Terrorwelle oder Zufall?

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Die Liste der ostasiatischen Hauptstädte, in denen Bombenanschläge erfolgreich waren oder rechtzeitig vereitelt werden konnten, wird fast täglich länger: Bangkok, Neu Delhi, Tiblisi und andere…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 15. Februar 2012

In Georgien entdeckte ein Mitarbeiter der israelischen Botschaft rechtzeitig ein Sprengstoffpaket unter dem Botschafterwagen. In Neu Delhi wurde von einem vorbeifahrenden Motorrad eine Bombe auf den Wagen einer israelischen Diplomatin geworfen. Sie überlebte schwer verletzt. In Bangkok gestanden verhaftete Männer mit iranischen Ausweisen, also „mutmaßliche Iraner“, einen Anschlag auf die israelische Botschaft geplant zu haben. In ihrer Wohnung ging zuvor eine Bombe hoch, was das Dach wegriss. Einer der verletzten „mutmaßlichen“ Iraner warf eine Bombe auf einen Polizisten, doch der Sprengsatz prallte an einen Baum, flog zurück, explodierte und riss dem „Iraner“ beide Beine ab.

Natürlich mag es Zufall sein, dass diese fast zeitgleichen Anschläge rund um den Todestag des Imad Mughnije fallen, dem ehemaligen „Generalstabschef“ und weltweit meistgesuchten Terroristen der libanesischen Hisbollah-Miliz. Eine Bombe in der Kopfstütze seines Autos hatte Mughnije 2008 in Damaskus getötet. „Selbstverständlich“ wird der israelische Mossad verdächtigt, Mughnije ermordet zu haben.

Der hatte viele schwere Anschläge in aller Welt geplant, so auch auf die israelische Botschaft und das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires vor zwanzig Jahren. Der Sprengstoff sei per Diplomatenpost der iranischen Botschaft nach Argentinien geschmuggelt worden. Fest steht, dass die eng mit Iran verbündete Hisbollah die Attentate verübt hat. Mughnije, von dem kaum ein Foto existiert, habe perfektes persisch gesprochen und bei Beratungen in Teheran volontiert, die Teilnehmer zu fotografieren, nur um nicht selber abgelichtet zu werden.

Weil Iran und Hisbollah Rache für den ungesühnten Tod Mughnijes geschworen haben, wurden israelische Botschaften und jüdische Einrichtungen in aller Welt schon vor der Anschlagsserie in höchste Alarmstufe versetzt. In ostasiatischen Staaten, wo Geheimdienst und Polizei als wenig effektiv gelten, veröffentlichte Israel akute Terrorwarnungen für Reisende und Geschäftsleute, während Diplomaten die Anweisung erhielten, ihre Wohnungen möglichst nicht zu verlassen.

Nur wenige Stunden nach dem Anschlag auf die Diplomatin in Neu Delhi erklärte Außenminister Avigdor Liberman, dass er die Täter „identifizieren“ könne und dass „Israel nicht zur Tagesordnung“ übergehen werde. Zwei Stunden später sprach Ministerpräsident Benjamin Netanjahu offen aus, was sein Vize nur angedeutet hatte: Hinter den Anschläge stecke Iran.

Israelische Medien erwähnen die „El Kuds Gruppe“, eine Abteilung der iranischen Revolutionsgarden. Sie verfüge – ähnlich wie die Hisbollah -über Schläferzellen in vielen Ländern. Die von Khamenei geleiteten „El Kuds“ könnten jederzeit für Anschläge im Ausland eingesetzt werden.

Iran und die Hisbollah lenken den Verdacht auf sich selber. In den vergangenen Tagen kündigten sie wiederholt die Vernichtung Israels und des jüdischen Volkes bis 2014 öffentlich an. Irans Präsident und der geistige Führer Ali Khamenei protzten zudem, 2006 und 2008 zusammen mit Hisbollah und Hamas die „siegreichen“ Kriege gegen Israel angezettelt zu haben. Ob die Polizei in Georgien, Thailand und Indien in Kooperation mit Mossad-Agenten die Spuren bis nach Teheran nachweisen können, muss noch abgewartet werden.

Beachtenswert sind die ungewöhnlich scharfen Reaktionen des UNO-Generalsekretärs, der amerikanischen Außenministerin und der EU-Kommissarin Catherine Ashton auf den Anschlag in Indien, bei dem gezielt eine Bombe auf ein israelisches Diplomatenfahrzeug geworfen worden war. Die westlichen Staaten schweigen zu zahllosen Terroranschlägen, aber wenn es Diplomaten trifft, reagieren sie empfindlich. Botschaften gelten als exterritorial, sodass Attacken auf Diplomaten einem Angriff auf die von ihnen vertretenen Ländern entsprechen und einer Kriegserklärung gleichkommen.

So drohten die USA den Ägyptern nach dem Sturm auf die israelische Botschaft in Kairo mit einer Einstellung amerikanischer Finanzhilfe. Sechs israelische Diplomaten wurden in letzter Sekunde aus akuter Lebensgefahr gerettet. Der Sturm auf die amerikanische Botschaft in Teheran 1979 und die Geiselnahme der Diplomaten führte zu einem Abbruch der Beziehungen und tiefer, bis heute nicht auskurierter Feindschaft. 1982 wertete Israel den Anschlag auf seinen Botschafter Schlomo Argov in London als „casus belli“, und marschierte in den Libanon ein, um die von Jassir Arafat befehligte PLO aus Beirut zu vertreiben. Auch jetzt wieder fällt das Wort „casus belli“, um den amerikanischen Präsidenten Barack Obama zu einem Militärschlag gegen Iran zu animieren, nicht wegen Irans Atombestrebungen, sondern weil Iran als größter Exporteur von Terror gilt. Iran gefährde die „Stabilität der ganzen Welt“, formulierte der israelische Premier am Mittwoch.

Terror unterscheidet sich vom klassischen Krieg zwischen Staaten, indem Terrorzellen „unkontrollierter“ Organisationen vorgeschickt werden, den Feind zu treffen, ohne dass deren Mäzene zur Verantwortung gezogen werden können. Doch der schwerste aller Terroranschläge vom 9. 11. 2001 in New York zeigte, dass Staaten doch Verantwortung tragen. 2001 rief die NATO den „Verteidigungsfall“ aus, weil die Taliban in Afghanistan sich weigerten, den Drahtzieher Osama bin Laden zur Rechenschaft zu ziehen oder auszuliefern.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com

5 Kommentare

  1. dragao  gebis Jonathan Hans Jane Esther Myrthe …wie au immer sie alle heissen möen …“erbärmlicher“ Reaktionismus von Hillosigkeit

  2. Nun,jetzt seid Ihr ja fünf Tage g’scheiter..Und was waren diese sog. „Terrorangriffe“ auf Israelis,hahaha?Genau,false-flag-Aktionen vom Mossad und exiliranischen Handlangern.Hat der jüdische Propagandaapparat keinen Bernay mehr, oder funktioniert die propagandistische Offenkundigkeit des Judenstaates nur noch durch eine psychopathologische Inquisitionsjustiz in den besiegten und besetzten Ländern?

  3. „Terror unterscheidet sich vom klassischen Krieg zwischen Staaten, indem Terrorzellen „unkontrollierter“ Organisationen vorgeschickt werden, den Feind zu treffen, ohne dass deren Mäzene zur Verantwortung gezogen werden können.“
    <b>Nun darin sind ja der Mossad, CIA und FBI eindeutig Weltmeister, auch im fabrizieren von Fals-Flag Anschlägen.</b>
     

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