Alter Bahnhof in neuem Glanz

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Vor etwas mehr als zwei Jahren wurde die Tachana eingeweiht, die alte Bahnstation von Jaffa, die als kultureller und kulinarischer Ort eine Wiederauferstehung feierte. Das Projekt ist bis heute nicht unumstritten, einigen Kritikern ist Hatachana nicht authentisch genug – Fakt aber ist, dass hier ein vollkommen heruntergekommener Gebäudekomplex zu einem Publikumsmagnet wurde…

Und „Hatachana“ wird nicht allein bleiben: Ihr Zwilling, der 1998 aufgegebene Bahnhof von Jerusalem in der Nähe der Cinemathek, wird nun ebenfalls wieder in neuem Glanz erstrahlen. Bereits im April nächsten Jahres sollen die Umbauarbeiten an dem Gebäudekomplex abgeschlossen sein, der in diesem Jahr seinen 120. Geburtstag feiern kann.

Schon vor zehn Jahren hat es erste Ideen gegeben, Teile des Areals zu einem Wohnviertel zu machen, die jedoch nicht weiter verfolgt wurden. Vor fünf Jahren schließlich hat die Stadtentwicklungsbehörde sich an die Bahn gewandt, der das Grundstück gehört, um eine zukünftige Nutzung zu besprechen.

Eine Gruppe von Investoren erhielt schließlich den Zuschlag für eine zehnjährige Nutzung der Gebäude des alten Bahnhofs. Einige von ihnen waren bereits an der Planung der Tachana in Jaffa beteiligt, doch legen sie Wert darauf, dass das Jerusalemer Projekt eigenständig ist und keine Kopie des Bahnhofs am Meer. Geplant ist allerdings auch hier eine „Kombination aus Kultur und Kulinarischem“, neben Restaurants und Cafés sollen eine Galerie und Läden einziehen. Das für Jerusalem Besondere: Die meisten der Restaurants sollen am Samstag geöffnet sein und nicht-koscheres Essen servieren.

Der alte Bahnhof spiegelt die bewegte Geschichte des Landes wider: Während der Bauarbeiten erfand Eliezer Ben-Yehuda das hebräische Wort für Eisenbahn, rakevet. Zur Eröffnung wurden auf den Gleisen Schafe geopfert, bevor der erste, mit osmanischen Flaggen geschmückte, Zug am 26. September 1882 aus Jaffa einfuhr. Vier Stunden dauerte der Weg jetzt nur noch – im Gegensatz zu zuvor 12 Stunden mit der Kutsche.

Später fuhren königliche Eisenbahnen der „Palestine Railways“ auf der Strecke, und die Briten schlossen sie an die Linie Kairo-Beirut an.

Nach einer kurzen Unterbrechung während des Unabhängigkeitskrieges übernahm bereits 1949 die israelische Eisenbahn das Schienennetz – bis knapp fünfzig Jahre später wegen mangelnder Nachfrage der letzte Zug den Bahnhof verließ.

Haaretz, 24.10.12, Newsletter der Botschaft des Staates Israel