Die neuen Fernsehtipps

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Vom 01. bis 15. Mai 2018…

Di, 1. Mai · 07:40-07:45 · MDR
Glaubwürdig: Reinhard Schramm

Es ist kurz nach neun Uhr früh. Hinter Reinhard Schramm schließt sich die schwere Stahltür der Jugendhaftanstalt. Seit 15 Jahren kommt der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen hierher, um mit rechtsextremen jugendlichen Straftätern zu reden. Im großen Freizeitraum haben sich schon zehn Jugendliche versammelt. Es ist laut, die Häftlinge witzeln, tuscheln miteinander, sind unruhig. Erst als Reinhard Schramm den Raum betritt, kehrt Ruhe ein. Der 70-Jährige erzählt den „harten Jungs“ von den Taten der Nazis und beantwortet ihre Fragen. Er ist im Februar 1945 selbst nur knapp der Deportation entkommen. Umso größer ist die Hürde, sich mit den Jugendlichen zu beschäftigen, die dieses Gedankengut weitertragen und wieder aufleben lassen. „Ich glaube aber dennoch ganz fest, dass ich durch meine Arbeit die Jugendlichen wieder auf einen normalen Weg bringen kann“, sagt Reinhard. Heute ist außerdem das jüdische Shavuot-Fest und Reinhard Schramm will die Feierlichkeiten mit dem Rabbi abstimmen. Seine Frau wird bei dem Fest auch dabei sein. Das ist eher überraschend, ist sie doch orthodoxe Katholikin. Seit die beiden verheiratet sind – inzwischen 38 Jahre – feiern sie gerne die jüdischen und katholischen Feste zusammen.

Mi, 2. Mai · 07:20-07:35 · HR
Verfolgt von den Nazis

Ingeborg Hecht wurde 1921 in Hamburg geboren. Ihre Eltern lebten in einer von den Nazis so genannten Mischehe. Ihr Vater, Dr. Felix Hecht, war ein jüdischer Anwalt und ihre Mutter eine adelige Protestantin. Als sich die Eltern kurz vor dem Machtantritt Adolf Hitlers 1933 aus persönlichen Gründen scheiden ließen, ahnten sie noch nicht, was das für die Familie bedeuten würde. „Meine Mutter konnte ja nicht ahnen, dass mit der Scheidung die Gesetze meinen Vater nachher so behandelt haben, dass er nicht mehr geschützt war“, erinnert sich Ingeborg Hecht. Denn die Nürnberger Gesetze von 1935 systematisierten die Verfolgung und Ächtung der Juden. Als geschiedener Mann verlor der Vater von Ingeborg Hecht auch den von den Nazis noch gewährten Schutz der „Mischehe“. Sogar der Kontakt zu seiner eigenen Tochter wurde ihm verboten. 1944 wurde Felix Hecht ins Konzentrationslager gebracht, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ingeborg Hecht erzählt von der Sorge um den Vater, von den wenigen heimlichen Treffen. Sie berichtet von ihrer Jugend, die von Einschränkungen, Bedrohungen und Ängsten geprägt war. Sie hat darüber auch ein Buch geschrieben, unter dem Titel „Die unsichtbaren Mauern“.

Do, 3. Mai · 05:00-06:15 · arte
Last Work

Der israelische Tänzer und Choreograph Ohad Naharin bringt seine jüngste Choreographie „Last Work“ mit den Tänzern der Batsheva Dance Company auf die Bühne des Pariser Théâtre National de Chaillot – uraufgeführt wurde das Werk im Mai 2015 in Tel Aviv. Einmal mehr fesselt dieses Genie des zeitgenössischen Tanzes die Zuschauer mit einer faszinierenden Mischung aus Bewegung, Musik, Raum, Licht und Klang. Im Hintergrund läuft eine Frau wie hypnotisiert von Osten nach Westen, ohne vorwärts zu kommen. Aus mal langsam fließenden, mal abrupten Bewegungen entsteht eine unglaublich dichte Choreographie, die von der ganzen Bühne Besitz ergreift. Naharin und seinen Tänzern geht es dabei um die tänzerische Umsetzung eines scheinbar unendlichen Spektrums von Gefühlen und Empfindungen. Wie im Selbstlauf entfalten die Tänzerinnen und Tänzer ihre Virtuosität, die jedoch nie demonstrativ wirkt. Als Gaga Dance bezeichnet Naharin die unglaublich flexiblen, aber kontrollierten Verrenkungen ihrer Körper, bei denen die Tänzer auch die schwachen Teile ihres Körpers wahrnehmen sollen. Das engagierte, sehr aktuelle Werk bleibt ganz bewusst rätselhaft, indem es sich jenseits eines vertrauten Tanzvokabulars bewegt.

Do, 3. Mai · 06:05-06:35 · HR
Vater, Mutter, Hitler – Vier Tagebücher und eine Spurensuche

Anfang der 1930er Jahre geht es Deutschland wirtschaftlich schlecht. Millionen Menschen sind arbeitslos und leben in großer Not. Die politische Lage ist instabil. Als Adolf Hitler 1933 die Macht ergreift, setzen viele Menschen große Hoffnung in ihn: So auch die Solinger Arbeiterin Ida Timmer, die mit ihren Eltern in ärmlichen Verhältnissen lebt, der Wiener Felix Landau, der sich fanatisch zur Nazi-Ideologie bekennt, der Lehrer Wilm Hosenfeld aus Hessen, der für Deutschland in den Krieg ziehen will und die Hamburger Bürgerin Luise Solmitz, deren Mann jüdische Wurzeln hat.

Do, 3. Mai · 23:15-00:00 · HR
Hessen zwischen Krieg und Frieden – Frühjahr 1945

Vor gut 70 Jahren rückt die US-Armee vom Südwesten her auf das heutige Hessen vor. Es dauert etwa zwei Wochen, bis das Gebiet von der Nazi-Herrschaft befreit ist. Es sind dramatische Tage. Wenn die deutschen Truppen auch in vielen Städten wie Darmstadt, Frankfurt oder Wiesbaden kaum noch Widerstand leisten, gibt es doch Bürgermeister und Nazifunktionäre, die sinnlosen Durchhalteparolen folgen und Blutvergießen und Angriff in Kauf nehmen. In Limburg und Fulda, in Kassel und Offenbach werden Brücken gesprengt, Straßen zerstört – aber das kann den Vormarsch der Amerikaner nicht mehr aufhalten. Zeitzeugen erinnern sich an die letzten Kriegstage und die ersten Begegnungen mit dem Feind, wie aus Angst Neugier wurde. Sie waren damals Kinder, und Schokolade und Kaugummi halfen bei der Verständigung. Aber zahlreiche Anhänger des NS-Regimes wollen noch ihre Verbrechen vertuschen oder weigern sich zu kapitulieren. Sie nehmen viele Menschen mit in den Untergang. Am 21. März 1945 ermorden Nazis in Trebur-Kornsand auch die Eltern von Hermann Eller, die Sozialdemokraten waren. Nur einen Tag später überschreitet die 3. US-Armee den Rhein und landet in Trebur. Sie wird auf heute hessischem Boden noch viele Spuren von NS-Verbrechen finden. Erst als die Amerikaner Hadamar besetzen, endet dort die fabrikmäßige Ermordung kranker und behinderter Menschen. Man zählt mehr als 14.400 Opfer. Die Frauen aus dem Frankfurter Gestapogefängnis in der Klapperfeldstraße müssen noch auf einen Todesmarsch nach Hirzenhain und werden dort hinterrücks ermordet. Wiesbaden wird zum Hauptquartier der US-Armee, Fulda will bis zum letzten Blutstropfen kämpfen, dann kann der Bürgermeister dem Spuk mit einem weißen Taschentuch doch ein Ende setzen. In Hessisch Lichtenau können die Amerikaner einige jüdische Zwangsarbeiterinnen aus der nahen Rüstungsfabrik vor dem Todesmarsch retten, die Festung Kassel zwingen sie zur Aufgabe. Der Film folgt dem Weg der amerikanischen Soldaten durch Hessen. Bewegende Interviews mit Zeitzeugen und persönlich erzählte Geschichten voller Dramatik lassen die Tage zwischen Krieg und Frieden noch einmal lebendig werden. Wie die Menschen in Hessen diese Tage erlebten – ob als Befreiung oder als Kapitulation und Besetzung -, das wird eindrucksvoll erzählt.

Do, 3. Mai · 23:30-01:15 · NDR
Die Rache des Tanzlehrers

Die Ermordung des pensionierten Polizisten Herbert Molin, der in seinem abgelegenen Haus in Nordschweden förmlich hingerichtet wurde, stellt die Ermittler vor einige Rätsel: Blutige Fußabdrücke am Tatort weisen ein eigenartiges Muster auf – als hätte der Mörder mit seinem Opfer noch einen Tango getanzt. Die grauenhafte Tat schockiert auch Molins Freund und Ex-Kollegen Stefan Lindman. Als dieser mit seinen Nachforschungen beginnt, macht er eine Reihe erschütternder Entdeckungen, die auch den Blick auf sein eigenes Familienleben radikal verändern. Kommissar Stefan Lindman (Jonas Karlsson) hat gerade seinen Vater zu Grabe getragen und will sich bei dem pensionierten Ex-Kollegen Herbert Molin (Peter Kneip) für den Kranz bedanken, den dieser schickte. Doch er trifft ihn nicht mehr an: Molin wurde brutal ermordet, markante Blutspuren auf seinem Dielenboden erinnern an eine Reihe von Tanzschritten. Zuständig für diesen Fall ist der hiesige Polizeichef Rundström (Mats Bergman), der sich jedoch als schlampiger Kriminalist erweist. Lindman nimmt eigene Ermittlungen auf und stellt rasch fest, dass er den langjährigen Freund offenbar nicht gut kannte. Warum änderte Molin schon vor geraumer Zeit seinen Namen? Und warum wurde sein Haus von einem Hochsitz aus beobachtet? Die Maklerin Elsa Berggren (Lena Granhagen), von der Molin das Haus kaufte, hatte offenbar eine engere Beziehung zu ihm, über die sie sich jedoch ausschweigt. Nicht sehr redselig ist auch der Nachbar David Andersson (Göran Graffman), der im Gespräch plötzlich sehr nervös wird. Andersson konnte Molin auf den Tod nicht ausstehen. Worin diese Abneigung gründet, kann Lindman aber nicht mehr herausfinden, denn auch Andersson wird brutal ermordet. Während die Kollegen nach einem Zusammenhang zwischen den Taten suchen, stößt Lindman bei nochmaligem Durchstöbern von Molins Haus auf alte Dokumente, die seinen Freund als überzeugten Altnazi ausweisen. Mit Hilfe seines Kollegen Giuseppe Larsson (Douglas Johansson) stößt Lindman auf ein braunes Netzwerk, zu dem auch Molins sympathische Tochter Veronica (Lia Boysen) gehört – und sogar sein eigener Vater war Mitglied dieser Organisation. Allein der Mord an Molin bleibt rätselhaft.

Fr, 4. Mai · 00:15-02:20 · arte
Die Akte Odessa

Odessa, die Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen, eine Geheimorganisation in Deutschland, arbeitet an einem Raketenfernlenksystem, mit dem in Ägypten positionierte Raketen mit Spezialsprengköpfen Israel komplett zerstören könnten. Am 22. November 1963, dem Tag der Ermordung Kennedys, ist der Journalist Peter Miller auf der Suche nach einer Story. Per Zufall gerät er an einen Tatort. Ein alter Mann hat sich das Leben genommen. Am nächsten Tag übergibt ihm der befreundete Polizist Karl die im Zimmer des Mannes gefundenen Dokumente. Salomon Tauber, ein ehemaliger KZ-Insasse, berichtet in seinen Memoiren über den SS-Offizier Eduard Roschmann, den Schlächter von Riga. Wie viele weitere Nazis war er kurz vor der Befreiung 1945 geflohen. Miller beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen und Roschmann aufzuspüren. Dabei stößt er sowohl bei seinem Chefredakteur als auch bei seiner Familie auf taube Ohren. Warum in diesen alten Geschichten herumkramen? Unbeirrt macht sich Miller an die Arbeit. Er macht Marx, einen Bekannten Taubers, ausfindig, der ihm berichtet, dass Tauber Roschmann vor drei Wochen in Hamburg in der Oper gesehen habe. Als Tauber zur Polizei gegangen sei, habe man ihn abgewimmelt, weshalb sich Tauber das Leben genommen habe. Bei dem Versuch, Roschmanns Akte einzusehen, wird Miller klar, dass Roschmann von einer Gruppe Altnazis beschützt wird. Er nimmt die Fährte auf. Doch seine Suche ist gefährlich. Schon bald ist sein Leben in Gefahr. Gelingt es ihm, die Gräueltaten des Schlächters von Riga publik zu machen?

Fr, 4. Mai · 09:30-11:05 · arte
Inside Mossad – Israels Agenten erzählen

Er gilt als bestinformierter Geheimdienst der Welt und operativer Arm der Regierung – der Mossad. Nach dem Holocaust und der Staatsgründung Israels wurde er als ziviler Auslandsgeheimdienst geboren: Die Organisation sollte so stark und effektiv sein, dass sie nicht nur den Staat Israel, sondern auch die weltweite jüdische Diaspora zu schützen in der Lage sein sollte. Heute, fast 70 Jahre danach, hat der Mossad sich zu einem so mächtigen und sagenumwobenen Geheimdienst entwickelt, dass es kaum möglich ist, Realität von Fiktion zu trennen. Die Dokumentation gewährt einen tiefen Blick ins Innere des Mossad, um herauszufinden, wo der Mythos endet und die Wirklichkeit beginnt. Erstmals haben sich hochrangige Agenten des israelischen Geheimdienstes bereiterklärt, vor die Kamera zu treten. Die Dokumentation taucht ein in ihre Gefühlswelten, schildert das persönliche Erleben und die moralischen Dilemmata, die sich aus der Arbeit beim Mossad ergeben. Es ist das intime Porträt eines Lebens entstanden, das sich in Schattenwelten abspielt, ganz und gar im Dienst einer Mission steht und von dem die Öffentlichkeit in der Regel nur erfährt, wenn etwas schiefgegangen ist. Packende Interviews führen durch die Geschichte Israels und erzählen von berüchtigten Operationen höchster Geheimhaltungsstufe. Bis heute relevante geschichtliche Ereignisse wie der Eichmann-Prozess, die Islamische Revolution oder der Krieg im Libanon erscheinen in einem neuen Licht. Am Ende lässt sich erahnen, zu welchem Anteil die Weltgeschichte von Geheimagenten mitgeschrieben wird.

Sa, 5. Mai · 14:30-15:00 · Das Erste (ARD)
Weltspiegel-Reportage: 70 Jahre Israel

Frühling 1948: Mit der Gründung des Staates Israel wird für viele ein Traum Wirklichkeit. Juden aus der ganzen Welt sind aufgerufen, eine neue Heimat aufzubauen, auch die dort lebenden Araber. Mit den Nachbarländern will Israel ein friedliches Miteinander. Frühling 2018: Israel ist ein moderner Industriestaat, ein Einwanderungsland, vielfältig, bunt und widersprüchlich. Kriege und Konflikte haben den Staat und seine Bewohner geprägt. Die ARD-Korrespondenten Susanne Glass und Mike Lingenfelser nehmen die Zuschauer mit auf eine Reise durch ein Vielvölkerland, mit seinen begeisternden Menschen. Mit der Gründergeneration sprechen sie über deren Ideale und was daraus wurde, mit jungen Leuten über das Hier und Jetzt, ihr besonderes Lebensgefühl. Was alle verbindet: ihre Hoffnung auf Frieden. Der Roadtrip soll im Süden starten und bis zu den Golanhöhen an der Nordgrenze zu Syrien führen. Stationen auf dem Weg dorthin sind Jaffa, Tel Aviv und Jerusalem. Die Reise endet im Norden Israels, nahe Haifa, an einem Strand mit einem speziellen Friedensprojekt: Ein Surflehrer unterrichtet jüdische und arabische Jugendliche gemeinsam. „Im Meer sind wir alle gleich. Der einzige Konflikt ist, wer die beste Welle surft.”

So, 6. Mai · 09:15-10:45 · SWR
Carl Laemmle – Ein Leben wie im Kino

Carl Laemmle, ein oberschwäbischer Jude, gründet Hollywood. Er gilt als bedeutender Filmpionier. Historiker, Filmexperten und Nachfahren sprechen über seine Bedeutung für das Kino von heute. Das Porträt würdigt Carl Laemmle auch als den Menschen, der mit seinen Bürgschaften Hunderte von Juden vor den Nazis rettete. Nach dem Tod der Mutter gibt es für Carl Laemmle, einen armen jüdischen Jungen aus dem schwäbischen Laupheim, kein Halten mehr: Er entflieht der oberschwäbischen Provinz und wandert nach Amerika aus. Dort macht er eine Karriere wie aus dem Bilderbuch. Er kauft eine Hühnerfarm bei Los Angeles und gründet Universal Pictures. Dies ist die Geburtsstunde von Hollywood. Carl Laemmle ist der erste, der die Bedeutung von Leinwandstars für das Kino entdeckt. Filmklassiker wie „Dracula“ oder „Frankenstein“ werden in seinem Studio gedreht, aber auch Meilensteine der Kinogeschichte wie „Im Westen nichts Neues“. Laemmle ist ein fleißiger Schaffer und Strippenzieher, aber auch ein Spieler. Als Universal in die Krise gerät, setzt Lämmle alles auf eine Karte – und verliert. Wenig bekannt ist die Tatsache, dass Carl Laemmle in den folgenden Jahren Hunderte von deutschen Juden vor den Nazis rettet. Er übernimmt Bürgschaften und sorgt dafür, dass diese Menschen nach Amerika ausreisen dürfen. Die Dokumentation ist eine bewegende Spurensuche an Originalschauplätzen. Wie erinnert seine Heimatstadt Laupheim an den großen Sohn? Welche Rolle spielt Laemmle tatsächlich für das große Kino und was ist von ihm in Hollywood geblieben? Experten äußern sich zu seinen bahnbrechenden Filmen. Seine Nachfahren sammeln heute noch in den USA alles, was an Spuren zu finden ist. Und Sandy Einstein aus der Nähe von San Franzisco, Sohn eines jüdischen Auswanderers, sagt: „Ohne Carl Laemmle wäre meine Familie ausgelöscht worden.“

So, 6. Mai · 11:00-12:30 · 3sat
Max Raabe in Israel

Im Herbst 2010 starteten Max Raabe und das Palast Orchester als krönenden Abschluss ihrer Konzerttournee nach Israel. Vier Konzerte gab das Ensemble in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem. Sie spielten ihr Programm „Heute Nacht oder nie“ vor einem jungen Publikum, das die deutschen Lieder von damals erstmals live hören konnte – aber auch vor einer Zuhörerschaft, die sich an diese Musik erinnerte und sie aus Kindheit oder Jugend in Deutschland kannte. In den Liedern und Schlagern dieser Künstler verdichtet sich das Lebensgefühl einer Zeit. Fast alle Textdichter waren jüdischer Herkunft, viele von ihnen wurden vom Nazi-Regime ermordet, einigen wenigen gelang die Flucht über Österreich und Frankreich in die USA. Max Raabes Kunst besteht darin, Denken und Fühlen in seiner ganzen Vielschichtigkeit zum Klingen zu bringen: Zwischen Melancholie und Ironie, Rebellion und Resignation, Elegie und Komik liegen oft nur ein halber Takt oder ein einziges Wort. Bei ihm klingen die 80 Jahre alten Lieder nicht nostalgisch und fern, sondern ganz nah und modern. Für Max Raabe und sein seit rund 25 Jahren bestehendes Palastorchester waren die Auftritte in Israel eine Premiere. Dass diese Tournee mit deutschen Liedern aus den 1920er-Jahren ein Politikum war, machte für die Musiker einerseits den Reiz aus, war Herausforderung, Geschenk und Chance der Konzertreise. Andererseits war man sich der menschlichen und auch politischen Dimension, die ein Auftritt mit gerade diesem Repertoire in Israel und vor einem israelisch-jüdischen Publikum hatte, voll und ganz bewusst. Die Dokumentation zeigt, wie Max Raabe in Israel empfangen wurde und welches Echo er auf sein Konzertprogramm bekommen hat. Sie erzählt die Geschichten von Konzertbesuchern, die aus Deutschland geflohen, vertrieben und nicht mehr bereit waren, sich ihrer ursprünglichen Heimat anzunähern. Erst die Lieder aus der Zeit ihrer Kindheit und Jugend machten es ihnen möglich, sich wieder mit diesem Abschnitt ihrer Biografie zu befassen, der über Jahrzehnte hinweg nur mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden gewesen war. So kam es zu Begegnungen, die für beide Seiten zutiefst bewegend waren. Neben Max Raabe selbst und einigen ausgewählten Musikern des Orchesters stehen einzelne jüdische Besucher der Konzerte im Mittelpunkt des Films: Alte Menschen, die die von Max Raabe interpretierten Lieder aus ihrem früheren Leben kannten und im Rahmen der Konzerte zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder live gehört haben. Menschen, deren Liebe für die Musik der 1920er-Jahre den Krieg überlebt hat, bei denen die alten Schellack-Platten bis zum heutigen Tag aufgelegt werden und eine Brücke in eine lang vergangene Zeit schlagen. Aber auch ein junger Hörer, dessen Familiengeschichte eng mit der Musik dieser Zeit verbunden ist und der durch Max Raabes Musik ein anderes Deutschland für sich entdeckt, das jenseits des Landes existiert, das in den Köpfen der Großeltern und Eltern nur für Leid und Schrecken stand.

So, 6. Mai · 22:30-23:15 · PHOENIX
Mein Ausland: „Schaut’s net aus dem Fenster“

Nach dem Zweiten Weltkrieg flüchteten mehr als 200-tausend Juden zwischen 1945 und 1948 Richtung Palästina. Österreich war ein wichtiges Transitland für diesen Exodus und Salzburg die Drehscheibe. Tausende Flüchtlinge mussten nachts ohne richtige Ausrüstung, oft mit Kleinkindern oder schwanger, ins hochalpine Gelände. Sie gingen über den Krimmler Tauernpass nach Italien und weiter dem gelobten Land entgegen. Denn die Engländer, damals Besatzungsmacht in Palästina, wollten den jüdischen Zuzug verhindern und schnitten in ihren österreichischen Besatzungszonen Osttirol und Kärnten alle Fluchtmöglichkeiten ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg flüchteten mehr als 200-tausend Juden zwischen 1945 und 1948 Richtung Palästina. Österreich war ein wichtiges Transitland für diesen Exodus und Salzburg die Drehscheibe. Tausende Flüchtlinge mussten nachts ohne richtige Ausrüstung, oft mit Kleinkindern oder schwanger, ins hochalpine Gelände. Sie gingen über den Krimmler Tauernpass nach Italien und weiter dem gelobten Land entgegen. Denn die Engländer, damals Besatzungsmacht in Palästina, wollten den jüdischen Zuzug verhindern und schnitten in ihren österreichischen Besatzungszonen Osttirol und Kärnten alle Fluchtmöglichkeiten ab. Auch die Franzosen verweigerten die Durchreise durch Nordtirol. Als einziges Schlupfloch blieben den verzweifelten Menschen, die gerade erst dem Holocaust entronnen waren, die Krimmler Tauern, wo die amerikanische Besatzungszone Österreichs an Italien grenzte. Das „Schlupfloch“ hatte Marko Feingold, Jahrgang 1913 und Überlebender von vier Konzentrationslagern, 1947 entdeckt, nachdem er seit 1945 bei der Betreuung jüdischer Flüchtlinge in Salzburg mitgewirkt hatte. Feingold beteiligt sich weiterhin jedes Jahr an dem Gedenkmarsch, der im Juni von Österreichern gemeinsam mit Israelis initiiert wird. Er erinnert sich, dass die Juden in Krimml von der österreichischen Gendarmerie nicht gerne gesehen waren. Aber die Polizisten bekamen die Anweisungen vom Innenministerium, nicht aus dem Fenster, sondern wegzuschauen. Auch die Amerikaner wussten von den Transporten, hatten aber die Weisung, weder zu helfen noch zu behindern. Anlässlich des 70. Jubiläums der Judenflucht über die Krimmler Tauern hat ARD-Korrespondentin Susanne Glass die noch lebenden Zeitzeugen in Israel besucht.

So, 6. Mai · 23:35-01:10 · Das Erste (ARD)
Eskimo Limon: Eis am Stiel – Von Siegern und Verlierern

1978 eroberte die Pubertätsgeschichte „Eis am Stiel“ (Originaltitel: „Eskimo Limon“) ein internationales Publikum und befeuerte die erotischen Fantasien einer ganzen Generation. Auch in Deutschland. Der erste Film lief sogar im Wettbewerb der Berlinale und erhielt eine „Golden Globe“-Nominierung. Nur wenigen Zuschauern war klar, dass der Film und seine sieben Fortsetzungen aus Israel kamen. „Eis am Stiel“ katapultierte die Produzenten Yoram Globus und Menahem Golan sowie Regisseur Boaz Davidson nach Hollywood und machte die Schauspieler Yftach Katzur, Anat Atzmon und Zachi Noy weltbekannt. Eine ganz andere Wahrheit hinter dem Erfolg entdeckt der Dokumentarfilm „Eskimo Limon: Eis am Stiel – Von Siegern und Verlierern“. Eric Friedler, mehrfacher Gewinner von Grimme- und Deutschem Fernsehpreis, begleitet die Akteure von damals auf einer Reise in ihre Vergangenheit. In intensiven Begegnungen und Interviews fördert er schmerzhafte Geständnisse und unterdrückte Schuldgefühle zutage und zeigt, wie nahe Ruhm und Elend, Aufstieg und Fall beieinander liegen.

Mo, 7. Mai · 01:15-02:00 · HR
1948 – jüdischer Traum, arabisches Trauma

14. Mai 1948. Ein schicksalhafter Tag für Juden und Araber, ein Tag, dessen Auswirkungen bis heute die Weltpolitik bestimmen. Für die Juden geht an diesem Tag das 2000-jährige Exil zu Ende – der Staat Israel wird ausgerufen. Für die Palästinenser steht dieses Datum als Symbol für die Nakba – die massenhaften Flucht und Vertreibung aus ihren Dörfern und Siedlungen. Der Film beleuchtet die historischen Ereignisse anhand persönlicher Schicksale jüdischer und palästinensischer Protagonisten. Sie erzählen ihre Geschichte eindringlich und fern von ideologischen Schilderungen. 14. Mai 1948. Ein schicksalhafter Tag für Juden und Araber, ein Tag, dessen Auswirkungen bis heute die Weltpolitik bestimmen. Für die Juden geht an diesem Tag das 2000-jährige Exil zu Ende – der Staat Israel wird ausgerufen. Für die Palästinenser steht dieses Datum als Symbol für die Nakba – die massenhaften Flucht und Vertreibung aus ihren Dörfern und Siedlungen. Der Film beleuchtet die historischen Ereignisse anhand persönlicher Schicksale jüdischer und palästinensischer Protagonisten. Sie erzählen ihre Geschichte eindringlich und fern von ideologischen Schilderungen. Danny Angel, jüdischer Bäckersohn, wurde 1919 geboren. Seine Familie lebt seit acht Generationen in Jerusalem. Spannungen zwischen Juden und Arabern kannte er als Kind nicht. Er studierte in Beirut, lernte seine Frau kennen – eine libanesische Jüdin. Erst allmählich wandelt sich die Realität in Palästina – in den dreißiger Jahren, nach Ausbruch der arabischen Revolte, angeführt von dem Großmufti aus Jerusalem, einem Bewunderer Adolf Hitlers. Danny Angel schließt sich der Hagana, der jüdischen Untergrundarmee, an, kämpft in der jüdischen Brigade der britischen Armee und schließlich beim israelischen Militär. Vor allem aber kämpft er für das, was er aus seiner Kindheit kennt: ein friedliches Zusammenleben. In seiner Bäckerei, mittlerweile eine der größten im Land, arbeiten Juden und Araber seit Generationen im Betrieb. Die 14. Mai 1948. Ein schicksalhafter Tag für Juden und Araber, ein Tag, dessen Auswirkungen bis heute die Weltpolitik bestimmen. Für die Juden geht an diesem Tag das 2000-jährige Exil zu Ende – der Staat Israel wird ausgerufen. Für die Palästinenser steht dieses Datum als Symbol für die Nakba – die massenhaften Flucht und Vertreibung aus ihren Dörfern und Siedlungen. Der Film beleuchtet die historischen Ereignisse anhand persönlicher Schicksale jüdischer und palästinensischer Protagonisten. Sie erzählen ihre Geschichte eindringlich und fern von ideologischen Schilderungen. Danny Angel, jüdischer Bäckersohn, wurde 1919 geboren. Araberin Saada Suleiman stammt aus einem Dorf bei Haifa, im Norden des damaligen Palästina, hütete Schafe und Ziegen, deren Milch sie an die Juden aus dem Nachbardorf verkaufte. Dann aber, im Winter 1947, brachen die Kämpfe zwischen Juden und Arabern aus. Der Imam forderte die Dorfbewohner auf, zu fliehen. Saada und die Familie fuhren in den Libanon, gingen davon aus, in wenigen Tagen zurückzukehren. Zu Zeit der Dreharbeiten ist Saada 86 Jahre alt und lebt noch immer in einem palästinensischen Flüchtlingslager im Südlibanon – staatenlos und ohne Recht auf eigenen Grundbesitz. Danny Angel und Saada Suleiman – zwei von sieben Protagonisten, deren Geschichten deutlich machen, wie tragisch der Konflikt um ein kleines Stück Land und die Sehnsucht nach der Heimat für beide Völker ist. Esther Eisen überlebte als einzige in ihrer Familie den Holocaust. Mit ihrer großen Liebe Jakob kam sie nach Israel, um hier ein neues Leben zu beginnen. Doch Jakob zog in den Krieg, um das junge Land zu verteidigen. An allen Fronten marschierten arabische Militärs ein. Jakob fiel und ließ Esther alleine zurück – Witwe mit zwanzig Jahren. Abdel Al Jamal spielte als arabischer Junge mit den jüdischen Nachbarskindern Fußball. Dann brach der Krieg aus, seine Familie floh. Er durfte mit seiner Mutter zurückkehren in seine Heimatstadt Akko, die nun zu Israel gehörte. Sein älterer Bruder musste im Libanon bleiben. Seitdem haben sich die Brüder nicht mehr gesehen. Es sind Geschichten aus der Anfangszeit des Staates Israel, die in der aktuellen politischen Debatte um die Zukunft längst in Vergessenheit geraten sind, ohne die sich die Gegenwart jedoch nicht verstehen lässt. Wer wirklich interessiert ist, eine Lösung für diesen tragischen schmerzlichen Konflikt zweier Völker zu finden, der muss Menschen wie Esther Eisen und Saada Suleiman zuhören.

Mo, 7. Mai · 02:00-02:30 · HR
Bananen für Palästina – die geheime Flotte der Juden

Klapprig waren die Schiffe, oft kaum seetüchtig, und dennoch waren die Passagiere überglücklich, sich auf die Reise machen zu können, auf die Reise in das „Gelobte Land“. Die Überlebenden des Naziterrors in Europa hatten meist keine Familien mehr, keine Heimat, in die sie zurückkehren konnten. Ihre einzige Hoffnung: ein jüdischer Staat. Aber 1945 steht Palästina noch unter britischem Mandat, und die Briten verweigern die Einwanderung jüdischer Siedler. Der Film erzählt die Geschichte der auf den illegalen Aliyah-Bet-Schiffen nach Palästina flüchtenden Juden, und er erzählt die Geschichte jener Männer, die die Schiffe besorgten und unter abenteuerlichen Umständen durch die britische Blockade nach Palästina steuerten. Gad Hilb etwa war 1926 aus Deutschland ausgewandert. Als Kapitän brachte er nach 1945 mehrere Schiffe nach Haifa, unter anderem die „Ulua“ mit 500 jungen Frauen, die das Konzentrationslager Bergen-Belsen überlebt hatten. Das Fahrtziel der „Ulua“ war angeblich Kuba, die Fracht angeblich Bananen. Das Wort Banane wurde zum Codewort für die illegalen Einwanderer. Lou Brettschneider und Dave Gutmann hatten als Schiffsingenieure auf den Flüchtlingsschiffen angeheuert und wurden von den Briten in das so genannte Kreuzfahrergefängnis von Accre eingeliefert. Wenige Wochen nach ihrer Freilassung brachten sie schon wieder ein Schiff nach Palästina. Fünfzig Jahre später treffen sich Hilb, Brettschneider und andere Crew-Mitglieder der Geheimen Flotte zum ersten Mal wieder in Haifa. Sie berichten über ihre abenteuerlichen Unternehmungen und wie damals alles angefangen hatte, als kurz nach Kriegsende im New Yorker Hotel Fourteen fünf Männer der Haganah abstiegen mit dem Auftrag, seetüchtige Schiffe aufzukaufen – unter ihnen Teddy Kollek, der spätere Bürgermeister von Jerusalem.

Mo, 7. Mai · 23:10-00:50 · MDR
Die Brücke

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs erhält eine Gruppe unbedarfter Oberschüler den militärisch sinnlosen Auftrag, eine Brücke in ihrem Heimatort zu verteidigen. Von der Nazi-Ideologie verblendet, halten die Jungs den Krieg für ein Abenteuerspiel, bis einer von ihnen von einem Tiefflieger erschossen wird. Getrieben von Rache und wahnwitzigem Patriotismus, stellen die Kindersoldaten sich einem übermächtigen US-Panzerverband entgegen. Im April 1945 geht der Krieg in die letzte Phase. Während die alliierten Truppen auf breiter Front im Vormarsch sind, zieht das Nazi-Regime sein letztes Aufgebot zum Volkssturm ein. Darunter befinden sich sieben Gymnasiasten aus der bayerischen Provinz, deren bisheriges Leben von der NS-Propaganda bestimmt war. Ihr besonnener Lehrer Stern (Wolfgang Stumpf) erreicht durch Intervention beim zuständigen Hauptmann (Heinz Spitzner), dass man seine Schüler nicht mehr in den Kampf schickt. Stattdessen werden sie zur weniger gefährlichen Bewachung einer Brücke in ihrer Heimatstadt abkommandiert. Ein gutmütiger Unteroffizier (Günter Pfitzmann), der für ihr Überleben sorgen soll, wird bei einem Erkundungsgang als vermeintlicher Deserteur erschossen. Die unausgebildeten Rekruten sind nun ganz auf sich gestellt. Als Sigi (Günther Hoffmann), der Jüngste der Gruppe, bei einem Tieffliegerangriff stirbt, eröffnen seine Kameraden blindlings das Feuer auf heranrollende US-Panzer. Ein amerikanischer G.I., der nicht auf Kinder schießen will, bezahlt sein Friedensangebot mit dem Leben. Von der Gegenwehr überrascht, zieht der alliierte Verband sich zurück.

Mo, 7. Mai · 23:30-00:30 · Das Erste (ARD)
Israel, Geburt eines Staates

Im Mai 2018 feiert Israel den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung – ein Ereignis, das wie kaum ein anderes die Nachkriegszeit über Jahrzehnte geprägt hat. Im November 1947 verabschiedeten die Vereinten Nationen ziemlich unerwartet einen Teilungsplan für Palästina, der die Gründung eines jüdischen und eines arabischen Staates vorsah. Für die Bewohner Palästinas, das damals noch unter britischem Mandat stand, hatte dieser Schritt höchst unterschiedliche Bedeutung. Für die jüdische Bevölkerung schien es der Beginn eines wahrgewordenen Traums, für die Araber entwickelte es sich zum Beginn einer Katastrophe, der Vertreibung. Bis heute ist das frühere Palästina eine offene Wunde, ein umkämpftes Land zwischen zwei Völkern, eine Quelle unauflöslicher Spannungen in der Region und weit über den Nahen Osten hinaus. Vor diesem Hintergrund erzählt der vielfach preisgekrönte Autor William Karel zusammen mit seiner Co-Autorin Blanche Finger die Geschichte der folgenreichen Staatsgründung Israels. Am Ende des Zweiten Weltkriegs schien es noch höchst unwahrscheinlich, dass es diesen Staat jemals geben könnte. Heute ist die Kette von Ereignissen, die dies ermöglicht haben, kaum noch bekannt, ebenso wie die unmittelbaren Folgen, die die Staatsgründung auslöste. Wie war die Situation der arabischen und der jüdischen Bevölkerungsgruppen in Palästina vor 1947? Wie waren Kräfte und Interessen im britischen Mandatsgebiet verteilt? Wie erging es Holocaust-Überlebenden, die nach langen Jahren des Leidens in Palästina eine Heimat finden wollten? Wie groß war der Schock der arabischen Bevölkerung, als ihnen klar wurde, dass auf die Vertreibung von 1948 keine Rückkehr folgen würde? Welche frühen Weichenstellungen haben Israelis und Palästinenser in die Situation gebracht, in der sie sich heute befinden? Die immer neuen aktuellen Nachrichten vom Konflikt im Nahen Osten haben den Blick auf diese Anfänge weitgehend verstellt. Die Dokumentation macht diese Geschichte lebendig, auf der Basis von umfangreichem öffentlichen und privaten Archivmaterial aus den unterschiedlichsten Quellen und mit den Erinnerungen und Einschätzungen israelischer und palästinensischer Experten, Historiker und Publizisten.

Mi, 9. Mai · 00:00-01:30 · NDR
Der Anständige

Am 6. Mai 1945 besetzen Soldaten der 88. US-Armeedivision das Haus der Familie Himmler in Gmund am Tegernsee. Sie finden Hunderte von privaten Briefen, Dokumenten, Tagebüchern und Fotos. Anhand dieses Materials und mit zahlreichen historischen Aufnahmen skizziert der Film das Denken, die Ideale, Pläne und Geheimnisse des SS-Führers und Architekten der Endlösung Heinrich Himmler. Wie konnte aus dem nationalistischen Kleinbürgersohn jener enge Gefolgsmann Hitlers werden? Ein Film über die Anmaßungen eines Massenmörders und die Verdrängung jeglicher Schuld. „Man muss im Leben immer anständig und tapfer sein und gütig.“ Heinrich Himmler an seine Tochter, 1941, Poesiealbum, Private Sammlung Heinrich Himmler war handfester Nationalsozialist. Dies trennte er auch nicht von seiner Rolle als Familienvater. Der Dokumentarfilm „Der Anständige“ gibt Einblicke in das Innenleben des NS-Mörders. Am 6. Mai 1945 besetzen Soldaten der 88. US-Armeedivision das Haus der Familie Himmler in Gmund am Tegernsee. Sie finden Hunderte von privaten Briefen, Dokumenten, Tagebücher und Fotos. Anhand dieses Materials und mit zahlreichen historischen Aufnahmen skizziert der Film das Denken, die Ideale, Pläne und Geheimnisse des SS-Führers und Architekten der Endlösung Heinrich Himmler. Diese Briefe und Aufzeichnungen gelangten nach Israel. Dort kaufte sie 2007 der Vater der Filmemacherin. Wie konnte aus dem nationalistischen Kleinbürgersohn jener enge Gefolgsmann Hitlers werden, der die Strategien zur Ermordung von Millionen Juden, Homosexuellen, Kommunisten, Sinti und Roma entwarf und durchführte? Woher kam seine Ideologie? Wie sah er sich selbst und wie wurde er von seinem privaten Umfeld wahrgenommen, der Frau Margarete, der Tochter Gudrun, der Geliebten Hedwig? Wie konnte der Mann, der sich in Briefen stets auf sogenannte deutsche Tugenden – Ordnung, Anstand, Güte – berief, mitten im Grauen von Krieg und Holocaust nach Hause schreiben: „Trotz der vielen Arbeit bin ich wohlauf und schlafe gut“? Ein Film über die Anmaßungen eines Massenmörders und die Verdrängung jeglicher Schuld. Die Filmemacherin Vanessa Lapa stellt die unter anderem von Tobias Moretti (Stimme Heinrich Himmlers) und Sophie Rois (Stimme Marga Himmlers) gesprochene Text-Auswahl einer Collage aus Archivbildern gegenüber. Dabei handelt es sich um überwiegend unveröffentlichtes Material.

Mi, 9. Mai · 00:30-02:00 · arte
The Voice of Peace – Der Traum des Abie Nathan

Der Friedensaktivist Abie Nathan verließ sich nicht auf Organisationen, sondern mobilisierte Freiwillige und Sponsoren, half spontan und unbürokratisch. Mit ungewöhnlicher Direktheit und überraschenden Gesten setzte er maßgeblich den Aussöhnungsprozess zwischen der arabischen Welt und Israel in Gang. Legendär ist sein Piratensender „Voice of Peace“, der von 1973 bis 1993 „von irgendwo im Mittelmeer“ neben moderner Popmusik Friedensbotschaften in den Nahen Osten sendete. Unterstützt von internationalen Musikgrößen jener Zeit: John Lennon, George Harrison, Gloria Gaynor, Joan Baez oder Peter „Pete“ Seeger. Yoko Ono, Zubin Mehta, Michael Caine, Schimon Peres, Daniel Barenboim, viele Prominente, internationale Weggefährten aus Politik und Kultur: Mit ihren Erinnerungen und Einschätzungen porträtiert der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilmregisseur Eric Friedler Abie Nathan und entdeckt nicht nur einen großen Menschenfreund, sondern auch einen unermüdlichen Ideenproduzenten, charmanten Bohemien und einfallsreichen Unternehmer. Denn es war der Lebemann Abie Nathan, der den Hamburger nach Israel brachte und sein Lokal, das Café California, war quirliger Treffpunkt für die angesagte Szene der Metropole Tel Aviv. Im Jahr 1966 flog Abie Nathan in einer spektakulären Aktion mit seinem Privatflugzeug „Shalom 1“ nach Port Said und raubte dem im Kriegszustand mit Ägypten lebenden Israel den Atem – zurückgekehrt wurde er prompt verhaftet. Silvester 1976 verbrachte Abie Nathan mit seinem Radioschiff auf dem Suezkanal, damals ein krimineller Akt für einen israelischen Staatsbürger. Ins Gefängnis kam er jedoch erst 1991, als er sich mit PLO-Chef Arafat traf. Drei Jahre später erhielt Schimon Peres gemeinsam mit Arafat und Rabin den Friedensnobelpreis.

Mi, 9. Mai · 12:05-12:30 · 3sat
Heimat Diaspora – Das Erbe der Juden von Hohenems

Ende Juli 2017 feierten etwa 200 Menschen aus aller Welt das 400-Jahr-Jubiläum der Ansiedlung von Juden in der kleinen Stadt Hohenems im Vorarlberger Rheintal. 1617 hatte Graf Kaspar einen Schutzbrief für zwölf jüdische Familien erlassen, um Markt und Wirtschaft zu beleben. Daraus entwickelte sich eine jüdische Gemeinde, die weit über die Region hinaus Bedeutung erlangte. Diese jüdische Gemeinde trug zum wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritt des Ortes bei. Doch unter der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten wurde sie ausgerottet. Seit der Eröffnung des Jüdischen Museums Hohenems 1991 wird diese Geschichte wieder lebendig – und führt viele Nachkommen der jüdischen Familien immer wieder nach Hohenems.

Mi, 9. Mai · 22:45-00:20 · BR
Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

Oscarpreisträgerin Natalie Portman inszeniert eindringlich die Kinderjahre des Schriftstellers Amos Oz in Jerusalem der vierziger Jahre. Im jungen Staate Israel versuchen die geflüchteten Juden sich eine Zukunft und ein neues Zuhause aufzubauen. Eine besonders enge Beziehung hat Amos zu seiner Mutter, einer begnadeten Geschichtenerzählerin, die jedoch bald an Depressionen erkrankt. Amos wächst in den vierziger Jahren in Jerusalem auf. Seine Familie stammt aus Polen. Wie viele vertriebene und geflüchtete europäische Juden hoffen sie auf ein besseres Leben im jungen Staat Israel, der die rechtmäßige Heimat des jüdischen Volkes werden soll. Amos‘ Leben wird einerseits von dieser politisch bewegten Zeit geprägt, andererseits aber auch von der Begeisterung seiner Eltern für Literatur und Erzählungen. Amos Vater Arieh ist Bibliothekar und Schriftsteller und teilt seine wissenschaftliche Faszination für hebräische Linguistik mit der Familie. Er ist der intellektuelle Theoretiker – während Fania, Amos‘ fantasievolle Mutter, eine begnadete Geschichtenerzählerin ist. Amos liebt ihre geheimnisvollen Gleichnisse und die Erzählungen vom Leben in Polen. Doch Fanias Heimweh nach Europa, ihre nicht erfüllten Hoffnungen auf ein besseres Leben, die schrecklichen Erinnerungen an den Pogrom zermürben sie. Fania erkrankt an Depressionen. Und obwohl Amos alles tut, um Fania zu helfen, kann er die Krankheit nicht heilen.
Bild oben: © BR/2015 Picture Perfect Corporation Die Regisseurin Natalie Portman ist auch die Hauptdarstellerin. Sie spielt Fania Klausner, die Mutter des jungen Amos (Amir Tessler).

Do, 10. Mai · 00:10-00:15 · 3sat
Kurzfilmtage Oberhausen: Water Marks

Ein Mädchen, das schwimmt und Fahrrad fährt – nichts Besonderes. Wäre da nicht die Gasmaske, die es trägt, und wären da nicht die Helikopter, die Panzer und die Soldaten. Der poetisch-hintergründige Animationsfilm aus Israel ist angelehnt an die Erinnerungen der Autorin an ihre Kindheit im Kibbuz. Die Wasserfarben sind dabei ein Tribut an den Fluss Dan im Norden Israels. Eine Geschichte, so persönlich wie universell. In der Erwachsenenwelt stehen die Zeichen auf Krieg. Panzer rollen, Düsenjets dröhnen, Helikopter knattern. Ein Funkspruch ruft dazu auf, Gasmasken bereitzuhalten und die Kinder zu beruhigen. Scheinbar unbeeindruckt tut ein kleines Mädchen derweil das, was Kinder tun: Es klettert, schwimmt, fährt Fahrrad. In Form von sparsamen Wasserfarb-Animationen und mit einem gespenstisch einlullenden Soundtrack, in den sich die Echos von Krieg und Ausnahmezustand mischen, erinnert sich die israelische Regisseurin Meshy Koplevitch an ihre Kindheit im Kibbuz.

Do, 10. Mai · 00:35-02:05 · BR
Hannas Reise

Als Push für ihre berufliche Karriere braucht die ehrgeizige Hanna den Nachweis, dass sie sich ehrenamtlich engagiert hat. Soziale Kompetenz ist gefragt. Etwas, was in ihrem Leben bisher keine große Rolle spielte. Und so versucht sie sich durchzuschummeln. Aber ihre Mutter Uta, Leiterin der „Aktion Friedensdienste“ für Israel, lässt das nicht zu und sorgt dafür, dass Hanna tatsächlich ein soziales Praktikum antritt, indem sie ihr eine Stelle in einer Einrichtung für Behinderte in Tel Aviv vermittelt. Hanna bleibt keine Wahl. Wütend, widerwillig und voller Vorurteile macht sie sich auf die Reise. Als Push für ihre berufliche Karriere braucht die ehrgeizige Hanna den Nachweis, dass sie sich ehrenamtlich engagiert hat. Soziale Kompetenz ist gefragt. Etwas, was in ihrem Leben bisher keine große Rolle spielte. Und so versucht sie sich durchzuschummeln. Aber ihre Mutter Uta, Leiterin der „Aktion Friedensdienste“ für Israel, lässt das nicht zu und sorgt dafür, dass Hanna tatsächlich ein soziales Praktikum antritt, indem sie ihr eine Stelle in einer Einrichtung für Behinderte in Tel Aviv vermittelt. Hanna bleibt keine Wahl. Wütend, widerwillig und voller Vorurteile macht sie sich auf die Reise. In Israel angekommen, stößt Hanna mit ihrer überheblichen Art bei allen auf Unverständnis: Ob in ihrer vollgemüllten WG mit dem „Wiedergutmachungsdeutschen“ Carsten und der Politaktivistin Maja, ob bei der Arbeit oder auch bei den Treffen mit „ihrer“ Holocaustüberlebenden Gertraud. Auch Itay, der Betreuer, dem sie zugeteilt wurde, lässt sie zunächst mit Holocaustwitzen und zynischen Sprüchen auflaufen. Und zugleich beginnt er eine Flirtoffensive, der Hanna sich immer weniger entziehen kann. Nach und nach lernt Hanna, die Welt durch Itays Augen zu sehen. Doch die Gegensätze ihrer Herkunft stehen immer wieder zwischen den beiden. Unüberwindlich scheinen die Schatten der Vergangenheit und der gefährlichen Gegenwart Israels, einem Land, in dem Krieg zum Alltag gehört … bis die beiden erkennen, dass allein ihr Zusammensein zählt.

Do, 10. Mai · 01:15-02:55 · arte
Der Staat gegen Fritz Bauer

Im Deutschland der Nachkriegszeit ermittelt der hessische Generalstaatsanwalt gegen flüchtige NS-Verbrecher. Er ist ein Kämpfer, steht doch ein Großteil der Bevölkerung seiner Arbeit ablehnend gegenüber. Und auch die Behörden sind durchsetzt von Nationalsozialisten. Selbst in seiner eigenen Abteilung verschwinden immer wieder Akten, scheint seine Arbeit sabotiert zu werden. Als Bauer einen Hinweis darauf erhält, dass Adolf Eichmann sich in Argentinien aufhält, ist es zunächst unklar, wie er den SS-Offizier nun dingfest machen und vor Gericht stellen soll. Zu groß sind seine Befürchtungen, dass Eichmann gewarnt wird und erneut untertaucht. Und tatsächlich ist ihm der BND auf den Fersen und versucht Näheres über den Stand seiner Recherchen zu erfahren. Bauer beschließt, sich an den Mossad, den israelischen Geheimdienst, zu wenden. Allerdings nur unter der Bedingung, dass Eichmann später nach Deutschland ausgeliefert wird, um hier vor Gericht gestellt zu werden. Bauer will eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Verbrechen während der NS-Zeit. Der Mossad ist nach einer oberflächlichen Untersuchung zunächst skeptisch. Sie bestehen auf eine zweite Quelle, bevor sie eine tatsächliche Ermittlung einleiten. Bauer ist außer sich, ist er doch überzeugt davon, auf der richtigen Fährte zu sein. In seinem jüngeren Kollegen Karl Angermann findet Bauer wider Erwarten einen Verbündeten. Als er von dessen ungewöhnlich geringem Strafmaß in einem Paragraf 175-Fall, einem Verstoß gegen das Verbot von Homosexualität, erfährt, fasst er Vertrauen zu dem jungen Mann. Doch auch Angermann gerät schnell ins Fadenkreuz der Behörden.

Do, 10. Mai · 11:45-12:10 · One
Close Up: Natalie Portman

Portrait über die israelisch-US-amerikanische Schauspielerin Natalie Portman, die schon mit 13 Jahren durch ihre Hauptrolle in ‚Léon – Der Profi‘ ihren internationalen Durchbruch feierte. Zu ihren bekanntesten Rollen gehören wohl die der Padmé Amidala in der ‚Star Wars‘ Reihe (1999 – 2005) sowie die ehrgeizige Balletttänzerin in ‚Black Swan‘ (2010), für die sie mit einem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. 2017 wurde sie für ihre Darstellung in ‚Jackie: Die First Lady‘ als beste Hauptdarstellerin nominiert.

Fr, 11. Mai · 11:00-11:50 · arte
Peace Parks – Mandelas letzter Traum

In einer Welt, in der ständig neue Schranken und Grenzen errichtet werden, zeigt die Dokumentation ein Gegenbeispiel – die sogenannten Peace Parks. Hier werden Mauern eingerissen, Natur und Menschen geschützt und sogar Völker ausgesöhnt. Das utopisch anmutende Projekt war einer der letzten Träume von Nelson Mandela. Durch die Schaffung von länderübergreifenden Friedensparks wollte er Grenzen überwinden, alte Feindschaften befrieden und neuen Konflikten vorbeugen. Heute gibt es 227 Friedenspark-Projekte. 60 wurden bereits umgesetzt, die Hälfte davon in Afrika. Dort bewirkte die Öffnung der Grenzen die ungehinderte Wanderung und damit den besseren Schutz der lokalen Fauna. Der einsetzende Ökotourismus kurbelte zudem Wirtschaft an. Die Dokumentation führt in den grenzüberschreitenden Great Limpopo Transfrontier Park. Er umfasst ein Gebiet zwischen Südafrika und Mosambik, in dem 20 Jahre lang blutige Kämpfe zwischen den vom Apartheid-Regime unterstützten Rebellen und der kommunistischen Regierung von Mosambik tobten. Heute ist das ehemalige Kriegsgebiet ein friedlicher Park, in dem ehemalige Soldaten eine Anstellung als Waldhüter gefunden haben und weiße Südafrikaner Seite an Seite mit Umweltschützern aus Mosambik arbeiten. Weiter geht es nach Lateinamerika in den Nationalpark La Amistad, der Costa Rica und Panama freundschaftlich miteinander verbindet – zwei Länder, die ihre Armeen abgeschafft haben, um Staatsstreiche zu verhindern. Und schließlich gibt es noch ein besonders ehrgeiziges Projekt in Nahost zu entdecken. 150 Kilometer nördlich von Jerusalem wollen jordanische, israelische und palästinensische Umweltschützer und Lokalpolitiker eine Insel im Mündungsgebiet von Jarmuk und Jordan in einen Friedenspark verwandeln. Vielleicht eröffnet die gemeinsame Teilhabe an der Natur ja eine Zukunft, in der die Ökologie die diplomatischen Geschicke der Staaten lenkt.

Fr, 11. Mai · 21:00-21:20 · 3sat
makro: Wandel im Nahen Osten

Während der Nahe Osten in Aufruhr ist, versucht Saudi-Arabien sich wirtschaftlich zu erneuern. Die „Vision 2030“: Das Land soll unabhängig vom Öl werden – mit dem Einstieg in die Atomenergie. Das bedeutet, dass Saudi-Arabien die nächste potenzielle Atommacht der Region wird. Der Nahe Osten rüstet immer weiter auf. Verschiebungen in den Allianzen machen es möglich, dass die Saudis demnächst vielleicht sogar militärisches Gerät von Israel kaufen. Israel wiederum ist angeblich am Wiederaufleben der osmanischen Hedschas-Eisenbahnlinie interessiert. Sie verband Anfang des 20. Jahrhunderts Damaskus mit Medina, inklusive Abstechern nach Haifa und Akko. Das würde die ganze Region unabhängiger von der Straße von Hormus machen. Die ist derzeit das Nadelöhr des Handels für die Staaten am Golf – und kann jederzeit vom Iran gesperrt werden. Dem Iran droht auf der anderen Seite die Wiederaufnahme der Sanktionen seitens der USA: Nachdem Präsident Trump der Aufhebung im Januar „ein letztes Mal“ zugestimmt hat, kündigte er für Mai das Ende der Lockerungen an.

Fr, 11. Mai · 23:00-01:35 · 3sat
Die Blechtrommel

An seinem dritten Geburtstag verweigert der 1924 in Danzig geborene Oskar Matzerath weiteres Wachstum und Teilnahme an der Welt der Erwachsenen. An diesem Tag bekommt er auch seine Blechtrommel. Auf dem geliebten Instrument artikuliert das ewige Kind seinen Protest gegen Nazis und Mitläufer, und erst nach Kriegsende fasst er den Beschluss, wieder zu wachsen, um mitzubestimmen. Volker Schlöndorffs brillant inszeniert, weitgehend werktreue Verfilmung des Bestsellers von Günter Grass erhielt zahlreiche Preise, darunter die Goldene Palme von Cannes und einen Oscar als Bester fremdsprachiger Film.

Sa, 12. Mai · 21:45-22:50 · ARD-alpha
Jüdisch für Anfänger

Die Autorin begleitet drei junge deutsche Juden auf ihrer ersten Reise nach Israel, die sie auf Einladung der zionistischen Organisation Taglit unternehmen. Die Erfahrungen auf dieser Reise verändern die jungen Menschen nachhaltig. „Jüdisch für Anfänger“ begleitet drei junge deutsche Juden auf ihrer „Birthright-Reise“ nach Israel – auf Einladung der zionistischen Organisation Taglit. Bisher durfte das noch kein europäisches Filmteam drehen. Die Autorin begleitet drei junge deutsche Juden auf ihrer ersten Reise nach Israel, die sie auf Einladung der zionistischen Organisation Taglit unternehmen. Die Erfahrungen auf dieser Reise verändern die jungen Menschen nachhaltig. „Jüdisch für Anfänger“ begleitet drei junge deutsche Juden auf ihrer „Birthright-Reise“ nach Israel – auf Einladung der zionistischen Organisation Taglit. Bisher durfte das noch kein europäisches Filmteam drehen. Vor ihrer Reise wird auch ihr Leben in Deutschland gezeigt: Leben sie ihre jüdische Identität hier aus – halten sie Schabbat, gehen sie in die Synagoge, essen sie koscher? Wie wichtig ist ihnen „Jüdisch-sein“ im Alltag? Die Reise nach Israel führt sie dann nicht nur zu atemberaubenden Orten wie Jerusalem, die Golan Höhen oder die Festung Massada am Toten Meer. Für die 18 bis 26-Jährigen ist es auch eine Reise zu den Wurzeln des Judentums.

Sa, 12. Mai · 21:55-23:25 · 3sat
Barenboim oder die Kraft der Musik

Daniel Barenboim ist davon überzeugt, dass klassische Musik zum friedlichen Zusammenleben der Menschen beitragen kann. – Ein Porträt des Musikers zum 70. Jahrestag der Gründung Israels. Der Film zeichnet die wichtigsten Stationen und Begegnungen in der langen künstlerischen Laufbahn des großen Pianisten und Komponisten nach und begleitet ihn bei der Verwirklichung seiner persönlichen „Herzensprojekte“. Ausgangspunkt des Films ist die Eröffnung des Pierre Boulez Saales der Berliner Barenboim-Said-Akademie am 4. März 2017. Der nach Barenboims engem Freund Pierre Boulez benannte und von Frank Gehry für 700 Zuhörer entworfene ovale Kammermusik-Saal im Herzen von Berlin ist nicht nur eine spektakuläre, neue Spielstätte für klassische und zeitgenössische Kammermusik, sondern auch ein Ort für junge Musiker aus dem Nahen Osten – Juden, Christen und Muslime gleichermaßen -, die an der im selben Gebäude beheimateten Barenboim-Said Akademie studieren. Außerdem begleitet der Film Barenboim und sein berühmtes West-Eastern Diwan Orchestra bei einer Konzertreise im Sommer 2017 nach Buenos Aires, der Heimatstadt des Dirigenten. Höhepunkt ist das Konzert im spektakulären Opernhaus Teatro Colón. Im Juni 2017 war das Filmteam auch dabei, als Daniel Barenboim die Berliner Staatskappelle in George Bizets Oper „Die Perlenfischer“, inszeniert von Wim Wenders, dirigierte. Letzte Station des Films ist die Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden in Berlin.

Sa, 12. Mai · 22:30-00:00 · PHOENIX
Cafe Ta’amon

Unscheinbar sieht es aus, doch es ist weltberühmt: das Café Ta´amon in Jerusalem. Hier gingen Aktivisten, Politiker, Künstler und Literaten ein und aus. Ihr Thema: Israel. Ein Film über den Alltag des Cafés von heute und bewegende Momente von damals.Im Jahre 1938 in Jerusalem von deutsch- jüdischen Emigranten eröffnet, ist das Café Ta?amon zehn Jahre älter als der Staat Israel. Die Knesset, das Israelische Parlament, etablierte sich 1950 in der King-George-Street schräg gegenüber, und so wurde das Ta?amon zum Treffpunkt für aufstrebende Politiker, Journalisten und linke Aktionsgruppen wie „Matzpen“ (Kompaß) und „Black Panther“, die das Lokal in den 1970er/1980er Jahren des letzten Jahrhunderts sogar als Versammlungsraum nutzten. Golda Meir trank hier Kaffee, ebenso Shimon Peres: Das Ta´amon ist eines der ältesten Lokale Jerusalems. Und weltberühmt. Es war der Treffpunkt politischer Aktivisten, Künstler, Literaten und Politiker. Über Israel und die Entwicklungen wurde heftig debattiert – damals wie heute. Das Café ist Geschichte im Mikrokosmos. 1936 gegründet, übernahm es in den 60er-Jahren wieder eine jüdische Familie. Zusammen mit Hamis, einem Moslem, bewirten sie Tag für Tag ihre Gäste. Genau diesen Alltag dokumentiert der Regisseur. Er zeigt das Bistro, seine Besitzer und die Gäste – er bewegt sich mit ihnen weg, um Geschichten nachzuspüren, und kommt zurück. Ins Ta´amon. Ein Dokument der Zeitgeschichte.

So, 13. Mai · 11:00-11:25 · arte
Kunsthändler: Paul Cassirer

Die Welt des Kunsthandels ist eine wenig transparente Welt: Gemälde werden für über Hundert Millionen Dollar verkauft, obwohl der Materialwert von Farbe, Leinwand und Keilrahmen selbst nur wenige Dollar ausmacht. Wie entstehen diese Preise? Und wer sind die Menschen, die dahinter stecken? Die ARTE-Reihe wirft einen Blick hinter die Kulissen des schillernden Kunstbetriebs. Von Berlin, Paris, Basel, London bis Hongkong – ein Jahr hat die Filmemacherin und Kunsthistorikerin Grit Lederer Händler und Galeristen begleitet. Einer von ihnen hat den Kunstmarkt um 1900 ganz wesentlich geprägt: Paul Cassirer. Der Sohn aus einer vermögenden jüdischen Familie gründete damals die wichtigste Galerie für zeitgenössische Kunst in Europa. Als Pionier etablierte Paul Cassirer die Impressionisten in Berlin, in einer Zeit, als diese Malerei noch von Kaiser Wilhelm II. als „Rinnstein-Kunst“ bezeichnet wurde. Edouard Manets „Frühstück im Grünen“ (Le déjeuner sur l’herbe) oder Vincent van Goghs „Sonnenblumen“ (1888) – heute Ikonen der Moderne – gingen durch die Hände von Paul Cassirer. Wie stemmte der Kunsthändler 1914 eine Ausstellung mit 150 Werken von Vincent van Gogh? Die Autoren und Verleger Walter Feilchenfeldt, dessen Vater einst der Geschäftspartner von Paul Cassirer war, und Bernhard Echte geben Auskunft. Sie haben mehrere Bände zu Cassirers Berliner Kunstsalon zwischen 1901 und 1914 herausgegeben. Giovanna Bertazzoni, die Chefin für Moderne beim Auktionshaus Christie’s London, wiederum erläutert, wie heute die hohen Verkaufspreise für diese gefragten Werke der Impressionisten entstehen.

So, 13. Mai · 11:30-12:15 · 3sat
70 Jahre Israel: Wunde und Narbe (1/2)

An verschiedenen Orten in Deutschland und Israel wird die schwierige Geschichte der deutsch-israelischen Beziehungen durch die Erlebnisse von Avi Primor lebendig. Der Diplomat und Publizist wurde 1935 in Israel geboren, seine Mutter war 1932 aus Deutschland emigriert und verlor durch den Holocaust ihre deutsche Familie. Während seiner Kindheit erfuhr Avi Primor so gut wie nichts über Deutschland. Erst nach und nach erlangte er Kenntnisse und traf mit Deutschen zusammen – mit durchaus ambivalenten Empfindungen. Das er ausgerechnet in diesem Land einmal Botschafter (1993-1999) werden, diese Sprache lernen würde, hätte er sich als junger Mann nicht vorstellen können. Dieter Kronzucker wurde 1936 in München geboren, war 1968/69 Korrespondent der ARD in Indochina, moderierte den „Weltspiegel“ und später das „heute journal“. Umfassendes Wissen, Erfahrungen und unstillbare Neugierde machen ihn zu einem kongenialen Partner für den weltgewandten Diplomaten Avi Primor. Wie wurden in Israel, wie in Deutschland die Beziehungen wahrgenommen, wie hat sich diese Wahrnehmung verändert? Jerusalem, Masada, Tel Aviv – welche Orte sind für Avi Primor in Israel wichtig, um Dieter Kronzucker und dem deutschen Zuschauer einen tieferen Einblick in die Ursachen der anfänglich massiven israelischen Vorbehalte gegen diplomatische Beziehungen zu geben? Teil 2 im Anschluss.

So, 13. Mai · 18:25-19:10 · arte
Lieder der Libération

Trotz der anhaltenden Schrecken der Nazizeit sorgte die Befreiung von Paris im August 1944 für eine rauschhafte Stimmung, überall herrschte Jubel und Heiterkeit. Die Franzosen genossen die wiedergewonnene Freiheit, summten „Fleur de Paris“ oder hörten im Radio Bourvils Chanson „Les Crayons“. Das „geschändete, gemarterte, aber befreite Paris“, wie General de Gaulle es in seiner Rede vom 25. August 1944 nannte, sang die Refrains von Marlene Dietrich, Edith Piaf und Yves Montand. Und in Saint-Germain-des-Prés berauschte sich die französische Swing-Jugend an Jazz und Bebop. Unter dem Namen „Zazous“ hatten diese Jugendlichen bereits während des Zweiten Weltkriegs Widerstand gegen die Besatzer geleistet. Im zerstörten Berlin besang Hans Albers, Marlene Dietrichs Partner aus Sternbergs „Der blaue Engel“, mit dem „Lied der Flüchtlinge“ die tragische Lage der Bevölkerung. Als die Deutschen nach dem Krieg mit dem Wiederaufbau beschäftigt waren, lebten sie in einem zerteilten Land: in der sowjetisch besetzten Zone im Osten und der amerikanischen, britischen und französischen Zone im Westen. In Ostdeutschland wurde vom Chor der Freien Deutschen Jugend zum Ruhm des Genossen Stalin gesungen, und auch der Arbeiterklasse wurde in Liedern gehuldigt. Nach dem Sieg der Alliierten brach mit den US-Truppen sowohl über Frankreich als auch über Deutschland in den späten 40er Jahren eine Flut neuer Musik herein. Der Marshallplan wurde in Chansons gewürdigt und von Journalisten reichlich kommentiert. Der Reigen der Melodien spannt sich von Frank Sinatra bis zu den Andrew Sisters, von Duke Ellington bis Nat King Cole, von Juliette Gréco bis zu Boris Vian. Yves Riou und Philippe Pouchain geben dem Zuschauer in ihrer Dokumentation mit außergewöhnlichen Archivbildern neue Einblicke in die Nachkriegsgesellschaften von Frankreich und Deutschland.

So, 13. Mai · 23:20-00:40 · RBB
Zensierte Stimmen

Der Sechstagekrieg endete 1967 mit dem Sieg Israels. Der jüdische Staat schien nun gesichert. Im Triumph des siegreichen Augenblicks gab es kaum jemanden, der die Konflikte der Zukunft hätte voraussehen können. Doch schon damals gab es die Stimmen der Soldaten. Die jungen Männer waren als Sieger in ihre Häuser zurückgekehrt, viele jedoch verwirrt, traumatisiert, voller Angst und Schuldgefühle. Auf beeindruckende Weise hatte der junge jüdische Staat seine militärische Überlegenheit demonstriert. Im Triumph des siegreichen Augenblicks gab es kaum jemanden, der die Konflikte der Zukunft hätte voraussehen können. Amos Oz war zum damaligen Zeitpunkt noch kein international gefeierter Schriftsteller. Er war ein einfacher Soldat, der am Sechstagekrieg teilgenommen hatte und nach Kriegsende fühlte, dass sich hinter der Euphorie noch etwas anderes verbarg. Mit einem Tonbandgerät ausgerüstet begab er sich mit Abraham Shapira in die Kibbuze des Landes und fragte die Männer nach ihren Kriegserlebnissen. Die Soldaten beschrieben sich selbst als zerrissen zwischen dem Gefühl des Triumphes und dem Gefühl von Schmerz, Scham und Unheil. Doch ihre Stimmen wurden nie gehört. Sie wurden aufgrund ihrer Brisanz von der israelischen Armee zensiert. Heute, nach Ablauf der fast 50 Jahre währenden Zensur, lässt der Dokumentarfilm CENSORED VOICES die Stimmen wieder aufleben. Sie erzählen, was Krieg bedeutet – in einem universellen Sinne. Die Regisseurin Mor Loushy über ihren Film: Jetzt, wo die Aufnahmen von damals wieder zu hören sind, entsteht ein echtes Bild von diesem Krieg, der so anders verlief als uns Kindern beigebracht wurde. Es ist ein trauriges Bild, ein tragisches. Und während ich diesen Stimmen lausche, stellt sich mir nur eine Frage: Wie wären wir als Gesellschaft geworden, wenn wir diesen Stimmen Raum gegeben hätten?

Mo, 14. Mai · 04:40-04:55 · ZDF
Tel Aviv – Lebensfreude trotz allem

Tel Aviv, Israels Aushängeschild für Lebensfreude und Leichtigkeit, präsentiert sich als westliche Metropole im Nahen Osten, als Berlin am Mittelmeer mit orientalischer Prägung. Aufregend, chaotisch und voller Widersprüche ist Tel Aviv. Die prachtvolle Strandpromenade und die vielen stylishen Bars ziehen Einheimische und Touristen aus aller Welt an. Die Tel Avivis lieben ihre Stadt, auch wenn sie laut und dreckig ist und stinkt und oft ein rauer Ton herrscht. Auch der Schwabe Norbert Hoepfer hat sich für das Leben hier entschieden. Der Putzmeister restauriert Häuser im berühmten Bauhausviertel, der „Weißen Stadt“. Überall in Tel Aviv wird gebaut, 70 Jahre nach der Staatsgründung Israels 1948. Der Schwabe berichtet auch, was er macht, wenn in Tel Aviv wieder einmal die Sirenen heulen. Denn obwohl niemand die Realität in Israel so gut verdrängen kann wie die Tel Avivis, liegt die Stadt doch mitten im Konfliktgebiet. Und wenn die Hamas, wie zuletzt 2014, Raketen aus Gaza schießt und jeder nur 15 Sekunden hat, um in einem Bunker Schutz zu suchen, dann ist sie plötzlich auch hier spürbar, die Angst vor Terror und Krieg. In Jerusalem beten die Leute, in Haifa arbeiten sie, und in Tel Aviv wird gelebt, heißt es in Israel. Und zum guten Leben gehört Matkot, Israels heimlicher Nationalsport. Eine Art Strandtennis, laut und nervig, aber irgendwie macht es auch süchtig, sagt Amnon Nissim. Der 72-Jährige ist Matkot-König und hat sogar ein Museum, durch das er Besucher gern führt, wenn er nicht gerade am Strand ist, wo er – klar – Matkot spielt. Musik an, Kippa auf, und ab geht es mit dem Party-Bus quer durch die Stadt: Orthodoxe Hippies sind so jedes Wochenende in Tel Aviv unterwegs. Ihre Mission: Glaube durch Lebensfreude. Kaum ruhiger geht es im arabischen Stadtteil Jaffa im Laden von Rami Gilucha zu; hier ist nie ein Stuhl frei. Der Barbier ist gläubiger Jude, seine Familie stammt aus Usbekistan. In sein Geschäft dürfen nur Männer, fremde Frauen darf Rami nicht anfassen. Und doch könnte die Mischung seiner Kunden bunter nicht sein: Juden, Araber und Christen, alle schwören auf Ramis Handwerk, und alle wollen in seinem Laden die neuesten Jaffa-Gossips hören. So feiern sie das Leben in Tel Aviv, obwohl – oder gerade weil – sie von Chaos umringt sind.

Mo, 14. Mai · 19:40-20:15 · arte
Re: Wem gehört Jerusalem ? – Kampf um einen Sehnsuchtsort

„Re:“ trifft Menschen auf beiden Seiten dieses Konflikts. Für sie ist Jerusalem mehr als ein politischer Streitfall. Die Stadt ist ihre Heimat. Die „Re:“-Reporter begleiten den aus der Schweiz nach Israel ausgewanderten Reiseführer Schmuel Kahn auf einer Tour durch die Altstadt, wo auf engstem Raum die heiligsten Stätten von Juden, Christen und Moslems liegen.Ali Qleibo, palästinensischer Soziologe, und Sprössling einer uralten palästinensischen Familie, fragt sich, wie er wohl reagieren würde, wenn seine Tochter einen jüdischen Mann heiraten wollte. Sarah, die Hamburgerin, die vor gut einem Monat die israelische Staatsbürgerschaft angenommen hat, plädiert engagiert für einen jüdischen Staat, während der Musiker Muhammad Mughrabi fest davon überzeugt ist, dass nur ein Dialog zwischen Israelis und Palästinensern das „Ende des Hasses“ bringt.Eine Reportage über Grenzen und Besitzansprüche, aber auch Hoffnung und Versöhnung.

Mo, 14. Mai · 21:00-21:45 · ARD-alpha
50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

Die Dokumentation widmet sich dem schwierigen Anfang der deutsch-israelischen Beziehungen und zeichnet den Weg bis zur Aufnahme der diplomatischen Beziehungen nach. Nach dem Holocaust schien es undenkbar, dass Deutsche und Juden jemals wieder miteinander reden, geschweige denn befreundet sein können. Doch mit den Verhandlungen zum Luxemburger Abkommen, dem sogenannten Wiedergutmachungsabkommen 1952 kamen wieder erste persönliche Kontakte zustande. Einige Israelis reisten aus beruflichen oder politischen Gründen nach Deutschland, manche Deutsche nach Israel. 1957 kam es zu geheimen Kontakten zwischen Shimon Peres und dem deutschen Verteidigungsminister Franz Josef Strauss. Die Bundesrepublik begann mit geheimen Waffenlieferungen an Israel, aber auch Israel lieferte z. B. die israelische Uzi Maschinenpistole an die Bundeswehr. Nach dem Treffen von Israels Premierminister David Ben-Gurion und Bundeskanzler Konrad Adenauer 1960 im Waldorf Astoria in New York intensivierten sich noch einmal die geheimen Waffenlieferungen. 1965 nahm die Bundesrepublik schließlich diplomatische Beziehungen auf, nachdem man in Bonn die Hallstein Doktrin ausgegeben hatte. Die Dokumentation zeichnet den Weg bis zur Aufnahme der diplomatischen Beziehungen nach, Historiker wie Dan Diner und Norbert Frei ordnen die Ereignisse ein. Die Doku erzählt auch Einzelschicksale, wie z.B. das des deutschen Theologen Michael Krupp, der in den Fünfziger Jahren nach Israel kam und ebenso das von Christel Evenari-Eckern, die als eine der ersten Deutschen mit der Aktion Sühnezeichen in den jüdischen Staat kam.

Mo, 14. Mai · 22:25-23:55 · 3sat
Auf der Suche nach Zion

Großvater Ephraim Erde war ab den 1930er-Jahren der Starfotograf der israelischen Arbeiterpartei Ben-Gurions. Nun wagt seine Enkelin einen Abgleich der Ideale von einst mit der Gegenwart. Die in Paris lebende Filmemacherin, Tänzerin und Videokünstlerin Tamara Erde kehrt in ihr Heimatland Israel zurück. Dort taucht sie sowohl in die disparate Geschichte ihrer Familie ein als auch in die konfliktreiche ihres Landes. Ephraim Erde war 1933 aus Polen emigriert und als offizieller Fotograf der damals regierenden Arbeiterpartei mit der Dokumentation israelischer Errungenschaften im „gelobten Land“ beauftragt. Er fotografierte sowohl das Leben im Kibbuz als quasi-sozialistischen Landkommunen wie auch die Entwicklung der Arbeiterbewegung. Die nichtjüdische Bevölkerung Palästinas nahm er dabei eher selten in den Fokus. 70 Jahre nach Staatsgründung konfrontiert nun die Enkelin die Hoffnungen von einst mit den Realitäten von heute. Über die Gegenüberstellung der Bildmotive von damals und jetzt stellt sie die Frage, ob und wie der zionistische Traum überlebt hat, welche Irrwege er beschritten hat und wie sich die neue Generation darin möglicherweise sogar wiederfinden kann. Gleichzeitig wagt Tamara Erde aber auch einen Blick auf die eigene, gespaltene, Familiengeschichte, die einem ähnlichen System der Sprachlosigkeit und der Nicht-Kommunikation ausgesetzt ist wie das geteilte Land. Tamara Erde wurde 1982 in Tel Aviv geboren und besuchte zunächst in Jerusalem die Bezalel-Akademie für Bildende Kunst. Danach absolvierte sie die renommierte französische Schule für audiovisuelle Kunst, Le Fresnoy, in Tourcoing. Zurzeit lebt sie unter anderem als Video- und Performancekünstlerin in Paris. Ihr letzter langer Dokumentarfilm „This is my land“ (2014), der sich mit den Schulsystemen in Israel und Palästina befasst, wurde auf zahlreichen internationalen Festivals wie Rotterdam und Hong Kong gezeigt und gewann zahlreiche Preise, darunter den Primed-Preis in Marseille und den ersten Preis beim Washington D.C. Filmfest.

Mo, 14. Mai · 23:15-01:00 · NDR
Lore

Mit der bedingungslosen Kapitulation des Dritten Reiches steht der Zweite Weltkrieg im September 1945 kurz vor seinem Ende, als ein Ehepaar aus den hochrangigen Kreisen der Nationalsozialisten die Flucht ergreift. Mit ihm verstecken sich die fünf Kinder um die älteste Tochter Lore. Trotz der Maßnahmen sind ihnen ihre Häscher auf den Fersen, sodass sich die Eltern dazu entschließen, die Geschwister zurückzulassen und sich allein auf den Weg in Sicherheit zu machen. Lore tragen sie auf, mit dem Zug zu den Großeltern zu reisen, die in der Nähe von Husum wohnen. Am Bahnhof muss Lore allerdings feststellen, dass dort gar keine Züge mehr verkehren. Der einzige Ausweg: Sie müssen die Strecke zu Fuß überwinden. Auf dem Weg kommen Lore schreckliche Dinge zu Ohren, in die ihre Eltern verwickelt sein sollen.

Mo, 14. Mai · 23:20-00:55 · WDR
Bethlehem – Wenn der Feind dein bester Freund ist

Bethlehem beschreibt die komplexe Beziehung zwischen dem israelischen Geheimdienstoffizier Razi und seinem jungen palästinensischen Informanten Sanfur. Sanfur ist der jüngere Bruder des gesuchten palästinensischen Untergrundkämpfers Ibrahim. Um Ibrahim aufzuspüren und zu töten, hat Razi den Jungen rekrutiert, als dieser erst 15 war, und mit der Zeit eine fast väterliche Zuneigung zu ihm entwickelt. Sanfur, der zeitlebens im Schatten seines großen Bruders stand, genießt Razis Aufmerksamkeit. Der mittlerweile 17-Jährige versucht verzweifelt, die Forderungen des Agenten zu erfüllen und gleichzeitig seinem Bruder gegenüber loyal zu bleiben. Er führt ein Doppelleben und belügt letztendlich beide. Als der israelische Geheimdienst entdeckt, wie tief Sanfur in die Aktivitäten seines Bruders verstrickt ist und dass Razi ganz offensichtlich die Grenzen der Professionalität überschritten hat, erteilt er diesem den Befehl, Sanfur bei einem geplanten Mordanschlag auf Ibrahim zu opfern. Während der Vorbereitungen für den Militäreinsatz zur Eliminierung des Bruders müssen Razi und Sanfur beide eine Wahl treffen, die ihr Leben für immer verändern wird. Der israelische Regisseur Yuval Adler hat das Drehbuch zu diesem Politthriller zusammen mit dem arabischen Journalisten Ali Waked geschrieben, der mehrere Jahre im Westjordanland gelebt hat. Der Film, der auf umfangreichen Recherchen basiert, schildert perspektivübergreifend die ausweglosen Situationen und moralischen Konflikte, in die die undurchschaubare Welt der Geheimdienste ihre Protagonisten stürzt.

Di, 15. Mai · 00:10-01:30 · ZDF
Der 90-Minuten-Krieg

Überall auf der Welt gibt es politische Probleme, von denen eigentlich jeder denkt, dass sie endlich mal gelöst werden sollten. So ist es auch in Israel und Palästina. Israelis und Palästinenser sind nach jahrzehntelangen Kämpfen und ständigen Verhandlungen müde, immer wieder ergebnislos auseinanderzugehen. Da kommen die Erzfeinde auf eine unkonventionelle Idee: Ein Fußballspiel soll den Nahostkonflikt endgültig beenden. Der Einsatz ist hoch: Wer verliert, muss das gelobte Wüstenland verlassen. Der Sieger bekommt alles, von Jaffa bis Jerusalem, von Galiläa bis Eilat. Kein Streit mehr, keine Kriege, endlich Ruhe. Klingt einfach, ist es aber natürlich nicht. Denn bevor das Jahrhundertspiel überhaupt steigen kann, müssen schwierige Fragen geklärt werden: Wo soll gespielt werden? Welches Land ist für beide Länder neutral genug, um den Schiedsrichter zu stellen? Müssen die Spieler in Israel und Palästina leben, oder reicht schon die Abstammung? Um die Rahmenbedingungen zu klären, schicken die Regierungen beider Nationen die Chefs ihrer Fußballverbände, Ziad Barguti aus Palästina und den Israeli Ozon, in die Verhandlungen. Die hitzig geführten Debatten entwickeln sich zum absurden Spiegelbild des Konflikts, der seit Jahrzehnten weltweit aufs Neue die Nachrichten beherrscht. Wie im echten Leben ist den Kontrahenten jedes Mittel recht, um den Gegner zu schwächen. Das israelische Militär setzt die palästinensische Mannschaft an Checkpoints in der Westbank fest, schließt die Grenzen und verhindert die Einreise des palästinensischen Superstars Ahmed Hany, der in der Bundesliga für Borussia Mönchengladbach Tore am Fließband schießt. Im Gegenzug verbündet sich Palästina mit Iran, lässt sich von Saudi-Arabien mit Sportschuhen ausstatten und schleust Spieler über ein geheimes Tunnelsystem ein. Um ihre Mannschaften auf die existentielle Begegnung angemessen einzustimmen, setzen die Verbandschefs auf Rundreisen zu historischen Hotspots und Orten großer Militärerfolge. Und wenn ein Kicker an einer kulturellen Identitätskrise zu zerbrechen droht, finden sich auch Lösungen. Gewissensbisse plagen auch den deutschen Trainer der Israelis. Nach einem Besuch einer Holocaust-Gedenkstätte kommt Herr Müller ins Grübeln: Das Schicksal Israels in den Händen eines Deutschen ist vielleicht doch etwas zu viel der Verantwortung. Während die alten Herren am Verhandlungstisch über die Details streiten, läuft in den Medien die Vorberichterstattung auf das sportlich-politische Großereignis auf Hochtouren. Eine neutrale Spielstätte ist auch bald gefunden, und es kommt schließlich zum Showdown im portugiesischen EM-Stadion von Leiria. Die Kneipen sind voll, das Bier fließt in Strömen, die ganze Welt sitzt gebannt vor dem Fernseher. Mit Humor, Ironie und Warmherzigkeit erzählt der Film die wochenlangen Vorbereitungen auf den entscheidenden Moment aus unterschiedlichen Perspektiven.

Di, 15. Mai · 20:15-21:00 · ARD-alpha
So isst Israel (1/3) Von der Wüste nach Jerusalem

Es gibt kaum einen  besseren Zugang zu der reichen Kultur des Landes als über ihre Küche: Kulinarik ist der Türöffner zum Leben in Israel. Wir begeben uns auf filmische Entdeckungsreise mit Tom Franz quer durch ganz Israel. Eineinhalb Jahre arbeitete die Filmemacherin Mica Stobwasser mit Co-Regisseur Louis Saul an der Realisation der Reihe, die ein anderes Israel zeigt, als wir es aus den Nachrichten kennen. In der ersten Folge von „So isst Israel“ reist Tom Franz von der Wüste Negev nach Jerusalem. Die kulinarische Tour beginnt in einer Wüstenoase an der Südspitze des Landes: der Dattelplantage des Kibbuz Samar. Es gibt kaum einen  besseren Zugang zu der reichen Kultur des Landes als über ihre Küche: Kulinarik ist der Türöffner zum Leben in Israel. Wir begeben uns auf filmische Entdeckungsreise mit Tom Franz quer durch ganz Israel. Eineinhalb Jahre arbeitete die Filmemacherin Mica Stobwasser mit Co-Regisseur Louis Saul an der Realisation der Reihe, die ein anderes Israel zeigt, als wir es aus den Nachrichten kennen. In der ersten Folge von „So isst Israel“ reist Tom Franz von der Wüste Negev nach Jerusalem. Die kulinarische Tour beginnt in einer Wüstenoase an der Südspitze des Landes: der Dattelplantage des Kibbuz Samar.  Die meisten Kibbuzim sind im modernen Israel privatisiert. In Samar wird die sozialistische noch gelebt. „Tu, was dich glücklich macht“, lautet das Lebensmotto in Samar. Jeder kann arbeiten, was und wie viel er will, und alle haben eine gemeinsame Kreditkarte. Klingt wie Utopia? Tom hilft bei der Dattelernte und Freiwillige aus Deutschland erzählen ihm dabei begeistert, wie das Leben in der Wüstenkommune funktioniert. Über das Essen öffnet Tom Franz auch das Tor zur Heiligen Stadt: Ist Humus, dieses urorientalische Streetfood, eigentlich ein israelisches Essen oder ein arabisches? Mit Dvir Hollander, dem engagierten Führer durch den Souk der Altstadt klärt Tom die Humus-Frage. Sein Fazit: „Gutes Essen vereint die Menschen, es gehört niemandem!“ Überall ragen die Glaubenssymbole der drei Weltreligionen in den Himmel: Minarette, Kreuze, Kuppeln soweit das Auge reicht: 1200 Synagogen, 158 Kirchen und 73 Moscheen geben ein Gefühl dafür, warum Jerusalem die Heilige Stadt heißt. Wo die Wege zu den Heiligtümern der Christen, Muslime und Juden sich kreuzen, liegt das Österreichische Hospiz mit seinem Wiener Kaffeehaus, ein Ort der Stille. Dort trifft Tom den deutschen Benediktinerpater Nikodemus, seit mehr als zehn Jahren ein ebenso überzeugter wie kritischer Bewohner der Hauptstadt Israels. Pater Nikodemus lädt Tom zum Besuch seines Klosters, der Dormitio Abtei. Das Stammkloster der Mönche liegt auf dem Berg Zion, im Nebengebäude soll Jesus sein letztes Abendmahl eingenommen haben. Alles in Jerusalem scheint irgendwie mit Religion und Politik zu tun zu haben. Tom trifft die „Chefs for Peace“, eine Gruppe jüdischer, christlicher und muslimischer Köche, die sich für den Frieden im Land engagieren. Die renommierten Chefs nutzen ihre Kochkunst, um Menschen unterschiedlichen Glaubens zusammenzubringen und eine Brücke zur gegenseitigen Akzeptanz zu schlagen. Am Mahane Yehuda Markt, einem Eldorado orientalischer Genüsse, kocht Shabi, der Chef des Restaurants Azura, traditionelle jüdische Shabbat-Gerichte. Auf winzigen Petroleum-Flammen schmelzen köstlich duftende Kube Suppen vor sich hin. Shabi lädt Tom zu einer kulinarischen Probiertour durch den Nahen und Mittleren Osten ein. Nur wenige Schritte entfernt tobt die säkulare Szene der Heiligen Stadt: Das Machneyuda Restaurant ist Keimzelle der jungen wilden Köche Israels und der heißeste „food and entertainment – spot“ der Stadt. Das kulinarische Abenteuer endet vor den Toren Jerusalems: nur ein paar Kilometer entfernt landet Tom in einer einzigartigen Naturlandschaft, den Judäischen Hügeln. Mittendrin Israels ältestes Gourmetrestaurant: „Rama`s kitchen“. Der Israelin Rama Ben Zvi gelang es, Tomer Niv als Chefkoch zu gewinnen. Er hat in den besten Restaurants der Welt in Kopenhagen und London gearbeitet. Rama geht es um Harmonie im Leben: Die köstlichen Gerichte haben ihre Wurzeln in der palästinensischen Küche. Produkte kennen keine nationalen Grenzen, und das Team in Rama´s kitchen auch nicht: Muslime und Juden kochen hier friedlich am selben Herd und schaffen in ihrer Küche das, wovon die Weltpolitik seit Jahrzehnten träumt: Ein Stückchen Frieden in Nahost.

Di, 15. Mai · 20:15-21:10 · arte
Iran – Vom Gottesstaat zur Großmacht

Am 14. Juli 2015 unterzeichnete Teheran in Wien ein historisches Abkommen über den Verzicht auf Nuklearwaffen. Erstmals seit der Gründung der Islamischen Republik 1979 und nach jahrelangen Krisen und Spannungen gab es damit ein bedeutendes Abkommen zwischen dem Iran und der internationalen Gemeinschaft. Die Vereinbarung, die auf Verhandlungen und Dialog beruhte, markierte auch die Rückkehr des Irans auf die Weltbühne. Die Dokumentation wurde im Iran, in Saudi-Arabien und den USA gedreht. Sie lässt Regierungsvertreter und Experten aus diesen Ländern zu Wort kommen und erklärt, wie und warum Teheran seine militärische und politische Stellung kontinuierlich ausgebaut hat, während die Karten dort neu gemischt wurden. Geht es dem Land um Eroberungen – auf militärischer, aber auch politischer und wirtschaftlicher Ebene? Oder will der Iran nur seine Grenzen sichern und das Regime vor den Krisen schützen, welche die Region permanent erschüttern? Die Dokumentation versucht, das Chaos der Nahost-Kriege zu entwirren, um durchgängige Strukturen und Brüche erkennbar zu machen und Erklärungen für die Renaissance des Islamismus zu liefern. Der Iran ist für die Weltgemeinschaft nach langer Isolation wieder wichtig, aber das Land ist auch gefürchtet. Es hat sich dem Dialog geöffnet und auf Nuklearwaffen verzichtet, postiert gleichzeitig aber Revolutionswächter überall im Nahen Osten – und läuft dabei Gefahr, die Befindlichkeiten alter Erzfeinde wie Israel, Saudi-Arabien und der USA unter Donald Trump zu wecken.

Di, 15. Mai · 22:25-22:55 · 3sat
Einsame Helden – Lebensretter in Zeiten des Todes

Seit Spielbergs „Schindlers Liste“ steht Oskar Schindlers Rettungsaktion, die jüdische Zwangsarbeiter vor dem Tod bewahrte, für Zivilcourage angesichts des verstaatlichten Massenmords. Weniger bekannt dagegen sind die zahlreichen anderen „Schindlers“, deren Geschichte diese Dokumentation erzählt. Ihnen zu Ehren wurden die Bäume entlang der „Allee der Gerechten“ in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gepflanzt. Die Bäume von Jerusalem bezeugen ihre Taten der Mitmenschlichkeit in unmenschlichen Zeiten. Unter ihnen waren Funktionsträger, die den mörderischen Staatsapparat sabotierten, ebenso wie spontane Helfer aus der Mitte oder auch vom Rand der Gesellschaft. Allein in Berlin fanden so etwa 7000 Verfolgte Unterschlupf. Mit Zeugenaussagen von unmittelbar Beteiligten schildert die Dokumentation ihre oft abenteuerlichen Rettungsaktionen. Unter den Porträtierten ist der seinerzeit populäre Filmschauspieler Hans Söhnker („Große Freiheit Nr. 7“). Zeitlebens schwieg er darüber, dass er in aller Stille verfolgte Juden verborgen hielt, während er öffentlich im Scheinwerferlicht des NS-Kinobetriebs glänzte. In diesem Jahr wird Söhnker für seine Taten posthum als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Zwei andere Größen der Unterhaltungskunst, der Showmaster Hans Rosenthal und der Schauspieler Michael Degen, überstanden die tödliche Gefahr mit wagemutiger Unterstützung couragierter Frauen, die weniger von ausgeprägt politischen Motiven, sondern schlicht von menschlichem Mitgefühl geleitet waren. Dies bewegte auch Maria Rimkus, geborene Nickel, die sich beim Anblick der hochschwangeren jüdischen Zwangsarbeiterin Ruth Abraham spontan entschied, der von der Deportation bedrohten Frau beizustehen. Sie ließ sich einen Ausweis ausstellen und gab ihn Ruth Abraham, versehen mit deren Foto, damit diese untertauchen konnte. Am Tag ihres geplanten Abtransports brachte Ruth Abraham im Verborgenen eine Tochter zur Welt, die sie mit Maria Nickels tatkräftiger Unterstützung in wechselnden Quartieren über die Zeit der Verfolgung rettete. Auch Walter Frankenstein gelang es, auf schier unglaubliche Weise seine Familie samt zweier im Untergrund geborener Kinder vor dem Tod zu bewahren – dank einer Reihe von Helfern, vom Fabrikdirektor bis zur Prostituieren, und mit ungeheurer Chuzpe. Berthold Beitz, der spätere Generalbevollmächtigte des Stahlkonzerns Krupp, schützte in seiner Funktion als Manager einer Ölfirma in Galizien während des Krieges jüdische Zwangsarbeiter vor der Abschiebung ins Vernichtungslager. Wie er, machten die meisten Retter nach dem Krieg kein Aufsehen um ihren mutigen Einsatz unter Gefahr von Todesstrafe oder sozialer Ächtung. Zudem galten die in Zeiten der Diktatur „illegalen“ Hilfsaktionen in weiten Bevölkerungskreisen immer noch als eine Art von Verrat und Verstoß gegen die Ordnung. Dieses Unbehagen hing möglicherweise auch damit zusammen, dass die Saboteure des Vernichtungsplans unübersehbar ein Zeichen gesetzt hatten, auch an die Adresse von Millionen Mitläufern, dass selbst in einer Diktatur Anpassung oder Wegsehen nicht die einzigen Optionen bleiben. Aber es waren nur wenige, die mit ihrer Zivilcourage den Mordplan zu durchkreuzen versuchten.

Di, 15. Mai · 22:45-23:30 · Das Erste (ARD)
Ben-Gurion – Offene Bekenntnisse eines Staatsmannes

Es ist ein Sensationsfund. Ein niemals gezeigtes Interview mit David Ben-Gurion, dem legendären Staatsgründer Israels, schlummerte seit 1968 in den Spielberg Archives in Jerusalem. Die Rollen galten als verschollen. Der Dokumentarfilm „Ben-Gurion – Offene Bekenntnisse eines Staatsmannes“ präsentiert nun das mit Sicherheit ungewöhnlichste Interview mit dem ebenso charismatischen wie prophetischen Jahrhundertpolitiker. Anlass des 1968 geführten Interviews war eine Recherche für einen Film, der nie zustande kam. Das Gespräch zeigt Ben-Gurion zu einer besonderen Zeit. Er ist 82 Jahre alt, lebt in der Wüste im Süden Israels, weitab vom Regierungsbetrieb, und arbeitet an seinen Memoiren. Seit fünf Jahren hat er alle Ämter aufgegeben, vor kurzer Zeit ist seine Frau gestorben. Und jetzt dieses Interview. In der Abgeschiedenheit und Stille spricht David Ben-Gurion grenzenlos offen, selbstkritisch und analytisch über sein Leben, sein Handeln und über die junge Demokratie Israel, aber auch über Privates und die Gemeinschaft im Kibbuz. Selten ist ein Staatsmann so kritisch mit sich selbst, der eigenen Biografie und seinem Land ins Gericht gegangen, hat so schonungslos Bilanz gezogen. Dabei schenkt der Film nicht nur einen aufschlussreichen, mitunter intimen Blick in die Vergangenheit, in das Herz und Seelenleben des ehemaligen israelischen Premierministers, sondern konfrontiert den Zuschauer mit heute noch immer hochaktuellen Gedanken und Ideen. „Wenn ich wählen muss zwischen Land oder Frieden, dann ist der Frieden wichtiger“, sagt David Ben-Gurion und stellt sogar die Idee in den Raum, für den Frieden eroberte Gebiete aufzugeben. In Israel füllte „Ben-Gurion – Offene Bekenntnisse eines Staatsmannes“ die Kinosäle und wurde mit dem israelischen Oscar „Ophir Award“ ausgezeichnet. Ein Film, der zum 70. Jahrestag der Unabhängigkeit Israels nicht aktueller sein könnte.

Di, 15. Mai · 22:55-23:40 · 3sat
Kinder der „Exodus“

„Born on route“: So steht es in ihren israelischen Reisepässen amtlich vermerkt. Unterwegs geboren, an Bord des Flüchtlingsschiffs „Exodus“ und anderer Schiffe, auf dem Weg nach Palästina. Die Passinhaber sind genauso alt wie der Staat Israel, in dem sie heute leben: 70 Jahre. In Israel sind sie als „Kinder der Exodus“ bekannt. Ihre Biografien sind eng verknüpft mit den Ereignissen, die letztlich zur Gründung des Staates Israel führen. Es ist das Drama, das sich abspielt, als das Flüchtlingsschiff „Exodus“ mit mehr als 4500 Holocaust-Überlebenden aus Deutschland und anderen Ländern Mittel- und Osteuropas nach tagelanger Odyssee den Hafen Haifa erreicht. Die jüdischen Flüchtlinge dürfen jedoch nicht im britischen Mandatsgebiet bleiben. Sie müssen umkehren. Sie werden vom britischen Militär unter Androhung von Waffengewalt auf drei Gefangenenschiffen von Haifa zurück nach Deutschland deportiert, zurück ins „Land der Täter“, zurück in bewachte Lager bei Lübeck, Wilhelmshaven und Emden. Während dieser dramatischen Monate in den Jahren 1947/48 werden 58 Kinder geboren, „unterwegs“, an Bord der „Exodus“, auf den drei britischen Gefangenenschiffen und in den drei „Exodus“-Lagern. In der Dokumentation erzählen mehrere „Kinder der ‚Exodus'“ von ihren Erlebnissen sowie von ihren Hoffnungen, Enttäuschungen und Ängsten. Ein Ex-Offizier in Haifa beispielsweise berichtet von seinen Einsätzen in den Kriegen seit der Staatsgründung, eine Ärztin über soziale und ethnische Spannungen unter Israelis, die aus verschiedenen Kulturkreisen eingewandert sind, und eine Pädagogin geht der Frage nach, wie die Enkel von Holocaust-Überlebenden über ihr Verhältnis zu Deutschland denken. Die 92-jährige Mutter eines „Exodus“-Kindes schildert ihre Erlebnisse an Bord und später im Lager Emden, in dem mehr als 2500 „Exodus“-Flüchtlinge untergebracht waren. Das Foto, das sie – kurz vor dem Rücktransport nach Deutschland – mit einem Kinderwagen auf dem sogenannten „Kai der Tränen“ in Haifa zeigt, ging seinerzeit durch die Weltpresse.

Di, 15. Mai · 23:40-00:40 · 3sat
Let’s Talk about Land

Gemeinsam marschieren die Dorfbewohner von Nabi Saleh jeden Freitag in Richtung der israelischen Soldaten. Die Palästinenser im Westjordanland protestieren gegen israelische Nachbarn. Diese haben auf dem gegenüberliegenden Hügel eine Siedlung errichtet, auf palästinensischem Grund. Einige Jugendliche errichten eine Straßensperre, und plötzlich rennen Soldaten auf die Demonstrierenden zu, schießen mit Tränengas und Gummigeschossen. Bilal, der alle Ereignisse im Dorf filmt, und seine Frau Manal erzählen, warum sie ihr Leben dem Kampf gegen die ‚israelische Besatzung‘ gewidmet haben, warum sie auch ihre Kinder die gefährlichen Ereignisse miterleben lassen. Neun Jahre ist es her, seitdem Walter Wehmeyer in Israel/Palästina einen Film über Jugendliche machte. Damals begegnete er dem 14-jährigen Israeli Ben, der überzeugt war, beide Völker sollten gemeinsam in einem Staat leben. Heute studiert Ben Kognitionswissenschaften, erzählt, warum er den Wehrdienst verweigerte und wie er heute darüber denkt, dass beide Völker Land und Ressourcen teilen könnten. Selbst wenn die Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern auf einem Tiefpunkt angelangt sind gibt es dennoch vielfältige Kontakte zwischen Friedensaktivisten beider Seiten.