Dokumentarfilm-Klassiker

Claude Lanzmanns Arbeiten…

Claude LanzmannDer französische Produzent und Regisseur von Dokumentarfilmen wurde 1925 in Paris als Enkel jüdischer Immigranten aus Osteuropa geboren. Als Schüler nahm er den stärker um sich greifenden Antisemitismus deutlich wahr und wurde von seinem Vater, der in der Resistance aktiv war, darauf vorbereitet, sich in kritischen Situationen sichere Verstecke zu suchen. Claude Lanzmann nahm mit 18 Jahren an Partisanenkämpfen teil und griff die deutsche Besatzungsarmee an. Ab 1947 studierte er in Tübingen Philosophie. 1948 nahm er an der freien Universität in Berlin einen Posten als Lektor an und arbeitete als Leiter des neu gegründeten französischen Kulturzentrums.

Zusammentreffen mit Jean-Paul Sartre

Aufgrund einiger Artikel von Lanzmann, die in der Berliner Zeitung und in der französischen Zeitschrift Le Monde erschienen, wurde der Dramatiker und Philosoph Jean-Paul Sartre auf ihn aufmerksam und bot ihm die Mitarbeit an der Zeitschrift Les Temps modernes an, die von Sartre und der Schriftstellerin Simone de Beauvoir zusammen gegründet wurde.

Beziehung mit Simone de Beauvoir

Lanzmann und Sartre wurden Freunde. Auch Simone de Beauvoir trat in Lanzmanns Leben und sie begannen 1952 eine mehrere Jahre andauernde Liebesbeziehung. Auch nach der Beziehung blieben sie Freunde bis zum Tod von Beauvoir im Jahr 1986.

Die ersten Filme

Bis zum Jahr 1970 führte Lanzmann hauptsächlich journalistische Tätigkeiten aus. 1973 erschien sein erster Film „Warum Israel“, für den er sich mit seiner jüdischen Identität auseinander setzte. Ein Jahr später begann er an dem Dokumentarfilm „Shoah“ zu arbeiten, der 1985 erschien und sein bekanntestes Werk wurde. Beide Filme sind unter anderem auf medimops.de erhältlich.

Der Dokumentarfilm Shoah

Der neunstündige Film über den Holocaust beschränkt sich lediglich auf Interviews mit Zeitzeugen, Opfern und Tätern. Besonders wichtig war ihm die Zusammenarbeit mit Jan Karski, einem polnischen Widerstandskämpfer, der jedoch keinen Bericht abgeben wollte. Mit Briefen und Telefonaten versuchte ihn Lanzmann von der Idee zu überzeugen und seine historische Verantwortung wahrzunehmen. Nach über einem Jahr brach Karski erstmalig sein Schweigen und entschied sich für die Mitarbeit an dem Dokumentarfilm.

Die Dokumentarfilme „Sobibor“ und „Der letzte der Ungerechten“

1979 berichtete der Jude Yehuda Lerner über den Aufstand von Sobibór, der begann, als er einen deutschen Offizier erschlug. Das Material sollte ursprünglich für den Film „Shoah“ verwendet werden, wurde aber letztendlich für „Sobibor“ genutzt. Bei dem Aufstand konnten viele Menschen aus dem Lager entkommen, was zur Auflösung und Vertuschung des Lagers führte.

Der letzte der Ungerechten“ ist eine im Jahr 2013 erschienene Dokumentation über Benjamin Murmelstein, welcher der letzte Vorsitzende des Judenrates von Theresienstadt war.

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