Januar-Fernsehtipps

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Vom 16. bis 31. Januar 2011…

So, 16. Jan · 06:50-07:05
Schätze der Welt: Lemberg – Auferstanden aus Erinnerungen, Ukraine

Lemberg liegt in der Ukraine. Entlang den Gleisen der alten Straßenbahnen kann man die unterschiedlichen Epochen ausmachen, die der Stadt ein Gesicht geben. Die stolzen Barockpaläste mit den Jugendstilhäusern und dem ärmlichen jüdischen Viertel, die Plattenbauten und die Parks. Ostslawische Fürsten, Polen, Österreicher, Ruthenen, Armenier, Italiener und Juden haben die Stadt geprägt. Man kann jedoch nicht von einer multikulturellen Erfolgsgeschichte der Stadt sprechen, denn in Lemberg kam es immer wieder zu Aufständen und Pogromen, je nachdem, wie sich das europäische Machtgefüge und die Landkarten veränderten. Auf dem Friedhof Lytschakiv findet man Grabmäler aus schwarzem Marmor, in denen Porträts streng blickender sowjetischer Offiziere, aber auch das Antlitz der Frauen von österreichischen Adligen gemeißelt sind. In ihren legendären Zeiten war die Stadt Lemberg nicht nur ein Handelszentrum zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, zwischen Europa und Asien, sondern auch ein Zentrum der Wissenschaften. Vom Friedhof fährt eine Straßenbahn direkt in die Stadtmitte zum Rynok, dem Ringplatz. Zwei große Kriege haben zwar die Fassaden der Häuser stehen lassen, aber die Menschen dahinter sind dadurch vertrieben oder ermordet worden. Nach Jahren der Sowjetherrschaft entdecken die Lemberger nach und nach ihre kulturellen Wurzeln, die sich in den polnischen Fresken in der armenischen Kirche, in den Konterfeis von Kaiser Franz Joseph und in der sehr lebendigen Literaturszene spiegeln.

So, 16. Jan · 09:30-10:15 · HR
Istanbul war ein Märchen

Im Jahr 2010 wurde die türkische Metropole Istanbul als Europäische Kulturhauptstadt gefeiert. Doch schon die Kandidatur der Stadt hatte in Europa eine Debatte ausgelöst … Denn wie bei der seit Jahren anhaltenden Diskussion über einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union wurde auch hier die Frage gestellt, ob diese Stadt denn tatsächlich zu Europa gehöre. „Ja“ sagen die bekannten Künstler und Literaten in der Stadt, und „ja“ sagt Filmautor Kamil Taylan, ein gebürtiger Istanbuler, der seit vierzig Jahren in Deutschland lebt und den es doch immer wieder in diese Stadt zurückzieht – mit sehr unterschiedlichen Gefühlen. Der sehr persönliche Film ist eine ebenso historische wie autobiografische Stadtbegehung dieser uralten wunderbaren Stadt, die einst kulturell so reich und kosmopolitisch war wie kaum eine zweite und der der türkische Nationalismus so viele Wunden schlug. Dennoch ist sie so vital und aufregend, dass sie immer noch das Zentrum der türkischen Künstler und Schriftsteller der Türkei schlechthin geblieben ist. Kaum einer versagt ihr seine Liebeserklärung, und fast alle schöpfen aus ihr: Orhan Pamuk, Literaturnobelpreisträger und leidenschaftlicher Istanbuler; die junge und erfolgreiche Autorin Elif Safak, die in ihren Romanen nicht wenige Tabubrüche begeht und deren Bücher riesige Auflagen erreichen; der türkisch-jüdische Schriftsteller Mario Levi, dessen Romanfiguren in dieser Stadt ihre Wurzeln haben und der von der untergegangenen jüdischen Welt Istanbuls erzählt. Sie alle hat der Autor getroffen, auch den griechischen Schriftsteller Petros Markaris, gebürtig aus Istanbul, dessen Familie das schreckliche Pogrom des 6./7. September 1955 erlebt hat, bei dem die armenische und griechische Minderheit brutal vertrieben werden sollte. In dem Film macht sich der Autor aber auch auf die Suche nach seinem persönlichen Istanbul-Märchen, die Erinnerung an eine Zeit, als die Stadt wie ein Füllhorn der Kulturen war, als Türken und Armenier, Griechen und Juden friedlich und sich gegenseitig bereichernd zusammenlebten. Das Zentrum seiner Ortsbegehung ist das Pera-Viertel, wo er aufgewachsen ist. Pera bedeutet auf Griechisch „auf der anderen Seite“ – auf der anderen Seite des Goldenen Horns. In Pera haben seit dem 13. Jahrhundert zunächst Genueser, später dann Griechen, Armenier und Juden gelebt. In Pera schlug jahrhundertlang das kulturelle Herz von Istanbul. Hier hat er mit seinen griechischen und armenischen Freunden gespielt, hat als Kind das Pogrom von 1955 miterlebt. Gibt es noch Spuren dieser ehemals so reichen, offenen und toleranten Welt von damals, bevor die türkischen Nationalisten alle fremden Kulturen bekämpften? Kamil Taylan findet Hinweise, dass sein „Märchen Istanbul“ wieder Lebenszeichen von sich gibt, oder wie es Elif Safak sagt: „Millionen Menschen aus dem Mittleren Osten, aus den ehemaligen Sowjetrepubliken und aus Europa leben jetzt hier, und Istanbul ist heute wieder eine kosmopolitische Stadt.“ Orhan Pamuk meint: „Das alte Istanbul war sehr arm, die Menschen waren unterdrückt, sie haben ihre Identität verheimlicht. Aber Istanbul ist jetzt reicher und stärker und wieder ein Ort voller Selbstvertrauen.“ Am Ende wird der Film, der sehr kritisch mit der politischen Vergangenheit und Gegenwart seiner Stadt und seines Landes umgeht, doch noch eine Liebeserklärung: „Ich komme immer wieder in diese Stadt zurück“, sagt Kamil Taylan, „weil ich immer noch an Istanbul glaube. Ich suche nach den alten Bildern und finde immer wieder neue. Über viele freue ich mich, manche machen mich traurig und manche zornig. Aber vielleicht ist es das, was mein Märchen, was Istanbul ausmacht.“

So, 16. Jan · 10:45-11:15 · HR
Das Sonntagsgespräch – Georg-M. Hafner im Gespräch mit Trude Simonsohn

Trude Simonsohn hat Theresienstadt und Auschwitz überlebt und ist heute die wohl bekanntestes Zeitzeugin und eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Lebhaft und eindringlich wie kaum eine andere, vermittelt sie vor allem Jugendlichen ihr Überleben im „Dritten Reich“. Geboren am 25. März 1921 im nordmährischen Olmütz, setzte sie sich in der zionistischen Jugendbewegung für die Auswanderung der deutschen Juden in ein eigenes und unabhängiges Land ein. Trotz des Verbots durch den NS-Staat arbeitete sie als Zionistin illegal weiter, wurde nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich verhaftet und nach Theresienstadt und Auschwitz verschleppt. Sie überlebte den Holocaust und engagiert sich seitdem vielfältig für die Erinnerung an ihre ermordeten Leidensgefährten. Georg M. Hafner befragt die Trägerin der hessischen Wilhelm-Leuschner-Medaille in der Sendung „Sonntagsgespräch“.

So, 16. Jan · 20:15-22:00 · arte
Dem Himmel so fern

 
Die amerikanische Provinz der 50er Jahre: Cathy Whitaker führt ein Leben wie im Bilderbuch. Doch die perfekte Fassade bröckelt gewaltig, als homosexuelle Tendenzen ihres Mannes zutage kommen und Cathy sich ihrem farbigen Gärtner anvertraut…  Elektroschocks gegen Homosexualität? Frank Whitaker versucht es erst einmal mit Gesprächstherapie, um sich von seiner „Krankheit“, der Liebe zu Männern, zu kurieren. Die stets lächelnde Cathy überwindet ihren ersten Schock, nachdem sie ihren Mann in flagranti mit seinem Kollegen erwischt hat, und bemüht sich, ihr Bilderbuchleben aufrecht zu erhalten. Sie ist aufopfernde Mutter, perfekte Gattin und eleganteste Lady der amerikanischen Provinzstadt Hartford der 50er Jahre und versucht das massive Problem, das mit einem Mal ihre Ehe infrage stellt, mit Würde zu lösen. Noch schlimmer als schwul zu sein, ist es in den Augen der braven Bürger Hartfords allerdings, schwarz zu sein. Und der Umgang mit Farbigen, auch „Neger“ genannt, ist dementsprechend tabu. Als Cathy in ihrer Einsamkeit etwas zu vertraulich mit ihrem farbigen Gärtner Raymond umgeht, beginnt eine gnadenlose Hetzkampagne …

So, 16. Jan · 23:35-00:20 · ZDF
„Davon haben wir nichts gewusst“ – Die Deutschen und der Holocaust

 
„Davon haben wir nichts gewusst“ – so lautete nach Kriegsende 1945 die deutsche Standardantwort auf Fragen nach dem Holocaust. Ein kleiner fanatischer Kreis von Tätern habe den Judenmord unter strengster Geheimhaltung begangen, die „normale“ Bevölkerung habe davon weitgehend nichts mitbekommen. Von der historischen Forschung wurde diese Version inzwischen als kollektives Muster der Verdrängung entlarvt. Doch wie viel wussten die Deutschen wirklich vom Holocaust? Welchen Meldungen und Gerüchten schenkten sie Glauben, welchen nicht? Und vor allem: Wie standen sie zu den Verbrechen, die in deutschem Namen verübt wurden? „ZDF-History“ rekonstruiert den Informationsstand der deutschen Bevölkerung in den Jahren 1941 bis 1945.

Di, 18. Jan · 20:15-21:00 · ZDF
Edward VIII. und die Nazis – Mythos und Wahrheit

 
Edward VIII. war eine der schillerndsten Figuren im englischen Königshaus. 1936 setzte er die Monarchie aufs Spiel, als er um jeden Preis seine umstrittene Geliebte Wallis Simpson heiraten wollte. Die zweimal geschiedene Amerikanerin schien als Gemahlin des britischen Königs unpassend. Bis zuletzt kämpfte Edward um die Zustimmung seiner Familie und der britischen Regierung und löste damit einen internationalen Skandal aus. Schließlich musste er abdanken – ein Opfer für eine große Liebe, das zu einer romantischen Legende verklärt wurde. Doch war das die ganze Wahrheit? Warum blieb die Royal Family so unerbittlich? Warum lehnte die Regierung jeden Kompromiss zu Gunsten Wallis Simpsons ab? Und warum ließ die amerikanische Regierung Edward und seine Frau vom Geheimdienst beobachten, nachdem sie England verlassen und sich als Herzog und Herzogin von Windsor auf den Bahamas niedergelassen hatten? Kürzlich veröffentlichte Akten des FBI enthüllten hinter der Love Story eine brisante Affäre: Sie belegen eine gefährliche Nähe des Herzogpaares zu den deutschen Nazis. Edward, der den Verlust des britischen Throns nicht verwunden hatte, hoffte, mit Hitlers Hilfe wieder als König in sein Reich zurückkehren zu können – er spekulierte offenbar auf eine Niederlage Großbritanniens im Zweiten Weltkrieg. Offensichtlich spielte Edward mit dem Gedanken, eine absolutistische Monarchie ohne Parlament zu etablieren. Darauf deuten weitere, jetzt veröffentlichte Regierungs-Dokumente hin sowie die sensationellen Tagebücher Alan Lascelles, Privatsekretär Edwards VIII.. Alle Papiere zusammen werfen ein völlig neues Licht auf die vermeintlich tragische Liebesgeschichte. Wallis Simpson, so Erkenntnisse des FBI, soll neben der Beziehung zu Edward noch andere Affären gehabt haben – darunter auch zu Joachim Rippentrop, später Hitlers Reichsaußenminister. Wie weit ging ihr Einfluss auf den Herzog von Windsor? Musste die Royal Family einen Umsturz fürchten, angeführt von einem Mitglied der eigenen Familie? War Edward in Wahrheit ein Vaterlandsverräter, dessen eigentliche Sympathien Deutschland und dem Nazi-Regime galten? Zum ersten Mal werden die wahren Hintergründe dieses größten Skandals in der Geschichte des englischen Königshauses beleuchtet, der unter anderen Voraussetzungen den Gang der Geschichte hätte verändern können.

Fr, 21. Jan · 22:35-00:10 · arte
Das Herz von Jenin

2005 stirbt der zwölfjährige Sohn des Palästinensers Ismail Khatib im Flüchtlingslager Jenin durch die Kugeln israelischer Soldaten. Trotz seiner Trauer entscheidet der Vater, die Organe seines Sohnes Ahmed an israelische Kinder zu spenden. Zwei Jahre später begibt er sich auf eine Reise quer durch Israel, um die Organempfänger und deren Familien zu besuchen. Die Filmemacher Leon Geller und Marcus Vetter haben ihn begleitet. Die Familie Khatib lebt im Flüchtlingslager Jenin im Westjordanland. 15.000 Menschen leben an diesem Ort, der vom israelischen Militär als Hochburg des Terrorismus bezeichnet wird. Am 5. November 2005 bittet der zwölfjährige Ahmed Khatib seine Eltern, in der Stadt eine Krawatte für die beginnenden Festtage kaufen zu dürfen. Unterwegs trifft er zwei Freunde und spielt mit ihnen „Araber und Jude“. Wie so oft an Festtagen ist eine israelische Patrouille im Camp, um einen gesuchten Terroristen aufzuspüren. Ahmed rennt mit seiner Spielzeugwaffe über die Straße. Plötzlich werden zwei Schüsse abgefeuert. Sie treffen den Jungen in Kopf und Brust. 24 Stunden später stirbt er in den Armen seiner Eltern. Der Krankenpfleger aus dem Rambam Krankenhaus in Haifa fragt den Vater, ob er bereit wäre die Organe seines Sohnes zu spenden. Ismael Khatib ruft seinen ältesten Bruder an, holt sich den Segen des Imam aus Jenin und informiert die weltliche Autorität des Flüchtlingslagers, Zbydi Zakaria, den Chef der militanten Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden. Alle stimmen der Transplantation zu. Für sechs Menschen ist es die Chance, durch Ahmeds Organe weiterzuleben. „Das Herz von Jenin“ rekonstruiert die damaligen Ereignisse und begleitet Ismael Khatib auf einer Reise zu den Kindern, die heute mit Ahmeds Organen leben: Zu Mohammed, einem kleinen Beduinenjungen aus der Negev-Wüste, zu Samah, einer drusischen Teenagerin aus dem Norden Israels, und zu Menuha, der Tochter einer jüdisch-orthodoxen Familie aus Jerusalem. Der Dokumentarfilm von Leon Geller und Marcus Vetter porträtiert Menschen, die lernen, mit dem alltäglichen Konflikt und der alltäglichen Gewalt zu leben, und trotzdem ihre Hoffnung auf Frieden nicht aufgeben.

Sa, 22. Jan · 20:15-22:00 · BR
Taking Sides – Der Fall Furtwängler

 
Steve Arnold, Major der US-Armee, soll ein Exempel statuieren und beweisen, dass der in Deutschland hoch angesehene Dirigent Wilhelm Furtwängler mit den Nazis kollaboriert hat. Der Film von István Szabó basiert auf realen Ereignissen.  Das Chaos im besiegten Deutschland, die Lügen und gegenseitigen Anschuldigungen der Betroffenen machen die Angelegenheit zu einem verminten Gelände für den Major. Arnold geht bis zum Äußersten, um „seine“ Wahrheit zu finden: Seine Schwarz-Weiß-Philosophie eignet sich jedoch wenig zur Schuldfeststellung im Fall eines sensiblen Künstlers, der trotz des totalitären Regimes entschlossen seine künstlerische Aufgabe erfüllen wollte und sich durch ein Dickicht moralischer Ambivalenz zu manövrieren versuchte.

Sa, 22. Jan · 14:00-15:00 · 3sat
Wiedersehen in Böhmen – Zwei Lebenswege

Das Haus, in dem Isa Engelmann aufgewachsen ist, hat noch immer ein grünes Dach. Doch ihre verlorene Kindheit findet sie dort nicht mehr. Auf der Suche nach ihren Wurzeln ist Isa Engelmann in die böhmische Stadt Reichenberg zurückgekehrt. Die Menschen, die im heutigen Liberec leben, sprechen jedoch nicht ihre Sprache, sondern tschechisch. Vieles hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg verändert. Auch die Synagoge gibt es nicht mehr. An ihrer Stelle ist ein modernes Bethaus entstanden, in dem die jüdische Tradition weiterlebt. Auch Edita Weitzenová konnte ihre Heimat nicht vergessen. Sie gehört zu den Überlebenden des Holocaust. Nach dem Krieg ist sie nach Reichenberg/Liberec zurückgekehrt und hat dort wieder ein Zuhause gefunden. Zwei Persönlichkeiten treffen mit gänzlich unterschiedlichen Erfahrungen aufeinander und beginnen das Wagnis, sich für die Gefühle und Erlebnisse der anderen zu öffnen. Nur allmählich gelingt es ihnen, Misstrauen und Vorurteile zu überwinden. Die Stadt Liberec, mit deutschem Namen Reichenberg, wird dabei zum Ort einer vorsichtigen Annäherung. Zwei Frauen, zwei ganz unterschiedliche Lebenswege, zwei Blicke auf dieselbe Stadt.
Der Film erzählt die Geschichten von Isa, die mit ihrer Familie 1946 vertrieben wurde, und von Edita, die als Jüdin bereits 1938 vor den deutschen Besatzern fliehen musste. Bei der ungewöhnlichen Begegnung enthält sich der Film jeden Kommentars und folgt allein den beiden Frauen. Ihre Erinnerungen strukturieren die gegenwärtigen und vergangenen Bildwelten. Aktuelle Aufnahmen verschmelzen mit zum Teil noch nie gezeigtem Archivmaterial. Die Prager Filmemacherin Blanka Závitkovská hat die beiden Frauen mit der Kamera begleitet. Entstanden ist dabei ein einfühlsames und bewegendes Doppelporträt.

Sa, 22. Jan · 22:05-00:55 · BR
Ein Hauch von Sonnenschein

Ungarn, Ende des 19. Jahrhunderts: In Budapest arbeitet sich Emmanuel Sonnenschein aus bescheidenen Verhältnissen zu einem wohlhabenden Großbürger empor. Sein Sohn Ignatz bereitet der Familie indes große Sorgen, denn ihn verbindet eine innige Liebesbeziehung mit seiner verwaisten Cousine Valerie – die er, als sie von ihm schwanger wird, schließlich heiratet. Während Valerie mit István und Adam zwei Söhne zur Welt bringt, macht der überzeugte Monarchist Ignatz als Jurist eine glänzende Karriere im Staatsdienst. Ganz anders sein Bruder, der idealistische Mediziner Gustave: Er schließt sich in der zerfallenden k. u. k. Monarchie angesichts der Leiden des einfachen Volkes den Sozialisten an. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 entzweit die Brüder. Die rote Nachkriegsregierung favorisiert Gustave, doch als sie abgelöst wird, ist Ignatz wieder obenauf. Sein Sohn Adam steigt derweil zu einem gefeierten Sportfechter auf – als er jedoch aus Karrieregründen einem Offiziersclub beitreten will, nötigt man den unpolitischen Sportler, vom Judentum zum Katholizismus zu konvertieren. In einer christlichen Abendschule lernt er Hannah kennen, die er wenig später heiratet. Als schließlich die Faschisten die Macht in Ungarn übernehmen, verkennt Adam die Gefahr für seine Familie: Nur wenige Mitglieder der Familie Sonnenschein überleben die mörderischen antisemitischen Auswüchse. Unter ihnen ist Adams Sohn Ivan, der nach dem Krieg dem kommunistischen Geheimdienst beitritt, um Nazi-Verbrecher zur Strecke zu bringen. Er erlebt den Fall der kommunistischen Regierung und besinnt sich schließlich auf die lange verleugneten Wurzeln seiner jüdischen Herkunft. 

So, 23. Jan · 00:30-02:40 · MDR
Fateless – Roman eines Schicksallosen

Ein jüdischer 15-Jähriger aus Budapest erlebt das letzte Kriegsjahr in verschiedenen Konzentrationslagern. „Fateless – Roman eines Schicksallosen“ basiert auf dem autobiografischen Roman von Literaturnobelpreisträger Imre Kertész. Budapest 1944: Die jüdische Bevölkerung hofft auf ein baldiges Ende von Verfolgung und Krieg. Der 14-jährige György Köves erlebt den Abschied seines Vaters ins „Arbeitslager“, die Brandmarkung seiner Person und seiner Freunde durch den Judenstern und die quälende Frage nach dem Warum. Er erlebt die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und Zeitz. Er erlebt Leid, Demütigung, Solidarität, Angst und Gleichgültigkeit – aber „… dort bei den Schornsteinen gab es in den Pausen zwischen den Qualen etwas, das dem Glück ähnlich war.“ Der Junge überlebt. Die Lager werden befreit, der Krieg geht zu Ende. György kehrt zurück nach Budapest. Versteht man ihn? Vertraute Türen werden von Fremden geöffnet und schnell geschlossen. Kann er erzählen? Hört man ihm zu? Er kommt als Überlebender und als Fremder in seine Heimatstadt Budapest zurück.

So, 23. Jan · 00:55-02:05 · BR
Inheritance – Der Mördervater
 
Monika Hertwig trägt ein schweres Los: Sie ist die Tochter des ehemaligen KZ-Kommandanten Amon Göth, eine Tatsache, die ihr lange nicht bekannt war. Der Film „Schindlers Liste“ war für sie der Anlass, sich ihrer Familiengeschichte zu stellen.  Monika Hertwig hat ein schweres Erbe zu tragen. Ihr Vater, den sie nie kennengelernt hatte, war Amon Göth, ein hoher SS-Offizier und Kommandant des südöstlich von Krakau gelegenen Konzentrationslagers Plaszów. Der als besonders sadistisch beschriebene Göth war für die Ermordung tausender Juden und anderer Häftlinge verantwortlich. 1946 wurde er in Krakau zum Tod verurteilt und hingerichtet. Damals war Monika noch kein Jahr alt. Bis in ihre frühe Jugend hinein wusste sie nicht, dass dieser Mann ihr Vater war, und bis heute hat sie sich mit dieser Tatsache nicht abgefunden. Als sie 1993 Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ sah, in dem der Schauspieler Ralph Fiennes ein bedrückendes Porträt ihres Vaters zeichnet, war sie derart geschockt, dass sie den Kinosaal mehrmals verlassen musste. Aus dem Wunsch heraus, sich ihrer belastenden Familiengeschichte zu stellen, nahm Monika Hertwig Kontakt mit der Holocaust-Überlebenden Helen Jonas-Rosenzweig auf, die fast zwei Jahre lang als Dienstmädchen Amon Göths im KZ Plaszów bei Krakau gelebt hatte. Sie gehört zu den Juden, die dem deutschen Unternehmer Oskar Schindler ihr Leben verdanken. 60 Jahre nach Göths Verhaftung und der Befreiung des Konzentrationslagers Plaszów treffen sich die beiden Frauen erstmals auf dem früheren KZ-Gelände und fahren anschließend zu Göths ehemaliger Villa im Lager.

So, 23. Jan · 09:30-10:30 · PHOENIX
Überleben im Versteck – Jüdische Kinder und ihre Retter

Anne Frank war eines von 1,6 Millionen jüdischen Kindern, die im Dritten Reich ermordet wurden. Überlebt haben nur einige Zehntausend, traumatisiert und für ihr Leben gezeichnet. Anne Frank war eines von 1,6 Millionen jüdischen Kindern, die im Dritten Reich ermordet wurden. Überlebt haben nur einige Zehntausend, traumatisiert und für ihr Leben gezeichnet.

So, 23. Jan · 20:15-21:50 · 3sat
Das Tagebuch der Anne Frank
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrt Otto Frank, Überlebender eines Konzentrationslagers, zurück nach Amsterdam, in das Dachbodenversteck eines Hinterhauses, wo er sich mit seiner und einer anderen jüdischen Familie zwei Jahre lang vor den Nazis versteckt gehalten hatte. Dort findet er das Tagebuch seiner Tochter Anne, die im Lager ums Leben kam. Das Tagebuch über ihre Zeit im „geheimen Hinterhaus“ dokumentiert viele unterschiedliche Dinge: die Spannungen zwischen Menschen, die auf kleinstem Raum zusammenleben müssen; die Verzweiflung, die aufkommt, wenn der geringste Lärm, den man verursacht, das Leben aller vernichten kann. Annes Tagebuch erzählt aber auch von der ersten Liebe, von Selbstzweifeln, der Entwicklung eines verwöhnten, rechthaberischen Mädchens zu einer sensiblen und intelligenten jungen Frau und von der menschlichen Fähigkeit, auch unter den schlimmsten Lebensbedingungen die Hoffnung nicht aufzugeben. Otto Frank stimmte der Veröffentlichung des Tagesbuchs zu, und so wurde die Geschichte zu einem internationalen Erfolg. Die Erlebnisse eines einzelnen Mädchens halfen vielen Lesern, das persönliche menschliche Leiden im Holocaust zu begreifen. Anna Franks Tagebuch hat die Verfolgung der Juden zu einer persönlich nachvollziehbaren Erfahrung gemacht.

So, 23. Jan · 23:45-01:25 · BR
Monsieur Batignole – Held wider Willen

 
Paris unter dem Joch der Nazi-Besatzung. Der Metzger Edmond Batignole versucht mehr schlecht als recht, in diesen Zeiten zu überleben.  Das von den Nazis besetzte Paris im Sommer 1942: Der Metzgermeister Edmond Batignole, ein Mann mittleren Alters, der in seiner Ehe gelernt hat, sich unterzuordnen, lebt zusammen mit seiner herrischen Frau Marguerite, der Tochter Micheline und deren Bräutigam Pierre-Jean Lamour in einer „arisierten“ großen Wohnung. Der zukünftige Schwiegersohn, ein Nazifreund und notorischer Kollaborateur, der Hetzartikel in faschistischen Zeitungen veröffentlicht, hat nicht nur dafür gesorgt, dass Batignole zum Haupt-Fleischlieferanten für das deutsche Militär aufsteigt, er hat auch die luxuriöse Bleibe organisiert. Wie, das will Batignole so genau gar nicht wissen. Denn er hat nicht nur gelernt, sich zu ducken, er hat auch gelernt, sich durchzulavieren. Dass in seiner neuen Wohnung vormals die Familie von Doktor Bernstein gewohnt hat, die eines Tages spurlos verschwand, lässt sich ganz gut verdrängen. Doch eines Tages taucht Simon, der jüngste Sohn der Bernsteins in der Wohnung auf – ausgerechnet in dem Moment, als die Batignoles ein Fest für ihre deutschen Freunde geben. Nun gerät alles aus den Fugen. Der Junge hat bei dem Abtransport ins Ghetto fliehen können und sucht seine Eltern. Batignole weiß nur, Simon muss vor den Deutschen versteckt werden. Diese Tat verändert Batignoles ganzes Leben. Denn wenig später tauchen auch noch die beiden jüngeren Cousinen Sarah und Guila Cohen von Simon auf, die ebenfalls versteckt und verpflegt werden müssen. Und bald ist Batignole klar, die Kinder haben nur eine Überlebenschance, wenn er sie aus dem besetzten Frankreich herausbringt. Dieses Ziel setzt ungeahnte Kräfte in ihm frei.

So, 23. Jan · 23:45-01:15 · RBB
„Das Reichsorchester“ – Die Berliner Philharmoniker und der Nationalsozialismus

Die Berliner Philharmoniker sind eines der berühmtesten Orchester weltweit – mit großer Tradition. Eher unbekannt ist die Geschichte der Philharmoniker in den Jahren zwischen 1933 und 1945. Welche Rolle spielte das Orchester in der Zeit des Nationalsozialismus? Wie war es, Mitglied der Berliner Philharmoniker zu sein, als das Orchester umworben war und eingespannt wurde für einen Kulturkampf, der in seinem aggressiven Antisemitismus gegenüber den Musikern und deren Familien nicht Halt machte? Blieb die damalige Philharmonie am Anhalter Bahnhof eine Bastion künstlerischer Selbstbestimmung oder geriet das Orchester unweigerlich in den Griff nationalsozialistischer Propaganda? Schon kurz nach der Machtergreifung sichert sich Joseph Goebbels den vollen Einfluss auf die Berliner Philharmoniker und unterstellt sie seinem Ministerium. Eine wirtschaftliche Schieflage des bis dahin unabhängigen Orchesters hatte diesen schnellen Zugriff ermöglicht. Von nun an gab es kein Entrinnen mehr: Die Berliner Philharmoniker bildeten den musikalischen Rahmen der Reichsparteitage in Nürnberg und der Olympischen Spiele 1936; Hitler und Goebbels hielten viele ihrer Reden direkt vom Orchesterpodium aus; regelmäßig gab es Konzerte für das Winterhilfswerk und die KDF-Bewegung. Zahlreiche Auslandsreisen sollten die Verbindung von deutscher Erneuerung und Hochkultur eindrucksvoll unter Beweis stellen. Wie das Orchester, so stand auch sein Dirigent Wilhelm Furtwängler in einem ambivalenten Verhältnis zu den Nationalsozialisten. Der vor 125 Jahren, am 25. Januar 1886, in Berlin geborene Künstler, ließ sich von den Nazis hofieren und als kulturelles Aushängeschild benutzen. Gleichzeitig betrachtete er sich aber selbst als unpolitischen Künstler und setzte sich wiederholt für jüdische Orchestermitglieder ein.. Der Filmregisseur Enrique Sánchez Lansch („Rhythm is it!“) stützt sich in seinem Dokumentarfilm ausschließlich auf persönliche Erinnerungen ehemaliger Orchestermitglieder und ihrer Angehörigen.

Mo, 24. Jan · 00:40-02:20 · arte
Willkommen in Israel

 
Der Film erzählt die Geschichte einer Ukrainerin, eines Philippiners und eines Thailänders, die trotz der sozialen Missachtung ihre Würde behalten. Dadurch schaffen sie es, auch die Einstellung ihrer israelischen Arbeitgeber zu verändern.  Sie träumen von einem guten Leben. Sie träumen davon, Geld zu verdienen, um ihre Familien zu Hause zu unterstützen. Und sie glauben den Schleppern, dass sie als Zimmermädchen oder Kellnerin beschäftigt werden. Bei Nacht und Nebel kommt die Ukrainerin Jana gemeinsam mit anderen eingeschleusten jungen Frauen in Israel an, um den neuen Job anzutreten. Die Gruppe wird von Franco, einem Ex-Polizisten in Empfang genommen und weitergeschleust an den „Boss“. Sofort wird den Frauen unmissverständlich klargemacht, dass sie ihr Geld mit Prostitution verdienen müssen. Nur Jana bleibt wegen eines Muttermals im Gesicht von der Prostitution verschont. Aber von dem Geld, das sie fürs Putzen bekommt, kann sie ihre Familie daheim nicht ausreichend unterstützen. So versucht sie doch, ihren Körper zu verkaufen und wird nur dank der Hilfe von Franco aus dem Teufelskreis von Gewalt und Geld herausgeholt. Zwischen ihr und Franco entwickelt sich eine Freundschaft, die Francos innere Zerrissenheit noch weiter verstärkt: Seit ihn seine Spielsucht gezwungen hat, aus dem Polizeidienst auszuscheiden, versucht er gleichzeitig seiner bürgerlichen Rolle als Familienvater gerecht zu werden und den Spielregeln im Rotlichtmilieu zu folgen. Vissit arbeitet mit vielen anderen seiner Landsleute aus Thailand auf der Farm des Israelis Zeltzer in der Arava-Wüste. Er erhofft sich sehnsüchtig einen Besuch aus der thailändischen Königsfamilie anlässlich eines bevorstehenden hohen Feiertages. Er ist ein guter Arbeiter, aber er wildert auch gern, um das karge Abendbrot zu verbessern. Eines Tages wird er von Aloni, dem Aufseher eines angrenzenden Naturschutzgebietes, festgenommen. Aber Zeltzer braucht ihn und holt ihn aus dem Gefängnis. Aus Dankbarkeit erzählt ihm Vissit von der Affäre zwischen dem Wildhüter Aloni und Zeltzers Frau. Eddie ist Pfleger. Er kommt von den Philippinen und betreut den gebrechlichen Vater von Aloni. Er und seine Frau Nenny, die ebenfalls in Israel arbeitet, wünschen sich sehnlichst ein Kind. Dazu bedarf es aber einer teuren medizinischen Behandlung. Und so beginnt Eddie wieder zu spielen, obwohl er seine Spielsucht erfolgreich bekämpft hatte. Das nötige Geld versucht er im illegalen Spielsalon, der auch zum Revier vom „Boss“ gehört, zu gewinnen. Doch die Würfel sind manipuliert. Mit Gewalt wird Eddie aus dem Etablissement geworfen. Dies rächt sich jedoch. Als sich die Wege von Eddie und „Boss“ zufällig kreuzen, kommt Eddie unvermutet der kranke Vater von Aloni zu Hilfe … In kaum einem anderen Land der Welt gibt es auf engstem Raum so viele Arbeitsmigranten wie in Israel. Sie werden von weither geholt und je nach Nationalität in ganz bestimmten Sparten eingesetzt. Der Nachwuchsregisseur Eyal Halfon hat dieses Phänomen, das sich nach dem weitgehenden Arbeitsverbot für Palästinenser noch verstärkt hat, zum Ausgangspunkt für seinen Spielfilm genommen. Mit großer erzählerischer Leichtigkeit verschränkt Halfon die Schicksale dreier „Gastarbeiter“ in Israel mit denen ihrer Arbeitgeber und entwirft so ein komplexes Bild der gegenwärtigen israelischen Gesellschaft. Handlungsorte sind ein multiethnischer Randbezirk von Tel Aviv und die ländliche Gegend der Arava-Wüste.

Mo, 24. Jan · 03:15-04:15 · arte
Joseph Epstein, Held der Résistance

Der Dokumentarfilm erläutert Epsteins Lebensweg, seine Sicht der Dinge, sein Handeln, die Bezugspunkte seiner Welt – Kommunistische Internationale, Volksfront, Spanischer Bürgerkrieg, Résistance – und stellt Verbindungen zu Zeitgenossen her. Er sei der mit Abstand kompetenteste und mutigste Offizier gewesen, den Frankreich je gehabt habe. Ihm verdanke die Résistance ihre Besonderheit im Vergleich zu den Widerstandsbewegungen anderer europäischer Länder, so beschrieb Albert Ouzoulias, Militärkommissar der französischen Widerstandsbewegung, Joseph Epstein. Joseph Epstein, besser bekannt unter „Colonel Gilles“, war eine Legende der französischen Widerstandsbewegung, geriet jedoch nach der Befreiung Frankreichs durch die Alliierten rasch in Vergessenheit. Dabei hatte er sich jedem Kampf gestellt: 1936 stand er auf der Seite der spanischen Republikaner, 1939 trat er freiwillig der Fremdenlegion der französischen Armee bei, später wurde er zu einem der führenden Köpfe der Widerstandsbewegung in Frankreich. Am 11. April 1944 wurde er unter einem falschem Namen hingerichtet. Allerdings passte der in Polen geborene Sohn einer jüdischen Familie, der erst in den 30er Jahren nach Frankreich kam, als „ausländischer jüdischer Kommunist“ nicht zu den Vorstellungen der Résistance, die französische Nationalhelden wollte. Deshalb ging sein Name in der Geschichte nur allzu leicht unter.

Mo, 24. Jan · 13:45-14:15 · BR-alpha
„Ich sag Euch, es ist Mord“

Die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten hat Spuren hinterlassen. Auch nach über 60 Jahren sind sie lesbar – diese Spuren der NS-Zeit sollen auch in Zukunft durch die individuellen Erlebnisse der Zeitzeugen lebendig bleiben.

Mo, 24. Jan · 22:55-00:45 · MDR
Das Kaninchen bin ich

Die elternlose Maria Morzeck (Angelika Waller) lebt bei ihrer Tante Hete (Ilse Voigt) und arbeitet als Kellnerin im „Bayrisch-Zell“. Eigentlich wollte sie Slawistik studieren und Dolmetscherin werden. Doch weil ihr Bruder Dieter (Wolfgang Winkler) wegen „staatsgefährdender Hetze“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, ließ man sie nicht zum Studium zu. Durch puren Zufall lernt Maria Paul Deister (Alfred Müller) kennen, ihre erste große Liebe. Als sich herausstellt, dass er der Richter ihres Bruders ist, versucht sie, diese Liebe nicht mit Dieters Fall zu belasten. Doch je näher sie Paul kennen lernt, desto mehr Fragen drängen sich ihr auf. Sie merkt, dass er Menschen ebenso wie Gesetze nur für seine Karriere benutzt. Sie schreit ihm ihre Verachtung ins Gesicht und verlässt ihn enttäuscht. Als der vorzeitig entlassene Bruder von dem Verhältnis erfährt, schlägt er seine Schwester zusammen. Maria zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus und ist entschlossen, um ihren Studienplatz zu kämpfen.

Mo, 24. Jan · 23:15-00:45 · WDR
Menschliches Versagen

Das Ende des Holocaust, die brutale Auslöschung von Millionen von Menschenleben, ist – zumindest in seinen wichtigsten Fakten – bekannt. Viel weniger dokumentiert und bis heute viel weniger vorstellbar sind die Anfänge des Verbrechens mitten in einer „normalen“ Gesellschaft. In seinem Film „Menschliches Versagen“ geht der renommierte, vielfach preisgekrönte Autor und Regisseur Michael Verhoeven daran, anhand der konkreten Geschichten von Betroffenen den Vorgang der Ausgrenzung, Entrechtung, Enteignung und schließlich Deportation der jüdischen Mitbürger aufzuzeigen. Wie kann es sein, dass ein so eklatantes Unrecht durch immer neue Gesetze rechtsförmig gemacht wurde? Warum haben sich die damit befassten Behörden so intensiv, oft übereifrig am Holocaust beteiligt? Warum haben die meisten nicht-jüdischen Deutschen so wenig dagegen unternommen? Wie war es möglich, sie alle zu Komplizen zu machen? Warum hat es quer durch ein riesiges Reichsgebiet so wenig Mut zum Aufbegehren und so wenig Kraft zum Widerstand gegeben? Der zentrale Themenbereich des Filmes ist die sogenannte „Arisierung“ von jüdischem Eigentum und Vermögen, die vollständige Ausraubung der jüdischen Bevölkerung – die nach dem Krieg durch Rückerstattung oder Schadensersatz nur zu einem geringen Prozentsatz wieder „gut“ gemacht worden ist. Michael Verhoevens Film wirft die beunruhigende und bis heute beschämende Frage auf, in welchem Ausmaß die zivile Bevölkerung in Nazi-Deutschland zum Profiteur der systematischen Beraubung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland und in den besetzten Ländern geworden ist. Schwerpunkte dieser Spurensuche sind Köln und München. Der WDR sendet diese eindrucksvolle filmische Dokumentation im Kontext des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht.

Mo, 24. Jan · 23:30-00:15 · BR-alpha
Der Zoologische Garten Berlin – Geschichte einer Großstadtoase

Die Geschichte des Berliner Zoos ist fast unbekannt. Er ist der älteste Zoo Deutschlands, 1844 gegründet, und sein Schicksal war immer eng verknüpft mit der dramatischen Geschichte Berlins. Der Film erzählt die Historie des Zoos als ein spannendes Stück Zeitgeschichte. Die Idee für den Zoologischen Garten entstand im Umfeld Alexander von Humboldts. Hier traf sich der deutsche Kaiser mit dem Zar von Russland. In den Zoosälen feierte man die wichtigsten Feste der Stadt, darunter den Kaiser- und Bühnenball, später auch den Filmball. Im 19. Jahrhundert waren die Berliner Zoodirektoren eng befreundet mit den Gouverneuren deutscher Kolonien. Nicht nur Tiere, auch Menschen wurden damals im Zoo ausgestellt. Ein halbes Jahrhundert fanden diese Völkerschauen statt, beliebte Spektakel mit fragwürdigem Hintergrund. 1932 übernahm Luth Heck die Leitung des Zoos, ein überzeugter Nationalsozialist und Freund Hermann Görings. Er richtete einen „Deutschen Zoo“ mit Bären und Wölfen ein. Jüdische Mitglieder wurden aus dem Aufsichtsrat gedrängt, jüdische Zooaktionäre mussten ihre Aktien verkaufen. Der Zweite Weltkrieg bedeutete fast das Ende des Zoos. Ein Großteil der Tiere wurde ausgelagert, von den übrigen kamen die meisten bei Bombenangriffen um. Kurz vor Kriegsende wurde der Zoo Kampfgebiet. In der geteilten Stadt war der Zoo ein Prestige-Objekt des Westens. Hinter den Kulissen sorgten die Pandabären für diplomatische Verwicklungen zwischen Ost und West.

Di, 25. Jan · 07:20-07:50 · WDR
Villa Emma

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg suchen jüdische Kinder Zuflucht vor der Deportation. Jahre lang irren sie in Europa umher, dann finden sie ausgerechnet im faschistischen Italien in der „Villa Emma“ einen sicheren Platz. Dank der Solidarität und des Mutes der Bevölkerung überleben die Kinder, auch als Norditalien durch Wehrmacht und SS besetzt wird. Schließlich gelingt ihnen die Flucht in die Schweiz. Und endlich, noch einmal drei Jahre später, können sie zu ihrem eigentlichen Ziel aufbrechen: Richtung Palästina.

Di, 25. Jan · 07:50-08:20 · WDR
Menschliches Versagen

Die Filme zeigen die sogenannte „Arisierung“ von jüdischem Eigentum und Vermögen, die Ausgrenzung, Entrechtung, und schließlich Deportation der jüdischen Bürger in Köln und München. Konkrete Geschichten von Betroffenen dokumentieren, in welchem Ausmaß die zivile Bevölkerung in Nazi-Deutschland zum Profiteur der systematischen Beraubung der Juden geworden ist. Teil 1: Schätzungsweise 20.000 Akten stehen auf dem Dachboden der Oberfinanzdirektion Köln. Die Formulare darin stammen aus der NS-Zeit. Was ist passiert mit dem Hab und Gut von Millionen von ermordeten Juden? Der Historiker Wolfgang Dreßen entstaubt die Dokumente und erfährt, wohin Geld und Haushaltsgegenstände damals gegangen sind. Dreßen rekonstruiert so einzelne Schicksale – zum Beispiel das von Salli Levi. Aus einem Zeitungsartikel von Dreßen erfahren Levis Nachkommen, was mit ihm passiert ist. Vor der Deportation musste jeder Jude schriftlich sein Vermögen freigeben. Denn wer als Jude aus Deutschland – zwangsweise oder freiwillig – auswanderte, musste seinen Besitz dem Staat überlassen. Auf dem Formular auch vermerkt: Salli Levi, Ehefrau Frieda und Tochter Alma wurden nach Lodz deportiert.

Di, 25. Jan · 22:30-00:05 · SWR
Nicht alle waren Mörder

März 1943. Als ihre Nachbarn von der SS zur Deportation abgeholt werden, entschließt sich die Jüdin Anna Degen, mit ihrem elfjährigen Sohn Michael in Berlin unterzutauchen. Berlin Frühjahr 1943. Die nationalsozialistische Führung erlässt den Befehl, alle noch in Deutschland lebenden Juden zu verhaften und zu deportieren. Als die SS eines Morgens die jüdischen Bürger ihres Hauses abholt, entfernen die Jüdin Anna Degen und ihr Sohn Michael die Sterne von ihren Kleidern und verlassen im letzten Moment die Wohnung. Es beginnt ein Leben in ständiger Angst vor Entdeckung und Verrat. Lona Furkert, eine Freundin der Familie, bringt die beiden zu Ludmilla Dimitrieff, einer wohlhabenden russischen Emigrantin mit guten Beziehungen zu Nazigrößen. Bedingung neben der Bezahlung für das Versteck: Wenn Ludmilla ihre Hauskonzerte gibt, dürfen Mutter und Sohn nicht gesehen werden. So erleben die beiden während eines Konzerts unter Todesangst einen Luftangriff, bei dem Ludmillas Wohnung in Brand gerät. Sie müssen fliehen. Lonas Bekannter Karl Hotze, als Kommunist ein entscheidender Gegner der Nazis, verschafft ihnen Unterschlupf bei den Teubers. Deren unbestrittenes Oberhaupt ist Oma Teuber, die für ihre drei Töchter eine Art Privatpuff organisiert und geschäftstüchtig ihre Sofas an Anna und Michael vermietet. Doch als Anna eines Tages auf der Straße von Gestapoleuten angehalten wird und sich rausreden kann, sind sie wieder gezwungen, das Quartier zu wechseln. Karl Hotze nimmt die beiden bei sich im Vorort Kaulsdorf auf, wo er mit seiner Frau Käthe und der Schwägerin Martchen lebt. Beim Spielen im Wald lernt Michael Rolf Redlich kennen, der mit seinem Vater in der Nähe wohnt. Rolf und Michael werden enge Freunde. Eines Nachts steht plötzlich die Gestapo im Haus und verhaftet Karl und Käthe Hotze. Anna und Michael retten sich mit einem verzweifelten Sprung aus dem Fenster. Nun sind sie ganz ohne Bleibe. In dieser verzweifelten Situation kommen sie bei Michaels Freund Rolf und seinem Vater unter. Der mürrische und verschlossene Vater scheint sich sogar zu freuen, endlich wieder eine Frau im Haus zu haben. Doch dann tritt Rolf im Wald auf eine Granate und verblutet, während Michael den schwer verletzten Freund nach Hause bringt. Mutter und Sohn kommen wieder bei Martchen unter, bis 1945 die Russen einmarschieren.

Mi, 26. Jan · 13:30-15:00 · BR
Menschliches Versagen

Was man beschönigend „Arisierung“ nennt, war in Wahrheit einer der größten Raubzüge des 20. Jahrhunderts. Großes Vermögen ging an die Finanzbehörden, kleines Hab und Gut über „Juden-Versteigerungen“ an die lieben Nachbarn. Das Ende des Holocaust, die brutale Auslöschung von Millionen von Menschenleben, ist – zumindest in seinen wichtigsten Fakten – bekannt. Viel weniger dokumentiert und bis heute viel weniger vorstellbar sind die Anfänge des Verbrechens mitten in einer „normalen“ Gesellschaft. In seinem Film „Menschliches Versagen“ geht der renommierte, vielfach preisgekrönte Autor und Regisseur Michael Verhoeven daran, anhand der konkreten Geschichten von Betroffenen den Vorgang der Ausgrenzung, Entrechtung, Enteignung und schließlich Deportation der jüdischen Mitbürger aufzuzeigen. Wie kann es sein, dass ein so eklatantes Unrecht durch immer neue Gesetze rechtsförmig gemacht wurde? Warum haben sich die damit befassten Behörden so intensiv, oft übereifrig am Holocaust beteiligt? Warum haben die meisten nicht-jüdischen Deutschen so wenig dagegen unternommen? Wie war es möglich, sie alle zu Komplizen zu machen? Warum hat es quer durch ein riesiges Reichsgebiet so wenig Mut zum Aufbegehren und so wenig Kraft zum Widerstand gegeben? Der zentrale Themenbereich des Filmes ist die sogenannte „Arisierung“ von jüdischem Eigentum und Vermögen, die vollständige Ausraubung der jüdischen Bevölkerung – die nach dem Krieg durch Rückerstattung oder Schadensersatz nur zu einem geringen Prozentsatz „wieder gut“ gemacht worden ist.

Mi, 26. Jan · 19:00-19:45 · BR
In Erwartung des Messias – Israel und seine Siedler

Sie sind überzeugt von ihrem Auftrag: Das Land, das Gott den Juden verheißen hat, zu besiedeln und zu bebauen, um es auf die Ankunft des Messias vorzubereiten. Die Siedler im Westjordanland erscheinen regelmäßig in den Nachrichten und Kommentaren als eines der Haupthindernisse für den Frieden im Heiligen Land. Entstanden ist der harte Kern der Siedler aus der „Gush Emunim“-Bewegung der 60er- und 70er-Jahre (Gush Emunim – Der Block der Getreuen). In ihrer religiösen Überzeugung sind diese Gruppen immer radikaler, um nicht zu sagen extremistischer geworden. Die Jüngeren sehen sich häufig nicht mehr als Staatsbürger Israels. In ihren Augen ist Israel kein jüdischer Staat mehr, sondern ein Staat von „Israelis“, der nur noch den Interessen der Araber diene. Nur sich selbst sehen sie als echte Juden an, als die wahren Besitzer des Landes. Nicht einmal vom israelischen Obersten Gericht lassen sie sich dieses Recht nehmen.

Mi, 26. Jan · 23:30-01:10 · RBB
Ein Leben für ein Leben – Adam Hundesohn

 
Adam Stein, vor dem Krieg ein begnadeter Berliner Clown und Varieteekünstler, wird ins Konzentrationslager deportiert. Hier trifft er auf den zynischen Lagerkommandanten Klein, einen „Bewunderer“ seiner Kunst.  Zu Kleins Zerstreuung muss Adam dessen Schäferhund mimen und im Zwinger leben. Er erträgt jede Demütigung, in der Hoffnung, seine Familie vor der Gaskammer zu retten. Aber Klein kennt keine Gnade. Adam überlebt, wird von Schuldgefühlen gepeinigt und hat selbst Jahrzehnte später sein Trauma nicht überwunden. Als seine Pensionswirtin wegen Adams‘ gewalttätigen Verhaltens wieder einmal die Polizei rufen muss, wird Adam in eine abgeschiedene Nervenklinik eingeliefert. Das Shoa-Sanatorium ist ein Museum der Qualen, in dem psychisch zerrüttete Holocaust-Überlebende die unvorstellbare Pein der Nazi-Herrschaft in einer Endlos-Zeitschleife wieder und wieder durchleben. Adam ist hier der einzige Lichtblick. Mit seinen furiosen Kaspereien rüttelt er Patienten und Personal gleichermaßen auf. Dank seines Einfühlungsvermögens als Komiker entwickelt er eine Methode, um die Insassen von ihrer „Überlebensschuld“ zu befreien. Sich selbst kann er jedoch nicht helfen. Nachdem eines Tages ein winselndes Kind eingeliefert wird, das sich unter dem Bett versteckt, „erschnüffelt“ Adam einen Seelenverwandten: Es ist ein Junge, der sich für einen Hund hält. Bellend und auf allen Vieren nähert Adam sich dem Kind, macht sich zu dessen „Alphatier“. Dank dieser Konfrontation findet der Junge ins menschliche Leben zurück. Auch Adam kann sich endlich den Dämonen seiner Vergangenheit stellen.

Mi, 26. Jan · 23:35-01:10 · MDR
Jakob der Lügner

Jakob Heym lebt in einem jüdischen Ghetto. Wegen angeblicher Überschreitung der Ausgangssperre wird er eines Tages zum Gestapo-Revier geschickt, kommt jedoch wider Erwarten mit dem Leben davon. Der Zufall will es, dass Jakob aus dem Radio bei der Gestapo eine Nachricht über den Anmarsch der Russen aufschnappt. Diese Meldung wirkt für Jakob wie ein Lebenselexier und sie soll auch seinen Freunden neuen Lebensmut geben. Damit diese ihm die Nachricht glauben und er durch deren Quellen nicht als Gestapo-Spitzel verdächtigt wird, muss Jakob lügen. Er gibt vor, ein Radio zu besitzen. Doch damit beginnt Jakobs tragikomischer Leidensweg. Tagtäglich wollen alle Neues von ihm wissen: über den Frontverlauf, die Weltpolitik und vieles mehr. Selbst die kleine Lina, die er versteckt hält, ist neugierig. Hoffnung breitet sich im Ghetto aus, die Selbstmorde hören auf, Zukunftspläne über ein Leben ohne den gelben Stern werden geschmiedet. Und Jakob lügt weiter, ist doch die Hoffnung in ihrer Situation wichtiger als das Stück Brot. Doch allmählich wird die Illusion zum Selbstbetrug. Jakob erträgt die sich selbst aufgebürdete Last nicht mehr und vertraut sich seinem Freund Kowalski an. Der Hoffnung beraubt, nimmt sich dieser das Leben. Als für alle der Deportationsbefehl kommt, entdeckt auch Lina die Wahrheit. Dennoch war für sie für eine kurze Weile die graue Ghetto-Wirklichkeit bunt geworden …

Mi, 26. Jan · 23:40-01:05 · BR
Alles was ich an euch liebe

Leni Dalinsky freut sich, ihren Verlobten Rafi endlich ihrer jüdischen Familie vorzustellen. Alles läuft wunderbar, bis ihnen eröffnet wird, dass Rafi Palästinenser ist. Der Familienbesuch wächst sich zu einem Alptraum aus. Leni Dalinsky und ihr Verlobter Rafi sehen aufgeregt dem ersten Zusammentreffen Rafis mit Lenis Familie entgegen. Ein an sich harmloses Unterfangen, wäre da nicht der erwähnenswerte Umstand, dass Leni Jüdin und Rafi Palästinenser ist. Es nützt alles nichts, die Wahrheit muss auf den Tisch und das geplante harmonische Essen im Familienkreis nimmt schnell alptraumhafte Züge an. Nicht zuletzt, weil sich die Dalinskys als Individuen mit ausgeprägtem Hang zur Exzentrik entpuppen. Bruder David durchläuft gerade eine intensive Phase der Bekehrung zum orthodoxen Judentum, wie er wohnt auch die nymphomanisch veranlagte Schwester Tania mit Tochter Paula noch im Haus der Eltern. Mutter Gloria hingegen, die neurotische Beschützerin der Familie, pflegt ihr Selbstbild als Märtyrerin. Vollends außer Kontrolle gerät das Familienfest jedoch, als Rafi einen Block mit tiefgefrorener Suppe aus dem Fenster des Hochhauses fallen lässt – und mit Wucht einen Passanten trifft. Erst spät entpuppt sich das Suppenopfer als das bislang noch fehlende Familienoberhaupt Ernesto, und der Versuch von Leni und Rafi, den Vorfall zu vertuschen, ist der Beginn einer langen Kette höchst amüsanter Verstrickungen.

Do, 27. Jan · 00:15-01:05 · 3sat
Chronik eines verordneten Todes
 
Eine alte Dame begibt sich auf eine Zeitreise. Zum ersten Mal nach dem Krieg kehrt sie nach Berlin, in die Stadt ihrer Jugend zurück und redet über eine einzigartige Familie, der auch sie einst als Schwiegertochter angehörte. Heute ist sie die einzige Überlebende und spricht über die schmerzhaften Erinnerungen nur, „weil einer ja die Geschichte erzählen muss“ – die Geschichte der deutsch-jüdischen Familie Chotzen. Den vier Söhnen dieser Familie aus Berlin-Wilmersdorf schien es als „Halbjuden“ möglich, in Nazi-Deutschland zu überleben. Doch dann holte sie die „Endlösung“ ein, wie einer der Brüder in einem Brief lapidar vermerkt. Die Heirat mit ihren jüdischen Freundinnen, die sie mit der nicht-jüdischen Linie mütterlicherseits zu schützen wähnten, wurde ihnen zum Verhängnis. Drei der Brüder kamen mit ihren Frauen im KZ um. Vorausgegangen waren unzählige und zeitweise erfolgreiche Befreiungsversuche der Mutter, die auch an der legendären Rosenstraßen-Demonstration teilnahm. Ungewöhnlich an der Auslöschung dieser Familie ist der minutiös dokumentierte Verlauf. Das Deutsche Historische Museum, das den Fall für die große Holocaust-Ausstellung 2003 aufarbeitete, besitzt Briefe, Fotos, Postkarten sowie das Haushaltsbuch der Mutter. Darin notierte Else Chotzen akribisch die Ausgaben für Brot, Grabschmuck und das Porto nach Theresienstadt. Der Autor und Historiker Gorch Pieken zeichnet den Weg dieser ganz normalen Familie nach, die den Zeiten des nationalen Wahnsinns zum Opfer fiel.

Do, 27. Jan · 02:25-03:10 · 3sat
Aufschub
 
Westerbork war zunächst ein Flüchtlingslager, das 1939 von der niederländischen Regierung für die aus Deutschland vertriebenen oder geflüchteten Juden eingerichtet worden war. 1940 überfielen die Deutschen die Niederlande, unterstellten das Lager dem Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdiensts und benannten es in „Polizeiliches Judendurchgangslager Westerbork“ um. Die SS blieb in Westerbork weitgehend im Hintergrund. Es waren jüdische Insassen, die die neu Eingelieferten registrierten, auf die Baracken verteilten und die Zwangsarbeit beaufsichtigten. Sie bildeten die Lagerpolizei und stellten die Deportationslisten zusammen. In Westerbork wurde nicht geschlagen und gemordet, niemand verhungerte. Die Insassen wurden nicht geschoren und durften Zivilkleidung tragen, es gab Zeitungen, eine Schule, ein Krankenhaus, Sportveranstaltungen und einmal die Woche einen Kulturabend. Jeden Dienstag fuhr von Westerbork ein Zug nach Bergen-Belsen, Theresienstadt, Auschwitz und Sobibor. Rund 100 Züge brachten etwa 100.000 Menschen in den Tod. Der Lagerleiter, SS-Mann Gemmeker, wollte über das Lager einen Film drehen lassen. Der Fotograf Rudolf Breslauer hat einige Monate lang mit einer 16-mm-Kamera Aufnahmen gemacht, den Film aber nie fertiggestellt. 90 Minuten stummer Szenen sind erhalten. Sie zeigen Menschen bei der Arbeit, der Entflechtung von Kabeln, Demontage von Flugapparaten, dem Zerkleinern von Batterien. Dreimal wird gezeigt, wie Menschen in dem Lagerbahnhof eingeliefert werden. Einmal besteigen sie den Zug nach Auschwitz. Das ist wohl die einzige Aufnahme, die es von einer Deportation nach Auschwitz gibt, eine Szene, die auch Alain Resnais in „Nacht und Nebel“ zitiert hat. Harun Farocki entdeckte die Aufnahmen aus dem Lager und ordnete sie auf seine Weise. Menschen in Wäschereien, tanzende Menschen, Menschen, die in Züge steigen und helfen, die Türen zu schließen. Dazwischen Schrifttafeln und der Schnitt als reflektierender Kontrapunkt.

Do, 27. Jan · 03:50-05:30 · 3sat
Mendel lebt
 
1971 drehte Hans-Dieter Grabe „Mendel Schainfelds zweite Reise nach Deutschland“, den ersten Film über den polnischen Juden Mendel Szajnfeld, der aufgrund gesundheitlicher Spätschäden als Folge der Haft in deutschen Lagern nicht mehr arbeitsfähig war. 27 Jahre später sahen sich beide wieder. Es entstand „Mendel lebt“, Grabes Wiederbegegnung mit einem veränderten Mendel Szajnfeld. Der Film zeigt Mendel Szajnfeld bei seinen alltäglichen Verrichtungen: beim Besuch seiner Frau im Krankenhaus, bei der Gartenarbeit und vor allem bei seiner Fahrt mit einer norwegischen Reisegruppe nach Auschwitz, wo er als Zeitzeuge Vorträge hält. Auf der Duisburger Filmwoche 1999 erhielt „Mendel lebt“ den ARTE-Dokumentarfilmpreis/Preis der Deutschen Filmkritik. Mendel Szajnfeld ist am 21. Mai 2000 gestorben. Im Anschluss, um 5.30 Uhr, zeigt 3sat mit „Aus der Hölle ins Leben“ einen weiteren Beitrag zum Holocaust Gedenktag.

Do, 27. Jan · 05:30-06:20 · 3sat
Aus der Hölle ins Leben – Die Kinder von Indersdorf 

 
Der 23. April ist für sie ihr zweiter Geburtstag: An diesem Tag im Jahr 1945 wird eine Gruppe jüdischer Kinder, Überlebende aus dem Konzentrationslager Flossenbürg, von den Amerikanern befreit. In einem kleinen Ort in der bayerischen Oberpfalz werden sie von Bewohnern aufgenommen und aufgepäppelt. Dann beginnt für die Kinder ein historisch einmaliges Experiment – sie kommen in das Kloster von Indersdorf im Landkreis Dachau. 1945 wurde dort unter US-Aufsicht eine Sammelstelle eingerichtet, die jüdischen Kindern aus Konzentrationslagern medizinische und psychologische Versorgung bieten sollte. Die Protokolle und Filmaufnahmen der jahrelangen Arbeit in Indersdorf zeigen, wie schwer der Weg aus der Hölle zurück ins Leben sein kann. 2009 trafen sich die Kinder von Indersdorf erstmals wieder – an dem Ort ihrer Befreiung, mit den Menschen, die ihnen damals geholfen haben. Der Film dokumentiert die persönlichen Schicksale der Überlebenden ebenso wie das System der Todesmärsche von KZ-Insassen am Ende des Zweiten Weltkrieges. Im Interview erläutert die damalige Indersdorf-Psychologin Greta Fischer, wie schwierig die Aufarbeitung historischer Extremsituationen für die Betroffenen ist.

Do, 27. Jan · 07:50-08:15 · WDR
Eine Herzenssache – Marga Spiegel und ihre Retter

Im Mittelpunkt des Films stehen die mittlerweile 98-jährige Marga Spiegel, ihre Hauptretterin Anni Aschoff und viele Angehörige der übrigen beteiligten Bauernfamilien. Sie erzählen von zwei Jahren höchster Gefahr. „Wir sind die einzige jüdische Kleinfamilie in Deutschland, die als ganze gerettet wurde“, erzählt Marga Spiegel. Sie, ihr Mann Sigmund und ihre Tochter Karin wurden durch fünf Münsterländer Bauernfamilien in den Jahren 1943 bis 1945 vor den Nazis versteckt. Damit gelang es den Bauern, die gesamte Familie vor der Deportation zu retten. Die Rahmenbedingungen waren nicht gut – die kleine Stadt Ahlen in Westfalen war damals stolz darauf, eine der ersten „judenreinen“ Städte zu sein. Die meisten Juden aus Ahlen haben die NS-Zeit nicht überlebt, auch 36 Mitglieder der Familie Spiegel sind in Konzentrationslagern umgekommen. Die erstaunliche Überlebensgeschichte von Marga Spiegel ist vor Kurzem als Spielfilm unter dem Titel „Unter Bauern“ verfilmt worden und in deutschen und internationalen Kinos zu sehen. Eine Geschichte von Verfolgung, Courage, Hoffnung und stillen Helden. Ihre eigene Rettung, vor allem aber die Weitergabe dieser Geschichte ist für Marga Spiegel „eine Herzenssache“.

Do, 27. Jan · 13:30-15:00 · BR
Deutschland gegen Deutsch

Der Jurist Dr. Hans Deutsch unterstützte im Nachkriegsdeutschland zahlreiche von den Nazis beraubte Kunstsammler dabei, Entschädigungen zu erwirken. 1964 wurde Deutsch plötzlich verhaftet. 4. November 1964: Die Einladung des deutschen Finanzministeriums – der damalige Leiter war FDP-Mann Rolf Dahlgrün, ehemals NSDAP-Mitglied und Jagdfreund Görings – war für den jüdischen Rechtsanwalt Dr. Hans Deutsch nicht aufregend. Als bedeutendster und mächtigster Anwalt für „Wiedergutmachung“, der vielen Opfern der „Arisierung“ zu ihrem Eigentum oder wenigstens zu einer Entschädigung verholfen hatte, war er in der Bonner Politszene quasi zu Hause. Doch diesmal war alles anders: Als Deutsch sich beim Pförtner meldete, trat ein Mann mit den Worten „Sie sind verhaftet“ an ihn heran und nahm ihn fest. Hans Deutsch, 1907 in Wien geboren, in letzter Minute den Nazis entkommen und nach Palästina geflohen, 1953 von dort nach Europa zurückgekehrt, musste in der Folge 18 Monate in Untersuchungshaft in einem deutschen Gefängnis verbringen. Auf ein Gerichtsurteil in seinem Fall wartete er zehn Jahre. Der Beklagte konnte damals kaum ahnen, dass er das Opfer eines Komplotts war, das offenbar von höchsten politischen Würdenträgern eingefädelt worden war, die seinem Kampf für die jüdischen Opfer des Hitlerregimes ein Ende setzen wollten. An ihrer Spitze: der damalige Finanzminister Rolf Dahlgrün, sein Ministerialdirigent Fritz Koppe und dessen Kollege Ernst Féaux de la Croix – ein Trio, das seine mühsam unter den Teppich gekehrte nationalsozialistische Vergangenheit eint. Ankläger des Opferanwalts war ausgerechnet der Bonner Staatsanwalt Dr. Kirschbaum, der später als Kriegsverbrecher entlarvt wurde. Hans Deutsch wurde schließlich zwar freigesprochen, seine finanzielle und gesellschaftliche Existenz jedoch war zerstört. Nach seinem Tod im Jahr 2002 konnte sein Sohn Joram Deutsch neue Beweise für die Unschuld seines Vaters finden. Michael Juncker folgt ihm und dem US-amerikanischen Staranwalt Ed Fagan in seinem spannenden Dokumentarfilm durch Europa und begibt sich auf die Spur eines unfassbaren Politkrimis.

Do, 27. Jan · 13:45-14:15 · BR-alpha
Die Juden – Geschichte eines Volkes, 6/6, Überleben

Die Sendungen behandeln die Geschichte des Judentums chronologisch von den Anfängen bis zur heutigen Zeit – mithilfe von historischen Aufnahmen, Originaltönen, Spielszenen und Computeranimationen. Die letzte Folge erzählt von den Pogromen in Russland, die zur Massenauswanderung in die USA führen, und von der Geburt des Zionismus. Zunächst glauben viele Juden in Mitteleuropa noch, dass Assimilation eine Lösung sei. Im Ersten Weltkrieg kämpfen sie Seite an Seite mit ihren christlichen Kameraden. Doch die Hoffnung erweist sich als Trugschluss. Unter den Nationalsozialisten gibt es für die Juden keine Zukunft mehr. Sechs Millionen Menschen werden auf grausame Weise ermordet. Einigen gelingt die Flucht in Länder wie die USA oder nach Israel. Viele besinnen sich hier wieder auf ihre jüdischen Wurzeln.

Do, 27. Jan · 20:15-21:00 · 3sat
Nach Fahrplan in den Tod (1/2) – Europas Bahnen und der Holocaust 

 
Im Juni 2006 verurteilt das Verwaltungsgericht in Toulouse den französischen Staat und die staatliche Bahngesellschaft SNCF wegen der Deportation von Juden während des Zweiten Weltkriegs. Das Gericht sieht eine „Mitverantwortung“ der SNCF und der Republik für die Deportationen. Die Bahngesellschaft hätte niemals „gegen die Transporte protestiert“ und auch nicht versucht, diese zu sabotieren. Doch die SNCF will von einer Mitverantwortung an den Deportationen nichts wissen. Während der französische Staat das Urteil anerkannte, ging die SNCF gegen das Urteil von Toulouse in Revision. Mehr als 60 Jahre nach den Deportationen wird also noch immer um die Wahrheit gerungen, für die verbliebenen Überlebenden ein unerträglicher Zustand. Aber die SNCF war nicht die einzige Bahngesellschaft, die so handelte, auch andere europäische Bahnen, wie die Slowakische Staatsbahn „ZSR (Zeleznice Slovenskej republiky)“ und die „Nederlandsche Spoorwegen“ in Holland beteiligten sich aktiv an den Transporten. Wie die SNCF stellten auch sie für die Deutschen Waggons, Lokomotiven, Kohle und Personal bereit, arbeiteten Fahrpläne aus, fuhren ihre menschliche Fracht, oft in Viehwaggons zusammengepfercht, zunächst in die Sammellager, dann zur Staatsgrenze, wo dann die Deutsche Reichsbahn die Transporte in die Vernichtungslager übernahmen. Aus Frankreich wurden so etwa 76.000, aus Holland 107.000, aus der Slowakei 70.000 Juden deportiert. Nach dem Krieg will man von einer Beteiligung an den Deportationen nichts mehr wissen. Die zweiteilige Dokumentation zeigt anhand neuer, zum Teil von Holocaust-Überlebenden beschaffter Dokumente und anhand von Zeitzeugenberichten und Aussagen von Historikern, dass die Bahngesellschaft SNCF tatsächlich mit den Deutschen kollaborierte.

Do, 27. Jan · 22:25-00:10 · 3sat
Hasenjagd

 
500 sowjetische Offiziere, die unter unvorstellbaren Bedingungen im Todesblock 20 des KZ Mauthausen dem sicheren Tod entgegensehen, versuchen einen Ausbruch. Etwa 150 von ihnen gelingt tatsächlich die Flucht, auch Michail und Nikolai, zwei junge Offiziere entkommen. Noch in der Nacht fordert die SS die Bewohner der umliegenden Dörfer auf, die Flüchtenden zu jagen. Im Morgengrauen bricht eine barbarische Menschenhatz an, bei der ein Großteil der KZ-Häftlinge grausam zu Tode kommt. Michail und Nikolai können sich mit viel Glück zum Hof der Bauernfamilie Karner durchschlagen. Obwohl Frau Karner weiß, dass die SS jede Hilfeleistung für die Entflohenen mit dem Tode bestraft, überredet sie ihren Mann, die beiden Flüchtenden zu verstecken. Gleichzeitig erlebt der junge Fredl Karner bei seinen Einsätzen mit dem Volkssturm die ganze Brutalität der „Mühlviertler Hasenjagd“. Die Geschichte des Films basiert auf den authentischen Ereignissen der „Mühlviertler Hasenjagd“ im Februar 1945 rund um das KZ Mauthausen.

Do, 27. Jan · 22:45-23:30 · RBB
Der letzte Rabbiner – Die Geschichte des Leo Trepp

Leo Trepp, der letzte Rabbiner, der bereits in der NS-Zeit tätig war, starb im September 2010 in San Francisco. Der Film begleitet Leo Trepp auf seinem Deutschlandbesuch im Sommer 2009. Trepp ist 96 Jahre alt und sitzt im Rollstuhl, er pendelt zwischen den USA und Deutschland, er lehrt an der Universität, er ist mit einer 45 Jahre jüngeren Frau verheiratet: Leo Trepp, der letzte Rabbiner aus Deutschland vor dem Holocaust. Vor fast 75 Jahren, 1936, nach dem Besuch des Rabbinerseminars in Berlin wurde Leo Trepp zum Rabbiner geweiht. Dann war er Landesrabbiner von Oldenburg. Kurz nach dem Novemberpogrom 1938 wird er von den Nazis ins KZ Sachsenhausen verschleppt, kann aber nach einer Intervention des britischen Ober-Rabbiners das KZ und kurz danach auch Deutschland verlassen. Über England emigriert er schließlich in die USA, wo er jahrzehntelang als Rabbiner und Professor tätig ist. Deutschland aber lässt ihn nicht los. Man sagt über ihn: „Man konnte den Juden aus Deutschland vertreiben, aber nicht Deutschland aus dem Juden.“ Schon in den 50er Jahren reist er mit Studierenden zurück in das Land seiner Väter. In Oldenburg engagiert er sich für ein Mahnmal, den Bau einer neuen Synagoge und die Wiederbelebung der jüdischen Gemeinde. Später nimmt er Lehraufträge an und unterrichtet regelmäßig an der Universität. Vor allem jungen Leuten versucht er zu vermitteln, dass sie nicht Schuld tragen, sondern Verantwortung. Auch wenn er die USA dankbar als seine Heimat ansieht, so bleibt er doch der deutschen Sprache, Landschaft und Kultur verhaftet. Unverkennbar: Sein Mainzer Dialekt. Unverändert: Seine Liebe zum Rhein. Unauslöschlich: Seine Leidenschaft für Wagner-Opern.

Do, 27. Jan · 23:30-00:30 · RBB
Das Kinderheim in der Auguststraße

In der Auguststraße 14 – 16 in Berlin befand sich – hinter der großen Synagoge – das Jüdische Kinderheim, das „Beith Ahawah“ („Haus der Liebe“). Der Film erzählt seine Geschichte und die der Heimleiterin Beate Berger. Sie baute es auf und leitete es über ein Jahrzehnt. Beate Berger entschied sich bereits 1933, „ihre jüdischen Kinder“ aus Nazi-Deutschland nach Palästina zu evakuieren, sie sah in Deutschland keine Zukunft für ihre Schützlinge. Durch diese couragierte Entscheidung rettete sie bis 1939 über hundert Kinder vor Verfolgung und Ermordung. Doch der Weg nach Palästina war lang und kompliziert. Das Kinderheim Beith Ahawah wurde in Haifa wieder eröffnet – und existiert noch heute. Die Urgroßnichte von Beate Berger, die israelische Filmemacherin Ayelet Bargur, hat 70 Jahre später die noch lebenden Heimkinder aus der Berliner Auguststraße in Israel, Deutschland und Frankreich aufgesucht. Sie sind heute alle über achtzig Jahre alt. Sie erzählen von ihrer prägenden Kindheit im Beith Ahawah und von der Emigration, die sie rettete. Entstanden ist ein einfühlsamer Dokumentarfilm über Erinnerung, Hoffnung, eine einzigartige Rettungsaktion und über eine Frau, die früh verstand, wie gefährlich das nationalsozialistische Deutschland für jüdische Kinder werden kann. Der Film verwebt Gespräche mit Fotos, Dokumenten und szenischen Elementen.

Fr, 28. Jan · 00:45-01:10 · PHOENIX
Im Fadenkreuz der Attentäter – Yitzhak Rabin

 
Der israelische Jura-Student Jigal Amir beschließt, den Premierminister zu töten, als er im Fernsehen sieht, wie dieser dem PLO-Führer Jassir Arafat die Hand schüttelt.  Der israelische Jura-Student Jigal Amir beschließt, den Premierminister zu töten, als er im Fernsehen sieht, wie dieser dem PLO-Führer Jassir Arafat die Hand schüttelt.

Fr, 28. Jan · 13:30-14:50 · BR
Der weiße Rabe – Max Mannheimer

Max Mannheimer – Jahrgang 1920 – bezeichnet sich selbst als „weißen Raben“, denn heute gibt es kaum noch Überlebende des Holocaust – und noch viel weniger, die darüber reden können. Am 6. Februar 1920 wird Max Mannheimer im heutigen Tschechien als Sohn jüdischer Eltern geboren. Bis zur verharmlosend „Reichskristallnacht“ genannten Pogromnacht erlebt Max eine glückliche Kindheit. Doch dann muss die Familie fliehen. Auf der Flucht vor den Nazis zieht man an die ungarische Grenze. Max schlägt sich als Arbeiter durch, heiratet und gründet eine Familie. 1943 folgt die Deportation über Theresienstadt nach Auschwitz. Die Familie Mannheimer wird getrennt, Max sieht Vater, Mutter, Schwester und Frau nicht wieder. Nur er und sein Bruder Edgar überleben Auschwitz, Warschau, Dachau und Mühldorf. Nach der Befreiung durch die Amerikaner fühlt Max nur Euphorie, die Euphorie des Überlebenden. Er heiratet wieder, bekommt eine Tochter und zieht mit der neuen Familie nach München. Tagsüber arbeitet er beim „Zentralkomitee der befreiten Juden“, abends geht er ins Kino, sucht die Betäubung. Auch die Malerei hilft ihm, das Grauen wenn nicht zu verwinden, so zu verdrängen. Aber es meldet sich immer wieder zurück – in Alpträumen und Depressionen. Doch er spricht nicht, will niemanden belasten. Seine Frau stirbt an Krebs. Und wieder überlebt Max Mannheimer, heiratet ein drittes Mal, wird ein drittes Mal Vater. Doch die Zeit im Lager vergräbt er weiter in sich. 1986 bei einer Amerikareise zur Familie seiner Frau, beim Anblick eines Hakenkreuzes, bricht der Wall. Er erleidet einen Nervenzusammenbruch. Für Max Mannheimer wird dieser Zusammenbruch zur Katharsis. Er beginnt über die Vergangenheit zu sprechen, wird Zeitzeuge und Vortragsreisender in Sachen Erinnerung an den Holocaust, macht sich das Wachhalten und Erinnern zur Aufgabe. Sein drittes Leben beginnt. Max Mannheimer bezeichnet sich selbst als „weißen Raben“, als Seltenheit, denn heute gibt es kaum noch Überlebende der Shoah, noch viel weniger, die darüber reden können. Zur Zusammenarbeit mit der 1962 geborenen Regisseurin Otto kam es durch einen Zufall. Bei einem Besuch in Dachau verlor die junge Frau 1988 ihre Bankkarte auf dem Parkplatz. Mannheimer fand sie und gab sie ihr zurück. Als Carolin Otto die Karte abholte, brachte sie zum Dank eine Rose mit, und Mannheimer lud sie für den Abend zu einem Vortrag ein. Aus dieser Begegnung entstand die Freundschaft, die diesen Film erst möglich machte. Die Jury-Begründung für die Vergabe „Prädikat besonders wertvoll“: „Max Mannheimer, geboren 1920, ist einer der wenigen KZ-Überlebenden, die heute noch über das Unsagbare sprechen. Rastlos und scheinbar unermüdlich zieht er mit seinen Vortragsreihen von Schule zu Schule, zu Gedenkstätten und Preisverleihungen, um so lang und oft wie möglich mit viel Charisma und Eindringlichkeit von den Grausamkeiten des KZ-Lebens zu berichten. Regisseurin Carolin Otto begleitet diese außergewöhnliche Persönlichkeit bereits seit zwanzig Jahren und setzte aus der breiten Materialfülle ein facettenreiches Porträt zusammen, das den Protagonisten auf Reisen, vor Ort in verschiedenen Arbeitslagern und in der Begegnung mit Familie und Wegbegleitern zeigt. Ein intensiver Film über das schmerzvolle und doch so notwendige Erinnern.“

Sa, 29. Jan · 02:55-04:25 · Das Erste (ARD)
Die Rückkehr des Tanzlehrers, 2/2

Bei der Aufklärung des Mordes an seinem pensionierten Kollegen Herbert Molin stößt der an Krebs erkrankte Kommissar Stefan Lindman auf eine rechtsradikale Organisation, der sein früherer Partner angehörte. Molin, für Lindman ein Vaterersatz, barg noch weitere dunkle Geheimnisse: Als fanatischer SS-Mann hatte er in den 30er Jahren in Berlin einen jüdischen Tanzlehrer getötet. Dessen Sohn Fernando Hereira ist nach 60 Jahren aus Argentinien nach Schweden gekommen. Die spannende und atmosphärisch dichte Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Henning Mankell vereint Tobias Moretti, Maximilian Schell und Veronica Ferres zu einer hochkarätigen Besetzung. Bei einem Spaziergang in Buenos Aires mit seiner Frau hört der jüdische Emigrant Fernando Hereira (Maximilian Schell) durch das offene Fenster eines Konzertsaales eine alte, selten gespielte Tangomelodie. Sie versetzt ihn augenblicklich zurück in das Berlin der 30er Jahre. Damals musste er als Kind mitansehen, wie sein Vater (Roland Jaeger) von einem Tanzschüler, dem fanatischen jungen SS-Mann Molin (Ronald Hein), erdrosselt wurde. Über den in Buenos Aires gastierenden schwedischen Geiger Jonas Andersson (John Wood) findet Hereira die Spur zu dem Mörder seines Vaters, der in der nordschwedischen Kleinstadt Sveg lebt, und kann endlich Rache üben. Doch kurz darauf wird auch Jonas Andersson, der Molins Nachbar war, auf brutale Weise ermordet. Hereira fürchtet, für diesen Mord ebenfalls verantwortlich gemacht zu werden. Um einem solchen Verdacht von vornherein entgegenzuwirken, macht er sich auf die Suche nach den wahren Übeltätern, die er unter den Gesinnungsfreunden von Molin vermutet. Zunächst bringt er Molins Freundin Elsa Berggren (Bibi Andersson) in seine Gewalt und will sie zwingen, ihm den Namen von Anderssons Mörder zu nennen. Dabei wird er jedoch von Stefan Lindman (Tobias Moretti) gestört. Der an Zungenkrebs erkrankte Kommissar ist auf derselben Spur: Unter einer losen Diele in Molins Haus ist er auf Unterlagen gestoßen, die dessen Verbindungen zu Emil Wetterstedt (Michael Byrne) und dessen rechtsradikaler Organisation „Für Schwedens Wohl“ belegen, zu der einflussreiche Politiker und Juristen gehören. Lindman hat sich in Molins Tochter Veronica (Veronica Ferres) verliebt, als ihm der schreckliche Verdacht kommt, dass auch sie zu den Rechtsradikalen gehören könnte. Wetterstedt hat inzwischen den Killer Magnus (Peter Andersson) auf den lästigen Schnüffler angesetzt, den Lindman in einem Kampf auf Leben und Tod überwältigen kann. Dann aber steht er Hereira gegenüber, dem alten Argentinier, der von der Polizei als Doppelmörder gejagt wird. Ihre Unterredung wird jäh gestört von Veronica, die ihren Vater rächen will.

Sa, 29. Jan · 08:15-09:00 · PHOENIX
Bewährungsprobe für Obama

Seit Barack Obama Präsident der Vereinigten Staaten ist, scheint sich das Verhältnis zwischen den USA und Israel merklich abgekühlt zu haben. Seit Barack Obama Präsident der Vereinigten Staaten ist, scheint sich das Verhältnis zwischen den USA und Israel merklich abgekühlt zu haben. Obama hat Kritik an Israel geübt, hat Israel öffentlich abgekanzelt – und wurde dafür von einem großen Teil der amerikanischen Gesellschaft scharf kritisiert. Die „jüdische Lobby“ in den USA arbeitet gegen ihn, aber auch evangelikale Christen, die Israel bedingungslos unterstützen, und auch der amerikanische Kongress macht gegen Obamas Politik mobil.

Sa, 29. Jan · 14:00-15:00 · PHOENIX
Überleben im Versteck

Jüdische Kinder und ihre Retter

Sa, 29. Jan · 15:15-17:00 · 3sat
Davids wundersame Welt
 
Eine Londoner Arbeitersiedlung in den 1960er Jahren: Der elfjährige David Wiseman, Sohn deutscher Juden, ist ein leidenschaftlicher, aber unbegabter Cricket-Spieler und macht sich deshalb in seiner Schule ständig zum Gespött bei seinen Kameraden. Als im Haus nebenan die Samuels aus Jamaika einziehen, richtet sich auf sie der Argwohn der Nachbarn, der zuvor den Wisemans galt. David freundet sich schnell mit Dennis Samuels und seiner Tochter Judy an, weil sie ihren Garten zu einem Cricket-Trainingsfeld umgestalten. Von Dennis erhält David nun regelmäßig Trainingseinheiten und steigt in der Schulmannschaft zum Leistungsträger auf. Als sich sogar Davids zurückhaltende Mutter von der Lebenslust der neuen Nachbarn anstecken lässt, entsteht eine zaghafte Freundschaft zwischen den beiden Familien.

So, 30. Jan · 10:30-11:15 · PHOENIX
Fritz Stern

 
Als er als Zwölfjähriger 1938 aus Breslau mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten emigrierte, war Fritz Stern erleichtert.  Als er als Zwölfjähriger 1938 aus Breslau mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten emigrierte, war Fritz Stern erleichtert. Er war getauft und christlich erzogen, doch für die Nazis waren er und seine Familie Juden und das bedeutete, dass er gehänselt und schikaniert wurde. Er verlor seine Freunde, seine Heimat, seine Sprache. Als er in New York ankam, konnte er außer Deutsch nur Latein und Altgriechisch. Doch der spätere Historiker wurde schnell zum Amerikaner und ist es bis heute geblieben.

Mo, 31. Jan · 07:50-08:20 · WDR
Auserwählt und ausgesondert – Macht und Ohnmacht der Jugendlichen im Dritten Reich
 

Streiche in der Schule, Spiel und Sport mit Freunden, die erste Liebe – Erhard Mannheim und Günter Discher haben keine unbeschwerte Jugend erlebt. Ihre Zeit im nationalsozialistischen Internat und im Jugend-KZ war voller Demütigungen, Schläge und Hunger, geprägt von der Angst um das bloße Leben. Erhard Mannheim verbrachte die Schulzeit seit seinem 13. Lebensjahr im Schloss Drachenburg, das zur Adolf-Hitler-Schule gehörte. Nur die Elite kam damals dort hin, erinnert er sich: wer sehr guten Schulnoten hatte, sportlich war, mutig und vor allem germanisch aussah. Schnell wurde Erhard Mannheim und den anderen Jungen klar, dass nicht nur der Studienplatz sicher war, sondern auch ein Platz an vorderster Front, an den Brennpunkten, wo viele gefallen sind: „Wir hatten keine Kindheit. Darum hat man uns komplett betrogen.“ Als „Momente des totalen Verlorenseins“ beschreibt Günter Discher sein Leben als Jugendlicher. Er war damals Swing-Liebhaber und kam deshalb 1935 in das KZ Moringen in Niedersachsen. Swing galt als rebellisch und regimegefährdend. Günter Discher musste Strafarbeit leisten, jeden Tag zehn Stunden in einer unterirdischen Munitionsfabrik arbeiten. „Ich war so erschöpft, dass ich nicht mehr laufen konnte“, erinnert er sich an die Zeit und weiß bis heute nicht, wie er das überhaupt überleben konnte.

Mo, 31. Jan · 21:00-21:30 · 3sat
Entweder Broder – Die Deutschland-Safari! (1/5) Von Adolf bis Allah
 
Journalist Henryk M. Broder und Autor und Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad machen sich für die fünfteilige Reihe „Entweder Broder – Die Deutschland-Safari!“ auf eine Autoreise quer durch Deutschland, um die große Integrationsdebatte auf den richtigen Weg zu bringen. In der ersten Folge wollen Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad herausfinden, wie es wirklich um die Integration in Deutschland bestellt ist. Dabei treffen sie Menschen, die es wissen müssen. Was haben deutsche Brötchen mit türkischer Ehre zu tun? Warum sind nur tote Juden gut in Deutschland integriert? Warum ist nur gut integriert, wer sich schlecht benimmt? Und: Welches Opfer beim ultimativen Integrationstest kann so groß sein, dass Abdel-Samad sogar auf die Rückgabe des Gaza-Streifens verzichtet? Die weiteren Folgen von „Entweder Broder – Die Deutschland-Safari!“ zeigt 3sat an den kommenden Montagen, um 21.00 Uhr.

Mo, 31. Jan · 22:35-23:30 · arte
Polanski über Polanski

In dem mit zahlreichen Filmausschnitten und Archiven bebilderten Gespräch aus dem Jahr 2006 mit dem inzwischen verstorbenen französischen Regisseur, Autor, Produzenten Pierre-André Boutang gewährt Polanski Einblicke in sein Leben und Werk. Roman Polanski wird als Kind polnisch-jüdischer Eltern 1933 in Paris geboren. 1937 kehrt die Familie nach Polen zurück, um dem Antisemitismus in Frankreich zu entgehen. Polanskis Mutter kommt im deutschen Vernichtungslager Auschwitz ums Leben, Polanski selbst flieht aus dem Krakauer Ghetto und überlebt. Bereits als Jugendlicher entwickelt er eine Leidenschaft für das Kino. In den 50er Jahren macht er an der Staatlichen Filmhochschule in Lodz eine Ausbildung zum Regisseur. Mit Kurzfilmen und seinem ersten großen Erfolg „Das Messer im Wasser“ (1962) macht er in der europäischen Filmwelt auf sich aufmerksam. 1963 verlässt er Polen. Es folgen die ebenfalls erfolgreichen Filme „Ekel“ (1965) und „Tanz der Vampire“ (1967). Ab Mitte der 60er Jahre arbeitet Roman Polanski hauptsächlich in Europa, später auch in Hollywood, wo er mit „Rosemaries Baby“ und „Chinatown“ Maßstäbe setzt. Das Jahr 1969 bedeutet eine große Zäsur in seinem Leben: Seine im achten Monat schwangere Frau Sharon Tate wird in Los Angeles von Anhängern einer Sekte ermordet. Seit 1978 lebt Roman Polanski in Frankreich. Es entstehen „Der Mieter“ (1976), „Tess“ (1979), „Piraten“ (1986), „Frantic“ (1988), „Bitter Moon“ (1992), „Der Tod und das Mädchen“ (1994), „Die neun Pforten“ (1999). Für „Der Pianist“ erhält er 2003 den Oscar für die beste Regie, 2005 kommt sein Film, „Oliver Twist“, in die Kinos. Im September 2009 wurde der Filmemacher Roman Polanski in der Schweiz festgehalten, da er sich wegen eines Sexualdelikts von 1977 verantworten musste. Die Schweiz lehnte das von den US-Behörden beantragte Auslieferungsgesuch für den Starregisseur nach neun Monaten ab. Sein jüngster Film „Ghostwriter“ wurde bei den Europäischen Filmpreisen 2010 sechsfach ausgezeichnet. Sein neuester Film „God of Carnage“, eine Verfilmung des Theaterstücks von Yasmina Reza, herausragend besetzt mit Jodie Foster, Matt Dillon, Kate Winslet und Christoph Waltz soll ab Februar 2011 in Paris gedreht werden.

 

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