Die neuen Fernsehtipps

Vom 16. bis 30.11.2020…

Mo., 16. Nov · 01:15-02:45 · HR
München 1970 – Als der Terror zu uns kam

Fast jeder erinnert sich an das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München. Doch bereits zweieinhalb Jahre davor gab es Terroranschlägen in München: Flugzeugentführungen, Paketbomben und ein Brandanschlag. Der Film zeigt, dass die blutigen zwölf Tage im Februar 1970 eine Warnung hätten sein müssen. Der Film setzt sich aus privaten Foto- und Filmarchiven zusammen, aus wiedergefundenen privaten Schätzen des Autors, aus der Schilderung von Hinterbliebenen und Aussagen früherer Bombenleger der linken Szene. Fast jeder erinnert sich an das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München. Dass München aber bereits zweieinhalb Jahre zuvor schon einmal wegen Terroranschlägen im Blickpunkt der Öffentlichkeit gestanden hat, weiß hingegen kaum noch jemand: Flugzeugentführungen, Paketbomben und ein Brandanschlag. Weder die versuchte Entführung einer EL-AL-Maschine am 10. Februar 1970 mit einem Toten und mehreren Schwerverletzten noch die Brandstiftung in einem jüdischen Altenheim drei Tage später mit sieben Toten, die meisten Holocaustüberlebende, noch der doppelte Bombenanschlag auf zwei Flugzeuge der Austrian Airline und der Swissair am 21. Februar 1970 sind im Gedächtnis, obwohl es sich um die größte antisemitische Anschlagsserie handelt, die es in Deutschland nach dem Ende des Nationalsozialismus gegeben hat. Im Mittelpunkt der sehr persönlich gehaltenen Filmdokumentation von Georg M. Hafner steht ein Opfer, das das Pech hatte, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein: ein Passagier der Swissair-Maschine, der als Fernsehjournalist über den Nahost-Konflikt berichtete und auf dem Weg nach Tel Aviv war – Rudolf Crisolli, der Onkel des Autors. Wer ist für seinen Tod verantwortlich? Die Suche nach einer Antwort auf diese persönlichen Fragen führt mitten hinein in das politische Klima der siebziger Jahre, das Erbe der 68er Bewegung, die Radikalisierung der linken Bewegung und die Anfänge des modernen Terrorismus. Der Film zeigt eindrucksvoll, dass die blutigen zwölf Tage im Februar 1970 eine Warnung hätten sein müssen. Stattdessen aber wurden alle Vorboten verdrängt, um die heiteren Spiele, mit denen Deutschland die Erinnerung an die Nazi-Olympiade 1936 tilgen wollte, atmosphärisch nicht zu belasten. „München 1970“, das ist auch der bislang nicht wahrgenommene Prolog der Anschläge auf die Olympischen Spiele 1972. Das Panorama der zwölf Tage im Februar 1970 setzt sich aus privaten Foto- und Filmarchiven zusammen, aus wiedergefundenen privaten Schätzen des Autors, aus der Schilderung von Hinterbliebenen und Aussagen früherer Bombenleger der linken Szene. Der Film geht aber auch der Frage nach, warum Deutschland die Täter bereitwillig ohne Strafe abschob. Erstmals geben damalige hochrangige Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes Mossad Auskunft über die Zusammenarbeit zwischen deutschen Linken und palästinensischen Terrorkommandos, aber auch über die europäische Politik der Beschwichtigung und über die Weigerung, die israelischen Warnungen ernst zu nehmen. Am Ende bleibt die bange Frage: Wäre der Anschlag auf die Olympiade in München 1972 zu verhindern gewesen oder sogar der 11. September, wie einige behaupten?

Mo., 16. Nov · 04:40-06:10 · One
Schönes Schlamassel

In einer Feierlaune mit Anne (Verena Altenberger), ihrer Freundin Laura (Lisa Wagner) und seinem besten Freund und jüdischen Arztkollegen Tobias (Lasse Myhr) gibt sich Daniel (Maxim Mehmet) auch als Jude aus. So will er vor allem Anne imponieren. Sie hat sich mit ihrem Buchladen auf jüdische Literatur spezialisiert, ist ehrenamtliche Helferin in einem jüdischen Altenheim und unterstützt darüber hinaus auch den jüdischen Autor Schlomo Wisniewski (Dieter Hallervorden). Aus Anne und Daniel wird ein Paar und aus dem kleinen Schwindel ein Gespinst aus Notlügen, aus dem Daniel nicht mehr herauskommt. Er kann nur darauf hoffen, dass Anne ihn am Ende auch so liebt, wie er ist …

Mo., 16. Nov · 10:30-11:15 · PHOENIX
Gemeinsam gegen das Vergessen – Juden und Muslime in Auschwitz

Während in Deutschland die Debatten um Flüchtlingsströme und muslimischen Antisemitismus nicht abreißen, setzen Juden und Muslime ein gemeinsames Zeichen und besuchen die KZ Gedenkstätte Auschwitz. Erstmals in der Geschichte findet eine solche Reise statt. Die Idee dazu lieferten der Zentralrat der Muslime und die Union Progressiver Juden. 17 j Erwachsene, Juden aus Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Bayern und muslimische Geflüchtete aus Syrien und Marokko, die heute in Thüringen leben, gedenken gemeinsam den Opfern der Shoa. Abdu, Masa und Amro sind vor drei Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohen und haben bisher wenig Kontakt zu Juden gehabt. „Ich habe vor allem Angst, dass die anderen Angst vor mir haben“, sagt Abdu beim Vorbereitungstreffen für die Reise. Für Judith und Bogdan aus den jüdischen Gemeinden Bielefeld und Kiel ist es der erste Besuch in Auschwitz und auch sie blicken der Reise mit gemischten Gefühlen entgegen. Sie wissen nicht, welche Emotionen der Ort bei ihnen auslösen wird. Dan, der Jugendreferent im Vorstand der Union Progressiver Juden, sieht in dem gemeinsamen Besuch von Auschwitz vor allen Dingen eine Chance: „Ich glaube, dass es wichtig ist, diese Orte zu besuchen und dass man daraus den Blick in die Zukunft richtet und von da aus dann auch Kraft schöpfen kann. Und sagen kann, man ist an dem Ort, wo die Vernichtung hätte stattfinden sollen und Sie haben es nicht geschafft und wir sind hier und machen weiter. Das ist, glaube ich, auch so ein Punkt. Da ist es schön, dass wir mit den Muslimen gemeinsam hier sind, denen ja auch oft pauschal Antisemitismus unterstellt wird.“ Das ganze Ausmaß der Grausamkeit und des Rassenwahns der Nationalsozialisten wird an diesem schrecklichen Ort deutlich. Er ist ein mahnendes Zeugnis für den beispiellosen Zivilisationsbruch des 20. Jahrhunderts. Kann dieser Ort auch Hoffnung für die Zukunft stiften? Wenn in Auschwitz bei einer gemeinsamen Gedenkzeremonie auf Arabisch und Hebräisch gebetet wird und mit den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Die LINKE) und Daniel Günther (CDU) gemeinsam Kränze niedergelegt werden, macht das Hoffnung. Die phoenix-Redakteure Eva Wormit und Marlon Amoyal haben die Jugendlichen auf ihrer Reise begleitet. Sie dokumentieren die Begegnungen einer Reise, die es so noch nie gegeben hat.

Di., 17. Nov · 13:45-16:05 · arte
Der Staat gegen Fritz Bauer

Im Nachkriegsdeutschland ermittelt der hessische Staatsanwalt Fritz Bauer gegen flüchtige NS-Verbrecher, um sie im eigenen Land vor Gericht zu stellen. Ein Ansinnen, dem ein Großteil der Bevölkerung ablehnend gegenübersteht. Und auch die Behörden sind durchsetzt von ehemaligen Nationalsozialisten. Als Bauer ein Hinweis erreicht, dass Adolf Eichmann sich in Argentinien aufhält, ist ihm zunächst nicht klar, wie er den SS-Offizier dingfest machen und vor Gericht stellen soll. Zu groß sind die Befürchtungen, dass Eichmann gewarnt wird und erneut untertaucht. Intern versucht der BND, die Ermittlungen an sich zu ziehen. Bauer beschließt, sich an den Mossad, den israelischen Geheimdienst, zu wenden. Allerdings nur unter der Bedingung, dass Eichmann später nach Deutschland ausgeliefert wird, um hier vor Gericht gestellt zu werden. Bauer will eine öffentliche Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen – in der Bundesrepublik. Der Mossad ist nach einer oberflächlichen Untersuchung zunächst skeptisch, besteht auf einer zweiten Quelle, bevor er Ermittlungen einleiten will. Bauer ist jedoch überzeugt, auf der richtigen Fährte zu sein. In seinem jüngeren Kollegen Karl Angermann findet er wider Erwarten einen Verbündeten. Als Bauer von dessen ungewöhnlich geringem Strafmaß in einem Paragraf-175-Fall erfährt, einem Verstoß gegen das Verbot von Homosexualität, fasst er Vertrauen zu dem jungen Mann. Doch es formiert sich Widerstand bis in die höchsten Kreise: In seiner eigenen Behörde verschwinden immer wieder Akten, und auch Oberstaatsanwalt Kreidler und BKA-Mitarbeiter Paul Gebhardt behindern den unliebsamen Bauer in seinen Ermittlungen. Ein scheinbar aussichtsloser Kampf gegen unsichtbare Gegner beginnt, doch Bauer und Angermann geben nicht auf, wohl wissend, dass ihnen die Jagd auf Eichmann beruflich wie privat einiges abverlangen wird. Die Rolle des hessischen Staatsanwalts Fritz Bauer für das Zustandekommen des Frankfurter Auschwitz-Prozesses 1963-1965 und sein Verdienst bei der Ergreifung von Adolf Eichmann wurden der breiten Öffentlichkeit erst nach seinem Tod bekannt.

Di., 17. Nov · 19:40-20:14 · arte
Re: Militant und rechtsextrem – Der III. Weg und die Neonazi-Szene

„Ich denke, das System, was wir aktuell vorfinden, ist nicht reformierbar, es muss komplett neu geordnet werden“, sagt Julian Bender. Der 28-jährige Angestellte ist der sogenannte Gebietsleiter West der neonazistischen Organisation „Der Dritte Weg“. Kaum eine Gruppe am rechten Rand agitiert so offen gegen die Demokratie. Viele ihrer Mitglieder entstammen dem gewaltbereiten Spektrum, warnen die Verfassungsschutzbehörden. Heute gehören der Gruppe knapp 600 Mitglieder in 20 Stützpunkten an. „Re:“ hat die Gruppe ein Vierteljahr lang begleitet. Die Reportage „Militant und rechtsextrem – Der III. Weg und die Neonazi-Szene“ zeigt, wie die Rechtsextremisten in neue Gebiete expandieren und Mitglieder anwerben. Im Mittelpunkt steht dabei ein breites Sozialprogramm nur für Deutsche: Hausaufgabenbetreuung, Kleidung für Bedürftige und ein Frauenfrühstück bietet die Gruppe zum Beispiel in Plauen. Tony Gentsch ist der Sektionsleiter vor Ort, ein ehemaliger Skinhead, der heute an der Essenstafel für Sozialschwache mithilft. Für Gentsch gehört die soziale Arbeit zum politischen Kampf: „Gemeinschaft schreiben wir ganz groß.“ Immer wieder werden auf Veranstaltungen ganz offen nationalsozialistische Parolen verbreitet. Auf dem Tag des Heimatschutzes in Olpe ruft eine Rednerin des Dritten Weges ins Publikum: „Im politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereich muss die Losung heißen: Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Vom ich zum wir“. Politische Tabus brechen, Freiräume für völkisches Denken erobern – das scheint die Strategie, verpackt in einer sozialen Fassade.

Di., 17. Nov · 20:15-21:55 · arte
Libanon – Gefangen im Chaos

Der Libanon: 18 unterschiedliche, teils verfeindete Religionsgemeinschaften leben in einem de facto handlungsunfähigen Staat, in dem jeder vierte Einwohner ein Geflüchteter ist. Einst als „Schweiz des Orients“ betitelt, erscheint der Libanon als westliches Paradies – gefangen in der Hölle des Nahostkonflikts. Der französische Kolonialismus, die Unabhängigkeit Libanons, die Gründung des Staates Israel, das Entflammen des Nahostkonflikts, der Kalte Krieg, der Terrorismus der 1970er Jahre und die israelische Interventionspolitik – all das entfaltet seine Wirkung auf den Libanon. Wer die Hauptstadt Beirut besucht, findet sich in einer Metropole wieder, die über ein pulsierendes Nachtleben, atemberaubende Strände, eine lebendige Kunstszene und zahlreiche Intellektuelle verfügt. Die Kehrseite der Medaille: Die Stadt ist Anziehungspunkt von Terrororganisationen, Rückzugsort für Warlords und Drogenhändler sowie Kulisse für geheimdienstliche Tötungskommandos. Der Blick in den Libanon eröffnet ein Panorama der Weltpolitik. Dabei zeigt sich: Die Geschichte des Landes ist überraschend eng mit uns Europäern verknüpft. Zu Wort kommen der ehemalige Vertraute von PLO-Führer Jassir Arafat, langjährige Kenner des Landes wie Tom Friedman, Journalist und Gewinner des Pulitzerpreises für seine Reportage über den israelischen Einmarsch im Libanon, sowie Mitglieder aus Geheimdienst- und Regierungskreisen.

Di., 17. Nov · 21:55-22:50 · arte
Libanon: Krisenstaat am Abgrund

In den 1960er Jahren galt der Libanon als das wohlhabendste Land des Nahen Ostens. Zwischen Mittelmeer und den schneebedeckten Berggipfeln lebten Muslime, Christen und Drusen friedlich nebeneinander. Doch Bürgerkrieg und der Konflikt mit Israel stürzten das Land in eine Dauerkrise. Die einst so starke Wirtschaft des Landes liegt am Boden.Im Oktober 2019 gehen zehntausende Libanesen auf die Straße und demonstrieren gegen den Verfall der Währung und die Korruption im Land. Das Vertrauen der Menschen in die Regierung ist an einem Tiefpunkt angelangt. Vor wenigen Monaten wird das Land von einer weiteren Katastrophe getroffen: Eine apokalyptische Explosion im Hafen von Beirut verwüstet große Teile der libanesischen Hauptstadt. Tausende Menschen werden verletzt oder getötet und zahlreiche Gebäude zerstört. In dem Land, das einst als die Schweiz des Orients bekannt war, lebt heute die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.Wie konnte es passieren, dass der Libanon in diese Notlage gerutscht ist? Waren die unterschiedlichen Volksgruppen und Religionen nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht? Ist der Libanon im Machtkampf zwischen Israel dem Iran und den USA zwischen die Fronten geraten? Im Film „Libanon – Krisenstaat am Abgrund“ erzählt die franco-libanesische Regisseurin Amal Mogaizel die bewegte Vergangenheit des Libanon. Sie begleitet junge Libanesen zwischen Beirut und Tripolis auf ihrer Suche nach einer besseren Zukunft.Zeitzeugen wie der Schriftsteller Amin Maalouf, die Journalistin Gisèle Khoury, der ehemalige Außenminister Nassif Hitti und der Psychater Chawki Azoury geben den Zuschauern Einblicke in die Seele eines gespaltenen Landes, das seit seiner Gründung vor 100 Jahren immer wieder von schweren Krisen erschüttert wird.

Mi., 18. Nov · 22:15-23:10 · arte
Leni Riefenstahl – Das Ende eines Mythos

„Triumph des Willens“ oder „Olympia“ – die bekanntesten Filme Leni Riefenstahls haben sich tief in das ikonografische Gedächtnis der Deutschen eingebrannt. Auch wer Riefenstahls Werke nicht in ganzer Länge gesehen hat, kennt die Bilder aus einer der zahlreichen Dokumentationen über Nazideutschland. Mit den nationalsozialistischen Idealen wollte die Regisseurin Leni Riefenstahl nach 1945 jedoch nichts zu tun haben. Bis zu ihrem Tod beteuerte sie „niemals einen Massenmord oder Konzentrationslager gesehen“ zu haben. Sie habe „auch keine Propagandafilme für Goebbels gedreht“. Solche Äußerungen machen bis heute ihr Image der „Unbelehrbaren“ aus, deren künstlerischen Leistungen aber immer noch als bahnbrechend gewürdigt werden. Im Oktober 2000 stellte sie auf der Frankfurter Buchmesse ihren Bildband „Fünf Leben“ vor. In der Pressekonferenz spielte die 98-Jährige erneut ihr filmisches Schaffen für die Nationalsozialisten herunter. In Filmen habe sie lediglich die Realität überhöht, um das Wesentliche von dem Unwichtigen zu trennen. Nach jahrzehntelangen Recherchen hat die Journalistin Nina Gladitz ein Buch geschrieben, das auf der Basis unveröffentlichter Dokumente neue Fakten über die Regisseurin bietet. Sie deckt auf, in welchem bisher unbekannten Ausmaß die Kulturbotschafterin des Dritten Reichs in die Naziverbrechen verstrickt war. Zudem entdeckte Nina Gladitz unbekannte Dokumente über das Schicksal des Kameramanns Willy Zielke, die belegen, wie er von Riefenstahl instrumentalisiert wurde. Zu Wort kommen außerdem Zielkes Freund Dieter Hinrichs, Filmwissenschaftler und Historiker.

Sa., 21. Nov · 00:15-01:50 · BR
Sein oder Nichtsein

Polen, 1939. Am Warschauer Theater studiert das Ensemble ein komödiantisches Bühnenstück ein, das sich über Nazi-Deutschland lustig macht. Dann aber wird die Aufführung von der Regierung verboten. Statt der Nazi-Farce soll die Truppe unter Leitung des renommierten Schauspieler-Ehepaars Joseph und Maria Tura erneut Shakespeares „Hamlet“ ins Programm nehmen. Für Joseph Tura ist der Hamlet die Rolle seines Lebens. Umso unbegreiflicher ist es ihm, weshalb jedes Mal, wenn er zu seinem großen Monolog über „Sein oder Nichtsein“ ansetzt, ein junger Leutnant demonstrativ den Zuschauerraum verlässt. Tura ahnt ja nicht, dass dieser Leutnant Sobinski ein heimlicher Verehrer seiner Frau ist – und dass er diese immer dann in der Garderobe trifft, wenn Joseph seinen Monolog beginnt. Dann marschieren die deutschen Truppen in Polen ein. Während Sobinski nach England entkommt, schließt sich das Ensemble der Widerstandsbewegung an. In London lernt Sobinski den berühmten Professor Siletsky kennen, der behauptet, als polnischer Widerstandskämpfer nach Warschau unterwegs zu sein. Erst nachdem der gutgläubige Sobinski und seine Kameraden dem Professor die Namen zahlreicher Widerstandskämpfer gegeben haben, erfahren sie, dass Siletsky in Wahrheit ein Nazi-Spion ist. Um seine Freunde zu warnen, reist Sobinski zurück nach Polen. Er kann zwar nicht verhindern, dass Siletsky sich bei Maria Tura als vermeintlicher Theateragent vorstellt – doch mit List und Witz gelingt es den Schauspielern, den heimtückischen Spion in eine Falle zu locken. Durch das geplante Gestapo-Theaterstück bestens mit hochrangigen Nazi-Unformen ausgestattet, führt das Ensemble fortan eine waghalsige Maskerade auf. Keine Frage, dass es dabei zu aberwitzigen Konfrontationen und Verwicklungen kommt, bei denen kaum noch jemand durchschaut, wer nun ein „echter“ und wer ein „falscher“ Nazi ist. Die größten Herausforderungen stehen Joseph Tura und seinen Leuten allerdings erst noch bevor: Adolf Hitler, der auf Staatsbesuchs in Warschau weilt, höchstpersönlich hinters Licht zu führen und mit dem gekaperten Flugzeug des „Führers“ aus Polen zu fliehen.

Sa., 21. Nov · 21:15-22:15 · ARD-alpha
Nürnberg – Die Prozesse: Hermann Göring – Nazi ohne Reue

Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges sitzen in Nürnberg 21 Nazigrößen auf der Anklagebank, und jeder von ihnen muss mit der Todesstrafe rechnen. Doch die wahre Geschichte dieser Prozesse spielt sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab, wenn Anwälte und Psychologen versuchen, die Gedanken dieser Kriegsverbrecher zu ergründen. Das packende Doku-Drama, das Augenzeugenberichte und Archivmaterial mit erstklassigem Schauspiel verbindet, schaut hinter die Kulissen der Gerichtsverhandlung gegen zwei der ranghöchsten Nazi-Größen: Hermann Göring und Albert Speer. Er war Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe und als Nachfolger Hitlers vorgesehen. Von allen Angeklagten in Nürnberg dominierte er den Prozess und vereinnahmte die Zuhörer mit seiner Unbelehrbarkeit, seiner Frechheit und seinem Charisma. Für seine Verbrechen zeigte Hermann Göring keinerlei Reue. Wohl wissend, dass er diesen Prozess nicht überleben würde, kämpfte Göring für sich und seinen Führer leidenschaftlich um einen glorreichen Platz in der Geschichte. Beinahe wäre ihm das gelungen, doch am Ende der Verhandlungen musste der Reichsmarschall seine Niederlage eingestehen: „Wenn die Deutschen all das, was in diesem Prozess aufgedeckt worden ist, erfahren, ist es nicht mehr nötig, ihn (Hitler) zu verurteilen. Er hat sich selbst verurteilt.“ Filmemacher Paul Bradshaw inszenierte nicht nur Hermann Görings Auftritt vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal, er beleuchtet auch die wichtige Rolle, die der amerikanische Gefängnispsychologe Gustave Gilbert im Prozess gegen Göring spielte. Das Filmteam des Doku-Dramas hat bei der Recherche und dem Verfassen der Texte viele Hundert Bücher und unzählige Dokumente aus deutschen, amerikanischen und englischen Archiven eingesehen. Die Dialoge sind aus Originalzitaten zusammengestellt, die historischen Quellen entnommen wurden. Und während der Recherche- und Produktionsphase wurden etwa 80 Experten und Augenzeugen befragt. Die Filmszenen entstanden im Mai und Juni 2006 in Bulgarien. Um ein Höchstmaß an Authentizität zu gewährleisten, wurde sogar der Nürnberger Gerichtssaal maßstabsgetreu nachgebaut. An manchen Drehtagen befanden sich mehr als 200 Schauspieler und Statisten in diesem Saal.

So., 22. Nov · 09:30-10:15 · MDR
Tel Aviv – Hier tanzt Israel

Tel Aviv wurde buchstäblich auf Sand gebaut, nachdem jüdische Familien 1909 mit Muscheln vom Strand die Parzellen ausgelost hatten, auf denen sie die ersten Häuser errichteten. Nazi-Verfolgung, stalinistische Bedrohung und Anfeindungen in arabischen Ländern machte Tel Aviv zum Zufluchtsort für Juden unzähliger Nationalitäten. In Israel heißt es, Jerusalem betet, Haifa arbeitet und Tel Aviv tanzt. Lifestyle, Kreativität und Individualität sind die Visitenkarte der Stadt am Mittelmeer. Wer hier mithalten will, nimmt sich einen Personal Trainer wie Maria Pomerantz. Die Bodybuilderin erzielt Spitzenhonorare, indem sie ihre Kunden quält. Die Sicherheitsstandards der immer wieder von terroristischen Anschlägen bedrohten Stadt sind hoch. Dennoch gibt die Dokumentation Einblick in den War-Room, ein multimedial ausgerüstetes Krisenzentrum drei Stockwerke unter der Erde, und begleitet den städtischen Sicherheitschef David Aharony. Um die alltäglichen Sorgen der Bewohner Tel Avivs kümmern sich etwa die Gassigeher von DogMen, einem Start-up, das einen allumfassenden Service für rund 80.000 Hunde bietet. Der neueste Trend in den Restaurants ist die vegane Küche. Als die Restaurantchefin Nana Shrier Fleisch von ihrer Speisekarte verbannte, prophezeiten ihr viele das Aus. Aber bis heute wird im „Nanuchka“ jeden Abend auf den Tischen getanzt.

So., 22. Nov · 10:35-11:20 · 3sat
erLesen

Diesmal zu Gast bei „erLesen“: der Autor und ehemaliger Oberrabiner Paul Chaim Eisenberg, Moderator und Autor Tarek Leitner sowie die Direktorin des jüdischen Museums Wien, Danielle Spera. Paul Chaim Eisenberg feierte vor Kurzem seinen 70. Geburtstag – mit „Das ABC vom Glück“ verrät er „Jüdische Weisheit für jede Lebenslage“. Auf die Spur der jüdischen Kultur begibt sich auch Danielle Spera in „100 x Österreich – Judentum“.

So., 22. Nov · 21:45-23:10 · 3sat
Das Unwort

Nachdem ein jüdischer Junge monatelang von Mitschülern drangsaliert wurde, entbrennt eine Auseinandersetzung zwischen den überforderten Eltern, der Klassenlehrerin und der Schulleitung. Krisengespräch am Berliner Westend-Gymnasium: Max, 15 Jahre, hat seinem Mitschüler Karim das Ohrläppchen abgebissen und einem anderen, Reza, die Nase gebrochen. Nun droht Max der Schulverweis. Wie sich bald herausstellt, hat der Vorfall eine Vorgeschichte: Als die Klassenlehrerin Annika Ritter einige Zeit zuvor Das Tagebuch der Anne Frank im Unterricht behandeln möchte, erzählt Max von seiner jüdischen Herkunft und wird damit zur Zielscheibe eines monatelangen Mobbings durch seine Mitschüler. Sogar Max‘ Freund Reza schlägt sich irgendwann auf die Seite von Karim, der die treibende Kraft hinter den verbalen und physischen Attacken gegen Max ist. Während die Klassenlehrerin mit der Situation überfordert ist, versucht die Schulleitung aus Angst um den Ruf der Schule, das Problem herunterzuspielen. „Zu ihrem eigenen Schutz“ sollen Max und andere jüdische Kinder ab sofort während der großen Pause im Klassenzimmer bleiben. Die Eskalation ist programmiert, auf der Schulkonferenz kommt es vollends zum Eklat. Was ist der richtige Umgang mit der Situation? Ist die Sache aus der Welt, wenn statt Max nun Karim und Reza von der Schule fliegen? Max‘ Vater Simon möchte um keinen Preis, dass sein Sohn zum Opfer gemacht wird, Rezas Mutter Majan Marschner Merizade sieht sich einer antimuslimischen Vorverurteilung ausgesetzt, der Schuldirektor Ralf Stege hat Angst um seine politische Karriere, und die eigens angereiste Vertreterin der Schulaufsichtsbehörde, Frau Dr. Gisela Nüssen-Winkelmann, will einen Medienskandal vermeiden. So gerät der Versuch der Erwachsenen, den Konflikt der Jugendlichen zu lösen, unversehens zu einem „Kampf der Kulturen“, einen Kampf zwischen Eltern und Schulvertretern, zwischen Moslems, Juden und „deutscher Leitkultur“, zwischen Bürokratie und Menschlichkeit. Ein folgenschwerer Abend, an dem sich jenseits aller politischen Korrektheit die Vorurteile und Ressentiments der Erwachsenen Bahn brechen.

Mi., 25. Nov · 19:40-20:15 · arte
Re: Ultrarechts im Stadion – Bulgariens Fußballfans

Sie sind männlich, rechts und demonstrieren schon vor dem Spiel ihre Stärke. Die „Lauta Army“ von Lokomotiw Plowdiw ist eine der härtesten Ultra-Gruppen Europas. Hier organisieren sich etwa 80 Hooligans mit rechter Gesinnung und Vaterlandsliebe für Verein und Nation. Die Reportage begleitet Petar, den Chef der Gruppe, vom Treffpunkt der Ultras bis zum Stadtderby und zeigt das Leben eines Hooligans. Ultras dominieren bei einigen Spielen in Bulgarien das Stadionbild und haben enormen Einfluss auf den nationalen Fußball und auf das Image des bulgarischen Fußballs insgesamt. Im Mittelpunkt der internationalen Berichterstattung stand bisher das Länderspiel Bulgarien gegen England Ende 2019, bei dem bulgarische Fans englische Spieler mit rassistischen Rufen und Affenlauten bedachten sowie Hitlergrüße zeigten. Auch Wasil ist Ultra. Seine Mannschaft ist Lewski Sofia. Und auch hier gibt es viele rechte Fans. Doch Wasil versucht seinen Verein ohne rechte Symbolik und Gewaltbereitschaft zu unterstützen.

Mi., 25. Nov · 20:45-21:15 · MDR
Die geheimen Depots von Buchenwald

Ende der 1980er-Jahre taucht bei Recherchen des amerikanischen Historikers Kenneth Alford in den National Archives in Washington eher zufällig eine mysteriöse handgemalte Skizze auf. Sie zeigt den Steinbruch des Konzentrationslagers Buchenwald, darin eingezeichnet acht Bunker. Stollen, die vermutlich von den Nazis kurz vor Kriegsende in den Berg getrieben wurden. Zwei Stollen wurden von der First US Army 1945 nach ihrer Ankunft in Buchenwald nach Hinweisen entdeckt und geöffnet. Tonnenweise bargen die zusammengerufenen Helfer Raubgut, das als Ladung #16 nach Frankfurt am Main gebracht wurde und deren Spuren sich später in ihrer Gänze verlieren. Von den sechs anderen Stollen wussten die Amerikaner nichts. Eine Skizze gab es damals nicht. Doch seit ihrer Entdeckung rätseln Experten und Wissenschaftler, wie auch der Historiker Dr. Harry Stein von der Gedenkstätte Buchenwald, was im Berg wirklich noch verborgen liegt. Aufgrund der Recherchen von Filmemacher Peter-Hugo Scholz wurde die Indizienkette immer stärker. Daraufhin gab das wissenschaftliche Kuratorium der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora grünes Licht, den Berg zu öffnen und das Rätsel endlich zu lösen. Was hat es mit den zusätzlichen Stollen von der Skizze auf sich? Gibt es sie wirklich? Was liegt darin verborgen? Der Film „Die geheimen Depots von Buchenwald“ begleitet und dokumentiert die Ausgrabungsarbeiten, macht sich auf eine Spurensuche und offenbart eine bisher unerzählte Geschichte.

Mi., 25. Nov · 23:35-00:05 · SWR
Masel Tov Cocktail

Dima, 16, ist Sohn russischer Einwanderer, Schüler am Gymnasium und er ist Jude. Das wäre nicht der Rede wert, wenn nicht alle ständig darüber reden würden. So auch sein Klassenkamerad Tobi, der ihn in eines Tages in der Toilette mit einem ziemlich schlechten Witz über das Schicksal der Juden in Deutschland provoziert. Dima könnte darüber hinweg gehen, aber dazu hat er keine Lust – und so schlägt er Tobi. Dies hat einen Schulverweis zur Folge, verbunden mit der Auflage, sich bei Tobi zu entschuldigen. Sein Weg zu ihm wird zu einem rasanten Roadtrip durch die Stadt und durch eine Vielzahl von Begegnungen…
Bild oben: © SWR/Filmakademie Baden-Württemberg. Dimitrij Liebermann (Alexander Wertmann) führt uns durch sein Zuhause: Eine Hochhaussiedlung mitten im Ruhrgebiet. Wie sind seine jüdische Familie und er dort gelandet?

Do., 26. Nov · 14:30-16:00 · HR
Pfarrer Braun: Die Gärten des Rabbiners

Nach einem rätselhaften Mordfall in der Synagoge von Potsdam wird ausgerechnet der Rabbiner Seelig verdächtigt. Pfarrer Braun, der hier gerade seine neue Wirkungsstätte bezogen hat, leistet seinem jüdischen Kollegen gottgewollte Amtshilfe und ermittelt in der jüdischen Gemeinde. Nebenbei müssen Braun und Seelig gemeinsam eine jüdisch-katholische Liebesheirat ermöglichen – ein schwieriges Problem, denn die Familien des jungen Paares sind sich nicht grün: Ihre Gärtnereien konkurrieren erbittert um die lukrative Bepflanzung des Schlossparks von Sanssouci. Eine seltene Tulpenart, die hier einst wuchs, führt den kriminalisierenden Pfarrer auf die Spur des Mörders …

Fr., 27. Nov · 02:15-04:05 · Das Erste (ARD)
Mogadischu

Am 13. Oktober 1977 bringen vier palästinensische Terroristen die Lufthansa-Maschine „Landshut“ auf ihrem planmäßigen Flug von Mallorca nach Frankfurt in ihre Gewalt. Anders als bei der Lorenz-Entführung geht Bundeskanzler Schmidt nicht auf die Forderung der Geiselnehmer nach Freilassung inhaftierter RAF-Terroristen ein. Während Kapitän Schumann durch seinen Einsatz das Leben der Passagiere schützt, wird das Flugzeug über dramatische Zwischenstopps nach Mogadischu entführt. Dank des diplomatischen Geschicks von Minister Wischnewski wird hier schließlich der GSG-9-Einsatz auf somalischem Boden bewilligt. „Mogadischu“, eine moderne deutsche Heldengeschichte, ist die hochemotionale Rekonstruktion der Odyssee von 82 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern an Bord der Lufthansamaschine „Landshut“. Erstmals werden die politisch brisanten Ereignisse unter Berücksichtigung neuer Erkenntnisse fiktional aufbereitet; danach stand der Drahtzieher Wadi Haddad mit dem KGB in Verbindung.

So., 29. Nov · 16:05-17:05 · arte
Chagall – Ein Maler zwischen den Welten

Die Dokumentation „Chagall – Ein Maler zwischen den Welten“ zeichnet den persönlichen und künstlerischen Werdegang von Marc Chagall nach und stützt sich dabei auf seine sehr poetischen Schilderungen in der Autobiografie „Mein Leben“ sowie auf in der Sowjetunion veröffentlichte Artikel. Gleichzeitig zeichnet sie das Porträt einer Künstlergeneration, die zwischen 1910 und 1930 ihren eigenen Weg zwischen Volkskunst und Moderne fand. Manche dieser Künstler kamen vor dem Ersten Weltkrieg nach Paris, weil sie frei malen wollten. Einige schlossen sich Kubismus oder Fauvismus an, andere suchten nach einem jüdischen Stil in der Kunst. Marc Chagall gründete nach dem Krieg in seiner Heimatstadt Witebsk eine Kunstschule, die das einfache Volk an die Kunst und die Revolution heranführen sollte und zu einer wichtigen Wirkungsstätte der russischen Avantgarde in der jungen Sowjetunion wurde. Doch unvermeidlich kam es hier auch zu künstlerischen Richtungsstreits und menschlichen Konflikten. Am Beispiel des faszinierenden Lebensweges von Chagall veranschaulicht die Filmemacherin Laurence Jourdan das für diese Zeit der politischen, künstlerischen und menschlichen Umbrüche charakteristische Spannungsverhältnis zwischen Verwurzelung in der Tradition und Modernität, nach der diese Generation junger russischer Künstler strebte.

So., 29. Nov · 20:15-23:15 · Tele 5
Nirgendwo in Afrika

In Deutschland ist ihr Leben nicht mehr sicher, deshalb flieht die jüdische Familie Redlich 1938 nach Kenia. Vater Walter übernimmt die Leitung einer ärmlichen Farm. Seine Frau Jettel findet sich schwer zurecht in dem neuen Land und der schwierigen Situation. Töchterchen Regina nimmt alles als großes Abenteuer. Dann kommt der Krieg auch nach Afrika…

Mo., 30. Nov · 01:15-02:50 · HR
Kulenkampffs Schuhe

Mit Einschaltquoten von 80 Prozent erlebte das Fernsehen in den sechziger und siebziger Jahren der Bundesrepublik goldene Zeiten. Die Familie saß am Samstagabend im Wohnzimmer, alle freuten sich auf „Einer Wird Gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff oder die „Peter-Alexander-Show“. Der Dokumentarfilm „Kulenkampffs Schuhe“, der vollständig aus Archivmaterial besteht, zeigt Nachkriegsgeschichte auf überraschende, ungewöhnliche und berührende Art und Weise: Anhand von zahlreichen Showausschnitten von damals, Interviews, privatem Super-8-Material, historischen Dokumenten und Fotos eröffnet sich eine ganz neue Sicht auf das Unterhaltungsfernsehen der Bundesrepublik: Es war angetreten, eine ganze Nation von ihren Kriegstraumata zu therapieren, ein unverzichtbarer Ruhepol. Ein Film, der generationsübergreifend herausfinden möchte, wie die Deutschen wurden, was sie sind. Hans Joachim Kulenkampff und Peter Alexander waren die großen Fernsehhelden der Familie von Regisseurin Regina Schilling, und natürlich, etwas später, Hans Rosenthal mit „Dalli Dalli“. Die Quizshows verhießen leichte Unterhaltung, Entspannung, heile Welt. Entspannung hatte Schillings Vater nötig. Er arbeitete rund um die Uhr in seiner eigenen Drogerie. Eine Drogerie im Nachkriegs-Deutschland? Kaum etwas wurde mehr gebraucht: aufräumen, Wunden heilen, reparieren, saubermachen, Schädlinge bekämpfen. Was sahen die Väter der Kinder, die da im Schlafanzug vor dem Fernseher saßen, in den Showmastern? Wussten sie, dass Kulenkampff sich an der Ostfront vier Zehen eigenhändig amputiert hatte? Fragten sie sich, ob Peter Alexander wohl auch bei der Hitlerjugend gewesen war, bei der Wehrmacht, in Kriegsgefangenschaft, wie die meisten jungen Männer dieser Generation? Hatten sie davon gehört, dass Hans Rosenthal jüdisch war, sich in den Kriegsjahren als Vollwaise in einer Berliner Laube versteckte und jeden Moment damit rechnen musste, deportiert zu werden? Die Showmaster gehörten wie Regina Schillings Vater einer sehr besonderen Generation an: erst missbraucht vom Nationalsozialismus, dann eingespannt in das Hamsterrad der Nachkriegszeit, die von Traumatisierungen nichts wusste oder nichts wissen wollte.

Mo., 30. Nov · 23:35-00:20 · Das Erste (ARD)
Was glaubt Deutschland? Worüber wir lachen

Über Gott lachen – geht das? Welche Rolle spielt Humor in den Religionen? SWR Reporter Steffen König macht sich auf eine humorvolle Spurensuche bei Muslimen, Juden, Katholiken, Buddhisten und Atheisten. Über Gott lachen – geht das? Welche Rolle spielt der Humor in den Religionen? SWR Reporter Steffen König macht sich auf eine humorvolle Spurensuche: worüber lachen die, die glauben und worüber, die die nicht glauben? Wo sind Grenzen, wenn man sich über Glaube und Gläubige lustig macht? In Berlin trifft Steffen König den Rabbiner und Kabarettisten Walter L. Rothschild, der ihm viel über den sprichwörtlichen jüdischen Witz erzählt. Er besucht die muslimische Satire-Gruppe „Datteltäter“ bei Dreharbeiten in Berlin für ihr neues Youtube-Video und erlebt, wie sehr Muslime über sich, über Bräuche und manche Eigenheiten lachen können. In Stuttgart verfolgt er einen Auftritt der katholischen Kabarettistin Luise Kinseher. In ihrem aktuellen Programm „Mamma Mia Bavaria“ wirft sie auch einen humorvoll-kritischen Blick auf das irdische Personal der himmlischen Mächte. Humor, erfährt Steffen König bei seiner Reise, hat eine befreiende Wirkung. Er ist Waffe der Schwachen, Mittel gegen Fundamentalismus – und, wie er bei der Begegnung mit dem Buddhisten und Clown Uwe Spille aus dem Schwarzwald und dem atheistischen Cartoonisten Piero Masztalerz aus Hamburg erlebt – macht einfach auch nur Spaß. Der Münsteraner Religionswissenschaftler Perry Schmidt-Leukel schließlich liefert Hintergrundinformationen und ordnet ein, was Steffen bei seiner Reise quer durch Deutschland erlebt.

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