Orbáns Ungarn

Wie konnte das passieren? Wie konnte ein Mann die Demokratie in Ungarn abbauen, wie konnte er sich und seine Freunde zu Milliardären machen? Das erklärt Paul Lendvai, der österreichische Journalist mit ungarischen Wurzeln in seinem neuesten 240 Seiten umfassenden Buch…

Rezension von Karl Pfeifer

Viktor Orbán, der Sohn eines kommunistischen Funktionärs ging in die Politik mit dem erklärten Ziel, sich und seine Familie und Freunde reicher zu machen. Dieses Ziel hat er – mit all den negativen Konsequenzen für die Mehrheit der Ungarn – erreicht.

Allerdings finde ich es als zu höflich und zu vorsichtig, wenn man Orbáns Kurs als „rechtskonservativ“ und „populistisch“ beschreibt. Orbán läßt „fremdenfeindlichen und antisemitischen Tendenzen breiten Raum“ und passt besser zu dem europäischen Verein der Rechtsexremisten wie Marine le Pen und HC Strache.

„Die umfassenden Berichte des World Economic Forums, des Transformationsindexes der Bertelsmann Stiftung und der Economist Intelligence Unit lassen in allen wichtigen Bereichen (Wirtschaft, Politik, Regierungsinstitutionen, Forschung etc) einen rapiden und bedenklichen Rückfall Ungarns, verglichen mit den anderen postkommunistischen Staaten erkennen.“ Paul Lendvai dokumentiert akribisch den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg des Viktor Orbán und es ist zu hoffen, dass er in seinem nächsten Buch dann über das Scheitern des nationalistischen und rechtsextremistischen Orbán Regimes berichten kann.

Das mit Anekdoten gewürzte, leicht lesbare und hoch aktuelle Buch hat folgende Kapitel:
1. Die Rolle der Persönlichkeit; 2. Der Aufsteiger von ganz unten; 3. Glanz und Elend eines Jungpolitikers; 4. Der Weg zum ersten Sieg; 5.Der junge Komet; 6. Die Totengräber der Linken; 7. Megaskandal um Gyurcsánys „Lügenrede“; 8. Orbáns Sieg im Kalten Bürgerkrieg; 9. Das Erdbeben; 10. Die neue Landnahme; 11. Das Ende der Gewaltenteilung; 12. der nationale Freiheitskampf; 13. Ein fragwürdiger Wahlsieg; 14. Der Preis für die „Orbanisierung“; 15. Macht und Geldgier der Günstlinge; 16. Die Mächtigen des Hofstaates; 17. Ungarns „Führerdemokratie“; 18. Orbáns Rolle in einem zerfallenden Europa; Namensregister und Anmerkungen und Quellen.

Paul Lendvai, Orbáns Ungarn, Kremayr –Scheriau, Wien, 2016, 240 S., Euro 24,00, Bestellen?

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