ – sagt die Schriftstellerin und Sprachkünstlerin Svetlana Lavochkina. Ihr Debütroman „Puschkins Erben“ erschien 2015. Eine Geschichte über eine ukrainisch-jüdische Familie. Darin steckt viel Biografisches. Svetlana ist Jüdin. Sie wuchs in einer Industriestadt in der Ukraine auf. Nach dem Abitur wollte sie Pädagogik und Sprachen studieren. Sechsmal erhielt sie dafür die Ablehnung. Juden wurden in der damaligen Sowjetunion – wenn auch nicht offiziell – diskriminiert. Nach dem Fall der Mauer siedelte Svetlana Lavochkina mit Mann und einem Kind im Bauch nach Deutschland um. Obwohl sie ihr jüdisch sein nicht nach außen kehrt, mag sie es auch nicht verstecken. „Gegen Antisemitismus hilft keine Angst, sondern Kommunikation“, sagt sie. So oft es ihre Zeit erlaubt hält sie deshalb Lesungen. Vor allem um mit Menschen ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. „Sorgen ernst zu nehmen und Empathie zu zeigen, das ist wichtig. Das Problem Rassismus, das geht uns alle an!“ Mit ihren Lesungen will sie Mut machen. Mut auf das Leben und auch auf die Geschichten, die es schreibt.

So., 19. Sep · 10:45-11:15 · BR Süd
Alte Synagogen, neu belebt

Es sind Plätze, um die sich lange niemand gekümmert hat, Orte, die nahezu in Vergessenheit gerieten: die Synagogen in der Münchner Reichenbachstraße und am Berliner Fraenkelufer. Dass sich das gerade grundlegend ändert, ist einigen engagierten Menschen zu verdanken. Die Filmautorin widmet sich zwei Plätzen, die beinahe in Vergessenheit gerieten: die Synagogen in der Münchner Reichenbachstraße und am Berliner Fraenkelufer. Die Synagoge Reichenbachstraße war ein architektonisches Juwel, 1931 im Stil der Neuen Sachlichkeit nach den Plänen des Architekten Gustav Meyerstein errichtet. In der Pogromnacht 1938 schwer beschädigt, überstand die Synagoge die Nazizeit als Lagerraum. Nach dem Kriegsende hatte die Israelitische Kultusgemeinde hier ihren Sitz. Doch seit dem Umzug der Gemeinde an den St.-Jakobs-Platz stand der Bau leer. Bis die Münchner Publizistin Rachel Salamander beschloss, einen Verein zur Rettung des Gebäudes zu gründen. Sie möchte die Synagoge, eine der wenigen weltweit im Bauhaus-Stil, in ihren originären Zustand zurückversetzen. Doch nicht nur das: Das alte Haus soll neu belebt werden. Mit Unterricht für Schulklassen, Kantorengesängen und kulturellen Veranstaltungen soll hier ein Platz für Kultur und Begegnung entstehen. Auch in der alten Synagoge am Berliner Fraenkelufer kehrt neues Leben ein. 1913 errichtet, hat sie Krieg und Nazizeit schwer beschädigt überstanden, nur ein Seitentrakt ist erhalten geblieben. Um einen Wiederaufbau kümmerte sich lange niemand. Doch seit ein paar Jahren setzen sich der Israeli Dekel Peretz und seine deutsche Frau Nina massiv für einen Wiederaufbau des alten Gebäudes ein. Denn eine junge Gemeinschaft in „Kreuzkölln“, dem Übergang von Kreuzberg zu Neukölln, findet hier einen Platz, an dem sie sich trifft, gemeinsam betet, Lernnächte veranstaltet und vieles mehr. „Es ist eine Grassroot-Gemeinde, in der sich jeder engagiert“, sagt Nina Peretz über die Gemeinschaft, in der sich junge israelische Familien genauso finden wie Vertreter von „Keshet“, einer queeren Organisation. Mit einem Café, Ausstellungen und Veranstaltungen wollen sie die wiederaufgebaute Synagoge auch für die nichtjüdische Welt einladend öffnen. Gesendet wird der Film einen Tag vor Beginn des Laubhüttenfests, an dem der Unbehaustheit des Volkes Israel während seiner vierzigjährigen Wüstenwanderung gedacht wird.

Di., 21. Sep · 22:10-22:55 · MDR
Hoyerswerda ’91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung

Im September 1991 kommt es scheinbar aus dem Nichts zu einer öffentlichen Hetzjagd in Hoyerswerda. Eine stetig wachsende Menge aus „einfachen Bürgern“ und Neonazis belagert eine ganze Woche lang das Wohnheim von DDR-Vertragsarbeitern aus Mosambik und Vietnam und die zentrale Unterkunft für Asylbewerber aus Osteuropa. Die Menge wirft Fensterscheiben ein und lässt Brandsätze explodieren. Vor den Augen der Öffentlichkeit verschanzen sich die Angegriffenen in Todesangst, die Einsatzkräfte der Polizei sind überfordert, die Bilder der applaudierenden Menge gehen um die Welt. Die Behörden sehen keinen anderen Ausweg, als die Ausländer aus der Stadt zu evakuieren. 32 Menschen werden verletzt, 82 festgenommen, nur vier verurteilt. In rechten Kreisen wird Hoyerswerda im Anschluss an die Ausschreitungen als erste „ausländerfreie“ Stadt bezeichnet. Der Begriff „ausländerfrei“ wird daraufhin 1991 zum erstmals eingeführten „Unwort des Jahres“ gewählt. Es ist eine Zäsur für Deutschland und der Auftakt zu einer Welle rechter Gewalt Anfang der 90er-Jahre. Der Film „Hoyerswerda ’91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung“ rekonstruiert zum einen die Chronik der Ereignisse jener sieben Tage im September und ihrer Ursachen. Zum anderen wird er mit dem Blick von heute – 30 Jahre danach – auf den Umgang mit dem Fanal bis in die Jetztzeit eingehen. Von dem Stigma 1991 hat sich Hoyerswerda bis heute nur schwer erholen können, ist seit der Wiedervereinigung ohnehin eine gebeutelte Stadt, deren Bevölkerung von 70.000 auf knapp 30.000 Einwohner geschrumpft ist. Der Film nimmt drei Generationen von „Hoyerswerdschen“ in den Blick und schaut sich an, welche Spuren die Ereignisse des September 1991 in ihrem Leben hinterlassen und was sie selber mit diesem Erbe gemacht haben. Zudem wird der Film verstärkt auch aus der Perspektive der damaligen Opfer erzählen, die in letzten 30 Jahren zumeist unerzählt geblieben ist. Der Film rekonstruiert auch das damalige desaströse Krisenmanagement der sächsischen Behörden vor dem Hintergrund der damaligen Asyldebatte. Bereits im Frühjahr 1991 waren die Vorboten der sich im Herbst bahnbrechenden Gewaltwelle unverkennbar. Sachsen verzeichnete im Monat Mai allein ein Drittel aller in Deutschland erfassten rechtsextremen Gewalttaten, ohne darauf adäquat zu reagieren. Für den Film erinnern sich verschiedene damals Beteiligte und Zeitzeugen noch einmal an die Wendezeit, die Ausschreitungen 1991 und den Umgang damit in den folgenden Jahrzehnten: Da sind David Macou, der als Vertragsarbeiter zwölf Jahre in der DDR lebte und über Nacht in seine Heimat Mosambik zurückkehren musste. Die Polizisten Jörg Schwirtznik und Rainer Schölzel, die als Streifenpolizist bzw. Hundertschaftsführer der Bereitschaftspolizei vor Ort völlig überfordert waren und sich von Vorgesetzten und der Politik weitgehend im Stich gelassen fühlten. Da ist Grit Lemke, Regisseurin und Autorin, aufgewachsen in Hoyerswerda, die die Ausschreitungen hautnah miterlebte und Hoyerswerda schließlich wegen der Dominanz der Rechten verließ. Heute beklagt sie das lang anhaltende Schweigen und die fehlende Auseinandersetzung innerhalb der Stadt. Unter anderem kommt auch Gerhard Gundermann in Archivaufnahmen zu Wort, der „singende Baggerfahrer“, der die Geschehnisse damals in zahlreichen Fernsehauftritten kommentierte.

Di., 21. Sep · 23:00-00:40 · 3sat
Das Boot ist voll – Zum 80. Geburtstag von Markus Imhoof

Kriegssommer 1942: Aus einem deutschen Transportzug, der durch die Schweiz fährt, kann eine kleine Gruppe fliehen. Angeführt wird sie von Judith Krüger, deren Mann Hannes als internierter Flüchtling schon in der Schweiz lebt, und vom desertierten Soldaten Karl Schneider. Mit dabei sind außerdem Lazar Opstrowskij, ein alter Jude aus Wien, Judiths junger Bruder Olaf Landau sowie zwei Kinder, das Mädchen Gitty und der französischsprachige Maurice. Auf dem Gasthof der Familie Flückiger suchen sie Unterschlupf. Bäuerin Anna ist wenig begeistert, ihr Mann Franz lässt gar den Dorfpolizisten rufen. Erst einmal werden die Flüchtlinge im Waschhäuschen untergebracht und versteckt. Anna sucht beim Dorfpfarrer Rat. Dort vernimmt sie, dass Deserteure sowie Eltern mit Kindern wohl nicht ausgewiesen würden. Das Mitgefühl obsiegt. Gewaltsam wird aus dem verängstigten Trüppchen eine Familie mit Großvater und Kindern geformt. Doch Landjäger Bigler waltet buchstabentreu seines Amtes. Neben den Paragrafen hat die Mitmenschlichkeit keine Chance. Mit seinem Sachbuch „Das Boot ist voll“ hatte der Berner Schriftsteller Alfred A. Häsler 1967 für rege und notwendige Diskussionen gesorgt. Sein kritischer Blick auf die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs, insbesondere auf ihre offizielle Flüchtlingspolitik, bewegte die Gemüter. 1980 nahm Regisseur Markus Imhoof („More Than Honey“) Titel und Thema des Buchs als Grundlage für einen Spielfilm, der ebenfalls viel Anlass zu reden gab. Die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg und deren Haltung gegenüber jüdischen Verfolgten wurde so bereits 15 Jahre vor der Raubgold-Kontroverse, als die Schweizer Banken zur Herausgabe sogenannt herrenloser Vermögen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs faktisch gezwungen wurden, zum Thema. Auch heute, angesichts der Flüchtlingskrise, bleibt Imhoofs Film „Das Boot ist voll“ brandaktuell und plädiert eindrucksvoll für eine großzügige Aufnahmepolitik, eine Haltung, die damals wie auch heute einen schweren Stand hat(te).

Mi., 22. Sep · 20:15-21:45 · NDR
Die Liebe des Hans Albers

„Der blonde Hans“: Hans Albers, Schauspieler, Sänger, Idol der Deutschen – und Liebling der Nazis. Seine große Liebe, Hansi Burg, flieht 1938 vor dem Antisemitismus nach London. Albers aber bleibt in Deutschland. Filmt weiter. 1946, ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs, treffen sie sich wieder: Hansi Burg kehrt zurück in das Land der Mörder ihrer Eltern, sucht Hans Albers in dessen Villa am Starnberger See auf. Er lebt dort mit einer anderen Frau. Die muss gehen, dann kommt es zu einer spannungsgeladenen Aussprache – ein Tag und eine Nacht lang, in der der blonde Hans sich unbequemen Fragen und noch unbequemeren Wahrheiten stellen muss. Behutsam und in starken Bildern inszeniert Carsten Gutschmidt („Weltenbrand 1914“, „Leningrad Symphony“, „Paul van Dyk – Musikvideo“) das Wiedersehen der beiden. Aus der Perspektive von Hansi Burg, gespielt von Picco von Groote („Der Turm“, „Tatort“, „Duell der Brüder“), wird der Aufstieg von Hans Albers, gespielt von Ken Duken („Inglorious Basterds“, „Das Parfum“, „Tatort“), aber auch die schwierige Liebe der beiden in Zeiten des braunen Terrors nachgezeichnet. Indem die Geschichte konsequent aus der Perspektive seiner großen Liebe erzählt wird, entsteht ein kaum bekannter Blick auf den Menschen Albers. Das Dokudrama „Die Liebe des Hans Albers“ stellt nicht den Frauenheld und Draufgänger Albers in den Vordergrund, sondern konfrontiert das Idol der 30er-, 40er- und 50er-Jahre mit existenziellen Fragen von Haltung und Moral: Was hast Du gegen die Nazis getan? Warum hast Du Deinen Freunden und Hansis Eltern nicht noch mehr geholfen? Warum hast Du dich von Goebbels und Co zwar ferngehalten – aber bereitwillig dem Nazi-System gedient, indem Du Film um Film für sie gedreht hast?

Mi., 22. Sep · 23:15-01:00 · 3sat
Zum 80. Geburtstag von Markus Imhoof: Die Reise

Als Bertram, Sohn eines Nazi-Dichters, die Universität verlässt, findet sein Hass auf den Vater in den sich radikalisierenden Studentenzirkeln eine politische Stoßrichtung. Diese trägt den Widerstand gegen die „Generation der Väter“ auf die Straße. Mit dem Drama „Die Reise“ hat der Schweizer Regisseur Markus Imhoof den gleichnamigen autobiografischen Roman von Bernward Vesper verfilmt. Nazi-Dichter Voss versteht die Niederlage des „braunen“ Deutschlands als persönliche Demütigung und will seine antidemokratischen Ressentiments nun mittels Erziehungsterror seinem Sohn Bertram weiterreichen. Bertram wird in diesen turbulenten Jahren selbst Vater. Sein Sohn wächst in einer chaotischen Wohngemeinschaft auf, immer mehr vernachlässigt von der Mutter, deren politisches Engagement zusehends extremere Formen annimmt. Als Bertram bewusst wird, dass die Gruppe, der er sich angeschlossen hat, vor einer Eskalation der Gewalt nicht zurückschreckt, setzt er sich ab – obwohl er sich damit für seine früheren Gefährten zum Verräter stempelt. Um seinen Sohn davor zu bewahren, im fanatischen Milieu des Terrorismus verschlissen zu werden, entführt Bertram ihn aus dem Versteck der Stadtguerilla in Sizilien und flüchtet mit ihm an den Ort seiner Kindheit. Markus Imhoofs Film „Die Reise“ basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Bernward Vesper, dem Sohn eines berühmten Nazi-Dichters und späteren Lebensgefährten von Gudrun Ensslin. Während die Rahmenhandlung des Films von der Flucht des Protagonisten aus der Terroristenszene der 1970er-Jahre erzählt, wird in Rückblenden beleuchtet, wie dieser aus Opposition zu seinem Vater überhaupt in diese Szene geraten konnte.

Mi., 22. Sep · 23:35-00:05 · ARD-alpha
Meine Demokratie: Rahel Mann

Den Abschluss der Reihe bildet das Interview mit der Psychotherapeutin und Lyrikerin Rahel Mann. Den Holocaust überlebte sie als jüdisches Mädchen versteckt. Demokratie, das bedeutet für Rahel Mann, „die Freiheit des Denkens, die Freiheit des Fühlens, die Freiheit der Entscheidung – und den Mut, das zu leben“.

Do., 23. Sep · 00:00-00:45 · NDR
Saboteure im Eis 1/6

Der Zweite Weltkrieg ist ausgebrochen. Der Norwegische Professor und Reserveoffizier Leif Tronstad, der bereits selbst als Wissenschaftler bei Norsk Hydro gearbeitet hat, ahnt den Grund für das deutsche Interesse am schweren Wasser. Er versucht, die Norsk Hydro zu warnen, die unter dramatischen Bedingungen das schwere Wasser nach Frankreich verschickt. Ein aufwendiges Ablenkungsmanöver wird eingeleitet. Das Flugzeug, in dem sich angeblich die wertvolle Fracht befindet, wird schließlich von deutschen Kampfflugzeugen über Hamburg zur Landung gezwungen. Im April 1940 besetzt Deutschland Norwegen und befiehlt eine Verdoppelung der Produktion von schwerem Wasser. Tronstad flieht nach England und warnt die Alliierten vor dem seiner Meinung nach geplanten Bau einer deutschen Atombombe. Die sechsteilige Miniserie ‚Saboteure im Eis‘ stellt eines der spannendsten Ereignisse des Zweiten Weltkriegs dar: die Bemühungen der Nazis, eine Atombombe zu entwickeln, und der verzweifelte Kampf der Alliierten, dies zu verhindern. Die Serie zeigt das Dilemma einzelner Menschen, in deren Händen das Schicksal ganzer Nationen liegt und die sich scheinbar unüberwindbaren Herausforderungen stellen. Durch die Besetzung mit bekannten deutschen, englischen und norwegischen Schauspielern gelingt der Serie ein authentisches Porträt realer Figuren der Zeitgeschichte. Die von Kritikern hoch gelobte norwegisch-britische Koproduktion wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet und sorgte in ihrem Heimatland Norwegen für einen Quotenrekord.

Do., 23. Sep · 23:00-23:45 · HR
Der Jude und sein Dorf – die große Reise des Hans Bär

Hans Bär besucht nach 80 Jahren Exil in Argentinien zum ersten Mal sein Heimatdorf. Mit 14 Jahren floh er mit der Mutter vor den Nazis. Nun reist er mit seinen Enkelinnen nach Wohnbach in der Wetterau. Was ist aus dem Dorf geworden? Gibt es Menschen, die er noch kennt? Das Dorf bereitet ein großes Empfangsfest vor. Doch was passiert in einem kleinen Ort, wenn jemand zurückkehrt, der an jene Zeit erinnert, in der Juden vertrieben und ermordet wurden? Hans Bär will mit aller Kraft noch einmal einen Blick in die Vergangenheit wagen, aber er muss sich lange sammeln, ehe er es schafft, aus dem Auto auszusteigen und sich auf Erinnerungsreise in das Dorf seiner Jugend zu begeben.

Do., 23. Sep · 23:45-01:30 · HR
Der letzte Jolly Boy

Der Berliner Leon Schwarzbaum überlebte als Einziger seiner Familie die Lager Auschwitz und Sachsenhausen. Der Film begleitet ihn an Orte des Holocausts. Er besucht seine alte Schule in Polen, ist Zeuge bei einem Prozess gegen einen KZ-Wachmann in Detmold, geht in Talkshows und Schulen und trifft Häftlinge einer Justizvollzugsanstalt. Eine filmische Reise durch deutsche Wirklichkeiten. Leon Schwarzbaum, geboren 1921 in Hamburg/Altona, aufgewachsen im polnischen Bedzin, überlebte als Einziger seiner großen Familie den Holocaust. Er war in Auschwitz, dort Zwangsarbeiter bei Siemens, wurde nach Buchenwald und nach Sachsenhausen/Haselhorst deportiert, überlebte zwei Todesmärsche und wurde im Mai 1945 von den Amerikanern bei Schwerin befreit. Er blieb in Deutschland. Aber erst im hohen Alter von fast 90 Jahren spricht er öffentlich über seine Erlebnisse, über sein Überleben im Land der Täter. Er spricht mit Schülern, bis heute noch – mit fast 99 Jahren. Mit dem Regisseur Hans-Erich Viet beginnt er ein „Roadmovie“ über mehrere Jahre. Sie fahren nach Auschwitz, nach Gleiwitz, an die Stätten der nationalsozialistischen Verbrechen. Aber auch zu seinem Elternhaus nach Bedzin. Er steht an den Bahngleisen, an denen er im Juni 1943 von den Eltern, Freunden und Verwandten getrennt wurde. Fast alle wurden am selben Tag im 60 km entfernten Auschwitz ermordet. Er muss noch ein paar Wochen im Ghetto von Bedzin bleiben, der junge Mann muss für die Deutschen aufräumen. Anfang August 1943 wird er mit den restlichen Juden von Bedzin auch nach Auschwitz deportiert. Der Tätowierer gibt ihm den lebensrettenden Rat: Du musst sehen, dass du eine einfache Arbeit bekommst, sonst bist du bald tot. Schwarzbaum wird Läufer des Lagerältesten, danach Zwangsarbeiter bei Siemens im Außenlager Bobrek. Es folgt eine Odyssee von Verlegungen und Todesmärschen, die er wie durch ein Wunder überlebt. Der Film reist mit Schwarzbaum zu diesen Stätten. Schwarzbaum will unbedingt den Menschen zeigen und erzählen, was passiert ist. Durch das Unterwegs-Sein gerät er auch in das Umfeld des letzten SS-Auschwitz-Prozesses gegen Reinhold Hanning nach Detmold. Er sagt als Zeuge und Nebenkläger aus, appelliert an den Angeklagten: „Wir stehen als 95-Jährige bald auch vor dem letzten Richter, reden Sie über Ihre Erlebnisse, so wie ich von meinen berichte!“ Er erhält keine Antwort. Schwarzbaum wird in Talkshows von Markus Lanz eingeladen. Er besucht Strafgefangene in einer JVA in der Nähe von Riesa. Die Insassen sind fasziniert von dem ruhigen, höflichen, alten Mann, verstehen wie es ist, eingesperrt zu sein. „Können Sie den Deutschen vergeben?“, fragen ihn polnische Schüler. Er sagt: „Nein, das kann ich nicht, das könnten nur die Toten.“

Fr., 24. Sep · 20:15-21:45 · 3sat
Der blinde Fleck – Das Oktoberfestattentat

Herbst 1980: Reporter Ulrich Chaussy stellt Nachforschungen zu dem blutigen Terroranschlag auf das Oktoberfest vom 26. September 1980 an. Dabei stößt er auf Ungereimtheiten. Bald beginnt Chaussy, Zweifel an den offiziellen Ermittlungsergebnissen und der von dem Leiter des bayerischen Staatsschutzes Dr. Hans Langemann vertretenen Einzeltäterversion zu hegen. Der 21-jährige Geologie-Student Gundolf Köhler, Mitglied der neonazistischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“, der selbst Opfer des Attentats wird, soll allein und politisch unmotiviert gehandelt haben. Die Suche nach der Wahrheit wird zu Chaussys Lebensaufgabe. Das Oktoberfestattentat ist der bisher schwerste Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: 13 Menschen wurden getötet und mehr als 200 zum Teil schwer verletzt.

Fr., 24. Sep · 21:00-21:45 · HR
Israel – hip und heilig

Tel Aviv: die Stadt, die niemals schläft, das New York des nahen Ostens – unbändige Lebensfreude, offen, tolerant und verdammt laut. Auch nicht wirklich leise geht es in Jerusalem zu – drei Weltreligionen auf engstem Raum, hier wird Gott überall und immer gefeiert. Ein bisschen Ruhe gibt’s am Toten Meer, wie lange noch steht in den Sternen, das einzigartige Naturwunder verschwindet jedes Jahr ein bisschen mehr. Kulinarisch ist Israel ein absolutes Highlight. Die israelische Küche ist so vielfältig wie die Israelis selbst. Filmautorin Natascha Rhein und Kameramann Steffen Heyermann erleben Israel in sieben Tagen auf eigene Faust – eine Reise zum Miterleben und Nachreisen.

Sa., 25. Sep · 00:30-00:55 · ARD-alpha
Freitagnacht Jews mit Daniel Donskoy

Dinner und Diskurs mit Daniel Donskoy – heute bei „Freitagnacht Jews“ zu Gast: der Publizist Max Czollek. Bei Rote-Bete-Suppe und Pfeffi besprechen sie, was es heute bedeutet, jüdisch in Deutschland zu sein. Immer freitags, am jüdischen Feiertag Schabbat, hat Daniel Donskoy Gäste. Beim gemeinsamen Essen sprechen sie über ihr jüdisches Leben und Erleben. Kontrovers, provokant, aber mit Sinn für Humor: In „Freitagnacht Jews“ spricht der Schauspieler mit seinen Gästen über das Jüdischsein und über Integration. Die Erfahrungen damit sind unterschiedlich. Aber am Ende steht vor allem eines: Verständnis füreinander zu entwickeln und eine neue Perspektive auf das Wort „Jude“ zu werfen.

So., 26. Sep · 09:45-10:15 · SWR
Jung, jüdisch, weiblich – Die selbstbewusste Generation

„Ich möchte in keine Schublade gesteckt werden, aber das passiert gerade in Deutschland immer wieder!“ Linda Rachel Sabiers ist eine meinungsstarke Frau. Jüdin, Bloggerin, Autorin. Helene lässt sich gerade zur Rabbinerin ausbilden. Rina ist angehende Grundschullehrerin, alleinerziehend und lebt in einer streng orthodoxen Gemeinde. Was bedeutet es heute, als junge Frau das Judentum in Deutschland zu leben? Dieser Frage geht „Echtes Leben“ gemeinsam mit drei Frauen nach. „Wenn ich erzähle, dass ich mich zur Rabbinerin ausbilden lasse, schauen die Leute mich oft völlig ungläubig an. Ja, ich mache das, ja, ich bin eine Frau, ja, es gibt noch nicht so viele von mir.“ Helene ist 23 Jahre alt und bezeichnet sich als liberale Jüdin. „Ich bin fest vom Judentum überzeugt, ich könnte mir nicht vorstellen, nicht nach den jüdischen Traditionen zu leben, aber ich engagiere mich genauso für queeres Judentum.“ Besonders die Begeisterung junger Menschen für ein modernes Reformjudentum liegt Helene am Herzen: „Ich möchte jüdisches Leben in Deutschland gestalten – auch außerhalb fester Gemeindestrukturen“. Wie schwer wiegt die Tradition, was bedeutet Glaube? Jede dieser Frauen lebt das Judentum anders, aber alle fühlen sich den Traditionen verpflichtet. „Ich bedecke ganz klar meine weiblichen Reize. Ich trage immer Röcke oder Kleider. Aber ich bin auch modisch.“ Rina ist 28 Jahre alt und lebt als gläubige Jüdin in einer streng orthodoxen Gemeinde. Und das obwohl sie bereits geschieden und alleinerziehende Mutter ist. „Das war nicht einfach. Eine Scheidung ist nach wie vor eher selten im orthodoxen Judentum. Ich habe meinen Mann nur wenige Male vorher durch das Engagement meines Berliner Rabbiners kennengelernt. Wir haben dann sehr schnell geheiratet.“ Die Perücke, die sie als verheiratete Jüdin damals trug, liegt immer noch in ihrem Schrank. „Ich werde wieder Perücke tragen, wenn ich noch Mal heirate, und das habe ich fest vor.“ Linda Sabiers wurde bekannt durch ihre Kolumne über jüdisches Leben im Magazin der Süddeutschen Zeitung. „Klar habe ich mich gefragt: Soll ich das machen? Ich will ja nicht immer die Rolle der Dauerjüdin spielen, aber andererseits kann ich ja auch nur mit Vorurteilen aufräumen, wenn ich mich selbst beteilige.“ Die 36-Jährige hat einen Schweizer geheiratet, den sie über Tinder kennengelernt hat. Beide haben eine klare Absprache: „Mein Mann Noa durfte die Einrichtung der Wohnung übernehmen, dafür muss er mit mir die jüdische Tradition leben. Freitags ist Shabbat und das genieße ich auch.“ Der kleine „Regelverstoß“, einen Nichtjuden zu heiraten, hat in Lindas Familie bereits Tradition. Auch ihr Vater ist nicht-jüdisch, lebt aber, seit er mit ihrer Mutter verheiratet ist, zu Hause nach jüdischem Brauch. „Da haben die Frauen tatsächlich klar die Macht. Du wirst nur Jude, wenn deine Mutter jüdisch ist. Ansonsten ist es aber so, dass ich die Rolle der Frau im orthodoxen Judentum immer noch problematisch finde. Aber ich würde nicht darüber urteilen. Das muss jede selbst wissen.“ Ein Lieblingsthema mit ihrer besten Freundin Deborah Feldman, die durch ihre Flucht aus der ultraorthodoxen Gemeinde in New York und ihrem Buch „Unorthodox“ weltberühmt wurde. Drei Frauen, drei unterschiedliche Modelle, den jüdischen Glauben und die Tradition zu leben. Sie alle spiegeln die junge Generation von Jüdinnen, die selbstbestimmt ihren Weg geht. Alle eint der Wunsch, besser verstanden zu werden, alle eint die Befürchtung, dass die gesellschaftlichen Anfeindungen eher zu als abnehmen.

Mo., 27. Sep · 01:15-02:50 · HR
Die Oslo-Tagebücher

Der Film dokumentiert zum ersten Mal, was wirklich bei den geheimen israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen in Norwegen 1992/93 geschah. Die Dokumentation erzählt exklusiv aus der Sicht der wichtigsten Akteure, wie es zum Friedensabkommen von Oslo kam, und fragt nach den Ursachen für das Scheitern der anschließenden Verhandlungen. Ein packender Politthriller, für den die ergreifenden persönlichen Aufzeichnungen der damals Beteiligten genutzt werden konnten. Zudem ist noch nie gezeigtes Archivmaterial zu sehen. Am 10. Dezember 1994 erhielten Israels Ministerpräsident Rabin, sein Außenminister Peres und PLO-Chef Arafat in Oslo den Friedensnobelpreis für ihre Bemühungen im Friedensprozess. In Oslo hatte man sich in geheimen israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen angenähert. Frieden schien möglich. Der Dokumentarfilm von Mor Loushy und Daniel Sivan erzählt die wahre Geschichte jener Akteure, die damals versuchten, Frieden zu schaffen. Im September 1993 gaben sich Israels Ministerpräsident Yitzchak Rabin und Jassir Arafat, Chef der palästinensischen Befreiungsbewegung, auf dem Rasen des Weißen Hauses die Hände. Eine historische Geste der Versöhnung: Zwei erbitterte Feinde präsentierten sich als Partner. Im Vertrag von Oslo hatten sie sich verpflichtet, gemeinsam eine Lösung des Konflikts zu finden. Unter strikter Geheimhaltung war er in Norwegen ausgehandelt worden. Von einer Gruppe mutiger Unterhändler, zwei israelischen Professoren und drei PLO-Mitgliedern. Die ehemals erbitterten Feinde einte die Überzeugung, dass das Blutvergießen auf beiden Seiten endlich gestoppt werden müsse. Die internationale Koproduktion „Die Oslo Tagebücher“ dokumentiert zum ersten Mal, was wirklich bei den geheimen israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen in Norwegen 1992/93 geschah. Der Dokumentarfilm erzählt exklusiv aus der Sicht der wichtigsten Akteure, wie es zu diesem Friedensabkommen kam, und fragt, warum sich die Hoffnungen von Oslo nicht erfüllten. Für den packenden Politthriller konnten die Autoren Mor Loushy und Daniel Sivan die ergreifenden persönlichen Aufzeichnungen der damals Beteiligten nutzen. Wie in ihrem vorigen, preisgekrönten Film „Censored Voices“ arbeiten sie mit noch nie gezeigtem Archivmaterial.
Bild oben: Rabin und Arafat geben sich nach der Unterzeichnung des Oslo II-Abkommens im weißen Haus (1995) die Hände. © hr/rbb/OHAYON AVI

Di., 28. Sep · 22:10-22:55 · MDR
Nazi-Karrieren in der DDR?

„Die Nazis waren doch alle im Westen“ – dies war und ist häufig die landläufige Meinung über den Verbleib nationalsozialistischer Täter und Mitläufer nach dem Zweiten Weltkrieg. Sind aber tatsächlich alle Nazis, die sich in der SBZ und der DDR aufhielten, ihren gerechten Strafen zugeführt worden oder frühzeitig in den Westen gegangen? Oder gab es auch in den Biografien manches Ostdeutschen braune Schatten? Schlagzeilen aus den letzten Jahren: Die Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen ermittelt in neuen Fällen gegen ehemaliges KZ-Personal, wohnhaft in West- wie in Ostdeutschland. In Neubrandenburg steht ein ehemaliger KZ-Sanitäter vor Gericht und in Halle ermittelt man lediglich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr gegen einen in der DDR hochgeachteten Statistikprofessor, der als SS-Mann im KZ Auschwitz diente. Warum hatten diese Männer ausgerechnet in der antifaschistischen DDR keine Verfolgung zu fürchten? Eine wichtige Rolle beim Verdrängen und unter Verschluss halten von braunen Vergangenheiten spielte die Stasi. Eine Sonderabteilung, untergebracht in einer Villa in Hohenschönhausen, beherbergte das sogenannte „Nazi-Archiv“ – über zehn Kilometer Aktenregale mit Material für den Propagandakampf gegen den Westen, aber auch mit Informationen über die eigenen Alt-Nazis. Warum wurden einige öffentlichkeitswirksam verfolgt, andere absichtlich nicht? Ausgerechnet der staatlich verordnete Antifaschismus entpuppt sich in der Nachschau als ein wesentliches Hemmnis der Aufarbeitung und Strafverfolgung. Der Film von Christian Schulz und Claudia Gründer wirft einen kritischen Blick auf den „einzigen antifaschistischen deutschen Staat“ und auf dessen tatsächlichen Umgang mit Alt-Nazis, NSDAP-Mitgliedern, Mitläufern und Kriegsverbrechern, kurz: mit dem braunen Erbe in der DDR.

Mi., 29. Sep · 05:00-06:20 · arte
Musik in Zeiten von Krieg und Revolution (3/3) Macht und Musik

Die große zukunftsträchtige Katastrophe von 1914, der Beginn des Ersten Weltkriegs, war nicht bloß ein Umbruch für Politik und Gesellschaft. Die Musik hatte ihre politische Unschuld verloren. Aber kann Musik politisch sein? Schon im 19. Jahrhundert hatte eine wachsende Zahl von Komponisten und Musikern begonnen, politische Vorstellungen zu übernehmen, und bis heute positionieren viele Musiker sich politisch. Der dritte und letzte Teil der Dokumentationsreihe begibt sich auf die Suche nach den politischen Aspekten von Musik und verbindet dabei historische Beispiele mit der Gegenwart. Er setzt sich mit verschiedenen Standpunkten der politischen Momente in der Musik auseinander und beginnt den Dialog mit renommierten Künstlern wie dem Dirigenten Valery Gergiev, der venezolanischen Pianistin Gabriela Montero oder der deutsch-britischen Cellistin Anita Lasker-Wallfisch, einer der letzten Überlebenden des Frauenorchesters von Auschwitz.

Mi., 29. Sep · 20:15-21:15 · 3sat
3satThema: Schwarz.Weiß.Afropäisch – Woher kommst du eigentlich? Schwarze in Deutschland

„Woher kommst du eigentlich“ – so lautet eine der häufigsten Fragen, die Schwarze in Deutschland gestellt bekommen. Ebenso üblich ist der Griff ins Haar. Vorurteile, Ignoranz und Rassismus prägen bis heute den Alltag schwarzer Deutscher beziehungsweise Europäer. Wie gehen Afrodeutsche mit ihrer Geschichte um? Welche kolonial-rassistischen Muster prägen auch heute noch unsere Gesellschaft? Die Dokumentation zeigt die wichtigsten Meilensteine: Wann und warum kamen Afrikanerinnen und Afrikaner nach Europa, und welche Interessen standen im Vordergrund? Welche Rolle spielten Schwarze während der Weltkriege, und wie war der Umgang mit Afrodeutschen nach dem Nationalsozialismus? Durch Einblicke in verschiedene historische Zeiten wird klar, dass es nicht DIE Geschichte der Schwarzen gibt. Nicht DIE Geschichte der Weißen. Es ist eine verwobene Geschichte, die unsere Gegenwart prägt. Erst wenn man die verschiedenen Perspektiven aller erkennt und erzählt und die Abhängigkeiten offenlegt, wird deutlich, wieso der Umgang mit unterschiedlichen Hautfarben bis heute problematisch sein kann. Deutschland rühmt sich, „sehr spät und nur kurz“ Kolonien gehabt zu haben. Doch viele Mitteleuropäer, darunter auch Deutsche, Schweizer und Österreicher, beteiligten sich schon früh am außereuropäischen Handel. Der Reichtum und Aufstieg europäischer vermeintlicher Wohltäter ist eng mit dem Dreieckshandel und damit mit dem Sklavenhandel des 17. bis 19. Jahrhunderts verbunden. Die Hocharistokratie „hielt“ sich schwarze Kammerdiener, die zwar gut angezogen, aber bei genauerer Betrachtung geraubte Kinder waren und als Erwachsene im besten Fall Sklaven im goldenen Käfig. Nach dem Ersten Weltkrieg mussten die Deutschen ihre Kolonien abgeben. Als die Franzosen mit ihren Schwarzen Kolonialsoldaten 1919 das Rheinland besetzten, war die Kränkung der Deutschen groß. Der Volkszorn brach in einer nie dagewesenen Verleumdungswelle über die „Schwarze Schmach“, die ein Bild des „schwarzen Vergewaltigers“ heraufbeschwor. Die so geschürte Angst vorm „schwarzen Mann“ wirkt bis heute, so der Historiker Prof. Dr. Jürgen Zimmerer. Wenig Deutsche kennen diese Geschichte. Die Bestsellerautorin und Journalistin Alice Hasters analysiert die damalige Situation wie folgt: „Das ist eben ein sehr fataler Umgang mit Aufarbeitung von rassistischer Geschichte, Geschichte von Unterdrückung. Weil diese Dinge, wenn man denkt – ach ja, wir können sie einfach vergessen, ohne dass wir sie richtig aufgearbeitet haben, dann ist es so, als ob man so eine Saat legt und irgendwie hofft, dass nie wieder Regen drauf fällt.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg war es wieder so weit. Diesmal waren es die afro-amerikanischen Soldaten, die kamen und mit den deutschen weißen Frauen fraternisierten. Die deutsche Gesellschaft konnte sich aber auch im 20. Jahrhundert, nach dem Zweiten Weltkrieg, nicht vorstellen, wie sie mit schwarzen deutschen Kindern dieser Beziehungen umgehen könnte. Viele Kinder wurden ins Ausland adoptiert oder zumindest in Kinderheimen von der restlichen weißen Bevölkerung getrennt. Deutsch und schwarz sein war in den 1950er-Jahren für die Mehrheitsgesellschaft nicht vorstellbar. Die Historikerin Yara-Colette Lemke Muniz de Faria hat sich jahrelang mit diesen Kindern der Besatzungssoldaten beschäftigt. Ihr Fazit: „Es war eine durch und durch biologistische rassistische Sichtweise auf diese Kinder. Und sie wurden mit allen Attributen belegt, die Jahrhunderte alt sind.“ Die Filmemacherin Claire Wilisch trägt die facettenreiche Geschichte zusammen und zeigt anhand von Archivmaterial Einzelschicksale und Familiengeschichten kolonialer und euro-afrikanischer Zusammenhänge auf. Gleichzeitig schlägt sie den Bogen ins Heute und beleuchtet das Entstehen und Wachsen der „Schwarzen Community“ und ihrer Anliegen in Deutschland.

Mi., 29. Sep · 21:15-22:00 · 3sat
3satThema: Schwarz.Weiß.Afropäisch – Die Macht der Vorurteile

Menschen jeglicher Hautfarbe und Herkunft sind im Erbgut zu mehr als 99,99 Prozent gleich. Dennoch ist Rassismus im vermeintlich aufgeklärten Deutschland tief verwurzelt. Woran liegt das? Rassistische Denkmuster werden von Menschen und Institutionen reproduziert und durch digitale Technik verstärkt. Sie werden, wie andere kulturelle Verhaltensmuster auch, sehr früh übernommen. Doch weil Rassismus gelernt ist, kann er auch wieder verlernt werden. Grundvoraussetzung dafür ist, dass wir strukturellen Rassismus als gesamtgesellschaftliches Phänomen anerkennen und bereit sind, uns intensiv damit auseinanderzusetzen. Die Bildersuche bei Twitter und Google bevorzugt weiße Menschen. Die Gesichtserkennung von Mobiltelefonen kann Asiatinnen nicht voneinander unterscheiden, und Automaten der Bundesdruckerei scheitern daran, biometrische Fotos von Schwarzen zu erstellen. Ähnlich sieht es in der Medizin aus: Fast alle Symptome werden in der Fachliteratur und in Vorlesungen an weißen Menschen abgebildet und beschrieben. Viele Krankheiten werden bei Schwarzen und „People of Color“ später diagnostiziert. Diese erhalten bei gleicher Diagnose niedriger dosierte Schmerzmedikamente, und sie werden ärztlich weniger gut betreut. Die Folge ist eine höhere Sterblichkeit – das zeigt auch die aktuelle COVID-19-Pandemie. Dass Menschen unterschiedlich aussehen, ist eine Folge von Migration und der Anpassungsfähigkeit des Homo sapiens an eine neue Umwelt – und kein Ausdruck von genetischer Andersartigkeit. Menschliche „Rassen“ gibt es nicht, deshalb soll der Begriff aus dem Grundgesetz gestrichen werden. „People of Color“ oder „Menschen of Color“ beschreibt Individuen und Gruppen, die aufgrund körperlicher und kultureller Fremdzuschreibungen der weißen Dominanzgesellschaft als „anders“ definiert werden und so vielfältigen Formen von Rassismus ausgesetzt sind. Wissenschaftliche Studien und Schilderungen von Schwarzen, Musliminnen und Muslimen und anderen „People of Color“ über Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, im Berufsleben, in der Schule und bei Polizeikontrollen dokumentieren dies. Die Annahme einer weißen Überlegenheit ist kein Problem am Rand unserer Gesellschaft, sondern selbst bei Menschen, die erklärtermaßen nicht rassistisch sein möchten, durch Mainstream-Rollenbilder in Schule und Medien geprägt. Wenn wir uns der Vorurteile bewusst werden, kann es gelingen, ihre Macht zu brechen und Rassismus zu „verlernen“.