Es lebe die Tradition!

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Nein, wir bauen dieses Jahr keine Sukka. Auch keine kleine…

Von Ramona Ambs

Es gibt Traditionen, die sollte man unbedingt einhalten. Unsere persönliche Tradition, an Sukkot keine Sukka zu bauen, ist so eine Tradition. Diese Tradition hat sich bewährt.

Denn die beiden Male, wo wir versuchten, unsere Tradition gegen die jüdische einzutauschen und also eine Sukka zu bauen, lehrten uns, dass nicht jede Mizwa für jeden eine echte Mizwa ist…

Das erste Mal, als wir versuchten eine Sukka zu bauen, da waren die Kinder noch klein. So klein, dass sie zum Helfen nicht wirklich zu gebrauchen waren, aber groß genug, um die Sukka bewußt wahrzunehmen und zu erinnern. Also dachte ich, es sei sinnvoll die Kinder mit ihren religiösen Wurzeln und eben konkret einer eigenen Sukka vertraut zu machen. Und so begann ich draußen im Garten mit großen Ästen, die wir im Wald gesammelt hatten, eine Sukka zu bauen.

Links und rechts dienten Bäume als Pfähle, an deren Ästen man die restlichen Hölzer lehnen und anbinden konnte. Das war zwar nicht ganz kosher, aber es schien mir einigermaßen stabil. Nachdem wir tatsächlich sowas wie einen Raum gebaut hatten, versuchten wir das Dach mit Laubzweigen zu decken. Tolle Baumhütte, sagten die Nachbarn anerkennend, richtig stabil,- und ich fand, sie hatten extrem recht. Schließlich konnten die Kinder beim Schmücken helfen. Wir trugen Decken und Obstteller rein, hängten Fotos und Bilder auf und sogar eine Girlande. Als wir dann gegen Abend unsere Sukka beziehen wollten, stellten wir fest, dass sie schon bewohnt war: von unzähligen Ameisen, die sich über das Obst hermachten. Während wir versuchten den Ameisen klar zu machen, dass das unser Obst war, begann es zu regnen, wodurch wir erfuhren, dass das Dach leider nicht so dicht war, wie wir annahmen. Als es schließlich noch zu stürmen begann, musste ich feststellen, dass die Komplimente der Nachbarn zur Stabilität der Hütte aus der Kategorie „nicht fundiert“ stammten. Jedenfalls blieb nach dem Unwetter nicht mehr viel von unserer Sukka…

Das zweite Mal, einige Jahre später, als ich mich überreden ließ, es doch nochmal mit einer eigenen Sukka zu versuchen, endete ähnlich katastrophal. Allerdings waren wir diesmal klüger. Die Terrasse bot nämlich bereits den Raum, wir mussten nur noch große Äste als schräges Dach anstellen und schon war die improvisierte Home-Handmade-beinahkosher-Sukka fertig. Das Wetter versprach auch einen ruhigen Abend, und alles was essbar war, wollten wir erst ganz zum Schluss nach draußen tragen. Wir waren sozusagen auf alle Eventualitäten vorbereitet. Die Kinder konnten beim Aufbau helfen und das Schmücken war ein ausgiebiges Fest. Vielleicht ein bisschen zu ausgiebig, denn wegen des zeitnah stattfindenden Halloweens hatten die Kinder schon zahlreiche Gruselgirlanden gebastelt, die selbstverständlich auch hervorragend in eine Sukka passten. Fanden die Kinder. Und das Kerzen gemütliche Stimmung machen ist ja auch allgemein bekannt…

Eine Nachbarin sagte am Tag danach, sie habe gar nicht gewusst, dass es religiöser Brauch sei, die Sukka anzuzünden… Wir wussten das bis dahin auch nicht und es ist einzig meinem Mann zu verdanken (den ich zuvor als übertrieben vorsichtig und ängstlich beschimpft hatte, weil er zwei Eimer mit Wasser in die Sukka stellte), dass weiter nichts passiert ist.

Wie gesagt: es gibt Traditionen, die sich bewährt haben… Meine Kinder erinnern sich übrigens sehr gerne an die Sukkas. Sie finden Sukkot ist ein sehr lustiges und aufregendes Fest…

Aber ich laß mich nicht mehr überreden: No more Sukka à la Ambs- es lebe die Tradition!

1 Kommentar

  1. Ich so als Nichtjude:

    Naturlich gibt es jüdische Ameisen. Mensch sollte sie gewähren lassen und nicht versuchen, die fleißigen Krabblerinnen aus der Hütte rauszuwerfen, oder steht das irgendwo geschrieben, als Pflicht? Na also. Kein Wunder, dass sie sich offensichtlich erfolgreich beschwerten, erhört wurden – und dann ein großes Unwetter kam.

    Manche Leute sind allerdings lernresistent. Dabei ist doch exakt erklärt, wie eine Laubhütte zu sein hat: mit einem Dach, durch das die Sterne zu sehen sind (nachts und bei unbewölktem Himmel). Und nur darunter ists kosher. Sagt Wikipedia. Von wegen schräg steht aber nichts dabei. Ist doch logisch, das da erneut eingegriffen wurde mit Feuer und Rauch. Wie es geschrieben steht.

    L.R., Ihr scheint einen guten Draht nach oben zu haben: Euer Tun bleibt nicht unbeantwortet 🙂

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