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Alles Döner oder was?

Kartoffelmorde passieren dauernd in Deutschland. Also Verbrechen mit Todesfolge an deutschen Staatsbürgern von deutschen Staatsbürgern. Sogar in Serie. Die Täter nennt man dann Serienmörder. Und die Getöteten nennt man Opfer oder Ermordete. Zumindest wenn es sich um deutschdeutscheste Deutsche handelt. Beiderseitig. Das sind dann ganz gewöhnliche Kartoffelmorde. Nennt aber keiner so. Sind ja die eigenene Leute, nicht wahr?…

Von Ramona Ambs

Wenn die Morde aber aus rassistischen Beweggründen geschehen und die Opfer teilweise türkischstämmig sind, dann spricht man hierzulande von “DÖNERMORDEN”. Das bietet sich an, weil Türke und Döner ja quasi Synonyme sind. Zumindest für deutsche Journalisten… Das die Opfer Kioskbesitzer, Schneider, Blumenhändler, Schlüsseldienstinhaber, Internetcafebetreiber oder gar Griechen waren, dass sie Namen hatten und Gesichter, spielt dabei keine Rolle. Alles Döner. Ist doch klar.

Deshalb heißen die Mörder auch nicht Mörder, sondern Döner-Killer. Das klingt so schön niedlich – und lässt ja auch noch ausreichend viel Spielraum für die eigene Phantasie. Zumindest ließ es das, solange noch nicht klar war, wer die “Döner-Mörder” waren. Da konnte man dann ja auch eine rassistische Motivation noch gut ausblenden. Zumindest wenn man dämlich, naiv oder verschlagen genug war. Die Bild-Zeitung sprach seinerzeit ja noch von der „Halbmond-Mafia“ und entblödete sich nicht, den Ermordeten noch allerlei potentielle Delikte unterzuschieben… In einem Artikel von 2006 hatte BILD vier Theorien parat, weshalb die Opfer sterben mussten. Dafür hatte man willkürlich Aussagen von Ermittlern und Kriminologen zusammen gebastelt. In der ersten Theorie (Drogenmafia) konnte BILD sogar den Leiter der Soko Bosporus Wofgang Geier zitieren: „Mehrere Opfer hatten zu denselben Menschen Kontakt. Nicht ausgeschlossen, daß sie in der Drogenszene aktiv waren. Die Opfer sind kleine Lichter am Ende einer Kette. Wo sie Fehler gemacht haben, wissen wir noch nicht.“

Aha. Einige hatten Kontakt und man kann so manches nicht ausschließen und irgendeinen Fehler werden sie ja gemacht haben… spannend! Und für den Fall, dass doch nicht alle „Döner“ kleine verkappte Drogendealer waren, hatte BILD noch Theorie zwei (Organisierte Kriminalität), Theorie drei (Schutzgeld) oder aber Theorie vier (Geldwäsche) parat… irgendwas mussten die Döners doch angestellt haben!

Nunja. Mittlerweile dürfte sich das ja geklärt haben. Die „Döner“ wurden also nicht umgebracht, weil sie vielleicht und unter Umständen mal Haschisch geraucht haben, sondern weil sie eben „Döner“ waren. Ist ja auch irgendwie ein Grund, oder? Sonst würde man doch nicht von Döner-Morden sprechen. Man würde doch Menschen als Menschen bezeichnen und Mörder als Mörder. Man könnte sogar ganz einfach von einer rassistischen Mordserie sprechen. Oder von rechtsextremen Terroristen. Zumindest wenn die Opfer Menschen wären und nicht Döner…oder?

118 comments to Alles Döner oder was?

  • Scytale

    Kann jetzt nur kurz schreiben, da ich auf dem Sprung bin. In dem rechten Lied, welches derzeit in den Medien herumgeistert , wird der Mörder als Döner bezeichnet, nicht die Opfer.
    Ich konnte mir jetzt obige Posts nicht durchlesen, bin mir aber sicher, dass diese neue (?) Information Frau Ambs These weiter untergräbt.

  • Beamter

    Hallo Herr Schlickewitz
     
    ZITAT
    ++Wo konkret wurden denn ALLE deutschen Beamten als Nazis bezeichnet?
    Polemische Überspitzungen liegen Ihnen ganz offensichtlich, oder gehört das zur Beamtenausbildung?
     
    Baruch Zion hat sich sinngemäß so ausgedrückt, dass zumindest in die Führungsetagen rassistisch und rechtsextrem durchsetzt seien. Jedenfalls so der Eindruck. Ausserdem stellt Baruch Zion ALLE Mitarbeiter der Verfassungsschutzbehörden unter rechtsextremen Generalverdacht. Gut, ob Baruch Zion auch das Beamtentum insgesamt gemeint haben könnte ist eine Interpretation von mir und keine Polemik.
     
    Allerdings bin ich erschüttert über Vorgänge in Sachsen-Anhalt, wo man wirklich meinen könnte, die Polizei und Sicherheitsbehörden wären NPD-nahestehend obwohl der Innenminister SPD ist. Den Stein ins Rollen brachte dort die Ablösung von drei Polzisten die an Neonazifällen arbeiteten und wahrscheinlich zu erfolgreich waren.
     
    ZITAT:
     
    ++Viele, viele Worte zu den Kriegsverbrechen der anderen, sämtliche bereits bekannt, hundertmal aus dem Munde nationalistischer und ganz rechter Argumentatoren vernommen.
     
    Wenn man etwas nicht verstehen will, dann tut man das auch nicht und wenn man stur ist, sieht man vielleicht eigene Fehlinterpretationen und Fehlverständnisse nicht ein. Ich kann für mich sagen, dass ich lernfähig bin und auch mal von Dingen abrücke, in denen ich mich geirrt habe oder falsch lag. Ich weiß nicht, ob das bei Ihnen auch so ist, dazu kenne ich sie zuwenig um das zu beurteilen.
     
    Ich habe NICHT die Kriegsverbrechen der anderen gegen die deutschen aufgewogen und habe aus dieser Thematik explizit den Zweiten Weltkrieg und die Nazizeit ausgeklammert. Wenn Sie ansprechen, dass die Niederschlagung des Herero-Aufstandes ein Verbrechen war, dann bejahe ich das, nur wurde es damals weder in Deutschland noch bei den anderen Kolonialmächte als Verbrechen betrachtet. Deswegen nimmt Deutschland bis 1918 in Punkto Kriegs- und Kolonialverbrechen KEINE herausragende und keine Sonderstellung ein. Das habe ich gemeint. Und auch, was die Bereitschaft betrifft Krieg zu führen nehmen sich die deutschen Länder nicht mehr heraus als alle anderen Mächte. Das ist doch keine Entschuldigung dessen, was in deutschem Namen passiert ist. Aber es war nun mal europäisch üblich, dass Kolonialmächte eben so reagierten.
     
    Bei einer Konferenz in Afrika haben ja mal die USA, Frankreich und Großbritannien gedroht, diese Konferenz paltzen zu lassen, komme die Kolonialzeit zur Sprache. Sie ist zur Sprache gekommen und die Delegationen aus besagten Ländern sind abgerauscht. Das heißt, dass man sich bei den großen (ehem.) Kolonialmächten nicht über das Thema unterhalten möchte. Da betreibt man eher Kolonialromantik statt -bewältigung. Und ich glaube, dass aus diesem Grund die Hereros bei einer Klage gegen Deutschland scheitern werden, weil das Urteil auch die großen Mächte betrifft. Das schmälert aber nicht die moralische Verantwortung Deutschlands.
     
    Und nur, weil nationalistische Kreise in Deutschland das als Propaganda nehmen, dass die anderen auch nicht besser sind, soll man das nicht ansprechen dürfen? Deswegen darf Objektivität nicht verloren gehen.
     
    Und ausserdem möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass in der kaiserlichen Armee auch jüdische Deutsche ihren Dienst taten, die sich bestimmt auch nicht zurückgehalten haben. Ich glaube, da waren die Deutschen, egal welchen Glaubens und Herkunft wahrscheinlich ziemlich gleich.  
     
    ZITAT:
     
    +++Nur eines können Sie nicht erklären: Wenn schon diese Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein ‘Gemeingut’ aller Völker waren, wie war es dann möglich, dass nur ein einziges Volk auf der ganzen Welt sie derart ausformen und quasi perfektionieren konnte, dass daraus Shoa oder Holocaust wurde?
     
    Ich habe gesagt, ich habe die Nazizeit ausgeklammert. Warum die Deutschen während der Nazizeit so waren, weiß ich nicht. Psychologen, Soziologen und Historiker haben da bestimmt ihre Forschungen und Antworten, mehr oder weniger fundiert.
     
    ZITAT:
     
    +++Da müssen doch bei diesem einzigen Volk die Voraussetzungen (Hemmschwellen, innere Barrieren, ‘Menschlichkeit’?) anders gelagert gewesen sein, da muss doch bei diesem einen Volk etwas ganz anders gelaufen sein, als bei Britens, Russens und den anderen?
     
    Nach dem Krieg hat man ja in den USA Versuche gemacht, die belegen sollten, dass die Deutschen besonders gewaltätig seien und einen Hang für hätten einem Führer hinterher zulaufen und besonders kriegslüstern seien. Sozusagen, dass es uns in den Genen läge, so zu sein. Aber als die amerikanischen Testpersonen genauso reagierten wie man es bei Deutschen annahm wurde der Versuch abgebrochen. Ich glaube Dr. Zimbardo hat ja auch etliche Versuche in dieser Hinsicht gemacht. Zimbardo sagte auch, dass JEDER Mensch zur Bestie würde, wenn die Bedingungen dazu geschaffen würde. Z. B. wäre Abu Graib nur möglich gewesen, weil die Bush-Administration die Atmosphäre geschaffen hat. Das gleiche gelte auch für die KZ-Wächter.
     
    Ausserdem glaube ich nicht, dass die Russen von 1917 bis zum Zusammenbruch der UdSSR weniger gewaltätig waren als die Deutschen. Da zeigt uns aber Stalin etwas ganz anderes, genau, wie seine Nachfolger. Und dass die Russen auch heute nicht ganz zimperlich sind zeigt uns die Zeitgeschichte und die Medien. Und wenn die Amerikaner so sanftmütig sind, dann wundere ich mich aber, warum die Kriminalität in den USA brutalere Ausmaße hat als in Europa und warum die Amerikaner Gewalt so unbefangen gegenüberstehen. Ich glaube, dass die US-Rambos und Killermaschinen im Militär seit Vietnam auch nicht von Lämmern abstammen. Und das die Briten in Afrika und Asien ziemlich brutal gegen die Vorgegangen sind, die sich gegen sie gewehrt haben ist auch Fakt (Zulu-Aufstand, Kaffern-Aufstand, Sikh-Aufstand usw.)
     
    ZITAT:
     
    +++Das, was da anders gelaufen ist bei diesem einzigen Volk, versuche ich zu ergründen, auch durch möglicherweise als problematisch oder provokativ empfundene Fragen und Feststellungen.
    Diesem Ziel kommen wir jedoch ganz gewiss nicht näher, wenn wir immer wieder nur automatenhaft auf “die anderen” verweisen.
     
    Ich habe nicht automatenhaft auf andere verwiesen, ich habe nur deutlich machen wollen, dass zumindest bis 1933 die Deutschen nicht anders waren als die anderen. Die moralische Schuld und Verantwortung nimmt den Deutschen niemand ab nur, weil die Briten in ihren Kolonien genauso waren.
     
    Eine Theorie, warum sich die Deutschen so entwickelt haben, dass die Shoa herauskam schieben Historiker auf den Umstand, dass Deutschland erst sehr spät Nationalstaat wurde und die klein- und kleiststaaterei die Engstirnigkeit eher begünstigte als den welt- und weitblick. Bemerkenswert auch, dass z. B. die Hexenprozesse im deutschsprachigen Raum exzessiver waren als anderswo oder dass im Dreißigjährigen Krieg schon unübliche Verrohungen zu verzeichnen sind.
     

    Allerdings hätte ich doch auch mal Ihre Meinung darüber gewusst, warum Broder Sarrazin so die Stang hält und mal in einer Phoenix-Sendung den Zentralrat der Juden in Deutschland als “kapitolinische Gänse” bezeichnet hat, oder warum der von mir sehr geschätzte Ralph Giordano den Kölner Moschee-Gegnern die Stange hält. Was läuft bei diesen beiden Herren ihrer Auffassung nach falsch? Geben diese Herren den rechts-populistischen, rassistischen und nationalistischen Kreisen nicht auch Futter? Und das ebenfalls als Angehörige einer Gruppe, die bei den vorgenannten Kreisen ebenfalls nicht selten im Fokus steht?

  • ente

    “Rassismus ist auch, wenn eine legale komplexe Glaubensgemeinschaft, die sich in Religion,  Kultur, oder einer Partei manifestieren kann, positiv oder negativ auf ein einziges Prinzip reduziert wird.”

    Ach Karlchen, das ist bestimmt das falsche Forum! Wobei doch so schön die “legale”, “sozialistische”, “nationale”, “fast demokratische” Machtübernahme, ( ”Über die besonderen Qualitäten der einzelnen Verbrechen, die in der Welt begangen wurden, möchte ich mir kein Urteil bilden, da ich nicht geneigt bin, über Rangordnungen menschlicher Perversionen, Gemeinheiten oder Bestialitäten mitzusprechen.” ) die Holocaust Leugnung fast überdeckt.
    Geht es Euch schon so Sch…, daß Ihr hier betteln müßt?

    Hoffentlich!