Free Willy

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Dem bekannten Film „Free Willy“ entsprechend, wurde ein neues Drehbuch geschrieben, das einstweilen den Titel „Free Mahmoud Abbas“ trägt. Infolge des „Sieges“ der Hamas möchte die Israelische Verteidigungsarmee (IDF) mit Hilfe einer Reihe von Gesten Mahmoud Abbas stärken…

Kommentar von Yoel Marcus, Haaretz, 28.10.2011
Übersetzung von Daniela Marcus

Das Editorial von Ha’aretz empfahl Netanyahu, den Ratschlägen der Armee zu folgen – als ob Abbas eine Entschädigung für das Großhandelsabkommen zur Freilassung von Gefangenen verdient hätte, das die Hamas erzielt hatte. Dov Weisglass, Ariel Sharons Berater für arabische Beziehungen (unter anderem), schrieb in der Zeitung Yedioth Aharonoth, dass Abbas gerettet werden müsse, weil die Hilfe, die der Hamas zukam, einen „grausamen Schlag für die Palästinensische Autonomiebehörde“ darstelle.

Um der Sache einen makaberen Anstrich zu geben, lassen die Vorschläge zur Entschädigung von Abbas durchblicken, dass er nicht genügend Juden getötet und nicht genug Geiseln genommen hat, um die öffentliche Meinung in Israel unter Druck zu setzen. Und dadurch übertrug er das eigentliche Eigentumsrecht auf bewaffneten Kampf an die Hamas.

Ich weiß nicht, ob es zur Aufgabe der Armee gehört, Vorschläge zu Themen zu übermitteln, die in den Autoritätsbereich der Regierung fallen. Wenn solche Empfehlungen in der Vergangenheit geäußert wurden, hatten sie jedenfalls nicht immer ein gutes Ende. Mahmoud Abbas ist ein großer Junge und er weiß genau, was er will und was er nicht will. Bis zu einem gewissen Grad existiert eine Interessenübereinstimmung zwischen den Häuptern von Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde. Beide Seiten möchten ein Friedensabkommen basierend auf Zugeständnissen erzielen, doch sie strengen sich nicht besonders an, um den Stier bei den Hörnern zu packen. Mahmoud Abbas lebt gut in Ramallah und genießt es, prominente Persönlichkeiten und internationale Gesandte zu treffen. Bei zahlreichen Reisen rund um den Globus nimmt er sogar Netanyahu mit.

Wollte Mahmoud Abbas wirklich einen palästinensischen Staat errichten, würde er einen Vorteil ziehen aus dem Zugeständnis, das Netanyahu während seiner programmatischen Bar-Ilan-Rede zur Zwei-Staaten-Lösung gab. Bevor Netanyahu an die Macht kam, führte Abbas vertrauliche Verhandlungen mit Ehud Olmert, Tzipi Livni und Ehud Barak, die alle drei ein Friedensabkommen erstrebten. Abbas hätte auch auf die Vorschläge, die von den Dreien geäußert wurden, eingehen können. Über Jahre hinweg hat man Gefangene für ihn frei gelassen, er erhielt Unterstützung bei der Aufstellung der Sicherheitskräfte, ihm wurde bei der Beschaffung von Geldern aus den USA geholfen, und er erhielt Landtausch-Angebote. Doch trotz der guten Atmosphäre, die bei diesen Gesprächen herrschte, sagte Abbas „Nein“.

Ein Teilnehmer dieser Gespräche berichtete, dass Abbas trotz der Tatsache, dass er ein hartnäckiger Verweigerer war, als angenehm fesselnder Nicht-Partner erschien. Dies ist ein Kontrast zu Yassir Arafat, der den Osloer Frieden zwischen zwei Intifadas zwängte. Die Begründung, Arafat den Friedensnobelpreis zu verleihen, ähnelte im Prinzip der Verleihung des Preises an Obama. Der Preis wurde für das Herstellen von Seifenblasen verliehen. Die von Arafat zitierte Entschuldigung lautete, dass es sich der Gründer der Palästinensischen Befreiungsbewegung nicht leisten könne, in der Geschichte als die Person zu erscheinen, die zustimmte, das Land zu teilen und Groß-Palästina aufzugeben. Das heißt, dass nicht nur Israel sondern auch Jordanien das Ziel ist. Es ist kein Zufall, dass König Hussein von Jordanien und sein Nachfolger darauf bestanden haben, dass das Jordantal in Israels Besitz bleibt, falls ein Abkommen erzielt werden sollte.

Mit Hilfe von Salam Fayyad hat Mahmoud Abbas gute Dinge für die Einwohner der Palästinensischen Autonomiebehörde vollbracht. Er hat ihnen Appetit auf ein sicheres und normales Leben gemacht. Diese Errungenschaft ist ähnlich wie das, was der jüdische Yishuv vor der Gründung Israels geleistet hat. Anstatt auf allen möglichen Arten von Bedingungen für Verhandlungen zu bestehen und zwei- bis dreimal die Woche den Beleidigten und Aufgebrachten zu mimen, hätte Abbas Israels Regierung zwingen sollen, ihr geäußertes Zugeständnis an ein Friedensabkommen einzulösen.

Der Schachzug der Palästinensischen Autonomiebehörde, bei der UNO einseitige Anerkennung zu erlangen, war ein falscher für den Frieden und außerdem ein Zug für anhaltende Auseinandersetzungen. Er stärkte auch Politiker wie Lieberman und Extremisten aus der Likud-Partei. Die islamischen Staaten, die sich weigerten, den palästinensischen Staat im Jahr 1947 anzuerkennen, sind heutzutage zahlreicher und extremistischer, und sie werden die nächste Tragödie, die über die Palästinenser kommt, verursachen. Abbas kann behaupten, dass Netanyahu nicht wirklich ein Friedensabkommen möchte. Derzeitige Baumaßnahmen in Jerusalem erregen in der Tat Misstrauen. Doch wenn er den Beleidigten spielt oder mit seinem Rücktritt droht, macht es Abbas den Extremisten nur einfacher, jedes Friedensabkommen zu ruinieren.

Einige Worte an Abbas: Achten Sie nicht auf Lieberman, wenn er erklärt, Ihr Rücktritt wäre ein Segen und er würde Ihnen sogar eine Schachtel Pralinen schicken. Nehmen Sie auch die Vorschläge nicht ernst, dass Israel Verhandlungen mit der Hamas führen solle. Wenn die Hamas ihre Bemühungen, alle Terroristen frei zu bekommen, vollendet hat, wird sie sich auf den Versuch konzentrieren, die Kontrolle über die Palästinensische Autonomiebehörde zu erhalten. Und sie wird versuchen, alles, was Sie bisher erreicht haben, zu unterminieren. Das ist weder in Ihrem noch in unserem Interesse.

In dem Moment, da Abbas wirklich ein Abkommen erreichen möchte, sind wir hier, um ihn vor sich selbst zu retten. Diejenigen, die wussten, wie man scharenweise auf die Straßen geht, um gegen erhöhte Hüttenkäse- und Wohnungspreise zu demonstrieren, werden auch wissen, wie man zur Erreichung des Friedens die Welt auf den Kopf stellt.