Die neuen Fernsehtipps

Vom 1. bis 15. September 2021…

Mi., 1. Sep · 20:15-21:45 · 3sat
Kinder des Krieges

Im Mai 1945 endete mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa. Noch leben Angehörige der Generation, die diesen Krieg miterlebten. Zeitzeugen, die in Bombenkellern saßen, zum Volkssturm eingezogen wurden, mit ihren Eltern vor der Front flohen. Diese Zeitzeugen und ihre Erinnerungen stehen im Zentrum des Films. „Kinder des Krieges“ erzählt das Schlüsseljahr 1945 aus der Sicht der Kinder. Noch Wochen nach dem 8. Mai 1945 habe er sich in Panik auf die Erde geworfen, wenn irgendwo am Himmel ein Flugzeug erschien, berichtet Paul Diefenbach (damals 7 Jahre alt) aus Köln. Bis heute würde er davon träumen, dass der im Krieg vermisste Vater wieder in der Tür erscheint, erzählt Alois Schneider (12) aus dem Saarland. Als sie die ersten Bilder aus den KZs zu sehen bekam, habe sie sich ihrer BDM-Uniform geschämt und später begonnen, Geschichte zu studieren, erzählt Elfie Walther (17) aus Delmenhorst. Die Aussagen der Zeitzeugen machen deutlich: Unser Bild vom Jahr 1945 ist rückblickend geschönt. Geschönt von der Vorstellung des nahen Kriegsendes. Geschönt von der Vorstellung, dass am 8. Mai 1945 aller Schrecken endet. Aus Sicht derjenigen, die damals Kinder waren, stellt sich das Jahr 1945 anders dar: Zwar ist das Ende des Krieges bereits im Januar 1945 absehbar, doch niemand kann sicher sein, dieses Ende auch zu erleben. Fast alle der für diesen Film interviewten Personen haben in diesem Jahr 1945 traumatische Erfahrungen gemacht: Sie haben Hinrichtungen und Selbstmorde mitangesehen, Bombenangriffe erlebt und Vergewaltigungen ertragen. Sie drohten zu verhungern. Sie haben beim Spielen in Ruinen mit Blindgängern hantiert und dabei ihr Leben riskiert. Sie haben gesehen, wie ihre Eltern sich der Parteiabzeichen, der Hitlerbilder, der Hakenkreuzwimpel und Fahnen entledigten. Sie wurden vorgeschickt, um die ersten alliierten Soldaten zu begrüßen, während die Eltern ängstlich hinter den Gardinen lauerten. Zusammen mit ihren Eltern wurden sie durch die befreiten Konzentrationslager geschleust, um zu erkennen, welche Verbrechen in den Jahren des Nationalsozialismus geschehen waren. Nach dem Krieg haben viele über das Erlebte geschwiegen, um die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Es sind unsere Mütter und Väter, unsere Großmütter und Großväter.

Mi., 1. Sep · 20:45-21:15 · MDR
Extrem (und) unter Druck – Die AfD im Superwahljahr

Fünf Landtagswahlen, eine Bundestagwahl – 2021 ist ein Superwahljahr, und das in Pandemiezeiten. Für die AfD ist es ein Jahr unter massivem Druck: Straßenwahlkampf unter Hygieneauflagen, erhebliche Stimmenverluste bei den Landtagswahlen in Westdeutschland, leichte Verluste auch in Sachsen-Anhalt, der innerparteiliche Macht- und Lagerkampf spitzt sich zu, über der Partei schwebt das Damoklesschwert einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz – der Druck wächst. Wie versucht die AfD gegenzusteuern? Wie will sie das große Thema Corona für sich nutzen? Welche anderen Themen versucht sie zu setzen? Der Film analysiert Strategie und Wahlkampf der AfD, von den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, über die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bis hin zum Bundestagswahlkampf im Sommer. Die Reporter sprechen mit Parteifunktionären und suchen das Gespräch mit der Anhängerschaft der AfD. Ein ehemaliger AfD-Mitarbeiter, der mit mehreren Führungspersönlichkeiten der Partei in Ostdeutschland eng zusammengearbeitet hat, spricht erstmals vor einer Fernsehkamera und gibt Einblicke in die Methoden und inneren Machtverhältnisse der Partei. Zudem wertet das Reporterteam zusammen mit Wissenschaftlern und Datenjournalisten Millionen von Postings und Kommentaren in sozialen Netzwerken aus: Wie agiert die AfD im Netz? Welches Echo erzeugt sie? 2021 wird zeigen, ob die AfD ihr Wählerpotenzial halten kann. Erfolge und Misserfolge bei den Wahlen heizen zudem den innerparteilichen Machtkampf an: Hier das Meuthen-Lager, das der Partei verbale Mäßigung verordnen will, um anschlussfähig zu werden und eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu verhindern. Dort die Vertreter des rechtsextremistischen sogenannten Flügels, die vor allem in der ostdeutschen AfD schon jetzt den Ton angeben.

Do., 2. Sep · 02:55-03:20 · MDR
Leahs jüdisches Leben in Dresden

Leah ist zehn Jahre alt, wohnt in Dresden und ist Teil einer jüdisch-italienisch-sächsischen Familie. Da ihre Mutter Jüdin ist, wurde auch Leah als Jüdin geboren. Obwohl die Familie nicht streng gläubig ist, ist Leah mit vielen jüdischen Traditionen vertraut. Ein wichtiges Ritual für ihre Familie ist der Schabbat am Freitag, wo alle Familienmitglieder gemeinsam essen und singen. An diesem Tag sind in der Familie bestimmte Lebensmittel nicht erlaubt, Milch- und Fleischprodukte werden getrennt zubereitet und gegessen. An den anderen Tagen in der Woche isst Leahs Familie ganz normal, vorwiegend italienisch, da Mama Italienerin ist und das allen am besten schmeckt. Seit kurzem lernt Leah hebräisch und liest in der Thora, die so etwas wie die Bibel bei den Christen ist. In ihrer Schule ist Leah das einzige jüdische Kind und beantwortet ihren Mitschülern regelmäßig Fragen zu ihrer Religion. Gerade wurde sie in den Kinderchor der Semperoper aufgenommen und kann dort nun ihre Liebe zur Musik richtig ausleben. Auch zu Hause singt sie viel und wird dabei oft von ihrem Vater am Klavier begleitet. Am Mischpoke-Tag der Jüdischen Woche in Dresden will Leah nun erstmals jüdische Lieder öffentlich singen. Ihre ganze Klasse ist eingeladen, die hebräischen Texte sitzen noch nicht richtig und auch bei der Melodie hakt es immer noch. Leah fiebert ihrem Auftritt mit gemischten Gefühlen entgegen – hoffentlich geht alles gut!

Do., 2. Sep · 22:55-23:40 · 3sat
Die Rothschilds – Die Macht der Banker

Rothschild und die europäischen Herrscherhäuser – das war eine historische Symbiose. Ihr Bankenimperium machte Politik. Wie groß war ihr Einfluss wirklich? Böse Geister unterstellten ihnen, über Krieg und Frieden mitzuentscheiden. Von der Schlacht bei Waterloo bis zum Suezkanal stand ungeschrieben der Name Rothschild drauf. Später wurden die Rothschilds zur Projektionsfläche für antijüdische Verschwörungstheorien. So ist die – bisher medial nicht geschehene – Aufarbeitung der Frage, wie groß der politische Einfluss der Rothschilds wirklich war, ein längst fälliger Beitrag zur Aufklärung über angeblich geheime Netzwerke: Thesen, Theorien und Gerüchte, die bis heute aus manchen Köpfen nicht wegzubekommen sind und denen nur mit einem fundierten und differenzierten Blick beizukommen ist. Die Vernetzung der Familie mit den großen Fürstenhäusern ist untrennbar verbunden mit ihrem Aufstieg zu Europas wichtigstem Finanzdienstleister. Indem die Rothschilds den Habsburgern und den Hohenzollern die Steigbügel hielten, traten sie in die Fußstapfen etwa der Fugger, die dieses Spiel schon in der frühen Neuzeit perfektioniert hatten. Anders als sämtliche anderen aufstrebenden Familien nach den Rothschilds verstanden diese sich nicht als Teil jener „zweiten Gesellschaft“, also der Neureichen, die ihren neuen Wohlstand mit Protz und Prunk zeigen mussten. Mehr rechneten sich die Rothschilds dem alten Adel zu, der es nicht notwendig hatte, von sich etwas preiszugeben. Aber auch das waren sie nicht. Sie hatten nur ein Jahrhundert vor den meisten anderen begonnen, ihren Aufstieg zu planen und zu betreiben. Privatheit hieß daher bei den Rothschilds etwas anderes als bei der Ringstraßen-Prominenz des 19. Jahrhunderts. Man schirmte sich ab, ließ niemanden, der nicht standesgemäß war, einblicken. Pregny ist daher heute mehr als nur ein Schloss. Hier kann man sich einen Blick durch das historische Schlüsselloch erlauben und diese Familie so sehen, wie sie sich nur sich selbst und ihresgleichen gezeigt hat. Hat Rothschild die mitteleuropäischen Mächte sozusagen am Gängelband gehabt? Haben sie Habsburg und Hohenzollern erlaubt, ihr überfälliges Ende über Jahrzehnte hinauszuzögern? Haben sie mit ihrem Geld an der europäischen Landkarte mitgezeichnet, indem sie Frieden erhielten oder Krieg lostraten, wo immer es ihren geschäftlichen Interessen diente? Entsprechen solche ressentimentgeladenen Fragen der historischen Wirklichkeit?

Do., 2. Sep · 23:30-00:50 · SWR
Liebe war es nie

Der Dokumentarfilm erzählt die unglaubliche, aber wahre Liebesgeschichte zwischen einem SS-Offizier und einer jüdischen Gefangenen, die in Auschwitz beginnt und 30 Jahre später in einem Wiener Gerichtssaal endet. Helena Citron war eine der ersten 1000 Frauen, die nach Auschwitz deportiert wurden, Franz Wunsch ein junger SS-Offizier, im Lager für sein brutales Verhalten bekannt. Schon bald findet Helena Trost und Schutz bei ihm, der sich in ihre schöne Gesangsstimme verliebt. Besonders ein Lied soll sie immer wieder für ihn singen: „Liebe war es nie“. Es ist eine unglaubliche, aber wahre Liebesgeschichte zwischen einem SS-Offizier und einer jüdischen Gefangenen, zwischen einer Gefangenen und einem Fänger, die in Auschwitz beginnt und 30 Jahre später in einem Wiener Gerichtssaal endet. Helena Citron war eine der ersten 1000 Frauen, die nach Auschwitz deportiert wurden, Franz Wunsch ein junger SS-Offizier, im Lager für sein brutales Verhalten bekannt. Schon bald findet Helena Trost und Schutz bei ihm, der sich in ihre schöne Gesangsstimme verliebt. Besonders ein Lied soll sie immer wieder für ihn singen: „Liebe war es nie, denn Du hast leider doch kein Herz, Liebe war es nie, es war ein Scherz“. Trotz des Risikos einer Exekution im Falle einer Aufdeckung dieser Beziehung dauert sie bis zur Befreiung von Auschwitz an. Als jedoch 30 Jahre später ein Brief von Wunschs Ehefrau eintrifft, in dem sie Helena um eine Aussage zu Wunschs Gunsten bittet, wird sie mit einer unmöglichen Entscheidung konfrontiert: Wird sie dem Mann helfen, der so viele Leben auf dem Gewissen hat, der das Leben von Helena und ihrer Schwester Rosa gerettet hat, jedoch nicht das ihrer beiden kleinen Kinder? In „Liebe war es nie“ erzählt die israelische Filmemacherin Maya Sarfaty mit Sorgfalt von einer Liebe, die es nicht geben durfte und die es dennoch gab. Es ist das umfassend recherchierte Filmdokument der Aufarbeitung einer ungewöhnlichen Paarbeziehung, die ein Schlaglicht wirft auf konkrete historische Schicksale. Franz Wunsch fertigte in Auschwitz zahlreiche Fotomontagen an – Helena in schöner Kleidung vor idyllischer Landschaft. Sie zeigen ein Leben, wie er es sich vorstellte, in dem es kein Lager gibt. Bis zur Befreiung von Auschwitz im Januar 1945 führt er akribisch Tagebuch, schreibt viele Jahre danach Briefe an sie, die unbeantwortet bleiben. In den 90er-Jahren zeichnet Wunschs Tochter Dagmar ein Gespräch mit ihm über diese Zeit auf Video auf. Auf diesen Dokumenten basiert die dokumentarische Erzählung, mit ihnen gestaltet Maya Sarfaty visuell eigenständig ihren künstlerischen Dokumentarfilm. Anhand der Geschichte eines Opfers und seines Scharfrichters hinterfragt der Film Moralität, Ethik, Liebe und Schuld. Das Prisma dieser Geschichte ermöglicht einen kompromisslosen Einblick in die Auschwitz-Routine, die dort begangenen Gräueltaten, die aktive Todesfabrik. Er erzählt auch von dem Kraftaufwand, der für den Aufbau eines neuen Lebens danach benötigt wurde, und wie die nachfolgende Generation damit leben muss. Zu Wort kommen Helenas Sohn, ihre Nichte und die Tochter von Franz Wunsch sowie Überlebende der ersten 1000 Frauen in Auschwitz, die damals mit Helena im Lager gefangen gehalten wurden und im Film von ihren Erlebnissen und Erfahrungen erzählen.

Mo., 6. Sep · 18:50-18:54 · MDR
Gedanken zu Rosch Haschana

Im Spätsommer oder Frühherbst feiern die Juden Rosch Haschana, das jüdische Neujahrsfest. Neujahr im Frühherbst, wie kann das sein? Die Juden haben ihre eigene Zeitrechnung, ihren eigenen Kalender. Weshalb das so ist und wie der Jüdische Kalender berechnet wird – das erklärt Felix Seibert-Daiker.

Do., 9. Sep · 22:15-22:45 · WDR
Frau tv

Thema u.a.: Jung, deutsch, jüdisch – Esther möchte Juden ein Gesicht geben – nicht denen aus Geschichtsbüchern, sondern den jungen Menschen, die heute in Deutschland leben. Sie ist 36 Jahre alt, hat zwei Kinder und ist deutsche Jüdin mit russischen Wurzeln. Esther zeigt uns, wie sie lebt und aufgewachsen ist.

Sa., 11. Sep · 00:30-02:00 · 3sat
Die Rückkehr des Tanzlehrers (2/2)

Molins Nachbar, der jüdische Stargeiger Jonas Andersson, wird getötet. Während die örtliche Polizei von einem Doppelmord ausgeht, stößt Molins Exkollege Lindman auf ein brisantes Geheimpapier. Es weist seinen verstorbenen Kollegen als Mitglied einer militanten neonazistischen Organisation aus, deren Einfluss bis in die Spitzen der schwedischen Gesellschaft reicht. Um unerkannt zu bleiben, hetzen sie Lindman einen Killer auf den Hals. Zweiter Teil der zweiteiligen Henning-Mankell-Verfilmung „Die Rückkehr des Tanzlehrers“ von Urs Egger, die mit Stars wie Veronica Ferres, Tobias Moretti und Maximilian Schell hervorragend besetzt ist.

So., 12. Sep · 01:30-03:00 · NDR
Die Falle 9/11 – Ein Tag, der die Welt veränderte

Die Anschläge vom 11. September 2001 wirken auch heute noch nach: NATO-Soldaten kämpfen in Afghanistan, im Irak sind US-Soldaten stationiert und Terrorverdächtige werden mit fragwürdigen Methoden gejagt. All das schädigt das Ansehen der USA und ihrer Verbündeten. Vielleicht war aber genau das das Ziel der Anschläge? Dieser Frage gehen die Autoren der Dokumentation nach. Sie sprachen mit verantwortlichen Politikern und Militärs. Am frühen Morgen des 1. Mai 2011 endete in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad ein US-amerikanisches Trauma. US-Spezialeinheiten spürten den meistgesuchten Mann der Welt auf und töteten ihn: al-Qaida-Chef Osama Bin Laden. Damit endete die zehnjährige Jagd nach jenem Mann, der die größte Militärmacht der Welt herausgefordert hatte. Der Krieg gegen den Terror aber geht auch nach Bin Ladens Tod weiter, in Afghanistan, im Irak und anderswo. Bin Laden war der Drahtzieher eines Terroranschlags, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte: Im Abstand von 17 Minuten flogen am 11. September 2001 zwei Linienjets erst in den einen, dann in den anderen, zweiten Turm des World Trade Center in New York. Eine weitere Maschine stürzte in das Pentagon in der Nähe der US-Hauptstadt Washington. Mehr als 3000 Menschen starben. Zehn Jahre danach untersuchen Stefan Aust und Detlev Konnerth in ihrer Dokumentation, was nach dem 11. September 2001 geschah und wie dieser Anschlag die Welt veränderte. Sie sprachen mit den verantwortlichen Politikern und Militärs, darunter Deutschlands Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der frühere US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Die Autoren filmten unter anderem in den USA, in Pakistan und Afghanistan, wo sie Soldaten der Bundeswehr und der US-Truppen begleiteten. Ihr Fazit: Osama bin Laden hat die westlichen Demokratien in eine Falle gelockt, in die Afghanistan-Falle. „al-Qaida verfolgt das Ziel, die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in blutige Kriege zu verwickeln, um sie dazu zu zwingen, den Nahen Osten und die ganze islamische Welt zu verlassen und damit Platz zu schaffen für den Gottesstaat“, erklärt der Nahost-Experte Bruce Riedel, der den US-Präsidenten Clinton, Bush und Obama als Berater diente, im Interview mit Stefan Aust. 19 zu allem entschlossene Gotteskrieger, bewaffnet lediglich mit vier Teppichmessern, hatten es geschafft, die Weltordnung zu verändern und den ersten Weltkrieg im 21. Jahrhundert auszulösen. Einen Krieg, in den sich die westlichen Nationen in den vergangenen zehn Jahren mehr und mehr verstrickten. Damit war die Strategie der Terroristen aufgegangen. „Freiheit und Menschenrechte sind in Amerika dem Untergang geweiht“, hatte bin Laden schon im Oktober 2001 erklärt. „Die US-Regierung wird das amerikanische Volk und den Westen in eine unerträgliche Hölle treiben.“ Der frühere Koordinator für Nationale Sicherheit und Anti-Terrorismus-Berater Richard A. Clarke gibt im Interview mit Aust detaillierte Einblicke, wie die US-Politik schon früh den irakischen Diktator Saddam Hussein ins Visier nahm. „Bush schaute mir direkt in die Augen, fuchtelte mit seinen Händen herum und rief: ‚al -Qaida-Irak, al-Qaida-Irak´“, berichtet Clarke von einem Treffen mit dem US-Präsidenten am Tag nach den Anschlägen. „Es war klar, dass er einen Beweis forderte, dass der Irak mit dem 11. September zu tun hatte. Ich war nicht bereit, ihm diesen zu liefern, denn es gab keinen.“ Der 11. September 2001 war der Auftakt für eine globale Welle blutiger Bombenanschläge, der Auslöser für einen Feldzug der USA und ihrer Verbündeten gegen den islamistischen Terror. Mit ihm kamen das Gefangenenlager Guantanamo und der Folterskandal von Abu Ghraib, Symbole für das „hässliche Amerika“ und damit für die Aufgabe der eigenen Werte. Mehr als 7000 Soldaten der Koalition waren bis dato in Afghanistan und im Irak gefallen, darunter auch über 50 Soldaten der Bundeswehr. Und nicht nur die Angehörigen, sondern auch viele Soldaten fragen sich: Wofür sind sie gestorben?

So., 12. Sep · 12:10-12:40 · arte
Abenteuer Manuskripte – „Der Prozess“ von Franz Kafka

1924 starb der der deutschsprachige Prager Schriftsteller Franz Kafka. Kurz vor seinem Tod wies der 40-Jährige, von dem bis zu diesem Zeitpunkt nur kürzere Texte bekannt waren, seinen Freund und Nachlassverwalter Max Brod an, sämtliche Manuskripte zu vernichten. Doch Max Brod stieß auf drei Romanfragmente, die er veröffentlichte – ein Vertrauensbruch, der drei Meisterwerken der Literatur des 20. Jahrhunderts zum Durchbruch verhelfen sollte: „Der Prozess“ (1925), „Das Schloss“ (1926) und „Amerika“ (oder „Der Verschollene“, 1927).Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Prag 1939 ging Max Brod ins Exil nach Palästina. So gelangte auch das Manuskript von „Der Prozess“ dorthin. Max Brod, der 1968 starb, vererbte den Nachlass seiner Sekretärin Esther Hoffe. Diese bewahrte Kafkas Schriften in ihrem Haus in Tel Aviv auf und entschloss sich später, einen Teil davon zu verkaufen. 1988 erwarb das Deutsche Literaturarchiv Marbach beim Londoner Versteigerungshaus Sotheby’s das Manuskript von „Der Prozess“, das mit einem Verkaufspreis von rund 3,5 Millionen Mark zur teuersten Urschrift der Welt wurde.Nach Hoffes Tod 2007 erbten ihre beiden Töchter den Bestand. Die israelische Nationalbibliothek fürchtete jedoch weitere Verkäufe und focht das Erbe an. Dabei berief sie sich auf ein Gesetz, das die Ausfuhr wichtiger Archive ohne vorherige Kopie verbietet. Israel verlangte sogar vom Deutschen Literaturarchiv die Rückgabe von „Der Prozess“, allerdings ohne Erfolg. Nach einem zehn Jahre währenden Rechtsstreit mit den Hoffe-Schwestern ging der Nachlass von Kafka und Brod schließlich an die Nationalbibliothek über. Was das Manuskript von „Der Prozess“ anbelangt, so musste sich Israel mit dem Umschlag begnügen, in dem Kafka dieses seinerzeit Max Brod anvertraute.

So., 12. Sep · 17:30-17:59 · Das Erste (ARD)
Heimat gesucht! Israelis in Berlin

Vielen Israelis macht es ihr Land nicht leicht: Hin- und hergerissen zwischen ihrer Kultur und dem andauernden Konflikt samt Begleiterscheinungen, suchen sie ihr Glück in der Fremde. Auch in Berlin. Doch finden sie es hier? Welche Rolle spielt die Geschichte? Und was macht das Leben in der Diaspora mit ihrer Identität? Der Film begleitet ein gewerbetreibendes Ehepaar, das seit zehn Jahren hier lebt, eine Stadtführerin, die inzwischen 34 Jahre in Berlin zu Hause ist und ein schwules Literaten-Paar, das gerade ankommt. So verschieden sie sind, eines eint sie: die Suche nach Heimat. Mehr als acht Millionen Juden leben über den Globus verstreut in der Diaspora. Etwa so viele wie im heutigen Israel. Auch aus dem Gelobten Land selbst zieht es viele in die Fremde. Ihnen ist ihr kleines Land keine einfache Heimat: Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrer Kultur und dem andauernden Nahostkonflikt mit seinen Begleiterscheinungen, suchen sie ihr Glück woanders. Auch in Berlin. Doch finden sie es hier? Welche Rolle spielt die Geschichte? Und was macht die Fremde mit ihrer Identität? Bekommt das Jüdische hier vielleicht eine andere Bedeutung? Der Film begleitet Israelis, die zu ganz unterschiedlichen Zeiten, aus ganz unterschiedlichen Gründen nach Berlin gekommen sind: Ein gewerbetreibendes Ehepaar, eine Stadtführerin und zwei Literaten, die neu in der Stadt sind. Bei allen Unterschieden, eines eint sie: die Suche nach einem friedlichen und toleranten Ort zum Leben.
© Bild: rbb / Vielen Israelis macht es ihr Land nicht leicht: Hin- und hergerissen zwischen ihrer Kultur und dem andauernden Konflikt samt Begleiterscheinungen, suchen sie ihr Glück in der Fremde. Auch in Berlin. Der Film begleitet ein gewerbetreibendes Ehepaar, das seit zehn Jahren hier lebt, eine Stadtführerin, die inzwischen 34 Jahre in Berlin zu Hause ist und ein schwules Literaten-Paar, das gerade ankommt. – Dory Manor auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee

Mo., 13. Sep · 00:05-00:50 · ZDF
ZDF-History: Hitlers Helfer auf der Couch – Der Psychologe von Nürnberg

Wie tickten die Nazis? Dieser Frage geht der US-Psychologe Gustave M. Gilbert während des Nürnberger Prozesses nach. In intensiven Gesprächen studiert er die Psyche der Haupttäter. Gilbert kommt den NS-Größen in ihren Zellen nahe wie sonst niemand, obwohl er, wie alle Juden, einst zu ihren Todfeinden zählte. Die Aufzeichnungen seiner Dialoge ergeben ein einzigartiges Psychogramm jener Männer, die Europa und die Welt in den Abgrund stürzten. Gilberts Tagebücher geben auch einen verstörenden und bisher kaum bekannten Einblick in die Welt der Helfer Hitlers und zeigen sie immer wieder in ihrer menschlichen Erbärmlichkeit, Feigheit und Verlogenheit. Dezidiert beschreibt der Psychologe, wie die Angehörigen der NS-Führungsriege nach dem Verlust ihrer Macht und unter Anklage nun gegeneinander arbeiten und intrigieren. So kann Hermann Göring, lange Zeit der zweite Mann im NS-Staat, gegenüber Gilbert seine Abneigung für Joachim von Ribbentrop („dumm und eitel wie ein Pfau“) nicht verbergen. Der Gerichtspsychologe entlarvt immer wieder die Rechtfertigungsversuche der mächtigsten damals lebenden Funktionsträger des untergegangenen Regimes. Nun, vor Gericht, scheitern sie mit der dreisten Lüge, an führender Stelle von den Verbrechen der eigenen Schergen nichts gewusst haben zu wollen. Die Dokumentation gibt ungeschönte Einblicke in die Gedankenwelt der Jahrhundertverbrecher.

Mo., 13. Sep · 07:25-07:55 · HR
Jung, jüdisch, weiblich

Linda Rachel Sabiers ist eine meinungsstarke Frau. Jüdin, Bloggerin, Autorin. Helene lässt sich gerade zur Rabbinerin ausbilden. Rina ist angehende Grundschullehrerin, alleinerziehend und lebt in einer streng orthodoxen Gemeinde. Was bedeutet es heute, als junge Frau das Judentum in Deutschland zu leben?

Mo., 13. Sep · 22:25-00:00 · 3sat
Die Oslo-Tagebücher

Am 10. Dezember 1994 erhielten Israels Ministerpräsident Rabin, sein Außenminister Peres und PLO-Chef Arafat in Oslo den Friedensnobelpreis für ihre Bemühungen im Friedensprozess. In Oslo hatte man sich in geheimen israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen angenähert. Frieden schien möglich. Der Dokumentarfilm von Mor Loushy und Daniel Sivan erzählt die wahre Geschichte jener Akteure, die damals versuchten, Frieden zu schaffen. Im September 1993 gaben sich Israels Ministerpräsident Yitzchak Rabin und Jassir Arafat, Chef der palästinensischen Befreiungsbewegung, auf dem Rasen des Weißen Hauses die Hände. Eine historische Geste der Versöhnung: Zwei erbitterte Feinde präsentierten sich als Partner. Im Vertrag von Oslo hatten sie sich verpflichtet, gemeinsam eine Lösung des Konflikts zu finden. Unter strikter Geheimhaltung war er in Norwegen ausgehandelt worden. Von einer Gruppe mutiger Unterhändler, zwei israelischen Professoren und drei PLO-Mitgliedern. Die ehemals erbitterten Feinde einte die Überzeugung, dass das Blutvergießen auf beiden Seiten endlich gestoppt werden müsse. Die internationale Koproduktion „Die Oslo Tagebücher“ dokumentiert zum ersten Mal, was wirklich bei den geheimen israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen in Norwegen 1992/93 geschah. Der Dokumentarfilm erzählt exklusiv aus der Sicht der wichtigsten Akteure, wie es zu diesem Friedensabkommen kam, und fragt, warum sich die Hoffnungen von Oslo nicht erfüllten. Für den packenden Politthriller konnten die Autoren Mor Loushy und Daniel Sivan die ergreifenden persönlichen Aufzeichnungen der damals Beteiligten nutzen. Wie in ihrem vorigen, preisgekrönten Film „Censored Voices“ arbeiten sie mit noch nie gezeigtem Archivmaterial.

Di., 14. Sep · 00:20-01:35 · arte
Etwas das lebt und brennt

In diesem Dokumentarfilm lesen Laiendarsteller und Laiendarstellerinnen die Briefe von zum Tode verurteilten Widerstandskämpfern und Widerstandskämpferinnen aus ganz Europa. Diese Texte werden als Tonspur über Bilder aus dem heutigen Alltag geschnitten. So wird eine verstörende Verbindung zwischen dem Gestern und der Gegenwart geschaffen.Die Bilder bekommen so fast schon eine symbolische Dimension. Der Dokumentarfilm schafft eine von Lebenden und Toten bevölkerte Zwischenwelt und holt die Geister der Vergangenheit in die Gegenwart zurück. Bereits in seinem früheren Film „The Stone River“ hat Giovanni Donfrancesco mittels verwobener Zeitebenen vom Schicksal europäischer Emigranten erzählt, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts als Steinmetze im US-Bundesstaat Vermont arbeiteten.Diese erneute Reise durch die schmerzhafte Vergangenheit Europas ist eine fesselnde Reise in die Geschichte, eine Hommage an den Widerstand und ein lebendiges Porträt der Menschen im heutigen Europa – eine Suche nach dem inneren Feuer auf einem krisengeschüttelten Kontinent.

Di., 14. Sep · 07:25-07:55 · HR
Wir leben weiter – Jüdisches Leben in Frankfurt nach 1945

Wie konnte nach 1945 in Frankfurt wieder jüdisches Leben entstehen? Nach der Shoah? Mit dem Trauma der Konzentrations- und Vernichtungslager? Von den Frankfurter Juden, die nicht rechtzeitig vor dem Nazi-Terror fliehen konnten, überlebten nur wenige die Shoah. 1945 strandeten tausende Holocaust-Überlebende, vor allem osteuropäische Juden, in Frankfurt am Main. Entwurzelte Menschen, Displaced Persons, die alles verloren hatten. In DP-Lagern unter alliiertem Schutz warteten sie auf ihre Ausreise nach Palästina oder Amerika. Doch viele blieben. „Dieses Gefühl, allein auf dieser Welt zu sein und weiterzuleben und eine Familie zu gründen, konnte man sich gar nicht vorstellen“, erzählt Ruza Orlean, die als Siebzehnjährige 1946 ins DP-Camp Frankfurt-Zeilsheim kam. Dieses war mit rund 3.600 Bewohnern das größte in der amerikanischen Besatzungszone. „Also ich verstehe es auf jeden Fall nicht, wie jüdisches Leben nach dem Krieg wieder hier in Deutschland entstehen konnte“, sagt die heute Siebzehnjährige Joelle Ziper. Sie besucht die Jüdische Schule in Frankfurt am Main. Der Film sucht Antworten und zeichnet ein sensibles Porträt jüdischen Lebens in der Mainmetropole aus der Sicht mehrerer Generationen. Das sei bis heute von der Shoah geprägt, sagt Dieter Graumann, ehemaliges Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main. Heute gehört diese Gemeinde Frankfurt a.M. mit über 7.000 Mitgliedern wieder zu den größten in Deutschland. Immer wieder konfrontiert mit Antisemitismus, stellt sich für viele Juden erneut die Frage, ob sie sich wirklich für das richtige Land entschieden haben. Bis heute ringen Juden um mehr Empathie für ihr Schicksal und wünschen sich, Deutschland wirklich ihre Heimat nennen zu können.

Di., 14. Sep · 12:30-13:58 · MDR
Chuzpe – Klops braucht der Mensch!

Nach weit über 60 Jahren kehrt Edek Rotwachs nach Deutschland zurück. Mit seiner Frau hatte der Holocaust-Überlebende in Australien eine neue Heimat gefunden. Nun aber möchte Tochter Ruth ihren Vater in ihrer Nähe wissen und quartiert ihn in eine Wohnung in Berlin ein. Doch der verschmitzte Edek ist keineswegs gewillt, sich aufs Altenteil zurückzuziehen. Sein Tatendrang bringt Ruth zur Verzweiflung. Insbesondere, als Edeck sich noch einmal verliebt, mit der Polin Zofia und deren Freundin Valentina eine Wohngemeinschaft gründet und die drei mit der Neueröffnung eines Klops-Restaurants noch einmal durchstarten wollen. Ob das gut geht?

Mi., 15. Sep · 07:25-07:55 · HR
Jüdisches Museum Frankfurt

Nach fünf Jahren Um- und Ausbau öffnete das Jüdische Museum Frankfurt im Oktober 2020 wieder seine Pforten. „Wir sind jetzt“, lautet der Titel der neuen Dauerausstellung. Ausgehend von der Gegenwart wird hier jüdisches Leben in all seinen Facetten erfahrbar. Markus Brock „checkt“ das Museum und begrüßt als Gast die jüdische Publizistin und Politikerin Marina Weisband. Wie keine andere deutsche Stadt war und ist Frankfurt von der jüdischen Kultur geprägt. Frankfurt war auch die erste Anlaufstation von Marina Weisband, als sie 1994 im Alter von sechs Jahren mit ihrer Familie aus Kiew nach Deutschland kam. Oft sei ihr gesagt worden, dass sie die erste Jüdin wäre, die man kennenlerne. „Wir waren diese Fabelwesen, die man nur aus dem Geschichtsunterricht kannte“, sagt sie. Heute lebt die Diplom-Psychologin in Münster und erfährt noch immer antisemitische Beleidigungen. Als Publizistin und Politikerin bei Bündnis 90/Die Grünen macht sie auch auf die gegenwärtige Situation der Juden in Deutschland aufmerksam. Außerdem setzt sie sich für die Vermittlung demokratischer Grundwerte an Jugendliche ein. Seit 2014 leitet sie das Projekt „aula – Schule gemeinsam gestalten“. Und wann immer es ihre Zeit erlaubt, arbeitet sie als freischaffende Künstlerin. Mit Markus Brock erkundet Marina Weisband die beiden Standorte des Jüdischen Museums: das Museum Judengasse und das klassizistische Rothschild-Palais am Mainufer mit dem modernen Lichtbau der „Staab Architekten“. Der weiße Kubus mit großen Fenstern repräsentiert das Neue, Offene im bewussten Kontrast zum denkmalgeschützten Rothschild-Palais, das quasi ein Museum im Museum ist. Hier wohnte einst die berühmte jüdische Bankiersfamilie Rothschild. Ihre Geschichte erzählt beispielhaft von den Traditionen der Juden Frankfurts, von Erfolg, Exil, Gewalt und Gegenwehr. Der Kinderstuhl von Anne Frank, die 1945 im KZ Bergen-Belsen ermordet wurde, ist eine Ikone des Museums. Das Leben des bekanntesten Opfers des Holocausts wird mit Briefen, Alltagsgegenständen und Fotos veranschaulicht. Auch Kunsthandwerk und Kunst spielen im Jüdischen Museum eine zentrale Rolle, etwa in Zeichnungen und Gemälden über die jüdische Kultur und Werke von jüdischen Malern. Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler sind hier regelmäßig zu sehen. Im Rahmen der Neueröffnung des Museums zeigt das Jüdische Museum außerdem die Sonderausstellung „Die weibliche Seite Gottes“. Seit der Spätantike spielen Frauen in den monotheistischen Religionen eine wichtige Rolle, was Exponate wie antike Figurinen aus Israel, hebräische Bibelillustrationen und Madonnenbilder verdeutlichen.

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