Protest gegen Langer-Ehrung: Bundesverdienstkreuz zurückgeben

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Die Verleihung des Bundesverdienstkreuz an Felicia Langer sorgt für Aufregung. Viele drohen oder kündigen an, ihr Verdienstkreuz abgeben zu wollen. Aber wie geht das eigentlich?…

Von Micha Brumlik, taz v. 03.08.2009

Versprechen – das lernt jedes Kind – soll man halten. Im Nachgang zur umstrittenen Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse an Felicia Langer blickt der Beobachter daher gespannt auf die ein oder andere Drohung, Ankündigung oder auch Erfüllung. Der in Israel lebende, aus Köln gebürtige, über 70 Jahre alte Reiseunternehmer Motke Schomrat ist ein ehrenwerter Mann: Er hat seine Ankündigung wahr gemacht und, wie er sagte, unter großem Schmerz sein Bundesverdienstkreuz in der deutschen Botschaft in Tel Aviv zurückgegeben.

Andere, Hochmögendere, zögern noch, und so stellen sich Fragen, auf die man bisher gar nicht gekommen wäre: Wie gibt man eigentlich ein Bundesverdienstkreuz zurück? Motke Schomrat hatte es leicht: Er konnte in Tel Aviv zur Botschaft fahren. Aber was tut man in Deutschland? Lässt man sich einen Termin im Schloss Bellevue geben? Schickt man ein Päckchen mit dem Stückchen bunt emaillierten Metall – möglichst eingeschrieben – an den Präsidenten, Berlin, Schloss Bellevue?

Oder kann man, als Erinnerung an bessere Zeiten, das Stückchen Metall gleichwohl behalten, um in einem Schreiben einfach mitzuteilen, dass man die damit verbundene Ehrung zurückweist?

Es ist mit Orden wie mit Geld: Sie erhalten ihren Wert nicht aus dem Marktwert der in ihnen verarbeiteten Materialien, sondern aus einer abstrakten Deckung: hier der im Geld manifestierten Arbeitskraft bzw. der Kreditwürdigkeit der ausgebenden Zentralbanken, dort der öffentlich bekundeten Ehrbezeugung. Dann aber tun sich Abgründe weiterer Fragen auf: Was genau würde es heißen, eine einmal erhaltene Ehrung – es geht jetzt nicht mehr um das Stück Metall – zurückzugeben? Bescheinigt man sich damit, zu Unrecht geehrt worden zu sein? Oder doch wenigstens: unter falschen Bedingungen und Voraussetzungen geehrt worden zu sein? Oder doch zumindest: einem Orden verleihendem Staat wie der Bundesrepublik mitsamt ihren Staatsnotaren, den Präsidenten, also einer Art Club, nicht mehr angehören zu wollen?

Auf den Groucho Marx zugesprochenen Gedanken Woody Allens, niemals Mitglied eines Clubs werden zu wollen, der Leute wie ihn selbst aufnehmen würde, sind die noch mit Rückgabe drohenden Ordensträger jedenfalls nie gekommen. Haben sie sich – so wäre nun im Rückblick zu fragen – bei der Entgegennahme ihrer Orden aufrichtig dessen versichert, wer sonst noch vor ihnen alles ein derartiges Kreuz erhalten hat und ob alle anderen TrägerInnen ehrenwert sind? Und hätten sie die Ehrung auch dann noch, so sie es gewusst hätten, tatsächlich angenommen? In diesem Zusammenhang fällt auf, dass es offenbar kein leicht zugängliches, öffentlich einsehbares Verzeichnis aller Ordensträger seit Einsetzung dieser Ehrung gibt.

Auch hier kann der Beobachter nur hoffen, dass er sich irrt und es dieses Verzeichnis doch gibt. Wenn nämlich nicht, so hätte man der Praxis der Ordensverleihung das vorzuwerfen, was die (Sprach-)Philosophie einen „performativen Widerspruch“ nennt: nämlich eine sprachliche Handlung, die in einem Atemzug das, was sie gerade deklariert, wieder zurücknimmt, etwa wenn ein Kreter sagt, dass alle Kreter lügen. Eine öffentliche Ehrung zielt ja auf nichts anderes, als die Verdienste einer Person um Staat und Gesellschaft der dauernden Aufmerksamkeit und dem anhaltenden Respekt aller Bürgerinnen und Bürger vor Augen zu führen.

Orden diskret zu behandeln, wie das etwa Geheimdienste in aller Welt tun, wenn sie ihren Spitzeln klammheimlich Blech an die Brust heften, um die Verräter der Ehrenhaftigkeit ihres Tuns zu versichern, ziemt einer demokratischen Gesellschaft gerade nicht. Das gilt dann aber auch für die „Rückgabe“ der Ehrung, den Austritt aus dem Club.

Wurde er öffentlich angedroht, so hat die Öffentlichkeit einen Anspruch darauf, zu erfahren, ob die Drohung wahr gemacht wurde und wie die zuständigen Instanzen, in diesem Fall das Bundespräsidialamt, darauf reagiert haben. Endlich: Laufen derzeit die Telefondrähte zwischen Schloss Bellevue und den Rückgabewilligen heiß? Wo bleiben Leitartikel und Kommentare, ja parlamentarische Anfragen, ob Staat und Gesellschaft durch die ganze Affäre nachhaltiger Schaden droht?

Vor allem: Von wem ging eigentlich der Impuls zur Ehrung Felicia Langers aus? Man muss gar nicht mit der aufgeregten Blogosphäre sympathisieren, um nüchtern festzustellen, dass die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Langer außenpolitische Interessen der Bundesrepublik zumindest berührt hat – man denke nur an die unfreundliche Reaktion der israelischen Regierung. Anstatt sich weiterhin der läppischen Affäre um Ulla Schmidts Dienstlimousine zuzuwenden, sollte doch der Bundestagsausschuss für Äußeres die zuständigen Beamten im Präsidialamt, wenn nicht gar Horst Köhler oder doch den zuständigen Außenminister selbst vorladen. Außen- und Moralpolitik sind auch und gerade im Wahlkampf allemal spannender als eine Dienstwagenaffäre.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung der taz – die tageszeitung
© Contrapress media GmbH, Vervielfältigung nur mit Genehmigung des taz-Verlags

9 Kommentare

  1. Frau Langer hat den Preis voll verdient. Nein, ehrlich! Ich meine, warum auch nicht? In einem Land, in dem es mittlerweile zum Mainsteam gehört, den Judenstaat (früher: die Juden) für alles Ãœbel der Welt verantwortlich zu machen, da kommt doch so eine Auszeichnung gerade recht, oder? Jetzt wissen wir endlich, woran wir in Deutschland sind. Frau Langer erfüllt das Kriterium des „guten Juden“. Und so als brave Selbsthasserin darf sie von uns Dhimmituden auch ein paar Streicheleinheiten erwarten, oder?

    Hoch lebe Frau Langer! Hoch lebe die Kapitulation! Wir können es kaum erwarten…

  2. Gemeindevorsitzender Arno Hamburger (IKG-Nürnberg) verurteilt Felicia Langer als „Volksschädling“ und gibt Verdienstkreuze zurück. Florian Kaiser, Nürnberger Zeitung, 03. September 2009, sprach mit F. Langer über Arno Hamburgers Protestaktion.

    Herr Hamburger hat heute seine Bundesverdienstkreuze zurückgegeben, weil er nicht die gleiche Auszeichnung tragen will wie Sie.

    Er ist ein Ehrenmann, dass er getan hat, was er angekündigt hat. Aber diese ganze Aktion ist ein Versuch, den Bundespräsidenten zu erpressen. Das scheint nicht nur mir sehr undemokratisch.

    Herr Hamburger wirft Ihnen vor, Sie hätten sich «keinerlei Verdienste um Volk und Staat erworben», sondern Unfrieden zwischen der jüdischen und der nichtjüdischen Bevölkerung Israels gestiftet.

    Ich habe das Bundesverdienstkreuz für meine humanitäre Tätigkeit auch in Deutschland bekommen. Meine Arbeit steht unter dem Motto, dass die Menschenrechte universell, überall gelten. Ich bin tief davon überzeugt, dass das, was ich getan habe und was ich weiter tue, zum Guten für die Israelis ist, nicht nur für die Palästinenser. Auch für die Kinder von Herrn Hamburger, die in Israel sind.

    Trotzdem lautet sein Vorwurf, Sie seien ein «Volksschädling».

    Ich glaube, ich mache den besten Dienst für Israel, den man machen kann. Es ist modern, bescheiden zu sein, aber ich bin in einem Alter, wo ich das sagen darf: Seit Jahren bin ich eine Brückenbauerin für den Frieden zwischen Israelis und Palästinensern. Aber manchmal muss man auch kritisch sein und Taten verurteilen wie den Krieg in Gaza. Ich glaube, ohne eine Kehrtwende in der israelischen Politik werden wir nie Frieden und Sicherheit haben. Ich habe eine sehr, sehr enge Bindung an Israel. Ich habe die deutsche und die israelische Staatsbürgerschaft. Es ist absurd, mich so zu beschimpfen und zu verunglimpfen, wie das Herr Hamburger macht. Das ist sehr schmerzhaft.

    Hat er Sie denn einmal getroffen oder angerufen?

    Herr Hamburger hat nie, niemals mit mir persönlich gesprochen oder diskutiert. Er hat nur die Verleumdungen über mich gehört und wiederholt. Ich bin im Reinen mit meinem Gewissen, dass ich nur etwas Gutes und Menschliches mache. Das ist meine Lehre aus dem Holocaust. Wir sind leidgeprüfte Menschen, und von diesem Leid haben wir gelernt, dass man anderen kein Leid antun soll. Das ist die jüdische Maxime.

  3. „inzwischen selbst zwei Talk-Shows moderiert, in denen er seinen Gesprächspartnern wüst gestikulierend immer wieder ins Wort fällt und bei ihren Antworten gequält bis süffisant lächelt. Es scheint ihm vor allem an der Selbstdarstellung zu liegen, urteilte die Frankfurter Rundschau.“
     
    Noch offener kann man seine eigenen antisemitischen Klischees nicht äußern.  Da kann man sich nur an den Kopf fassen und der Dame mal folgende Fragen stellen:
    Was haben die Moderationen Herrn Friedman mit der Begründung für das Bundesverdienstkreuz zu tun? „Friedman habe sich um das Zusammenleben jüdischer und nichtjüdischer Bürger verdient gemacht“? Er hatte eine politische Talkshow , worum es sicher nicht um das Thema jüdisch und nichtjüdischer Bürger und deren Zusammenleben ging!! Hätte sie es genauso macht, wenn ein Moderator Christ ist? Was hat sein jüdisch sein mit seiner Moderation zu tun?
    Das ist ein klassisches antisemitisches Ressentiment. Vom Rest dieses von Lügen bespickten Schreibens ganz zu schweigen. In einem stimme ich der zu: Gut, dass sie es zurückgegeben hat, denn Menschen, die so offene antisemitische Klischees vertreten, haben diesen Preis sicher nicht verdient. Der Bundespräsident Rau ist sicher über deren Rückgabe erfreut gewesen.
    Dass aber auch ehemalige Nazis diesen Preis bekommen haben, stört die Dame sicher überhaupt  nicht.
    Und so eine nicht gerade intellektuell befleckte Frau war auch noch Schulpolitikerin. Unfassbar.
     
     
    Daß der bekannte Antisemit das auch noch hier reinstellt, überrascht nicht. Er stinkt nach Antisemitismus wo er auch immer hier auftaucht.
     
    Uf Mipo!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  4. Wie gut, daß diese Gigi Romeiser ihr Kreuz zurück gegeben hat,  bei dieser Logorröh.
    Es ist aber sehr erhellend, dass man so einer überhaupt das Kreuz verliehen hat.

  5. Wenn sie immer wieder und ohne Rücksichtnahme auf Befindlichkeiten von Teilen der israelischen Gesellschaft diese Politik anprangert, „dann tue ich das, weil dies nicht nur für die Palästinenser eine Tragödie ist, sondern auch für Israel“.

    Es könne keine Sicherheit geben, solange man anderen ihre Rechte vorenthalte, den Gazastreifen total abriegele, gezielt töte. Und eine Zwei-Staaten-Lösung sei nun einmal nicht machbar, ohne dass Israel die besetzten Gebiete und die Siedlungen räume. „Man muss die Dinge beim Namen nennen“, findet Langer. Nein, eine Israel-Hasserin sei sie nicht. „Wir sind das andere Gesicht Israels.“

  6. Als Felicia Langer neun Jahre alt war, floh ihre Familie vor der deutschen Wehrmacht aus Polen in die Sowjetunion, wo ihr Vater im Gefängnis landete. 1950 wanderte sie zusammen mit ihrem Mann, der selbst in fünf Konzentrationslagern gesessen hatte und seine gesamte Familie im Holocaust verlor, nach Israel aus.
    Ihr Mann, mit dem sie seit 60 Jahren verheiratet ist, hält in Schulen Vorträge über seine Holocaust-Erfahrung. Ihr gemeinsamer Sohn hat eine Band, die jüdische Klezmermusik spielt.

    Kritiker werfen ihr vor, dass sie in Israel Mitglied der kommunistischen Partei wurde. „Ich stehe zu meiner Vergangenheit, aber ich bin seit 20 Jahren in keiner Partei mehr“, sagt Langer. Und sie will nie wieder einer Partei beitreten. Mehr gebe es dazu nicht zu sagen.

    Zum Thema Israel und Palästinenser ist sie trotz vehementer Angriffe auf ihre Person unbelehrbar: „Ich stehe dazu, dass Israel in den besetzten Gebieten Apartheidspolitik betreibt.“ Im Gazakrieg seien Kriegsverbrechen geschehen, wie mehrere internationale Organisationen in ihren Berichten belegten.

    Was nicht stimme: Sie habe niemals einen Palästinenser als Anwältin verteidigt, der einen israelischen Zivilisten verletzt oder getötet habe. Auch die Angriffe durch Kassam-Raketen auf Israel habe sie kritisiert. Aber sie sieht in der Besatzung den „Inbegriff von Gewalt“, der Gegengewalt erzeugt.

  7. UNTERSTÃœTZT DIE AKTIONEN GEGEN DIE ISRAELFEINDIN LANGER!
    Die Kampagnen gegen die berüchtigte Israelhasserin werden von PI, HC, der Achse des Guten, Entebbe und weiteren engagierten Israelfreunden unvermindert fortgesetzt. Auch Giordano wird nicht aufgeben und HMB wird weiterhin den Tübinger Bürgermeister an den Schandpfuhl stellen! Ein lautes NIE WIEDER gegen den Rotfaschismus!!! Auch wenn es manchen hier nicht passt. AM YISRAEL CHAY!

  8. Hier irrt Brumlik, so kompliziert ist das gar nicht mit der Rückgabe eines Bundesverdienstkeuzes. Der Bundespräsident allein hat das Recht zur Verleihung, und somit ist er allein also auch die Adresse für eine Rückgabe. Ralph Giordano braucht sein Kreuz also einfach nur in einem ausreichend frankierten Umschlag zusammen mit einem erklärenden Begleitschreiben per Einschreiben an das Bundespräsidialamt in Berlin zu senden. Dort wird es garantiert ankommen und zur Kenntnis genommen werden.

    Über die Gründe, warum Giordano jetzt noch zögert, kann man nur Vermutungen anstellen. Kann es vielleicht sein, dass er dem Bundespräsidenten noch etwas Zeit geben will, in der weisen Vorausberechnung, dass einem Canossa-Kriechgang auf allen Vieren zum Zentralrat der Juden eine gewisse natürliche Langsamkeit innewohnt?
    Oder erwartet er den totalen Kotau des Bundespräsidenten etwa höchstpersönlich bei sich zu Hause?
    Oder kann es gar sein, dass es ihm, dem sonst doch so Wortgewaltigen plötzlich und komplett die Sprache verschlagen hat angesichts der Impertinenz des Bundespräsidenten, sein (Giordanos) Ultimatum, d.h also endweder Aberkennung der Verleihung an F. Langer oder Rückgabe seines eigenen Kreuzes, schlicht und ergreifend ignoriert zu haben?

    Falls Giordano noch mit seinen Worten und seiner Fassung ringt, kann er sich zumindest stilistisch orientieren an einem ähnlich gelagerten Fall. In 2001 hatte die ehemaligen Schulpolitikerin Gigi Romeiser ihr Bundesverdienstkreuz zurückgegeben, weil sie es unerträglich fand, in einer Reihe zu stehen mit dem damaligen Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden Michel Friedman. Hier der Wortlaut ihres Schreibens an den damaligen Bundespräsidenten:

    An den
    Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland
    Herrn Johannes Rau
    Schloß Bellevue
    Spreeweg 1
    10 557 Berlin

    26. Mai 2001

    Rückgabe meines Bundesverdienstkreuzes, verliehen am 26. Mai 1989

    Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

    die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth hat in diesen Tagen den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Herrn Dr. Michel Friedman, in Ihrem Namen mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt, mit der Begründung, „Friedman habe sich um das Zusammenleben jüdischer und nichtjüdischer Bürger verdient gemacht“.
    Es tut mir leid, doch das kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen!

    Ich erinnere mich daran, daß Herr Friedman sich seit Jahr und Tag in der Rolle des Moralapostels gefällt, Dauergast in Talk-Shows ist, inzwischen selbst zwei Talk-Shows moderiert, in denen er seinen Gesprächspartnern wüst gestikulierend immer wieder ins Wort fällt und bei ihren Antworten gequält bis süffisant lächelt. Es scheint ihm vor allem an der Selbstdarstellung zu liegen, urteilte die Frankfurter Rundschau.

    Herr Friedman überzieht unser Land mit seiner Abscheu, um nicht zu sagen mit seinem Haß und definiert Deutschland aus 12 Jahren Naziherrschaft. Er nimmt die heutigen Generationen, die mit den Verbrechen Hitlers nichts, aber auch gar nicht zu tun haben, in unzulässiger Weise in Sippenhaft. Die Deutschen sollen, so Herr Friedman, für alle Zeit kollektiv auf die Anklagebank gesetzt werden. Er schafft damit Unfrieden und riskiert neu aufkeimenden Antisemitismus.

    Wenn er wirklich versöhnen wollte, hätte er der maßlosen Forderung, mitten in Berlin ein zwei Fußballfelder großes Mahnmal mit 2700 Stelen zu errichten, Einhalt geboten. Wenn die Versöhnung ihm am Herzen läge, würde er nicht die verantwortungslose Forderung stellen, den Holocaust schon in der Grundschule und in Kindergärten zu behandeln und damit zarte Kinderseelen zu verletzen. Wenn er wirklich ein menschliches Zusammenleben zwischen Juden und Nichtjuden anstrebte, würde er nicht sagen: „Versöhnung ist ein absolut sinnloser Begriff. Den Erben des judenmordenden Staates kommt gar nicht anderes zu, als die schwere historische Verantwortung auf sich zu nehmen, generationenlang, für immer.“

    Wenn solch ein unversöhnliches Verhalten, das von immer mehr Deutschen – auch von deutschen Juden – als menschenverachtend empfunden wird, Ihre Anerkennung findet und Sie aus diesem Grund Herrn Friedman in den Reigen der Bundesverdienstkreuzträger aufnehmen, möchte ich diesem Kreis nicht mehr angehören.

    Ich gebe deshalb mein Bundesverdienstkreuz, das ich 1989 für meinen jahrzehntelangen ehrenamtlichen Einsatz im Rahmen der Elternarbeit zum Wohle der hessischen Kinder erhalten habe, zurück.

    Auch das Bundesverdienstkreuz meines Mannes, Kurt Romeiser (verliehen im Dez. 1991), gebe ich gleichzeitig zurück. Er kann es nicht mehr selbst tun, weil er vor acht Jahren gestorben ist, aber ich weiß, er würde genau so handeln wie ich.

    Hochachtungsvoll

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