Die Schweden sind Nazis: Hurra, es brennt!

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Die Israelis lassen sich gerne einen Schmarr’n verkaufen. Zum Beispiel den Schmarr’n „Die ganze Welt ist voller Antisemiten, körperliche Nazis in der Vergangenheit, geistige Nazis in der Gegenwart.“ Dieser Schmarr’n kommt in verschiedenen Farben und Formen. Manchmal sind die Nazis Briten, manchmal Ägypter, ein anderes Mal Iraner, oder israelische Soldaten, die Siedler aus ihren Ghettos in Gush Katif vertreiben…

Aviad Kleinberg fragt sich in Jedioth achronoth, ob man den Israelis wirklich jeden Mist verkaufen kann…

Manchmal sind es auch die Schweden und manchmal die Norweger (wenn ich Finne wäre, würde ich aufpassen. Die Finnen, anders als die Schweden und die Norweger, waren nämlich Verbündete der Nazis im 2. Weltkrieg). Wichtig ist nicht die sich ständig veränderte Form, sondern die Bereitschaft, die ganze Welt in den Farben jenes Krieges zu betrachten, so als hätte sich seither nichts verändert.

Die Diktatoren sind dieselben Diktatoren, die Juden dieselben Juden (auch wenn sie bis auf die Zähne bewaffnet sind und auf Panzern durch die Straßen Gazas düsen)…. Und das Schönste ist, dass sich alle an dem Schmarr’n beteiligen. Die einen behaupten „Die Schweden sind Nazis“ und stellen ihre Ware vor, die anderen sagen „Sie sind keine Nazis sondern Judenretter und Gerechte unter den Völkern“, wobei auch sie stolz ihren Ramsch vorführen. Und keiner von ihnen wundert sich über das eigentliche Stattfinden dieser Diskussion.

Und was passt am besten zu den diversen Nazis in ihren verschiedenen Farben und Formen? Natürlich die Aussage „Es gibt jemanden, auf den man sich verlassen kann“. Jedes Mal, wenn wir mit der großzügigen Hilfe „informierter Stellen im Sicherheitsapparat“ mit existenziellen Bedrohungen überschüttet werden, und die Hysterie in den Medien neue Höhepunkte erreicht, dann kommt jemand und holt den ultimativen Schmarr’n aus dem Speicher : „Es gibt jemanden, auf den man sich verlassen kann.“

Und wundert euch nicht, wenn die, „auf die man sich verlassen kann“, Leute sind wie Generalstabschef Ashkenazi, der jetzt völlig aus dem Häuschen ist, nachdem man ihm seine Kreditkarte geklaut hat,… oder die beiden Irren Ya’alon und Liebermann, oder der leichtfertige Draufgänger Barak und der nicht belastungsfähige Netanjahu. Sie werden in den Medien als ernste Personen geschildert, denen man ruhigen Gewissens das Schicksal des Staates anvertrauen kann. Und jeder, der daran zweifelt, ist kein Patriot.

Zu den Aktionen Liebermanns meint ein Leitartikel in Jedioth achronoth, Liebermann sei eben ein Oligarch, dessen Geschäft die Politik ist (mit deren Hilfe er auch Geschäfte macht). So wie Oligarchen Dollars sammeln, sammle Liebermann Stimmen: Seine höchste Priorität ist das Sammeln von Stimmen, auch wenn dem Staat Israel dadurch Schaden entsteht. Der Staat, sein Amt als Außenminister, alles ist für ihn nur Mittel, sich noch mehr Stimmen zu beschaffen.

Ein anderer, jeder andere, hätte Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, wenn ihn auch nur ein Staat in der Welt boykottiert hätte. Liebermann ignoriert die Andeutungen, dass er nichts in Washington oder in Europa zu suchen hat. Er gondelt nach Sao Paulo und Trinidad, Gambia und Zambia, und versucht, der israelischen Öffentlichkeit zu verkaufen, wie wichtig es sei, die bisher so vernachlässigten Beziehungen zu diesen Staaten zu fördern, die doch eine Alternative zu London, Berlin und Paris seien.

Auch dem Weg von Brasilien nach Gabon machte Liebermann hier einen kleinen Zwischenstopp, und wie jeder Pyromane zündete er ein Streichholz an, das die Medien zu einem großen Lagerfeuer entfachten.

9 Kommentare

  1. In dem Artikel des Daily Telegraph ist einer der „weißen Busse“ zu sehen, der an die Rettungsaktion des Grafen Folcke Bernadotte erinnert.
    Bei dem Anblick sollten doch wohl einige Personen in Israel etwas in sich gehen, wenn man bedenkt, wo und unter welchen Umständen dieser großartige Mensch sein Leben für eine gerechte Welt verlor.

  2. Der Auszug aus Ägypten, bis zur ersten Besiedlung, dauerte Vierzig Jahre. Ohne die Fürsprache Moses Beim HERRN wäre auch Für Euch alles anders Verlaufen; oder!? Ist nun der Antisemitismus ein wenig aus dieser Zeit? Mir begegnen fast ausschließlich freundliche Jüdische Menschen in meiner nicht von mir auserwählten Heimat. Ikea, Bauhaus und all die großen
    Kommerzhäuser, es waren fast alles Landwirtschaftliche Gebiete. Gruß G.M.

  3. Ich muss mich korrigieren. Der Künstler, Dror Feiler, ist in Israel geborener Schwede, kein Araber.
    Der Vorfall, der die Zustimmung Ariel Sharons fand, ereignete ich im Januar 2004.

  4. Ich entsinne mich dunkel, dass es einmal eine Konferenz über Nahostfragen in Stockholm geben sollte. Zeitgleich fand eine Kunstausstellung statt, in der ein arabischer Israeli ein Objekt präsentierte: Ein blutrot eingefärbtes Wasserbecken.
    Der zum Besuch der Ausstellung gekommene Botschafter Israels, „erlitt“ beim Anblick des Objekts vor laufenden Kameras einen überaus publikumswirksamn Tobsuchtsanfall und zerstörte die Installation.
    Ich dachte eigentlich, dass angesichts der beständigen Gefahrensituation, denen Israel und seine Geschäftsträger ausgesetzt sind, nur besonders belastbare und selbstbeherrschte Personen für ein solches Amt in Frage kämen, oder sollte da etwa manipuliert worden sein?

  5. Bei der ironischen Aufzählung, wer denn nun alles mal wieder Nazi war, fehlt leider der Hinweis auf die Briten. Gegen die haben doch Begin, Stern, Shamir und co. gekämpft. Das müssen doch dann erst recht Nazis gewesen sein.

  6. „Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.”
     
    Mark Twain

    Juden wehren sich, das geht natürlich nicht. Dann heißt es sofort: nur nicht übertreiben und schön die Füße still halten.

  7. Nun, es bestand tatsächlich die Gefahr, dass die EU,vertreten durch den EU-Ratsvositz, den zur Zeit Schweden innehat, die US-Bemühungen um den Frieden in Nahost zu sehr unterstützt hätte.
    Als Nazis kann man Israel die schwedische Vermittlung jetzt natürlich nicht mehr zumuten.
    In dem von israelischer Seite entfachten Streit um einen Zeitungsartikel über angeblichen Raub von Organen getöteter Palästinenser hat sich die Präsidentin der Jüdischen Gemeinde in Schweden, Lena Posner-Körösi, auf die Seite der Regierung in Stockholm gestellt. Israels Forderung, dass die schwedische Regierung den in der Zeitung „Aftonbladet“ erschienenen Artikel offiziell verurteilen müsse, habe „die Angelegenheit völlig aus dem Ruder laufen lassen“.

    Sie warf der Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu vor, den Artikel, den sonst kaum jemand ernst genommen hätte, „über alle Maßen aufgebauscht“ zu haben.

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