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Wiener Mosaik

Kurznachrichten aus Österreich…

Von Peter Stiegnitz

Hitlers Haus

Und wieder einmal wird diskutiert: abreißen oder nicht abreißen,  zu der Tafel mit der Inschrift („Für Frieden, Freiheit und Demokratie nie wieder Faschismus Millionen Tote Mahnen“) noch eine andere, mehr zeitgeschichtliche Veranstaltungen als bisher oder doch ganz was anderes. Die Rede – erraten – ist von Hitlers Geburtshaus in Braunau. Neuester Vorschlag von Innenminister Wolfgang Sobotka: das Haus schleifen zu lassen. Kaum erreichte diese Ministeridee die Öffentlichkeit, meldete sich eine Sprecherin des Ministeriums mit dem lapidaren Satz: „Es war nur eine private Meinung des Ministers“. Das Haus, das einer Eigentümerin gehört und vom Innenministerium für 5000 Euro im Monat gemietet wird,  steht seit fünf Jahren leer.

Mauthausen

Wir berichteten bereits, dass das einstige KZ in Mauthausen aus dem bisher zuständigen Innenministerium ausgegliedert und in eine Bundesanstalt überführt wird. Einerseits bedeutet diese Ausgliederung mehr Geld, andererseits verlieren die Opferverbände ihr bisheriges Mitsprachrecht. Jedes Jahr besuchen rund 200.000 Menschen die Hauptgebäude und die Nebenlager. Die neue rechtliche Konstruktion endet allerdings nicht an der Einflussmöglichkeit des Innenministeriums. Der Minister ist davon überzeugt, dass die Administration der Gedenkstätte „zu einer effizienten, inhaltlich autonomen und unbürokratischen Einrichtung“  wird. Die Opferverbände fordern vom neuen Rechtsträger eine stärkere Internationalisierung als es bisher der Fall war. Im Gegensatz dazu begrüßte die Kultusgemeinde die neue Regelung.

Jüdisches Museum

Das Wiener Jüdische Museum bietet auch für die Sommermonate ein reichhaltiges Programm an. So unter anderem wird im Rahmen der „Kinderunikunst“ ein „Objektdesign für Groß und Klein“ angeboten. Im Rahmen der Wiener Ferienspiele bietet das Museum unter dem Motto „Innere Stadt spielt“ eine Möglichkeit,verschiedene Wiener Wahrzeichen jüdischen Inhalts kennen zu lernen an. „Jüdisch? Jüdisch! Superstar“  ist eine Backstage-Tour hinter den Kulissen der Ausstellung über jüdische Musikstars.

Trotzki und die Juden

Die „Freunde der jüdischen Literatur“ haben diesmal die umfassende Biographie über „Trotzki“  von Robert Service (Suhrkamp) zum „Buch des Monats“ erklärt. Der 1879  in der Südukraine geborene Lew Dawidowitsch Bronstein, der sich Trotzki nannte war einer der wichtigsten Köpfe der russischen Revolution. Nach der Machtergreifung bot ihm Lenin die Leitung des „Volkskommissariates für Inneres“ an. Trotzki bat jedoch seinen Wegbereiter, einen anderen als ihn, den Juden zum „Polizeiminister“ zu ernennen. So wurde er der erste und außerordentlich erfolgreiche Außenminister des neuen Staates. Robert Service beschäftigt sich in seinem Buch in einem eigenen Kapitel  („Trotzki und die Juden“) mit dem heiklen Umgang Trotzkis mit seiner Abstammung. Während im zaristischen Rußland die 5,2 Millionen Juden eine religiöse Minderheit bildeten, wurden sie später als eine nationale Minderheit geführt. Obwohl Trotzki als überzeugter Bolschewiki die „Weltrevolution“ anstrebte, verleugnete er ein Leben lang seine „jüdische Abstammung“ nicht; er gab in Urkunden seine Nationalität als „Jude“ an. Mit Lenins Tod (1924) verlor er auf Drängen Stalins, alle seine Funktionen. 1929 wurde er aus dem Land verbannt und 1940 von einem GPU-Agenten mit einem Eispickel in Mexiko-Stadt erschlagen.

DÖW-Jahrbuch

Auch das heurige Jahrbuch  des „Dokumentationsarchivs des österreichschien Widerstandes“ (DÖW) ist interessant und lesenswert, behandelt es doch das immer noch interessante Thema von „Fanatiker, Pflichterfüller, Widerständig“. Die redaktionelle Leiterin des Jahrbuches, Christine Schindler, engte, vollkommen richtig, den großen Themenkreis örtlich auf Wien und Niederösterreich (seit 1939 „Niederdonau“) ein. Einige aus der Vielzahl der interessanten Beiträge:  „Da ich heute um 5 Uhr erschossen werde“ von Stephan Roth; „Pflichterfüller, Handlungsfelder, Netzwerk“ von Claudia Kuretsidis-Haider oder „Von Flucht und Abschiebung zur Vertreibung“  von Wolfgang Schellenbacher.