Wieder einmal Antisemitismus im ungarischen Parlament

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Die westlichen Medien berichten wieder Mal etwas über Ungarn, das der Fremdenverkehrswerbung nicht hilft, aber aufzeigt, was heute in Ungarn möglich ist…

Von Karl Pfeifer

Antisemitische und rassistische Reden und Zwischenrufe sind im ungarischen Parlament keine seltenen Ereignisse. Die Abgeordneten, die das dulden, haben anscheinend vergessen, dass in diesem Parlament bereits 1920, 1938, 1939 und 1941 Juden diskriminierende Gesetze beschlossen wurden, die zur Tragödie der Ermordung von mehr als einer halben Million ungarischer Staatsbürger mit aktiver Beihilfe der ungarischen Regierung nach der deutschen Besatzung beitrugen. Was auch nicht wundern darf, hat doch der Vorsitzende dieses Parlaments, László Kövér erst im Mai 2012 József Nyirö, einem antisemitischen Abgeordneten des pfeilkreuzlerischen Rumpfparlaments und Goebbelsbewunderer, der noch 1945 für den Krieg Propaganda machte, höchstes Lob gespendet.

Der Jobbik Abgeordnete Márton Gyöngyösi, der Anfang dieser Woche vorgeschlagen hat, eine Liste derjenigen ungarischen Politiker anzufertigen, die „jüdischer Abstammung“ sind, ist nicht irgendwer, sondern der stellvertretende Vorsitzende der außenpolitischen Kommission des ungarischen Parlaments.

Und es auch nicht das erste Mal, dass er antisemitische Hetze von sich gibt.

Man konnte nur staunen über die lendenlahme Beantwortung seiner Rede durch den Staatssekretär des Außenministeriums, Zsolt Németh, der nur sagte, er könne sich zu seinem Bedauern dem Vorschlag von Gyöngyösi nicht anschließen, denn dies hätte nichts zu tun mit dem Konflikt im Nahen Osten.

Es ist bezeichnend für die Atmosphäre im ungarischen Parlament, dass diese Rede von M. Gyöngösi nicht als Skandal von den Abgeordneten empfunden wurde und keinerlei Reaktion auslöste.

Danach erklärte die ungarische Regierung wieder einmal, sie verurteile diese Rede. Doch Konsequenzen hat sie nicht gezogen, obwohl sie über eine solide 2/3 Mehrheit verfügt.

Weder der Regierungschef, noch der Präsident des Landes haben bislang etwas dazu erklärt. Natürlich hausieren schon die Regierungspropagandisten damit, dass doch Jobbik Politiker gelegentlich auch Fidesz mit antisemitischen Tönen angreifen.

Doch sollte man nicht vergessen, wie positiv gerade Viktor Orbán die Entstehung 2003 der zur neonazistischen Partei gewordenen Jobbik begrüßte.

Alle europäischen Politiker, die sich heute schützend vor Viktor Orbán stellen, der ein hohes Maß an Verantwortung für diese Zustände in seinem Land trägt, sind für alles was in Ungarn noch passieren kann mitverantwortlich.

13 Kommentare

  1. egon sunsamu, interessant dass zehntausende Ungarn sich in Deutschland niederlassen aber wenige Deutsche in Ungarn. Man schätzt, dass während der letzten zwei Jahre über 200.000 Ungarn ihr Land verlassen haben.
    In Deutschland muss der Bürger nicht 15 Tage vor den Wahlen der Behörde bekanntgeben, dass er wählen möchte. In Ungarn droht solch ein Gesetz.
    egon sunsamu, Ungarn steht es doch frei aus der EU auszutreten. Wenn Sie die EU als „schuldensozialistische“ Diktatur nennen, dann sind Sie ein Idiot und zwar in dem Sinne wie die alten Griechen dieses Wort gebraucht haben.

  2. Herr Pfeifer, Sie werfen in Ihren Berichten über Ungarn unterschwellig und generalistisch die falsche Gesinnung vor. Überlegen Sie doch mal, wo es denn eher eine gesunde Demokratie gibt: in Ungarn oder in Deutschland?
    Die gesunde Demokratie Ungarns verträgt auch kontroverse Meinungen, die sogar im Parlament offen geäussert werden dürfen.
    Auch dann, wenn sie jedem Normalbürger Brechreiz verursachen…
    In Deutschland ist die zentrale Gesinnung (multikulti, EU-Entmündigung, islamfreundlich, deutschlandfeindlich, voll mit Tabuthemen wie Migrantengewalt, Sozialhilfebetrug, Scheinasylantenbetrug usw..) vorgegeben und jeder der es wagt anderer Ansicht zu sein wird als Nazi und Rassist verleumndet, verfolgt und von den gleichgeschalteten Medien öffentlich in der Luft zerrissen…
    Die Ungarn haben von sozialistischen Ideen die Nase gestrichen voll. Deshalb wollen sie sich nach fast 60 Jahren Sowjetherrschaft nicht als entmündigte Provinz einer schuldensozialistischen EU-Diktatur wiederfinden. Das kann nur jemand verstehen, der persönlich und selbst den Sozialismus geniessen durfte…

  3. Carmela, Sie behaupten, dass man ungarische Juden durch Slowenien deportiert hat und dass die ungarische Tänze getanzt haben.
    Ungarische Juden wurden sicher nicht nach Slowenien gebracht. Es ist dieses immer alles vermischen, verwischen, das unstatthaft ist.
    Und das mit der Wirtschaft, die nicht läuft trifft halt auch nicht überall zu. 1929 gab es eine Weltkrise. In D.übergab man Adolf Hitler die Macht 1933 in den USA siegte aber der Demokrat Franklin Delano Roosevelt.
    Und ihre Weltverschwörungstheorien können Sie sich abschminken. Nicht die Wirtschaftslage ist die Ursache für das völkische Denken der Regierungspartei und ihre Toleranz für die Naziparteijobbik, sondern die schlechte Wirtschaftspolitik der verschiedenen ungarischen Regierungen hat die schlechte Wirtschaftslage verursacht.

  4. Unsichtbar und doch sind das Gruppen, die sich dahinter verbergen. Man merkt es nicht, wenn man mit denen nicht zufällig in Kontakt kommt und im Smaltalk die Gesinnung heraus liest.

    Es ist jedes Mal das selbe. Wenn die Wirtschaft nicht mehr läuft, dann kommen die mit ihren Parolen.

    Ein Lob an Herrn Pfeifer für den Artikel.

    Meine Mutter hat mir von damals erzählt wie ungarische Leute nach Slowenien gebracht wurden und wie sie wie Tiere im Freien sein mussten. Und sie hat gewusst, dass sie hier sind auf dem Zwischentransport in ein KZ wie etwa Theresienstadt. Und sie haben auf der Wiese Ungarische Tänze getanzt, weil sie diese unbeschwerte Mentalität hatten und anscheinend nicht wussten was man machen würde. Sie hat gesagt, dass man das nicht beschreiben kann, wie traurig das war. Jeder war froh, wenn er nicht zu denen gehörte, die verdächtigt wurden, egal auf was – ob jüdischer Abstammung oder politischer Gesinnung.

    Diese Zeit wird noch einmal kommen.

  5. Desinformation in der Jungen Welt über Ungarn: „Der stellvertretende [Jobbik K.P.] Parteivorsitzende Elod Novak forderte während einer Pressekonferenz die liberale Abgeordnete Katalin Ertsey auf, ihr Mandat niederzulegen, da sie ihre isrealisch-ungarische Doppelstaatsbürgerschaft nicht publik gemacht habe.“
    http://www.jungewelt.de/2012/12-04/007.php?print=1

    Das nationalbolschewistische Zentralorgan täuscht seine Leser. Die Abgeordnete Ertsey hat sich lustig gemacht über den Neonazi Elöd Novák. Auf seine Frage an alle Abgeordneten des ungarischen Parlaments, ob sie doppelte Staatsbürger seien antwortet Ertsey: sie besitze nicht nur die ungarische und die israelische sondern auch die pirezische Staatsbürgerschaft. Es gibt natürlich keine pirezische Staatsbürger. Anläßlich einer Meinungsforschung wurden Ungarn befragt, was sie über die Pirezen denken, viele antworteten, dass sie die Pirezen nicht leiden können.

    So verspottete Ertsey den ignoranten Neonazi Novak.

  6. Jaku, es haben zehntausend Menschen demonstriert, die meisten waren Mitglieder der evangikalen Hit Gyülekezete. Von einem Sturm der Entrüstung kann leider nicht gesprochen werden.

  7. http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1391243

    „Budapest (dpa) – Mehrere tausend Menschen haben in Budapest gegen Antisemitismus demonstriert. Auslöser waren Äußerungen des Parlamentsabgeordneten Marton Gyöngyösi von der rechts-radikalen Partei Jobbik. Dieser hatte verlangt, man müsse die jüdischen Regierungs- und Parlamentsmitglieder «erfassen».

    Gyögyösis Bemerkungen hatten in Ungarn einen Sturm der Empörung ausgelöst. Viele Menschen erinnerte die Forderung nach einem «Erfassen» der Juden an die Registrierungen im Zweiten Weltkrieg, die der Deportation von über einer halben Million ungarischer Juden nach Auschwitz vorausgegangen waren.“

  8. Lach, erklären Sie uns doch, wieso in Deutschland man mit dem Hinweis auf den Friedensvertrag von Versailles und in Österreich mit dem Hinweis auf den Friedensvertrag von St.Germain niemand mobilisieren kann und warum in Ungarn man das tun kann?
    Erklären Sie uns warum die meisten Ungarn in der Slowakei und in Rumänien nichts mit dem Nationalismus zu tun haben wollen, den Orbán & Co postuliert?
    Und erklären Sie uns, warum in Ungarn Neonazi aus verschiedenen Ländern bewaffnete Militärübungen abhalten können?
    Erklären Sie uns, weshalb Orbán & Co den „Kolonialismus“ der EU bekämpfen und die Leute mit Transparenten wie
    EU = USSR auf die Straße gehen lassen.

  9. In der Öffentlichkeit wird kaum über Ungarn berichtet. Auch das ist ein Skandal, wo sich doch die Presse sonst gern mit Ländern beschäftigt, die weit weg sind und nicht in Europa liegen. Daher mal ein Dank an Herrn Pfeifer, der immer wieder darüber berichtet.

  10. die politische realität in ungarn wundert mich persönlich überhaupt nicht. ich bin in ungarn geboren, aufgewachsen und 1956 (nach der aufstand) das land verlassen. wenn in ungarn ein partei wie fidesz, 2/3 mehheit hat, und dazu auch noch „jobbik“ etablieren könnte und im parlament vertrerten ist, was soll mich da noch wundern?!

    was ich allerdings nicht verstehen kann und auch nicht verstehen will, ist: wieso schweigt eu zu diesen „einmaligen“ ereigniss. europa müüßte aufschreien – europa müsste sanktionen gegen ungarn einleiten, europa dürfte nicht schweigen. ich frage mich langsam, wie lange sie noch warten wollen? oder werden sie auch nicht einschreiten, wenn in ungarn die synagogen brennen?

    ppklinger

    • Klar müsste die EU was tun, der ung. Regierung die dunkelgelbe Karte zeigen. Aber sie tut es nicht.

      Ob hat das was mit dem schlechten Gewissen Europas wegen Trianon zu tun? Damals sind die Ungarn schlecht weg gekommen.

      Trotzdem keine Entschuldigung für Jobbik.

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