Syriens unkonventionelle Waffen

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Erstmals hat Syrien den Besitz chemischer Waffen öffentlich eingestanden. Jihad Makdissi, Sprecher des syrischen Außenministeriums, hat in Damaskus in einer im syrischen Staatsfernsehen ausgestrahlten Pressekonferenz in englischer Sprache erklärt, dass die international geächteten unkonventionellen Waffen im Besitz Syrien „niemals“ gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt würden…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 23. Juli 2012

Vielmehr befinde sich Syrien noch im Kriegszustand. Nur mit einem Beschluss der Generäle, so Makdissi, würden diese Waffen gegen einen äußeren Feind eingesetzt werden. Das sagte er, ohne Israel, dem einzigen Land, mit dem sich Syrien noch im Kriegszustand befindet, beim Namen zu nennen.

Derweil hat der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak seine „Besorgnis“ über die in Syrien gestapelten chemischen und biologischen Waffen ausgesprochen. Noch seien sie unter der Kontrolle der syrischen Armee. Angeblich wurden die Kampfstoffe an wenigen gut bewachten Orten konzentriert. Doch auch das bewirkt keine Beruhigung für die Israelis. Die befürchten, dass die Rebellen in Syrien Zugriff zu diesen Lagern erhalten könnten, oder wie Barak es ausdrückte, dass „fortgeschrittene Waffensysteme“ in den Besitz „unverantwortlicher Gruppierungen“ geraten könnten. Barak ließ offen, welche Waffensysteme er meinte. Es könnten auch von den Russen gelieferte Luftabwehr- oder panzerknackende Raketen sein. Für Israel werde eine „rote Linie“ überschritten, falls das syrische Regime solche Waffen an die Hisbollah-Miliz im Libanon übergeben sollte oder sie in die Hände sunnitischer El Kaeda nahe stehender Extremisten.

„Überschreiten einer roten Linie“ bedeutet in Nahost im Klartext soviel wie eine Kriegserklärung. Während Barak auf den Golanhöhen betonte, dass es keinen israelischen Beschluss gebe, „wann, wie und wo“ Israel eingreifen könnten, und nicht einmal, „ob“ es das tun werde, haben die Amerikaner schon den Wink verstanden. US Verteidigungsminister Leon Panetta warnte kurz vor einem geplanten Besuch in Israel vor den möglichen Folgen, eines militärischen Angriffs in Syrien. „In den USA bewilligt man die Politik eines präventiven Schlages gegen Syrien nicht und spricht die Befürchtungen aus, dass dieser die Entfesselung eines flächendeckenden Krieges gegen Israel veranlassen könnte“, formulierte die „Stimme Russlands“.

Israelische Experten wie ex-General Schlomo Brom empfehlen, auf die Wortwahl Baraks genau zu achten. So habe er bisher nicht ausdrücklich mit einem Waffengang gegen Syrien oder gegen die Hisbollah gedroht. Genauso gibt es keine offene und klar formulierte Drohung Israels, das Atomprogramm des Iran mit Waffengewalt zu stoppen, während Amerikaner wie Europäer immer wieder von einem „flächendeckenden Krieg“ reden, den Israel auslösen könnte.

Ein enger Berater Netanjahus äußerte sich im Privatgespräch irritiert darüber, dass Israel kriegerische Absichten unterstellt würden, ohne mit Krieg gedroht zu haben. Anderseits aber sprächen Iran, Syrien und die  die Hisbollah ständig Drohungen gegen Israel aus. Da werde offen von einem „Auslöschen“ Israels geredet, darunter auch mit inkonventionellen Waffen. „Niemand kommt aber auf die Idee, einen flächendeckenden Krieg zu befürchten, wenn Israel mit Zehntausenden Raketen der Hisbollah, mit chemischen Waffen aus Syrien oder gar mit einer iranischen Atombombe angegriffen werden sollte.“ Nicht nur Israel hat Angst vor dem Einsatz chemischer Waffen im zusammenbrechenden Syrien, wo der Bürgerkrieg inzwischen 19.000 Menschen das Leben gekostet habe. Die Bevölkerung in Syrien befürchte das Schlimmste, obwohl Behauptungen der Opposition über einen Einsatz chemischer Waffen gegen Zivilisten bisher nicht bestätigt werden konnten. Jordaniens König Abdullah sagte, dass syrische chemische Waffen in den Besitz von El-Kaeda-nahen Gruppen geraten könnten. Das sei ein „worst case scenario“ (ultimative Katastrophe), das alle Menschen in der Region betreffe. „Von einem solchen Abgrund gibt es kein zurück“, sagte der König im Interview mit CNN. Der südliche Nachbar Syriens, das Königreich Jordanien, hat inzwischen über 140.000 Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen.

Im israelischen Fernsehen und Radio diskutierten mehrfach Expertenrunden über die Frage chemischer Waffen in Syrien, wobei gemäß dem britischen Militärforschungsinstitut Janes Syrien über das größte Arsenal chemischer Waffen in der Welt verfügt. Dabei wurde behauptet, dass die Russen, die einzigen Verbündeten des syrischen Regimes mit militärischer Präsenz im Norden des Landes, dafür sorgen würden, dass die chemischen Waffen nicht eingesetzt würden und nicht in die falschen Hände fallen. Doch dagegen wurde argumentiert, dass russische Berater das syrische Militär ausgebildet und für den Einsatz solcher Waffen trainiert hätten. Die ganze Technologie dafür sei von den Russen an Syrien geliefert worden.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com

4 Kommentare

  1. Syrien (surjah) und Russland (rusjah)
    haben im Hebräischen
    dieselben Buchstaben/ denselben Zahlenwert.
    Als die Gefahr bestand, dass Hitler
    durch den Balkan Feldzug
    den Griff nach Jerusalem tat,
    bog Hitler aus der Richtung Syrien ab
    Richtung Rusland…
    Wir haben da eine Sache mit
    übelster Verknüpfung.
    Der Ausdehnungsversuch von Auschwitz
    auf das Heilige Land ist noch nicht
    ausreichend besiegt.

    Es lebe das Volk Israel.

  2. Jetzt hätte ich einen Protest der Friedensbewegung erwartet, aber die schweigt dazu, wie sie natürlich auch zur Abschlachtung von vielleicht schon zehntausenden Syrern schweigt.
    Diese Bewegung beschränkt sich in unseren Breitengraden darauf, gegen Israel und die USA zu demonstrieren.

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