Die neuen Fernsehtipps

Vom 1. bis 15. Juli 2020…

Mi., 1. Jul · 23:50-01:15 · arte
Ewa – Zwischen zwei Leben

Yoel und Ewa sind seit vielen Jahren glücklich verheiratet und leben in einem kleinen Dorf. Ewa, eine Holocaust-Überlebende, ist schwer herzkrank, ihr Zustand verschlimmert sich zusehends. Daher beschließt Yoel, sein Unternehmen zu verkaufen, um mehr Zeit mit seiner Frau verbringen zu können. Außerdem will er ein bisschen mehr Ordnung in ihr Häuschen bringen. Beim Aufräumen findet er einen Brief der Bank, in dem es um die Verpfändung eines Hauses geht, das ihm gänzlich unbekannt ist. Nur Ewa hat die Papiere unterschrieben. Yoel entscheidet sich, ohne Ewas Wissen etwas über dieses Haus in Erfahrung zu bringen – und lernt Emil kennen, mit dem Ewa seit langem eine Beziehung führt. In seinem Filmdrama stellt Haim Tabakman einen Moment in der Geschichte eines Paares dar, in dem sich der tägliche Kampf, sein Leben mit einem Menschen zu teilen, der so ganz anders ist als man selbst, auf dramatische Weise zuspitzt.
Bild oben: © Les Films du Lendemain – Yoel (Avi Kushnir) baut an seinem Motorrad.

Do., 2. Jul · 00:00-01:30 · WDR
Kinder des Krieges

Im Mai vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Noch leben Angehörige der Generation, die den Krieg miterlebten. Noch leben die letzten Zeitzeugen, die in Bombenkellern saßen, zum Volkssturm eingezogen wurden, mit ihren Eltern vor der näher rückenden Front flohen. Das multimediale ARD-Projekt „Kinder des Krieges“ erzählt das Schlüsseljahr 1945 aus der Sicht der Kinder. Noch Wochen nach dem 8. Mai 1945 habe er sich in Panik auf die Erde geworfen, wenn irgendwo am Himmel ein Flugzeug erschien, berichtet Paul Diefenbach (damals 7 Jahre alt) aus Köln. Bis heute würde er davon träumen, dass der im Krieg vermisste Vater wieder in der Tür erscheint, erzählt Alois Schneider (12) aus dem Saarland. Als sie die ersten Bilder aus den KZs zu sehen bekam, habe sie sich ihrer BDM-Uniform geschämt und später begonnen, Geschichte zu studieren, erzählt Elfie Walther (17) aus Delmenhorst. Noch ist es nicht zu spät, Fragen zu stellen. Noch leben die letzten Angehörigen der Generation, die zu jung war, um Schuld auf sich geladen zu haben, die aber alles miterlebte. Zeitzeugen des Jahres 1945 und ihre Erinnerungen stehen im Zentrum des multimedialen ARD-Projektes „Kinder des Krieges“. Ihre Aussagen machen deutlich: Unser Bild vom Jahr 1945 ist rückblickend geschönt. Geschönt von der Vorstellung des nahen Kriegsendes. Geschönt von der Vorstellung, dass am 8. Mai 1945 aller Schrecken endet. Aus Sicht derjenigen, die damals Kinder waren, stellt sich das Jahr 1945 anders dar: Zwar ist das Ende des Krieges bereits im Januar 1945 absehbar, doch niemand kann sicher sein, dieses Ende auch zu erleben. Fast alle der für diesen Film interviewten Personen haben in diesem Jahr 1945 traumatische Erfahrungen gemacht: Sie haben Hinrichtungen und Selbstmorde mitangesehen, Bombenangriffe erlebt und Vergewaltigungen ertragen. Sie drohten zu verhungern. Sie haben beim Spielen in Ruinen mit Blindgängern gespielt und dabei ihr Leben riskiert. Sie haben gesehen, wie ihre Eltern sich der Parteiabzeichen, der Hitler-Bilder, der Hakenkreuzwimpel und Fahnen entledigten. Sie wurden vorgeschickt, um die ersten alliierten Soldaten zu begrüßen, während die Eltern ängstlich hinter den Gardinen lauerten. Zusammen mit ihren Eltern wurden sie durch die befreiten Konzentrationslager geschleust, um zu erkennen, welche Verbrechen in den Jahren des Nationalsozialismus geschehen waren. Nach dem Krieg haben viele über das Erlebte geschwiegen, um die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Es sind unsere Mütter und Väter, unsere Großmütter und Großväter.

Fr., 3. Jul · 13:40-16:00 · arte
Nylons und Zigaretten

1944, Normandie: In sogenannten „Cigarette Camps“ der US-Army werden junge Französinnen darauf vorbereitet, zu ihren neuen Ehemännern in die USA auszuwandern. Jeannette, Marie-Thérèse und Mireille sind drei solche Frauen: Sie sind mit GIs verheiratet, die sie kaum kennen, und stehen kurz vor der Überfahrt über den Atlantik. Just am Tag der Abreise erhält Jeannette die Nachricht vom Unfalltod ihres Ehemannes, den die Army aber so aussehen lassen will, als sei er heldenhaft im Gefecht gestorben. Sie muss ihre beiden Freundinnen ziehen lassen und bleibt mit ihren Eltern auf deren Bauernhof zurück. Marie-Thérèse und Mireille berichten der Freundin in Briefen von ihren Erlebnissen in den USA, ihren Ängsten und ihren Hoffnungen. Mireille lebt mit ihrem jüdischen Mann in Brooklyn, die Pariserin scheint dort ihr Glück gefunden zu haben. Marie-Thérèse und ihren fünfjährigen Sohn Philippe hingegen verschlägt es auf eine Farm in Alabama. Ihr amerikanischer Mann ist durch seine Kriegserlebnisse stark traumatisiert. Immer häufiger verschwindet er und kehrt erst nach Tagen oder Wochen völlig betrunken zurück. Unterdessen wird Jeannette ihre Heimat Frankreich zunehmend fremd: Von den Männern im Dorf argwöhnisch als Soldatenfrau und Hure beschimpft, entschließt sie sich, vom Sterbegeld ihres Ehemannes die Reise in die USA anzutreten. Es wird eine Reise ins Ungewisse …

Fr., 3. Jul · 23:45-01:15 · RBB
Max Raabe in Israel

Im Herbst 2010 starteten Max Raabe und das Palast Orchester als krönenden Abschluss ihrer Konzerttournee nach Israel. Vier Konzerte gab das Ensemble in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem. Sie spielten ihr Programm „Heute Nacht oder nie“ vor einem jungen Publikum, das die deutschen Lieder von damals erstmals live hören konnte – aber auch vor einer Zuhörerschaft, die sich an diese Musik erinnerte und sie aus Kindheit oder Jugend in Deutschland kannte. In den Liedern und Schlagern dieser Künstler verdichtet sich das Lebensgefühl einer Zeit. Fast alle Textdichter waren jüdischer Herkunft, viele von ihnen wurden vom Nazi-Regime ermordet, einigen wenigen gelang die Flucht über Österreich und Frankreich in die USA. Max Raabes Kunst besteht darin, Denken und Fühlen in seiner ganzen Vielschichtigkeit zum Klingen zu bringen: Zwischen Melancholie und Ironie, Rebellion und Resignation, Elegie und Komik liegen oft nur ein halber Takt oder ein einziges Wort. Bei ihm klingen die 80 Jahre alten Lieder nicht nostalgisch und fern, sondern ganz nah und modern. Für Max Raabe und sein seit rund 25 Jahren bestehendes Palastorchester waren die Auftritte in Israel eine Premiere. Dass diese Tournee mit deutschen Liedern aus den 1920er-Jahren ein Politikum war, machte für die Musiker einerseits den Reiz aus, war Herausforderung, Geschenk und Chance der Konzertreise. Andererseits war man sich der menschlichen und auch politischen Dimension, die ein Auftritt mit gerade diesem Repertoire in Israel und vor einem israelisch-jüdischen Publikum hatte, voll und ganz bewusst. Die Dokumentation zeigt, wie Max Raabe in Israel empfangen wurde und welches Echo er auf sein Konzertprogramm bekommen hat. Sie erzählt die Geschichten von Konzertbesuchern, die aus Deutschland geflohen, vertrieben und nicht mehr bereit waren, sich ihrer ursprünglichen Heimat anzunähern. Erst die Lieder aus der Zeit ihrer Kindheit und Jugend machten es ihnen möglich, sich wieder mit diesem Abschnitt ihrer Biografie zu befassen, der über Jahrzehnte hinweg nur mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden gewesen war. So kam es zu Begegnungen, die für beide Seiten zutiefst bewegend waren. Neben Max Raabe selbst und einigen ausgewählten Musikern des Orchesters stehen einzelne jüdische Besucher der Konzerte im Mittelpunkt des Films: Alte Menschen, die die von Max Raabe interpretierten Lieder aus ihrem früheren Leben kannten und im Rahmen der Konzerte zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder live gehört haben. Menschen, deren Liebe für die Musik der 1920er-Jahre den Krieg überlebt hat, bei denen die alten Schellack-Platten bis zum heutigen Tag aufgelegt werden und eine Brücke in eine lang vergangene Zeit schlagen. Aber auch ein junger Hörer, dessen Familiengeschichte eng mit der Musik dieser Zeit verbunden ist und der durch Max Raabes Musik ein anderes Deutschland für sich entdeckt, das jenseits des Landes existiert, das in den Köpfen der Großeltern und Eltern nur für Leid und Schrecken stand.

Sa., 4. Jul · 22:00-23:30 · RBB
Der Tel-Aviv-Krimi: Masada

Kommissarin Sara Stein (Katharina Lorenz) und ihr Kollege Jakoov Blok (Samuel Finzi) werden zur antiken Festung von Masada gerufen. Es gab eine Explosion, bei der der Archäologe Aaron Salzman (Guy Zu-Aretz) ums Leben kam. Aaron war nicht irgendwer, sondern der Sohn von Avram Salzman (Michael Degen), dem „König“ der Archäologie, Entdecker von Masada und Überlebender der Shoa. Avram war bei der Explosion ebenfalls vor Ort, hat aber sein Gedächtnis verloren. Zwischen Sara und Avram stellt sich vom ersten Moment an eine eigenartige Vertrautheit ein. Sara, nicht sicher, ob sie an Avrams Amnesie glauben kann, sucht die Nähe dieses beeindruckenden Mannes, der so viel in seinem Leben durchlitten hat. Unterdessen gehen die Ermittlungen weiter und führen zu Philippe (Iftach Ophir), Aarons jungem Assistenten. Sara und Blok erfahren, dass Aaron gemeinsam mit Philippe einen lukrativen Schmuggel mit antiken Fundstücken unterhielt. Der angesehene Wissenschaftler verkehrte in Kreisen, in denen Verbrechen an der Tagesordnung sind. Ist hier der Mörder zu suchen? Eine einfache Lösung, die Sara nicht zu überzeugen vermag. Sie spürt, dass die Wahrheit in Aarons Familie zu suchen ist, bei Aarons zuverlässigem, aber ungeliebtem Bruder Elia (Yigael Sachs) und bei Avram. Hartnäckig und unbestechlich, wie sie ist, kommt Sara einer tragischen Familiengeschichte auf die Spur, der der Salzmanns, aber auch ihrer eigenen.

So., 5. Jul · 07:00-07:30 · SWR
Held der Straße – Alex und seine Marimba

Er liebt das Musizieren auf der Straße: Alex Jacobowitz, gläubiger Jude aus New York, ist mit seiner Marimba, einer Art großem Xylophon mit Resonanzröhren, auf den Straßen Europas daheim. Nach seiner klassischen Ausbildung spielte er in philharmonischen Orchestern, doch er liebt die Straße. Hier ist er sein eigener Chef, hier trifft er an guten Tagen 20.000 Menschen, hier kann er mit seinem schnoddrigen Broadway-Charme in sieben Sprachen die Menschen zum Lachen und zum Zuhören bringen. Stücke, die für zehn Finger und das Klavier geschrieben wurden, interpretiert er virtuos mit vier Schlägeln. Die Schwielen an seinen Fingern verraten, dass es Schwerstarbeit ist. Im Großstadtlärm ist Alex mit seinen Beethoven-, Mozart- und Bach-Interpretationen für viele Menschen eine unerwartete Oase. 1960 geboren, wuchs er im Staate New York in einer traditionell-jüdischen Familie auf. Heute hat er neun Kinder, die in Israel und den Vereinigten Staaten leben und zu denen er mit Smartphone und per Skype Kontakt hält. Der Film begleitet Alex und seine Marimba in Deutschland, Frankreich und in der Schweiz. Er zeigt hautnah das Leben eines Straßenkünstlers, der mit den Kolleginnen und Kollegen und den Obsthändlerinnen und Obsthändlern am Münchner Marienplatz um die besten Plätze ringt, der ständig unterwegs ist und dafür natürlich auch einen Preis zahlt. Wie bringt Alex als gläubiger Jude die komplizierten Regeln eines traditionellen jüdischen Lebens mit seinem Beruf in Einklang? Was macht er samstags, wenn er eigentlich noch nicht einmal einen Fahrstuhlknopf drücken dürfte, aber in den Fußgängerzonen die meisten Kundinnen und Kunden auf ihn warten? Wie lange kann er diese Art zu leben noch durchhalten?

So., 5. Jul · 17:00-17:55 · arte
Willy Ronis – Pariser Fotograf und Humanist

Er war mitfühlender Berichterstatter des Alltags in Frankreich, ein großer Menschenfreund und Chronist seines Jahrhunderts: Mit Fotos von Streiks und Massenprotesten debütierte Ronis in den 30er Jahren und dokumenteierte damit die soziale Ungerechtigkeit und die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen seiner Zeit. Die pulsierende Metropole Paris mit Vororten wie Belleville-Ménilmontant wird in den unmittelbaren Nachkriegsjahren zu seinem Motiv; mit seinen Pariser Alltagsszenen erlangt er internationale Anerkennung. Ab 1947 verlagert er seinen Lebensmittelpunkt in die Provence, die er in seinen Fotos als ländliche Idylle vor dem Zeitalter des Massentourismus festhält. Ronis war ein Kind ukrainischer Juden, die vor den Verfolgungen im Osten geflohen waren. Schon sein Vater arbeitete als Fotograf. Willy half in seinem Atelier aus. Er politisierte sich früh, wurde für 25 Jahre Mitglied der Kommunistischen Partei. „Dieses politische Bewusstsein war immer da und hat mich nie verlassen, obwohl ich kein Aktivist bin beziehungsweise schon lange keiner mehr bin. Ich werde mit dem Herzen auf der linken Seite sterben, genau so, wie ich gelebt habe“, sagte er einmal. Mit unveröffentlichten Archivbildern erzählt die Dokumentation aus Ronis‘ Leben, der mit seinen Fotoreportagen immer am Puls der großen Veränderungen seiner Zeit war. Sie zeigt auch die die Kompromisslosigkeit, mit der sich Ronis selbst ins Abseits manövrierte; 1955 verließ er die Fotoagentur Rapho, weil seine Bilder nicht in seinem Sinne genutzt wurden. Die Aufträge wurden seltener, doch in den 70er kehrte er zu Rapho zurück. Nach dem Bau der Berliner Mauer reiste Ronis für eine Reportagetour in die DDR. Viele seiner Werke haben sich bis heute als Ikonen in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben.

So., 5. Jul · 22:00-23:30 · MDR
Damals in Ostpreußen

Ostpreußen – ein Land der Gegensätze. Ein Agrarland, das für die meisten nur ein karges Dasein bieten kann. Daran ändern auch finanzielle Strukturhilfen der Weimarer Republik nichts – zumal sich Bauernfunktionäre die Gelder in die eigene Tasche stecken. Die Kleinbauern gehen oft leer aus. Ganz anders lebt der ostpreußische Adel. Nirgendwo sind die Gutshöfe prächtiger, die Ländereien weitläufiger und der Standesdünkel ausgeprägter. „Ich lebte in einer fest gefügten Welt, ich kannte es nicht anders“, erinnert sich Hans Graf zu Dohna, Spross eines der ältesten Adelsgeschlechter in Ostpreußen. Das alte Ostpreußen. Grandiose Landschaften und Ostseestrände, Trakehner Pferde und der sinnbildliche Elch. Die Menschen aus dem Deutschen Reich kennen die Region als Sommerfrische. Wer es sich leisten kann, fährt mit dem „Seedienst“ ans Frische Haff oder an die Kurische Nehrung. Und die Politik verklärt Ostpreußen zum Bollwerk, zum Vorposten des Deutschen Reiches im Osten. Ostpreußen ist seit dem Versailler Vertrag durch den sogenannten polnischen Korridor vom Reich getrennt. Das schürt Ressentiments gegen den polnischen Nachbarn. Es lebt aber noch ein Stück Toleranz. Die masurische Sprache, der polnischen sehr ähnlich, wird gepflegt, Königsberg ist immer noch ein geistiges Zentrum. Doch die Menschen wenden sich einem neuen Propheten zu: Adolf Hitler. Die Nationalsozialisten versprechen die „nationale Auferstehung“, schüren den Frust über die Demokratie. Mit Erfolg: Bei den Wahlen 1932 ist Ostpreußen eine Hochburg der NSDAP. Der Nationalsozialismus nimmt Ostpreußen im Sturm. Die verarmten Bauern versprechen sich Hilfe. Aber auch der Adel schlägt sich in der Mehrheit auf die Seite von Adolf Hitler. Ostpreußen gerät in den Sog von Terror und Krieg. 1938 brennt die Königsberger Synagoge. Regimegegner werden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. In Ostpreußen herrscht Gauleiter Erich Koch – ein Hitler im Provinzformat. Er verkündet feierlich den „Ostpreußenplan“, lässt Straßen bauen, und sogar ein Stück Autobahn erreicht die ferne Provinz. Ein eigener Gauleiter-Kult entsteht. Sommer 1939. Die Provinz wird zum Aufmarschgebiet für den Polenfeldzug. Nach dem Angriff verschwindet der „Korridor“. Größere Teile Polens werden Ostpreußen zugeschlagen. Eine Million Polen, darunter viele Juden, kommen unter die Zwangsherrschaft des ostpreußischen Gauleiters. Darunter Genia, eine junge Zwangsarbeiterin aus Polen, die bei Familie Donder in der Landwirtschaft hilft. Günther Donder erinnert sich: „Eines Tages kam Genia aus dem Dorf in Tränen aufgelöst und sagte: „Jemand hat mir ins Gesicht geschlagen!“ – „Weshalb“? – „Weil ich kein P getragen habe!“ Mit dem „P“ mussten sich polnische Zwangsarbeiter kennzeichnen. Genia wird später in eine der Munitionsfabriken des Reiches deportiert, wo sie bis Kriegsende schuftet. Aus der Wolfsschanze bei Rastenburg plant Hitler auch seinen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Mit der militärischen Wende im Osten wächst die Gefahr für die Zivilbevölkerung in Ostpreußen. „Wir waren jung und wollten unser Leben genießen. Tanz auf dem Vulkan, das Gefühl hatte man. Doch dann sahen wir die ersten Flüchtlingszüge. Wir haben uns nur in die Augen geblickt: Was wird noch kommen?“ Gisela Hannig erlebt so den Sommer 1944. Die Rote Armee steht an den Grenzen. Doch Ostpreußen ist sicher, tönt die NS-Propaganda. Im August wird Theo Nicolai mit anderen Königsberger Hitlerjungen zu militärisch sinnlosen Schanzarbeiten an den „Erich-Koch-Wall“ abkommandiert. Ende August dringen die ersten Nachrichten von der Bombardierung Königsbergs durch, für Theo Nicolai bricht eine Welt zusammen: Sein Elternhaus ist völlig zerstört. „Wir haben Wind gesät und Sturm geerntet. Es war leider so“, sagt Nicolai rückblickend. Die Legende vom „sicheren Ostpreußen“ bricht in sich zusammen. Es folgt die größte Massenflucht der Geschichte. Mitte Januar beginnt die Rote Armee ihre Offensive. Mehr als 1,5 Millionen Soldaten überrollen das Land. Die Menschen fliehen in Panik an die Ostsee, in verstopfte Häfen und auf überfüllte Schiffe. Von 2,5 Millionen Ostpreußen sind zwei Millionen auf der Flucht. Hunderttausende sterben im Eis, im Geschützhagel, im Tieffliegerfeuer. Wer lebend zurückbleibt, muss sich einem neuen Überlebenskampf stellen. Irmgard Schneiderat wird auf der Flucht eingeholt und von Soldaten vergewaltigt. Andere Frauen helfen ihr. „Sie haben mich wahrscheinlich weinen und jammern gehört. Sie haben mir die Zöpfe abgeschnitten. Dann wurden die Haare kurz geschnitten und von da an war ich ein Junge.“ Die folgenden Jahre überlebt sie nur dank ihrer Tarnung: Im Dienste der sowjetischen Besatzer schlägt sie sich auf einer Sowchose als Kutscherjunge durch. Schon 1945 wird der Untergang des alten Ostpreußens offiziell besiegelt. Das Land wird aufgeteilt. Den Norden nehmen sich die Sowjets. Das alte Königsberg heißt nun Kaliningrad, nach Stalins Weggefährten. Die Stadt, Vorposten der Sowjetunion im Westen, wird zur sozialistischen Mustersiedlung umgebaut: Die Ruine der einstigen preußischen Metropole weicht gewaltigen Plattenbausiedlungen. Der südliche Teil Ostpreußens wird polnisch. Neusiedler, darunter Vertriebene aus Polens Osten, den sich Stalin einverleibt hat, suchen hier eine neue Heimat. Für die Deutschen ist kein Platz mehr. Nur ganz wenige bleiben trotzdem. Der junge Masure Erich Neumann ist allein in seinem Dorf Pustnik, seit 1945 die Mutter geflohen ist und der Vater von den Russen abgeholt wurde. Erich Neumann lebt noch heute in seinem Elternhaus. „Das ist meine Heimat. Ich bin hier geboren und zur Schule gegangen, habe eine deutsche Schule besucht und eine polnische. Eingesegnet wurde ich, und geheiratet hab ich. Und deswegen muss ich hier begraben werden. In Masuren.“

Do., 9. Jul · 00:35-02:05 · ZDF
Tödliche Ermittlungen Wie starb Staatsanwalt Alberto Nisman?

Rund um den mysteriösen Tod des argentinischen Staatsanwaltes Alberto Nisman ranken sich wilde Gerüchte. Bis heute ist sein Tod nicht endgültig aufgeklärt. War es Mord oder Selbstmord? Eine Kette geheimer geopolitischer Abkommen zwischen Argentinien, dem Iran, Israel, Deutschland, Großbritannien und ihren Geheimdiensten hängen mit Nismans Tod zusammen. Die Geschichte beginnt 1994 beim blutigen antisemitischen Terroranschlag von Buenos Aires.

Do., 9. Jul · 23:10-23:40 · MDR
Der Mann in den Birken – Das sagenhafte Leben des Jurij Brezan

Dieser Film ist ein Glücksfall. Weil er aus elf Stunden Rohmaterial schöpfen konnte, die im Sommer 2000 entstanden sind. Weil darin ein damals 84jähriger Jurij Brezan – seinem Roman-Helden Krabat nicht unähnlich – durch die Oberlausitz und das Jahrhundert wanderte, sich präzise erinnernd, weise und voller Schalkhaftigkeit fabulierend… Vom Vater, der 1918 ein Kriegsheimkehrer war und den härtesten Granit der Welt spellte. Von einer armen-reichen Kindheit, in der der Knabe Brezan Märchen für seine vier Schwestern erfand und in der er mit einem Begabten-Stipendium in Bautzen die Schule besuchen durfte. Von Nazi-Terror und Holocaust vermag Brezan aus eigenem Erleben zu erzählen, Erfahrungen, die ihn zu einem Antifaschisten und bewussten Sorben unter Deutschen machten. Und zu einem Lobby-Arbeiter für seine Leute, das kleine sorbische Volk, in der DDR. Jurij Brezan war ein großer Poet und analytischer Denker, der mit seinen Krabat-Büchern und der autobiografisch gefärbten Roman-Trilogie um Felix Hanusch die sorbische Literatur in die deutsche und in die Weltliteratur überführte. Im Film „Der Mann in den Birken – Das sagenhafte Leben des Jurij Brezan“ formuliert er zeitlos gültige Sätze über den Markt, den Tod und das Leben, die in ihrer Denkschärfe verblüffen. Zum einhundertsten Geburtstag des am 9. Juni 1916 geborenen und 2006 verstorbenen Jurij Brezan setzte der Film ihm ein liebevolles Denkmal: in poetischen, schwärmerischen Landschaftsbildern seiner Oberlausitz.

Sa., 11. Jul · 13:00-14:30 · Das Erste (ARD)
Pfarrer Braun: Die Gärten des Rabbiners

Nach einem rätselhaften Mordfall in der Synagoge von Potsdam wird ausgerechnet der Rabbiner Seelig verdächtigt. Pfarrer Braun, der hier gerade seine neue Wirkungsstätte bezogen hat, leistet seinem jüdischen Kollegen gottgewollte Amtshilfe und ermittelt in der jüdischen Gemeinde. Nebenbei müssen Braun und Seelig gemeinsam eine jüdisch-katholische Liebesheirat ermöglichen. Ein schwieriges Problem, denn die Familien des jungen Paares sind sich nicht grün: Ihre Gärtnereien konkurrieren erbittert um die lukrative Bepflanzung des Schlossparks von Sanssouci. Eine seltene Tulpenart, die hier einst wuchs, führt den kriminalisierenden Pfarrer auf die Spur des Mörders. „Die Gärten des Rabbiners“ geben Ottfried Fischer in dieser Episode der beliebten Pfarrer-Braun-Reihe ein kriminalistisches Rätsel auf, das er gewohnt souverän und einmal mehr mit viel Humor zu lösen vermag.

Sa., 11. Jul · 20:15-21:45 · PHOENIX
Gysi

Als Gregor Gysi im Herbst 1989 die politische Bühne betrat, war er keineswegs ein unbeschriebenes Blatt. Er war seit über 20 Jahren SED-Mitglied und pflegte Kontakte in höchste Staatskreise. Als Vorsitzender des Kollegiums der DDR-Rechtsanwälte gehörte er zur Elite des Staates. Manche sahen ihn auf dem Weg nach ganz oben – auch wegen seiner Herkunft. Gysis Eltern stammen aus großbürgerlichen Familien mit jüdischen Wurzeln und machten in der DDR Karriere. Vater Klaus Gysi war Minister für Kultur und später Staatssekretär für Kirchenfragen, loyal und kritisch zugleich. Mutter Irene Gysi war u.a. Verlagsleiterin. Ohne dieses lässt sich Gregor Gysi nicht begreifen. Der Rechtsanwalt Gysi verteidigte in politischen Prozessen Dissidenten und stand doch loyal zum DDR-Staat. Als SED-Vorsitzender verurteilte Gysi seine Partei und wollte sie dennoch unbedingt retten. Widersprüchlich erscheint auch Gysis Verhältnis zur Staatssicherheit der DDR. Gegen den Vorwurf, er habe als Inoffizieller Mitarbeiter seine Mandanten verraten, hat er oft und erfolgreich prozessiert. Dennoch wirft die Aktenlage im Stasi-Archiv Fragen auf. In ihrem 90-minütigen Dokumentarfilm zeichnen Nicola Graef und Florian Huber Gysis Aufstieg in der DDR nach, seine Rolle als Verteidiger von Dissidenten und gleichzeitig Chef aller DDR-Anwälte. Sie zeigen seinen Aufstieg zum „Parteipatron“ der Linken und „Volkstribun“ der Ostdeutschen, aber auch den Hass, der ihm auf der Straße wie im Bundestag entgegen schlug. Und sie lenken den Blick immer wieder auf das für ihn prägende Elternhaus.

So., 12. Jul · 06:40-08:10 · HR
70 Jahre Israel – Barenboim oder die Kraft der Musik

Daniel Barenboim ist davon überzeugt, dass klassische Musik zum friedlichen Zusammenleben der Menschen beitragen kann. – Ein Porträt des Musikers zum 70. Jahrestag der Gründung Israels.Der Film zeichnet die wichtigsten Stationen und Begegnungen in der langen künstlerischen Laufbahn des großen Pianisten und Komponisten nach und begleitet ihn bei der Verwirklichung seiner persönlichen „Herzensprojekte“. Ausgangspunkt des Films ist die Eröffnung des Pierre Boulez Saales der Berliner Barenboim-Said-Akademie am 4. März 2017. Der nach Barenboims engem Freund Pierre Boulez benannte und von Frank Gehry für 700 Zuhörer entworfene ovale Kammermusik-Saal im Herzen von Berlin ist nicht nur eine spektakuläre, neue Spielstätte für klassische und zeitgenössische Kammermusik, sondern auch ein Ort für junge Musiker aus dem Nahen Osten – Juden, Christen und Muslime gleichermaßen -, die an der im selben Gebäude beheimateten Barenboim-Said Akademie studieren. Außerdem begleitet der Film Barenboim und sein berühmtes West-Eastern Diwan Orchestra bei einer Konzertreise im Sommer 2017 nach Buenos Aires, der Heimatstadt des Dirigenten. Höhepunkt ist das Konzert im spektakulären Opernhaus Teatro Colón. Im Juni 2017 war das Filmteam auch dabei, als Daniel Barenboim die Berliner Staatskappelle in George Bizets Oper „Die Perlenfischer“, inszeniert von Wim Wenders, dirigierte. Letzte Station des Films ist die Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden in Berlin.

Mo., 13. Jul · 00:35-02:05 · 3sat
Die Rückkehr des Tanzlehrers (1/2)

Der pensionierte Polizeiinspektor Herbert Molin wird in seinem abgelegenen Haus in Nordschweden tot aufgefunden. Jemand hat ihn auf bestialische Weise ermordet. In Molins Wohnzimmer finden sich auf dem Fußboden blutige Fußabdrücke in einem Muster, als ob jemand mit dem Opfer Tango getanzt hätte. Als der Polizist Stefan Lindman vom Mord an seinem Exkollegen und Freund seines Vaters erfährt, reist er nach Nordschweden. Da er kurz zuvor erfahren hat, dass er höchstwahrscheinlich an Krebs erkrankt ist, scheut er bei den Ermittlungen kein Risiko. Deshalb ist er den örtlichen Beamten, die den Fall offiziell untersuchen, immer einen Schritt voraus. Kaum hat der erfahrene Polizist allerdings erste Anhaltspunkte, geschieht ein zweiter Mord. Der Fall wird immer verwickelter, und Lindman bringt Dinge ans Licht, von denen er lieber nichts gewusst hätte. Die Spuren führen bis in den Zweiten Weltkrieg zurück. Erster Teil der zweiteiligen Henning-Mankell-Verfilmung „Die Rückkehr des Tanzlehrers“ von Urs Egger, die mit Stars wie Veronica Ferres, Tobias Moretti und Maximilian Schell hervorragend besetzt ist.

Mo., 13. Jul · 02:05-03:35 · 3sat
Die Rückkehr des Tanzlehrers (2/2)

Molins Nachbar, der jüdische Stargeiger Jonas Andersson, wird getötet. Während die örtliche Polizei von einem Doppelmord ausgeht, stößt Molins Exkollege Lindman auf ein brisantes Geheimpapier. Es weist seinen verstorbenen Kollegen als Mitglied einer militanten neonazistischen Organisation aus, deren Einfluss bis in die Spitzen der schwedischen Gesellschaft reicht. Um unerkannt zu bleiben, hetzen sie Lindman einen Killer auf den Hals. Zweiter Teil der zweiteiligen Henning-Mankell-Verfilmung „Die Rückkehr des Tanzlehrers“ von Urs Egger, die mit Stars wie Veronica Ferres, Tobias Moretti und Maximilian Schell hervorragend besetzt ist.

Mo., 13. Jul · 09:20-10:00 · HR
Mein Germany – US-Soldaten im Trümmerland

„Offen gesagt hatte ich keine große Sympathie für die Deutschen. Die hatten ja den verdammten Krieg angefangen, nicht wir.“ Der US-Presseoffizier Gene Mater steht für viele ehemalige GIs, die am Kriegsende nach Deutschland kamen. Die Jahre 1945-1949 wurden für viele dieser jungen Soldaten die wichtigste Zeit ihres Lebens. Und sie wurden zu Wegmarken für das langsam unter sanftem Druck und tätiger Mithilfe der Alliierten sich ausbildende westdeutsche Staatswesen. „Mein Germany“ erzählt die Geschichte der deutsch-amerikanischen Annäherung aus der Sicht ehemaliger Besatzungssoldaten. Für die Amerikaner, die die Deutschen bis dahin nur vom Schlachtfeld und aus der Propaganda kannten, änderte sich die Sichtweise im konkreten Zusammenleben. Sie nahmen eine Aufgabe in Angriff, die es so noch nie gegeben hatte, nämlich die Bevölkerung eines besiegten Landes politisch umzuerziehen, sie wirtschaftlich wieder auf die Beine zu bringen und sie für ein ganz neues Lebensgefühl zu gewinnen. „In Deutschland wurde ich erwachsen“, erzählt Tony Vaccaro „Ich spürte, ich wachse als Mensch. Deshalb blieb ich dort.“ Damals ist er ein junger Infanterist mit dem Berufswunsch Fotograf. Immer hat er seine Leica dabei, Deutschland nach der Kapitulation wird für ihn zur bewegenden menschlichen und künstlerischen Herausforderung. Tony Vaccaro wird offizieller Fotograf für das US-Hauptquartier in Frankfurt und dokumentiert in Tausenden von Fotos den Alltag im Ruinendeutschland. Tony Vaccaro und andere Besatzungssoldaten von damals schildern in dieser Dokumentation ihre Erlebnisse in Deutschland. Sie erzählen uns vom deutschen Nachkriegselend, vom Misstrauen zwischen Amerikanern und Deutschen, vom schwarzen Markt und von der Jagd auf versteckte Nazis. Und sie berichten von großen Gefühlen. Die Liebe in den Trümmern – in diesen Tagen ist sie nicht Klischee, sondern tausendfache Wirklichkeit. Daran erinnert sich auch Connie Mac Grath, eine Frankfurterin, die heute in San Diego lebt. Es ist eine deutsch-amerikanische Liebe gegen große Widerstände: Misstrauen bei Gundas Eltern – „man geht nicht mit dem Feind“ – und bei den Army-Vorgesetzten ihres Freundes. „Mein Germany – US-Soldaten im Trümmerland“ ist ein filmisches Erinnerungsalbum, das seinen Bogen von den letzten Kämpfen bis zur Berliner Luftbrücke spannt. Der Film führt uns zurück in eine Zeit, in der aus den Trümmern unmerklich etwas Neues entstand.