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Alles Döner oder was?

Kartoffelmorde passieren dauernd in Deutschland. Also Verbrechen mit Todesfolge an deutschen Staatsbürgern von deutschen Staatsbürgern. Sogar in Serie. Die Täter nennt man dann Serienmörder. Und die Getöteten nennt man Opfer oder Ermordete. Zumindest wenn es sich um deutschdeutscheste Deutsche handelt. Beiderseitig. Das sind dann ganz gewöhnliche Kartoffelmorde. Nennt aber keiner so. Sind ja die eigenene Leute, nicht wahr?…

Von Ramona Ambs

Wenn die Morde aber aus rassistischen Beweggründen geschehen und die Opfer teilweise türkischstämmig sind, dann spricht man hierzulande von “DÖNERMORDEN”. Das bietet sich an, weil Türke und Döner ja quasi Synonyme sind. Zumindest für deutsche Journalisten… Das die Opfer Kioskbesitzer, Schneider, Blumenhändler, Schlüsseldienstinhaber, Internetcafebetreiber oder gar Griechen waren, dass sie Namen hatten und Gesichter, spielt dabei keine Rolle. Alles Döner. Ist doch klar.

Deshalb heißen die Mörder auch nicht Mörder, sondern Döner-Killer. Das klingt so schön niedlich – und lässt ja auch noch ausreichend viel Spielraum für die eigene Phantasie. Zumindest ließ es das, solange noch nicht klar war, wer die “Döner-Mörder” waren. Da konnte man dann ja auch eine rassistische Motivation noch gut ausblenden. Zumindest wenn man dämlich, naiv oder verschlagen genug war. Die Bild-Zeitung sprach seinerzeit ja noch von der „Halbmond-Mafia“ und entblödete sich nicht, den Ermordeten noch allerlei potentielle Delikte unterzuschieben… In einem Artikel von 2006 hatte BILD vier Theorien parat, weshalb die Opfer sterben mussten. Dafür hatte man willkürlich Aussagen von Ermittlern und Kriminologen zusammen gebastelt. In der ersten Theorie (Drogenmafia) konnte BILD sogar den Leiter der Soko Bosporus Wofgang Geier zitieren: „Mehrere Opfer hatten zu denselben Menschen Kontakt. Nicht ausgeschlossen, daß sie in der Drogenszene aktiv waren. Die Opfer sind kleine Lichter am Ende einer Kette. Wo sie Fehler gemacht haben, wissen wir noch nicht.“

Aha. Einige hatten Kontakt und man kann so manches nicht ausschließen und irgendeinen Fehler werden sie ja gemacht haben… spannend! Und für den Fall, dass doch nicht alle „Döner“ kleine verkappte Drogendealer waren, hatte BILD noch Theorie zwei (Organisierte Kriminalität), Theorie drei (Schutzgeld) oder aber Theorie vier (Geldwäsche) parat… irgendwas mussten die Döners doch angestellt haben!

Nunja. Mittlerweile dürfte sich das ja geklärt haben. Die „Döner“ wurden also nicht umgebracht, weil sie vielleicht und unter Umständen mal Haschisch geraucht haben, sondern weil sie eben „Döner“ waren. Ist ja auch irgendwie ein Grund, oder? Sonst würde man doch nicht von Döner-Morden sprechen. Man würde doch Menschen als Menschen bezeichnen und Mörder als Mörder. Man könnte sogar ganz einfach von einer rassistischen Mordserie sprechen. Oder von rechtsextremen Terroristen. Zumindest wenn die Opfer Menschen wären und nicht Döner…oder?

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118 comments to Alles Döner oder was?

  • Karl K

    @ efem
     
    Wo finden Sie, dass ich Freiheit für Mörder fordere? Bitte keine bösartigen Unterstellungen!
    „Methodische Fehler a la Stammtisch“   Bitte nicht beleidigend werden
    Ängste sind ein zentrales Motiv menschlichen Handelns. Was sollen ihre pejorativen Bemerkungen dazu?
    Ernst Thälmann steht für die Parole für ein „Freies Sowjet-Deutschland“ unter der Führung von Stalin und seiner Komintern. Seine Antifa-Haltung ist durch eine grausame Blutspur unterfüttert.
    Sie können gern von einem „rechten Sumpf“ sprechen, ich spreche dennoch von Menschen! Unmenschen hatten wir schon mal, damals hatten sie andere Namen.
     
    @ Robert Schlickewitz
     
    Ich muss niemanden mögen nur weil er Angehöriger einer bestimmten Gruppe ist. Ich mag Menschen, wenn sie sich so verhalten, dass ich sie respektieren kann. Das ist die Haltung eines politisch reifen und mündigen deutschen Bürgers!
    Wo finden Sie, dass ich es gut heiße, Menschen zu hassen. Bitte keine Übertreibungen.
    Auch Juden werden sich vermutlich nicht über Auschwitz definieren wollen – ich vermute mal, dass die meisten so normal leben wollen, wie alle Menschen – und keinen Sonderstatus beanspruchen. Leben statt mahnen ist das neue Motto, das schon bei der Deutsch-Französischen Freundschaft sehr viel Gutes bewirkt hat – trotz einer sehr blutigen Geschichte seit dem MA.
    Ich sehe darin „nicht die Unmoral“ und auch nicht einen“Abgrund“ oder eine „Verwerflichkeit meiner Gedankenflüge!“
     
    Wenn Sie den ganzen Text lesen sehen sie, dass er nicht auf Polarisierung angelegt ist sondern im Sinne des „sapere aude“, also eines „mündigen Bürgers, der nicht in kollektivistischer Weise zu denken  beabsichtigt.
     
     @ Birgit
     
    Danke für ihren Beitrag.  Ich hoffe sehr, dass meine Kinder und Enkel Juden mit der gleichen Freundlichkeit und dem gleichen Interesse begegnen, wie sie dies Franzosen, Polen oder Amerikanern entgegenbringen.
     
    Zur Situation in Gaza usw. möchte ich nichts sagen.
     
     
    @  Anonymous
     
    Antifa ist in Deutschland längst verkommen zu dem, was Broder dazu sagt, nämlich zu einer „roten SA“
     
    @ ente
     
    Wer zu oft in den Rückspiegel sieht verliert manchmal die Übersicht beim Fahren!  Auch wenn’s Ihnen wenig passt, die meisten Menschen in Deutschland haben kein „Shoa-Rauschen“ (A.Burg) im Ohr. Jüngere Deutsche wollen vermutlich genauso wie jüngere Juden einen normalen Umgang miteinander. Und dazu gehört auch, dass man nicht jeden einzelnen unbedingt mögen muss.

  • efem

    Lieber Karl K., hast du noch alle Tassen…? Wo unterstelle ich, du fordertest Freiheit für Mörder?  Mich so zu interpretieren könnte als Anzeichen von unzureichendem kognitivem Vermögen gesehen werden.

    Auch dass Du nicht gerafftt hast, das ich darauf hinwies, dass es (schon immer) Deutsche gibt, die Juden sind, dass das also Stammtischgeschwätz sei,  Deutsche und  Juden könnten nicht dasselbe sein, wie es die Braunen vergeblich verkünde(te)n. Man spricht schließlich auch nicht davon. dass “Deutsche eine herzliche Abneigung gegen Katholiken” haben (höchstens manche gegen Katholizismus oder/und ihre katholischen MitbürgerInnen),  merkst du was? Aber … die Zigeuner, die machen uns Deutschen jetzt wieder schwer zu schaffen, nicht wahr?  

    Deine übrigen Auslassunge zu kommentieren schenke ich mir. Es wäre sinnlos.

  • Robert Schlickewitz

    @Karl K.
     
    Es ist anscheinend, Ihre unbedarften Äußerungen legen den Schluss nahe, nötig, Sie mal wieder auf die dunklen Seiten des von Ihnen so verehrten (bes. deutschen) Christentums aufmerksam zu machen.
     
    Lesen Sie doch bitte aufmerksam dieses Buch eines katholischen Pfarrers und zeitweiligen Beraters des Vatikans in Judenangelegenheiten. Falls Sie des Englischen nicht kundig (genug) sein sollten, lassen Sie sich das Buch von einem gebildeteren Menschen aus Ihrer Umgebung vorlesen/übersetzen. 
    http://books.google.com/books?id=J40gNC7cxfYC&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false
     
    Sie können gerne auch noch einen anderen katholischen Geistlichen lesen, der bereits im 19. Jh. die ungeheuren Verbrechen seiner Kirche an Juden beschrieb, anerkannte und öffentlich ehrlich bedauerte, auf deutsch:
    http://www.judenundbayern.de/01judenineuropa.html
     
    Hoffentlich begreifen Sie nach diesen Lektüren die gigantische Bringschuld von Euch verstockten, christlichen Deutschen endlich von Euch aus eine Änderung, eine Besserung der Beziehungen zu den Juden herbeizuführen. Nicht “der Jude” muss sich ändern und gar noch Euren Wahn mit dem Kreuz annehmen, sondern der Christ, der 23 Jahrhunderte (laut Reverend Flannery) menschlich, sittlich, charakterlich gegenüber seinem jüdischen Nächsten vollkommen versagt hat, der muss sich wandeln.
     
    Hoffentlich begreifen Sie nach der Lektüre von Flannery und Döllinger auch, dass sich kein Jude “über Auschwitz definieren” will. Es geht nicht um zwölf Jahre “Nazi”, es geht um die ganze Geschichte Eurer an Verbrechen gegen die Menschheit und die Menschlichkeit so überreichen Religion.

  • efem

    Man nehme, äh, lese eine Probe aus den Büchern dieses Schriftstellers:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Deschner

    Bekanntes Zitat:

    Wer in dieser” (vor Allem in der katholischen) “Kirche noch ‘etwas retten’ will, ist entweder unwissend oder Opportunist oder von Mystik besoffen.

    Man kann in dieser Kirche längst nichts mehr retten, sondern nur noch sich und andere vor ihr! ”

    Deschner in: “Der gefälschte Glaube”, München 1988

    Seine “Kriminalgeschichte des Christentums” umfasst inzwischen 8 Bände. Möge er das Durchhaltevermögen besitzen, das Monumentalwerk zu vollenden!

  • Karl K

    @ efem
     
    Ich hoffe, dass Ihnen bewusst ist, dass mit dem außerordentlich vielschichtigen Begriff “Jude” nicht nur der Angehörige einer Religionsgemeinschaft gemeint ist.
     
    Im Übrigen wollen wir beide auf das kumpelhafte „du“ und auf Beleidigungen verzichten!
     
    @ Robert Schlickewitz
     
    „Ihre unbedarften Äußerungen legen den Schluss nahe, nötig, Sie mal wieder auf die dunklen Seiten des von Ihnen so verehrten (bes. deutschen) Christentums aufmerksam zu machen.“
    Ihre Mutmaßungen gehen leider gänzlich fehl. Mein Abstand zum Christentum ist ebenso groß wie zum Islam, Buddhismus, Judentum usw. Deshalb erwähne ich gern und wiederhole mich: zum Kantschen „sapere aude“ ist eine geistige Nähe vorhanden.
     
    „Hoffentlich begreifen Sie nach diesen Lektüren die gigantische Bringschuld von Euch verstockten, christlichen Deutschen endlich von Euch aus eine Änderung, eine Besserung der Beziehungen zu den Juden herbeizuführen. „
     
    Dies mag für Organisationen wie die christlichen Kirchen ein wichtiger Auftrag sein. Da ich Individuum bin, trage ich nun auch mal keine kollektive Verantwortung in Form einer „Bringschuld.“ Ich möchte mich in meiner Haltung gegen den alltäglichen Rassismus stellen, der nicht nur das Böse im andern erkennt; manchmal haben auch selbsternannte Antirassisten einen Balken im Auge, besonders wenn es gegen Deutsche oder Deutschland geht!
     

  • Robert Schlickewitz

    Mein Abstand zum Christentum ist ebenso groß wie zum Islam, Buddhismus, Judentum usw.
    Verbohrte Deutsche gibt’s selbstverständlich auch unter nicht (mehr) christlichen Deutschen. Ihr bisheriger Argumentationsmodus legte die Annahme nahe, dass es sich bei Ihnen um einen christlich-deutschen Eiferer handelte.
    Übrig bleibt der Vorwurf, Sie, Karl K., sind auf Ihrem deutschen Auge blind. 
     
    Was faseln Sie immer nur von zwölf Jahren Drittes Reich, was fällt Ihnen ein, hier verharmlosend die deutschen Verbrechen allein auf die “Nazis” zu reduzieren, was schämen Sie sich nicht Ihres verengten Blickes? 
     
    Wie ich Ihnen bereits an anderer Stelle deutlich gemacht habe, gab es auch noch den Ersten Weltkrieg, es gab den Krieg der Deutschen in ihren Kolonien gegen Menschen, denen Deutsche lediglich den Status Halb- oder Viertelmenschen zubilligten, es gab ferner den Krieg 1870/71 gegen Frankreich und es gab (und gibt) Afghanistan. Schauplätze, auf denen Deutsche furchtbare Verbrechen begangen haben bzw. noch begehen. 
     
    Ich möchte mich in meiner Haltung gegen den alltäglichen Rassismus stellen… besonders wenn es gegen Deutsche oder Deutschland geht!
    Jemanden einen Rassisten zu nennen, der rein objektive Feststellungen (die noch dazu von jedem nachgeprüft werden können) trifft, fällt auf denjenigen zurück, der diesen Vorwurf erhebt. Durch Ihre blindwütige Pauschalverteidigung alles Deutschen, ohne Reflexion und ohne nötiges Hintergrundwissen, haben Sie sich jedenfalls eine schwere Blöße gegeben.
     
    Die Zuverlässigkeit der Belege für deutsche Kriegsverbrechen und für die besondere Qualität deutscher Verbrechen gegen die Menschlichkeit steht außer Frage.
    Lesen Sie sich ruhig ein und bedenken Sie dann, ob Sie sich hier weiter lächerlich machen wollen, als “Antirassist”.
     
    http://en.wikipedia.org/wiki/German_war_crimes#World_War_I
    http://en.wikipedia.org/wiki/Rape_of_Belgium
    http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=7447
    http://www.europa.clio-online.de/_Rainbow/documents/keiner%20f%C3%BChlt%20sich%202/kramer.pdf
    http://www.buecher.de/shop/deutsches-reich-1871-1918/deutsche-kriegsgreuel-1914/horne-john-kramer-alan/products_products/detail/prod_id/12424201/
    http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2010/04/Kolonialismus
    http://www.zeit.de/2011/42/Schaedelsammlungen
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-68885074.html

  • Karl K

    @ Robert Schlickewitz
     
    „Ihr bisheriger Argumentationsmodus legte die Annahme nahe, dass es sich bei Ihnen um einen christlich-deutschen Eiferer handelte.“
     
    Sie sollten für mich eine andere Schublade finden; die o.a. ist leider – bis auf das deutsche – gänzlich unpassend!
     
    „Übrig bleibt der Vorwurf, Sie, Karl K., sind auf Ihrem deutschen Auge blind.“
     
    Blindheit wird gern denen unterstellt, die nicht die gleiche Weltsicht haben wie man selbst.
     
    „Die Zuverlässigkeit der Belege für deutsche Kriegsverbrechen und für die besondere Qualität deutscher Verbrechen gegen die Menschlichkeit steht außer Frage.“
     
    Ich glaube nicht, dass ich Kriegsverbrechen bestritten habe – oder haben Sie dafür einen Beleg gefunden?  Über die besonderen Qualitäten der einzelnen Verbrechen, die in der Welt begangen wurden, möchte ich mir kein Urteil bilden, da ich nicht geneigt bin, über Rangordnungen menschlicher Perversionen, Gemeinheiten oder Bestialitäten mitzusprechen.
     
    Kriegsverbrechen sind Bestandteil jeden Krieges, das ist u.a. ein Grund für mich als Deutscher, dass „nie wieder Krieg“ sehr ernst zu nehmen und jeden deutschen Kriegseinsatz, der nicht unmittelbar unserer Verteidigung dient, strikt abzulehnen, auch wenn die Nato mitunter den „Bündnisfall“ ausrufen sollte oder wie in Lybien die deutsche Außenpolitik verunglimpft wird. Leider ist durch die Regierung Schröder-Fischer der langjährige Grundsatz für die Außenpolitik Deutschlands durchbrochen worden.
     
    Nach wie vor verstehe ich nicht, was sie dazu treibt, in meinem o.a. aufgeführten Beitrag derart viel an „Erkenntnissen“ – oder sind es doch nur bösartige Unterstellungen? – über meine Grundhaltung herauszulesen.
     
     

  • Beamter

    Die Vorwürfe, die hier Karl K. gemacht werden sind nach meiner Auffassung genauso abstrus wie die hier gemachte Behauptung, ALLE deutschen Beamten seien Nazis und der Nazigeist herrsche in deutschen Behördenstuben. Hier werden Menschen pauschal beurteilt ohne überhaupt zu wissen, wie jeder der mehreren Tausend Beamten zu einem Thema steht. Vielleicht sollte man uns Beamte ein Brandzeichen geben, dass aussagt, ob wer von uns Nazi, Kommunist, Protestant oder Katholik ist oder Atheist, Alt68er und Mitglied der Giordano Bruno-Stiftung usw. Das könnte man dann auch ans Türschild hängen, damit vorher weiß, ob man anklopfen kann oder nicht.
     
    Und wenn man die deutschen Kriegsverbrechen beleuchtet, dann muss man dass im Kontext der Zeit tun, auch, wenn das die deutschen Verbrechen nicht entschuldigt. Losgelöst davon muss man in der Tat die Zeit von 1933 – 45 betrachten, da sich ein Großteil der Deutschen (vielleicht noch neben den Sowjets unter Stalin) wirklich aus der zivilisierten Welt hinauskatapultiert haben.
     
    Geht man in die Zeit des Ersten Weltkrieges, so muss man a) feststellen, dass der Krieg von jeder Macht gewollt war, wenn vielleicht nicht zu diesem Zeitpunkt und sich die b) Kriegsverbrechen nicht nur auf die deutsche Seite beschränkten. Im Ersten Weltkrieg hat eben nicht “Gut” gegen “Böse” gekämpft sondern allenfalls “Böse” gegen “Böse”. Komischerweise sind hier nichtdeutsche Historiker oftmals objektiver als deutsche. Es ist eifach falsch zu behaupten, dass Deutschland diesen Krieg alleinschuldig begangen hat (zumindest wäre hier dann noch die Donaumonarchie zu erwähnen sowie die Rachebestrebungen Frankreichs und die Hegemonialpolitik Großbritanniens, der Rest war Bündnisautomatik). Ausserdem hat Italien auf Grund von Gebietsversprechungen die Fronten gewechselt und die USA haben meines Erachtens ziemlich willkürlich Partei ergriffen. Hier gäbe es noch viel zu erörtern.
     
    Ausserdem darf hier auch nicht unerwähnt bleiben, dass Wilhelm II. unter Juden in Deutschland höchstes Ansehen genoß, wobei er während des Verlauf des Krieges immer antisemitischer wurde. Aber das nur nebenbei.
     
    Des weiteren ist es genauso abstrus es so hinzustellen, dass nur die Deutschen in ihren Kolonien Greuel begangen hätten. Ich darf darauf verweisen, wieviel Kolonialkriege Großbritannien geführt hat nebst Massaker und Verschleppungen. Das gleiche gilt in geringerem Umfang für Frankreich. Aber natürlich entschuldigt das eine Verbrechen nicht das andere. Es ist aber ein Indiz dafür, dass die anderen Mächte, die man seit 1914 zu “den Guten” zählt bei weitem nicht besser und zivilisierter waren. Und es war Großbritannien, welches die sog. “Herrenmensch-Theorie” als erste in seinen Kolonien angewendet hat. Hier man sich in Großbritannien bis heute nicht auseinandergesetzt. Eher im Gegenteil: Geht es in Großbritannien um die Zeit des Imperialismus, so wird das eher wie Kolonialromantik behandelt denn als Unterdrückung. Die Briten sehen sich bis heute als die Segensbringer und nicht als die Herren.
     
    Und beim Krieg 1870/71 gegen Frankreich kann man auch streiten, wer ihn begonnen hat: Derjenige, der den Krieg an Preußen (nicht an Deutschland) erklärt hat (nämlich Frankreich) oder derjenige, der Frankreich in die Kriegsfalle gelockt hat nämlich PREUSSEN und NICHT Deutschland; auch wenn beides seit 1866 synonym steht ist es doch nicht dasselbe). Und hat nicht ein kleiner Franzose (Korse) von 1804 bis 1815 Europa mit Krieg beglückt?
     
    Und wenn man schon Kriegsgreuel erwähnt, dann sollte man doch schon den Krimkrieg erwähnen, den Frankreich, Großbritannien und das Osman. Reich gegen Russland führten und wo die Mächte auch nicht zimperlich waren. Alles in allem hat Deutschland mangels staatlicher Existenz im 19. Jahrhundert keine Kriege geführt und Preußen von allen Großmächten die wenigsten. Das gilt sogar, wenn man in die Zeit des Großen Kurfürsten zurückgeht von davor gar nicht zu reden.
     
    Und geht man in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, so möchte ich nicht die Kriegsverbrechen erwähnen, die von unserer westlichen “Führungsnation” und “wertedefinierende” Macht begangen wurde. Und sieht man mal vom Zweiten Weltkrieg ab, so haben die USA seit ihrem bestehen die Kriege, in die sie verwickelt war alle selbst begonnen oder vom Zaun gebrochen. Und die Installation von Demokratie war hierbei nicht immer die Intension. Und von den Kriegsverbrechen der Sowjets nach 1945 rede ich mal auch nicht.
     
    Und ob bei den Auseinandersetzungen, die Israel mit seinen Feinden geführt auch alles koscher und in menschenrechtswürdigen Bahnen verlaufen ist und verläuft lasse ich mal dahingestellt (gilt auch für die Gegener und Feinde Israels).
     
    Aber natürlich: Das entschuldigt keine deutschen Kriegsverbrechen und die Nazi-Zeit schon gar nicht. Das ist eben unser Kainsmahl. Aber ich habe schon gemerkt, dass man hier ungemein Prügel bezieht, ist man nicht der Meinung der Hagalil-Meinungsbestimmer hier im Forum. Da wird man zum Rassisten oder Nazianhänger erklärt, obwohl man dieses Gedankengut verabscheut wie die Pest oder von dieser Ideologie Lichtjahre entfernt ist.
     
    Und was Rassismus und Religionsdiskriminierung betrifft: Broder hat schon mehrfach öffentlich erklärt, dass ihm Sarrazin gefalle und er seine Thesen unterschreiben kann genau, wie Ralph Giordano sich gegen die Moschee in Köln gestemmt hat und dabei Applaus von ultrarechts bekommen hat. Sind jetzt Broder und Giordano auch Rassisten, Antimoslems und Ausländerhasser? Ich glaube schon, dass die Meinung von Broder und Giordano zu gewissen Themen, kämen sie von jemanden anders, hieße er Maier, Schulze oder Müller von etlichen anders bewertet werden würde.
     
    Grüße
     
    Beamter

  • Robert Schlickewitz

    @Beamter
     
    Wo konkret wurden denn ALLE deutschen Beamten als Nazis bezeichnet?
    Polemische Überspitzungen liegen Ihnen ganz offensichtlich, oder gehört das zur Beamtenausbildung?
     
    Viele, viele Worte zu den Kriegsverbrechen der anderen, sämtliche bereits bekannt, hundertmal aus dem Munde nationalistischer und ganz rechter Argumentatoren vernommen.
     
    Nur eines können Sie nicht erklären: Wenn schon diese Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein ‘Gemeingut’ aller Völker waren, wie war es dann möglich, dass nur ein einziges Volk auf der ganzen Welt sie derart ausformen und quasi perfektionieren konnte, dass daraus Shoa oder Holocaust wurde?
     
    Da müssen doch bei diesem einzigen Volk die Voraussetzungen (Hemmschwellen, innere Barrieren, ‘Menschlichkeit’?) anders gelagert gewesen sein, da muss doch bei diesem einen Volk etwas ganz anders gelaufen sein, als bei Britens, Russens und den anderen?
     
    Das, was da anders gelaufen ist bei diesem einzigen Volk, versuche ich zu ergründen, auch durch möglicherweise als problematisch oder provokativ empfundene Fragen und Feststellungen.
    Diesem Ziel kommen wir jedoch ganz gewiss nicht näher, wenn wir immer wieder nur automatenhaft auf “die anderen” verweisen.
     
    Des Rästsels Lösung liegt in uns und bei uns, wie wir’s auch drehen und wenden mögen.

  • Scytale

    Kann jetzt nur kurz schreiben, da ich auf dem Sprung bin. In dem rechten Lied, welches derzeit in den Medien herumgeistert , wird der Mörder als Döner bezeichnet, nicht die Opfer.
    Ich konnte mir jetzt obige Posts nicht durchlesen, bin mir aber sicher, dass diese neue (?) Information Frau Ambs These weiter untergräbt.

  • Beamter

    Hallo Herr Schlickewitz
     
    ZITAT
    ++Wo konkret wurden denn ALLE deutschen Beamten als Nazis bezeichnet?
    Polemische Überspitzungen liegen Ihnen ganz offensichtlich, oder gehört das zur Beamtenausbildung?
     
    Baruch Zion hat sich sinngemäß so ausgedrückt, dass zumindest in die Führungsetagen rassistisch und rechtsextrem durchsetzt seien. Jedenfalls so der Eindruck. Ausserdem stellt Baruch Zion ALLE Mitarbeiter der Verfassungsschutzbehörden unter rechtsextremen Generalverdacht. Gut, ob Baruch Zion auch das Beamtentum insgesamt gemeint haben könnte ist eine Interpretation von mir und keine Polemik.
     
    Allerdings bin ich erschüttert über Vorgänge in Sachsen-Anhalt, wo man wirklich meinen könnte, die Polizei und Sicherheitsbehörden wären NPD-nahestehend obwohl der Innenminister SPD ist. Den Stein ins Rollen brachte dort die Ablösung von drei Polzisten die an Neonazifällen arbeiteten und wahrscheinlich zu erfolgreich waren.
     
    ZITAT:
     
    ++Viele, viele Worte zu den Kriegsverbrechen der anderen, sämtliche bereits bekannt, hundertmal aus dem Munde nationalistischer und ganz rechter Argumentatoren vernommen.
     
    Wenn man etwas nicht verstehen will, dann tut man das auch nicht und wenn man stur ist, sieht man vielleicht eigene Fehlinterpretationen und Fehlverständnisse nicht ein. Ich kann für mich sagen, dass ich lernfähig bin und auch mal von Dingen abrücke, in denen ich mich geirrt habe oder falsch lag. Ich weiß nicht, ob das bei Ihnen auch so ist, dazu kenne ich sie zuwenig um das zu beurteilen.
     
    Ich habe NICHT die Kriegsverbrechen der anderen gegen die deutschen aufgewogen und habe aus dieser Thematik explizit den Zweiten Weltkrieg und die Nazizeit ausgeklammert. Wenn Sie ansprechen, dass die Niederschlagung des Herero-Aufstandes ein Verbrechen war, dann bejahe ich das, nur wurde es damals weder in Deutschland noch bei den anderen Kolonialmächte als Verbrechen betrachtet. Deswegen nimmt Deutschland bis 1918 in Punkto Kriegs- und Kolonialverbrechen KEINE herausragende und keine Sonderstellung ein. Das habe ich gemeint. Und auch, was die Bereitschaft betrifft Krieg zu führen nehmen sich die deutschen Länder nicht mehr heraus als alle anderen Mächte. Das ist doch keine Entschuldigung dessen, was in deutschem Namen passiert ist. Aber es war nun mal europäisch üblich, dass Kolonialmächte eben so reagierten.
     
    Bei einer Konferenz in Afrika haben ja mal die USA, Frankreich und Großbritannien gedroht, diese Konferenz paltzen zu lassen, komme die Kolonialzeit zur Sprache. Sie ist zur Sprache gekommen und die Delegationen aus besagten Ländern sind abgerauscht. Das heißt, dass man sich bei den großen (ehem.) Kolonialmächten nicht über das Thema unterhalten möchte. Da betreibt man eher Kolonialromantik statt -bewältigung. Und ich glaube, dass aus diesem Grund die Hereros bei einer Klage gegen Deutschland scheitern werden, weil das Urteil auch die großen Mächte betrifft. Das schmälert aber nicht die moralische Verantwortung Deutschlands.
     
    Und nur, weil nationalistische Kreise in Deutschland das als Propaganda nehmen, dass die anderen auch nicht besser sind, soll man das nicht ansprechen dürfen? Deswegen darf Objektivität nicht verloren gehen.
     
    Und ausserdem möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass in der kaiserlichen Armee auch jüdische Deutsche ihren Dienst taten, die sich bestimmt auch nicht zurückgehalten haben. Ich glaube, da waren die Deutschen, egal welchen Glaubens und Herkunft wahrscheinlich ziemlich gleich.  
     
    ZITAT:
     
    +++Nur eines können Sie nicht erklären: Wenn schon diese Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein ‘Gemeingut’ aller Völker waren, wie war es dann möglich, dass nur ein einziges Volk auf der ganzen Welt sie derart ausformen und quasi perfektionieren konnte, dass daraus Shoa oder Holocaust wurde?
     
    Ich habe gesagt, ich habe die Nazizeit ausgeklammert. Warum die Deutschen während der Nazizeit so waren, weiß ich nicht. Psychologen, Soziologen und Historiker haben da bestimmt ihre Forschungen und Antworten, mehr oder weniger fundiert.
     
    ZITAT:
     
    +++Da müssen doch bei diesem einzigen Volk die Voraussetzungen (Hemmschwellen, innere Barrieren, ‘Menschlichkeit’?) anders gelagert gewesen sein, da muss doch bei diesem einen Volk etwas ganz anders gelaufen sein, als bei Britens, Russens und den anderen?
     
    Nach dem Krieg hat man ja in den USA Versuche gemacht, die belegen sollten, dass die Deutschen besonders gewaltätig seien und einen Hang für hätten einem Führer hinterher zulaufen und besonders kriegslüstern seien. Sozusagen, dass es uns in den Genen läge, so zu sein. Aber als die amerikanischen Testpersonen genauso reagierten wie man es bei Deutschen annahm wurde der Versuch abgebrochen. Ich glaube Dr. Zimbardo hat ja auch etliche Versuche in dieser Hinsicht gemacht. Zimbardo sagte auch, dass JEDER Mensch zur Bestie würde, wenn die Bedingungen dazu geschaffen würde. Z. B. wäre Abu Graib nur möglich gewesen, weil die Bush-Administration die Atmosphäre geschaffen hat. Das gleiche gelte auch für die KZ-Wächter.
     
    Ausserdem glaube ich nicht, dass die Russen von 1917 bis zum Zusammenbruch der UdSSR weniger gewaltätig waren als die Deutschen. Da zeigt uns aber Stalin etwas ganz anderes, genau, wie seine Nachfolger. Und dass die Russen auch heute nicht ganz zimperlich sind zeigt uns die Zeitgeschichte und die Medien. Und wenn die Amerikaner so sanftmütig sind, dann wundere ich mich aber, warum die Kriminalität in den USA brutalere Ausmaße hat als in Europa und warum die Amerikaner Gewalt so unbefangen gegenüberstehen. Ich glaube, dass die US-Rambos und Killermaschinen im Militär seit Vietnam auch nicht von Lämmern abstammen. Und das die Briten in Afrika und Asien ziemlich brutal gegen die Vorgegangen sind, die sich gegen sie gewehrt haben ist auch Fakt (Zulu-Aufstand, Kaffern-Aufstand, Sikh-Aufstand usw.)
     
    ZITAT:
     
    +++Das, was da anders gelaufen ist bei diesem einzigen Volk, versuche ich zu ergründen, auch durch möglicherweise als problematisch oder provokativ empfundene Fragen und Feststellungen.
    Diesem Ziel kommen wir jedoch ganz gewiss nicht näher, wenn wir immer wieder nur automatenhaft auf “die anderen” verweisen.
     
    Ich habe nicht automatenhaft auf andere verwiesen, ich habe nur deutlich machen wollen, dass zumindest bis 1933 die Deutschen nicht anders waren als die anderen. Die moralische Schuld und Verantwortung nimmt den Deutschen niemand ab nur, weil die Briten in ihren Kolonien genauso waren.
     
    Eine Theorie, warum sich die Deutschen so entwickelt haben, dass die Shoa herauskam schieben Historiker auf den Umstand, dass Deutschland erst sehr spät Nationalstaat wurde und die klein- und kleiststaaterei die Engstirnigkeit eher begünstigte als den welt- und weitblick. Bemerkenswert auch, dass z. B. die Hexenprozesse im deutschsprachigen Raum exzessiver waren als anderswo oder dass im Dreißigjährigen Krieg schon unübliche Verrohungen zu verzeichnen sind.
     

    Allerdings hätte ich doch auch mal Ihre Meinung darüber gewusst, warum Broder Sarrazin so die Stang hält und mal in einer Phoenix-Sendung den Zentralrat der Juden in Deutschland als “kapitolinische Gänse” bezeichnet hat, oder warum der von mir sehr geschätzte Ralph Giordano den Kölner Moschee-Gegnern die Stange hält. Was läuft bei diesen beiden Herren ihrer Auffassung nach falsch? Geben diese Herren den rechts-populistischen, rassistischen und nationalistischen Kreisen nicht auch Futter? Und das ebenfalls als Angehörige einer Gruppe, die bei den vorgenannten Kreisen ebenfalls nicht selten im Fokus steht?

  • ente

    “Rassismus ist auch, wenn eine legale komplexe Glaubensgemeinschaft, die sich in Religion,  Kultur, oder einer Partei manifestieren kann, positiv oder negativ auf ein einziges Prinzip reduziert wird.”

    Ach Karlchen, das ist bestimmt das falsche Forum! Wobei doch so schön die “legale”, “sozialistische”, “nationale”, “fast demokratische” Machtübernahme, ( ”Über die besonderen Qualitäten der einzelnen Verbrechen, die in der Welt begangen wurden, möchte ich mir kein Urteil bilden, da ich nicht geneigt bin, über Rangordnungen menschlicher Perversionen, Gemeinheiten oder Bestialitäten mitzusprechen.” ) die Holocaust Leugnung fast überdeckt.
    Geht es Euch schon so Sch…, daß Ihr hier betteln müßt?

    Hoffentlich!