Ende November entscheidet das Schweizer Stimmvolk über ein Minarett-Verbot an der Urne. Der Abstimmungskampf ist moralisch und kulturell-religiös sehr stark aufgeladen, doch dem sei nicht genug. Fast zeitgleich zur Abstimmung soll in Wil (St. Gallen) ein neues islamisches Kulturzentrum der Öffentlichkeit vorgestellt werden…
Von Benji Epstein
Der Schweizer Souverän hat in den nächsten knapp fünf Monaten Zeit, sich eine eigene Meinung zur Anti-Minarett-Initiative zu schaffen. Betrachtet man den Abstimmungskampf, wird schnell klar, dass neben der Debatte um Grundwerte, die Diskussion durch wenige Bauvorhaben von Minaretten gefüttert und aufgeladen wird.
Ende Juni wurde in Wangen bei Olten ein neues Minarett durch den Verein Türkisch Kultureller Kreis eingeweiht. Dass der Bau umstritten war, zeigt nicht zuletzt die Abwesenheit einiger eingeladener Politiker bei der Einweihungs-Zeremonie. Auch in Langenthal herrscht zur Zeit eine Diskussion um die Fertigstellung eines Minaretts. Das öffentlichen Interesse für das sechs Meter hohe Bauvorhaben ist laut Mutalip Karaademi, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, zwar unverständlich, zeige jedoch, dass das Projekt die Menschen bewege. „Es ist nicht unsere Absicht, mit dem Minarett zu provozieren oder Gefühle zu verletzen. Wir wollen Brücken bauen, sind immer offen für den Dialog. Wir sind doch keine Radikalen, um Gottes willen!“, wie er in einem Interview mit der Basler Zeitung sagte.
Für rote Köpfe und weiteren Diskussionsstoff sorgt momentan ein anstehendes Bauprojekt in Wil. Fast zeitgleich mit der Abstimmung soll im sanktgallischen Kleinort ein Projekt für ein islamisches Kulturzentrum der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dafür hat der Islamische Verein kürzlich ein geeignetes Stück Land für den Bau gekauft. Ob das Projekt auch den Bau eines Minaretts vorsieht, wollte Projektleiter Hisham Maizar gegenüber 20 Minuten Online jedoch nicht beantworten und konterte diplomatisch: „Warum sollten wir darauf verzichten, wenn wir eines bauen können?“ Der gemässigte Muslim und Präsident der Föderation Islamischer Dachorganisationen schweizweit betonte gegenüber 20 Minuten Online, dass man sich an die Gesetze halten werde. Es werde keine Konfrontation gesucht.
Dass das Projekt voraussichtlich wenige Wochen vor der Abstimmung zur Anti-Minarett-Initiative präsentiert werden sollte, wurde ohne Absicht geplant: „Das ist ein Zufall, weil es jetzt mit dem Kauf des Lands geklappt hat“, meint Maizar. Der Stadtrat von Will hat keine grundsätzlichen Einwände gegen den Bau eines Minaretts, trotzdem wird die Bevölkerung voraussichtlich nicht schweigen. Bereits vor drei Jahren formierte sich in Wil Wiederstand, als das Projekt erstmals diskutiert wurde.
Eines ist jedoch klar, das Projekt wird den Befürwortern eines Minarett-Verbots zu einem günstigen Zeitpunkt in die Arme fallen. Dass das Projekt von Befürwortern der Initiative als Stimmungsmacher gegen eine „Islamisierung“ der Schweiz instrumentalisiert werden kann, scheint jedoch gerade zu ironisch zu sein, sollten doch die Befürworter eines Verbots froh sein, würde das Projekt gar nie diskutiert werden müssen.
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