Eine Golda-Meir-Allee für Berlin

Eine Initiative zur Umbenennung der Pacelliallee in Berlin Dahlem in Golda-Meir-Allee…

Wer sich den Stadtplan von Berlin-Dahlem genauer anschaut, der findet unter all den Straßennamen nur einen einzigen, der nach einer Frau, in diesem Fall Königin Luise, benannt ist. Dafür aber trägt eine prominente Verkehrsachse den Namen Pacelliallee, was bei genauerer Kenntnis der Biographie dieses Mannes irritiert. Denn der Nuntius und spätere Papst XII. gilt unter Historikern als höchst problematische Persönlichkeit, die nicht nur durch zahlreiche antisemitische und frauenverachtende Äußerungen aufgefallen ist, sondern ebenfalls als Initiator des Konkordats zwischen Nazi-Deutschland und dem Vatikan.

Auch die Tatsache, dass er der ersten deutschen Demokratie feindselig gegenüberstand und unter anderem das katholische Zentrum als Bauernopfer seiner Beschwichtigungspolitik gegenüber den Nazis preisgab, macht ihn als Namensgeber einer Straße in der Hauptstadt eines neuen und demokratischen Deutschlands denkbar ungeeignet.

Deswegen fordern wir eine Umbenennung der Pacelliallee, und zwar in Golda-Meir-Allee. Auf diese Weise würde das Lebenswerk einer bedeutenden Frau gewürdigt, die es geschafft hat, aus einfachsten Verhältnissen kommend, zu einer der ersten weiblichen Regierungschefinnen überhaupt aufzusteigen. Zudem gibt es einen klaren Bezug zu Berlin, weil sie bereits 1960 als Außenministerin den damaligen Regierenden Bürgermeister Willy Brandt in Israel empfangen hatte. Auch vor dem Hintergrund der besonderen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland hätte diese Umbenennung eine Signalwirkung und würde zudem das eklatante Missverhältnis zwischen männlichen und weiblichen Straßennamen in Berlin-Dahlem korrigieren.

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Ein Kommentar zu “Eine Golda-Meir-Allee für Berlin

  1. Die Initiative zur Umbenennung der Pacelliallee in Golda-Meir-Allee ist begrüßenswert und überfällig. Pacelli war nicht nur an vorderster Stelle für das Reichskonkordat verantwortlich, durch welches Hitler international salonfähig gemacht wurde, er trägt auch zusammen mit dem katholischen Zentrumsführer Kaas Verantwortung für den Richtungswechsel des Zentrums nach rechts und damit für das Ermächtigungsgesetz, mit welchem die Kurie ihre Erzfeinde, Liberalismus und Kommunismus aus dem Wege schaffen wollte. Eine Woche nach dem Überfall auf die Sowjetunion sprach er, als Papst Pius XII., in einer Radioansprache von Lichtblicken, die das Herz zu großen, heiligen Erwartungen erheben, sprach von der Verteidigung der christlichen Kultur und der zuversichtlichen Hoffnung auf ihren Triumph. Erst nachdem Hitlers Kriegsglück kippte wurde er vorsichtiger und arbeitete auf einen Separatfrieden der West-Alliierten mit Hitler gegen die Sowjetunion hin. Seine Proteste gegen die Nazis beschränkten sich auf die Verletzung katholischer Interessen. Es ging um den ideologischen Primat, nicht um Humanität, vom 2000-jährigen christlichen Antijudaismus ganz zu schweigen. Ja, es wird Zeit, dass Pacelli, dass die Catholica, ins rechte historische Licht gerückt wird.

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