Frische März Fernsehtipps

Vom 01. bis 15. März 2013…

Fr, 1. Mrz · 17:15-17:45 · PHOENIX
Ich lass mich nicht vertreiben – Standhalten gegen rechte Gewalt

Zuerst die Morddrohung an der Hauswand, dann Hetze im Internet, schließlich der Anschlag gegen sein Haus. Jörg ist Zielscheibe von Neonazis in einem kleinen Ort, weil er rechten Umtrieben nicht tatenlos zusieht. Jörg dreht auch selbst mit einer kleinen Kamera und dokumentiert beispielsweise Anschläge auf sich und seine Familie. 37 Grad begleitet Jörg und seine Lebensgefährtin über acht Monate hinweg. Der Film zeigt, wie mühsam ihr Engagement gegen Rechts ist und wie viel Mut es bedarf, standzuhalten und nicht zu gehen.Drehbericht des 37 Grad-Autors Klaus Balzer: Wenn es bei Dreharbeiten um Neonazis geht, weiß man nicht, worauf man sich einlässt. Um es gleich vorweg zu sagen: Es kam zu keiner Konfrontation mit Rechtsradikalen. Wir haben es auch nicht darauf angelegt, unser Kernthema war ein anderes, doch wie gesagt: Man weiß nie. Für unseren Film ist die Tatsache, dass es zu keiner Konfrontation kam, gleichermaßen gut wie schlecht. Schlecht, weil wütende, glatzköpfige Neonazis, brüllende Gegendemonstranten und ein massives Polizeiaufgebot natürlich spektakuläre Bilder ergeben. Gut ist es, weil es mir darauf ankam, genau diese stets mitschwingende, latente Gefahr zu erspüren, mit der Menschen leben, die sich gegen Rechtsradikalismus engagieren. Als ich unsere Protagonisten Jörg und Petra kennen lernte, war es schon längere Zeit ruhig in Zossen. Ein führender Neonazi war in erster Instanz zu mehr als drei Jahren Gefängnis verurteilt worden, ein anderer saß schon hinter Gittern. Jörg und Petra waren entspannt, erzählten von den vergangenen drei Jahren, in denen es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen mit der rechtsradikalen Szene gekommen war. Das Paar hat das alles sorgfältig dokumentiert, gefilmt und archiviert. Das brachte uns auf die Idee, ihnen eine kleine Kamera zu geben, mit der sie die Zeiten, in denen wir nicht bei ihnen in Zossen sein konnten, ebenfalls dokumentierten ? als eine Art Video-Tagebuch. Diese Entscheidung war Gold wert. Hinschauen, wo andere wegsehenZossen ist eine kleine Stadt mit knapp 18.000 Einwohnern, in der nahezu jeder jeden kennt. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich Fronten bilden. Dass dies allerdings auch den Kampf gegen Neonazis betrifft, hat mich überrascht. Es geht ja nicht um eine alltägliche politische Auseinandersetzung, in der kontroverse Debatten üblich sind. Doch Zossen scheint gespalten: Hier diejenigen, die sich engagieren, auf der anderen Seite die, die dieses Engagement zumindest beargwöhnen. Nicht, weil es selbst Nazis sind, sondern weil die Sorge besteht, Zossen könnte in der Außendarstellung in ein schlechtes Licht gerückt werden, wenn man das Problem deutlich benennt. Dies betrifft vor allem die Auseinandersetzung zwischen der Bürgermeisterin und der Initiative Zossen zeigt Gesicht, deren Sprecher Jörg Wanke ist. Zwischen beiden herrscht Funkstille. Wir haben den Eindruck, dass hier einer wie Jörg Warnke zum Buhmann gemacht wird, weil er hinschaut, wo andere lieber wegsehen. Die Gespräche mit Jörg und Petra machten mir vor allem eines deutlich: Es ist nicht nur die direkte Konfrontation mit Rechtsradikalen, die mir großen Respekt abfordert. Sondern vor allem der Alltag von Menschen, die nicht nachlassen, auch dann nicht, wenn gerade keine akute Gefahr besteht.

Fr, 1. Mrz · 21:00-21:45 · WDR
Lichters Schnitzeljagd

Horst Lichters kulinarische Entdeckungsreise geht weiter: Mit dem Motorrad ist er wieder in Nordrhein-Westfalen unterwegs – von Hinweis zu Hinweis und von Topf zu Topf. Der Ausflug führt ihn diesmal in den Kölner Nobelstadtteil Marienburg. Dort geht er zwei jungen Damen zur Hand, die sich mit einem Kiosk selbständig gemacht haben. Die Spezialität der beiden: Feine Suppen aus einer uralten Gulaschkanone. Richtig koscher geht es dagegen bei seinem nächsten Abstecher zu. In Bonn hilft er einer jüdischen Familie bei den Essensvorbereitungen für den Sabbat – und lernt nebenher viel über die jüdische Kultur.

Sa, 2. Mrz · 16:30-17:00 · HR
Der schmale Grat – Wer oder was ist ein Antisemit?

Mit der Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an die Schriftstellerin Mirjam Pressler und das Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt wird an diesem Wochenende in Kassel die „Woche der Brüderlichkeit“ eröffnet. Dann geht es wieder in zahlreichen Veranstaltungen und Sonntagsreden um das viel diskutierte „deutsch-jüdische“ Verhältnis. Aber die wiederholte Kritik an der israelischen Politik, die Beschneidungsdebatte und die aktuelle Antisemitismus-Debatte „Broder versus Augstein“ zeigt, wie dünn das Eis, wie fragwürdig der vermeintliche Konsens ist. Gast im Studio ist Historiker Michael Wolffsohn. Moderation: Meinhard Schmidt-Degenhard Sind alle gleich Antisemiten, die kritisch Israels Politik hinterfragen? Ist das Schlagwort vom „Antisemitismus“ zur intellektuellen Keule geworden? Denn egal wie: Es trifft immer und jeden, und immer bleibt etwas hängen. Das Verhältnis der Deutschen zu Israel ist ein verkrampftes, in dem sich unversöhnlich zwei Lager gegenüberstehen. Die einen schrecken zusammen und wittern gleich Antisemitismus, wenn von Deutschland aus Kritisches gegen Israel geäußert wird. Die anderen nutzen allzu gern die Kritik als Vorwand für die eigenen Vorurteile, nach dem Motto „Das darf man doch wohl noch sagen dürfen!“ Immerhin ist Antisemitismus in Deutschland ein ernstzunehmendes Problem, das nach jüngsten Studien auch in der Mitte der Gesellschaft tief verwurzelt ist. Je nach Lesart sollen etwa zwanzig bis dreißig Prozent der Deutschen latent antisemitisch eingestellt sein. Zudem ist eine ansteigende Judenfeindlichkeit vor allem unter muslimischen Jugendlichen wahrzunehmen. Wie bedeutet all dies für das Selbstverständnis von Juden in Hessen? „Horizonte“ begleitet zwei junge Juden in ihrem Alltag, geht der Frage nach, was Antisemitismus eigentlich ist, und porträtiert die diesjährigen Preisträger der Buber-Rosenzweig-Medaille.

Sa, 2. Mrz · 17:35-18:01 · arte
Verschollene Filmschätze: 1936. Olympische Spiele in Berlin

„Verschollene Filmschätze“ ist eine Sammlung bedeutender historischer Aufnahmen. Seit mehr als einem Jahrhundert dokumentieren Bild und Film die wichtigsten Geschehnisse der Weltgeschichte. Seit ihrer Erfindung war die Kamera bei allen entscheidenden und bedeutenden Ereignissen dabei. ARTE zeigt die Dokumentationsreihe „Verschollene Filmschätze“ jeweils samstags gegen 17.40 Uhr. Heute: 1936. Olympische Spiele in Berlin Berlin, 1. August 1936. Ein Samstag. In dem modernen, monumentalen Berliner Sportstadion, das 100.000 Personen fasst, eröffnet Reichskanzler Adolf Hitler die Olympischen Sommerspiele, offiziell „Spiele der XI. Olympiade“ genannt. Trotz der zahlreichen Boykottaufrufe, unter anderem in den USA, hat es nie zuvor so viele teilnehmende Länder beziehungsweise Athleten gegeben. Wie wurden die schwarzen amerikanischen Sportler, deren Leistungen mit besonderer Spannung erwartet wurden, im rassistischen totalitären Regime empfangen? Welche Bedeutung maßen Hitler und andere führende Nazis diesen Spielen bei? Welche Propagandamittel setzten sie ein, und wie bedienten sie sich der Medien? Und unter welchen Bedingungen durften die ausländischen Journalisten über das sportliche Großereignis berichten?

So, 3. Mrz · 11:30-12:45 · HR
Der Zukunft ein Gedächtnis – Zentrale Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit 2013

Die alljährlich Anfang März stattfindende „Woche der Brüderlichkeit“ beginnt in diesem Jahr mit einer „Zentralen Eröffnungsfeier“ im Staatstheater Kassel. Im Rahmen dieser Feierstunde wird auch die Buber-Rosenzweig-Medaille 2013 vergeben. Ausgezeichnet werden das Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt am Main, das sich als Studien- und Dokumentationszentrum mit der historischen und poltischen Wirkung des Holocaust beschäftigt, und die Schriftstellerin Mirjam Pressler, die in ihren Kinder- und Jugendbüchern jüdisches Leben auf ebenso spannende wie anschauliche Weise ihren Lesern nahebringt. Moderation: Meinhard Schmidt-Degenhard Die Laudatio auf die Preisträger hält Charlotte Knobloch, ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland. Traditionsgemäß bildet die „Zentrale Eröffnungsfeier“ den Auftakt zur „Woche der Brüderlichkeit“, in deren Rahmen an vielen Orten in Deutschland Veranstaltungen stattfinden zum jüdisch-christlichen Gespräch sowie zum interreligiösen Dialog.

So, 3. Mrz · 20:15-21:30 · 3sat
Shahida – Allahs Bräute

21. März 2002: Es ist Muttertag. Kahira macht Frühstück für ihre vier kleinen Kinder, umarmt sie und schickt sie in die Schule. Wenig später machen sich Kahira, eine andere junge Frau und ein Mann auf den Weg nach Jerusalem. Als sie die Stadt erreichen, mischen sich die beiden Frauen unter die Menge, kaufen Blumen und beobachten die angrenzenden Straßen. Dann zerreißt eine ohrenbetäubende Explosion die Luft. Die Innenstadt versinkt im Chaos. Später in der Nacht wird Kahira von israelischen Soldaten festgenommen. Drei Menschen kamen bei der terroristischen Attacke ums Leben, 80 wurden verletzt. Kahira wird zu dreimal Lebenslänglich verurteilt. Sie kommt ins Hasharon-Gefängnis in Israel, einen Sicherheitstrakt für weibliche Gefangene, zumeist Palästinenserinnen. Alle waren in Selbstmordattentate verwickelt. Die Autorin und Regisseurin Natalie Assouline, eine israelische Jüdin, begibt sich zu diesen Frauen – um zu verstehen, nicht um zu verurteilen. Sie hat eine intensive Beziehung zu den gefangenen Frauen aufgebaut und darf ohne Beschränkung durch die Gefängnisleitung drehen. Die meisten Täterinnen sind zwischen 25 und 30 Jahre alt, sie haben ihr ganzes Leben noch vor sich. Einige sind Mütter, haben Familien. Eine von ihnen ist schwanger. Es stellt sich die Frage: Warum setzten diese Frauen alles aufs Spiel? Was hat sie dazu gebracht, Allah über alles, auch über die eigenen Familien und ihre Kinder zu stellen, ihren Neugeborenen ein Leben im Gefängnis zuzumuten oder als Schwangere einen Anschlag auf eine Kinderkrippe zu verüben? Der bei diesen Besuchen entstandene Dokumentarfilm „Shahida – Allahs Bräute“ spiegelt den Widerspruch und den inneren Konflikt, den man angesichts dieser Frauen empfindet. Man ist hin- und hergerissen zwischen Anteilnahme, manchmal Mitgefühl oder gar Verständnis bis hin zu völligem Unverständnis, zu Abscheu und Wut angesichts ihrer grausamen Taten und Morde.

Mo, 4. Mrz · 00:05-01:45 · Das Erste (ARD)
Ghetto

Joshua Sobols berühmtes Theaterstück „Ghetto“ wurde – geschrieben auf Hebräisch – 1984 in Israel uraufgeführt und bis heute in 20 Sprachen übersetzt und überall auf der Welt aufgeführt. Sobol schrieb auch selbst das Drehbuch zu dieser ersten deutsch-litauischen Koproduktion. Der Film erzählt die Geschichte des jüdischen Theaters im Wilnaer Ghetto während der Nazi-Okkupation im Zweiten Weltkrieg. Winter 1941/42. Eine fatale und unmögliche Anziehung zwischen dem Nazioffizier Kittel (Sebastian Hülk) – Schauspieler und Jazzliebhaber – und der ehemaligen jüdischen Starsängerin Haya (Erika Marozsan) führt zur Wiederbelegung des Theaters mitten im Wilnaer Ghetto. Gens (Heino Ferch), der Chef der jüdischen Ghetto-Polizei, benutzt dieses Theater, um so viele Menschenleben wie möglich zu retten, gerät dabei aber in unlösbare moralische Verstrickungen. Um seinen eigenen Fronteinsatz zu verhindern, bewahrt Kittel das Ghetto immer wieder vor der totalen Liquidation, es kommt aber zu etlichen Massenexekutionen, die auch Gens nicht verhindern kann. Jeden Tag aufs Neue spielen die Schauspieler um ihr Überleben …

Mo, 4. Mrz · 03:55-04:48 · arte
Georg Kreisler gibt es gar nicht

Am 18. Juli 2012 wäre er 90 Jahre alt geworden – der Liedermacher, Kabarettist, Opernkomponist, Theaterregisseur und Romanautor Georg Kreisler. Neben Kreislers Witwe, der Schauspielerin und Sängerin Barbara Kreisler-Peters, berichten auch Eva Menasse, Daniel Kehlmann und Konstantin Wecker von ihren Erlebnissen mit Georg Kreisler und zeichnen so das faszinierende Bild eines vielschichtigen und begabten Künstlers. In der Dokumentation „Georg Kreisler gibt es gar nicht“ geht Grimme-Preisträger Dominik Wessely dem umfangreichen Liederwerk sowie dem verschlungenen Lebenslauf des am 22. November 2011 verstorbenen Georg Kreisler nach und stellt beide in einen zeitgeschichtlichen Kontext: Denn in Kreislers Liedern spiegelt sich ebenso viel Biografisches wie Historisches. „Ein Leben in Liedern“ könnte das Motto dieses Films deshalb auch lauten; ein Dutzend Kreisler-Lieder aus fünf Jahrzehnten bilden den roten Faden der Erzählung. Neben Kreislers Witwe, der Schauspielerin und Sängerin Barbara Kreisler-Peters, berichten auch die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse, Daniel Kehlmann und Konstantin Wecker von ihren Erlebnissen mit Georg Kreisler und zeichnen so das faszinierende Bild eines vielschichtigen und vielbegabten Künstlers, der bei vielen Zeitgenossen als „schwierig“ galt. Einen „Meister der kleinen Form“ nennt ihn Eva Menasse, die ihn für seine Dichtkunst mindestens ebenso sehr verehrt wie für seine Musik. Denn so zutreffend Eva Menasses Zuschreibung „Meister der kleinen Form“ auch ist – Kreisler selbst hätte sie wohl gehasst, roch sie ihm doch verdächtig nach Abschiebung in die Kleinkunst, nach Brettl-Bühne und Pianobar-Unterhaltung. Zeit seines Künstlerlebens hat Georg Kreisler versucht, diesem Milieu zu entkommen: Schon in seiner Jugend erhielt der 1922 in Wien geborene Kreisler Klavier-, Kompositions- und Dirigierunterricht. Arnold Schönberg wollte ihn als Schüler in seine Klasse aufnehmen, was aber an Universitätsformalitäten scheiterte. Das war im Jahr 1939, Kreisler war gerade einmal 17 Jahre alt und lebte wie Schönberg in Hollywood im amerikanischen Exil. Nachdem die Nationalsozialisten in Österreich einmarschiert waren, war auch für die jüdische Familie Georg Kreislers jede Hoffnung auf Normalität im Dritten Reich verloren. Im Herbst 1938, kurz vor den Pogromen, der sogenannten Reichskristallnacht, entkamen die Kreislers ihren Häschern im letzten Augenblick. Der erzwungene Gang ins Exil war für Georg Kreisler der Beginn einer ruhelosen Wanderschaft, die bis an sein Lebensende anhalten sollte: Wien – Los Angeles – New York – Wien – München – Wien – Berlin – Salzburg – Basel – Salzburg, so lauten nur einige seiner Lebensstationen aus sieben Jahrzehnten. „Zu Hause bin ich in der deutschen Sprache“, hat er einmal gesagt. Sein zweites Zuhause war die Musik. Mehrere Hundert Lieder hat er im Laufe seines langen Lebens komponiert, dazu zwei Opern, mehrere Musicals, und – erst vor Kurzem wiederentdeckt – Kammermusik für Klavier und kleines Orchester. Die Lieder sind es, die ihn berühmt gemacht haben, in ihnen hat er zu unserer allerbesten Unterhaltung seine bitterböse, melancholische, träumerische Weltsicht formuliert: „Tauben vergiften im Park“ (das eigentlich „Frühlingslied“ heißt), „Bidla Buh“, „Zwei alte Tanten“, „Telefonbuchpolka“, „Als der Zirkus in Flammen stand“, „Das Triangel“, „Max auf der Rax“, „Der Bluntschli“ – das sind nur einige der Titel, mit denen er ab Mitte der 50er-Jahre berühmt geworden ist. Dabei ist Georg Kreisler viel mehr als der Wiener Liedermacher mit dem berüchtigten schwarzen Humor. Für Daniel Kehlmann ist er ein großer surrealistischer Dichter, dessen Liedtexte er zum Besten zählt, was in der deutschsprachigen Lyrik geschrieben worden ist – auf einer Stufe mit Heinrich Heine.

Mo, 4. Mrz · 15:25-15:51 · arte
Verschollene Filmschätze: 1945. Die Konferenz von Jalta

„Verschollene Filmschätze“ ist eine Sammlung bedeutender historischer Aufnahmen. Seit mehr als einem Jahrhundert dokumentieren Bild und Film die wichtigsten Geschehnisse der Weltgeschichte. Seit ihrer Erfindung war die Kamera bei allen entscheidenden und bedeutenden Ereignissen dabei. ARTE zeigt die Dokumentationsreihe „Verschollene Filmschätze“ jeweils samstags gegen 17.40 Uhr Heute: 1945. Die Konferenz von Jalta. Die Dokumentation beginnt im Februar 1945 auf der Halbinsel Krim, dem südlichsten Zipfel der Ukraine. Der Krieg wütet nach wie vor in Europa. Der britische Premierminister Winston Churchill und der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt haben London bzw. Washington D.C. heimlich verlassen. Sie begeben sich zu einem Gipfeltreffen mit Josef Stalin, dem Mann an der Spitze der UdSSR. In einem Palast in der Nähe des Badeortes Jalta besprechen die drei gegen Nazideutschland verbündeten Staatschefs, wie der Krieg beendet und die Zeit danach vorbereitet werden kann. Vor einem der letzten Gespräche posieren die Politiker mit breitem Lächeln für Fotografen und Kameramänner, um diesen Augenblick der – zumindest offiziell – perfekten Eintracht für immer festhalten. Aber konnten sie damals wirklich ihre unterschiedlichen Interessenlagen überwinden und sich einigen? Warum entschieden sie sich für ein geheimes Treffen im hintersten Winkel Europas, zu dem die Presse keinen Zutritt hatte? Und wer waren dann die Reporter, deren Bilder von der Krim die einzigen Aufnahmen der sogenannten „Konferenz von Jalta“ darstellen?

Mo, 4. Mrz · 22:50-00:25 · MDR
Mein Kriegswinter

Januar 1945 in einem niederländischen Dorf in der von den Nazis besetzten Provinz Overijssel: Durch die vereisten Fenster seines Zimmers beobachtet der 14-jährige Michiel van Beusekom (Martijn Lakemeier) den Absturz eines Flugzeuges im nahe gelegenen Wald. Es ist eine Maschine der britischen Air Force, aus der sich einer der Piloten rettet und dabei einen herbeigeeilten deutschen Rekruten erschießt. Davon ahnt Michiel nichts, als er am nächsten Morgen gemeinsam mit seinem Freund Theo Knopper (Jesse van Driel) neugierig das Wrack untersucht und von Wehrmachtssoldaten festgenommen wird, während Theo entkommen kann. Im deutschen Hauptquartier gibt der Junge an, allein im Wald gewesen zu sein. Sein Vater Johan van Beusekom (Raymond Thiry), der örtliche Bürgermeister, will es sich mit den Besatzern nicht verderben und erwirkt die Freilassung des Sohnes. Michiel beobachtet misstrauisch die betont unparteiische Haltung seines Vaters, die er insgeheim für feige Tatenlosigkeit hält – erst recht, als Onkel Ben (Yorick van Wageningen) bei ihnen einzieht, in den Augen seines kleinen Neffen ein mutiger Widerstandskämpfer. Kurz darauf wird Michiel von Dirk Knopper (Mees Peijnenburg), Theos Bruder, ein verschwörerisches Kuvert zugespielt, das er dem Schmied Bertus van Gelder (Tygo Gernandt) übergeben soll. Doch bevor dies gelingt, wird Dirk von den Deutschen verhaftet und Bertus erschossen. Als der Junge das Schreiben nun selbst öffnet, findet er darin Angaben zu einem geheimen Waldversteck, in dem sich der britische Pilot Jack (Jamie Campbell Bower) vor den Nazis verbirgt. Michiel beschließt, diesem bei der Flucht in die Provinzhauptstadt Zwolle zu helfen, er weiht seine ältere Schwester Erica (Melody Klaver) und schließlich auch Onkel Ben in den gefährlichen Plan ein. Doch als die Flucht misslingt, muss Jack erneut untertauchen. Währenddessen entdeckt die Wehrmacht die Leiche ihres bei dem Absturz getöteten Soldaten. Um ein Exempel zu statuieren und den Widerstand der lokalen Bevölkerung zu brechen, wird eine Exekution angeordnet: Gemeinsam mit anderen unschuldigen Bürgern soll auch Michiels Papa öffentlich hingerichtet werden. Ein dramatischer Gewissenskonflikt, denn der Junge kann nur einen Menschen retten: seinen neuen Freund Jack oder den eigenen Vater.

Mo, 4. Mrz · 23:30-01:05 · SWR
Das Herz von Jenin

Am 5. November 2005 erschießt ein Soldat der israelischen Armee im Flüchtlingslager Jenin den zwölfjährigen palästinensischen Jungen Ahmed Khatib, der mit einem Plastikgewehr spielt. Trotz seines großen Schmerzes entscheidet sich sein Vater Ismael dafür, die Organe seines Sohnes israelischen Kindern zu spenden. Eine Geste des Friedens. Zwei Jahre später begibt sich Ismael Khatib auf eine Reise quer durch Israel, um die Kinder zu besuchen, die durch die Organtransplantationen gerettet werden konnten. Eine schmerzhafte und zugleich befreiende Reise, denn durch die Kinder kommt Ismael auch seinem Sohn wieder ganz nah. „Das Herz von Jenin“ führt die Zuschauer zu dem kleinen Beduinenjungen Mohammed in die Negev-Wüste; zu Samah, einer drusischen Teenagerin im Norden Israels und schließlich zu Menuha, der Tochter einer jüdisch-orthodoxen Familie aus Jerusalem. Dem Treffen mit Menuhas Familie schaut Ismael Khatib mit großer Anspannung entgegen, denn Menuhas Vater Yaakov hatte noch während der Transplantation gegenüber Reportern geäußert, er sei unglücklich darüber, dass seine Tochter nun mit dem Organ eines Arabers leben müsse. Eine Begegnung auch mit Menschen, die gelernt haben, mit dem alltäglichen Konflikt und der Gewalt umzugehen und trotzdem ihre Hoffnung auf Frieden nicht aufzugeben.

Di, 5. Mrz · 02:25-03:55 · arte
Das Recht der Macht

Die Entwicklung der militärischen Gesetzgebung in den Palästinensergebieten seit dem Sechstagekrieg von 1967 zwischen Israel und seinen Nachbarländern steht im Mittelpunkt des Dokumentarfilms. Sie stellt ganz grundsätzlich die Frage danach, ob sich Rechtstaatlichkeit und militärische Besatzung überhaupt miteinander vereinbaren lassen. Trotz der allgemeinen medialen Präsenz des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern bleibt das durch die israelische Verwaltung für die besetzten Gebiete geschaffene Rechtssystem weitgehend unbeachtet. Dabei ist das Recht in den Palästinensergebieten unabhängig von dem Recht, das auf dem eigentlichen Staatsgebiet Israels gilt. Seit den Gebietseroberungen im Sechstagekrieg im Jahr 1967 steht das Westjordanland unter Verwaltung des israelischen Militärs. Über Jahrzehnte hat sich dadurch ein kompliziertes System aus militärischen Gesetzen und Anordnungen entwickelt, das in seiner Beständigkeit einzigartig ist. Bei der Ausgestaltung der in einem juristischen Grenzbereich angesiedelten Rechtsetzung spielt das israelische Oberste Gericht eine entscheidende Rolle. Während das Gericht in Israel selbst als entschiedener Verfechter der Menschenrechte gilt, richtet es seine Entscheidungen bezüglich der besetzten Gebiete auch nach pragmatischen und militärstrategischen Erwägungen aus. Die Bevölkerung Israels hat in die juristische Verwaltung der Palästinensergebiete kaum einen Einblick. Doch für die Palästinenser ist die undurchsichtige Rechtslage im Alltag stets präsent. Durch diese Diskrepanz ergeben sich zahlreiche Konflikte.

Di, 5. Mrz · 13:55-15:21 · arte
Das verrückte Liebesleben des Simon Eskenazy

Der schwule jüdische Klarinettenspieler Simon Eskénazy hat ein aufregendes Leben. Als sich aber ein arabischer Transvestit in ihn verliebt, seine kranke Mutter sich bei ihm einquartiert und seine Ex-Frau ihn mit dem gemeinsamen Sohn besucht, wird es sogar ihm ein bisschen zu aufregend. Simon lebt in einem bunten Multi-Kulti-Stadtviertel in Paris. Er ist ein erfolgreicher Klarinettist, jüdisch und lebt nach der Trennung von seiner Frau offen schwul. Eines Nachts landet er mit dem arabischen Transvestiten Naïm im Bett. Der verliebt sich in Simon und ist von nun an nicht mehr so leicht loszuwerden. Die perfekte Gelegenheit bietet sich Naïm, als Simons kranke, aber nicht gerade pflegeleichte Mutter sich bei ihrem Sohn einquartiert. Naïm gibt sich kurzerhand als die Krankenschwester Habiba aus und kann von nun an ständig in der Nähe seines Angebeteten sein. Der hat aber noch ganz andere Sorgen: Eine stressige Konzerttournee steht an, und er muss seine Beziehung zu dem verklemmten Raphaël beenden. Zu allem Überfluss reist dann auch noch Simons Ex-Frau mit dem gemeinsamen Sohn und ihrem neuem Partner aus New York an.

Di, 5. Mrz · 17:30-18:22 · arte
Marie Curie

Marie Curies Leben und Werk sind ein Mythos – von ihrer Geburt in Warschau bis zu ihrer Überführung ins Pariser Panthéon. Doch trotz ihres internationalen Ruhms und ihrer exemplarischen Leistungen sind viele Seiten ihrer Persönlichkeit kaum bekannt. Michel Vuillermet porträtiert diese Ausnahme-Wissenschaftlerin, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts an den bahnbrechenden Entdeckungen der Physik beteiligt war und durch ihre Arbeiten über die Radioaktivität das Verständnis von Welt und Materie von Grund auf veränderte. Vor rund hundert Jahren, im Dezember 1911, wurde Marie Curie der Chemie-Nobelpreis für ihre Arbeiten zum Radium überreicht. Marie Curie wurde 1867 in Warschau als Maria Salomea Sklodowska geboren. Da ihr als Frau die polnischen Universitäten verschlossen blieben, ging sie 1891 nach Paris, um ihre bis dahin überwiegend autodidaktisch betriebenen wissenschaftlichen Forschungen fortzusetzen. Sie ist die bisher einzige Frau, die zwei Nobelpreise erhielt, die erste Frau, die auf einen Sorbonne-Lehrstuhl berufen wurde, und die einzige Frau, die für ihre Verdienste im Pariser Panthéon bestattet wurde. Leben und Werk Marie Curies sind vorbildlich, einzigartig und legendär. Aber was für ein Mensch verbirgt sich hinter dem Klischeebild der berühmten und verdienstvollen Forscherin? Filmemacher Michel Vuillermet sucht in seinem Porträt nach den weniger bekannten Seiten Marie Curies, nach ihrer – auch weiblichen – Sensibilität, ihrem Mut, ihren Werten, Kämpfen und Zweifeln. Denn das Leben hat der Wissenschaftlerin hart zugesetzt: vom Exil bis zum Krieg, vom Verlust geliebter Menschen bis zur Krankheit, von der Fremdenfeindlichkeit, die ihr entgegenschlug, bis zu Intrigen, die gegen sie gesponnen wurden. Ihre polnische Herkunft und ihre Abstammung von einem zum Christentum konvertierten jüdischen Vater wurden ihr vorgeworfen. Doch mit Entschlossenheit und Standhaftigkeit gelang es ihr, sich gegen Hindernisse und rückständige Gesinnungen durchzusetzen. Indem sie die Wissenschaft entschieden in den Dienst der Menschheit stellte und sich ohne jeden Dünkel über die Konventionen und Grenzen ihrer Zeit hinwegsetzte, verkörpert sie heute mehr denn je ein Ideal von Freiheit, Toleranz und kritischem Denken.

Di, 5. Mrz · 21:00-21:45 · HR
Jüdisches Leben in Hessen

Videoüberwachung, Polizeipräsenz, Sicherheitskontrollen statt offener Tore: Jüdisches Leben findet in Hessen zumeist hinter dicken Mauern statt – leider, sagen viele Juden, darunter die Frankfurterin Esther Ellroth-Freimann, die Führungen durch die Westend-Synagoge organisiert. Dialog ist ihr wichtig, Vorurteile abbauen – und das funktioniert nur über das Kennenlernen. Wer weiß schon, dass in einer Seitenkapelle der Synagoge junge orthodoxe Männer aus Israel, den USA und verschiedenen Ländern Europas zum Rabbiner ausgebildet werden? Seit zehn Jahren schon besteht die Talmudschule, neben dem Thora-Studium sollen die Schüler den Mitgliedern der Gemeinde helfen, sich in ihrer Religion zurecht zu finden. Der jüdische Alltag wird von einer Vielzahl religiöser Regeln und Handlungen bestimmt. Koshere Lebensmittel gibt es jetzt endlich in einem vor Kurzem eröffneten jüdischen Supermarkt. Sohar Gur, der ein kosheres Restaurant in Frankfurt betreibt, hatte diese Geschäftsidee. Sein Restaurant wird vor allem bei Familienfeiern und von Geschäftsleuten besucht, aber er betont, dass ihm jeder Gast willkommen ist. In Kassel lebt die Künstlerin Rita Ostrowskaja, die aus der Ukraine hierher kam. Dort war sie eine preisgekrönte Fotografin, hier ist es für sie schwer, einen Platz zu finden. Ihr Glaube ist fester Bestandteil der keramischen und fotografischen Arbeiten. Die Keramik im Schaufenster positioniert sie aber so, dass man die hebräischen Inschriften von außen nicht sieht – Angst statt Dialog. Den sucht auch der Kasseler Künstler Horst Hoheisel mit einem besonderen Denkmal. In den 1980er Jahren entwarf er im Auftrag der Stadt ein Mahnmal für einen von den Nazis zerstörten Brunnen, den der jüdische Unternehmer Aschrott gestiftet hatte. Was einst zwölf Meter in die Luft ragte, reicht heute zwölf Meter in die Tiefe – ein Denkmal, das man nicht sieht, teuer dazu und mit Folgekosten. Damals schlugen die Wogen hoch. Hoheisel selbst befreit den Brunnen bis heute monatlich vom Zivilisationsmüll. Dabei kommt er immer wieder mit Passanten ins Gespräch. Dieser Dialog, so sagt er, ist wichtiger Teil des Denkmals.

Di, 5. Mrz · 23:15-00:07 · arte
Fliegen heißt Siegen – Die verdrängte Geschichte der Deutschen Lufthansa

Die nach dem Zweiten Weltkrieg neu gegründete Deutsche Lufthansa gilt als Vorzeigeunternehmen der Bundesrepublik. Doch sie hat eine Vorgeschichte. Filmemacher Christoph Weber analysiert die Zusammenhänge, die das Vorläuferunternehmen der heutigen Fluggesellschaft mit dem Nationalsozialismus verbinden. Zahlreichen deutschen Unternehmen fällt der Umgang mit der eigenen Rolle im Dritten Reich auch heute noch schwer – und immer noch sind viele Fälle nicht erzählt. Wie jener Fall der Deutschen Lufthansa. Sie verweist in der Regel darauf, dass sie als Unternehmen erst seit 1955 existiert, also seit der Wiederaufnahme des Flugbetriebs nach dem Zweiten Weltkrieg und so gar keine Vergangenheit im NS-Regime haben kann. Gegründet wurde sie aber in der Nachkriegszeit mit dem Namen, dem Emblem – und einem Teil des leitenden Personals – jener Lufthansa, die es zwischen 1926 und 1945 gab. Und zu deren Geschichte gehört auch, dass 1933, unmittelbar nach der Machtergreifung der Nazis, unter der Maske der zivilen Luftfahrt die Vorbereitungen für einen Angriffskrieg der völlig neuen Dimension beginnen. Die strengen Auflagen des Versailler Vertrags verbieten es dem Deutschen Reich, eine eigene Luftwaffe aufzubauen. Aus diesem Grund trifft Hitler ein Abkommen mit dem Vorstand der deutschen „Lufthansa“. Unter dem Vorwand der friedlichen Nutzung sollen Linienflugzeuge produziert werden, die später mit einfachen Mitteln zu Bombern umgerüstet werden können. Diese modernen Flugzeuge werden der „Lufthansa“ zur Verfügung gestellt, die darauf ihre – zunächst noch zivilen – Piloten schult. Und noch eine weitere Aufgabe fällt der „Lufthansa“ in Hitlers Eroberungsplänen zu. Sie soll im Kriegsfall hinter den Linien die Wartung und Reparatur der Flugzeuge übernehmen. Dafür werden in den besiegten und besetzten Gebieten in Osteuropa auch einheimische Arbeitskräfte rekrutiert – und in zunehmendem Maße Zwangsarbeiter eingesetzt

Mi, 6. Mrz · 03:20-04:38 · arte
Hitler, Mussolini und ich – Ein Mensch in einer Zeit der Übermenschen

Der junge Intellektuelle Bandinelli steht zwar der italienischen Gesellschaft kritisch gegenüber, ist aber kein Faschist. Doch als Hitler Mussolini in Italien besucht, wird Bandinelli zum Fremdenführer zweier Diktatoren. Er hat seine Erlebnisse damals in einem Tagebuch festgehalten. Bandinelli, ein junger italienischer Intellektueller aus adliger Familie, war direkter Zeuge des faschistischen Triumphzuges. Als Gegner der damaligen Regierung lebte er von der Gesellschaft zurückgezogen, und nichts schien ihn dafür zu bestimmen, irgendeine Rolle im faschistischen Regime zu spielen. Doch als der Besuch des deutschen Diktators Adolf Hitler bei seinem italienischen Pendant Benito Mussolini anstand, wurde der kultivierte Aristokrat Bandinelli als Touristenführer für die beiden eminenten Vertreter des europäischen Faschismus engagiert. Bandinellis Tagebucheinträge zeugen von seiner persönlichen Entwicklung und den Veränderungen innerhalb der italienischen Gesellschaft während des Zweiten Weltkrieges und den 15 Jahren danach.

Mi, 6. Mrz · 22:45-00:15 · Das Erste (ARD)
Töte zuerst – Der israelische Geheimdienst Schin Bet

Der Schin Bet ist der Inlandsgeheimdienst Israels, zuständig für die innere Sicherheit Israels und der seit 1967 besetzten Gebiete, nämlich das Westjordanland und Gaza. Die Identität der Schin-Bet-Mitarbeiter ist geheim – das Motto des Dienstes: die unsichtbaren Verteidiger. Erstmals treten in dem Dokumentarfim „Töte zuerst“ (engl. „The Gatekeepers“) alle sechs noch lebenden ehemaligen Schin-Bet-Chefs vor die Kamera und berichten offen und auch zum Teil selbstkritisch über ihre Arbeit. Über Erfolge und Niederlagen, darüber, wie sie den Sicherheitsapparat nach dem Sechstagekrieg aufbauten und zu einem der ausgeklügeltsten Überwachungssysteme der Welt machten. Sie sprechen unverhohlen über gezielte Tötungen von Palästinenserführern, über Bombenabwürfe auf Gaza, aber auch über den Terror ultraorthodoxer Juden, die den Tempelberg sprengen wollten. „Wenn einer kommt, Dich zu töten, dann steh auf und töte ihn zuerst“, so das Motto. Sie berichten über Zweifel an der politischen Führung Israels, darüber, dass ihrer Meinung nach Regierung nach Regierung ziellos und ohne klare Strategie agierte. Niemals erzählten sie so offen und unverblümt. Ihr Fazit: Israels Zukunft ist düster, Jerusalem gewinne zwar jede Schlacht, verliere aber den Krieg. Und die Israelis seien grausam geworden – nicht nur zu den Palästinensern, auch zu sich selbst. Derzeit läuft der Film in israelischen Kinos. Schockiert erleben viele Menschen in Israel, dass aus dem Zentrum der Macht harsche Kritik an der israelischen Politik laut wird, wie sie sonst nur von der linken Opposition kommt. „Diese Kritik an der israelischen Politik können die Leute nicht mehr ignorieren. Diese Worte kommen nicht von Amos Oz oder David Grossman, auf die die Konservativen eh nicht hören. Man mag diese Männer verehren oder verabscheuen – doch sie wissen auf jeden Fall mehr als jeder andere im Staat Israel, was wirklich vorgeht. Sie sind Pragmatiker und sie lieben ihr Land“, so Regisseur Dror Moreh. Der 51-jährige Moreh, selbst ehemaliger Soldat einer Geheimeinheit, beschäftigt sich schon lange in seinen Filmen mit israelischer Politik. Während der Dreharbeiten zu seinem Dokumentarfilm über Ariel Sharon (Das Erste, 2008) erklärte Sharon ihm, wie wichtig das Urteil des Schin-Bet-Chefs sei, obwohl dieser Sharons Politik sehr kritisch beurteilte. Sharon gab zu erkennen, dass diese Kritik ihn im Innersten traf, kam sie doch aus dem Herzen des Sicherheitsapparates – aus berufenem Munde. Da wusste Moreh, das er einen Film über diese Männer im Zentrum der israelischen Macht machen wollte, deren einzige Aufgabe die Palästinenser und die israelische Sicherheit sind. Der ehemalige Schin-Bet-Chef Ami Ayalon sagte Moreh sofort zu, bei einem solchen Projekt mitzuwirken. Nach und nach bekam Moreh auch Kontakt zu den anderen ehemaligen noch lebenden Schin-Bet-Chefs: Avraham Shalom, Carmi Gillon, Yaakov Peri und Avi Dichter. Zuletzt willigte auch der bis 2011 amtierende Chef Yuval Diskin ein, nach Ende seiner Amtszeit im März 2011 ein Interview zu geben. Yuval Diskin erklärte in einem weiteren Interview mit Moreh, warum er für den Film vor die Kamera ging: Die gegenwärtige israelische Regierung sei ängstlich, sprunghaft und entscheidungsscheu. „In Israel herrscht eine Führungskrise. Unter Missachtung sämtlicher Werte werde die Öffentlichkeit verachtet“, das habe er aus nächster Nähe erlebt. Der NDR war von Anfang an eng in das Projekt „Töte zuerst“ involviert. Aufgrund der ersten Interviews, die Moreh ohne Kamera, nur mit dem Bandgerät machte, beschloss der NDR, Koproduktionspartner in diesem Projekt zu werden. Gemeinsam mit Itay-Nevo Landsberg vom israelischen Fernsehen IBA und Marianne Levy-Leblanc von ARTE France hat NDR Redakteurin Barbara Biemann mit Regisseur Dror Moreh das komplette Rohmaterial gesichtet und eine Struktur für den Film erarbeitet. Der NDR war an allen Produktionsschritten maßgeblich redaktionell beteiligt. Die Zusammenarbeit mit Dror Moreh und Produzentin Philippa Kowarski war sehr kooperativ und vertrauensvoll. Das größte Problem war es, das umfangreiche Material zu ordnen, eine Erzählstruktur zu finden, die ein internationales Publikum nicht überfordert – und zu kürzen. Dror Moreh scherzt manchmal, er habe sein Herz, die Nieren, ein Arm und ein Bein im Schneideraum verloren. Inzwischen feiert der Dokumentarfilm Erfolge auf der ganzen Welt. Die National Society der Film Critics der Vereinigten Staaten verlieh ihm unlängst den Preis als bester Dokumentarfilm des Jahres. Die Acadamy of Motion Pictures nominierte „Töte zuerst“ für den Oscar in der Kategorie „Dokumentarfilm“. Die Verleihung der 85. Academy Awards findet am 24. Februar in Hollywood statt.

Do, 7. Mrz · 04:50-05:20 · HR
Entweder Broder – Die Deutschland Safari! 4/5

„Nie wieder Krieg!“ ist eine ehrenwerte Parole. Aber muss es nicht eher heißen: Nie wieder Unfreiheit!? Diese Frage stellen sich Henryk und Hamed. Wie sehr sorgt sich die deutsche Friedensindustrie wirklich um Menschenrechte? Hupen für den Frieden, Lachen für den Frieden, Radfahren für den Frieden. Henryk und Hamed treffen auf Hobby-Peaceniks und Friedensprofis, auf Friedensgewinnler und Friedenstreiber. Die sammeln sich auf dem Schlachtfeld von Verdun, halten sich an den Händen und singen für den Weltfrieden, denn mit nichts weniger wollen sie sich zufrieden geben. Staunend erfahren Henryk und Hamed, dass Frankreich eine Diktatur ist, die Opposition in Deutschland nichts zu sagen hat und man schon bis nach Weißrussland fahren muss, um ein sozialistisches Musterland zu finden. Spielverderber Henryk und Hamed halten hartnäckig daran fest, dass Frieden und Menschenrechte nicht voneinander zu trennen sind und versauen mit dieser Meinung die ganze schöne Friedensstimmung. Zurück in Berlin: Der Regisseur und Exil-Iraner Daryush Shokof findet drastische Bilder und Worte für friedliches Nichtstun im Angesicht der Folter. Und: „Polit-Putze“ Irmela Mensah-Schram fackelt nicht lange herum, sondern handelt – nach dem Prinzip: „Search and Destroy“. Henryk und Hamed begleiten die Dame auf ihrem Feldzug gegen Hassparolen: Über 85.000 Nazi-Schmierereien hat sie unter Lebensgefahr bereits übersprayt – Zivilcourage in Deutschland. Henryk und Hamed finden, es braucht mehr davon.

Do, 7. Mrz · 06:55-07:55 · arte
Heimkehr in die Fremde

Die Dokumentation begleitet drei Teenager, deren Eltern als Gastarbeiter nach Israel kamen, auf der Suche nach ihren Wurzeln in den Kongo, nach Peru und auf die Philippinen. Da Israel im Begriff ist, ausländische Arbeiter und ihre Familien auszuweisen, müssen diese Gastarbeiterkinder sich Gedanken über ihre Zukunft machen. Identitätssuche im modernen Israel: Die drei in Israel geborenen Gastarbeiterkinder Oto, Nato und Germaine sind auf der Suche nach ihren Wurzeln und ihrem Platz in der Welt und begeben sich dazu auf eine Reise in die Heimatländer ihrer Eltern. „Heimkehr in die Fremde“ beleuchtet komplexe politische und persönliche Fragen zu einem Zeitpunkt, da Israel im Begriff ist, ausländische Arbeiter und ihre Kinder auszuweisen. Wie entsteht Identität? Wodurch fühlt man sich seinem Heimatland verbunden? Die Dokumentation begleitet drei Teenager, deren Eltern als Gastarbeiter auf der Suche nach einem besseren Leben nach Israel kamen. Sie sind keine Juden, fühlen sich gleichwohl vollkommen als Israelis und spüren jetzt im Kongo, in Peru und auf den Philippinen ihren Wurzeln nach und machen sich dabei zugleich Gedanken über ihre Zukunft.

Fr, 8. Mrz · 02:50-03:20 · 3sat
Land, Leute, Leidenschaft, 2/5, Starke Frauen

Sümeyye Manz träumt von Gold. Die junge Frau gehört zu den erfolgreichsten Taekwondo-Kämpferinnen Europas. Die gebürtige Nürnbergerin mit türkischen Wurzeln bereitet sich auf die Olympischen Spiele 2012 in London vor. Die Profitänzerin Jana Willig wuchs in Tschechien auf. Jetzt lebt und arbeitet sie als Tanzlehrerin in Ansbach. Integration in eine neue Gesellschaft ist nicht einfach, das weiß auch Diana Liberova. Sie kam mit 16 Jahren aus Sankt Petersburg nach Nürnberg – als „jüdischer Kontingentsflüchtling“, wie das auf Amtsdeutsch heißt. Damals sprach sie kein Wort Deutsch, heute leitet sie den Integrationsrat der Stadt Nürnberg und berät den Oberbürgermeister.

Fr, 8. Mrz · 05:20-05:50 · HR
Entweder Broder – Die Deutschland-Safari, 1/5

In der ersten Folge der neuen Staffel der preisgekrönten Fernsehreihe begegnen Henryk und Hamed erstaunlich vielen Menschen, die sich ganz sicher sind, dass die Welt, wie wir sie kennen, „eine große Lüge ist“. Die Juden brocken uns den ganzen Ärger ein, die Medien stehen unter deren Einfluss, und finstere „Illuminaten“ lachen sich dabei heimlich ins Fäustchen. Zugegeben, selbst Foxterrierhündin Wilma musste mittlerweile lernen, dass der Weihnachtsmann nicht existiert. Doch die ganze Wahrheit ist um einiges grausamer. Henryk und Hamed werden auf ihrer Reise in ein riesiges Komplott eingeweiht: Zehn Jahre danach erfahren sie exklusiv die ganze Wahrheit darüber, wer wirklich hinter den Anschlägen vom 11. September 2001 steckt. War gar Osama Bin Laden ein trickreicher CIA-Agent? Auch die NPD scheint an einer profunden Aufklärung der wahren Hintergründe interessiert zu sein. Aber es kommt noch schlimmer, die Sängerin Indira Weis bringt es beim koscheren Mittagsmahl mit Broder klar auf den Punkt: „Das ganze Leben ist ein Spiel, und wir sind nur die Kandidaten!“ Bei Jehova: Ist tatsächlich alles nur eine gut inszenierte Dschungelshow, und wir sind nur armselige, fremdbestimmte Marionetten?

Fr, 8. Mrz · 21:50-23:35 · arte
In einem anderen Licht

Die wohlgeordnete Welt der über 50-jährigen Irène zerplatzt eines Tages wie eine Seifenblase: Ehemann Martin verlässt sie wegen einer anderen und sie erfährt, dass der, den sie dafür hielt, nicht ihr wahrer Vater ist. Auf der Suche nach ihrer eigenen Identität versucht sie, ihren leiblichen Vater, einen jüdischen Musiker, der vor den Nazis geflohen ist, aufzuspüren. Irène ist eine wohlsituierte und erfolgreiche Rechtsanwältin. Seit über 30 Jahren ist sie mit dem Bankier Martin verheiratet, mit dem sie zwei erwachsene Kinder hat. Eines Tages bricht ihre sichere Welt in sich zusammen: Sie hört ein Gespräch mit an, das versehentlich vom Anrufbeantworter aufgenommen wurde, und erfährt so, dass ihr Mann eine Affäre hat. Zunächst noch gefasst versucht sie, den Alltag zu bewältigen, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Doch der endgültige Eklat lässt nicht lange auf sich warten: Während eines Familienessens verkündet Martin, von nun an mit seiner Geliebten zusammenleben zu wollen. Gedemütigt verlässt Irène mitten in der Nacht das Haus und die Familie. Ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen beschließt sie, einen Schlussstrich unter ihr bisheriges Leben zu ziehen. Sie sucht Zuflucht in einem tristen Motelzimmer und erlebt den zweiten Schock dieses Abends: Aus einem Brief ihrer Mutter erfährt sie, dass der Mann, der sie geliebt und aufgezogen hat, nicht wirklich ihr Vater ist. Ihr leiblicher Vater ist Samuel, ein jüdischer Musiker, der vor den Nazis fliehen musste und nach dem Krieg nach Israel emigrierte. Trotz der Verunsicherung durch die verwirrenden Erkenntnisse behält Irène die Fassung. Sie trifft den ehemaligen Geliebten Thomas wieder, der sie ermutigt, nach ihrem Vater zu suchen. In der Hoffnung, etwas über sich selbst zu erfahren, ringt sich Irène durch, die Suche nach Samuel aufzunehmen. Entschlossen folgt sie seiner Spur, die quer durch Europa über Wien nach Kroatien führt. Sie braucht zwar keinen neuen Vater, aber Klarheit über ihre eigene Geschichte …

So, 10. Mrz · 06:15-07:55 · MDR
Fünf Tage im Juni

Frankreich am 6. Juni 1944, dem Tag der Landung der Alliierten. Der 14-jährige Michel möchte nach seinem Wettbewerb am Pariser Konservatorium gemeinsam mit seiner Mutter Marcelle in seine Heimatstadt Saint-Lô zurückkehren. Doch vom Gare St. Lazare fahren keine Züge mehr, erklärt ihnen eine junge schwangere Frau. Yvette ist nicht schwanger, wie sich herausstellt, aber sie ist Mitglied der Résistance und jüdischer Abstammung. Sie entpuppt sich als vitale, lebenslustige Frau mit beachtlichen schauspielerischen Qualitäten. So „organisiert“ sie Fahrräder, mit denen die drei sich auf den Heimweg begeben. Auf dem Weg durch die malerische Landschaft der Ile-de-France verliebt sich Michel in Yvette, während die beiden Frauen sich herzlich anfreunden. Doch schon bald gerät das Trio in gefährliche Situationen, da genau auf deren Route die Front zwischen deutschen und alliierten Truppen verläuft. Bei einer Begegnung mit amerikanischen Soldaten macht der Junge aber auch erste Bekanntschaft mit der ihm völlig unbekannten Jazz-Musik. Als Michel und Yvette gerade noch mit heiler Haut direkten Kampfhandlungen entkommen können, lassen sie ihren Gefühlen in der ersten Erleichterung spontan freien Lauf. So werden für Michel diese fünf Tage im Juni prägend für sein ganzes Leben.

So, 10. Mrz · 23:15-01:10 · BR
Die Frau des Anarchisten

1937: Es ist Nacht in Madrid. Justo und Manuela, ein junges Paar, lieben sich leidenschaftlich. General Franco steht mit seinen Truppen vor den Toren der Stadt. Justo ist ein engagierter Rechtsanwalt – sein Herz schlägt für die Hilflosen der Welt. Längst hat sich der Sohn einer angesehenen Familie als Anarchist den Republikanern angeschlossen. Vor der Stadt kämpft er gegen die Franco-Truppen. Vergeblich hat er versucht, seine Frau zu überreden, zu fliehen. Sie aber will unbedingt in seiner Nähe bleiben. Heimlich ist er in die belagerte Metropole zurückgekehrt, um seine Familie zu sehen. Doch Freiheit und Gerechtigkeit sind in seinen Augen die wichtigsten Güter, für die er sein Leben aufs Spiel setzt, so dass er Manuela bereits am nächsten Morgen verlässt, um gegen Francos Truppen zu kämpfen. Manuela bleibt ohne Lebenszeichen von ihm. Manuelas höchstes Ziel auf Erden ist die Liebe zu ihrem Mann. Diese Leidenschaft lebt unerschütterlich in ihr. Immer verzweifelter sucht sie nach Justo. Ihr Schwager Francisco, Justos Bruder und ein Franco-Anhänger, will die schöne, sinnliche Frau heiraten und versucht ihr einzureden, ihr Mann sei tot. Sie will ihm nicht glauben. Die Erniedrigungen, den Abstieg in die Armut und die tägliche Bedrohung des Lebens erträgt sie in der unglaublichen Hoffnung, dass Justo eines Tages heimkehrt. Justo ist seiner Mission treu geblieben. Sein Weg hat ihn vom Bürgerkrieg in Spanien über die „Résistance“ in Frankreich gegen das Naziregime bis ins Konzentrationslager Mauthausen gebracht. Zuhause ist seine Tochter Paloma, die er das letzte Mal als kleines Kind gesehen hat, zu einer kämpferischen jungen Frau herangewachsen. Sie verehrt den fernen, unbekannten Vater. Mit Mut und Verstand trotzt sie den Widrigkeiten ihres Alltags. Nach zwölf bitteren Jahren entdeckt Manuela ein Bild von Justo in der Zeitung. Es zeigt ihn als einen der Befreiten von Mauthausen. Justo hat nun in Frankreich Zuflucht gefunden, bei „Lenin“, einer Deutschen, mit der er in der Résistance gekämpft hat. In der französischen Provinz kommt es zum langersehnten Wiedersehen. Manuela ist von ihrer ungebrochenen Liebe beseelt. Justo verfolgt trotz seiner Kriegsverletzung weiterhin unbeirrt seine Ideale, nur Paloma ist von ihrem Vater tief enttäuscht. Erst als Paloma von seinem wahren Engagement erfährt, verbündet sie sich mit ihm in seinem Kampf. Ende der 70er Jahre beginnt sich in Spanien langsam durchzusetzen, wofür Justo sein Leben lang gekämpft hat.

Mo, 11. Mrz · 22:55-23:45 · 3sat
Kreuz & Quer: Faszination Kabbala – Magie, Mystik, Kult

Die Kabbala ist eine mystische Tradition im Judentum, eine jahrhundertelange mündliche Überlieferung, und soll den Schlüssel zu den größten Geheimnissen des göttlichen Lebens bergen. Kabbalisten suchen nach einer unmittelbaren Beziehung zu Gott über Studium und Meditation. Aber die Kabbala wurde auch stets mit Magie in Verbindung gebracht: Amulette, Talismane und Zaubersprüche sollten vor bösen Mächten schützen. In der Kabbala liegt zum Beispiel der Ursprung eines der bekanntesten Mythen der europäischen Kultur: der des Prager Golem. Selbstbedienungsladen oder jüdische Geheimlehre? Regisseur Fritz Kalteis stellt in seiner Dokumentation aus der Reihe „Kreuz & Quer“ Geschichte, Tradition und Inhalt der Kabbala vor und zeigt, wie sich auch Nichtjuden die Kabbala auf ihre ganz persönliche Art und Weise zu Eigen machen.

Di, 12. Mrz · 17:15-18:00 · 3sat
Exil in der Karibik

Mehr als 700 Juden aus Deutschland und Österreich können sich in den 1930er und 1940er Jahren vor dem Nazi-Terror in die Dominikanische Republik retten. Obwohl dort mit Diktator Trujillo ein glühender Hitler-Verehrer herrscht, finden sie Asyl in dem Karibik-Staat. Trujillo hatte im Juli 1938 auf einer internationalen Flüchtlingskonferenz in Evian am Genfer See verkündet, er werde 100.000 jüdische Emigranten aus Europa in seinem Land aufnehmen. Vertreter von 31 anderen Staaten lehnten es kategorisch ab, Juden in größerer Zahl Asyl zu gewähren. Trujillo, international als Rassist geächtet, handelte aus politischem Kalkül. Er wollte sein internationales Image verbessern und die dunkelhäutige Bevölkerung seines Landes mit der Zuwanderung von Europäern „aufhellen“. Dietmar Schulz schildert in „Exil in der Karibik“ aus der Reihe „ZDF-History“ das Schicksal der jüdischen Flüchtlinge. Einer von ihnen ist der heute 99-jährige Luis Hess aus einer Fabrikantenfamilie in Erfurt. Er berichtet über seine abenteuerliche Flucht aus Europa und den Aufbau einer jüdischen Siedlung in Sosua an der Nordküste des Insel-Staates. „Don Luis“, wie ihn seine Freunde nennen, ist der einzige noch lebende Siedlungsgründer.

Di, 12. Mrz · 20:15-21:00 · RBB
Die rbb Reporter – Terror im Kiez

Christiane S. ist eine mutige Frau. Im September 2011 wollen drei junge NPD-Aktivisten Parteiwerbung in ihren Briefkasten werfen. Die Mutter von zwei Töchtern verwahrt sich gegen die braune Post und wird prompt von Rechtsextremisten bedroht. In den folgenden Monaten werden der Familie S. mehrfach die Scheiben eingeworfen, die Haustür beschädigt, einmal sogar der Briefkasten gesprengt. Ihr Haus in Berlin-Britz steht zwischenzeitlich unter Polizeischutz. Die Familie S. ist nicht das einzige Opfer. In vielen Fällen hinterlassen die Täter Hakenkreuz- und SS-Schmierereien. Zudem sprühen sie immer wieder das Signet „NW-Berlin.net“. „NW-Berlin“ – das ist nicht nur die Internetseite des so genannten Nationalen Widerstands Berlin. Unter der Bezeichnung firmiert auch ein Aktionsbündnis gewaltbereiter Neonazis mit Querverbindungen zur NPD. Zunächst waren die Aktivitäten von „NW-Berlin“ auf das Stadtgebiet der Bundeshauptstadt beschränkt, mittlerweile aber mehren sich die Anzeichen, dass die Gruppe auch in Brandenburg Anhänger rekrutiert und im Berliner Umland aktiv wird. Jo Goll und Torsten Mandalka begleiten die Familie S. in der schwierigen Zeit des rechten Terrors. Sie beobachten, wie Christiane S. mit Mut und Zivilcourage die Angst überwindet. Und wie am Ende auch die Nachbarschaft Gesicht zeigt gegen Rechtsextremismus und Gewalt. Die rbb-Reporter begegnen auch jenen Neonazis, die mutmaßlich hinter dem Label „NW-Berlin“ stehen, fragen nach Strukturen und Hintergründen. Wie kann es sein, dass einige wenige rechtsextreme Gewalttäter über Monate hinweg ungehindert nächtlichen Schrecken verbreiten? Jo Goll und Torsten Mandalka verfolgen die Spur des rechten Terrors und stoßen dabei auch immer wieder auf die NPD.

Di, 12. Mrz · 21:00-21:45 · RBB
Propaganda, Hass, Mord – Die Geschichte des rechten Terrors

Elf Morde der Zwickauer Neonazi-Zelle – der Aufschrei ist schnell verklungen, die Gesellschaft längst wieder im Alltag angekommen. Doch wie konnte es so weit kommen? Die Dokumentation rekonstruiert, wie die Blutspur des neonazistischen Terrors vor mehr als 30 Jahren gelegt wurde. September 1980: Auf dem Oktoberfest explodiert eine Bombe. Die Bilanz: 13 Tote, 200 Schwerverletzte. Der Täter stammt aus der „Wehrsportgruppe Hoffmann“, einer Schmiede von Rechtsterroristen. Ein Einzeltäter? Bis heute gibt es Zweifel. Dezember 1980: Das jüdische Verlegerpaar Lewi wird kaltblütig erschossen, der erste antisemitische Mord seit Kriegsende. Wenige Tage zuvor sind in Hamburg zwei Vietnamesen bei einem Brandanschlag umgekommen. Spuren – keine Beweise – führen zu Manfred Roeder, einem Terroristen und Ausschwitzleugner. Das Jahr 1980 ist ein Dammbruch – es gibt weitere rechtsextremistisch motivierte Morde, z.T. aus dem Untergrund. Terror von rechts! Dann die politische Wende in der DDR. Was im Westen weithin unbekannt ist: Auch hinter der Mauer gibt es gewaltbereite Rechtsradikale. So kommt es mit der deutschen Einheit auch zur Vereinigung von Neonazis aus Ost und West. Braune Führer aus dem Westen wie Michael Kühnen, Christian Worch oder Friedhelm Busse werden zu „Brandbeschleunigern“ im Osten. In Hoyerswerda oder Rostock-Lichtenhagen kommt es zu Pogromen, die Terror-Welle erreicht auch den Westen. In Solingen und Mölln sterben Menschen qualvoll. Der Staat reagiert hart, verbietet in den 90er-Jahren zahlreiche rechtsextreme Vereine und Gruppierungen. Doch die Szene ändert die Taktik. Sie bildet Kameradschaften, scheinbar lose Gruppierungen, ohne festen Ort, nur noch durch Internet und Handy verbunden. Die Sicherheitsbehörden sind dieser Taktik – trotz moderner Überwachungstechnik – anscheinend nicht gewachsen. Auch die NPD will ihre Schlagkraft auf der Straße erhöhen. Sie öffnet sich, lässt bekannte Neonazi-Größen mit ans Ruder und verschärft ihren demokratiefeindlichen Kurs. Ein Verbotsverfahren scheitert. Das ist der Nährboden, auf dem Gruppierungen wie die sogenannten „Freien Kameradschaften“ oder der Thüringer Heimatschutz entstehen. Hier beginnt die Mordserie der „Zwickauer Zelle“. Die Dokumentation zeichnet die Geschichte rechtsextremer Gewalt seit den 1980er-Jahren in der Bundesrepublik, der DDR und dem vereinten Deutschland nach. Der Blick zurück schockiert, denn es wird offenbar, dass der rechte Terror von der Politik über Jahrzehnte hinweg unterschätzt wurde.

Mi, 13. Mrz · 00:25-02:00 · BR
A Serious Man

Ein US-amerikanischer Vorort, Mitte der 1960er-Jahre: Der biedere Physik-Professor Larry Gopnik führt mit seiner Familie ein ereignisloses und gewöhnliches Leben. Doch dann scheint sich aus heiterem Himmel die ganze Welt auf aberwitzige Weise gegen ihn zu verschwören: Gopniks Frau verlangt die Scheidung, sein Bruder wird von der Polizei gesucht und anonyme Verleumdungsbriefe bringen seine Karriere in Gefahr. Gobnik sucht bei dem Rabbiner seiner jüdischen Gemeinde Rat. Doch dessen Lebensweisheiten stürzen den armen Kerl noch tiefer in die Sinnkrise. Der US-amerikanische Mittelwesten, 1967: Larry Gopnik lebt mit seiner Familie in einer spießigen Vorortsiedlung – eine Einöde aus uniformen Einfamilienhäusern, betongrauen Straßen und akkurat gestutzten Rasenflächen. Gopnik ist ein respektiertes Mitglied der jüdischen Gemeinde und als Physik-Professor am örtlichen College tätig. Doch dann droht wie aus dem Nichts sein ganzes Leben aus den Fugen zu geraten: Seine Frau Judith will sich von ihm scheiden lassen, seine Kinder ignorieren ihn und Larrys arbeitsloser Bruder Arthur, wegen illegalen Glücksspiels von der Polizei gesucht, nistet sich auf der Familiencouch ein. Obendrein okkupiert ein aggressiver Nachbar einen Teil seines Grundstücks, und Larrys Festanstellung am College wird durch anonyme Verleumdungsbriefe gefährdet. In seiner Verzweiflung sucht er Hilfe bei verschiedenen Rabbinern. Doch deren Ratschläge geben ihm nur noch mehr Rätsel auf. Fast scheint es, als würde ihn Gott höchstpersönlich auf die Probe stellen.

Mi, 13. Mrz · 09:30-10:15 · BR-alpha
Beifall, Unterwerfung, Terror

Vor 75 Jahren: „Anschluss Österreichs“ an Hitler-Deutschlandalpha-Österreich

Do, 14. Mrz · 21:00-21:45 · BR-alpha
alpha-Forum

Sybille Krafft im Gespräch mit Ellen Presser (Leiterin des Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde München)

Fr, 15. Mrz · 21:45-23:20 · arte
Blut, Schweiß und Tränen

Winston Chruchill steht nach Ende des Zweiten Weltkriegs zur Wiederwahl. Der Bezwinger Hitlers und seine Frau Clemmie erwarten das Ergebnis in Frankreich. Er erinnert sich an die Zeiten des Sturms, als das Britische Königreich allein gegen Nazideutschland kämpfte. In den sechs Jahren des Zweiten Weltkriegs spielte Winston Churchill vielleicht die führende Rolle beim Kampf gegen die Nazis im Zweiten Weltkrieg, sein unerschrockener Führungsstil und seine Rhetorik ermutigten Millionen von Briten und ­­Menschen anderer Länder, gegen Hitler-Deutschland bis zum bitteren Ende zu kämpfen. Während Churchill auf die Wahlergebnisse wartet, geht sein Blick zurück auf die Jahre, als er seine belagerte Nation heldenhaft durch die schwierige Zeit führte. Der Mann, der zum Helden seiner Nation wurde, bringt gerade durch die Kompromisslosigkeit seiner herausragenden Führerschaft letztendlich seine eigene politische Karriere und die Ehe mit seiner lebenslangen Gefährtin Clemmie in Gefahr. Aufgrund seiner Starrköpfigkeit und Zielstrebigkeit wird er zum Symbol der Nation. Unter den Verbündeten Großbritanniens, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion als den alliierten Mächten sorgt er für Einigkeit. Er übt einen maßgeblichen Einfluss aus bei den Entscheidungen der Konferenzen des Zweiten Weltkrieges in Teheran und Jalta. Die Hartnäckigkeit des Kriegspremiers sind Ursache, dass das britische Volk sich bei den Wahlen im Juli 1945 gegen seine Prinzipien stellt und ihn nicht mehr unterstützt. Mit der Wahlniederlage scheidet er aus dem Amt aus, wird aber 1951 bis 1955 erneut Premierminister.