Beinah eine Blume

„Beinah eine Blume“ ist der dritte Roman der Heidelberger Autorin Ramona Ambs. Auch hier stellt sie ihren Lesern wieder eine sehr zerbrechliche Protagonistin vor: Lumi, knapp 13, die in einem Heim lebt, weil ihre Mutter, die selbst noch ganz jung ist, sich nicht um sie kümmern kann.

„Heim. Das sagt heute kein Mensch mehr. Es heißt Jugendhilfeeinrichtung. Das Wort dauert neunmal so lang, klingt wie ein frisch gewaschenes Flanellhemd und tut trotzdem genauso weh. Lumi lebt dort. Mit immer wieder neuen Kindern und Betreuern. Man gewöhnt sich besser an niemanden.“

Lumi, die übrigens jüdisch ist, zieht sich in ihr Schneckenhaus zurück, will nicht reden, nicht erklären. Das funktioniert auch so lange gut, bis ein neuer Psychologe kommt, der sich ganz besonders um Lumi bemüht. Diese Begegnung, sowie die Freundschaft mit Mbye, der als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling ins Heim kommt, bringt ihre Welt im Schneckenhaus aus den Fugen.

Ramona Ambs, 1974 in Freiburg geboren, ist ausgebildete Poesietherapeutin. Auch ihre Bücher zeugen von der „Heilkraft der Sprache“. Ihr dritter Roman nimmt den Leser auf eine verstörende, weil ungeschönt aus Lumis Sicht erzählte Reise mit. Und das ist die Stärke ihrer Erzählung. Wie schon in ihrem Debüt-Roman „Die radioaktive Marmelade meiner Grossmutter“ schafft sie durch die Erzählperspektive eine große Intimität zu ihrer Protagonistin. Lumi, das ist sicher, bleibt dem Leser im Herzen. (al)

Ramona Ambs, Beinah eine Blume, BoD, 2019, 224 S., Euro 9,90, Bestellen?

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