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Wiener Mosaik

Kurznachrichten aus Österreich…

Von Peter Stiegnitz

Juden werden bedroht

„Juden werden heute in Europa wieder bedroht, sie leben unter Polizeischutz und verlassen unseren Kontinent“. Das können wir nicht hinnehmen. Eindeutiger geht es wahrlich nicht, wie das der EU-Abgeordnete der ÖVP (Österreichische Volkspartei) Heinz K. Becker auf einer Tagung der „European Jewish Congress“ (EJC) erklärte. Auch Becker, im Gegensatz den naiven „Menschenbeglückern“ die immer noch der irrsinnigen „Willkommenskultur anhängen, fürchtet, dass „der Antisemitismus in Europa weiter zunehmen wird“. Die Ursache dieser Entwicklung sieht der konservative Politiker im islamistisch motivierten Antisemitismus, der durch den Flüchtlingsstrom verschärft wird“. Das prinzipielle Problem der EU in dieser Frage zeigt sich sowohl durch den von den Sozialdemokraten verhinderten Maßnahmenplan gegen den europäischen Antisemitismus als auch in der einseitigen antiisraelischen Politik Brüssels. So erkennt Becker den „Unterschied des EU-Verhaltens gegenüber Israel im Vergleich mit Saudi- Arabien, Iran und der Türkei“.

Die Vergangenheit lebt

Mit, teils erschütternden Tonaufnahmen und Bildern erinnert das Wiener Technische Museum  an die Zeit des Holocaust in Österreich (1938-1945). Hier sieht man Bilder zerstörter und verwüsteter Synagogen und anderer jüdischer Einrichtungen, hört man Stimmen, wie die des in Israel geborenen und jetzt in Wien lebenden Historikers und Schriftstellers Doron Rabinovici. Der Kurator der Ausstellung, der Historiker Georg Traska, erstellte im Rahmen der „Mediathek“ einen „Stadtplan“ des jüdischen Lebens vor dem Holocaust und dem Terror während der NS-Barbarei. Zu Wort kam auch Waltraud Barton, die mehrere Familienmitglieder im berüchtigten Vernichtungslager Maly Trostinec verloren hat. Barton bemüht sich mit ihrem Projekt „IM-MER“ (Initiative Malvine – Maly Trostinec) die Erinnerung an diesen Ort der Schrecknisse wach zu halten.

„Fest der Freude“

Am 8. Mai 1945 kapitulierte die Wehrmacht. An diesen Tag erinnert ein öffentliches Konzert der „Wiener Philharmoniker“ auf dem Heldenplatz, wo 1938 abertausend Wiener den deutschen Einmarsch bejubelten. Jetzt wird dort das Ende der NS-Barbarei gefeiert und der Opfer des NS-Terrors gedacht. Gleichzeitig wird auch die Wiedergewinnung der Freiheit Österreichs gefeiert.

„Wiener Synagogen. Ein Memory“

Das Wiener Jüdische Museum zeigt in seiner Ausstellung „Wiener Synagogen. Ein Memory“ die Geschichte der Wiener Synagogen. Bis 1938 gab es in Wien nahezu einhundert Synagogen und Bethäuser. Fast alle wurden 1938 in der Reichspogromnacht zerstört. Die vielen jüdischen Gotteshäuser entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nachdem Kaiser Franz Joseph I. die Gründung einer Kultusgemeinde gewährte. In Kooperation mit den Architekten Bob Martens und Herbert Peter zeigt das Museum in dieser Ausstellung auch die virtuelle Rekonstruktion einstiger Gotteshäuser. (Bild oben aus der Ausstellung)

„Es war nicht  nur Zores …“

Mein alter Freund Robert H. ist zwar „Magister der Pharmazie“, doch sein Herz hängt nicht an Pillen und Medikamenten, sondern am Judentum und an der hebräischen Sprache. 1938 gelang der Familie die Flucht aus Wien. Mit seinen 95 Jahren (bis-100-und-20) erlebte und erfuhr er auch das Leben der Wiener Juden vor dem Anschluss und sagt er mir, „…es war nicht immer nur Zores …“  Genau daran dachte ich, als ich kürzlich informiert wurde, dass die „Freunde der jüdischen Literatur“ das Buch „Gauner, Grossklotz, Kesse Lola – Deutsch-Jiddische Wortgeschichten“ von Christoph Gutknecht (be.bra Verlag, Berlin-Brandenburg, 2016) zum „Buch des Monats“ erklärten. Dass vor allem in Wien häufig verwendete Wörter, wie „Zores“,  „Eizes“, „Meschugge“ und vieles mehr aus dem Jiddischen übernommen wurden das weiß jeder, aber dass auch Wörter wie „Polente“, „Betucht“, „Schmiere“ und andere auch gleichfalls ihre Sprachwurzeln im Jiddischen haben, war uns allen – Juden wie Nichtjuden – bisher unbekannte. Jetzt, nach diesem Buch nicht mehr.

Keine Restitution

Eine 95-jährige, jetzt in den USA lebende Jüdin und Erbin des Wiener Kunstsammlers Karl Mayländer wartet immer noch auf die Rückgabe von Zeichnungen Egon Schieles. Die alles andere als billigen Zeichnungen aus der Sammlung von im Holocaust enteigneten und ermordeten Karl Mayländers „befinden sich heute in der Sammlung „Leopold“, die sie freilich nicht herausgeben will“ – schreibt Christian Ortner in der „Wiener Zeitung“. Da die einschlägigen Gesetze nur für die staatlichen Bundesmuseen anwendbar sind, aber nicht für Privatstiftungen, muss die rechtmäßige Erbin auf ihr Eigentum immer noch warten. Aber wie lange kann eine 95-jährige Dame noch warten?