Jüdische Reaktionen zum Papst

4
19

„Der neugewählte Papst repräsentiert Hingebung, die Liebe Gottes, Friedensliebe, eine heilige Bescheidenheit und einen neuen erwachenden Kontinent. Möge der Herr den neuen Papst segnen.“ Das war die offizielle Reaktion Israels zu Franziskus I, formuliert von Staatspräsident Schimon Peres…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 14. März 2013

Dem Gratulationsschreiben fügte Peres auch gleich eine Einladung an den neuen Papst bei, „dem Heiligen Land sobald wie möglich einen Besuch abzustatten. Er wird ein willkommener Gast sein.“  Peres hatte die Glückwünsche gegenüber katholischen Priestern aus Polen geäußert. Der Papst sei ein „Mann der Inspiration“ und könne einen Beitrag leisten „in dieser stürmischen Region Frieden zu bringen“. Zu dem ausgeschiedenen Papst Benedikt XVI sagte Peres bei der Gelegenheit, dass der „ein lieber Freund unseres Volkes und ein tiefer Denker sei, der wirklich viel getan habe, „historisch und anders die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem jüdischen Volk zu fördern.“

Auch die großen jüdischen Organisationen in der Welt gratulierten dem neuen Papst. Der jüdische Weltkongress (WJC) fügte einer Pressemitteilung sogar ein Foto von WJC Präsident Ronald S. Lauder mit dem argentinischen Kardinal Jorge María Bergoglio bei, dem heutigen Papst Franziskus I, aufgenommen 2008 in Buenos Aires. Im Namen des WJC und den angeschlossenen jüdischen Organisationen in hundert Ländern schickte Lauder „warme Glückwünsche“ und erwartet eine weitere Vertiefung der engen Beziehungen zwischen der katholischen Kirche  und den Juden, wie in den vergangenen zwei Jahrzehnten. „Papst Franziskus I ist für uns kein Unbekannter“, heißt es da weiter. Der neue Papst sei ein offen denkender (open minded) Mann des Dialogs mit der Fähigkeit, Brücken zu anderen Konfessionen zu bauen.

Rabbi Marvin Heir hat im Namen des Simon Wiesenthal Center (SWC) eine Eilmeldung veröffentlicht, um Kardinal Jorge Bergoglio zur Wahl des „Höchsten Pontiff“ zu gratulieren. „Wir haben einen guten Grund, darin zu vertrauen, dass Papst Franziskus I ein unermüdlicher Verteidiger der historischen Nostra Aetate sein werde, der Declaration zur Beziehung zwischen der Kirche und den nicht-christlichen Religionen, während des Zweiten Vatikanischen Konzils verabschiedet.“

Abraham H. Foxman, Direktor der einflussreichen jüdisch amerikanischen Anti-Defamation League (ADL) wünschte dem Papst alles Gute für seine neue wichtige Verantwortung. Wie die anderen jüdischen Sprecher erwartet Foxman eine weitere Stärkung der katholisch-jüdischen Beziehungen. „Er hat da schon viele Verdienste. Das lässt uns beruhigt in die Zukunft schauen.“ Foxman zählt mehrere jüdische Feiertage auf, an denen sich Kardinal Bergoglio in der jüdischen Gemeinde von Argentinien beteiligt habe. 2010 habe er sich auch an einer Gedenkfeier für die Toten des 1994 durch Selbstmordattentäter der Hisbollah im jüdischen Gemeindezentrum von Buenos Aires ermordeten Juden beteiligt. Das, so Foxman, sei ein Zeichen, dass der Papst sich gegen Extremismus stemmen werde.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com

4 Kommentare

  1. Soeben ver̦ffentlicht worden РAus Joseph Ratzingers ehemaligem Wirkungsort:

    Wie die Diözese selbst „Altfälle“ verschleiert
    Missbrauch bei den „Domspatzen“ unter Theobald Schrems
    Es war der 5. März 2010. Damals wandte sich die Diözese Regensburg erstmals an die Öffentlichkeit, um die Medien über sexuellen Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen zu informieren. Bistumssprecher Clemens Neck präsentiere damals nur Jahrzehnte zurückliegende Fälle. Doch selbst diese wurden irreführend und falsch dargestellt. Versuch einer Aufarbeitung.

    http://www.regensburg-digital.de/missbrauch-bei-den-domspatzen-unter-theobald-schrems/22032013/

  2. Genau, alles wird vertuscht, endlich mal ne richtige Berichterstattung über Missbrauch und Vergewaltigung. Allerdings setzt die deutsche Propaganda das Thema leider ein um den Holocaust zu leugen, und der wurde ja komplett vertuscht. Also Holocaust und deutsche Industrie, da ging absolut gar nichts mit Aufklärung oder Sanktionierung. Ich meine, sorry, aber diese NS-Eliten der Industrie hätten verhaftet werden müssen, nichts ist geschehen, die Unternehmen hätten sofort Zwangsenteigent werden müssen, und die Kontrolle der Unternehmen hätten solche übernehmen sollen, die möglichst unbelastet sind. Also Fazit, noch viel mehr Missbrauchsberichterstattung und Opfer ins Fernsehen und in die Zeitungen, und endlich den „Medienskandal“ um den Fall R. ins Licht rücken, wo das Thema Missbrauch und Vergewaltigung als übelstes Propagandawerkzeug missbraucht wurde, um die Kinder des Deliquenten zu missbrauchen und die T4 Euthanasie Aktion zu tarnen. Hier gibt es keinerlei Berichterstattung. Alles muss man selbst machen.

  3. WAS lese ich da?
    Lieber Herr Sahm, ich musste mir die Augen reiben und mich vergewissern, dass ich mich wirklich nicht verlesen habe.
    Darf ich mich auf Ihren Artikel berufen, wenn mir einmal wieder Antisemitismus vorgeworfen wird, wenn ICH solche Formulierungen gebrauche, die SIE in größter Selbstverständlichkeit gebrauchen?
    Sie schreiben über die ADL: „einflussreich jüdisch-amerikanisch“.
    Also, wenn ich auch nur ansatzweise in den Mund nehme, es gäbe so etwas ein einflusreiche jüdische Organisation in den USA bekomme ich sofort ganz doll Haue mit der Antisemitismuskeule.
    Ich beneide Sie um Ihr Vorrecht, die Wahrheit sagen zu dürfen.

  4. Wenn der Argentinier ernst genommen werden will, so muss er Alles daran setzen, dass sein Vorgänger vor ein ordentliches Gericht gestellt wird. Joseph Ratzinger war Jahre lang der Hauptverantwortliche für die Vertuschung von Missbrauchsfällen, Missbrauch begangen von seinen katholischen Geistlichen an Kindern und Minderjährigen. Ratzinger hat sich die Hände auf ganz besonders abscheuliche Weise schmutzig gemacht und gehört dafür verurteilt.

    Hier eine BBC-Doku über Ratzinger als zentrale Figur der Vertuschung, eine Doku, die in Deutschland ganz gewiss nicht im Fernsehen zu sehen sein wird:
    http://www.kirchen-privilegien.at/betroffenen-plattform-papst-benedikt-ist-zentrale-figur-kirchlicher-vertuschung/

    Auch die Opfer fordern Klage gegen den bayerischen Expapst:
    http://www.kirchen-privilegien.at/opfer-kirchlicher-gewalt-fordern-klage-gegen-den-papst/

    Die katholische Kirche ist, und war schon immer, eine wahre Meisterin im Vertuschen ungenehmer Fakten. Warum zum Beispiel macht sie bis heute nicht sämtliche Akten zum Verhalten des Papstes Pius XII. in Zusammenhang mit den deutschen Judenverfolgungen zugänglich? Bis in die Gegenwart werden sie geheim gehalten, obwohl doch dieser Papst angeblich alles ihm Mögliche zur Errettung der Juden getan haben soll. Wie reimt sich das zusammen?

    Wenn der Argentinier es ernst meint mit Ökumene und auf Juden zugehen usw., dann gibt er möglichst rasch die Akten zu Pius endlich frei!

Kommentarfunktion ist geschlossen.