Zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

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Zum 70. Jahrestag der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz erklärt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster…

„Die Erinnerung an die Shoa und an das Leid unserer Angehörigen werden wir immer in unseren Herzen tragen. Auch für die gesamte deutsche Gesellschaft muss diese Erinnerung eine bleibende Verpflichtung sein. Mit einer modernen Gedenkkultur sowie guter pädagogischer Arbeit können wir auch nachfolgenden Generationen das historische Geschehen vermitteln und Empathie für die Opfer wecken.

Zugleich müssen wir leider feststellen, dass die Bedrohung der Juden weltweit wieder zugenommen hat. Insbesondere Angriffe von extremistischen Muslimen sind zu einer zusätzlichen Gefahr für die jüdische Gemeinschaft geworden. Davor darf niemand die Augen verschließen. Alle sind aufgerufen, sich dieser Bedrohung entgegenzustellen und jüdisches Leben zu schützen.“

Presseerklärung, Berlin, 26. Januar 2015/ 6. Schwat 5775

1 Kommentar

  1. W. Barton: Ermordet in Maly Trostinec

    Ãœber viele Jahrzehnte wurden der Nationalsozialismus und der Holocaust in der österreichischen Gesellschaft basierend auf der so genannten „Opferthese“ weitgehend externalisiert. Im Kern ging es darum, dass weder Staat noch Gesellschaft mit dem Regime oder den Verbrechen etwas zu tun hätten. Dieser Logik folgend hatte die Ermordung von mehr als 60.000 österreichischen Jüdinnen und Juden und die gewaltsame Vertreibung von rund 130.000 österreichischen Jüdinnen und Juden in den Jahren 1938 bis 1945 auch keinen Platz im österreichischen kollektiven Gedächtnis. Zwar kam es in den 1980er-Jahren unter anderem durch die Debatten um die Präsidentschaftskandidatur von Kurt Waldheim und seiner Sicht auf seine Tätigkeiten in der Wehrmacht zu einem geschichtspolitischen Umdenken weg von der Opfer- hin zur Mittäterthese. Doch ob sich dadurch das Wissen der österreichischen Bevölkerung um das Schicksal der jüdischen Bevölkerung während der Zeit des Nationalsozialismus erheblich verbessert hat, kann bezweifelt werden. Auch Jahre nach dem Ende der Historikerkommission und trotz einer Vielzahl an wissenschaftlichen Publikationen, der „Wehrmachtsausstellung“, breitenwirksamen Fernsehproduktionen und regionalen wie nationalen Gedenkinitiativen wird der Holocaust noch immer zumeist mit Konzentrations- und Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau in Verbindung gebracht und außerhalb der Gesellschaft und Österreichs verortet. Zudem scheint kaum jemandem bewusst zu sein, dass an die zwei Million Jüdinnen und Juden nicht dem industriellen Massenmord zum Opfer fielen, sondern im Zuge von Massenerschießungen oder mittels „Gaswagen“ von Angehörigen der Einsatzgruppen unter Assistenz von Wehrmachtssoldaten und von kollaborierenden ortansässigen Gruppen im Baltikum, Weißrussland und der Ukraine ermordet wurden. So kamen auch mehr österreichische Jüdinnen und Juden in und um Maly Trostinec ums Leben als beispielsweise in Ausschwitz oder Theresienstadt…

    Weiterlesen: http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-20221

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